Montag, 20. Juli (925
175. Jahrgang
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ietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Kritische Lage in Marokko
Reue Offensive Abd ei Krims
Taza gefallen?
Belgien der britischen Regierung ihre Absicht mtt- getellt haben, Düsseldorf, Ruhrort und Duisburg zusammen mit dem Ruhrgebiet bis zum 15. August zu räumen.
die Ruhe bernahe vollkommen hergestellt wurde. Dagegen seien um Arn-Aicha und Ain-Maatum die feindlichen Gruppierungen sehr zahlreich und hätten einen äußerst heftigen Angriff gegen Ain-Maatum unternommen. Doch habe der französische Posten dem Angriff widerstehen können. Tagsüber wurde er von Flugzeugen mit Kartätschen, Gcanateii und Eis verproviantiert. Die Riftruppen hätten sich unter Zurücklassung zahlreicher Toter zurückgezogen. Die französischen Verluste dagegen seien leicht.
Neue Flugzeuggeschwader nach Marokko.
Paris, 19. Juli. (TA.) Am Samstag sind mehrere moderne Fluggeschwader nach Marokko aufgebrochen, die Ajdir. das Hauptquartier Abd el Krims. durch Vonibenwürfe zerstören sollen. Danach scheinen sich Frankreich und Spanien über die Tätigkeit der französischen Flieger in der spanischen Zone verständigt zu haben.
Die Räumung der Ruhr.
Der Abzug der Franzosen aus Gelsenkirchen, Gladbeck und Bochum.
Die Gemeinde- und Bezirksratswahlen in Frankreich.
Paris, 20. Juli. (TU.) 3n ganz Franc- reich mit Ausnahme des Saine-Departemcnts fanden gestern die Gemeinde- und Vezirksrats- wahlen statt. Insgesamt wurden 1499 Gemeinderäte und 1700 Vezirksräte gewählt. Die Wahl- Handlungen nahmen überall einen ruhigen Verlauf. Die Wahlbeteiligung betrug 62 Proz. Die extremen Rechts- und Linksparteien behaupteten ihren Stand. Die Radilalsozialisten und die Radikalen haben Fortschritte erzielt, während dagegen die Linksrepublikaner und die gemäßigten Republikaner ins Hintertreffen gerieten. Die meisten Parlamentarier sind gewählt bzw. wiedergemählt worden, so H e r r i o t. Finanzminister C a i l l a u x , Kolonialminister Hesse u. d. Unterrichtsminister de M o n z i e.
Der „M a t i n" berichtet aus Fez vom 18. Füll, seitdem Abd el Krim wisse, daß die Franzosen alle seine Angriffe abzuschlagen bereit seien und noch viel schärfer vorgehen wurden, und das; sogar französische Verstärkungen eingetroffen seien, konzentriere er reguläre Truppen an verschiedenen Punkten, indem er d.e Dissidcntenstämme allem sich betätigen lasse, um den Augenblick abzuwarten, wo er alle seine Kontingente werbe einsehen müssen. Er bereite sich für eine ausgedehnte Offensive aus die französischen Posten des westlichen und mittleren Frontabschnittes, besonders gegen die Posten von Issual, Terual Tarant, vor. Weiter heistt es, daß zwischen Fez el Dali und Ain-Aicha die Straße wieder freigemacht und
Bedrängung des allbesetzten Gebietes.
Mannheim, 18. Juli. (WTB.) Die De- sastungsbehörde in Ludwigshafen hat, wie wir hören, uo'i der Stadtverwaltung Ludwigshafen die Bereit st ellung von weiteren Quartieren für Offiziere neuankommender Truppenteile binnen kürzester Frist verlangt. Bis spätestens 20. bzw. 21 Juli sind für 16 unverheiratete Offiziere je zwei Zimmer (Schlafzimmer und Salon), ferner 28 Wohnungen verschiedener Gröhe mit herrschaftlichen Zimmern für verhei- ratete Offiziere und deren Familien zu beschaffen. Daß die Stadtverwaltung Ludwigshafen bei der heu- kigen Lage des Wohnungsmarktes kaum in der Lage ist, diesen Forderungen zu entsprechen, ist ohne wei- teres klar. Sie ist aus diesem Grunde an die maßgebenden Behörden des Reichs und des Landes um schleunige Intervention herangetreten.
Hefsifcher Landtag.
D a r m st a d t, 18. Juli. Das Haus beginnt feine heutigen Verhandlungen mit der Beratung einer Reihe von Anträgen zu Kapitel 100, „Justiz- minifterium*.
Abg. Schül (Ztr.) berichtet über die Ausschuh. Verhandlungen zu diesen Anträgen, die sich auf bedingte Begnadigung, Strafaufschub, Straserlah, Am- ttestie usw. beziehen.
Ein Antrag Schreiber wird vom Ausschuß zur Annahme empfohlen, die anderen Anträge sind vom Lusschuh abgelehnt worden.
Abg. S ch r ei b e r (Dem.) verlangt, daß auch auf dem Gebiete des Rechts ein Aufbau vollzogen wird: dieser könne nur durch einen Abbau der vielen noch aus der Kriegszeit stammenden Gesetze erfolgen. Kein Jurist kenne sich mehr in dem Tohuwabohu aus. Ein großer Fehler sei es, daß jeder Bundesstaat eigene Ausführungsbestim- mungen erläßt. Erfreulich sei die Rechtseinheit im Strafrecht und die Tatsache, daß auch Oesterreich ein säst gleiches Strasrecht wie das deutsche geschas- ftn habe: das sei bedeutsam für das künftige Groß- Deutschland. Die Sonderstellung des Duells im strasrecht müßte beseitigt werden. Sein Antrag, die bedingte Begnadigung dem Gericht zu übertragen, sei berechtigt, denn die Verfassung stehe diesem Verlangen ilicht entgegen; es sei nur eine Zedierung des Rechts an einen anderen. Auch der Einheitlichkeit des Rechtes wegen müßte das Begnadigungsrecht dem Richter übertragen werden. Die Aufhebung der alten Schöffengerichte sei keine Verbilligung gewesen: bei den jetzigen Be- -irksschöffengerichten müßten Schössen und Zeugen ost weite Reisen machen und größere Kosten auf- wenden. Aus diesem Grunde verlange seine Partei die Wiederherstellung der allen Schöfsengerlchle. Für die Wiederausnahme des Versah- rens müßten neue Bestimmungen erlassen werden, auch bessere Bestimmungen über die Unter* suchungshaft. Es wäre einmal interessant, zu erfahren, wie oft die Untersuchungshaft verhängt ivorden sei, wenn nachher Freisprechung erfolgte. Weiter verlangt der Redner Reformen auf dein Gebiete des ehelichen Güterrechtes und des Mobiliarrechtes. Die Abbauanträge von Dr. Leucht- gens lehne feine Partei ab, sie wolle aber im Sechserausschuß Ersparungsantraae prüfen. Nachdem der Redner noch über den Andrang zum ,uristischen Studium, über die Besorde- rungsverhaltnisse der Richter und die Zusammen- setzung der Disziplinarkammer gesprochen hatte, übte er Kritik an verschiedenen Urteilen die politisch beeinflußt seien. Er fragt den Justizminister, warum die Justizbehörden nicht gegen den deutschnationalen Freiherrn von F o r ft n e r vorgeyangen feien, der in Verbindung mit einem Individuum gestanden hatte, das an einem Anschlag gegen den Reichspräsidenten Ebert beteiligt gewesen sei.
Abg. S ch Ü l (Ztr.) verlangt ebenfalls mehr Einheitlichkeit und Vereinfachungen des Rechtes im Sinne des Vorredners. Ferner wünscht er, daß eine Reihe von Streiffällen des bürgerlichen Lebens chcht von Behörden, sondern von ordentlichen Gerichten entschieden werden. Weiter fordert der Red- I ner bessere Bezahlung der Richter und äußert Wun- i sche zu deren Ausbildung. Er schließt sich dem Vorredner in dem Verlangen nach Wiederherstellung der Schöffengerichte in früherer Form an sowie in | dem Verlangen verschiedener Reformen im Justiz- । wesen.
Rach einer Pause wird zunächst über Kap. 88, „Erwerbslosenfürsorge und Arbeits- nachweiswesen, allgemeine und besondere Wohlfahrtspflege ufro.", abgestimmt. Der Ausschuß beantragt hierzu, die Ausgabe mit 5 013 000 Mark zu genehmigen. Diese Forderung wird einstimmig bewilligt. Ferner wird die Regierung durch einen Beschluß des Hauses ermächtigt,
200 000 Mark für Kinderspeisungen zu bewilligen. Außerdem wird ein Antrag angenommen, in dem die hessische Regierung ersucht wird, bei der Reichsregierung vorstellig zu werden, daß den Arbeitslosen aus der Zeit des Ruhrkampfes auch Unterstützungen gewährt werden über die vom Gesetz vorgesehene Zeit hinaus. Es finden noch weitere Abstimmungen statt, doch werden die hier gestellten Anträge abgelehnt.
Hieraus werden die Beratungen zum I u st i z - et a t wieder aufgenommen.
Abg. Dr. Riepoth (D. D.) ertlärt, feine Partei sei mit der Reform der Schwurgerichte wohl zufrieden, nicht jedoch mit der Neuordnung der Schöffengerichte. Ein Richter könne nur auf Grund des geschriebenen Rechts und seines^ Verantwortungsgefühls urteilen. Härten könnten unterlaufen, dafür fei das Begnadigungsrecht der Regierung da, das nur ausgeübt werden falle, wenn es zweckmäßig fei. Heutzutage werde z u viel begnadigt. (Abg. Greiner ruft: Polizeistrafen!) Bedauerlich fei, daß die Strafkammern in der Rechtspflege nicht mehr die Rolle spielten wie früher. Man wollte durch die Bezirks- schöffengerichte die kleinen Amtsgerichte sparen, aber dieses Sparen sei nicht durchzuführen :es bringe auch keine Verbilligung. Die Bezirksschöffengerichte seien unzweifelhaft teurer. Die Aufnahme immer neuer Anwälte in den Richterftand trage zu dessen schlechten Beförderungsaussichten bei. Abg. Schreiber habe die Verankerung der Republik in der Justiz verlangt, das fei abzulehnen: man habe früher ja auch nicht die Monarchie in der Justiz verankert. (Beifall rechts.) Der vom Redner gestellte Antrag auf Erhöhung des Betrages zur Fortbildung der Richter fei vom Justizminifter unbegreiflicherweife abgelehnt worden, obwohl der Minister selbst in seiner Antwort auf den Antrag den Forderungen zustimmte. Das Haus möge aber den Antrag annehmen. Der Redner erklärt weiter, die Deutsche Dolkspartei habe zum Richtertum im allgemeinen volles Vertrauen, dann wendet er sich
Berlin, 19. Juli. Der „vorwärts" meldet aus Paris, daß sich nach bisher noch unbestätigten TUel- dungen laja feit Samstag früh in der Hand der Riskabylen befindet. Der „Chicago Tribüne" wird aus Fe; gemeldet, daß die fran- zösifchen poften bei Ayn-Maatuf von den Riskabylen umzingelt sind und eine sranzö- sische hilsskolonne, obwohl mehrere Flugzeuge ihr den weg zu bahnen versuchten, unter schweren vertu st en zurückgeschlagen wurde. Ulan befürchtet, daß die Stellung ebenfalls in d ie Hände der Riskabylen fällt.
Rach einer haoasmeldung aus Fe; soll sich die Lage in der Gegend von O u e ,; a n gebessert haben. Die Ofsensiobewegung des Feindes nehme ab. Die zögernde Haltung der nicht unterworfenen Stämme könne man auf die schweren Verluste zurückzuführen, die sie bei den Angriffen auf die französischen poften dieser Gegend erlitten hätten und ebenso aus die besonders energische Haltung der spanischen Truppen nördlich von Lukkas und im Frontabschnitt von Laroche. Die Konzentrierung der Ble- hallas des Sultans gehe weiter vorwärts. Zu gleicher Zelt träfen in der Operationszone die Bataillone aus IHataga, die kürzlich in Casablanca gelandet seien, ein.
Drohender Streik im Saarbergbau.
Saarbrücken, 19. Juli. (WTD.) 2lm heutigen Sonntag nahm der 16er-Ausfchuß, die gewählte Vertretung der christlich-organisierten Bergleute, gemeinsam mit der Reoierleitung zum Lohnangebot der Dergwerkdirektionen Stellung. Der 16er-Ausschuß kam nach eingehender Prüfung der Lage und nach reiflicher äleberlegung zu folgendem Beschluß: Das Angebot einer fünf- prozentigen Lohnerhöhung wird für unannehmbar erklärt, weil es der feit Januar dieses Jahres im Saargebiet herrschenden Teuerung in keiner Weise gerecht wird. Der 16er-Ausschuh beschloß ferner, daS letzte gewerkschaftliche Mittel, den Streik, zur Anwendung zu bringen, falls die Bergwerksdirektionen nicht noch im Laufe dieser Woche w e i t e re Angebote machen.
Forstner bereits richterlich vernommen worden sei; wenn auch nur etwas Wahres an den Beschuldigun- gen gewesen sei, so würde man ihn zweifellos fest- gehalten haben. Es sei heute dem deutschen Richter- stand so vielfach hier im Hause
der Vorwurf der Klaffenjusli;
gemacht worden, daß er hier einen Fall zur Sprache bringen wolle, auf den die Bezeichnung Klassen- justiz wohl eher anzuwenden sei. Es handle sich hier um einen Fall, von dem schon tagelang in Darmstadt gesprochen werde und der eine unerhörte Parteinahme für einen hohen Beamten darstelle. Dieser Beamte habe sich in einem Kaffee derart aufge- führt, daß die Polizei gegen ihn einschreiten muhte. Durch einen solchen Vorfall werde die Staatsauto- rität schwer gefährdet. Der betreffende Beamte habe
Bochum, 20. Juli. (Täl.) Gelsenkirchen ist von der französischen Besatzung frei. Sonntag früh wurde die Besatzung, und zwar Teile des 24. Infanterie-Regiments forme die 35. Auto-Kompagnie, mit den dazu gehörigen Spezialtruppen zusammengezogen, um nach dem Verladebahnhof Altenessen abzumarschicren. Der Abmarlch geschah ohne Zwischenfall. Das Schulgebäude wurde an die Schulleitung bzw. Hausmeister übergeben, Unmittelbar nach dem Abmarsch der französischen Truppen besichtigte dre Stadtverwaltung das freigegebene Quartier.
Der Abmarsch der Besatzung aus Recklinghausen ist ebenfalls ohne jeden Zwischenfall erfolgt. Samstag morgen 9 Mr ist die Besatzung aus Gladbeck (Infanterie-Regiment Rr. 4) abgerückt. Damit ist der Abschnitt Gladbeck, zu dem Buer, Dorsten, Horst, Marl, Wulfen, Dahlen, Kirchhellen und Bottrop gehören, vollständig geräumt. Der Abzug geschah ohne jede Reibung. In einem Schreiben an die Stadtverwaltung Gladbeck erkennt der belgische Kommandant das korrekte Verhalten der deutschen Behörden bei den Aebergabeverhaadlun- gen an.
Auch die Räumung Bochums hat am Sonntag nachmittag begonnen. Zunächst wurden Teile der marokkanischen Division, Angehörige des 21. Infanterie-Regiments, abtransportiert. Die Truppen sammelten sich in feldmarschmäßiger Ausrüstung und zogen mit klingendem Spiel durch die Straßen der Stadt in der Richtung auf Essen zu. Das Verladen der Infanterie Hal ebenfalls gestern begonnen. Der Abtransport der übrigen Truppen erfolgte gestern früh.
Der Räumungstermm.
Auch Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort werden geräumt.
Paris, 20. Juli. (I.U.) General (BuiUaumat hat den Regierungspräsidenten von Düsseldorf offiziell davon in Kenntnis gesetzt, daß die Räumung des Ruhrgebietes bis Freitagmitternacht erfolgt fein wird.
Rad) Meldungen aus London erfahrt „Sunday Times", daß die Regierungen von Frankreich -und
unter dem Beifall der Rechten des Hauses gegen die Verallgemeinerung von Angriffen gegen den Richterstand.
Abq Böhm (Dschn.) meint, wenn die Bcslim- mungen über die Duelle nach dem Wunsche des Abg. Reiber aufgehoben werden sollten, so müffe man auch dem Schutz d e r p e r s ö n l i ch e n E h r e eine größere Bedeutung im ©eje.6 Zumessen. Der Redner verlangt, unter Hinweis auf den Abg. ßflUi daß Abgeordnete als Redakteure nicht ver- antwortlich zeichnen, weil sie fönst die Möglichkeit haben, andere Personen zu beleidigen ohne daß \\t zur Verantwortung gezogen werden können. Auch dieser Redner äußert zahlreiche Wunsche zur Justtz-
I PfÜ2tfg. Kindt (Dschn.) erklärt, daß Frecherr von
eine Polizeistrafe von 25 Mk. erhalten. Eigenartig ei, daß ber Ministerialrat, ber in Gruppe \ 13 cm- gereiht wäre, noch ein Gesuch ein^ereidit habe, in dem er behauptet, die Strafe sei viel zu hoch, und zwar sei die Hohe des Strafmaßes durch politische Gründe veranlaßt Das Justizministerium habe die Volizeistrase von 25 Mk. auf 12,50 Mk. herabge- etzt. (Lebhafte Pfuirufe auf der Rechten des .'laues.) Das sei eine Klassenjustiz, wie man sie sich nicht schlimmer denken könne. Das Urteil über diele Angelegenheit überlasse er dem Hause und dem Lande. Das Ansehen der Regierung sei schwer geschädigt worden.
Abg. L e u s ch ne r (Soz.) klagt, daß die Anwalts- gebühren zu hoch seien.
Ministerialrat Schwarz meint, die Justizverwaltung könne im wesentlichen mit der an ihr geübten Kritik zusrieden fein; Beschwerden und Wünsche wäre bei einer so großen Verwaltung elbstverständlich. Die Fälle von angeblicherKlafsen- justiz, die hier im Landtag erörtert worden wären, hätten sick; alle außerhalb Hessens zugetragen: er habe deshalb keine Veranlassung, naher daraus einzugehen, doch wolle er entschieden gegen die Verallgemeinerung Verwahrung cinlegen, daß von den Richtern nicht objektiv geurteilt wurde. Das Vertrauen z u m R i ch t e r st a n d sei gerade in der letzten Zeit in weiten Schichten der Bevölkerung g e- wachsen, denn sie wünsche, daß zahlreiche Ange- legenheiten, die von Wohnungsämtern, Ruufmannd- gerieten usw. entschieden würden, von d e n o r • deutlichen Gerichten abgeurteilt werden. Der Redner lobt das^ Schiedsgerichtsverfahren, doch könne es noch vereinfacht werden. Ueber die Verhängung der Untersuchungshaft könne man auf dem Papier soviel Bestimmungen erlassen, wie man wolle: die Frage der Durchführung sei doch in erster Linie eine Personenfrage. Die Fälle seien an sich so verschiedenartig, daß man dazu gar keine aus- sührlichen Anweisungen geben könne. 3m Anschlt ; hieran teilte der Redner mit, daß die Justizverwal- tung an die Staatsanwälte ein Ausschreiben gerichtet habe, in dem (unter Hinweis auf den Fall Höste) erneut auf eine richtige Behandlung der Unterstichiings- gefangenen aufmerksam gemacht wird.
Während der Rede des Ministerialrats sind nur noch 7 Abgeordnete im Sitzungssaale anwesend. Gegen 2j Uhr werden daher die Beratungen a b • gebrochen und die nächste Sitzung aus Montag vormittag 10 Uhr anberauint.
Vie landwirtschaftlichen Nolstandslredite in Hessen. Darmstadt, 19. Juli. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags hat am 17. Juli folgende Anträge der Fraktion des Hessischen Bauernbundes einstimmig angenommen: „Der Landtag möge beschließen, die Regierung zu beauftragen, dem Finanzausschuß eine Uebersicht der steuerlichen Belastung in den Gemeinden des Landes, sowie der Einnahmen und Ausgaben der Gemeinden für dos Rechnungsjahr 1925 vorzulegen." Ferner einen Antrag Wolf: „Der Landtag wolle beschließen: Aus Antrag einzelner Tierzüchter, die durch L e b e r e g e 1 f e u ch e beson- ders schwer betroffen worden sind, wird seitens der hessischen Regierung ein Darlehen zu 4 Prozent inter Bürgschaft der Gemeinden gewährt. Eine Entschädigung soll nur ausnahmsweise in Frage kommen, wenn die Existenz des Viehhaliers bedroht ist und sich die Gemeinden mit einem cmgemesienen Betrage beteiligen."
Zur Frage der landwirschastlichen R o t st a n d s k r e d i t e gab die Regierung eine Cr- flärung ab, mit der sich der Finanzausschuß ein- stimmig befriedigt erklärte. Danach erwartet die Regierung, daß Diejenigen Landwirte, die dazu in der Lage sind, die Kredite am 1. Oktober ab» decken. Den Kreditnehmern jedoch, die dazu nicht in der Lage sind, soll auch über den 1. Oktober hinaus der Kredit verlängert werden, lieber die Frage des Zinsendienstes nach dem 1. Oktober und über die Möglichkeit, die kurzfristigen Kredite in langfristige zu verwandeln, konnte bei der gegenwärtigen Schwierigkeit auf dem Kapitalmarkt und in den hessischen Finanzverhältnisfen eine bestimmte Abmachung nicht getroffen werden. Die Angelegen- heit wird im September Gegenstand erneuter Verhandlungen fein.
Grohdeulsche Tagung in Darmstadt.
Darmstadt, 19 Juli (SIL) Am letzten Lag der hiesigen Großdeutschen Woche besprach Dr. M i t t e r m a n n, einer Der Führer der Groß- deutschen Partei und Präsident deS nieberöfter» rrichffchen Landtages, die A n s ch l v ß f r a g e. Ausgehend von den Eindrücken seiner Reisen am Rhein und in Frankfurt a. M. sprach er von der jahrhundertelangen Gemeinschaft zwischen Deutschland und Oesterreich im heil gen römischen Reich' deutscher Ration, die durch , die österreichische Sonderentwicklung später jäh unter- brochen wurde. Der Redner verwies bann auf die Absichten des Herrn Dr. Den eich. Oesterre.ch einzuverleiben, auf die von vielen Seiten erwünschte wirtschaftliche Union mit den Rachfolge st aalen u. a. m. Auf die innerpolitischen Verhältnisse übergehend, beleuchtete er di? Stellung der Parteien im Parlament. Während Rechte und Linke teilweise für den Anschluß eintreten, ist die christlich-soziale Partei, offenbar beeinflußt durch den Machtspruch der Verträge von St. Germain und Versailles, sehr zurückhaltend in dieser Frage. — Der zweite Redner, Staatsminister a. D. Doelitz, gab in einem Schlußreferat einen Ueberblick über die deutsche Kulturgemeinschaft. Das Schlußwort der Tagung sprach Landlagsabgeordneter Dr. Keller; er dankte allen Römern für ihre


