keilen stoße, und daß an die Ausführung dieser Projekte erst dann gedacht werden könne, wenn die Bewilligung langfristiger Kredite möglich wäre, lieber den Voranschlag des Armenfonds berichtete Beigeordneter Langsdorf-, er schließt in Einnahme und Ausgabe mit 565 000 Mark, der Referent teilte noch mit, daß in dem Bürgcrhospital demnächst größere Umbauten und Verbesserungen unbedingt nötig wären. Es wurde sodann noch einstimmig der Beschluß gefaßt, einen P r o t e st gegen die Steuerpolitik des Landes, die die Rechte der Städte aufs ärgste beschneidet, an den Landtag gelangen zu lasten.
< Bad-Nauheim, 19. Juni. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten wurden die Rechnungen des Gaswerks und des Elektrizitätswerk für 1919, 1920, 1921 und 1922 ohne Debatte genehmigt. Dann wurde in die Beratung des Voranschlags des Jahres 1925 eingetreten. Die Etatberatung wurde aber zeitig unterbrochen, sie wird noch weitere Sitzungen beschäftigen. Wir bringen nach beendigter Beratung einxn Gesamtbericht. Für die Instandsetzung der Sprudel- a p o t h e k e waren 6000 Mk. angefordert. Die Vorlage wurde zur nochmaligen Prüfung an denMau- ausschuß zuriickgcwiesen, weil verschiedene Stadtverordnete der Ansicht waren, daß es sich hier um Luxusausgaben handle. Der S a n i t ä ts- ko l o n n e wurde ein weiterer Betrag von 200 Mk. bewilligt. Eine Ergänzung der städtischen Vertreter bei der B e z t r k s s p a r k a s s e „Mathilden- st t f t" (Friedberg) wurde für notwendig erachtet. Bestimmt wurde Bürgermeister Dr. K a y s e r. Dr. Stoll wurde die Konzession zur Führung des schon von seinem Vater innegchabten Sanatoriums erteilt. In der nichtöffentlichen Sitzung wurde für Freimachung einer Wohnung ein Betrag von 500 Mk. bewilligt. Ferner wurde die Gewährung von zwei Bauhilfsdarlehen beschlossen. Die Wohnungen im jetzt fertiggestellten Neubau Mittelstraße 22 wurden vergeben. — Unsere Stadt hat drei Beigeordnete: Kling, Stahl und Dberbabemeiffer Kissel. Die Amtstätigkeit der beiden ersteren war abgelaufen. In der heutigen Sitzung der Stodtoerorneten wurden aber beide wiedergewählt, und zwar Beigeordneter Kling mit 24 von 27 Stimmen, Beig. Notar Stahl mit 21 von 27 Stimmen. Erörtert wurde in letzter Zeit die Frage der Schaffung einer vierten Beigeordneten stelle. Es wird ober Abstand davon genommen.
*<£ Nieder-Mörlen, 18. Juni. Dem hiesigen Turnoerein, der vor 21 Jahren gegründet wurde, fehlte noch das äußere Symbol der Zusammengehörigkeit: die Fahne. Nachdem im letzten Jahre in hochherziger Spende die Mittel dazu beschafft waren, konnte nun am Sonntag ihre Weihe erfolgen. In einem Festgottesdienst nahm Pfarrer Dietewig die kirchliche Weihe vor, während am Nachmittag bei Bezirksvertreter des 5. Bezirks im Gau Hessen, Studienrat Schuchmann (Friedberg), in einer längeren Festrede die Bedeutung der Vereinsfahne würdigte und dis Ziele des deutschen Turnens treffend zeichnete. Ein Schau- t urn en, an dem erste Kräfte aus Aschaffenburg und Frankfurt a. M. beteiligt waren, gewann der Turnsache zahlreiche neue Freunde.
△ Reichelsheim, 18. Juni. Heute mittag gegen §1 Uhr ertönte in unserem Dorfe Feueralarm. Die mit Heu reichlich gefüllte Scheune des Landwirts Coburger stand in hellen Flammen und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Das Feuer griff bald auf den anhängenden Stall über, der ebenfalls bis auf das Gewölbe niederbrannte. Das Vieh konnte gerettet werden. Der herrschende Wind begünstigte das Feuer, doch konnte die Wehr nach zwei Stunden angestrengter Tätigkeit Herr des Elementes werden. Der Brand hätte durch den einsetzenden Nordwestwind und anfänglichem Wassermangel leicht eine größere Ausdehnung nehmen können. Der Hochbehälter unserer Gruppenwasserleitung liegt bei Bisses. Da die Leitung gerade ob gestellt war und die telephonische Meldung den Wassermeister nicht gleich zu Hause antraj, dauerte es einige Zeit, bis Wasser in dem Leitungsstrang war. Man holte deshalb - das Wasser zuerst in Pfuhlfässern aus der Horloff.
Kreis Büdingen.
A Aus der Wetterau. 19. Ium. Die Heuernte ist so ziemlich beendet. Sie ergab diesmal große Quantitäten. Das Heu war durch die förmigen Tage durchweg gut getrocknet. und, Da unberegnet, von vorzüglicher Qualität. Da der zweite Kleeschnitt durch die Trockenheit ganz minimale Erträge liefert, kommt die Fülle der Heuernte dem Landwirte sehr zustatten.
Kreis Schotten.
~ Schotten, 19. Iuni. Die Beigeordnetenwahlen im Kreise finden am Sonntag, 2 8. 3uni, ftatt. Auch sie wirbeln in vielen Orten Staub auf, weil selbst dieses Ehrenamt stark umworben ist. Vielfach beeinflußt die Stellungnahme in der Bürgermeisterwahl die Kandidatenfrage. — Ab nächsten Sonntag verkehrt das Postauto Schotten — Ellrich- st e i n — L a u t e r b a ch und zurück, das seither nur werktäglich fuhr, auch an den Sonntagen. Zunächst ist der Verkehr nur ein probe- weiser auf zwei Monate. Erweist er sich als unrentabel, so sollen die Sonntagsfahrten nach dieser Zeit wieder eingestellt werden.
§ Ulrichstein, 19. Iuni. Die Heuernte ist hier oben etwa zur Hälfte beendet; immerhin wäre jetzt im Interesse der Feldfrüchte ein ausgiebiger Regen sehr willkommen. — Das Dach des seinerzeit durch Brand schwer mitgenommenen Kirchturms ist bereits zu 2/s wieder gedeckt, fo daß unser Städtchen im Rahmen der Landwirtschaft bald wieder das gewohnte Bild bieten wird.
Starkenburg und Rheinhessen.
• Darmstadt, 19. Iuni. Bei der B a h n- bedarfs-A.-G. ist es seit einigen Tagen zu Differenzen zwischen der Firma und den Arbeitern gekommen, so daß diese zum größten Teil die Arbeit niedergelegt haben. Die Firma hat bekanntlich den Auftrag, 1500 Eisenbahnwagen auf Reparationskonto zu liefern.
-!- Offenbach, 19. Iuni. Schon seit einiger Zeit hört man von Gerüchten darüber, daß die Firma Opel in R u ! s e l s h e i m mit der hiesigen Stadtverwaltung verhandelt wegen Ankaufs von Gelände zur Errichtung eines Opelzweigwerts. Wie wir hören, haben diese Derhandlungen nunmehr Aussicht auf Verwirklichung. Es handelt sich um etwa 57 000 Quadratmeter Gelände an der Biederer Straße in der Äähe der Grenzstraße. Wenn die Verhandlungen befriedigend abschließen, erhält die Stadt Offenbach einen guten Steuerzahler und ihre Arbeiter erhalten vermehrte Beschäfti- gungsgelegenheit. Es wird Dann vor allem ein großer Fabrikbau entstehen, der das Baugewerbe belebt.
Kreis Wetzlar.
d. Hörnsheim, 19. Juni. Bon einem Feuerwerker des Artillerieregiments 5 zu Fulda wurden hier zwei Granaten gesprengt, die man im Schwindbach an der Straße nach Hochelheim infolge des seichten Wassers aufgefun- den hatte. Die Granaten rührten jedenfalls noch von dem Rückzüge der Truppen im Jahre 1918 her und waren in dem Dache durch den bisher höheren Wasserstand unbemerkt geblieben.
d. Ebersgöns, 19. Juni. Die hiesige Gemeindevertretung hat den Erlaß eines Straßen- unb Baufluchtlinien planes beschlossen, der in der Hauptsache bezweckt, einzelne Stra- ^enteile, die sich in ihrem jetzigen Zustande für den öffentlichen Verkehr als zu eng erwiesen haben, zu verbreitern. Ein Einwohner hat gegen den Plan Einspruch erhoben, der jedoch von dem Kreis- ausschuß in Wetzlar abgewiesen wurde.
Hessen-Nassau.
spd. Frankfurt, 19. Iuni. Die heutigen Verhandln.-g:n der S t r a h e n b a h n e r mit dem MagFttat s nd nach h >b ü d gerD ue- ergebnislos v.,laufen Ais D;c Magislratsvertreter auf Die Forderungen nach Gewäh.ung von Mo- natslöhnm ausweichend antwortete, brachen die Abgeordneten der Straßenbahner die Verhandlungen gegen 2 Ahr ab und proklamierten für Frankfurt Den Beginn des Streiks. In wenigen Augenblicken waren D.e Straßenbahner Der einzelnen Bahnhöfe verständigt. Von 2.30 Me ab fuhr kein Straß e nba h nz ug mehr aus den Bahnhöfen, die einlaufenden wurden zurückg.h'lten. Kur; nach 3 älhr ruhte Der g e f m t e St rahenbah verkehr. Der Streit m.chie sich sofort .m gesamten Vertehrs- leb.n empfindlich bcme lb r T '.us n e von Angestellten, Die gegen 3 iUjr in ihre Geschälte wollten, mußten den Weg zu Fuß zurücklegm und kamm infolgedessen zu spät. Das Hauptgeschäft m..chen infolge des Verkehrs, lr>iks die Kraftwagen und Droschken, die überreich in Anspruch genommen find. Im Laufe des Tages kam es d inn b i den in Darmstadt auf Der nl ssung d.s R ich.arbeitem nisters g - führten Verhandlungen zu einer Einigung. Lei von dem Schlichter für Hessen, Staatskom- missar Dr. Bernheim, gefällte Schiedsspruch ist von beiden Parteien angenommen worden. Die Arbeit wird morgen früh in der üblichen We se wieder au genommen. Maßregelungen aus Anlaß des Streiks finden nicht statt. Das Abkommen ist kündbar zum 30. 9. — Als heute vormittag das Auto der Heilanstalt sechs Kranke nach Cichberg bringen sollte, wurde es bei der Einfahrt in die Mequel- straße von einem Motorsahrer angerannt und beschädigt. Die geisteskranken Insassen des Autos benutzten den Augenblick und flohen, konnten aber nach längerer Iagd von rasch alarmierten Wärtern wieder erglffen und in Sicherheit gebracht werden. Der Motorfahrer brach bei dem Zusammenstoß ein Drin. Das Rad ging in Trümmer. — Von der Sodener Falsch münzerwerk st ätte aus wurden, wie jetzt feststeht, zahlreiche falsche E i n m a r k st ü ck e in Umlauf gesetzt, besonders in Höchst a. M, Frankfurt a. M. und anderen Rachbarorten. Als Verbreiter und auch mutmaßliche Hersteller des Geldes, das aus Blei mit einem leichten Aluminiumüberzug besteht, verhaftete man in Bad Soden bereits drei junge Burschen.
spd. Dillenburg, 19. Iuni. Sanitäts- rat Dr. Frick wollte mit seinem Auto zwischen Dillenburg und Oberscheld einem jungen Mädchen, das auf seinem Rade noch recht unsicher fuhr, ausweichen. Er verlor dabei die Gewalt über seinen Wagen und fuhr gegen einen Bau m. Dabei wurden er, feine Frau und die junge Radlerin nicht unerheblich verletzt.
GLanzleifiung eines Flugzeuges
fpd. Frankfurt a. M. 19. Iuni. Das von Frankfurt nach Zürich verkehrende P o st f l u g z e u g Der Aerollohd-Fluggesellschaft legte heute vormittag diese Strecke in zwei Stunden zurück. Eia Cisenbahnzug braucht zu dieser Strecke bei allerbesten Berbmdungsmog- lichkeiten neun Stunden.
Amtsgericht Gießen.
* Gießen, 16. Iuni. In Laasphe in Westfalen wurde vom Iahre 1913 ab eine Gerberei betrieben, an der u. a. auch zwei Gießener Geschäftsleute beteiligt waren. Der Geschäftsführer hatte verschiedene Erfindungen, bestehend in verbesserten Gerbverfahren, gemacht, die er 5um Patent hatte anmelden lassen, und von denen er eine an Die Gerberei abgetreten hatte. Die Weitervertretung der Patentanmeldung und Die Erwirkung der Auslandpatente war einem Herrn aus Gießen, dem heutigen Angellagten, übertragen worden. Im Frühjahr 1921 geriet Die Gerberei in Konkurs und die Konkursmasse wurde im Laufe des Verfahrens von dem Angellagten, der für seine Tätigkeit eine größere Forderung an sie hatte, erworben. Etwa zu dieser Zeit begann sich eine große Dank für die Erfindungen zu interessieren, und es kam unter ihrer Führung ein Konsortium zustande, das die Reugründung einer Gesellschaft zwecks eventuellen Erwerbs Der Erfindungen und Der Konkursmasse in Aussicht
nahm. Die Baick beauftragte einen Berliner Sachverständigen. den heutigen Pcivatlläger. mit Der Prüfung dieser Erfindungen und Der Erstattung eines Gutachters. Trotzdem dieses sich über Den Wert der Erfindungen sehr günstig aussvrach, kam es in Der Folgezeit aus verschiedenen Gründen nicht zur Gründung Der in Aussicht genommenen Gesellschaft, die Verhandlungen scheiterten vielmehr. Der Angeklagte, Der hierdurch in eine sehr unangenehme finanzielle Lage kam, schob dem Privatkläger Die Hauptschuld Daran zu und schrieb ihm einen Brief, in dem er ihm ein höchst fragwürdiges, ihm, dem Angellagten feindliches Verhalten, das keiner anständigen Gesinnung entspreche, vorwarf und behauptete, daß er. Der Privatkläger, Die Gegenseite in ihrem höchst hinterhältigen, sogar erpresserischen Vorgehen gegen ihn, Den Angeklagten, auf das lebhafteste unterstützt habe. Auch äußerte er sich dem obenerwähnten Geschäftsführer gegenüber mehrfach in äußerst beleidigender Weise über Den Privatkläger. Das Gericht hielt den Beweis Der Wahrheit nicht für erbracht und billigte auch Dem Angellagten Den Schutz Des § 193 StGB, nicht zu. weil es Die Absicht zu beleidigen für erwiesen hielt, verurteilte ihn vielmehr mit Rücksicht auf Die Erregung und die mißliche finanzielle Lage, in der er sich Damals besunDen hat, zu zwei Geldstrafen von j e f ü n-f u n d z w a n- zig Mark.
Große Straffammer Gießen.
*G i e ß e n, 16. Juni. Die beiden Einbrecher, Die in Der Nacht vom 6. auf 7. Januar bei Dr. I. in Der Alieestraße eingebrochen waren, hatten ver- chiedene Der gestohlenen Sachen dem Angeklagten W. von Gießen zum Weiterverkauf gebracht. Das Schöffengericht hate W. wegen Hehlerei zu einer, anstelle Der an sich verwirkten Gefängnis- irafe von 30 Tagen tretenden Geld ft rufe von 15 0 M k. verurteilt. Die Kammer hielt zwar den Angeklagten in hohem Maße für verdächtig der Hehlerei, erachtete ihn aber nicht für hinreichend überführt und sprach ihn deshalb frei. Sie legte dabei dem Urteil entscheidende Bedeutung bei, daß W. zur Ergreifung des einen Einbrechers mitgewirkt hat, was er wohl nicht getan hätte, wenn er ich schuldbewußt gefühlt hätte.
Der Polizeiwachtmeister N. war vom Schöf- engericht Gießen wegen Körperverletzung im Ami zu einer Geldstrafe von 150 M k., hilfsweise 15 Tage Gefängnis, und wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 30 M k., hilfsweise Drei Tage Gefängnis verurteilt worden. Außerdem war dem Beleidigten, dem Studenten P., Die Befugnis Zugesprochen worden, das wegen Beleidigung ergangene Urteil auf Kosten des Schuldigen öffentlich bekanntzumachen. Der Polizeiwachtmeister Kr., Der beschuldigt war, gemeinsam mit N. die Körperverletzung an dem Studenten K. begangen zu haben, war freigesprochen worden. Gegen dieses Urteil hatten Die Staatsanwaltschaft, Der Angeklagte N. und der Verletzte K., der sich als Neben- fläager angeschlossen hatte, Berufung eingelegt. Die Kammer erachtete in Uebereinftimmung mit der ersten Instanz folgenden Tatbestand für festgestellt: Die beiden Wachtmeister waren auf ihrem Patrouillengang nachts gegen 2 Uhr in der Kaiserallee, als sie in der Richtung Ludwigsplatz ruhestörenden Lärm wahrnahmen. Sie gingen deshalb nach dem Ludwigsplatz und bogen in die Gartenstraße ein. Hier sahen sie drei junge Leute, die sich an Der Ecke der Loge befanden, von Denen Der eine — es war Der Student P. — einem vorübergehenden Ehenaar in lautem Tone die Worte zurief: „Haben sie einen Paß?" Dies nahmen die Wachtmeister zur Veranlassung einzuschreiten, nach Ansicht des Gerichts zu Recht. Der Wachtmeister N. tat dies mit Worten, durch die er sich der Beleidigung schuldig machte. Der Student K. war inzwischen weiter gegangen, kehrte aber wieder um, als er merkte, daß es zu einer Auseinandersetzung kam, und erklärte, er wolle Zeuge sein. Der Angeklagte N. forderte nun K. auf, weiter zu gehen und, als K. dieser Aufforderung nicht nachkam, drückte N. ihn weg, versetzte ihm einen Stoß vor die Brust und gab ihm schließlich mit dem Gummiknüppel einen heftigen Schlag über den Kopf. Die Wachtmeister behaupten, K. habe die Amtshandlung gestört, indem er mehrfach laut zu seinem Kameraden gesagt habe, „Theo, Du gibst Deine Personalien nicht an". Das Gericht hält diese Behauptung Der Angeklagten für unwahr und ist der Ansicht, daß K. berechtigt war, den Vorgängen aus der Nähe beizuwohnen, und daß der Angeklagte N. sich einer Uederschreitung seiner Amtsbefugnisse schuldig machte, als er den Zeugen K. mit Gewalt und unter Anwendung der Waffe zurückdrängte. Der Angeklagte hatte auch keinen Grund anzunch- men, K. werde ihn angreifen, denn dieser hatte seinen Stock über dem linken Arm hängen. N. hat also nicht in Putativnotwehr gehandelt. Der Zeuge K. taumelte infolge des Schlages mit dem Gummiknüppel zurück und machte Dabei eine Bewegung, als ob er einen Halt suchte. Er nahm Dann Den» Stock in Die rechte Hand und schlug Damit dem Angeklagten N. über den Kops, daß dessen Mütze zu Boden fiel Dann lief K. fort. Der Angeklagte N. eilte hinter ihm her. K. kam auf Dem Bürgersteig zu Fall; er lag auf dem Rücken und hielt Den Stock fest. N. war über ihn gebeugt und schlug it dem Gummiknüppel auf ihn ein, um in Den Besitz des Stockes zu kommen Der Wachtmeister Kr. kam hinzu, und mit dessen Hilfe gelang es, Dem Zeugen K. den Stock zu entreißen. Die Kammer ist der Auffassung, daß der Angelagte N. keine Veranlassung hatte, mit dem Gummiknüppel zu schlagen. Der Zeuge K. lag auf dem Boden, er hatte durch seine Flucht zu erkennen gegeben, daß er den Kampf aufgegeben hatte, der Wachtmeister Kr. stand Dabei; es wäre für beide Angeklagte ein leichtes gewesen, Dem K. den Stock zu entreißen. Die Verordnung über den Waffengebrauch bestimmt, daß die Polizeibeamten erst bann von der Waffe Gebrauch machen dürfen, wenn alle anderen zur Verfügung stehenden Mittel versagen. Der Angeklagte hat daher auch hier seine Befugnisse überschritten und sich strafbar gemacht. Dem Angeklagten Kr. konnte nicht nachgewiesen werden, daß er sich an Dem Schlagen beteiligt hat; es blieb daher bei
Dem frei sprechenden Urteil. Zugunsten Des Angeklagten N. wurde berücksichtigt, daß er sich bisher tadellos geführt hat und daß er sich in der fraglichen Nacht offenbar nur in Der Erregung zu der groben lleberschreitung seiner Befugnisse hat hin- reißen lassen. Die ausgesprochenen Stra- f e n erschienen daher ausreichend. Die Bern- f u n g c n wurden daher sämtlich verworfen. — Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Cramer, Die Anklage vertrat Staatsanwalt Locher, Den Nebenkläger Rechtsanwalt Albrecht, die Verteidigung lag in Händen von Rechtsanwalt Dr. Sinzheimcr - Frankfurt.
Turnen, Sport und Spiel.
Vom ältesten Turnfest, dem Feldbergfest.
Von Max Sandkaulen - Berlin.
Zum 72. Male wird am morgigen Sonntag, 21. Juni, auf dem 5 e l b b ej g im Taunus das Felbbergfeft veranstaltet. Es ist dies bas älteste deutsche Turnfest, und seine Geschichte bietet recht interessante Einblicke in die Entwicklung des deutschen Turnens und seiner Feste.
Als im Jahre 1814 der Jahrestag der Schlacht von Leipzig festlich begangen werden sollte, war es E r n ft Moritz Arndk, der in rastloser Tätigkeit und mit warmem Feuereifer für die hehre Feier des 18. Oktober 1814 wirkte. Arndt, der in Frank- furt a. M. wohnte, übernahm die Organisation dieser yeler in Gemeinschaft mit Dr. Karl Hoffmann auf dem höchsten Berge des Taunus, dem Feldberg. Viele Taufende machten sich am 18. Oktober von Frankfurt und den umliegenden Ortschaften auf den Weg zum Feldberg, wo die Sänger und Turner den Hauptanteil an der Feier bestritten. Um 6 Uhr abends loderte ein mächtiges Feuer auf dem Gipfel des Berges empor, das für die ganze Rheinebene das Zeichen gleichen Tuns war. Ernst Moritz Arndt hielt um Mitternacht eine herzerhebenbe Rebe.
Für bie Folgezeit waren es wieder die Turner und Sänger, die in den Sommermonaten Fahrten nach dem Feldberg machten und unter Gesang und Turnspielen den Tag nutzten. Auch kleine Volks- efte wurden auf dem Gipfel des Feldbettes gehalten. Der Mangel eines Hauses auf dem Feldberg machte sich von Jahr zu Jahr immer mehr fühlbar. Aber es sollten noch Jahre vergehen, ehe dieser Wunsch erfüllt wurde. Der erste Aufruf hierzu er- chien im Jahre 1842. Zwei Jahre später kam man auf den Gedanken, durch Sammlungen in Serbin- Dung mit einem großen Volksfest die Mittel zu einem Hausbau zu erlangen. So wurde zum 1. Feldbergfest am 23. Juni 1844 eingeladen. In den Stunden der gemeinsamen Unterhaltungen brachten die Gesangvereine ihre Lieder zu Gehör unb bie Turner zeigten ihr Können im Ringen und Steinstoßen, owie Turnspiele. Wohl an 6000 Menschen waren bei diesem Feste zugegen, und der Ueberschuß betrug 192 Gulden. Im folgenden Jahre wurde das turnerische Programm durch Marschieren unb Laufen erweitert. Von biefem Zeitpunkt an übernahmen Die Turner bie Führung unb Ausgestaltung der Felbbergfeste, bie eine ständige Einrichtung wurden. Der Gedanke war immer noch die Beschaffung der Mittel für einen Hausbau auf Dem Feldberggipfel. Bereits vom 4. Feldbergfest, am 8. August 1847, berichtet die Chronik von Wettkämpfern unb Siegern, welche Gedenktafeln unb Die ersten Sieger kleine Ehrengeschenke, freiwillig gestiftet, erhielten. Gegen 80 Jünglinge, Männer reiferen Alters, jeden Standes, Turner unb fchlichte Canbleutc traten zum Wettkampf an. Der Wettlauf war 300 Schritt lang, der Stein wog j Ztr. Außerdem erprobten bie Kämpfer ihre Kräfte im Ringen. 1. Sieger im Wettlauf war Will). Linbenschmidt, Maler, Mainz, 1. Sieger im Steinstoßen Lehrer Heinr. Jung, Walsdorf b. Idstein. Genaue Ergebnisse sind erst vom 6. Feldbergfest (1849) an verzeichnet worden, wo drei junge Männer (Theodor Haenlein, Frankfurt, H. Brendel und Joh. Müller, Ar- noldshain) für Den Wettlauf über 300 rhein. ober preuß. Fuß 4 Setunben gebrauchten, während Anton Kempf aus Cronderg Den 1 Zentner schweren Stein aus Dem Stand 151 rhein. Fuß weit warf. Am 26. Juli 1859 wurde endlich der Grundstein zum Hausbau gelegt. Der eigentliche Zweck Des Festes war somit erfüllt. Aber die Feste hatten sich so eingebürgert, daß sie auch weiterhin gepflegt wurden unb in Der weiteren Folge zur größten Veranstaltung dieser Art emporwuchsen.
Für die Wettkämpfe wurden besondere Bestim- mungen im Jahre 1861 gegeben. Die Abschätzung geschah nach Punkten mit unbeschränkter Punktzahl. Freihochsprung, Hüfthöhe gleich 0, unb bei Freiweitsprung unb Steinstoßen doppelte Körperlänge; die Punktzahl wurde durch Verhältnis Der besten unb schlechtesten Sprünge im Verhältnis 10:0 ermittelt. Auch wurden bie Ergebnisse aller Leistungen der fünf Hebungen (Hoch- und Weitspringen, Stein- stoßen, Schwebegehen unb Wettlaufen) zusammen gewertet. Es trat somit an die Stelle des Einzel« kampscs der Mehrkampf. Einige Einzelergebnisse mögen als besondere Leistungen erwähnt werden: 1884 Freihochsprung 1.70 Meter, 1887 Weitsprung 6 20 Meter B. Gräser- Frankfurt a. 5)1.; 1890 Hochsprung 1,70 Meter Henz - Bornheim, Weit-
Heitmann'^ Entfärber
entfärbt farbige Stoffe
soweit, daß sie mit den seit Jahrzehnten bekannten und bestbewährten Heitmann’s Farben beliebig neu gefärbt werden können entfernt auch Flecken
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