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AU5 der Provinzialhauptstadt.
Dieben, den 20. November 1925.
Die LleKIriziLät im Haushalt.
Ausstellung«»! frülzcrenHotel (Einhorn.
Es ist eine außerordentlich intereffante Schau, die das städtische Elektrizitätswerk in dieser Ausstellung dem Publikum bietet. Zwar wühle man bisher schon, dah die Derwendungsmöglichkeiten der Elektrizität im Haushalt gor vielseitig sind, dennoch findet man bei einem Gang durch uen großen Ausstellungssaal noch vielerlei weitere Gelegenheiten ausgezeigt, die die Verwendung der Elek- trizität im Haushalt zu einer sehr angenehmen und auch sparsamen Sache machen.
Leim Betreten des Ausstellungssaales sicht man zur Rechten eine anheimelnde Wohnung eingebaut, bestehend aus .Herren,zimmer, Eßzimmer, Schlafzimmer und Küche, und in all diesen Räumen spielt die Elektrizität (nicht nur als Licht und Heizkrast) rinc Rolle, die ob ihrer Vielseitigkeit überraschend ist, schasst sie Behaglichkeit, die man gern genießt. Einzelheiten hier herauszuheben ist nicht gut möglich, do man andere wohl ebenso wichtige Dinge der Elektrizilätsverwcrtung dann beiseite ließe. Diese Wohnung müssen sich die Hausfrauen in Ruhe und Gründlichkeit eben ansehen, sie werden ihre Freude daran haben und sicherlich bereichert um zahlreiche neue Gesichtspunkte, wie sie den Ihrigen dos Heim gemütlich machen, sich dann der gegenüberliegenden Abteilung zuwenden. Hier finden sie Küchengeräte der verschiedensten Art, Bade- zimmer, Warmwasserbereiter usw. in einer Fülle der Elektrizität:Verwendbarkeit, die einfach verblüffend ist. Die Frau im Gesellschaftr- oder Sonntagskleid in der Küche stehend und bratend ist keine Redensart mehr, wenn man die hier gegebenen Winke sich zunutze macht, skohlengefchwärzte Finger, aschebedeckte Schuhe und Kleider sind in der „elektrischen Küche", wie im ..elektrischen Haushalt" überhaupt ganz unbekannte Dinge. Und dazu die schnelle und stete Belriebsbercitschast, die sicherlich nicht gering zu veranschlagen ist. Daß die Verwendung der Elektrizität dem Wirtschaftsgeld der Hausfrau nicht roch tun soll, will das Elektrizitätswerk durch eine günstige Tarifgestaltung veranlassen. Grund genuq, daß die Hausfrauen sich diese neue Seite der Hauswirtschaft ansehen, sie ernstlich überlegen und dann, wenn sie die Vorteile erkannt haben, mit frischem Mut zugreifen.
Reben der hauswirtschaftlichen Verwendung des elektrischen Stromes sieht man seine hohe Bedeu- tung auch auf medizinischem, geschäftlichem und landwirtschaftlichem Berufsgebict eindrucksvoll dargestellt und vorgeführt. Durch diese Erweiterung der Ausstellung wird das Bild der elektrischen Gebrauchsnutzung in bester Weife abgerundet.
Es ist im Rahmen einer kurzen Gesamtübersicht über eine so umfassende Ausstellung nicht möglich, all die vielen dort gezeigten Details zu erwähnen. Zusammenfasiend kann nur gesagt werden, daß unseren Mitbürgern in Stadt und Land hier eine Schau geboten wird, die der Inaugenscheinnahme sehr wert ist, die man im eigenen Interesse mit sorgfältiger Gründlichkeit und Ueberlegung durchwandern sollte, lieber die Besuchszeiten und die Stunden der Vorträge geben die Anzeigen in unseren Spalten die nötige Auskunft.
40 Jahre
Gießener Männerturnverein.
Man berichtet uns: Am 18. November kehrte zum 4 0. Male der Gründungstag des Männerturnvereins Gießen wieder. Zur Geburtstagsst'ier hatten sich am Samstag feine Mitglieder und eine Anzahl geladener Gäste in der schön geschmückten Turnhalle des Turnvereins 1846 am Oswaldsgarten versammelt, die bis auf den letzten Platz gefüllt war.
Ein Dorspruch, in altbewährter Weise von dem Ehrenmitglied A. Bindewald verfaßt und von dem 2. Sprecher R. Rautenberg kernig und tiefcmpfundenvorgetragen, gab einen kurzen Rückblick auf die Geschicke des Dereins während der vier Jahrzehnte, auf Freuden und Leiden, die über ihn ausgeschüttet wurden. Mit dem Turnen der Turnerinnen am Niederreck wurde darauf der Reigen der turnerischen Vorführungen eröffnet, die alle mustergültig dargeboten wurden und den freudigen Beifall der Zuschauer sanden. Der Oberturnwart R. Paul darf mit Zufriedenheit auf die gebotenen Leistungen zurückblicken.
Dann folgte die Ehrung verdienter Mitglieder. Auf der sinnig geschmückten Bühne, vor der Büste des Vaters Jahn und unter den beiden Fahnen des Vereins, übergab zunächst der 1. Gauvertreter des Gaues Hesien, Pfeiffer- Wetzlar, mit zündender Ansprache drei Kreisehrenbriese an alte wackere Kämpen der Turnsache. Den Kreisehrenbrief erhielten: 1. Turner Georg Kling, „der langjährige Sprecher des Aännerturnoereins, der umsichtige und verdienstvolle Leiter des 32. Mittelrheinischen Kreisturnfestes", 2. Turner Wilhelm Michel, „der in vorbildlicher Turnertreue 36 Jahre lang die Uebungs- stundcn besucht mit einer Regelmäßigkeit, die weit über Gau und Kreis hinaus einzig bafteben dürfte", 3. Turner Karl Wenzel, „das langjährige Vorstandsmitglied im Männerturnverein und 1. Schriftführer des (tzaues Hesien". Auf diese Ehrung seiner verdienstvollen Turnbrüder ist der M.-T.-V. stolz. Darauf ernannte der erste Sprecher (9g. Kling folgende Mitglieder in Anbetracht ihrer großen Verdienste um den Verein zu Ehrenmitgliedern: Carl Lang, Wilh. Michel, Gg. D o e p - f e r, Job. Hirz, O. Bergen. Carl Stück- r a t h , Th. Baumann, O. Meyer, Ferd. R e n n st i e l, Ehr. Franz, Fr. Wenzel, Louis T r e ch, Sta|v. Stein. Ferner übergab er einer Reihe von Mitgliedern Ehrenurkunden für langjährige, treue Mitgliedschaft. Es sind dies: A. Spengler, R. Teator. Dr. Schliephaks, H. Elges, I. Weinert, Ferd. Hornickel, Gust. Hamann, H. Zieprecht, L. Wied- nicner. E. L. Sack, Dr. Spohr. Damit aber der Würdigsten einer nicht vergessen würde, überreichte anschließend der 2.Sprecher, R. Rauten
berg, dem 1. Sprecher, Georg Kling, ebenfalls die Urkunde zum Ehrenmitglied und brachte dann nach altem Brauch ein kräftiges Gut Heil auf die Geehrten aus. Für diese dankte in launiger und humorvoller Weise Otto Bergen. Sein Gut Heil galt dem Männerturnverein.
Glückwünsche zur Jubelfeier überbrachten Turner Erle für den Turnverein 1846 Gießen, Turner Schneider für den Turnverein Butzbach und Turner Pfeiffer für den Turnverein Wetzlar. Außerdem waren aus einer Reihe von Städten Glückwunschadressen und -telegramme eingelaufen, die der 2. Sprecher verlas, und die Zeugnis ableg- ten von der weitverzweigten Familie des Männerturnvereins.
Daß das Programm ausgefüttt war mit flotten Musikvorträgen, ist noch zu erwähnen, wie auch dos gemütliche Tänzchen nicht vergessen werden soll, das manchen allen Mto.er neben den jungen Turnern das Tanzbein schwingen ließ.
Am Sonntag beschloß ein Familtenausflug nach der Karlsruhe das in jeder Beziehung glänzend verlaufene Fest.
Gretzener Wochenrnarktpreise.
Cs kostete auf dem gestrigen Wochenmarkt des Pfund: Butter 200 bis 220 Pfennig, Matte 40, Käse 65 bis 75, Wirsing 6 bis 10, Weißkraut 5, Rotkraut 10, gelbe Rülen 12. rote Dübcn 10, Spinat 35. Unterkohlrabi 6 bis 10, Grünkohl 20, Rosenkohl 40 bis 50, Feldsalat 100, Zwiebe-n 12, Meerettich 30 bis 100, erchwarz- wurzeln 50, Kartoffeln 3 bis 4, Aepfel 15 bis 20, Dirnen 20 biS 30, Russe 60, junge Dahnen 120, Suppenhühner 120, Gänse 100 bis 110; das Stück' Eier 18, Blumenkohl 20 bis 100, Endivien 10 bis 20, Oberkohlrabi 5, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 20 bis 40 Pf.
Vornotizeu
— Lageskalender für Freitag. Stadttheater: 7,30 Uhr „König Ricvlo" (Ende nach 10 illjr). — D. Sy C. Gießen 8,30 Uhr „Saalbau Sauer" Konzert. — Obst- und Garten- bauvercin 8 Uhr .Hörsaal des Landwirtschaftlichen Instituts Lichtbildarvortrag. — Lichtspielhaus Bahnhvfstr.: „Blitzaug der Liebe". — Ästoria-Lichtspiele: „Dir bleibt die Luft weg".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Es sei noch ganz besonders auf die Volks- und Schülervorstellung am Samstag, 21. November, nachmittags 3$ Uhr, hingewiesen. Zur Aufführung gelangt Schillers „Die Braut von Messina". Die Vorstellung wird zu kleinen Preisen gegeben. Bei der Presse und beim Publikum hat das von Intendant Hosrat Stein- goetter äußerst sorgfältig einstudierte und inszenierte Werk den wärmsten Anklang gefunden; ein Besuch sei ollen, besonders aber auch der reiferen Schuljugend empfohlen.
Wcttorvo r^us; Kgc.
Leichter Rachtsrost, Winde aus nördlicher Richtung, wolkig, vorwiegend trocken.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 3,7, Minimum — 5,6 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: — 4,1 Grad Eelsius.
LU. Don der Landesunioersität. Der ordentliche Prosesior der Theologie, Geheimer Kirchenrat D. Dr. Gustav Krüger, ist aufgefordert worden, an der Universität Chikago während der Frühjahrsmonate April bis Juni k. I. kirchen- geschichtliche Vorlesungen zu halten. Er gedenkt der Äufforderung Folge zu leisten. — Dem Oberregierungrat i. R. Geh. Iustizrat Dr. L i n ß in Darmstadt und dem Generalstaatsanwalt a. D. Geh. Rat Dr. Preetorius in Untergreinau wurden aus Anlaß des 50jährigen Doktorjubiläums das Diplom erneuert.
Personalien. Ernannt wurden: Der Ge- richtsasiessor Dr. Wilhelm Kalbfleisch in Lauterbach zum Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Lauterbach; der Lehrer Wilhelm H e n k e l zu Bisses, Kreis Büdingen, zum Lehrer an der Volksschule zu Dau bringen : der Kanzleigehilfe August Konrad zu Rainrod (Kreis Schotten) zum Kanzlisten; der Kanzleigehilfe Wilhelm Kraushaar aus Gießen zum Kanzlisten bei dem Sekretariat der Landesuniversität Gießen; die Schulamtsanwürt^r Wilehlm Jung aus Dorn-Affenheim, Kreis Friedberg, zum Lehrer an der Volksschule zu Oder-Erlenbach, Kreis Friedberg, und Dr. Henn. Meuher aus Gonterskirchen, Kreis Schotten, zum Lehrer an der Volksschule zu Alten-Buseck, Kreis Gießen. — In den Ruhestand versetzt wurden: der Amtsge- richtsrat August Seibert in Vilbel auf Nachsuchen mit Wirkung vom 1. März 1926; die Handarbeitslehrerin an der Volksschule zu Bad-Nauheim, Elise M ü h l p f o r t h , auf ihr Nachsuchen vom 16. November ab.
** Das Befahren der Kaplansgasse mit Fuhrwerken ist nach einer neuen Polizeioerordnung nur in der Richtung von der Bahnhofstraße nach dem Kreuz zu gestattet. Alle durch bie Kaplansgasse gehenden Fuhrwerke dürfen nur im Schritt fahren. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 60 Mk. oder mit Hast bis zu vierzehn Tage bestraft.
** Probealarmierung des Gießener Ei send ahn-Hilfszuges. Die Eisenbahnbehörde hatte in der vorgestrigen Nacht kurz nach 11 Uhr den Gießener Hilfszug probeweise nach Butzbach alarmiert. Aerzte, die Gießener Freiwillige Sanitätskolonne sowie die Aufraumungsmannschasten waren in 30 Minuten zur Stelle, so daß der Hilfszug schon nach 50 Minuten an der angenommenen UnfalffteUe in Butzbach eintraf. Im Sanitätsdienst schloß sich eine Hebung an, bei welcher die Gießener Sanitätsmannschaft zeigte, daß sie den an sie gestellten Forderungen voll gewachsen ist. Wenn man berücksichtigt, daß von den zerstreut wohnenden Sanitätsleuten 14 an der Zugfahrt teilnahmen, so kann auch die Schlag- fertigtest der Kolonne nur lobend erwähnt werden. Wie wir hören, war die Eisenbabnoerwaltung mit der Hebung vollauf zufrieden. Hoffen wir, daß eine ernstha'te Alarmierung nicht in Erscheinung zu treten braucht.
*• Vom Straßenbahnbetrieb. Der leDte Straßenbahnwagen ab Friedhof fährt vom nächsten Montag ab um 4.35 Uhr nachmittags.
*• Lautsprecher schau in Gießen. Man schreibt uns: Wohl der am meisten umstrittene Teil einer Rundfunkanlage ist der Lautsprecher. Soweit die Meinungen in den Kreisen der Rundfunkteilnehmer auch auseinander gehen, hier herrscht eine Einmütigkeit, die auf feinem anderen Gebiete zu finden fein dürste. Selten wird einem Lautsprecher das Prädikat gut erteilt, „schlechter als ein Grammophon", das ist das allgemeine Urteil. Da hat nun der Gießener Radio- tlub es als eine dankenswerte Aufgabe angesehen, einmal durch eine Veranstaltung die Frage noch der Leistungsfähigkeit der handelsüblichen Laut- sprecher bekanntester Typen zur Diskussion zu stellen. Durch langwierige, mühevolle Verhandlungen ist es dem Gießener Radioklub gelungen, über 20 verschiedene Lautsprecher zu einer Lautsprecher- schau zu vereinigen, wie sie wohl in gleichem Aus- maß noch nicht stattgefunden hat. Zur Zeit werden diese Lautsprecher in dem Physikalischen Institut der Universität durch den 1. Vorsitzenden Dr. Mül- l e r, einer eingehenden Untersuchung auf ihre besonderen Eigenschaften hin unterzogen, der auch den Begleitoortrag bei der Schau übernommen hat. Arn morgigen Samstag, 21. November, und namentlich für Auswärtige am Sonntag, 22. November, werden alle diese Lautsprecher in dem großen Hörsaal des Physilalischen Institutes öffentlich vorgeführt. Jeder Zuhörer hat dabei Gelegenheit, durch Ausfüllen eines Stimmzettels seine eigene Meinung über dis Leistung eines jeden Lautsprechers zum Ausdruck zu bringen.
** Warnung vor einem Schwind- [er. Der Polizeibericht meldet: In zwei hiesigen Bäckereien sprach in den legten Tagen ein junger Mann vor, der sich als Kammerjäger P o st aus Hanau vorstellte und ein sogenanntes unfehlbares Mittel zur Vertilgung von Ungeziefer verkaufte. Es handelt sich hier um einen Schwindler, der den Namen Post zu unrecht führt und dessen Mittel vollkommen wertlos ist.
Q Eine neue Kinderheil stätte in H e sj en. Wie wir hören, hat der Gejamtoorstcmd des Heilstättenvereins in Hessen die Errichtung einer Kinderheilstätte vejchlossen, in die alle Formen der Tuberkulose, insbesondere schwer erkrankte tuberkulöse Kinder und solche, die chirurgischer Behandlung bedürfen, ausgenommen werden sollen. Die mit allen modernen Heilfakloren aus- gestattete Heilstätte soll in nächster Nähe der Eleo» norenheilstätte bei Winterkasten im Odenwalde errichtet werden. Die Vorarbeiten für den zunächst 60 Betten umfassenden Bau sind soweit gediehen, dotz in Kürze mit den Grundarbeiten begonnen werden kann.
*' Neue deutsche Wohlfahrtsbriefmarke n. Auf Anregung der Reichsgeschäftsstelle der Deutschen Nothilfe gibt die Reicheposiverwal- tung am 15. Dezember drei neue Wohlfahrtsbriefmarken zu 5, 10 und 20 Pf. heraus, die zur Frankierung sämtlicher Postsendungen nach dem In- und Auslande verwendet werden können. Die neuen Marken werden zum Doppelten ihres Nennwertes verkauft. Der Zuschlag flieht der Deutschen Nothilfe zur ergänzenden Fürsorge, vor allem für Kinder und Erwerbsunfähige und für die Mittelstandsfürsorge zu. Die Briefmarken Heden sich durch Mehrfarbendruck und ihre ovale Form von den ge- wöhnlicben deutschen Briefmarken wirkungsvoll ab. Sämtliche Postanstalten mit Ausnahme der Post-- agenturen werden Wohlfahrtsbriefmarken vom 15. Dezember bis 15. yanuar 1926 verkaufen. Außerdem wird ein umfangreicher Vertrieb der Marken außerhalb der Post durch die Deutsche Not- Hilfe mit Unterstützung aller in ihr vereinigten Behörden, Wohlsahrtsverbände, Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer und die Presse durchgeführt, der am 1. März beendet wird. Mit dem 31. März verlieren die Briefmarken, die nur in einer beschränkten Auflage hergestellt werden, und keinesfalls nach gedruckt werden, ihre postalische Gültigkeit. Wenn alle Kreise der Bevölkerung die Wohlfahrtsbriefmarken zur Frankierung verwenden, wie dies im Ausland alljährlich zu Weihnachten in größtem Umfang geschieht, ist zu hoffen, daß die Marken mindestens den gleichen Betrag zur Linderung der Not bringen werden wie die 1924 ausgegebenen Wohlfahrtsbriefmarken, die einen Erlös von rund 1$ Millionen Reichsmark erbrachten und viel Elend lindern halfen.
0 Die Feuerbestattung. Die Zahl der Anhänger der Feuerbestattung hat sich in den letzten Jahren stark vermehrt. Für die Einäscherungen stehen im Deutschen Reiche jetzt 70 Krematorien zur Verfügung. Die Zahl der Einäscherungen belief sich im Sabre 1915 auf 10 650 und ist seitdem fortdauernd gestiegen. Im Jahre 1924 betrug die Zahl der Einäscherungen 33 557.
V Der Evangelifche Arbeiterverein beging am Sonntag abend im Gaalbau Sauer sein diesjähriges Stiftungsfest. Drr Abend wurde emgeleitet durch musikalische Darbietungen des Vereins „Wanderlust". Der 1. Vorsitzende, Stadtv. Kirchner. begrüßte darauf d e Vereins-- Mitglieder und Gäste, di: den Saal bis aus den letzten Platz gefüllt batten. Er gab einen turzen llcberblick über die Arbeit des Dereins. sowie der Sv. Arbeitervereine überhaupt. Dann sprach Frl. Ella Reitz einen Prolog .Grüß Dottl", daran schloß sich ein vom gemischten Ehor vorgetragenes Gebet von E. M. v. Weber und der Choral „Gobe den Herrn". Dem Leiter der Ge- sangSabteilung, Lehrer Möller, gebührt besondere Anerlennung für die vorzüglichen Leistungen, die er aus seinen Gängern heraus- holte. Pfarrer Haupt stellte in seiner Festansprache Luthers Persönlichkeit den Zuhörern lebendig vor die Seele. Kämpfer wie er müßte jeder evangelische Arbeiter sein für den rechten Glauben, nämlich ten Glauben an die Arbeit, die nicht allein dem Gelderwerb dienen solle. Die Versammelten sangen darauf gemeinsam daS Lied »Ein feste Burg". Rach einem Musikdor- trag führten einige Damen der Gesangsabtei- lung einen lustigen Schwank auf Humoristische Musikvorträge, Gesänge des gemischten Chors und des Damenchors und die Aufführung einer
DurleSte bestritten den weiteren Dell des AdendS in bester, dankbar anerkannter Weise. 3um Schluß folgte der übliche Tanz.
Dom yrovinzialausfchuß
Der Prooinzialausschuß für die Pro- vinz Oberhefsen hatte sich in seiner jüngsten Sitzung nut folgenden Angelegenheiten zu beschäftigen:
Gesuch des Hugo Döll in Ober-Schmitten um (Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwirtschaft. — Hugo Döll hatte im Juli d. 9s. bei dem Krei-amt Schotten um die Genehmigung zum Betriebe einer Gattwirsichast in seinem, im vorigen Jahre neucrbo.uen Hause gegenüber dem Bahnhof zu Ober-Schn'itten nachgesuchi. In Ober-Schmitten bestanden früher 3 Wirtschaften, davon gingen in der Kriegs, und Nachkriegszeit zwei ein. Bon den 3 bestehenden Wirtschaften ist nur eine einzige Gast- wirtschaft, in der Uebernachtungsgelegenhcit für zwei Personen gegeben ist Antragsteller begründete sein Gesuch damit, daß in Ober-Schmitten ortsansässige Industrie (2 Papierfabriken) ist, an diesem Plage starker Verkehr herrscht und schon häufig Gäste in der Gemeinde nicht übernachten konnten. Außerdem bestände tn allen drei anderen Wirtschaften, die au der Ortsdurchfahrt Ober-Schmitten gelegen seien, feine Ausspannmöglichkeit für Fuhrwerke. Bekannttich sei mit Rücksicht darauf, daß das Geleite der 'Nebenbahn Nidda—Schotten auf einem großen Teil der Ortsdurchfahrt liegt, aus ver'ehrs- polizeilichen Gründen das Anhalten von F"hrroer° ken in dieser Straße untersagt. Der Gemeinderat Hai die Bedürfnisfrage verneint. In der mündlichen Verhandlung vor dem Kreisausschuß zu Schotten vom 23. September wurde dein Gksuchsteller die nachgesuchte Erlaubnis erteilt. Da gegen dieses Urteil der Kreisdirektor des Kreises Schotten im öffentlichen Jnteresie Berufung einlegte mit dem Antrag, das Urteil aufzuheben und die nachgesuchte Konzeision zu versagen, kam der Antrag in bie Be- rufimgsinstcmz. Die Entscheidung des Provinzialmis- schusjes erging dahin, daß die Berufung unter B e - sr ä t i g u n g des erstinstanzlichen II r» teils als unbegründet zurückgewiefen wurde.
D u r g c r m e i ft c v w n h l in Bönstadt; hier: Berufung der Rekstlmanlen Friedrich Wagil c r II. und 16 anderer gegen das Urteil des Kreis- ausjchusics des Kreises Friedberg vom 10. August 1925. — Am 12. Juli d. Is. fand in Bönstadt Vürgermeisterwahl statt. Es erhielten der seitherige Bürgermeister Meis; 200 Stimmen, sein Gegenkandidat, llltbürgenneiftcr Friedrich W a g n er II., 199 Stimmen. Gegen diese Wahl erhoben Letzterer und 16 andere Einspruch, weil 1. die Wahlkommission nicht, wie gesetzlich vorgeschrieben, vom Gemeinderat bestellt, sondern vom Bürgermeister selbständig ernannt worden mar, 2. vom Wahlnorsland mit Stimmenmehrheit 1 Stimmzettel, lautend auf den Namen des Bürgermeisters Meiß, für gültig er klärt worden war, obwohl er neben dem aufgc druckten Namen des Kandidaten Meist noch mil 3 mit Bleistift hergeslellten Kreuzen versehen wor den war und somit ein Kennzeichen trug. Der Kreisausschuß des Kreises Friedberg hat in der Sitzung vom 10. August nach Beweisaufnahme die erhobenen Einwendungen als unbegründet kostenpflichtig abgewiesen. Gegen dieses Urteil verfolgten die Reklamanten Berufung mit dem Antrag, das Kreisausschußurteil aufzuheben und die Bürgermeisterwahl aus den in der ersten Instanz vorgebrachten Gründen für ungültig zu erklären. Der Provinzialausschuß erkannte $u Recht: „Das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Friedberg vom 10. August 1925 wird aufgehoben und die B ii r - germei st erwähl zu Bönstadt vom 12. Juli 1925 für ungültig erklärt. Mit den Kosten des Verfahrens, ausschliestlich der Kosten der anwaltlichen Vertretung der Reklamanten, wurde die Gemeinde Bönstadt belastet.
Berufung des Kreisdireklors des Kreises Friedberg gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreis. Friedberg vom 17. Marz 1925 betr.: Faselvieh z u Rieder-Weisel; hier: das Halten eines schwarzbunten Bullens. — Der Gemeiuderat zu Nieder Weisel hat im Juli 1924 beschlossen, anstelle von 5 Bullen der Simmentaler Rasse 4 Bullen dieser Rasse und 1 Bullen der Niederungsrasse einzustellen, weil ein großer Teil der Diehhalter infolge der wirtschastlichen Notlage und der Nachwirkungen des Krieges dazu übergegangen war, Kühe der Niederungsrasse zu hallen. Während der Dffenlagefrii't dieses Gemeinderatsbe- fchlusies erhoben 87 Viehbesitzer gegen die Anschaffung eines Niederungsbullen Einspruch mit der Begründung, daß mit der Einführung des Niederungsviehes in der Gemeinde Nieder-Weisel der gute Ruf der Gemeinde als erstklassiges Zuchtgebiet der Simmentaler Raffe in der Provinz Oberhessen verloren gehe. In dem hierauf eingeleiteten Vermal- tungcstrettoerfahren erkannte der Kreisausschuß des Kreises Friedberg am 17. März 1925 zu Recht: „Der Gemeinde Nieder-Weisel wird gestattet, Faselochsen der Simmentaler- und der Niederungsrasse nebeneinander zu halten unter der Bedingung, daß für jeben Dullen ein besonderes Register geführt wird, daß zur Vermeidung von unzulässigen Kreuzungen streng darauf geachtet wird, daß nur Tiere der gleichen Rasse oder Tiere, die im allgemeinen die Merkmale ein und derselben Raffe zeigen, zur Paarung zusammengesührt werden." Der Kreisdirsktor des Kreises Friedberg legte im öffentlichen Interesse Berufung gegen dieses Urteil ein mi‘ dem Antrag auf Aufhebung. Der Provinzialmrsschuß Hörle in der mündlichen Verhandlung verschiedene Sachverstündige an. Es erging folgendes Urteil: „Der Berufung wird unter Aufhebung des erftinstanzlichen Urteils statt- gegeben und der Gemeinde Nieder-Weisel die Oe- nehmigung zur Einstellung eines Niederungsbullen nicht erteilt." Mit den Kosten des Verfahrens wurde die Gemeinde belastet.
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«Hilft du deinen huften ftillen, nimm faye Sodener paftillen.
Kochen kann jede Hausfrau. Aber gut zu köchun will verstanden sein. Auch die Zubereitung guter Suppen ist nicht leicht. Das erfordert Mühe und Zeit Dieser Sorge ist die Hausfrau heute enthoben; Sie greift zu den kochfertigen „MAGB!’ Seppo«-Wörfein“ und stellt daraus ebne langes Zurichten, in kurzer Zeit, nur nrit Wasser die feinsten Suppen her. — 1 Würfel für 8 Teller 13 Pfg- —
Herr oder Dume
auf 2—3 Tage für Anfang jeden Mo- nalS^um'Nachkraaen der Bücher von mittlerem Tteiailgefchäst gesucht.
Schr. Slna. vu 09381 an den Gieß. An».


