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werden. Der genannte Klub, der keine engere Verbindung ist, sondern über 1500 Mitglieder zählt, hat nach seinen Satzungen die Pflicht, j e - den als Mitglied aufzunehmen, von dem be­kannt ist, dah er zur Partei gehöre. Nach der Erklärung deS Herrn Fabrikbesitzers Weber hatte ich keine Veranlassung, mich irgendwie ge­gen die Aufnahme zu wenden, zumal er mir von einem Mitglied der vollsparteilichen Reichstags­fraktion vorgestellt wurde. Es ist selbstverständ­lich unmöglich, jemanden, der sich der Partei anschliebt, vorher zu fragen, ob er in Zu° kunft mit den Gesetzen in Konflikt kommen würde. Sobald der Reichsklub er­fahren hat, dah gegen Herrn Weber Verdachts­momente vorliegen, ist er aus den Mit­gliederlisten gestrichen worden und hat davon sofort Kenntnis erhalten. Die Beiträge und Stiftungen, die Herr Weber der Deutschen Volkspartci gemacht hat, haben insgesamt den 'Betrag von 1000 Goldmark nicht erreicht.

2. Herr Heilmann behauptet ferner, dah der Direktor der Depositen- und Handelsbank, Herr Wölpe, wiederholt von mir empfangen worden sei. Wolpe in Begleitung des früheren Reichs- lagsabg. Fleischer und des damaligen Reichs­postministers Dr. Höf le ist bei mir gewesen zu jener Unterredung, in der der Reichspostminister den Anlauf der hier lagernden Gold­bestände gegen Papiermark durch die genannte Dank empfahl. Weder mir noch dem mit der Vermittlung der Besuche betrauten Beamten Ler ReichslanAei ist erinnerlich, dah Wolpe außerdem bei mir gewesen wäre. Sollte das der Fall sein, so ändert das nichts an der Tat­sache, dah die Reichskanzlei alle Beziehungen zu der Depositen- und Handelsbank und den dabei beteiligten Persönlichkeiten abgebrochen hat, als sie aus den telephonischen Mitteilungen des Herrn Geheimrats F e l -I i n g e r erfuhr, dah gegen die Bank Bedenken obwalten.

3. Herr Heilmann behauptet ferner, dah der frühere russische Volkskommissar Krassin im Besitz eines Empfehlungsschreibens wäre, das ich für Herrn Litwin ausgestellt habe, ein Mann übrigens, der seit 25 Jahren in Deutschland wohnt und während des Krieges als Deutscher na­turalisiert worden ist und dessen Söhne ihrer Militärpflicht während des Krieges genügt haben. Kommerzienrat Litwin hat mir auf meine bezüglich der Darlegungen Heilmanns an ihn gerichtete Anfrage erklärt, dah an den Behauptungen Heilmanns kein wahres Wort wäre und dah er niemals einEmp- fehlungsschreiben von mir erbeten und infolgedessen auch niemals ein Empfehlungs­schreiben von mir erhalten habe.

Die Ruhrkredite.

Die Denkschrift im Reichstag

Berlin. 20. Febr. 10 Ahr vormittags. Der Reichstag berät zunächst in zweiter und dritter Lesung einen Zusatzvertrag zu dem am 1, September 1920 abgeschlossenen deutsch- österreichischen Wirtschastsabkom- .n e n. 3m Bericht des Ausschusses wird von dem Abg. Dr. 2ejeune»3ung (Dtntl.) betont, Deutschland fei bei diesem Abkommen mehr der Gebende als der Empfangende, aber die Mehr» heft des Ausschusses habe dennoch mit Rücksicht auf das besondere Verhältnis zwischen Oester­reich und Deutschland sich für die Genehmigung ausgesprochen.

AcichSauhenminister Dr. Stresemann er­klärt dazu: Trotz aller Hemmungen der Derträge von Dersailles und St. Germain sind wir ent­schlossen, alles zu tun, um

die Beziehungen zwischen Deutschösterrelch und dem Deutschen Reich so eng und innig wie nur irgend möglich

zu gestalten. (Lebhafter B i all.) Wenn deshalb der vorliegende Vertrag auch für uns den Cha- rdkter einer Provisoriums trägt, wenn er amh Deutschland weniger Vorteile bringt als Oesterreich, so haben wir ihm dennoch zuge» ftünmt, um möglichst der erste Staat zu fein, ü^r mit seinem deutschen Qlacbbarftaat Oesterreich einen solchen Vertrag abschließt. (Lstbhaf.er Bei­fall.) Wir sollten in diesem Falle nicht prozentual berechnen, wer mchr gibt oder empfängt. We-n es '"ach dem Willen beider Völker ginge, wurden ja üb rhauvt die Grenzen niedergerissen und wir wurden ein Land und eine Wirt- fchwf t s g e m e i n s ch a f t sein. (Lebhafter Bei» fall.) Cs ist vielfach mit Recht über die noch bestehenden Grenzschwierigkeiten gefaft werden. 3ch freue mich, mitteilen zu können, daß wir schon anfangs nächster Woche mit der hiesigen österreichischen Gesandtschaft in Verbin­dung treten werden, mit der Absicht, b;e ge­samten wechselseitigen Sichtvermer Siorsch'iften zwischen den beiden Landern aufzuheben. (ÖebHter D'ifall.)

Ter Vertrag wird gegen die Stimmen der Kommunisten enb-'ü'tig angenommen.

Auf der Tagesordnung steht dann

die Denkschrift über die Ruhr- Kredite

über die Erstattung der Reparationslasten und -schaden der Pri atwiftschaft im Ruhr- und Rhftnqebiet. Ve bun^n Wwdm damit de kom­munistischen und softaldemokraffchen Anträge auf Ei"setzu"g ein s Antersuchungsaus- fchusfes zur P ü'vng b~r Rubrk edite.

Rcichs'inanzmin'ster Dr. v. Schlieb en lei­tet die Beratung mit der Erklärung ein, die Re­gierung erkenne an. dah bei dm Ruhr Entschädi­gungen eine Etatüberschreitung ' o li gt, und sie erbitte da ür Indemnität. D e Re­gierung habe von vornherein die Abs'cht gehabt, diese Angftegenhftt d m Reichstag sofort nach seinem Zusammentritt zu un «breiten.

Abg Dr Hertz (Soz.) begründet den An­trag seiner Freunde auf Einsetzung eines Unter- suchungsausschusses zur Prüfung der Hergabe b t ZOO Millionen Entschädigungen an die Ruhrindu'trie. Die Denkschrift der Regie­rung schaffe k ine befriedigende Au'klärung. Sie gebe den Schr f we ,sel zwischen Str-s mann und S.innes nvr lücf n'a t wieder: sie tri! auch nicht die Kabinettsbrschl se mit, auf die sich die Re­gierung in ih ec unterirdischen Pr paganda vor dem Erscheinen der Denkschrift berufen habe. Angesichts der Versuche von rechts, die frühe­ren sozialdemokratischen Minister für die Ruhventschädigungen mit verantwortlich zu machen, mühten sie von dem jetzigen Reichs­kanzler verlangen, dah er der Wah.heit die Ehre gebe und bestätige, dah sein Vorgänger nichts mit der Angckgenheit zu tun hatte. (ReichZkanz- ler Dr. Luther: Richt bestätigen!) Am 12. Oktober schrieb Dr. Stresemann dem Bergbaulichen Ver­ein, er könne bei der Finanzlage des Reiches eine Garantie für den der Revarations-

schäden der Industrie nicht übernehmen. Aber schon am 21. Oktober wurde von Dr. Stresemann etwas anderes gesagt! (Auhenminister Dr. Strese­mann: Weil die Regierung am 20. Oktober durch einstimmigen Beschluß ihren Stand­punkt geändert hat!) Besonders ausfallend sei auch die Art der Regierungsverhandlungen mit den Zechenunternehmern. S.lange das Wie­deraufbauministerium von einem Richtfozialdemo- traten geleitet wurde, habe es als zuständig ge­golten für diese Verhandlungen. Unzuständig wurde eS aber in dem Augenblick, wo der Sozial­demokrat Robert Schmidt das Ministerium über­nahm. (Rufe bei den Sozialdemokraten: Das ist Schiebung und Korruption!) Der Redner geht dann auf die Art ein, wie von der Regierung die Entschädigungsaktion vorgenommen worden sei, unter Ausschaltung des Reichstages.

Die Reichsregierung habe bei der Gewährung der 700-Millionenentschädigungen an die Ruhrindustrie ja ganz gesetzwidrig gehandelt und dadurch das

Ansehen des Reiches schwer geschädigt.

(Lebhafte Zustimmung links.) Die Millionenent­schädigungen seien der Ruhrindustrie aus der

oLÜyiabr zu Ende kommen wurde, ^.atsacyucy ist der Laus der Dinge erheblich langsamer ge­wesen. Es muhten darum andere Wege gegan­gen werden, um das Wirtschaftsleben aufrecht­zuerhalten. Auf verschiedene Zwischenrufe von der Linken erttärt der Kanzler sehr erregt: Ja­wohl! Die Reichsregierung hat es damals auf sich genommen, das deutsche Volk durch die furcht­baren Verhandlungen hindurchzuführen. (Stür­mischer Beifall rechts. Lärm links.)

Abg. Dr. Hertz (Soz.: Warum haben Sie uns damals nicht die Wahrheit gesagt? (Groher Lärm und Zurufe rechts.)

Der Kanzler fährt fort: Rach Abschluß des Londoner Abkommens ging der Reichstag in die Ferien. 3n dieselbe Zeit fällt die Herabset­zung der älmsahsteuer, die Erhöhung der Deamtengehälter, und alles konnte geschehen ohne den Reichstag. Der Finanz­minister wollte an den Reichstag herantreten; da kamen die Regierungskrise und die Auflösung des Reichstages. Es wurde eine Steuerherabsetzung vorge.iommen ohne den Reichstag. Dann muhte auch die

12 Expreßboten auf allen oberhesfischen und benachbarten Bahnstrecken, sowie 200 eigeneVertriebsstetlen sorgen täglich dafür, daß der Giehener Anzeiger auch in den abgelegenen Orten seines Verbreitungsgebietes nsch amErfcheinungsiage pünktlich in die Hände der Leser gelangt.

Staatskasse gezahlt werden, und zwar xur Ab­geltung der Micumlasten, sowohl zur Abgeltung dieser Micumlasten schon erhöhte Preise auf Kosten der Konsumenten und Min­derlöhne auf Kosten der Arbeiter und Ange­stellten bewilligt worden teuren. Man habe er­klärt, das Reich habe nicht die Mittel für eine Aufwertung. Während die Ruh rindusft teilen sich unerhört bereichert haben, sind 7000 Arbeiter und Angestellte der Micumzechen brotlos und auf die Strahe gesetzt worden. Durch diese Millionen­entschädigungen sei auch die Frage der Auf­wertung, die ja eine Frage der Mittel sei, in ein anderes Stadium getreten. Wir verlangen die Rückzahlung der Entschädigungen, damit mit diesen Mitteln das schwere Unrecht wieder gut- gemacht wird, unter dem die Aufwertungsinter­essenten bisher leiden muhten! (Lebhafter Bei­fall bei den Sozialdemokraten.)

Don den Parteien der Rechten und des Zentrums ist ein Antrag eingegangen: Gemäh Artikel 34 der ReichsVerfassung wir) ein U n » tersuchungsausschuh eingesetzt mit der Aufgabe. festzustellen, ob irgendwelche Beträge an die Ruhrtndustriellen gesetzlich ausge- zahlt worden sind und ob daher eine Rück­zahlung erforderlich ist.

Abg. Dr. Kremer (D. Vpt.) gibt für die Fraktionen der Deutschnationalen, der Deutschen und Bayerischen Vollspartei und der Wirt- schafllichen Vereinigung eine Ev'lärung ab. in der besagt wird, die unterzeichneten Fraktionen seien überzeugt, dah die Reichsregierung bei dem Ersah der Reparationsschäden unter dem Druck der Aotwendigkeit gchandelt habe, die deutsche Wirtschaft vor dem vollständigen Zusammenbruch zu bewahren. Sie seien gleich­wohl für die Einsetzung eines älntersucfmngs- ausschusses, damit objektiv festgestellt werde, dah die Maßnahmen der Regierung durch zwin­gende Verhältnisse geboten waren und dah sie weder die Finanzen des Reiches ge­schädigt, noch Privatpersonen unzulässige Vorteile zugesührt habe. Die Fraktionen beantragten wei­ter die Ucbertoeilung der Denkschrift an den Haupt ausschuh.

Reichskanzler Dr. Luther von der Linken mit Unruhe empfangen, erklärt, es klinge immer so, als ob es sich hier nur um Kredite an die Auhrkohle und wenige grobe Firmen h mdele. Aus der Denkschrift ergibt sich, dah es sich bei den 700 Millionen um die Ge­samtbeträge handelt, die an Entschädi­gungen im besetzten Gebiet gezahlt worden sind. Die Zahl dem Empfänger dieser Entschädigung umfaßt 4 000. (Hört, hört! rechts.) Es handelt sich einfach um den Ersah der durch die Gewalt den Bewohnern der besetzten Gebiete toeggenommenen Leistungen. Das Reich muhte, sobald es dazu imstande war, diese Leistungen erstatten. Auch Dr. Hertz hat sich mit Bestimmtheit ausgespro­chen, dah Rhein und Ruhr nicht Repa­rationsprovinz werden würden. Mit den Worten ist es aber nicht getan. Wenn man das nicht will, muh man in dem Augenblick, wo es notwendig ist, entsprechend handeln. (Lärmende Zwischenrufe links. Zustimmung rechts.) Die Frage der Gutschrift ist eine innen­politische Ang l g.nheft, die vom Reich mit allem Archaruck erfolg:n wird. Der springende Punkt war doch, die Arbeitslosigkeit im besetz­ten Gebiet zu verhindern und das Wirtschafts­leben in Garm zu halten. (Widerspruch links.) Der Kanzler bestreit et. dah es zu der Indemni­tätsvorlage der R.gierung erst eines Anstoßes von auhen bedurft habe. Schon in der ersten Sitzung des Haushaltsausschus es hat der R ich;- finanzminister als erster Redner dem Ausschuh Auskunft gegeben. (Lärmende Zurufe links: Unb das Schreiben des Bergarbeiterverbandes?) Auf einem anderen Wege konnte nicht verfahren toer­ben, da der Reichstag gar nicht frü­her zusammen trat. (Celächter links.) Die Regierung hat sich beim Abschluß der Micum- verträge darauf eingestellt dah man etwa im

RuhrentschädigungS frage erledigt werden.

Will man der Regierung vorwerfen, dah es ihr gelungen ist, im Lause des Jahres die Reichs­finanzen zu sanieren?

(Großes Lärmen links und Schluhrufe rechts.) Die Zusage gilt erst für die Zeit nach der Sanie­rung. Sollten wir die Zusage verweigern, nach­dem das deutsche Volk dazu in der Lage war, sie zu leisten? Waren die Zahlungen zu hoch? Der Reichskanzler gibt einen zahlenmäßigen äleberblick. Auch der preuhische Handelsminister Siering habe in einem Gutachten gesagt, dah die amtlichen Kchlenpreise zur Zeit der Ausführung ber Micarnver.r.ge d e tals.chlichen Selbstkosten der Ruhrindustrie nicht gedeckt haben. (Lebhaftes Hört, hort! rechts.)

Abg. Dietrich- Baden (Dem.) Bei der Berechnung der Entschädigung habe sich Dr. Luther offenbar zu einfeitig von den Interessenten beraten lassen. (Sehr richtig links.) Es wird auch nicht übersehen werden, dah die übermäßige Höhe der Kohlenpreise und die W i n * derentlohnung der Arbeiter und An­gestellten begründet würde mit den Micum­lasten. Don der Regierung sind bei ihrer Be­rechnung nicht berüclsicht gt worden die Abwäl­zung eines Teils der Micumlasten auf die Ver­braucher vn> eines anderen Teils auf die Ar­beiter und Angestellten. Auch nach den An­gaben der Regierung selbst ergibt sich, dah 1 4 0 Millionen z u viel gezahlt worden sind. Es wird die Aufgabe des ftlntersuchungsaus- sch sf s sein, dieses Geld zurückzubekommen, das urg f br ausreichei würde, um die berechtigten A Sprüche der g 'schädigten Ausländsdeut­schen zu befriedigen. lD if.ill.) D'e auffallende Beschleunigung in der Zahlung läßt sich nur so erklären, biß die Regierung glaubte, sie würde arm sichts bT furchtbaren Rot der Masse ih "eS Do k s mit ihren Z h'u-gen feinen le'cbten 6 a b» Punkt vor bim Reichstag haben. (Lebhafte Zu­stimmung links.) Run einmal mit dem Auf­räumen begonnen ist, dann wollen wir nicht nur bei Barmat. sondern auch bei diesen Dingen auf- räumen. (Dftfall links.) Wir wollen Rhein und Ruhr nicht zur ReparationSprovinz machen lassen: wir lassen es aber auch nicht zu, ganz Deutschland zur Revavativ"S^rovinz werden zu lassen zugunsten eiliger groß r Privatvrganifatio- nen. (Lebhafter Beifall linkS.)

Re chsnußenminiftrr Dr. Stresemann betont in seiner Antwort an Dr. Hertz (Soz.). bei der wechselnden Haltung der Reichsregierung nach dem Abbruch des passiven Widerstandes dürfe niöt vergessen werden, wie stark die Außenpolitik in die Dinge hineinspielte. In jener Zeit, wo wir noch eine günstige Lösung der Reparationsfrage erwarten durften, war es ganz unmöglich, mit einer Erklärung an die Oeffent- lichkeit zu treten oder offen zu erörtern, welche Abmachungen mit der Industrie über die Frank­reich gegenüber einzunehmende Haltung getroffen waren. Wenn gesprochen wird von Briefen, die Herr Stresemann an seinen Parteifreund Stinnes gerichtet hat, so ist festzustellen, dah diese Briefe dem ganzenReichskabinett bekannt waren. 2I.i der Kibinettsitzung vom 20. Oktober haben nicht nur die sozialdemokratischen M i- nister Robert Schmidt und Sollmann tcilgen^mmen, sondern auch der preuhische Ministerpräsident (Hört, hört« rechts.) Deschluh dieser K.binettfitzung ist protokolla­risch fest gelegt, dah die Industrie zunächst aus privaten Krediten die Reparationen- an Frankreich über­nimmt. Sinn heiht es wör lich:Die Regierung anerkennt die Verpflichtung zur Ec- sa h i e t ft u n g. Die Ersatzleistung kann erst ein- treten, wenn die Finanzen des Reiches in Ord­nung gebracht w r en sind." (Unruhe und Zurufe bet den Sozialdemokraten. Der sozi ldemokratische Abgeordnete Husemann, der Vorsitzende des Deutschen Berg:rbefterve.bandes, hat damals in einem Briefe an mich verlangt, dah die

oax^ietiTungen oer xfitouirrte vom e t y» » zahlt werden. (Hört, hört! rechts.) In der er­wähnten Kabinettsitzung bestand Einmütig­keit. Der damalige Innenminister wandte sich sogar dagegen, dah der Finanzminister aus einzelnen Gebieten sparen wcllte.

Der preuhische M n sterpräsident stimmte gleich­falls zu und bat mich, aus Gründen der DolkS- mentalitat den Damen Stinnes nicht zu sehr in den Dordrrgrund zu stellen.

(Hört, hört! rechts) In der vorletzten Kabinett, sitzung, der auch die s o z i a l de m o k r a t i. schen Minister beiwohnten, haben sie aller- dings Stimmenthaltung geübt, nicht aber in der ersten entscheidenden Sitzung. Es wird auch übersehen, dah bei allen diesenSin­gen von entscheidender Bedeutung die auhenpoli- tischen Gesichtspunkte waren, bte damals, für? vor London, gelten muhten. (Lebhafter Deifal rechts.)

Damit schlieht die Aussprache. Rach langet Gesck^slsopdnungsbebatte wird die Einsetzung eines ülntersuchungsausschusses 6e» schlossen. Die Denkschrift der Regierung wird dem Haushaltungsausschuh überwiesen.

Rach 4 älhr vertagt sich der Reichstag auf Montag, den 2. März.

Der Äontrollbericht.

London, 21. Febr. (WTB. Funkspruch.) Times" meldet: Rachdom nunmehr der endgül­tige Bericht der 3ntera£liiertcn Militär-Kontroll- Kommission vorliege. nehme die Frage deS wei­teren Verfahrens die volle Aufmerksamkeit der alliierten Regierungen in Anspruch. Die deutsche Regierung habe bei verschiedenen Gelegenheiten den Wunsch nach mündlichen Verhand­lungen zu dem Bericht der Kontroll-Kommis­sion ausgesprochen und scheine anzunehmen. dah die Methode der direkten Verhandlungen in diesem Falle ebenso wie feinerfeit bei der Rege­lung der Reparationsfragen mit Ruhen an­gewendet werden könne. Dieser Wunsch mache es notwendig, in Erwägung zu ziehen, wann und wie Deutschland zur Beratung dieser Frage zu­gezogen werden solle. Auf Grund der vertrag­lichen Rechte würde es das Rächstliegende fein, wenn sich die alliierten Regierungen über den Text der Rote einigen und fte auf dem üb­lichen diplomatischen Wege nach Berlin senden würden. Die andere Methode, nämlich nach dem Vorbilde der letzten Londoner Konferenz die Wünsche der deutschen Regierung und ihre Be­merkungen im Laufe von Verhandlungen vor einer endgültigen Entscheidung zu hören, sei sicher elastischer, doch könne sie natürlich nur Im Falle vollständiger Einigkeit zwischen Groh-Britannien, Frankreich und Belgien bei dieser heillen Frage angewandt werden. Dw .Daily Telegraph" schreibt, die Derstöhe feien schwerlich derart, dah nicht bei etwas gutem Willen Deutschlands sie binnen verhältnismäßig kurzer Zeit beseitigt werden könnten. Man werde jedoch mit einer längeren Erörterung über die Frage der Sicherheitspolizei zu rech­nen haben. Es verlaute, dah die deutsche Re­gierung selbst einen Plan der Reorganisation der Polizei ausarbeite.

Kleine politische Nachrichten.

In Chorzow (polnisch Oberschlefien) kam es zu Ausschreitungen gegen in einem Stickstoffwerk beschäftigte Arbeiter deut­scher Rationalität. Eine Bande von 40 bis 50 Mann kontrollierte beim Schichtwechsel die. herauskommenden Arbeiter auf ihre Legiti­mationspapiere. Soweit sie feststcllte, dah die Leute in deutschem Gebiet wohnen ober in Polen wohnende deutsche Staatsange­hörige sind, wurden sie m i h h a n d e l t. Zwei Werkmeister aus Königshütte erLtten da­bei so schwere Verletzungen, dah sie in ein Kran­kenhaus gebracht werden muhten. Auch ein Beu- thener Bürger, der Oberfeuerwehrmann GalluS, befindet sich unter den tätlich Angegriffenen.

Infolge Aufhebung der Partei- und Organi- fa'tionsverbote soll nun auch der BundOber­land" zu neuem Leben erweckt werden. Die Leitung des Bundes hat Dr. Weber über­nommen. Zu Ostern soll eine allgemeine Führer­tagung stattfinden. Ein Ausruf zum Anschluß wird unter der Parole veröffentlicht: .Vroß- deutsch, wahrhaft und frei!

Die tschechische Regierung bereitet einen D» setzentwurf über die militärische Erzie­hung der Jugend und der Bürgerschaft vor. Militärische Hebungen sollen in den Schulen, Fachschulen einbegriffen, erfolgen. Auch sollen Maßnahmen getroffen werden, um die Bereit­schaft der Staatsbürger zum Zwecke der Vertei­digung des Staates zu erweitern und zu veo» stärken.

Aus aller Welt.

Der neue Direktor des Weltpostvereine

Der Schweizerische Bundesrat wählte zuH W e l t p o st d l r e k t o r als Rachfolger deS tx-rl storbenen Decoppet den Bundrsrichter Vari bani-Rerini, einen geborenen Tessiner, den biS 1922 dem Rationaloat angehörte. 1

Für eine Million Gemälde gestohlen.

Wie aus Hollywood gemeldet wird, wur­den aus dem Landhaus Martin Weinschenck. des Leiters der M Weinschenck-Gesellschaft In Danzig, Oelgemälde und Antiquitäten Im mutmaßlichen Werte von einer Million Dollar gestohlen, als der Besitzer für kurze Zeit verreist war.

187 000 Dollar an die Zeppellngesellschast.

DaS Dudgetbureau hat dem Ko g:eh empfohlen, der Zeppelingesellschaft den geschul­deten Betrag von 187 000 Dollar x u zahlen. Die Summe seyt sich zusammen aus: 37 000 D llar für Ersatzteile für das LuftschiffLos Angeles" und 150 000 Dollar für eine dreimonatige Unter­weisung der amerikanischen Mannschaft.

Schweres Grubenunglück In Amerika.

Rach einer Radio-Meldung aus R e u y o r t hat sich in Sulivan (Ind.ana) ein schweres Grubenunglück ereignet, bei dem 14 2 Berg­leute verunglückten. Durch sofort unter­nommene Rettungsmahnahmen fo.mten 35 Bergleute lebend zutage gebracht werden.

25 000 Opfer der Pest.

Rach einer Fournier-Meldung aus Mos­kau sind, tote der amtliche Bericht des Gesund- heitsausfchufses feststellt, 25000 Personen ht Rußland an der Pest aeftorben.