klX'iajandoecicör vca großem Vorteil fein um) allseitig freudig begrüßt toetben . In vielen Städten find die frützer aufgehobenen Postbestelkungen 'teilweise wieder einaeführt worden, so daß dies auch in einem so verkehrsreichen Orte wie Wehlar am Platze sein bürfte.
Sache der Industrie- und Handelskammer dürste es fein, die angeregten Fragen in die. Hand zu nehmen und weiter zu verfolgen im Interesse der Geschäfts- und Gewerbetreibenden.
Aus der Provinz.
Landkreis Gießen.
LLUg-VönS. 19. San. Anr Sonntag nachmittag öeransiattele der Iungdeutfche Orden eine Reichsgründungsfeier. die stark besucht war. Rach einleitenden Begrühungs- worten des Zahnarztes Dr. 'Weber hier und des Gefolgschaftsmeistcrs Essinger- Butzbach hielt Studien rat Dr. Lenz-Gießen die Festrede. Sämtliche Redner ernteten stürmischen Beifall. Bortrage vaterländischer Gedichte und Gesänge schlossen die erhebende Feier. — Der Geflügel- und Kaninchenzuchtverein hielt seine diesjährige Lokalausstellung in der Turnhalle ab.
"Hausen. 19. Jan. Sie diesjährige Abend - Unterhaltung des Gesangvereins Germania brachte am gestrigen Sonntagabend Hausen und zum Teil auch dem denachk-arten Garbenteich durch ein gut ausgearbeitetes und den Vrr- häktmssen entsprechend sehr gut gebrachtes Pro- grainnt einige recht amüsante Stunden. Tie vor- getragenen Lieder im ersten Teil des Programms wechselten mit 'Musikstücken. Ter zweite Teil brachte für Hausen eine Reuheit. die Dolks- operette „Der Jäger aus der Pfalz", die von Karl Erb eingeübi worden war. Die Rollen, die als recht schwer für den Dilettanten anzu- sprechen waren, wurde» prächtig gespielt. Die Feier nahm eine» angenehmen Verlaut Der Gesangverein Germania kann diesen Tag As einen der schönsten in seiner Dereinschronil buchen.
Kesselbach. 20. Fan. Am Samstag, abend hielt der Gesang-Derein „Lieder- k r a n z" seine Generalversammlung ab. Die üblichen Gegenstände der Tagesordnung. Jahresbericht, Protokoll und Rechnung, wurden ohne Anstand erledigt. Don den acht vorliegenden Einladungen _,u Wettstreiten konnte man aus finanziellen Gründet' keine bestimmt annehmen. Die Rachdar»Vereine sollen berücksichtigt werden: die Beschlußfassung wurde verschoben. Dem Dirigenten des Vereins Lehrer Ziegler, der den Verein seit 1899 führt, wurde eine schön eingerahmte 'Sh ren - Arkunde für 25 jä k> - rige Dirigententätigkeit mit einer Ansprache des Vorsitzenden überreicht, außerdem wurde der Jubilar zum S h r e u - M i t g l i e d des Vereins ernannt. Lehrer Ziegler dankte in bewegten Worten dem Verein für diese Ehrung und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die schöne Harmonie zwischen Sängern und Dirigent weiter- beftehen möge. Einige gemütliche Stunden mit hen zahlreich anwesenden passiven Mitgliedern beschlossen den Abend.
r Grünberg. 19. San Zn der heutigen Gemeinde ratssitzung wurden zunächst die Wahlvorsteher und Beisitzer für die am nächsten Sonntag stattfindende Bürgermei st erwähl bestimmt. An der diesjährigen staatlichen H o! z s u b m i s s i o n will sich auch die Stadt mit ihrem anfallenden Bau- und Schnittholz beteiligen. Der Gemeinderat entsprach dem Angebote einer auswärtigen Firma, für das noch vorhandene Eichen-, Bau- unb Schnittholz pro $eftmtr. 50 Mart zu zahlen. Außerdem wurden -noch mehrere kleine Angelegenheiten erledigt.
Kreis Friedberg.
vw. Butzbach. 20. 3an. 3m abgelaufenen Oahre entfaltete unser hiesiger Geschichts- Verein eine rege Tätigkeit. Leider verzog der Gründer und seit seiner Pensionierrmg für einige 3<$re wieder hier wohnende Geheimrat Jäger, der Ehrenbürger unserer Stadt, der Vorsitzende unseres Geschichtsvereins, nach Darmstadt. Dir Leitung des Gefchichtsvereins, der unser städtisches, interessantes Altertümer- und Trachten- museum verwaltet, übernahm Professor Horst. Eine Anzahl Erwerbungen trrmefrr'en das AIu- f«un, welches sich — wie auch die Stadt und nächste Umgebung — sich des Drsuches von Mitgliedern des historischen Vereins für Hessen fo=
Die rote Kaschgar.
Roman von Fedvr von Zobrltih
4?. Fortsetzung. (Rachdruck verbot«».)
.Da muh ich offen fein“, sagte sie unter tiefem Aufatmen . „Weil ich diese schreckliche Hochzeit bitter bereue. Weil ich wieder frei fein möchte. And weil ich mich scheiden lassen will!“
'Das. kam doch so plötzlich und unerwartet mb griff dabei mit so fester Hand m seine eigenen Absichten, dah er unwillkürlich zusammenfuhr. Sie trafen fich — trafen sich in der Stunde der Entscheidung . Rur spürte er nicht, dah das, was bei ihm klügliche Aeberlegung war, bei ihr aus dem Verstand weiblichen Fühlens drang.
Doch sie lieh ihn nicht zu Worte kommen, sie wollte erklärend fein und hatte es nicht einmal notig, denn alles das. was sie sagte, kannte er ja längst und hatte es erst vor wenigen Stunden mit Alexe besprochen und reiflich erwogen.
Sie fugte: „Hellmut. als ich heiratete, war ich ein Richts. Ich denke nicht daran, meinem Vater verspätete Vorwürfe zu machen. Er liebte mich, aber er konnte nur praktisch fühlen Am die Kalilager hier in Groh-Ponar hat er mit meinem Schwiegervater jahrelang gekämpft. De muhte er haben, die mutzte er haben. Versteh' nicht etwa, um seinen Besitz zu vermehren, denn das Geld spielte keine Volle bei ihm, sondern aus egoistischem Genuß an neuer Arbeit — oder vielleicht deshalb, weil ihn der Gedanke nicht mehr loslieh. ungeheure Werte nutzlos liegen zu sehen. Du hast ihn gekannt, so war er. Das to>ar maßgebend für ihn. mich mit Gert zu verheiraten. Es sollte eine Dernunftehe werden, und das 'Bestimmende dabei war immerhin etwas Höheres, die Zusammenfassung und Schaltung alten Familienbesitzes. Aber die Voraussetzungen kteineS 'Vaters trafen nicht ein. Starb ich fo wurde Gert GesamterLe, und alles war erledigt. Wurde ich wieder gesund, so muhte meine Ehe wenigstens erträglich werden. Doch ehe es zu einem Gheverhältnis kam — Hellmut. ehe es überhaupt dazu kam, wurde das Herz rebellisch."
lächelte sanft. „Vergib, jetzt spreche ich
1 tote des Geschrchtsverern» Friedberg im letzten Jahre zu erfreuen halle. 3n seinen verschiedenen A^eilungen b^w. Gruppen gibt es uns ein getreuliches Bild des Lebens früherer Jahrhunderte in Stadt und Land. 'Butzbach besitzt sowohl in feinen vorgeschichtlichen als römischen Altertümern, als in seinen historischen Gebäuden und seinem reichhaltigen Archiv ein treffliches Ergänzungsmaterial zu kulturgeschichtlichen Studien. — Der fast 87jährige Männergesangverein Orpheus beging am Samstag im Hotel „Deutsches Haus", das nach feinem DoHrgen Ausbau in seiner ganzen Anlage und inneren stilvollen Einrichtung eine Sehenswürdigkeit unterer Stadt ist. feine diesjährige Äbenkunterhaltung. Das reichhal.ige Programm bot neben hübschen Musikstücken ein nettes Lustspiel von Overweg, heitere Kouplets und prächtige, von feinem begabten Dirigenten, Real- lehrer Stroh, geleitete Chöre. ..Des Kriegers Traum“ von Werth in seiner wcchselvollen Tonmalerei und die herzige Kahlfche W i e: „Dort, wo mein Mütterlein" atmen innige Heimatliebe und wurden durch eine Dichtung von A. Storch wirkungsvoll eingeführt.
2l Bad - R a u h e i m , 19. Januar. Der Zweigverein vom Roten Kreuz veranstaltete heute im Kurhaufe einen Werbeabend. San.-Rat Dr. Hahn sprach in sehr fesselndem Vortrag über „Ziele und Aufgaben des Roten Kreuzes“. Rach einem geschichtlichen Aeberblick gab der Redner eine tiefgehende Begründung d:S Aufgab.nlreises des Roten Kreuzes. $ür Bad-Rauheim, den internationalen Badeort, ist die Anterstützung des Roten Kreuzes und feiner wohltätigen Einrichtungen hsfonders iwt- toenMg . Wenn vom Redner schon gefordert wurde, dah jeder Deutscher dem Roten Kreuz 'angeboren müsse, so gelte das vor allem für jeden Bad-Rauhelmer. Zu forbetn find für unsere Badestadt der Wciterausbau der Sanitätskolvnne und der Schwesterstation, die Einrichtung einer ständig besetzten Anfallmeldestelle und die Bereitstellung von Krankentransportmitteln, die 'Bad- Rauheim würdig sind. Die zahlreich Anwesenden, darunter.viele jugendliche, verfolgten die Ausführungen mit heißem Interesse und spendeten lebhaften Beifall. Praktisch Halle der Abend zunächst den Erfolg, dah eine Reihe von Frauen ihren Beitritt zum Alice-Frauenverein erklärten, während Männer in größerer Airzahl sich zum Zweigverein vom Roten Kreuz anmeldeten. Der letztere plant für den Winter noch einige ausklärende Dorträge. Zunächst wird Dr. H a e b e r l i n über Alkohol- und Rikotinschä- den sprechen.
Kreis Schotten.
n Laubach. 20. Gan. Am Reichsgrün- dungstage hielt unser Kriegerverein seine Hauptversammlung ab. die sehr stark besucht war. Bürgermeister Böhm brachte den Trinkspruch auf das deutsche Vaterland aus. woran sich das mit hoher Begeisterung gelungerte Deutschlandlied ar schloß. Der Vorsitzende, Kamerad Hermann Stotz, überreichte öen Kriegern, die seit 25 Gafyren dem Verein angehören, 35 an der Zahl, die Gubiläinns-De nk° münze. Einstimmig wurde die MiLgliedschaft zum Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold abgelehnt. Politik gehöre nicht in den Krteger- tieretn. Hier fei Einigkeit zu erhalten, war die allgemeine Ansicht. — 3n der heutigen gräfl. Holzversteigerung kam der Raummeter Buchenscheitholz aus durchschnittlich 10 Mark, der Raummeter Buchen-Knüppel auf durchschnittlich 8 Mark.
<■> Schotten, 20. Gan. Vachdem im vergangenen Gahre die Gemeinde Gedern bte größte Neubautätigkeit auszuweisen Halle, indem ein ganzer Strahenzug. beiderseitig bebaut, erstand, scheint in diesem Gahre Schot- t e n den Vogel abzuschietzen. Wie man hört, sollen in 1925 eine ganze Reihe Wohnhäuser erbaut werden. Die Strahe an der neuen Försterschule plant man auszubauen. Die Stadtverwaltung hat bereits eine Reihe Bauplätze vergeben. Auch Auswärtige befinden sich darunter. Bis zu den bestehenden Häusern ist berells die Straße vollständig durchgebaut und mit Kanalisation und Wasserleitung versehen. Die Krankenkasse plant die Errichtung eines Verwaltungsgebäudes mit Wohnung für den Geschäftsführer. Die Stadtverwaltung hat, wie schon berichtet, bereits dnftimmtg die Erbauung eines Krankenhauses beschlossen Es ist sehr zu begrüßen, dah jetzt endlich mtt
wieder von meinem Herzen — ich muh schon. Mein Herz wurde gar nicht gefragt, es war auch ein krankes .schwaches, zerbrechliches Herz. Gert konnte es nicht hüten, er war ja in unenb» sicher Ferne, aber selbst in der Ferne hätte er meiner doch zuweilen in Lebe gedenken können, und nie sprach sie aus seinen wenigen Briefen. Run gut, wenn wir in unsrer — ich möchte sagen — neutralisierten Ehe auf Ltebe verzichteten, fo hätte doch wenigstens ein Gefühl von Achtung ü6rq bleVm können. Als letzter Trost, em dürftiges, ein elendes Kompromitz. And siehst du. er hat nicht einmal Achtung vor mir. Sonst wäre er nach seiner letzten großen Dummhell zu mir zurückgetehrt und hätte mich um Ver- jeibung gebeten. Ah bah — was war ich ihm denn, was bin ich ihm! Ein unbequemes Anhängsel. nichts Weller. Sin Anhängsel, das er bald loszuwerden hofft. Er wartet doch nur auf meinen Tod?..
Sie kam in Erregung. Hellmut hob abwehrend die linke Hand, indes die rechte schon in die Brusttasche griff und das Driefpaket aus Garlent hervorzog. Theda achtete nicht darauf, sie war zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Sie erhob sich und setzte sich wieder, doch auf die 2^mlehne des Sessels, ihre Anruhe wuchs und sprang auch über die Miene.
„Die Väter leben nicht mehr“, fuhr sie fort, „Familienrücksichten kommen für mich nicht weiter in Frage. 3ch bin auch unabhängig und reich genug, mn Gert die Gruben von Grvß-Ponar zu gönnen. Hub da möchte ich denn aus einer Bindung heraus, die quälend für mich wurde. 3ch erinnere mich aus irgendeinem Drama der netten Bemerkung einer kleinen Rähmamsell: Ans lieben die vornehmen Herren, aber sie heiraten uns nicht, sie lieben die vornehmen Herren, aber sie heiraten sie. Liröte mich Gert? Rein — und er war ehrlich genug, es mir auch nicht vorzulügen. Hab' ich ihn geliebt? Er gab mir einmal einen Kutz, es war an meinem Hochzeitstage, da packte mich fo ein Gefühl der Sehnsucht... ach Goll, Hellmut. ich war ja ein armes krankes Mädelchen, ich wußte nicht. waS ich tat — ich verzehrte mich selbst! — Ach, ich habe in ber Gesundheit auch mein Innerstes finden können, vnd nun weih ich, daß ich ihn nicht liebe
der lieubautättgteit energisch begonnen wird, beim nur hierdurch ist es möglich, den letzten Rest der Zwangswirtschaft zu beseitigen. Rur durch Erbauung von Wohnungen kann der Wohnungsnot gesteuert werden. Es wäre aber zu wünschen, daß ber Schuldzins noch etwas herabgesetzt würde. — In den letzten Tagen sanden in der Amgegend die ersten Holzversteigerungen statt. Die Preise waren sehr verschieden. So wurden in Alrichsteiu für einen Meter Buchenschellholz durchschnittlich -k bis 5 Mk. und in Laubach 10 bis 11 Mk. bezahlt.
* Sichelsdors. 20. Jan. Die ehedem fo prachtvollen Buchende stände unserer Försterei haben sich im Lause der Jahre sehr start gelichtet. Es kann nicht einmal mehr das Losholz für die Gemeinden E i ch e l s- dorf und Ober-Schmitten in Buchenholz gegeben werden. Berells im Vorjahre mußte man damit beginnen, einen Teil der Lose in Eiche zu verabfolgen, nicht zur Freude der Los- holzberechtigten. Die großen Holzner- ft e i g c r u n g e n , die von Wetterauer Bauern und Holzhändlern start besucht wurden, müssen für eine lange Reihe von Jahren aus - fallen. Am hiesigen Bahnhof wurde stets sehr viel Brennholz verladen. Kolonnen von Wetterauer Hohsuhrwerken mit ihren meist prachtvollen Pferdegespannen beherrschten wochenlang das Strahenblld. Die nun in unserer so waldreichen Gegend einfehende Brennholzlnappheit veranlaßt die Bevölkerung, soweit es die für Holzfeuerung eingerichteten Ocfen zulassen, zum Kohlenbrand überzugehen. — Aus dem Jahresbericht unserer Pfarrei Eicheksdorf — Ober-Sch mitten für 1 924 sei folgendes mit geteilt: Es wurden getauft in Sichelsdors 16, in Ober-Schmitten 10 == 26 Kinder (—< 9 gegen 1923). Konfirmiert wurden aus E. 22, aus O. 13 --- 35 (— 6), Zum Traualtar schritten aus E. 8, aus O. 2 — 10 Paare. (—1). Beerdig ungen fanden statt in @ 7, in 9 2 - 9 (- 9). Der Kirchen- besuch nahm um 4 Prozent, ber Abendmahls- befud) um 7 Prozent zu. Durch Kollekten gingen ein 1850.52 M. (Auf den Kopf der Bevölkerung 1.41 M.) Aus Erntedankfest und Weihnachten wurden durch die Konfirmanden Festspiele aufgeführt. 'Der Rachmittagsgvttesdienst ist als Kin- dergottesdieirst eingerichtet und erfreut sich regen Besuches.
)—f Ruppertsburg. 19. Ian. Auch unser Dors Halle gestern abend seine Reichsgründungsfeier. Die hiesige Ortsgruppe des Landjugendbundes hatte zu cmem Theaterabend eingekaden. Der geräumige Schlörbsche Saal war überfüllt. Auch ein großer Teil der Ortsgruppe Wetter selb hatte der Einladung Folge geleistet. Rach dem von Frl. Emma Diehl schön und begeistert vorgetragenen Gedichte: „Vergiß es nicht!" bleit der Vorsitzende Hussel seine Begrüßungsansprache. Es folgte das zwei- aktige Sttmmungsbild ..Getreu bis in den Tod". Mehrere Deklamationen leiteten bann über zu dem zweiten Stück „Schlageter, ein deutscher Held", an das sich als lebendes Bild „Schlageters Erschießung" anschloß. Gemeinsam wurde hierauf das Deutschlandlied gesungen.
Kreis Lanrerbach.
tz Schlitz, 20. Ian. In der vorigen Woche wurde hier unter Geltung von Pfarrer Korn - mann-Alrichstein eine Evangelische Ingendwvche gehalten. 40 Jugendliche sammelten sich an 6 Abenden um die Kirchenfrage (Kirche und Jugend), die katholische, die soziale, die völkische, die übernationale (Weltfriedens-) Frage und die Lebensfrage: Hat das Leben einen Sinn? Den Abschluß bildete ein Jugend- f onn t ag , an dem Landesjugendpfarrer Zentgraf und der Leiter der Iugendwoche predigten; abends war im vollbesetzten Saal von Gun- trum ein Jugend- und Gemeindeabend, in dessen Mittelpunkt der Vortrag des Landes- ftrgendpfarrers über „Du und ' deine Jugend" stand.
rr. Schlitz. 20. Jan. Ein tragisches Ende fand am Samstag abend der Weber Valentin K i m p e l aus dem naben Berns- hausen. Auf dem Heimweg von seiner hiesigen Arbeitsställe befiel den noch rüstigen Mann ein starkes Anwohlfern. Rur mit Mühe gelang es ihm, mit Hilfe eines Arbeitskollegen die in der Rähe seines Heimatdorfes gelegene Wohnung feined Sohnes zu erreichen. Wenige QKinuten später war er tot; ein Herzschlag hatte seinem Leben ein jähes Ende bereitet — Auf Hem
und dah ich die Trennung von ihm will, eh' er zurückkomnlll"
Jetzt griff Hellmut ein. Es war an der Zeit, sich aus dem Schiffbruch dieser Ghe das Strandgut zu holen.
..Eh' er zurückl'ommt," wiederholte er. „Ja, Theda. wird er denn je zurückkehren können? Sieh hier Liese Briefe — es finb die letzten Berichte jenes Detektivs, den dein Vater an die Grenzen von Pamir sandte Ich steckte sie $u mir. weil ich hoffte, heut abend mit dir darüber sprechen zu können. Eine schwere Aufgabe — aber deine Offenherzigkeit, für die ich dir danke, kommt mir entgegen ... Theda, du mußt jetzt mutig sein. Du stehst vor einer großen Wandlung in deinem Leben ..
Gr zögerte, denn er sah, tote sie ein nervöses Zittern ergriff. Doch da rief sie ihm zu:
..Sage mir alles! Ich bin mutig. Sag' mir die Wahrheit! Gort lebt nicht mehr!“
And Hellmut ertoiberte, mit einem Blick, der alle Stützen bisherigen Getr-enntseins zu brechen schien, der wie ein FrühNngsgruß war und ebt Bekenntnis der Treue:
.Rach diesem Bericht ist nicht mehr daran zu zweifeln, daß die Grpedition Murray untergegangen ist und Gert dabei feinen Tod gefunden hat"
Theda schloß die Augen, sie wurde sehr bleich, sank von dem Polster und brach in die Knie.
Hellmut hob sie auf und zog sie an sich. Sie war nicht ohnmächtig, sie war völlig bei Sinnen, nur von haltloser Schwäche. Richt schmerz- bewegt. nicht glücklich, voll taumelnder Gefühle, (aber doch beS Bewußtseins froh, daß ein Ichützender Männer arm sie umfaßte. ^Ind auch Hellmut blieb ernst im Strubel des Empfindens: Ernst noch, da er ihren Kopf in die Hände nahm, sie küßte und ihr leise Zuraunte:
..Meine Theda — meine Theda ... nun gehören wir uns ..
Taufende von Meilen weiter aber lebte der, den man für tot hielt.
12.
Der Schnee hatte einen Grabhügel über den Schlummernden gehäuft. 'Doch der tote Gaul neben ihm lag auf beut Rücken und streckte die vier steffgeftorencn Beine in die Luft. Das
Fruchtspeicher der Gräfl Gortzschen Oew- nomieverwalllmg geriet ber hiesige Arbeiter Beuel zwischen ben elektrischvetriebe» neu Fruchtkarren und die Wand und wurde schwer verletzt. Er mußte sofort ins gräfliche Spital überführt werden. — An Stelle des von hier nach Gießen versetzten Leiters der hiesigen Höheren Bürgerschule, des Studienrats Röder, wurde ©tübienrat Dr. Roloff dahier zum Rektor ber Anstalt ernannt.
Starkenburg nnd Rheinhesien.
spd. Offenbach. 20. Ian. Gn einer Ge* richtsverhandlung zu Frankfurt wurde der ‘3<y ritekünstler S ewelo k wegen Hehler« verurteilt In der Verhandlung tarn auch zur Sprache, dah ein 28 Jahre alter Schauspieler Arthur Grebielski bei dieser Hehlergeschichte seine Hände mit im Spiel gehabt habe. Als nun Grebielski Sonntagabend hier in einem Variete austreten sollte, wurde er unmittelbar vor seinem Auftreten von der Krimütalpöftzei verhaftet
Darmstadt. 20. Ian. (EigAnr Bericht) Die Deutsche Vollspa rtei 'veranstaltete gestern abend im Groß«; Haus des Lanbesthea- ters eine stark besuchte ReichSgrünbungs- feier. Sie wurde eingeleitet durch die öifonic in O-Dur von Brahms. Die Festrede hielt Land- tagsabgeordneter D i n g e l d e v. Er erinnerte an die verschiedenen Kräfte, die seit altersher aus deutschem Boden rangen, politische, kulturelle und religiöse. Es habe daher ein Angeheueres in der deutschen Geschichte bedeutet, als Bismarck das Deutsche Reich schuf. Erst jetzt, da es die Größe des Reiches verloren habe, erkenne das Volk die Bedeutung dieses Ereignisses. Wenn wir die Reichsgründung Jahr für Jahr begehen als Gewiffensschärfung, m Erinnerung an die noch nicht versiegte deutsche Kraft und im Gedanken an die Einheit, so würden wir die Grundlagen für eine lichtere Zukunft gewinnen. Der Rede folgte lebhafter Beifall und bann nach dem ge°> meinfamen Gesang des DeutschlaydliLdeS daS Vorspiel zu Wagners „Rienzi". das vom Ov- chester des Landestheaters unter Leitung von Generalmusikdirektor Bal fing geboten wurde. — Zur Zeit wird über die Einrichtung einer Auto mobil Verkehrslinie von Hirsch-- horn nach Beerfelden verhandelt, wobei Finkenbach und Rothenberg berührt werden. Ferner soll eine Linie Vielbrunn— König—Kirch-« Brombach ins Geben gerufen werden,
Heffen-Naffau.
bl. Dillenburg, 20. Ian. Den VerhNft mssen auf dem Gebiete der Leibesübungen R^hnung tragend, haben sich int hiesigen Kreise Lehrer zu einer Lurv - u nd Spielvereinigung zulammengeschlossen, inn sich bert neuzeitlichen Forderungen auf diesem Gebirt <nv zupassen -bzw fortzubilden. Spiel. Sport und Wanderungen sollen tatkrästig gepflegt werden. Den alljährlich stattfindenden Wettkämpfen und Iugendfesten gebenft die Vereinigung fördernd zur Seite zu stehen. — In der letzten Zell wird, der Dtllkreis feJjr start von Zigeunern heimgesucht. 'Vereinzelt konnte man Banden von 50—60 Personen mit 17—20 Wohnwagen beobachten, die in der Richtung nach Siegen cefp. Wetzlar weiterfuhren. Jeder Kreis sucht aatürkich die Zigeuner abzuschieben. Sv wurden die in ben Kreis Wetzlar abgefchobenen Zigeuner am nächsten Tage wieder in ben Dkllkreis zurückgeschoben.
Kirche und Schule.
_ Winnerod, 19. Ian. Eine gemeinsame Sitzung der Kirchenvorstände unb Kir- chengemeindeverttetungen des Kirchspiels sand heute unter Antoesenhell des Präsidenten Geh. Rat Dr. B e r n b e d von Darmstadl hier im Pfarrhause statt. Kurz vor dem Krieg« war die Pfarrei Winnerod, bestehend aus Bersrod und Winnerod, durch Hinzukommen von Saasen unb Lindenstruth, die vom Kirchspiel Wirberg abgetrennt wurden, erweitert worden Irgendwelche Lasten entstanden den beiden Gemeinden nicht, weil Winnerod durch die. Kirchen« kapitalien finanziell gut gestellt war. Die Inflation hat die Kapitalien entwertet, dadurch geriet die Kirche Winnerod in Rot. So lautete die Tagesordnung: Fortbestehen ober Auflösung bes Kirchspieles? Es handelt sich um i te Ausbringung der Mittel für die Unterhaltung der Pfarrgebäude unb der ständigen Beiträge zur Pfarrbesoldung und
war ein Erkennungszeichen für wandernde Menschen. Die Pferdebeine ragten aus dem Schnee empor, unb kleine zottige Hunde umschnupperten sie unb hatten die menschliche Witterung m d« Rase und bellten laut.
Als Gert die -Augen auffchlug. lachte er. Es war sehr komisch: er lag halb entfldbet im Schnee, und derbe Fäuste rieben ihn. Es toar ein unwillkürliches nervöses Auflachen gewesen. Olun wurde sein Gesicht ernster. Er war also nicht tot. Das stand unleugbar fest. Er lebte, und man mutzte ihn schon seit eürger Zeit mit schmelzenden Schnee frottiert haben, beim er hatte kein Gefühl ber Erstarrung, er konnte auch die Glieder bewegen. Rur fein Kopf war benommen, die Gedanken bauten sich langsam auf, unb die zwinkernden Augen mußten die Am- gebung erst in ihren Einzelheiten absuchen, um sich klar zu werden über das, was sie sahen.
Der Schneesturm war vorüber, dic Sonne wärmte. Reben Gert knieten zwei Menschen mit unverkennbar mongolischen Gesichtern, ähnlich wie Eskimos gekleidet, unb Massierten ihn. Hinter ihnen toar noch ein halbes Dutzend anderer Ber^ bewohner bei Pferden und Schlitten beschäftig?, alle mit langschäftigen Flinten und Patronen" gürteln nach Tscherkessenart. Aus einem der Schlillen lagen drei tote Wölfe, auf einem zweiten ein lebendiges Antier mit festzu»ammeng rschi»ür- ten Beinen unb einem Sperrholz im geifcrfl letzenden Rachen, regungslos, mit stummen Wut- blicken aus den biutgefüllten Augen auf die wie toll il)N umkläfsenden Hunde.
Kirgisen, tagte sich Gert, ich habe Gluck, ich bin noch einmal gerettet. Er versuchte, fich aufzurichten, sank aber wieder' zurück. And nun fah er etwas, was wie ein Lichtstrahl der Kultur in die Wildnis fiel. Einer Der Leute öffnete eine ganz moderne Thermosflasche, die der Reffe- ciusrüstung eines europäiichen Touriften angeboren tonnte, und flößte ihm einen Schluck heißen Tees ein.
Dann sprachen die Bergmenschen miteinander. Sie warfen sich hastig zulommengefügte Worte zu, die Gert nicht verfiand. Er wollte fragen, kümpfte aber wieder mit dcc cinfehenden Atemnot, fühlte eine grotze 'Malliqkeit ustd verlöt von neuem die Besinnung. (Fortsetzung folgt.).


