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bereits in der Sprache der indischen und chinesischen Selbstbestimmung einen Sammelbegriff für die europäischen Westmächte und Amerika den Kultur- und Machtbegriffon eines um seine Selbständigkeit ringenden Asiens entgegenstellt, eine Bewegung, die man bei uns in Mitteleuropa, mit der eigenen Not beschäftigt, viel zu wenig beachtet, die doch eine große Erleichterung für unsere Lage durch inten­sivste Dehnpng der Westmächte, der Vereinigten Staaten und Rußlands bringen kann und die neben­bei gezeigt, wieviel mehr noch den europäischen Westmächten an der Rückenfreiheit durch Locarno gelegen war, als sogar uns in unserer Not.

Diesen Ausführungen über die raum- politischen Gesichtspunkte der satanischen Fragen so'gte dann eine Lichtbilderreihe, in der die wichtigsten Grundzüge der' a rischen Reichs- bildung in Kultur, Macht und Wirtschaft in außerordentlich interessanter Weise gezeigt wur­den, die in der Regel in Mitteleuropa am fremdesten sind und am wenigsten verstanden werden: die Abhängigkeit des Reiches in Ge­schichte und Gegenwart von seiner riesigen Küstenentwickelung von 41 500 Kilometer bei etwa 2,5 Millionen unmittelbar und 12 Mil­lionen mittelbar von der Meer-Ernährung leben­den Menschen, die vom Meer durch Südstämme bezüglich Temperament und Reigung landein­wärts getragene Kultur, die Küstennähe und Küstenbestimmung aller wichtigen Großsiedelun­gen. Die einzigeküstenferne" Großstadt Japans ist daZ alte Tokio, nur eine Schnellxugstunde vom Meere und mit einem Schiffahrtskanal mit ihm verbunden. Die zweite Reihe zeigte dann, wie genau wie bei uns der Lebensraum trotz seiner intensiven Bebauung zu schmal für das rasch wachsende Bolk mit rund 60 Millio­nen auf den Inseln und 83 Millionen im Ge­samtreiche geworden ist, wie notwendig deshalb Auswanderung und 3ndustrialisi erung geworden sind und woher die Mittel die persönlichen wie die sachli5en bei diese.r überraschenden Industrialisierung kamen.

Dann folgten noch ein'ge Type:-' charakteristi­scher Großsiedelungen: eine, die auf fremde An­regung von außen her im Lande entstanden ist: V o k o h a m a, eine, in der ursprünglich eine fremde Wachtumsspitze eingedrungen war. Oie aber längst verkapselt ist: Raga sali und eine typisch japanische: Kagoschima. der Marine- Hauptstützpunit, und in einigen Bildern wurde gezeigt, wie Erdbeben und Sturmfluten dauernd daran arbeiten, diese Siedlungen immer wieder im Laufe dec Geschichte zu zerstören und zu erneuern und wie gewaltige, fast regelmäßig wiederkehrende Katastrophen die eigentlich augen­blicklich älteste Weltmacht b:r Erde immer wieder erneuern und verjüngen, die sonst in einer zu glücklichen und 'klimatisch zu reich gesegneten Harmonie erschlaffen und überaltern würde.

Orientkonferenz in London.

London. 20. Rov. (TU.) Gestern nach­mittag ist der neuernannte französische Ober­kommissar in Syrien, de 3 ouvenel. zu Be­sprechungen mit der englischen Regierung über die Lage im nahen Orient eingetroffen. Der Oberkommiffar hatte heute abend im Aus­wärtigen Amt eine anderthalbstündige Unter- rebung mit Chamberlain und Amery über die Regulierung der Grenzen zwischen Syrien und Palästina sowie zwischen Syrien und dem Irak. In einem Interview mit einem Reutervertreter erklärte Iouvenel, er glaube, daß die französisch-britische Zusammenarbeit im Orient, die sich gegen niemand richte, sondern im Interesse aller Rationen liege, eine viel gerechtere Lösung für die verschiedenen Probleme ermögliche, denen sich beide Länder gegenüber» sehen.

Die Lage in Syrien.

London, 20. Roo. (ZU.) Die Berichte, die heute aus Syrien kommen, sprechen von einer wei­teren Verschärfung der Lage. TYrus und Sidon, zwei der nilesien Städte der Well, sind in unmittelbarerGefahr, von den auf­ständischen Drusen eingenommen zu werden. Die Franzosen habcm große Verstärkungen nach Damaskus gesandt. Gegenwärtig wird ein ver­such unternommen, 3000 aufständische Drusen, die sich nach dem Fuße des Berges Hermon zurückge­zogen haben, zu umzingeln. Die gegenwärtig in Beirut gelandeten Verstärkungen find zur Teilnahme an dieser Operation bestimmt. Sultan Atrasch soll sich verpflichtet haben, £cbbn und Eigentum in Da­maskus nicht mehr durch weitere Angrisfe auf die Stadt zu gefährden.

Handgemenge in der italienischen Kammer.

Rom, 19. Nov. (TU.) In der heutigen Nach- mittagssitzung der italienischen Kammer tarn es zu wüsten Szenen. Als der kommunistische Abgeord­nete M a f f i die Atrentatsmeldung auf Mussolini als Fälschung der iralicnischen Volksstimmung be­zeichnete. bemächtigte sich der fas,Mischen Abgeord­neten eine ungeheure Wut. Der Generalsekretär der sadistischen Partei Farrinacci sprang von sei­nem Sitz auf und stürzte sich auf den Abg. Masst und versetzte ihm zwei Faust sch läge ins Ge­sicht. Zwei Kommunisten kamen ihrem Genossen zu Hilfe und es entstand eine wüste Rauferei zwischen Fajzisten und Kommunisten. Masst wurde blutüberströmt hinausgetragen. An­dere Kommunisten wurden zur Tür hinausge­worfen. 9m Handgemenge hatten sich mehrere faszistische Führer hervorgetan. Auch auf den Tri­bünen war ein Handgemenge zwischen den Anhän­gern des Kommunismus und des Fafzismns ent­standen, bei dem ein Kommunist von faszistischen Journalisten in den Saal geschleudert wurde. Nach einer Unterbrechung der Sitzung brachte der Innen­minister Federzoni ein Hoch auf Musso­lini aus und eröffnete dann die Tagung des Par­laments.

Die Bedrohung Tirols.

Innsbruck, 20. Rov. (TU.) Im Tiroler Landtag ist gestern ein von allen Parteien unter­zeichneter Antrag eingebracht worden, in dem auf öie Bedrohung Rordtirols durch die Faszisten und auf die Verletzung des Weltvo st Vertrags durch die ita­lienischen Postorgane, die deutsche Briefe und Zeitungen nicht zustellen, hingewiesen wird. Dieser Zustand habe in Rordtirol ungeheure Erbitterung ausgelöst, die sich in unliebsamen Zwischenfällen auswirken könnte, um so mehr, als auch die nationale und wirtschaftliche Entrech­tung der Deutschen in Südtirol die Stimmung in Rordtirol geradezu zu einer ver­zweifelten gemacht habe Die Landesregierung

wird gefragt, ob sie bereit fei, die Bundesregierung I auf die unhaltbaren Zustände aufmerksam zu I machen und zu verlangen, daß die Bundesregierung bei der nächsten Sitzung des Völkerbundes auf diese Verhältnisse hinweist, falls unmittelbare Vorstellung gen bei der italienischen Regierung ohne Erfolg bleiben sollten.

Die Völkerbundsra.ssitzung.

Paris, 19. Rov. (211.) Zu 6er Tagung des Bölkerbundsra es, die am 7. Dezember in Genf stat findet, sind an 12 Staaten Einladungen zur Entsendung von Vertretern ergangen. S ü d- afrifa, Reuseeland und Australien sind von diesen (5. aalen an der Prüfung de, Berichtes der Mandatskommission beteiligt, Griechenland und Bulgarien wegen der Regelung des Grenzzwischen, alles, Griechenland außerdem noch wegen Regelung der griechischen Minoritäten in Konstantinopel, der türkischen Minoritäten in Westthrazien und der autonomen Behörden für die griechischen Flüchtlinge Ferner ist eine Einladung an Polen ergangen, und zwar wegen der Danziger Frage, an Persien wegen der Entsendung der Untersuchungs- kommission über den Opiumhandel, an Oester- re i ch und Ungarn wegen des finanziellen Wiederaufbaues beider Länder. Eine besondere Einladung an Ungarn wegen der Regelung der ungarischen Iudenfrage. Jugoslawien und Rumänien sind zur Entsendung von Ver­tretern aufgefordert, weil diese an dem finan­ziellen Wiederaufbau Ungarns, beteiligt sind. Rumänien außerdem noch besonders wegen der Verteilung der Entschädigung von 700 000 Gold- sranks an die Landwirte in Transsylvanien. Ferner ist ine Türkei an der Regelung der Wossulsrage beteiligt, außerdem an einem Streit­fall wegen Armenien und der Regelung der vicherheitssrage in Westthrazien.

Deutschiands Vertretung beim VöMerbund.

Berlin. 19. Rov. (WTB.) DasBerliner Tageblatt" will wissen, daß für die Stellung eines stündigen Vertreters Deutsch- lairds beim Völkerbund der frühere Staatssekre­tär des Auswärtigen Amtes v. Knehlmann in Aussicht genommen ist. Es sei jedoch wahr- schrinlich. daß der jeweilige deutsche Außen- rn in ist er sich die Teilnahme an den Rats­tagungen selbst Vorbehalten werde, wenn er auch vielleicht nicht immer daran teilnehmen könne.

Die polnische RegierungsWs.

Neue Betrauung deö <Br«fcn Skrzynski.

Warschau, 20. Nov. (TU.) Nach seinem Ver­zicht auf die Regierungsbildung hat Nataj dem Präsidenten der Republik, vorgeschlagen, den Grafen Skrzynski non neuem mit der Bildung eines Beamtenkabinetts zu betrauen. Ratajs Kabi­nettsbildung ist vor allem an den S o z i a l d e m o - traten gescheitert, die nicht ohne Kem: is des Programms und der Ministerliste der llrnntz ihre Unterstützung zusagen wollten. Graf Skrzynskl hat gestern abend dem Präsidenten der Republik seine M i n i st e r l i st e überreicht. Hiernach würde sich die Regierung folgendermaßen zusammensetzen: Ministerpräsident und Außenminister: Skrzynski, Finanzminister: stellvertretender Minister , Mar­kowski, Innenminister: Raczkowicz, Justiz: Zich- linski, Kultus: stellvertretender Minister Lopu- schanski, Verkehrsminister: Pyschka, Arbeitsminister: stellvertretender Minister Rybczinski, Kriegs­minister: stellvertretender Minister General Maiewski.

Die Untersuchung des buZgarisch- griechischen Grenzzwischenfalls.

Athen, 19. Rov. (Havas.) Die m.t der Untersuchung des griechisch-bulgarischen Grenz- zwischenfalls beauftragte Völkerbundskom- Mission ist am 16. Rovcmber hier eingetroffen. Sie hat mit dem Ministerpräsidenten, General P a n g a l o s. und Außenminister R u f o s ver­handelt und wird unverzüglich nach Sofia reifen, wo sie bis zum 23. Rovember verweilen will, um alsdann nach eintägigem Aufenthalt in Belgrad nach Genf zurück)nkehren. Die Kommission soll bereits zu gewissen Ergebnissen über die Verantwortlichkeit für die Angriffe und über die festzusetzende Entschädigung gelangt sein.

Kreditfragen im Preußischen Landtag. Berlin, 19. Nov. Der Preußische Landtag setzte die Beratung des Haushalts des Finanz­ministeriums fort.

Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff gibt Auskunft über die Fragen der Stundung des Kredites. Rund 120 Millionen find zur Ver­fügung gestellt. Mit Rücksicht auf die Notlage der Landwirtschaft seien die Rückzahlungstermine hin­ausgeschoben worden. Die Stundung sei be­sonders für Ostpreußen, Oberschlesien und den Re­gierungsbezirk Kassel, wo die Landwirt­schaft besonders gelitten habe, in weitgehendem Maße bewilligt worden. Was die Mittelstands­kredite angehe, so seien 22 Millionen vom Reich und dieselbe Summe von Preußen zur Verfügung gestellt worden. Möglichst müßten aber die Kredite im n ä ch st em Jahr abgetragen werden. Was die Frage der Hinaufsetzung der Al­tersgrenze bei den Beamten angehe, so habe das Reich erklärt, daß es nicht daran denke, zur Zeit die Altersgrenze hinaufzusetzen. Preußen könne nicht einseitig vorgehen.

Abg. Fries (Soz.) wünscht, daß die Verwal- tungs- und Personalreform sofort in Angriff ge­nommen wird. Die Zahl der Gehaltsgruppen sei zu beschränken, und die unterste Gruppe müßte min­destens das Existenzminimum erhalten.

Abg. Meyer-Herford kD. Vpt.) erklärt, daß seine Partei de Kreditattionen für in? Land-- wirtschaft, den Mittelstand usw. unterstütze, aber auch die Fürs orge für die Beamten­schaft energischer betrieben sehen möchte. Eine allgemeine Ausbesserung der Gehälter w:rde sch nicht umgehen lassen, falls fein wesentlicher Preis­abbau erfolge. Die Altpensionäre seien endlich den Reu Pensionären restlos gleichz'.stellen. Ein neues Beamtenrecht fei ebenso notwendig wie eine völlige Reugestaltung des Kommunal- beamtengesetzes.

Abg. D a r t h e l d -- Hannover (Dem ) tritt für die Einführung der vierteljährlichen Gehaltszahlung ein. In den unteren Deamtengruppen und den kinderreichen Familien

sei die Rot und Verschuldung so groß, daß un­bedingt geholfen werden müsse. Die politischen Beamten in der Provurz mühten endlich denen der Zentralverwaltung gleichgestellt werden.

Abg. Jacoby (Z.) erlemit die der Land­wirtschaft geleistete K r e d i t h i l f e an. Die Rück- zahlungstermine sollten aber der Leistungsfähig­keit der Landwirte mehr angepaßt werden. Der 16. Februar sei als einer dieser Termine durch­aus ungeeignet. August oder September wäre vorzi.rzic.hev. Die untersten Deamtengruppen hätten buchstäblich zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. In den höheren Dramten- gruppen sei ein Abbau durchaus angebracht.

Die einzelnen Kapitel zum Haushaltsmini- sterium werden genehmigt. Hierauf vertagt sich das Haus um 3 45 Uhr auf Freitag, 11 Uhr.

Der Ablehnung verfiel ein Antrag Wsiß- crmel, die Große Anfrage der D.'utschnat'onalen über die Entwaffnungsforderungen der Entente bezüglich der Polizei der deutschen Länder als ersten Punkt der morgigen Tagesordnung zu ver­handeln.

Die Aufbahrung Manfred von Richthosens. Berlin. 19. Rov. (SIL) Heute vormittag wurden die sterblichen Heb errette Manfred von Richthofens in der Gnädenttrche in der Invaliden­straße feierlich aufgebahrt. Der braune, eichene Sarg, auf dem der Degen und der Helm des berühmten Fliegers liegen, hat vor dem Altar Aufstellung gefunden, zu beiden Seiten große Kandelaber mit unzähligen Lichtern. Den ganzen Dorraum des Altars bedeckt eine Fülle von Kränzen, vor dem Sarg ragt das schlichte Kreuz empor, das die Franzosen dem gefallenen Kampf­flieger auf dem Einzelgrab errichtet hatten, mit der einfachen Inschrift:53 091, Richthofen, von. Baron, Capitain. G. A." Vor dem Sarg liegen auf einem Kissen sämtliche Orden und Ehren­zeichen des Gefallenen. In die Totenwache teilen sich ehemalige Offiziere des Kampfg?schwaders 1 und des Ulanenregimenteä 1, von denen je 2 mit gesenki-en Degen die Bahre lanzieren. Unter den vielen Blumenspenden fällt ein großer Kranz auf, den die Traüitionskompagnie der Flieger­gruppe, die vierte Maschinengetvehrkompagnie des 9. preußischen Inf unter.eregmrentes gesandt hat. Die weiße Schleife des Kranzes trägt die In­schrift: .Unserem Richthofen, dem König der Lüfte." Anter den im Laufe des Tages am Grabe Richthofens niedergelegten Kränzen be­findet sich ein größerer Kranz, dessen Trauer- schleife auf der einen Seite die Aufschrift trägt: British and American Officers in Berlin", während sich auf der anderen Seite die Worte befinden:Manfred von Richthof en, unserem Gegner, aber nicht minder imferem Ka­meraden." Ü. a. hat auch der Berliner dänische Gesandte von Mutius einen Kranz am Grabe niedergelegt.

Parlamentarisches aus Hessen.

Die Deutschnationale Partei beantragt: Der Landtag mißbilligt die Ernennung dLs Herrn IuliusGvldstein zumPrv- fessor der Philosophie, weil diese Er­nennung gegen den Willen und Vor­schlag des Senates der Technischen Hochschule erfolgt ist und weil sie eine Richt- achtung des Selbstverwaltungsrechts der Hoch­schulen und eine Bedrohung der Freiheit der Wissenschaft bedeutet.

Ein weiterer deutschnationaler Qlntrag wünscht die Regierung zu beauftragen: Durch die Kreisämter feststellen zu lassen, wieviel A e u- bauten, Rotwohnungen usw. seit 1919 in Hessen entstanden sind. Hierbei wäre nach Stadt- und Landgemeinden, nach Größenklassen bzw. Einwohnerzahlen zu unterscheiden. Auf die Gemeinden, die trotz vo rhandener Woh­nungsnot, und obgleich sie Baustoffe aus eigenem Besitz verwenden könnten, bisher nicht gebaut haben, einzuwirken, daß sie endlich ihrer Pflicht nachkommen. Angesichts ber verminderten Ausgaben auf dem Gebiete des Wohnungsvermittelungswesens einen ener­gischen Abbau der Wohnungsämter zu erwirken.

Kunst und Wist'enfchaft.

Ersatzwahl ber Acaöemre Francaise.

Die Acadsmie Fran<;aise hat die Ersatzwahl für drei verstorbene Mitglieder vorgenommen. An Stelle des verstorbenen Maurice B a r r ö s wurde im ersten Wahlgang der Schriftsteller Louis B e r- tranb, der sich in der Hauptsache durch historische Romane bekannt gemacht hat, gewählt. Für den durch den Tod des Grafen d'H a u s s 0 n 0 i l l e freigewordenen Sitz kandidierte der Graf de la F 0 r c e, der einem alten Adelsgeschlecht angehört. Besonders umstritten war der Sitz des verstorbenen Anatole France. Um ihn bewarben sich der ehe­malige Unterrichtsminister Lson B 6 r a r b, der Senator Paul B ä r a r b und der Schriftsteller Paul B a l l e r y. Im vierten Wahlgang wurde Vallery mit 17 Stimmen gewählt. Paul Vallery hat seine Laufbahn als Redakteur der Agence Havas be­gonnen. Er wurde Mitarbeiter derNouvelle Re- nus Frangaise" _ und hat seitdem literarhistorische Studien sowie eine Anzahl Bände Gedichte verfaßt. Eine Gesellschaft für Zeitgeschichte und Publizistik.

In M ü n ch e n wurde die Gründung einer Gesellschaft für Publizistik und Ze'tgeschichte voll­zogen, die sich d'.e Aufgabe setzt, Dokumente und Erzeugnisse der unmittelbaren Vergangenheit für Zwccke der Wissenschaft und Forschung zu sammeln.

Aus «Ker Welt.

Die Hcknptfnnkftation Könrgstvnstcr- hauseu.

Auf Einladung des Reichspostministeriums fand eine Besichtigung d:r Königswustenhausener Hauptfunkstelle und insbesondere des soeben fcrtiggeftelUcn neuen Funkt urmes von 230 Meter Höhe statt. Staatssekretär Dr. Bredow wies zunächst auf die besonderen Schwierigkeiten hin, unter denen die Reichstelegraphe.V erwaltung die technischen Mittel für die Bewältigung der ihr geftellten Aufgaben habe sch-asfen müßen. Aus der bescheidenen militärischen Funkstation Königswusterhau'en sei nunmehr der gewaltige Anlagenkomplex entstanden, der Königswustcr- hnusen innerhalb seines Aufgabenkr'.ises (draht­lose Telephonie und Telegraphie für Deutsch­land und das europäische Ausland) als be­deutendste drahtlose Station der Welt erscheinen lasse. Oberingrnieur Honnef

gab interessante Daten über die Konstruktion des Turmes, dessen Gewicht genau ein Zehn­te l des Eifelturmgewichtes und dessen Kosten sich focar auf 7 Prozent der Kosten des Eiffelturmes belaufen und ber trotzdem allen nur denkbaren Anforderungen vollauf entsprechen würde. Der Turm, der noch einen Aufbau von 50 Meiern erhasten und damit die Höhe des Eiffelturmes erreichen werde, diene zugleich als Antennenträger und in seinem obersten Teile als Antenne. 1

Ein Hundertjähriger.

In Plettenberg (Sauerland) hat vor einigen Tagen der frühere Papierwarenfabrikant Friedrich H a m m e r s ch m i d t in voller körper­licher und geistiger Rüstigieit seinen 100. Geburts­tag begangen.

17 gesunde Kinder.

Auf einem Rittergute bei Hedemünden im Kreise Hann.-Münden wurde einem Landarbeiter - Ehep.iar das 17. Kind geboren. Sämtliche Kinder sind wohlauf.

24-StUndenzeil im Eisenbahnfahrplan.

In den letzten Jahren find fast alle ausländi­schen Bahnen zur Anwendung der 24-Stundenzeit im Eisenbahnverkehr übergegangSt. Auch in Deutschland sind derartige Bestrebungen im Gange: insbesondere haben sich fast alle Handelskammern und Verkehrsvereine dafür ausgesprochen. Inzwi­schen hat wohl den ersten 24-Stundenfahrvlan in Deutschland soeben der Verkehrsverein Mann­heim herairsgebracht.

Verhängnisvoller Irrtum.

Von einem tragischen Geschick wurde eine Familie im Dorfe Schwarzenborn bei Ziegenhain betroffen. 3m Sommer hatte ein Kammerjäger eine allgemeine Rattenver­nichtung durchgeführt und verschiedenen Fa­milien auf Aniordern eine Büchse Rattengift zurückgelassen. Eine Frau, die diese Tatsache' wohl vergessen hatte, hielt jetzt das Gift f ü r Weizenmeh l und bereitete daraus ihrer sich krank fühlenden Tochter einen Pfannkuchen. Beim Genuß fiel der scharfe Geschmack sofort auf; doch beruhigte die Mutter die Familien­mitglieder, und alle beteiligten sich an dem Essen. Sofort trat Erbrechen ein, begleitet von Magenkrämpfen, was auf Arfenikvergif- t u ng schließen lieh. Unter furchtbaren Schmer- 1 zen ist die Mutter gestern morgen gestor­ben: die anderen drei Familienmitglieder be­finden sich noch in Lebensgefahr.

Grotzseuer.

3m Dorfe Sraunfen in Waldeck ist Diens­tag abend gegen 10 Uhr Großseuer ausgebrochen. Der sog. Braunser Hammer, ein großes Säge- werk, das zahlreichen Bewohnern der umliegen­den Dörfer das tägliche Brut gibt, brannte dabei bis auf die Grundmauern nieder. Nur dos angren­zende Wohnhaus konnte dank der Anstrengungen der vereinigten Feuerwehren der ganzen Umgegend noch gerettet werden. Bei dem Fabrikgebäude war dagegen jedes Eingreifen nutzlos, dad as Feuer an den gewaltigen Holzvorräten eine reiche Nahrung fand. Auch sämtliche Maschinen find vernichtet wor den. Die Entftehungsursache ist noch unbekannt. Möglicherweise kommt Brandstiftung in Betracht. Der Schaden soll durch Versicherung gedeckt sein.

S)änbe hoch!"

Donnerstag nacht gegen 3 Uhr drangen in den Bahnhof Köln-Süd, wo mehrere Be­amte gerade mit der Kafsenabrechnung beschäf­tigt waren, vier maskierte Männer ein, die mit dem RufeHände hoch" den Beamten Pi­stolen entgegenhielten. Die Räuber ent­kamen mit einer Beute von etwa 5600 Mark.

Im Flugzeug von Aegypten nach Rigrria und zurück.

Drei englische Flugzeuge sind nach einem erfolgreichen Fluge von Aegypten nach Kano (Rigeria) und zurück in Kairo eingetroffen. Die Entfernung beträgt 6000 englische Meilen.

Das Deutschtum in Singapore.

Singapore hat in den letzten zehn Jahren Riesenfortschritte gemacht. Tausende von Privat­autos und Autobusse für Kulis und Wenigerbe­mittelte unter den Eingeborenen fahren über spiegelglatte Straßen. Besonders auffallend ist die verbesserte Lebensführung der Eingeborenen. - In den vielen Kaffeehäusern kann man Kulis \ ihre Deine behaglich unter Marrnortische strecken sehen.

Der Aufenthalt Deutscher in Singapore kann in diesen Zeiten nur wenigen Auserwählten ver­gönnt fein- Dieser scheinbare Vorzug ist von > recht zweifelhaftem Wert. Gegenwärtig genie- 1 6en ihn nur 20 Herren und Damen. Richt nur trägt ein zu lange ausgedehnter Aufenthrllt in diesen Breiten zur Verkürzung des Lebensfadens bei, auch werden sie hier nur geduldet. Dieses Empfinden wird kein Deutscher los. Die Le- bensfühmmg ist zu teuer. Ersparnisse vom Ein­kommen stehen gar nicht im Verhältnis zur Höhe desselben. Sollte ein Deutscher das Mißge­schick habe11, ohne Verdienst hier leben zu müs­sen, er würde gezwungen fein, bald abzurersen oder er könnte sich leicht ausrechnen, wie lange er noch bis zu seinem zwangsweisen Abtrans­port sich in diesem Lande aufhalten darf.

Ueber das Verhalten der Engländer uns gegenüber können wir nicht klagen. Sie sipd kühl, aber korrekt. Mit eiserner Strenge halten sie die Ordnung aufrecht und haben auch dis Prügelstrafe nicht nur für Eingeborene, sondern auch für Europäer eingeführt. Vor einiger Zeit wurde ein deutscher Heizer zu 2 Jahren Gefäng­nis und 10 Peitschenhieben verurteilt, wegen unerlaubten Veickanfs von 2 Pistolen an einen Chinesen.

Gegenwärtig erschwert ganz besonders die japanische und americanifche Konkurrenz sowie die französische drwch die Inflation des Franken den Eingang deutscher Waren. Es ist den Deutschen ni 5)t leicht gemacht und nach meiner Ansicht nicht mehr möglich, den verlorenen Han­del in dem Umfange wieder zu gewinnen wir in der Vorkriegszeit, da die Alliierten die Zeit: unserer Abwesenheit gut benutzt haben. 3m allgemeinen gibt den Kaufleuten der bessere Gummipreis und die Aussicht auf den bal­digen Ausbau der Flottenbasis in Singapore Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Freude chinesischer Kaufleute über das Wie­dererscheinen Deutscher ist begründet in ihrer Erwartung besserer Handelsmöglichkeiten. Sonst hat das Ansehen aller Europäer in den Ländern des Ostens sehr gelitten. Die Besorgnis vor der gelben Gefahr ist nicht unberechtigt. Mag sie auch nicht durch Waffengewalt in Erscheinung treten, so viel ist sicher, daß eine Zeit nicht mehr fern liegt, die es den (Europäern zur Qual macht, unter den gelben Völkern zu leben.