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Nr. 272 Erster Blatt <d

|75. Jahrgang

Frettag, 20. November (925

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vruck und Verlag: vrühl'sche Univerftläts-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7.

Annaqmr von artigen für bi« lagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspscnnig; für Rr« kiameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspjennig, Platz Vorschrift 20", mehr, Thesrcdaltteur.

Dr. Friedr. Wilh. Lange.

Verantwortlich: für Politik und Feuilleton Dr. Friedr. Wtth. Gange; für den übrigen Teil Ernst Llumschcin,- für den An­zeigenteil Hans Züstel, sämtlich in Gießen.

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.

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Biehener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

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2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger­lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112,Bet« ag unb Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach« lichten: Hnielger Gießen, pofischeckfonto:

jranffurtam Main 11686.

Reichstagsbeginn.

Nach dreimonatiger Pause nimmt der Reichstag seine Arbeiten wieder auf. Er hatte sich die Ruhe im Sommer ehrlich verdient, Venn was man auch früher und jetzt gegen die Koalition sagen kann, die das Kabinett Luther- Ltresemann trug, das eine muh man ihr doch lassen, bah sie eine erstaunliche Arbeits­leistung hinter sich gebracht hat. Durch die Steuergesetze, durch die Regelung der Auf- idc r t un g und durch d.ie Kleine Zoll- Vorlage wurden die Voraussetzungen erst ge­schaffen, auf denen unser wirtschaftlicher Ausbau iticb außen und innen sich vollziehen konnte. Las sich in den ersten Jahren des demo-' malischen Reichstages in Reden auslöste, wurde rn Sommer durch kurz entschlossenes Handeln ^fammengefaßt, so energisch, daß der linke Flügel I i)<3 Zentrums sich über die Bruta.isierung der Redefreiheit ernsthaft beklagte, und die Sozial­demokraten gegen ihre alten Freunde im Zen- rrum schwer in Harnisch gerieten. Aber weder Herr Fehrenbach noch Herr Marx haben auf hem Par.eitag in Kassel nachgegeben, sie haben liH nach wie vor auf den Standpunkt gestellt, haß öiefe Energie aufgebracht werden mußte, toenn darüber die Sache nicht Schaden leiden t sollte.

Cs ist wohl kaum mehr daran zu zweifeln, h<ß die Episode der Zusammenarbeit mit den DDeutschnationalen vor.aufig zu Ende ist, und gerade weil das so ist, gebietet die Ehrlich­leit anzueriennen, daß sie fruchtbare gesey- I» geberische Arbeit geleistet hat, zumal n>cnn man sie vergleicht mit der kurzen Dauer' hüc großen Koalition, die ja allerdings in eine iirnerpotttisch noch viel schwerere Zeit hineinkam, Die sich aber doch dank der Einstellung der ZLziatdemok.aten im wesentlichen in innerpoliti- ichcn Kämpfen erschöpfte und nach drei Monaten ouseinanderbrach.

Mit den im Sommer angenommenen Gesetzen i t allerdings die Ausgabe des Reichstags noch nicht gelöst, er findet auch für seine Herbsttagung ein reichliches Pensum vor. Zunächst gilt es, den Etat für das laufende Haushaltsjahr zu lerabschieden, der am Ende der zweiten Lesung |(tetfcn blieb, und als zweites großes Kapitel bleiben h a n b c l s f r a g e n zu erledigen, die anknüpsen m die Verträge mit Italien und Rußland. Zwischen ist ja auch ein neues Provisorium mit Spanien zustande gekommen, mit Polen und Frankreich wird verhandelt. Darüber wird im Reichstag vermutlich mancherlei geredet werden; eine Aussprache ist auch nötig, weil doch vielfach das Gefühl besteht, als ob die Taktik der deutschen De- egationen bei den Verhandlungen nicht immer son­derlich geschickt gewesen ist, während anderseits die ireiheit der Handelsbeziehungen und die Möglich- iii! des Exports unserer Jndustriewaren die selbst- ü.'rständliche Voraussetzung für die Herstellung des imanziellen Gleichgewichts in unserer Zahlungs- ickcmz bildet. 2m inneren Zusammenhang damit ieht auch die P r e i s a b b a u a k t i o n der Re- qierung, die sichtbare Erfolge bisher nicht buchen Mimte, das Beste, was man ihr zum Lobe nach- r.gen kann, ist, daß sie ein weiteres Anziehen der ßreife verhindert hat.

Alle diese Fragen treten vorläufig zurück hinter bcti Abschluß des Locarnowerkes unb Jbcr. daraus sich ergebenden innerpolitischen Folge- miigen. Daß im Reichstag jetzt eine Mehrheit für iie Unterzeichnung in London vorhanden ist, kann !aum noch zweifelhaft fein. Vielleicht ist es bcdauer- liif), daß die Juristen das Vorliegen einer Derfaf- ^ngsönderung verneinten, denn andernfalls würden ied) auch vielleicht die ntehr wirtschaftlich orientier» ich Kreise der deutsch nationalen Anhänger ms ihrer Reserve herauszulocken gewesen sein. Daß :ls o die deutschen Delegierten nach London fahren luib ihre Unterschrift geben, wird im Reichstag wohl 'aum auf Schwierigkeiten stoßen. Aber was soll i-chher werden? Wir haben bisher immer dar­in ier gelitten, daß für den Reichstag die Regie- .miigsFrifc das Primäre und die Folgen das Se- ifonbäre waren. Die Sozialdemokraten laten zunächst Neigung gehabt, wieder so zu tak- Üicren, sie hoben sich das inzwischen aber anders iberlegt. weil sie auch beim Zentrum keine Gegenliebe sanden, so daß praktisch wohl die ilnbilbung der Neoierung auf die Zeit nach dem -l Dezember zurückgestellt ist. Dann ßiben töt Sozialdemokraten es in der Hand, das Kabinett 'iiirf) ein Mißtrauensvotum zu stürzen. Sie selbst reiben vielleicht heute nicht einmal mehr in eine :ctie Regierung eintreten wollen, weil sie sich vor <c Unpopularität wirtschaftlicher Maßnahmen ci)ten, bie in dem lommenben harten Winter um urineidlich sind. So rückt die Verlegenheitslösung ciR-s neuen bürgerlichen Minderheits- | la b i n e 11 s der Mitte wieder, mehr in den ^>:dergnind. die sich nicht unschwer herauskriftalli- V.tm läßt, von der es aber doch fraglich ist, ob sie iio nötige Schwergewicht in sich hat, um wechseln- rn Anstürmen von rechts oder links standhalien können.

Ns MinifterpräsidsnLen- konferenZ.

Zustimmung zn dem Gesetzentwurf über Locnrno.

Berlin, 19. )!ov. (TU. Amtlich.) Heute tra- m bie Staats- unb 2H i n i fi e r p t ä f i b c u- leti der Länder mit ben Mitgliedern des Aeichskabinetts unter Vorsitz des Reichs- ka -v z l c r s zu einer gemeinsamen Beratung der aitzmpolilischen Lage zusammen. Sie wurden über ifn gesamten Tatbestand, wie er sich in ben letzten Tudjen entwickelt hat, unterrichtet. Auf Grund bet

Die französische FinanzdebatLe.

Painlev^s Kamps

Paris, 20. Nov. (WTB.) Seit einer Woche hält die Debatte um die Finanzsanierungsvor- schlöge der Regierung PainlevLs die französische So erklärte gestern wieder der Vorsitzende Kammer in Atem. Positives ist dabei bislang wenig genug herausgekommen. Lange Rückblicke auf die Sünden früherer Regierungen sind häufiger als praktisch brauchbare Vorschläge für die Gegenwart. Malo i), daß die Mehrheitsparteien ebenso wie die Opposition Gegner der Inflation seien. Aber die Anleihepolitik, die die Regierung des natio- nalen Blocks getrieben hätte, hätte auch ein wenig zur Inflation beigetragen. Damals habe man immer noch geschrien, Deutschland werde bezahlen. Man habe das Volk in einer Illusion gehalten. Dem Kartell der Linken fei es im Jahre 1925 vorbehalten geblieben, das Bud­get zum ersten Male feit dem Kriege auszugleichen. Schon jetzt bis Ende des Jahres brauche man noch fünf Milliarden für Rückzahlungen. Um diese durchführen zu können, sei auch die B e - fteuerung der Staatsrenten als gerecht­fertigt zu bezeichnen. Die Rentenpapierbesitzer Fönn- ten dem zustimmen, da ja durch den Sanierungs­gesetzentwurf der Wert der Renten ge­hoben werden soll. Die Gegner des Regierungs­gesetzentwurfs hätten noch keinen Gesetzentwurf, der bas Kapital und das Einkommen treffe, eingebracht. Hier und da höre man, man solle Staatsmono­pole verkaufen, aber niemand habe ein der­artiges Amendement einzubringen gewagt. Infolge­dessen sei es notwendig, Maßnahmen zu treffen, um die jetzige Finanzkrise zu beseitigen. Diesem Zwecke diene der Gesetzentwurf.

Der ehemalige Minister 2 o u ch e u r tritt für die Konvertierung der Renten und für die Stabilisierung der Währung ein. Der Regierungsgesehenttour? verlange zum ersten Male vom Reichtum in allen Formen Abgaben. Er fürchte nichts von der Inflation. Die In­flation führe zweifelsohne zur Steigerung der Preise, aber umgekehrt behaupte er, daß die Preissteigerung in Frankreich zur Inflation ge- siihrt habe. Die Vertrauensfrage allein loir.me hier in Betracht, denn in uen Jahren, in denen das Vertrauen vorhanden war, habe man ja auch den Rotenumlauf erhöhen muffen. Ictzt müsse man eine rasche Lösung finden. J e d e Lösung werde Llngelegenheiten bringen. Eine gute Politik müsse zwischen den Ungelegen* heiten wählen. Der Staat habe die Aufgabe, seine Schulden anzuerkennen und Zinsen zu be* zahlen. Was die Opposition Doriajlage, um zu diesem Ziele zu gelangen, miß alle ihm, denn das führe immer wieder zur Emiftion von neuen Schatzbons. Endlich bliebe nichts anderes übrig, als neue Steuern auszuschreiben. Lou- cheur verwahrte sich dagegen, die Monopole an französische oder ausländische Kaufleute zu verkaufen, um so mehr, als eines der Monopole die Post beireffe. Das Havasmonopol bringe 2,6 Milliarden Franken Einnahmen.

Aussprache wird die Reichsregierung nunmehr cnk- fprcdjenb betn oorreftern unter dem Vorsitz bes Herrn Reichspräsidenten erfaßten Beschluß den gesetzgebenden Körperschaften, und zwar zu­nächst dem Reichsrat ben Entwurf eines G e - setz es über bie vertrüge von Locarno unb den Eintritt Deutschlands in ben völkerbuud zugehcn lassen.

Die bie Blätter bemerken, fehlt diesem amtlichen Kommunique bie Formel von dec einmütigen Zustimmung, wie basB. 1 erfahren haben will, handelt es sich um die Stimme eines Minister- yrafibenten, brr seine Zust-mm. ng zu der Außen­politik der Reichsregierung nicht gegeben habe. Das Blatt glaubt in ber Annahme nicht fehl zu oeten, baß es sich hierbei um ben mecklenburgischen Ministerpräsidenten Freiherrn von Branden st ein handle. Die Minlsterpr: sibenken von Bayern und Thüringen unb der Staats­präsident Bazille (Württemberg) haben dagegen dem Beschluß des Reichskabinetts z u - gestimmt.

Eine Rede des Präsidenten Coolibge.

Amerikas Anteil am Wiederaufbau der Welt.

R e u y o r k, 19. Rov. (WB.) In einer Rede Vor der Handelskammer oes Staates Reuyork erklärte Präsident Eoolibgc. Es war uns möglich, aus dem llebcrschuß unserer Er­sparnisse große Celdsummen für den finanziellen Wiederaufbau der Alton Welt unb den Ausbau der Reum Welt vorzuschießeu. Wenn die vom uns gewährten Anleihen zur Entwickelung der Industrie und Förderung des Handels im Auslände verwendet werden, so erhöhen sie die Konsumptionsfähigkeit des Aus­landes, was unserem eigenen Handel offen­bar zustatten kommt. Wenn sie jedoch in u n » produktiver Weise, wie zur Aufrecht- erhaltung großer militärischer An­lagen oder Bestreitung von Ge­meindeausgaben verwendet werden, die von einer fpabamen Regierung entweder ge­strichen oder durch Steuern ersetzt wer­den sollten, so erscheinen sie nicht als nutzbrin­gend verwendet unb verdienen keine Förderung.

mit der Kammer.

Rach einer kurzen Unterbrechung der Sitzung ergreift

Ministerpräsident Painlev6 das Wort. Er wisse sehr gut, daß der Entwurf nicht vollkommen sei, aber sei eine Besserung der Finanzlage möglich, ohne Opfer zu fordern? Alles, was er bis jetzt in der Kammer gehört habe, sei negativ gewesen. Keine Konsoli­dierung, keine Anleihe, keine Inflation! Damit könne man nichts anfangen. Es gebe den Grund­satz des Geschehenlassens und den Grund­satz des Intervenierens. Zwischen beiden müsse man wählen. Die wahre Gefahr werde darin bestehen, daß die schwierige Debatte zu Ende gehe, ohne daß eine Lösung gefunden sei. Jetzt handle es sich darum, zu wissen, ob man den Sturz der französischen Währung aufhalten wolle. Der Franken zeige die Tendenz, im Innern Frankreichs nicht ebenso zu sinken, wie im AuSlande. Er habe sich glücklicherweise über seinem Auslandwert gehalten. Aber wenn nichts geschehe, dann werde des Franken im Innern bald den gleichen Wert an­nehmen wie im Auslande. Das würde zur In­flation führen müssen. Rur durch Arbeit und durch den Willen, aus der jetzigen Lage herauszukommen, könne inan die Situation retten.

In allerkürzester Zeit wolle man den inne­ren Wert des Franken stabilisieren und internationale Abkommen treffen, um ihn im Auslande ebenso zu stabilisieren.

Dos Ministerium sei geneigt, in den Gesetz­entwurf einen Paragraphen einzufügen, der diesen Willen bekunde, aber nicht nur den Willen der Regierung, sondern auch den des Parlaments, sobald wie möglich die französische Währung zu stabilisieren. Wer das tun wolle, müsse Auerft das Du dget ausgleichen. Das erste Mal, daß Frankreich feine Verpflichtungen nicht erfüllt habe, sei gewesen, als man unter tra­gischen Umständen dem Papierfranken einen Zwangskurs auf erlegte und er- klärte, daß er nicht (n Gold eingelöst werden könne. Diese Bestimmung habe man zu lange aufrecht erhalten und dadurch sei vielleicht die jetzige Lage gekommen. Ich weiß, daß ich eine undankbare Rolle spiele: ich weiß, daß die, die jetzt in der Regierung sitzen, sich nidjit de t allgemeinen Sympathie erfreuen. Was ich von Ihnen verlange, ist, daß Sie meinen Gesetzentwurf annehmen und daß Sie die Debatte hierüber nicht unnötig in die Länge ziehen. Das Land fordert vom Parlament die Regelung einer brennenden Frage und die Regierung hat ihre Pflicht durch Vorlegung eines Gesetzentwur­fes erfüllt. Jetzt ist die Reihe an Ihnen, meine Herren, Ihre Pflicht zu tun.

Die Rede des Ministerpräsidenten wird bis weit in die Mitte des Hauses hinein mit Bei­fall ausgenommen.

Es ist allgemein Ee'tnnt, daß Europa durch unfere Hilfe vor dem völligen Zusammen­bruch bewahrt blieb.

Unmittelbar nach dem Waffenstillstand waren es unsere Kredite und Lebensmittel­lieferungen, welche die Situation retteten. Als das Werk des Wiederaufbaues d r Staats­finanzen in Europa begann, ermöglichten wir durch unsere Mithllse seine Fortsetzung und Voll­endung. Als Oesterreich sich entschloß, sei­nen Staatshaushalt in Ordnung zu bringen, ge­währten wir einen Teil des erforderlichen Kre­dites. Als Deutschland gesunde Finanzver- hältnisse einzuführen sich bemüßte, beteiligten wir uns wiederum in hervorragendem Maße an der dazu notwendigen Goldanleihe. Ohne diese wäre der Reparcttionsplan kläglich gescheitert, denn Deutschland hätte aus anderen Mitteln nicht zahlt» können. Die Desatzungsarmem hät­ten weiterhin zur Vermehrung der internationa­len Verstimmung und Erregung bngetr. gen. Un- fer Garantiekredit half Großbritannien bei der RüLkchr zur Goldwährung. Was wir für Frankreich, Italien, Belgien, die Tschechoslowakei, Polen und andere Länder getan haben, sind Aeußerungen der gleichen Hilfsbereitschaft.

Ob diese Temühunaen unb Leistungen bei uns anerkannt oder im Auslande barübat ausgenommen wurden oder nicht, sie be­deuten hervorragende Dienste für die Welt.

Amenka hat seine große Armeen aufgelöst und die Stärke seiner Flotte verringert. Wenn wir Ge­rechtigkeit zu üben suchten, indem mir andere an unseren finanziellen Hilfsquellen teilhoben ließen, so haben wir für den Frieden mehr getan, als wir mit unserer ganzen Militärmacht hätten tun können. Aber der Oeffentlichkeit fällt es sehr schwer, Ge­rechtigkeit und wirtschaftliche Zweckmäßigkeit aus- einanberzuhatten. Das Problem, dessen Lösung mir versuchten, ist die Zuruckführung der Völ- kerderErdeauf dieBahnenberwerte- schaffenben Betätigung. Es war notwen­dig, ihnen wieder Zuversicht unb neuen Mut zu geben. Das amerikanische Geld hat an der Erfüllung dieser Ausgabe großen Anteil.

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Das japanische Reich in Kultur, Politik und Wirtschaft! Vortrag von Generalmajor a. D. Professou K. Haushofer, München in der GesellschafS für Erd- und Völlerkunde.

Wenn wir die stärkste, rein pazifische Welt­macht, das Japanische Reich, in seinem eigensten! Kraftfeld, dem des Paztfistischnr Ozeans, gänzlichi seine Kultur- und Machtpolitik ändern und seine Wirtschaftspolitik auf schwere Zeiten einstellen sehen, so wird uns ein rein völkerpsychologisches Interesse bestimmen können, dieses Reich in seinen kulturpolitischen Machtlage und Wirtschaft zu betrachten, auch toetrn nicht eine seltsame Gleich­läufigkeit zwilchen Deutschland und Japan in der geschichtlichen Kultur- und Machtentwicklung bestünde und die gleiche Wirtschaftsgeographische Gefahr: ein Vühn überlasteter und übersteigert hochgeführter Wirtschaftsbau mit zu dichter Be­völkerung auf zu schmalem Grunde. Dor wenigen Jahren noch haben wir im Japanischen Reiche nächst den Veremigten Staaten den größten Kriegsgewinnler des Weltkrieges zu sehen ge­glaubt; noch 1920 erlebten wir eine wirtschaft­liche Hochkonjunktur und eine überseeische Cr- pansion, die in beiden angelsächsischen Groß­reichen als eine ernste Gefahr geschätzt und mit scharfen Abwehrmaßregeln bekämpft to-rbe. Roch kurz zuvor haben japanische Stappenkomman- banturen in Irkutsk-Dsch.ta, in der Mitte von Sibirien, gesessen und vor ihnen eine japanische Truppen-Expedition.

Lind heute sehen wir das Reich nach einer ununterbrochenen Kette kluger und kühner Aus­dehnungshandlungen sich vorsichttg auf sich selbst zurückziehen, den ganzen Reichsbau auf schweres Wetter einrichten. Es hat seiae Festlandstellung mit Ausnahme des südmanoschurischen Eisen­bahngerüstes abgebaut und nach dreijährigem Anlaufe den Sowjets die Hand geschüttelt. Es zuckte in instinktivem Ahnen großer Gefahren vor Wunschzielen zurück, um die es jahrelang ungestüm geworben hat und die ihm heute wie die Lostrennung der Mandschurei vom alten chinesischen Reiche fast auf Reichweite zu liegen scheinen. In seiner überseeischen Stel­lung hat es einen Schlag ins Gesicht, wie das amerikanische Einwanderungsverbvt, mit der höflichen Rätselhaftigkeit des Samurai ent­gegengenommen, ohne der empörten öffentlichen Meinung für einen diplomatischen Kamps gegen die Abichließungspolitik der angelsächsischen Mächte nachzugeoen.

Wenn noch ein Symptom dieser merkwürdi­gen Konzentrationsbewegung auf sich selbst $ur Sammlung latenter Energie genannt weroen soll, so sind es auf kulturgeographi­schem Gebiet die plötzlichen Zweifel an der- Richtigkeit der Durchdringung mit westlicher Zi­vilisation, die Versuche.^auf den alten Kultur­boden zurückzutreten, die über der Industrie» alifierung versäumte körperliche Ertücht gung der Ration zu erneuern. Gleichzeitig mit scheinbar so pazifistischen Bewegungen, wie der Entlassung von 54 000 Mann des Friedensheeres nach Hause, der Rückgabe von 12 000 Pferden der Kavallerie und Artillerie an die Landwirtschaft, findet es ra finierte Steigerungen der technischen Kriegsrüstung, wirft man über 1000 der besten körperlichen Erzieher des Heeres in die Hoch­schulen, Mitte.schulen und Volksschulen hinein, um die Verbindung zwischen dem Wehrfinn der Schule und der Landes und ben leiten­den Zentralstellen des ewigen Reiches sicher­zustellen.

Mach p ot 1 i t i s ch sind einige der S.tznhmaß- regeln schon genannt. Der künstlichen Rieder- h.Itung der Kriegsflotte durch die Konferenz von Washington einer Lebensfrage für ein Insel- reich mit 41 500 Km. Küstenausdehnung auf 300 000 Sonnen gegenüber 500 000 Sonnen jeder der ang.-lfächn.chon Mächte, begegnet man durch die Hirstellung ganz hochwertiger und schneller Kreuzer in ber noch erlaubten 10 000 Sonnen- Stärke und hebt die Wirkung dieser Rinderhal­tung durch raffinierte Steigerung der Stiftungen des lebenden Ersatzes und der Ä-Boote au;.

Wirt sch aftsgeographifch aber steht das Reich wie wir unter dem Druck einer schwe.en Krise unb nur fein eigenartiges, geschichtliches Familiengefühl und der Zusammenhang dieser Familien mit Grund und Boden hat es ermög­licht. daß die ungefähr 2 Millionen Ar­beitslosen nicht zu einer öffentlichen Gefahr wur­den, wie man es ja auch durch große unb Fluge Geldopfer zur rechten Zeit dahin brachte, den Arbeiterzustrom der Kriegsindustrie wieder auf das Land zurückzuführen. Wie ganz anders die Einstellung der pazifistisch.n Macht auf kom­mende und geahnte Gefahren sich vollzieht, sieht man vielleicht aus feiner Maßregel besser als daraus, daß bie boch im wesentlichen freiwillig, langsam und llug im Verlause ber Verfassungs­geschichte gesteigerte.hlerzahl nun von 3,5 Millionen auf über 12 Millionen erhöht wird. Wie diese 12 Millionen freilich wählen werden, ob sie bas Zweiparteicmspiel des Landes von heute beide hall en ober sprengen, das weiß kein Mensch vorher zu sagen. Auch hieraus erklärt sich bie Fluge und vorsichtige Haltung gegenüber der chinesischen Krise.

Nach einem solchen allgemeinen Bild wies der Vortragende, den japanischen Reichsgedan­ke n in Kultur, Politik ur.d Wirtschaft an großen Kartenbildsrn Oftafiens, des Indischen Ozeans und des Pazifischen Ozeans nach: wie die ursprüngliche Kulturgemeinschost, die politisch im wesentlichen reibungslos aneinander liest und die wirtschosttiche Selbsigenugsamkeil der drei großen Monsunländer gesprengt und gestört wurde durch die Annäherung der expansiven allamerikanischen Äultur; wie man

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