Aus dem Reiche der Frau.
Jugend und Alter in der heutigen Zeit.
Don Gabriele Schulz.
Ein Driefblatt flattert mir auf den Schreibtisch. „Schreibe mir doch, bitte, einmal Deine Ge- danken über das Verhältnis der heutigen Jugend zuni Alter!" So lautete der sorgenvolle 'Anruf einer Mutter von vier erwachsenen Kindern. Ja — das ist eine Frage, die so manches Er- zieherhcrz jetzt bewegt, denn das Derhältnis der Jugend zum Alter hat sich völlig verändert. Das Alter gibt der Jugend die Schuld und vergißt dabei, daß auch die äußeren Lebensumstände für die Heranwachsenden Menschen anders geworden sind.
Die jungen Mädchen lebten früher in fest ungrenzter Abhängigkeit von den Eltern. Aus seren Schutz gingen sie in den des Mannes über, -der sie ergriffen einen durchaus weiblichen Beruf als Stühe — Hauslehrerin — Dienstmädchen — Gesellschafterin, der sie immer int sicheren Gewahrsam des Hauses hielt und vor Gefahren schützte. Jetzt ist das alles anders geworden. Mit 16—17 Jahren, oft noch früher, tritt das junge Mädchen eine Stellung außerhalb des Hauses an, weite Wege führen es morgens mtb abends zur Stätte seines Berufes und zurück. Dielen Versuchungen und Gefahren ist es ausgesetzt. Ich weiß von einer Siebzehnjährigen, die in Zeiten vermehrter Arbeit abendliche Aleberftunben machen muh und dann durch den dunkeln Tiergarten in Berlin nach Hause wandert. Kein Vater und kein Bruder kann sie geleiten wie die wohlbehüteten jungen Mädchen früherer Tage beschützt wurden: sie muh sich selbst Berater und Schutz sein. Wach und entschlossen muh sie ihren Weg gehen.
Auch der 'Beruf an sich erzieht zur Selbständigkeit. Es ist natürlich, daß die Mädchen ihr durch angestrengte Arbeit erworbenes Geld auch selbst verwalten und anwenden wollen — oft verständig und sparsam, oft aber auch töricht und unbedacht. Denn sie sind doch eben noch jung, und wer selbständig ist, der wird auch selbstbewußt, das ist gar nicht anders möglich. Das gibt manchen Zusammenstoß mit Müttern und Tanten, die nicht einsehen können, daß ihre Zeit vorüber ist und die Lebensverhältnisse andere sind. Es wächst ein neues Geschlecht heran, das verstanden sein will im Rahmen seiner Zeit — und das ist gerade oft so schwer. Denn die gute, alle Zeit tragen die älteren wie in einem Reli- quienschrein mit sich herum und verkriechen sich vor dem frischen Wind, der brennenden Sonne und dem tiefen Schatten der neuen Zeit.
Aber wir leben nun einmal in einer großen ■3ßitentoenöe, in der sich alles wandelt. Die Ael- teren können sich nur schwer von den Ansichten und Gewohnheiten ihrer Jugend frei machen. Die Jugend selbst aber lebt schon in den Anschauungen der kommenden Zeit. Alles ist noch ungeordnet, es fehlen bestimmte Ziele und Bahnen, das Leben rast dahin wie ein wlld gewordenes Pferd. Das aber gerade weckt die Abenteuerlust und .Tatkraft! Dies Pferd einfangen, es meistern mit starkem Arm und starkem Geist — welch lockendes Ziel! Die hemmende Hand wird zurückgestoßen, denn die Jugend fühlt und will nur sich, sie ist oft schroff und rücksichtslos und kann roh wirken, 1 ofcne doch schlecht zu sein. Eine Kluft hat sich ^aufgetan zwischen der alten und der neuen Zeit, und da die Jugend mit allen Kräften in die neue s hineinstrebt, so überschreitet sie wirlliche und vermeintliche Hindernisse mit der größten Rücksichtslosigkeit.
■ilnb das Alter? Kraft der größeren Erfahrung, Weitsicht und Reife, kraft der stärkeren Liebe vor allem muß der stärkere Mensch verstehen lernen und besonders: Geduld haben. Richt die herablassende Art, die immer auf dem Sockel steht und sich wie ein Gnadenbild her- nieberneigt, sondern ein festes, ruhiges, zuversichtliches Wartenkönnen. Denn Jugend und Alter brauchen einander. Weisheit und Erfahrung müssen wettergegeben werden von Geschlecht zu Geschlecht, denn eines steht immer auf den Schultern des andern. Das Feuer und der Wagemut aber, die Hoffnung unb Tatkraft sind bei der Jugend, und von ihr leiht das Alter, was es an Frische und Zuversicht braucht. Der Jugend fehlt es für das wechselseitige Geben und Rehmen an Einsicht. Aber wir Alten haben sie unb müssen voll Takt und Zartheit der Jugend nachgehen und auf sie einwirken ohne viele Worte durch unser ganzes Wesen mit dem Recht unserer Liebe.
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Mutter und krankes Kind
Von
Dr. W. Schweisheimer.
Die Mutter besitzt eine erstaunliche Gabe, schon im frühesten Zeitpunkt eine bei ihrem Kind im Anzug befindliche Krankheit zu erkennen. Jene Muller nämlich, die sich in der Tat mütterlich mit dem Kinde beschäftigt und die kleinsten Eigenhellen seiner Lebensweise erfaßt hat. Besucher sagen: „Das Kind sieht heute vorzüglich aus", selbst drr befragte Arzt kann vielleicht noch nichts Krankhaftes an ihm wahrnebmen — aber die Mutter sagt schon: „Das Kino gefällt mir heute nicht, es ist krank". Unb in beit seltensten Fällen wird dieses feine Gefühl trügen.
Woraus die Mutter diesen Schluß zieht, das vctmag sie selbst oft gar nicht recht anzugeben. Die allgemeinen Krankhritsanzeichen, wenn sie einigermaßen ausgeprägter sind, fallen jedem auf: Mattigkeit, müdes Aussehen, Anlust zum Spielen, Klagen über Kopfschmerzen, Appetitlos-gkeit usw. Aber der Mutter fallen schon viel unscheinbarere Anzeichen auf, die niemand merken kann, der nicht täglich von früh bis abends mit dem Kind zusannnen ist. Das Kind bevorzugt beispielsweise Spiele, bei denen es sich öfter hinlegen kann, während es das sonst nicht tut; es spielt etwa viel „Schlafengehen" oder ähnliche, ihm unbewußt Ruhe verschaffende Spiele. Ein solcher Zug fällt natürlich nur der Mutter aus. die die sonstige rastlose Lebhaftigkeit ihres Kindes kennt.
Manche Zeichen gestatten der erfahrenen Muller schon die objektive Feststellung, um welche Krankheit es sich handelt. Im allgemeinen ist es ja viel wichtiger zu erlenncn, daß eine Krankheit vorhanden ist, als, welche Krankheit vorliegt. Das Bestreben nach selbständiger Diagnosestellung führt zu bösen Irrtümern: das ist Sache des Arztes, nicht der Mutter. Aber Wenn die Mutter sich cmgewvhnt» ihren krank
. Wenn einst der junge Most ausgegoren hat und ruhigere Zeilen kommen, dann findet sich auch die Jugend wieder zurecht, und das Alter findet sich in sie hinein.
Kinder-Geburtstage.
Von Marie Reuter.
Wenn bei uns das Weihnachtsfest und Reujahr vorübergegangen, wenn der Weihnächte- bäum zur großen Betrübnis der Kinder seines Schmuckes beraubt und hinausgetragen war, dann leuchtete ihnen ein neues Freudenlichllein auf: „Run kommen die Geburtstage! — Drei unserer Kinder sind im Januar geboren. — Geburtstagsfeiern Her Kinder sollten in jeder Familie in ein Festgewand gekleidet sein. Richts prägt sich dem jungen Herzen tiefer ein, an nichts gedenken sie dankbarer auch noch im späteren Leben, als an diese Tage, die ihnen durch der Mutter treue Fürsorge zu so hohen Freuden- und Ehrentagen gestaltet wurden! — Cs gehört nicht viel dazu, um Kinderherzen zu beglücken, — nur etwas liebevolles Rachdenken. Cs ist leicht einzurichten, daß nützliche Gegenstände unb Kleidungsstücke, die wir ben Kindern ohnehin an- schaffen müssen, auf den Geburtstagstisch kommen. Sie gewinnen bedeutend an Wert, wenn sie, bestrahlt von den Geburtstagslichten neben dem Festkuchen auf dem Tische liegen.
Ein Festkuchen allerdings darf nicht fehlen. Wenns auch nur ein ganz einfacher Blechkuchen, Rosinenkringel oder Rapskuchen sein kann, der schon am Tage vorher in so freudige Erwartung verseht: „Wird er auch gut geraten?“ — Dann nämlich gerät auch unser Kind im nächsten Jahre gut! — And Lichter dürfen ebenfalls nicht fehlen, nach der Zahl der Jahre des Kindes, — unb so sinnreich und hübsch wie möglich angebracht in einer Krone ober einem Kranz: von Ruten gebunden, mit Tannen ober Moos beslochten, entweder auf dem Tisch steheitt» oder, was noch hübscher aussieht, schwebend an der Decke befestigt. Gut macht sich auch ein Lichtbogen, wobei zwei dicke Ruten zusammengebunden, grün be° flochten, mit den dicken Enden an zwei Stuhllehnen befestigt werden, unb so ber Dogen mit den Lichtern über dem Geburtstagstisch schwebt. Wo Moos und Tannen fehlen, steckt man die Lichter in halbierte Kartoffeln und umstellt den Tischrand damit.
Außerdem aber gehört zu einem rechten Kindergeburtstag noch zum Mittagessen ein vom Kinde gewünschtes Leibgericht (natürlich nur, was die Speisekammer bieten kann). Das sind Aeberraschungen und Freuden, die jede Mutter ihren Kindern bereiten kann, und die dieselben in dankbarer Erinnerung behalten werden, solange sie leben!
Elisabeth v. Heyking f.
Das Schicksal hat es mit Elisabeth v. Hehking gut gemeint, als es die 64jährige ohne langes, verhählichendes unb quälendes Leiden aus dem Leben nahm. Es bekundete Respekt vor dieser so ganz auf ästhetische Lebensführung bedachten Persönlichkeit unb rief sie in einem Augenblick ab, der symbolisch war für ihre Wesensart, für ihr äußeres Schicksal unb für ihre Kunst — zu großer Geselligkeit geschmückt, im Begriff, den Wagen zu besteigen, setzte das Herz aus, sie verschied.
Eigentümlich, wie das Leben dieser so ganz aus geistiger Kultur erwachsenen, auf Harmonie unb Maß ruhenden Frau doch gelegentlich jähe, heftige Stöße empfing, die es in steiler Kurve emportrieben und nun in Plötzlichkeit enden ließen. Heftig, jäh unb steil war die Kurve, die die Schriftstellerin emporführte: Als 1903 ihr erstes Buch, „Briefe, die ihn nicht erreichten" — zuerst anonym — erschien, setzte sie ein. Das Buch, Briese einer in der internationalen Welt, in Diplomatie unb Wellhan- delstum heimischen Frau an einen in China weilenden Freund, bestach ebenso durch seine geistreichen Plaudereien über fremde Menschen und Länder, das elegante Milieu, tote durch die feine Psychologie einer durch Rasse und Kultur überaus zarthäutigen Frau. Anterirdische Schwingungen des Gefühls, ein con sordino des Herzens, umwoben von der Bewegtheit unb Buntheit eines Rahmens, den bald Amerika, bald Japan, bald Europa abgeben. Ein scharfer Blick, neben aller Weichheit des Empfindens für das Charakteristische, eine geistreiche Formulierung, aphoristische Prägnanz — all diese Vorzüge des Buches gaben ihm einen geradezu sensationellen Erfolg, noch ehe der Ramen seiner Verfasserin,
scheinenden Kindern in den Hals zu sehen, so wird sie oft auf den ersten Blick eine Rötung unb Schwellung, einen weihen Belag feftftellen können, der sie verhindert, die Kinder in die Schule oder ins Freie zu schicken. Ein Griff an die Stirn, an den Puls des Kindes zeigt der Mutter, ob Fieber vorhanden ist ober nicht. Freilich beruhigt sich die gewissenhafte Mutter mit dieser Wahrscheinlichkeitsdiagnose nicht, sondern sie mißt mit dem F i eberthermom et er — bem wichtigsten Bestandteil der Hausapotheke — die Körperwärme des Kiirdes. Allein auf diese Weise wird sie Zweifel lösen, Sicherheit gewinnen und gleichzeitig dem erst später eintreffenden Arzt eine wertvolle Mitteilung machen können.
Die Mutter, die sich flar gemacht hat, um was es sich bei der Krankheit des Kindes handelt, die auf die erklärenden Worte des Arztes hört, wird sich von vornherein vor allzu großer Aengst- lichkeii, vor schädlicher Fassungslosigkeit bewahren. Auch in schwer und gefährlich aussehenden Krankheitsfällen ist Hoffnung auf Genesung bei Erkrankungen des Kindes nie aufzugeben. Solange das Kind überhaupt noch lebt, kann es nrch gesund werden. Denn dem Körper des Kindes stehen ganz andere unverbrauchte Reservekräfte zur 'Verfügung als dem Erwachsenen. Das, was an kindlicher (Srfrantung so arg erschreckt: die , starke Reaktion auf die Krankheit, gerade das ist das Heilbringende. Hohes, sehr hohes Fieber, das bei Erwachsenen vielleicht eine besonders schwere Erkrankung anzeigt, kann bei manchen Kindern schon bei ver- hättnismäßig durchaus harmlosen und rasch vorübergehenden Infektionen auftreten. Der rasch und stark reagierende Körper beantwortet das Eindringen und die Einwirkung der Krankhetts- erreger mit Erzeugung hohen Fiebers — und das ist eine der besten nafürTt*h?n Hm^estrebungen, die dem Körper zur Verfügung stehen.
Die bernünftige Mutter, die ihrem Kind wirklich helfen will, wird den 2Inoronunaen des
der Gattin des Gesandten v. Hehking, bekannt war. Wurde durch ihn dann die Vertrautheit mit der diplomatischen Welt, ihren Formen und Schwächen auch erklärt, so blieben bann immer noch die ganz persönlichen Vorzüge des Buches als eines literarischen Werkes von Rang.
Reue literarische Früchte reiften: „DerTag rüderer", ein Rovellenabenb von eben der leise gedämpften seelischen Haltung, die ihr erstes Werk so charakteristisch machte, der zweibändige Gesellschaftsroman „Ille mihi", dann „Tschun". die „Geschichte aus dem Vorfrühling Chinas", wie der Untertitel sagt — die Geschichte des christianisierten Chinesenknaben, der als Diener zu einer vornehmen Dame kommt, unb wir lernen mit seinen Augen uns selbst unb unser westeuropäisches, nach dem uralten Land der Mitte verschlagenes, ihm aufgezwungenes Gehaben, andere Sitten und Anschauungen beurteilen. Das heutige große, aufs neue zur Entscheidung gestellte oder ihr weiter zugetriebene Problem: AsienoderEuropa — das Hingt, geformt von dem klugen Geist dieser an Erkenntnissen und tiefem Einblick in fremde Kulturen so reichen Frau, in jenem Buch schon an. Ihre späteren Werke: „Die Orgelpfeifen", „Liebe, Diplomatie unb Holzhäuser", diese reizvollen Plaudereien vom und über den Balkan, bestätigten immer aufs neue Eilsabeth v. Hehking als Frau von Geist, Seele unb form- bildender Stärke.
Seit einer Reihe von Jahren lebte sie in einem schönen Schloß in Crossen, den Erinnerungen an ihr reiches, bewegtes Leben, an ihre Gestorbenen — zwei Söhne hat sie im Krieg verloren — und den geselligen Verpflichtungen hingegeben, die sie zeitlebens mit ber alten geistigen Tradition pflegte, die schon ein Erbe ber geborenen Gräfin Fleming war, die zu ihren Verwandten Bettina von Arnim, deren Enkelin sie war, wie Theodor Mommsen zählte. Ihre Schwester, Irene Forbes- M o s s e , repräsentiert nun als letzte Erbin diese adelige und geistige Kultur, deren hervorragende Vertreterin Elisabeth von Hehking war.
Tapfere grauen.
Als die tapfersten unb opferfreudigsten Frauen der Welt bezeichnete ber Dominikaner Dustan ©urgent in einer Predigt, die er in ber Westminster-Kathedrale in London hielt, die Pflegerinnen der Aussätzigen. Es gibt solche Aussähigenheime überall, unb das Schicksal dieser Kranken ist wohl das Furchtbarste, das man sich denken kann. „Die Zahl der Aussätzigen in der Welt ist erstaunlich groß", sagte ber Priester. „Aber noch erstaunlicher ist ber Heldenmut, mit bem Frauen aller Stände und aller Altersklassen ihr Leben einsehen, um den Anglücklichen zu Helsen. Die jüngste Pflegerin, die sich ganz bem Dienste der Aussätzigen weihte, unb die ich kenne, war erst 19 Jahre. Viele dieser Frauen stammen aus adligen unb reichen Kreisen, sind schön unb anmutig. Sie opfern alles Glück dieser Welt, denn das Dasein in den Aussätzigenanstalten entbehrt aller Bequemlichkeit, wie sie ber moderne Mensch erwartet, überhaupt aller Dinge, die das Leben für die meisten erst lebenswert machen. Diele dieser tapferen Frauen stecken sich selbst an unb nehmen willig unb freudig das furchtbare Geschick grauenhafter Entstellung und schließlich eines schrecklichen Todes auf sich."
Wtederverheiratung von Witwen.
Seit der Weltkrieg eine große Zahl Frauen zu Witwen gemacht hat, hat auch die Wieder- Verheiratung der Witwen zugenommen. Den statistischen Tabellen des Jahres 1919 entnimmt man die Tatsache, bah im Vergleich mit 1911 zehnmal so viele Witwen unter 25 Jahren und sechsmal so viele Witwen zwischen 25 und 30 Jahren wieder geheiratet haben. Ja sogar zweimal so viele Witwen über 45 Jahre h b n wieder Lebensgefährten gefunden. Vielleicht hat die w.rt-- schaftliche Lage da mitgeholfen. Diele ältere Herren sind durch den Krieg besser gestellt worden und haben sich verheiratet. Diese von Rationalökonomen geäußerte Ansicht scheint durch die Tatsache bestätigt, daß die Zunahme der Verheiratung weit mehr von Junggesellen als von Witwen herstammt.
Frauenheimstätten.
Die Genossenschaft für Frauenheimstätten, R o w a w e s . hat sich zur Aufgabe gemacht, für gebildete Frauen, die aus bem Beruf aus- geschieden sind, gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen zu billigen Preisen zu
Arztes gewissenhaft nachkommen, ohne fid) von den gutgemeinten, aber schlechtgetanen Ratschlägen jeder Rachbarin beirren zu lassen. Sie wird auch die notwendigen Arzneimittel dem Kind durch ruhiges, aber beharrliches Zureden beibringen und nicht aus einem ganz falsch angebrachten Mttleid auf Durchführung dieser bem Kind vielleicht unangenehmen Rotwendigkeit verzichten. Die nervöse, überängstliche Mutter ist eine schlechte Hilfe für den Arzt: die ruhige, überlegte und ihre Angst bezwingende Mutter bedeutet wichtigste Anterstühung, bringt Beschleunigung der Herlung.
Die Mutter verschafft bem Kinde einen nicht immer genügend gewürdigten Heilfaktor ersten Ranges: b i c seelische Hilfe, die aus dem innigen Wunsche, das Kind möge genesen, auf dieses überströmt, bietet eine Heilunterstützung. wie sie nur der Pflege der ruhigen Mutter entquillt. Hier liegt der Kern der tiefen und wahrhaften Erzählung von der Mutter, die ihr Kind durch unermüdliches Bitten unb Kämpfen bem Tob abgerungen hat. In bem umhüllenden Gewände des Märchens offenbart sich das un- öeutbare Etwas, das die Hilfe der Mutter zü den körperlichen Wirkungen der krankheitsbekämpfenden Mittel hinzubringt.
Seelische Verbundenheiten lassen sich nicht exakt nachweisen, wie etwa Laboratorttuns- versuche. Wie die Heilkraft der Sonne nicht in den Graden ihrer Wärmewirkung allein sich ausdrücken läßt, nicht in ber Wirkung der ultravioletten Strahlen oder anderer aufgefunbencr Einzelheiten sich erschöpft, so leuchtet helfend über allen Heilbemühungen ber Mutter eines, un- greifbar, unbewußt, aber in ber Wirkung auf das Kind sich offenbarend: Mutterliebe.
Das furchtlose Baby.
Amerikanische Kinderpsycholvgen, die sich jetzt in eingehenden ^Untersuchungen mit ber kindlichen Angst beschäftigt haben, wollen zu dem
beschaffen. Sie hat für diesen Zweck erstmalig im Jahre 1914 ein Haus erbaut, an ber Grenze ber Dillenkolonie Rowawes-Aeübabelsberg im eigenen Garten am Wald. Jede ber 14 Einwohnerinnen hat eine in sich abgeschlossene Wohnung von einem bis brei Zimmern, Loggia, Flur mit Toilette, Küche, Speise- und Desentammer. Das Haus hat Zentralheizung: Badeeinrichtung Boden unb Kellerräume stehen jeder Einwohnerin zur Verfügung. Rur Mitglieder ber Genossenschaft können in bem Haus wohnen. Man erwirbt bie Mitgliebschaft burch einen Anteil von 50 Mk. unb 10 Mk. Eintrittsgeld. Der Anteil kann in Raten von 10 Mk. gezahlt werben. Die Geschäftsstelle befindet sich in Ro- wawes, Heimdahlstr. 2.
Vom Kuchenbacken.
Eine Köchin, welche berühmt ist durch feine Bäckereien, gibt nachstehenden Rat für das Gelingen der Kuchen: Vor allem sollte man nicht mit einem gewöhnlichen Löffel, sondern mit einem ruberförmig geformten Holzlöffel den Teig rühren. Das ganze Geheimnis des guten Kuchenbackens liegt im Schlagen des Teiges, direkt, ehe er in die Form gebracht wird. Der Teig soll bei jeder Berührung mit dem Holzlöffel in die Hände geschlagen werden, so dah möglichst viel Luft durchziehen kann. Wenn man gleichmäßig herumrührt, kommt keine Luft in die Masse. Man soll Kuchenteig nicht rühren, sondern schlagen. Je leichter und flaumiger ein Teig aussieht vor dem Backen, desto zarter und feiner und leichter wird der gebackene Kuchen fein. Für Gewürzkuchen kann man recht wohl halb Butter und halb Schmalz nehmen. Für gutes Hefengebäck aber ist Butter unerläßlich. Ebenso für feinere Dackpulverkuchen. Dann ist zunächst ein guter Backofen erforderlich. Die neueren Gasherde haben riesig praktische Vorrichtungen, die genau die Hitzegrade des Backofens anzeigen. Wer die aber nicht hat, dürfte sich nach dieser Regel richten: Man erprobt die Hitze, indem man ein Stück Papier in die Mttte des Backofens legt; wenn es sofort gelb oder braun wird, ist die Hitze zu groß. Wird es dagegen langsam gelb und zieht sich krumm, so hat der Ofen für das meiste Gepäck die passende Hitze.
Praktische Ratschläge.
Bänder, Haarschleifen usw. hatten sich lange gut, wenn man sie nach jedesmaligem Gebrauch anfeuchtet unb über einen glatten runden Stock ober über eine Stange wickelt.
Holzwürmer aus Möbeln zu entfernen. Man mischt 5 Gramm Karbolsäure mit 100 Gramm Wasser. Diese Mischung bringt man mit einem Pinsel ober einem Oeler, wie man ihn bei Rähmaschinen gebraucht, in bie Löcher. Rach wiederholter Anwendung sind Insekten und Brut erstickt. Auch Petroleum unb Terpentinöl sind zu empfehlen.
Ausgefranste Teppiche sehen häßlich aus, wenn man sie umnäht ober einfaht: leimt man dagegen die Fransen an der Innenseite an, so ist der Schaden behoben, ohne daß die Schön- hett ber Teppiche leidet.
Apfelsinenschalen zu verwerten. Aus diesen, meist achtlos weggeworfenen Schalen läßt sich eine gute Essenz Herstellen, welche sowohl als Crfrischungsmittel mit Wasser oder auch für den Toilettentisch verwendbar ist. Die Schalen werden soviel wie möglich von dem weihen Futter befreit (dies gibt, mit ein wenig Wasser ausgekocht, durchgeseiht, ein billiges Mittel, um Fruchtgelee steif zu machen), dann in Meine Stückchen geschnitten und in Flaschen etwa zur Hälfte gefüllt, die mit gutem Essig aufgefüllt werden. Sie bleiben mindestens vier Wochen stehen, wobei man sie von Zeit zu Zeit umschüttelt. Dann wird die fertige Essenz filtriert und in kleinen Flaschen verwahrt. Als Getränk wirb es durch Zucker versüßt: als Toiletten Parfüm genügen einige Tropfen ins Wasch- oder Dadewasser.
Konservenbüchsen nicht wcg - werfen! Wer einen guten Konservenbüchsenöffner hat und behutsam damit umgeht, kann gut die heut.gen Konservenbüchsen zu allerlei im Haushalt verwenden. Man brühe und scheuere sie aus und verwende sie zum Kompott oder Gurken- ober Kürbiseinmachen. Besonders wer nach alter Zeit — gleich mit Zucker — einmacht. Bindet dann mü Pergamentpapier zu. Mir verdarb eher einmal etwas im Glas, als in sauberer Konservenbüchse. Auch Fett, bc» sonders Gänseschmalz, hält sich so vorzüglich.
überraschenden Ergebnis getommen sein, daß daS durchschnittlich gesunde Kind ohne jedes Gefühl der Furcht geboren wirb, mit ein* äiget Ausnahme ber Furcht vor Geräuschen. Der Reuyorker Kinder Psychologe Dr. Cunningham beschreibt einen Fall, bei bem ein Kind, das nur auf bem Lande gelebt hatte, nach der Großstadt gebracht wurde und die erste Rächt in einem Zimmer verbrachte, in dem man die Lichter von den Straßen sah unb die Autohupen horte. Dieses Kind, das bis dahin noch nicht die geringste Spur von Angst gezeigt hatte, wurde dadurch so erschreckt, daß es von nun an beim Schlafengehen Furcht zeigte. Man will gesunden haben, daß Kinder im Alter von einigen Monaten bis zu zwei Jahren furchtlos mit Schlangen spielen. In 90 Prozent aller Fälle wird dem Baby die Angst er ft durch die Elternober das Kindermädchen eingeflöht. Auch die Furcht vor Pelztieren, die man bei Kindern ziemlich allgemein beobachtet, geht nach Cunningham auf Eindrücke zurück, die mit dem Tier nichts zu tun haben. Er beobachtete, daß ein zweijähriges Baby sich vor einem Kaninchen fürchtete, weil einmal beim Anblick eines Kaninchens eine eiserne Stange heruntergefallen War, die bas Kind erschreckt hatte. Gab man dem Kind, wenn es ein Kaninchen erblickte, zugleich ein Stückchen Zucker, so zeigte es vor dem Tier nicht bie geringste Furcht.
Bier sollen Kinder nicht erhalten.
Leider wird von dieser Vorschrift immer und immer wieder ab gewichen. Die neugierigen Kleinen greifen nach dem, was Papa und Maina genießen, und diese glauben, daß es nichts schaoet, wenn das Kind einmal von dein Vier nippt. Das, einzige Getränk für das Kind bleibt bis zum 6. Lebensjahre außer Wasser ober Limonade die Milch. Mangelndes Gedächtnis, frühzeitig zerstörte Rerven sind die Folgen des Genusses alkoholhaltiger Getränke.


