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außerordentlich gehalwollen Vorträge. 3m An­schluß hieran stimmten die Teilnehmer an der Tagung daS Deutschlandlied an.

Der Reichspräsident an das deutsche Handwerk.

Magdeburg, 18. Juli. Anläßlich der Er­öffnung der Mitteldeutschen Handwerksausstellung auf dem Ausstellungsgelände in Magdeburg hat Reichspräsident von Hindenburg an die Redaktion derMagdeburgischen Zeitung' fol­gendes Schreiben gerichtet:Der Wiederaufstieg unseres Vaterlandes ist nur möglich, wenn alle Volkskräfte für dieses Ziel eingesetzt werden. Das deutsche Handwerk will und darf mit seinem festen Willen zum Ausbau dabei nicht fehlen. Die Uebcr- lieferung der stolzen Vergangenheit ist in ihm heute noch so lebenskräftig wie einst. Die Arbeitsformen des Handwerks haben sich vielfach der technischen Entwicklung folgend gewandelt. Sein deutscher Sinn aber ist unverändert geblieben. Das ehrbare Hand­werk hat bei seiner schaffenden Arbeit noch große Ausgaben zu erfüllen und verdient deshalb tatkräf­tige Förderung. Was ich als Ehrenobermeister des Handwerks dazu tun kann, will ich gern und freu­dig tun."

Der deutsche Beamlentag.

Regensburg, 18. 3uli. (Wolff.) Rach dem am 16. 3uli abends vom Stadtrat den Beamten füHrern des Bayerischen Deutschen Deamlenbundes gegebenen Gastabend wurde gestern vormittag im ehrwürdigen Reichssaal des Regensburger Rathauses dec Deutsche Beamten­tag feierlich eröffnet, den der Gauver- band Regensburg des Bayerischen Deutschen Deamlenbundes veranstaltet. Auf die Be- grühungsworte des Gauverbandsvorsitzenden Studienrates Ruhl erwiderte Staatsminister Stütze! namens der bayerischen Staatsregierung und der Vorsitzende des Deutschen Beamten- bundes Flügel für den Bayerischen Deutschen Beamtenbund. Oberbürgermeister Hipp» Re­gensburg hielt einen Vortrag über die schöne deutsche Heimat, zu welcher er das deutsche Berufsbeamtentum in besonders wirkungsvolle Beziehungen setzte. Die Eröffnungssitzung ver­einigte etwa 500 bis 600 Beamte aus allen Teilen Deutschlands.

Die polnische Agrarreform

Lärmszeuen im Sejm.

Warschau, 18. Juli. (Wolff.) 3m Sejm begann die dritte Lesung des Agrarreformgesetzes, die von grundsätzlichen Erklärungen der Vertre­ter der Parteien eingeleitet war. Der Sprecher der Deutschen, Abg. Ä röntg, erklärte, daß die Mehrheit des LanÄages das Agrargesetz bis jetjt als ein Werkzeug der Ausrottungs- Po l i t i f behandelte. Alle deutschen Zusatz-An­träge seien von allen denjenigen Parteien ab« gelehnt worden, denen es nicht um Parzel­lierung, sondern bloß um Polonisierung zu tun sei. Der Führer der Ukrainer, C h r u ck i, sprach sich ähnlich aus. Er sagte, daß dieses Ge­setz den Tod für die ukrainische Ration in sich trage. Das ukrainische Volk, dessen lebendiger Körper durch den Rigaer Grenzkordon beschnit­ten sei, könne niemals auf das Recht, in dem von ihm bewohnten Gebiet Herr zu sein, ver­zichten. Es müsse deshalb allen, die dort herrsch­ten, das Recht, über Land zu verfügen, verwei­gern. Beim Beginn der Abstimmung verliehen die Ukrainer zum Zeichen des Protestes den Saal, wobei sie ein gegen die Polen gerichtetes Lied anstimmten.

Als am Samstag ein Abänderungsantrag der Rationaldemokraten angenommen wurde,nach 1 dem Gläubiger, deren Forderungen infolge zu niedriger Schätzung des Bodenwertes ausfallen, die Schätzung auf dem Wege eines normalen Gerichtsverfahrens a n f e ch t e n können, erhob

Lovis Corinth.

Amsterdam, 18. 3uli. (WV.) Rach einer Meldung aus dem Bade­ort Zanddoort ist Lovis Corinth an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben.

Man wußte seit langem: er war krank. Aber in den Ausstellungen hingen immer noch wieder neue Bilder von ihm, Landschaften, weit­räumig gesehen, breit gemalt, leuchtend in einem schier überirdischen Licht und einer tiefen Sehn­sucht nach dem Unendlichen voll. Er war ein Ostpreuhe und lieh sich nicht unterkriegen. Er sah vor der Leinwand und malte. Mühsam nur gehorchte die zitternde Hand dem meisterir­den Willen. Unsicher zielend fuhr sie hin und her. Aber dann schoß der Pinsel raubvogel- gleich auf den Fleck, den das ungetrübte Auge sich ausersehen. And dieser Tupfen Farbe konnte und durste nicht anders sein, wie er war. So entstanden die Altersbilder Lovis Corinths.

Wer davon nichts wuhte, kam nicht in die Versuchung, ihm seine 3ahre nachzurechnen. 3n den Rachschlagebüchern stand, daß er am 21. 3uli 1858 in Tapiau in Ostpreußen geboren war. Aber wen kümmerte das, dah er allmählich auf die Siebzig zusteuerte? Er war seiner 3ugend nicht u- ' gcwinden, aber er war groß genug gewesen, den Wandlungen des Geschmackes zu trotzen und auch in einer vielfach grundlegend veränderten Zeit mit der unverwelllichen Frische eines ursprünglichen Temperamentes zu wirken.

Als er auch den 3ahren nach noch jung war, gesellte er sich zu den Stürmern und Drängern seiner Zeit und er ward mit Liebermann und Slevogt der Vorkämpfer der Sezession, die in der impressionistischen Malweise das letzte Hell gekommen wähnte. Reben der kühlen Ruhe des Berliners, der fröhlichen Phantastik der Fran­ken stand die urwüchsige Raturkraft des Ost- pveuhen. Wer seine Schöpfungen frisch zu er­leben das Glück gehabt hat, erinnert sich noch, welchen Sturm der Entrüstung sie aufgeregt haben. And es war freilich manchmal, als schlage er mit feinem Malstock dem Philister den Hut vom Kopf und breche in eine schallende und höchst unzivilisierte Heiterkeit aus, wenn der so übel behandelte Staatsbürger sich derlei energisch zu verbitten die Freiheit nahm. Man half sich auch dieser Erscheinung gegenüber, indem man in der Kunstgeschichte wälzte und Ahnen oder Verwandte suchte. Man fand Franz Hals, der auch eine lebhafte Freude am Krach hatte und dem es viel mehr Späh machte, die Hille Bobbe als ein Schützenstück zu malen, Als wenn eine

sich auf den Bänken der radikalen Dauern­gruppen ein solcher Lärm, dah die Sitzung unterbrochen werden muhte. Drei radikale Dauern, die wegen Singens und Schreiens von zwei Sitzungen ausgeschlossen wurden,wei­gerten sich, der Aufforderung Folge zu leisten und blieben bis zur nachmittägigen Wieder­eröffnung im Saale. Parteigenossen brachten ihnen während der Mittagszeit Speise und Trank. Mit Beginn der Rachmittagssitzung forderte der Sprecher der Myzwolenie eine Wiederho­lung der Vormittagsabstimmung. Als der Sejrnuiarschall dies als mit der Geschäftsordnung in Widerspruch stehend ablehnte, begannen die radikalen Bauern neuerlich mit Lärmen; abermals wurde mit Fußen getrampelt, mit Stöcken auf die Pulte getrommelt, gepfiffen, geläutet und mit Autohupen getutet. Darauf unterbrach der Vorsihende zeitweilig die Lesung des Agrarreformgesetzes und setzte laufende An­gelegenheiten auf die Tagesordnung.

Englands imerpMische Lage.

Entspannung im englischen Kabinett.

Kritische Lage im Kohlenbergban.

London, 20. 3uli. (TA.) Rach den Blättern scheint das Einvernehmen innerhalb des briti­schen Kabinetts über das Schiffbau-Programm wiederhergestellt zu fein.Daily Expreß" glaubt zu wissen, daß einige Kabinettsrnllglieder be­schlossen haben, in der heutigen Sitzung zu bean­tragen, daß der Sold der Rekruten der Armee, der Marine und Luftfahrt um 20 bzw. 15 und 10 Penny gekürzt werde, wodurch eine jährliche Ersparnis von 400 Millionen Pfund erzielt werden würde. Das Kabinett wird heute eine Entscheidung darüber treffen, ob es dadurch möglich sein wird, sofort zwei oder drei Kreuzer in Auftrag zu geben.

Die Lage tn der Ko h len in d u st r i e ist unverändert kritisch. Der Sekretär der Derg- arbeitetBereinigung, Cook, bereitet den Bericht für den am Freitag zusammentretenden Kon­greß der Gewerkschaften vor. Am Donnerstag wird man mit dem Antersuchungs- ausschuß des Generalrates des Gewerkschafts­rates gemeinsam beraten. Eine Zusammenkunft der internationalen Dergarbeitervereinigungen wurde nach Paris einberufen. Die Regierung wird keinerlei Schritte unternehmen, ehe nicht der Bericht des Antersuchungsausschusses fertig- gestellt ist.

Das serbische Koalitions- Ministerium.

Belgrad, 19. Juli. (WTB.) Gestern wurde das neue Koalitionskabinett unter Poschitsch als Präsidenten gebildet. Es setzt sich zusammen aus zwölf Radikalen und vier Anhängern der Ra« d i t s ch o a r t e i. Die Regierungsmehrheit umfaßt 142 Radikale und 62 Anhänger der Raditscbpartei und macht von insgesamt 315 Abgeordneten 204 Ab, geodrnete aus. Die Blätter betrachten die Bildung der nuen Regierung der serbisch-kroatischen Koali« tlon als Beginn einer endgültigen p o > litischen Konsolidierung.Drsme" erklärt: Der Eintritt der kroatischen Bauernpartei in die Re­gierungsmehrheit und ihre Teilnahme an der Staatsgewalt auf verfassungsmäßiger Grundlage be­deutet einen glücklichen Wechsel in unserer inneren Politik. Die politische Atmosphäre ist von dem Alp befreit, der unser poltisches Leben bedrückte, den Fortschritt unterband und jede Reform hinaus- zögerte.

Nachdem die neue jugoslawische Regierung den Eid geleistet hatte, trat das Kabinett zu einem Mi­nisterrat zusammen. Es wurde ein Dekret ausgear­beitet, wonach S t e f a n R a d i t s ch und die übrigen verhafteten Mitglieder der kroatischen Bauernpartei a m n e ft i e r t werden. Nach der Unterzeichnung des Amnestiedekretes durch den König wurden die Mit­glieder der Naditschpartei aus der Hast entlassen.

Persönlichkeit nur dadurch eine Existenzberech­tigung gewönne, daß sie nicht einmalig sei!

Rein. Es war nicht erleuchtend, bei Co­rinth an Hals oder 3ordaens oder an noch an­dere Holländer zu denken. Man mußte ihn nehmen, wie er selber war, und je reifer er wurde, je wilder eine neue 3ugenö an den Grundlagen einer unbeschreiblich innigen Ratur­liebe rüttelte, die Corinths Kunst beseelte, desto leichter erschloß sie sich jedem, der nicht der Mode und der Tagesmeinung rettungslos ausgeliefert war. Hier hatte ein Mann ein unendlich reiches Werk geschaffen, das sich über weite Bezirke des Lebens spannte, von der Tragödie des Ge­kreuzigten bis zur sinnlichen Herrlichkeit einer entfesselten Andromeda. 3n diesem Künstler lebte die Ehrfurcht vor der menschlichen Erscheinung, die der deutschen Kunst einige unsterblich; Bild­nisse geschenkt hat, die Freude an der gotterfüll- ten und schaffensseligen Ratur, die namentlich Corinths Alter immer neue Begeisterung zu- strömen ließ. Er war eine diesseitige Ratur, die in diesem Leben ihre Freuden quellen fühlte. And doch fehlte ihm nicht die Ehrfurcht vor dem, was über uns ist, und diese Ehrfurcht war es, die ihn immer wieder auch zu biblischen Stoffen zwang, in denen er ein Sinnbild mensch­lichen 3rrens und göttlicher Erlösung sah.

Er war ein mannhafter Künstler, und wenn er sich selbst gern im ritterlichen Panzer malte, so war das fein bloßer Kostümscherz, und es tag ihm nicht nur etwa an dem Kontrast des schwarzen Eisens zu blühendem Frauenfleisch. 3n ihm steckte etwas von der leidenschaftlichen Anruhe und dem heroischen Trotz, die dem ster­benden Florian Geher das blanke Schwert und die schwarze Fahne in die Fäuste pressen. And wenn wir seiner gedenken, wird mit der Erinne­rung an den großen Maler die an den festen und aufrechten Menschen leben, der nie mit seinen Mitteln gekargt, sondern sich, ein ver­schwenderischer Genius, immer und ohne Rück­sicht ausgegeben hat. Dr. Paul Wei gl in. Das Beileid der Reichsregierung

Berlin, 18. 3uli. (WTB.) Der Reichs- k a n z l e r sandte an Frau Corinth folgendes Telegramm: Tief bewegt durch das plötzliche Hinscheiden von Lovis Corinth spreche ich in herzlicher Erinnerung an den Menschen, der von uns gegangen ist, und in aufrichtiger Be­wunderung seines Lebenswerkes, das den Heim­gegangenen in die Reihe der wahrhaft großen Künstler stellt, Ihnen, hochverehrte gnädige ürau, namens der Reichsregierung meine wärmste Teilnahme aus.

Kleine politische Nachrichten«

Der toürttembergif ch e Landtag be­schloß gestern bei Beratung von Anträgen des Finanzausschusses zum Wohnungsbau sofort die Friedensmiete zu gewähren.

Die kirchliche Trauung der Prinzessin Ma­falda von Italien mit dem Prinzen Philipp von Hessen wird nach einer Ver­einbarung mit dem Vatikan ohne Messe statt- finden. Der Prinz von Hessen verpflichtete sich, die Kinder bis zum Eintritt der Großjährigkeit katholisch erziehen zu lassen.

Aach einer Havasmeldung aus Lissabon haben am Sonntag früh aufständische Offi­ziere, denen es gelungen war, aus der Festung Sao 3eliao zu entweichen, mit Anterstühung eines KreuzersVasco de ®ama eine Aeberrumpe- lung des Regierungsgebäudes versucht. Der Re­gierung gelang es, den Führer der Aufständi­schen und vier Offiziere gefangen zu nehmen. Man rechnet damit, dah sich auch der Kreuzer Vasco de Gama" übergeben wird.

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Der amerikanische Vizekonsul Drether- t h o n wurde am Donnerstag in Agus Rcllentes in Mexiko von rückwärts angeschossen und erlitt erhebliche Verletzungen. Die ameri­kanische Regierung will erst einen einwandfreien Bericht abwarten, ehe sie weitere Schritte unternimmt. Der amerikanische Botschafter in Mexiko wurde zur Berichterstattung nach Washington beordert. Alles deutet daraufhin, daß die amerikanisch-mexikanische Krise ihren Höhepunkt erreicht hat. Aus den verschieden­sten Gegenden Mexikos wird gemeldet, daß amerikanisches Eigentum beschlag­nahmt wurde.

Aus aller Welt.

Erössnuug der Essener Bauausftellung.

3n Essen wurde in der Ausstellungshalle die Dau-Ausstellung, die vom 18. 3uli bis 26. August dauert, feierlich eröffnet. Die Aus­stellung will das Bauwesen und seine Ausgaben fördern. Sie bringt einen Aeberblick über die wichtigsten Baustoffe und über die neuesten Konstruktionen der Deschlagmittelindustrie. Sie berücksichtigt eingehend das Gebiet der Wärmewirtschaft im Hause und zeigt vorbildliche Anlagen für Heiz-, Koch- und Dade­zwecke in der Gastechnik. Sie verweist ferner auf die Verwendung moderner Strahenbau- st o f f e hin und hat für den Industriebau und das deutsche Bauwesen eigne Abteilungen er­richtet. Wohlfahrtsminister H i r t f i e f e r eröff­nete die Ausstellung mit einer von großer Sach­kenntnis zeugenden Rede, die das ganze Gebiet des Dau- und Siedlungswesens umfaßte und viele vorausschauende Gedanken enthielt.

Bom Schachturnier in Breslau.

B r e s l a u , 20. Juli. (TU.) Aus Anlaß des Kon­gresses des Deutschen Schachbundes in Breslau, der in der Zeit vom 18. Juli vis 2. August stattfindet, veranstaltet der Deutsche Schachbund ein Turnier, das am ersten Tage folgendes Ergebnis zeigte: Runde Meisterturniere: BogoljubowBluemich 1:0 TarrafchMoritz 1:0 WagnerBaescher 0:1, RubinsteinGottschall 0:1, GrünfeldNiemzowitz i:i, RethiSaemisch 0:1. Haupttournier: Müller Bergmann 0:1, HushongOrbach 1:0, KühnKalt- Heuer 1:0, FuchsSchmitt 0:1, HolzhausenOrbach 1:0, GiltSchönmann 1:0.

Trauung der ßouifenbräute.

Am Todestag der Königin Luise wurden in der Potsdamer Hof- und Garnisonkirche wieder zwei Paare getraut, die von der Stiftung Luisendenkmal ausgestattet wurden. Im vorigen Jahre mußte eine Luisentrauung unterbleiben, weil die Stiftung der Inflation zum Opfer gefallen war. Den Bemühungen

Giehener Konzertverem.

Symphouiekonzert in Bad-Nanheim.

Das Sonderkonzert, welches das Staatliche Kurorchester im Rahmen der Abonnements­konzerte des Gießener Konzertvereins im Großen Hause des Kurhauses am 16. 3uli Deranfailtete, war ein künstlerisches Ereignis von starker Be­deutung. Man hatte Prof. H. Abend r oth aus Köln, der schon im vorigen 3ahre an der Spitze des Staat!. Kurorchesters Triumphe feierte, wiederum zu gewinnen gewußt und damit einen guten Gedanken in die Wirklichkeit umgesetzt. Denn ein fast volles Haus in dieser Saison ein seltener Anblick zeigte, welches Interesse man diesem Meisterdirigenten hier wie aller­orts entgegenbringt. Doch nicht alle, die sich in dem herrlichen Konzertsaale versammelten, waren Kurgäste. Abgesehen von dem hochansehnlichen Gießener Kontingent strömten die Massen aus der näheren und weiteren Umgebung zusammen. And alle haben wohl das mit nach Hause genom­men, was man von einem guten Konzert ver­langt: Erhebung über den Alltag, innerste Be­friedigung und Sehnsucht nach weiteren gleich­wertigen Gaben. 3n Rauheim selbst ist zur Zeit der oberste Dirigentenplatz nach dem plötz­lichen Hinscheiden des verdienten langjährigen Leiters, Generalmusikdirektors Winderstein, ver­waist. Manche Kombinationen über seinen Ersatz und über die künftige Gestaltung der Rauheimer Konzerte, die einen Mittelpunkt des Musiklebens der Provinz Oberhessen abgeben müssen, schwirren durch die Luft. And die Entscheidung, die einmal getroffen werden muh, ist nicht so einfach, wie man sich dies vielfach vorstellt. Einer der Haupt­gesichtspunkte bei der Reuordnung wird es aber zweifellos sein, daß an dieser Stelle während des Sommers künstlerifche Leistungen geboten werden, um derentwillen man von fern und nah zusammen« kommt. Mit einem Abendroth an der Spitze wäre dies Ziel erreicht. Allein ein Abendroth kommt wohl schwerlich auf längere Dauer für Bad-Rau­heim in Betracht.

Als Kernnummer enthielt das etwas umfang­reiche Programm Anton Bruckners dritte Sym­phonie in O-Moll. Bruckner ist in Rauheim ein seltener Gast. Reulich brachte Kapellmeister Äother aus Wiesbaden dieRomantische". Ettva zwanzig 3ahre zuvor hatte Prof. Winderstein einen Bruckner gewagt. 3n der Zwischenzeit aber blieb es still. And nun kam Abendroth mit der herrlichen Wagner-Symphonie, die dem Kompo­nisten bald nach ihrem Erscheinen (1877) viel Angemach entfesselte. Wie bei Rother, so liegt

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Wettervoraussage.

Wenig Aenderung der bestehenden Witterung.

lieber Mittel- und Osteuropa liegt ein ausge­dehntes Gebiet hohen Druckes, das sich bis nach Skandinavien erstreckt. Das Tiefdruckgebiet im Westen hat sich weiter abgeschwächt und in westlicher Richtung zurückgezogen. Die Aussicht auf Nieder­schläge ist gering.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 20. Juli 1925.

Die Festsetzung der Augustmiete.

Q Durch die 2. Verordnung über die Er­hebung einer Sondersteuer vom bebauten Grund­besitz für 1925 ist die staatliche Sonder- st e u e r von 60 auf 80 Reichspfennig von vollen hundert Mark des Steuerwerts erhöht worden. Die Erhöhung entspricht 4 Proz. der FriedenS- miete. Es ist deshalb, wie wir hören, beabsichtigt, die Miete für August auf 84 Proz. der FriedenSmiete festzufetzen. Die Erhöhung soll lediglich zur Förderung des Wohnungsbaues Verwendung finden.

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der vaterländischen Verbände Potsdams ist es ge­lungen, die Stiftung zu neuem Leben zu erwecken.

Schwerer Raubmord.

Wie aus Pont bei Geldern (Niederrhein) be­rietet wird, wurden der sechzigjäbrige Landwirt Jansen und seine 48jährige Haushälterin Rom­men in dem Jansenschen Gehöft ermordet auf- gefunden. Die Wohnung bot ein wüstes Durchein­ander. Kisten, Kasten und Betten waren durchwühlt. Nach den bisherigen Feststellungen wurden die bei­den unglücklichen Opfer von den Mordbuben an- gefallen und mit einem Hammertotge­schlagen. Die Leichen wurden mit eingeschlage- nem Schädel in derJauchetonne ausgefunden, in die sie hineingepreßt worden waren. Jansen, der zurückgezogen lebte und als Sonderling galt, hatte kurz vorher einiges Vieh verkauft und das Geld noch im Haufe. Es soll bei ihm ein reger Schmugg­lerverkehr stattgefunden haben.

Großer Oelbrand im Hafen von Hoboken.

3m Hafen von Hoboken (A. S. A.) ereignete sich ein großer Oelbrand auf dem der Regierung gehörenden Gelände. Große Raphtatanks von 60 Meter Höhe explodierten und zerstörten dabei sämtliche, in der Äähe befindlichen Ge- bäube. Hunderte von Autos -wurden zerstört. Die Feuerwehren versuchten, das Feuer ein­zudämmen. ; J

Acht Personen vom Blitz getroffen.

Rom, 19. 3uli. (WTB.) 3n der Gegend von Bari schlug während eines heftigen Gewitters der Blitz in ein Gehöft ein, wohin sich flehen Landarbeiter geflüchtet hatten. Drei waren sofort tot, die vier andern wurden lebens­gefährlich verletzt. Bei Trani wurde am gleichen Abend ein Bauer durch einen Blitzschlag ge­tötet.

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Vermögenssteuerpflicht öffentlicher Sparkassen.

Nach einer Entscheidung des Reichsfinanzhofs vom 10. Dezember 1924, die sich auf den § 5 des Vermögenssteuergesetzes stützt, sind öffentliche ober dem öffentlichen Verkehr dienende Sparkassen, wenn sie über den eigentlichen Sparkassenverkehr hinaus Bank- ober Kreditgeschäfte betrieben, mit ihrem ge­samten Vermögen steuerpflichtig.

Die Haftung der Waschanstalten.

Nach einer Entscheidung des Kammergerichts haftet eine Waschanstalt für Entwendung der Wäsche. Die wachsende Unsicherheit bildet keinen Entlastungs­behelf, muß vielmehr Anlaß zu größerer Vorsicht sein, insbesondere, wenn eine Versicherung gegen Diebstahl nicht besteht.

auch bei Abendroth das Hauptverdienst in der Tatsache der Wiedergabe. Hinzu kommt die ge­radezu glänzende Durchführung der Aufgabe. Mit wenigen Proben freilich mehr, als sonst zur Verfügung stehen war es Abendroth ge­lungen, das Orchester zu besonderen Leistungen zu führen. Dirigent und Musiker lebten in dem Brucknerschen Riesenwerk. Streicher, Holzbläser und Blech wetteiferten miteinander so wie eS der Meister gewollt. Das Ardeutsche und die Herzensreine dieser Musik hatte alle berührt und entspannt. Sattester Orchesterklang, dem Ohre ein Labsal, dem Herzen eine Wonne, be­herrschte diese Stunde der Erhebung. Dabei die wunderbare Ausarbeitung Der Kontraste, die prickelnde Rhythmik selbst bei schwierigen Stellen der Blechbläser, die Ausarbeitung des Motivi­schen und der kontrapunktifchen Feinheiten und so manches andere. Aeberall spürte man die suggestive Kraft der starken Persönlichkeit des Dirigenten und die restlose Hingabe jedes ein­zelnen unter den Musikern an den Führer. Diese Gesamtleistung riß die Zuhörer zu solch begeisterten Beifall hin, tote er imGroßen Hause" nur selten gehört wurde.

Mit der Bruckner-Symphonie hätte das Kon­zert an sich zu Ende sein können. Denn was nach kam, mußte die borangegangenen Ein­drücke abschwächen. H. Wetzlers Ouvertüre zu ShakespearesWie es euch gefällt" war fehl am Platz. 3n diesen Kreis gehört der sonst hochgeschätzte Dirigent und Komponist ein Frankfurter und einst Schüler des Hochschei, Konservatoriums nicht hinein, so gut er auch bei feinem Freunde Richard Strauß in die Lehre gegangen ist. Aber auch dieser hätte mit seinem über die Maßen oft gespieltenDon 3uan" ent­behrt werden können. Denn mehr und mehr er­weist sich, wie hohl diese Kunst ist ein schillerndes Gewand über einen teeren Raum. Mit Rücksicht auf ausgiebigere Proben der Symphonie muhte aber auf ein dem Orchester bekanntes Werk zurückgegriffen werden.

Mit Wagners Meistersingervorspiel wurde die künstlerische Linie der Bruckner-Svmphonie wieder erreicht. So oft dieses Werk audp gespielt werden mag, immer ist es willkommen und zwingt die Hörer durch sein kerndeutsches Wesen in Bann.

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Daß alle Werke mit Schwung und starker Modulationsfähigkeit gespielt wurden, bedarf keiner weiteren Versicherung. Stärkster Beifall dankte dem Meisterdirigenten für seine Gaben, nicht minder dem Orchester für feine glänzenden Leistungen. K, S.

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