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Feuer am NorSpol.

Technisch-politischer Roman aus der Gegenwart.

Von Karl-August von Lassert.

20. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

9hir eine kleine Einwendung darf ich machen", erklärte der Russe.Sollte es sich gelegentlich um direkt politische Fragen handeln, so mutz die Zu­stimmung jedes einzelnen von uns eingeholt wer­den. Diesen Vorbehalt hat sich meine Regierung ausbebungen."

Wir denken nicht an Politik!" rief Nagel.

Also sind wir mit dieser Einschränkung ein­verstanden", sagte Sanders.Ich danke Ihnen allen für Ihr Vertrauen und werde somit vom Augen­blick unserer Abfahrt an ein strenges, aber gerechtes Regiment führen."

11.

Der 9. Juli.

Schwalbe" undEtötzer" lagen bereit vor der Flugzeughalle. Man sieht ihnen die Spuren der anstrengenden Probefahrt, die sie weit in die som­merlich durchglühten Gesilde Sibiriens trug, nicht mehr an. Matt glänzen die stahlgrauen, rings ge­schlossenen Rümpfe in der grellen Morgensonne.

Stützer" steigt unter Gerlings Führung zu­erst auf. Mit i';m fahren Nagel und Stratoff, der sich vergebens bemüht hatten, bei Linda auf der Schwalbe" bleiben zu dürfen.

Leicht schwingt sich der graue Vogel nach kur­zem Anlauf in die Höhe, dreht nach Nordwest und nimmt Richtung Saratow.

Die Propeller derSchwalbe" rasen bereits. Liebhard sitzt in seinem Kommandoturm oberhalb der Kabinen, dessen Glasfenster freien Blick nach allen Seiten gewähren. Er gibt ein Signal mit der Sirene. Hallemannschaften lassen die Maschine los. Langsam fährt sie an, läuft, rast, hüpft und wiegt sich leicht schaukelnd in den Lüften.

Linda und Sanders sitzen in der vorderen Ka­bine unter dem Führerstande. Beide flogen bereits mehrfach und fühlen daher ohne besondere Erregung der Nerven die Erde unter sich versinken. Einen Blick noch schenken sie dem grauen Gewimmel der Holzhäuser Kalmikowskajas, sehen die neu entstan­denen hohen Schlote des Industrieviertels unter sich

raucyen und die Funkenstation mit ihren sechs Ma­sten der Antennen allmählich kleiner werden, bis zum Schluß nur das Sowjetschlotz Stratoffs als roter Punkt zurückbleibt.

Ein Kilometer vor ihnen liegt, dieSchwalbe". Es scheint, als wenn sie nicht weiter steigen, denn der bisher schiefliegende Boden der Kabine wird ge­rade. Sanders wirft einen Blick auf das Baro­meter, das eine Höhenskala enthält.

3000 Meter", sagt er.Jetzt vermag uns so leicht kein aus Argwohn oder in böser Ansicht ab­gefeuertes Geschoß mehr zu treffen."

Das Außenthermometer zeigt 10 Grad Kälte. Im Inneren des durch die Auspuffgase geheizten Flugzeuges herrscht behagliche Wärme.

Das Telephon läutet an. Sanders ergreift den Hörer.

Was gibt es?"

Herr Stratoff vomStößer" wünscht mit Herrn Sanders und der Frau Fürstin zu sprechen", meldete der Ingenieur, der die drahtlose Station bediente.Darf ich den Lautsprecher einstellen?"

Ja, ich bitte."

Hier Stratoff", tönte es aus der an der Decke der Kabine angebrachten Schallplatte.Ich wollte darauf aufmerksam machen, daß die alte, interes­sante Stadt Saratow in Sicht kommt."

Der große, breite Fluß ist doch die Wolga?" fragte Linda.

Es ist unser größter Strom, der hier, noch 700 Kilometer von seiner Mündung entfernt, fchon fünf Kilometer breit ist. Drüben am anderen Ufer liegt Saratow."

Linda und Sanders blickten nach vorn. Klein wie in einer Spielzeugschachtel lag die große Stadt, vom Wolgaufer her amphicheatralisch sich erhebend und rings mit einem Kranze grüner Gärten um­geben. Etwa 40 Türme mit dem bekannten Zwie­belmuster ragten empor.

Gibt es denn in diesem Flachlande richtige Serge?1' fragte Linda.

Das rechte Wolgaufer überhöht das andere um 200 Meter", antwortete Stratoff.Wir nehmen jetzt Richtung Moskau, das wir in etwa drei Stun­den erreichen. Bis dahin gibt es nicht viel Sehens­wertes. Ich empfehle daher der Frau Fürstin, sich etwas auszuruhen, denn der Tag wird noch an­strengend genug."

Jcy weroe Ihrem Rate folgen", jagte Linda. Dor Moskau bitte ich dann wieder um Ihren An­ruf, damit Sie mir Ihre Hauptstadt zeigen können."

Der Fernsprecher wurde ausgeschaltet.

Bis zu welcher Entfernung kann man sich denn eigentlich telephonisch verständigen?" fragte Linda.

Leider nur etwa sieben Kilometer", sagte San­ders.Unsere kleine Funkenstation besitzt keine grö­ßere Reichweite für Sprechverbindung. Deshalb bleiben auch die beiden Flugzeuge immer möglichst dicht beieinander. Telegrapisch aber, also durch im Telephonhörer laut werdende Morsezeichen, ver­mögen wir uns bis auf 200 Kilometer zu verstän­digen, während wir die Zeichen der Großstationen, also die von Nauen, Eiffel, ja sogar die von Say- ville in Amerika, noch aufnehmen können."

Das geht über mein Fassungsvermögen", sagte Linda.

Wollen Sie jetzt nicht wirklich etwas ruhen?" fragte Sanders.

Zuvor möchte ich einen Rundgang durch den ganzen Rumpf machen. Ich muß doch auf das ge­naueste mit allen feinen Einrichtungen bekannt fein."

Sie traten auf den schmalen Gang, der bis ans Ende des Fahrzeuges ging und elektrisch be­leuchtet war. Die erste Tür links führte in Lindas kleine Schlafkabine. Gegenüber lag eine gleich große, die Sanders bewohnte. Linda warf einen Blick hinein. Die Kammer hatte die Ausmessungen eines großen Schlafabteils der Eisenbahnen. Ein Bett, ein Schrank, ein Waschtisch, ein Stuhl und ein Ausziehtisch. Das Gepäck auf Borten über dem Bett. Ein rundes, großes Fenster ließ volles Licht herein.

Die zweite Kabine links war erheblich größer. Sie enthielt vier Betten, zu zweit übereinander, einen Tisch, ein Sofa und zwei Stühle. Der Schlas- und Wohnraum der Ingenieure.

Zwei der jungen Männer lagen angezogen in ihren Kojen. Nagel hatte strengen Befehl gegeben, daß die dienstfreie Zeit zur Schonung der Kräfte dem Schlaf oder wenigstens der völligen Ruhe ge­widmet fein müsse.

Die nächste kleinere Kabine enthielt die Funken­station. Der diensttuende Ingenieur saß vor einem Tische, auf dem sich ein Schaltbrett befand. Den Hörer trug er am Kopf befestigt.

Als «anders und Linda eintraten, nahm er den Hörer ob und meldete:

Nichts Neues von Bedeutung.Stößer" fliegt tadellos, fo daß wir fast mit voller Tourenzahl folgen müssen."

Ist das der ganze Funkenapparat?" fragte Linda und zeigte auf den Schalttisch.

Der junge Ingenieur erklärte:

Die eigentlichen Maschinen befinden sich un­ter uns in einem möglichst schallsicher abgedämpften Raume, werden aber von hier aus bedient. Sie bestehen vor allem aus einer Hochfrequenzmaschine, die durch eine Kuppelung mit dem Flugzeugmotor zu rasend schnellen Umläufen gezwungen wird, während ein großer Unterbrechungshammer in schweren Schlägen arbeitet."

Läuft diese Maschine fortwährend?" fragte Linda.

Sie wird erst in dem Augenblick von mir ein­geschaltet, wenn wir von hier aus sprechen wollen Zum Auffange^ der vomStößer" ober irgendeiner anderen Station kommenden Sprechtöne oder, bei größerer Entfernung, der Rhythm»!! des Morse­alphabets gebrauchen wir die Hochfrequenz­maschine nicht. Dazu dient lediglich eine Anord­nung von Drähten, die sogenannte Antenne, die sich draußen oberhalb der Tragflächen des Flugzeuges befindet."

Ein Klingelzeichen sowie ein gleichzeitiges Aul flammen einer kleinen Glühlampe am Schalttisch unterbrach seine weiteren Erklärungen. Sofort hing er den Hörer wieder um.

Ich verbinde", sagte er.

Zwei Stöpsel wurden eingeschaltet, ein f)ebek herumgelegt. Dumpfes Pochen ertönte von unter her.

Liebhard wünscht mit demStoßer" zu spre­chen", erklärte er.Ich schaltete daher die Hochfre­quenzmaschine ein. Das pochende Geräusch kommt von dem Unterbrechungshammer."

Kann ich mithoren?" fragte Sanders.

Jawohl", sagte der Ingenieur und reichte Sanders einen Hörer.

Ich möchte auch mithören", sagte Linda.

Auch sie erhielt einen Hörer.

(Fortsetzung folgt.)

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MWtn, Im Lager eines bekannten russischen Generals, wo an den Abenden ringsherum die alten russischen Lieder der Land­straße, der Ströme, der Wälder, der Kirchen und Dörfer ge­sungen wurden, ging ein kleiner Offizier von Grnvve zu Gruppe und bürte zu, und eS fiel ibm ein, sich die besten Sänger herauszusuchen, sich verschollene Lieder ausztischreiben und einen Chor von sünfunddreißlg zu bilden und diese in freien Stunden nicht auf Pferde, Maschinengewehre und Patrouillen emzuererzieren, sondern auf die Kunst des Ge­sanges. Diese sünsunddreißig Männer waten zum großen Teil Offiziere, beinahe alle hatten den großen Krieg mit­gemacht, viele von Ihnen waren mehrmals verwundet. Sie hatten wohl genug von Schlacht und Gefecht, Marschieren und Töten, so kam es, daß die freien Stunden immer zahl­reicher wurden, und als die Nachkriegsarmee zerfiel, blieben ne zusammen und wanderten unter dem kleinen Offizier als Emigranten nach Sofia. Dort begann die große Zeit für sie. Zwei Iahte lang fangeri sie in der russischen Kirche und hatten die Waffen vergessen. Sie waren nicht mehr das lotlbe Stück einer Schwadton, der Fetzen einer Kom­pagnie. Zwei Jahre lang fangen sie und ganz Sofia ging in die russische Kirche, die Soldaten zu hüten. Und von den fremden Gesandtschaften dort bekam der kleine Offizier zu hören, wie schön der Chor geworden sei und es sei an der Zeil, auf die Wanderschaft zu gehen mit ihren alten Liedern. So reiften sie fort, und nun haben sie in vielen Städten auf dem Podium gestanden, die iünsunddrelßig schwarzen Uni­formen, und der kleine Offizier hat nickt den Säbel ge­schwungen, sondern in den kleinen Fäusten die Stimmgabel. Unbeweglich, die Hände auf dem Rücken, die einfachen gläu­bigen Geitchter, so fingen sie durch Europa, fünfunddreißig Soldaten, es ist einer der schönsten Feldzüge, die gemacht wurden.'.Berliner Tageblatt.) Einmaliges Konzert am 25. Abril, <*/o Ubr, in der Neuen Aula der Univerfitäl. Karten zu Mk. 5.50, 4.40, 3.30 und 2.20 (Stehplatz) bei

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