flr. 9( Erster Blatt
V5. Jahrgang
Montag, 2u. April 1925
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General-Anzeiger für Oberheffen
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sämtlich in Gießen.
Vie lommunistifche Offensive.
Sine Welle von Blut geht feit einem halben Jahr schon über Bulgarien. Die Morde Hausen sich, seit der Führer der Mazedonier von politischen Gegnern erschossen wurde, und fast scheint c* so, alS ob die Methode der Blut- rache die Grundlage der bulgarischen Politik lverden sollte. Ader es ist leider noch m e h r. Welche abgrundtiefe Gemeinheit liegt darin, daß ein bekannter Abgeordneter ermordet wird, nur um daS ganze führende Bulgarien zur Trauerfeier in die Kirche zu bekommen und dann in der Kirche eine Höllenmaschine loszulassen, mit deren Hilse alles, was Träger des gegenwärtigen Staatssystems ist, mit einem Schlage zu vernichten. Ein Plan von einer solchen Infamie, von solcher teuflischen Rieder- iracht kann nur in den Gehirnen der Moskauer Bolschewisten entstanden fein, und deshalb ist auch kein Zweifel darüber möglich, daß alles, was Bulgarien jetzt durchzumachen hat, von den Lieberfällen auf den König an, die zunächst als das Räuberstück kühner Wegelagerer dargestellt wurden, bis zu diesem Massenmord in einer Kirche, ein wohlüberlegter Plan ist. der von Moskau aus befohlen wurde, um die Brandfackel nach Bulgarien hineinzu- werfen und van da aus den ganzen Balkan in Unruhe zu stürzen.
Schulbeispiele dafür haben wir ja int eigenen Lande gehabt. Es ist knapp drei Jahre her, als in Berlin an der Siegessäule eine Höllen- maschiite gefunden wurde und unschädlich gemacht werden konnte, bevor sie losging, als auch ähnliche il nternehmungen gegen Gerichte und Kirchen geplant waren, die als Einleitung für einen neuen kommunistischen Putsch dienen sollten.
Bei uns ist der Stoß aufgefangen. Daß die kommunistische Gefahr noch leineswegs vorüber ist. lehrt uns mit erschreckender Deutlichkeit der Leipziger T s ch c k a - P r o z e h. der trotz aller Sabotageversuche findiger Anwälte jetzt sich seinem Ende nähert und uns gezeigt hat, wie stark die Unterstromungen im eigenen Lande noch sind.
Aber die Kommunisten werden doch wohl die Zuversicht aufgegeben haben, daß sie auf dem Wege über Deutschland in absehbarer Zeit den grvszen Stoß nach Westen vornehmen oder bei uns auch nur Erfolge erzielen können, die imstande wären, die europäischen Staatsformen zu unterwühlen. Sie suchen sich daher andere Dege. Sie wühlen in E h i n a, sie wühlen in Italien und in Kleinasien. Indessen, die Zeit, die vergehen muß, um diese Umtriebe zur Auswirkung zu bringen, dauert ihnen $u lange, und so ist es eigentlich ganz naturgemäß, daß sie ihre Hauptaufmerksamleit auf den Balkan gerichtet haben, als auf denjenigen Teil Europas, der ihrer Agitation den geringsten Widerstand bieten kann, wo ihnen also die Erfolge sozialpolitisch und nationalpolikisch am raschesten reif werden. Und ebenso selbstverständlich ist es, daß sie wieder in Bulgarien die Ernte zuerst in die Scheune bringen wollen, Bulgarien war der Bundesgenosse Deutschlands, hat also nach der Methode der Sieger schwer zahlen müssen.
Denn das ist das eigentliche Geheimnis der Höllenmaschine von Sofia, daß ihre Konstruktion zurückgeht auf den Abschluß des Weltkrieges, und daß die eigentlichenDerantwortlichen dafür alle die sind, die in brutaler Ausnutzung ihres Sieges Recht und Gerechtigkeit mit Füßen treten. Bulgarien hat das erfahren müssen. Das unglückliche Land kennt seit fast einem Jahrzehnt den Frieden nicht mehr, es hat erst gegen die Türken, dann gegen die Serben und Rumänen um feine nationale Existenzberechtigung kämpfen müssen, trat dann auf die Seite Deutschlands, um sich die Luft zum Leben zu sichern und. nachdem es zusammenbrach, glaubte jeder, ihm noch einige Fußtritte geben zu können. Kein Bulgare erkennt die Lösung des mazedonischen Problems, wie sie in Paris gefunden wurde, als richtig an. dazu ist das Land überschwemmt von Hunderttausenden von Maze» donierNüchtlingen. die nicht allein den Staatssäckel belasten, sondern auch Haß und Rot in das kleinste Dorf fragen, durch ihr Dasein allein die Möglichkeit eines Rational bolschewis- mus gerade vorbereiten helfen, wo ohnehin schon der Agrar-Kommunismus Etambu- l i n s k i s. der bis zum Umstürze durch Zankow rücksichtslos die Städte majoris'erte. in seinen Ursachen noch keineswegs überwunden ist.
Rationale Unzufriedenheit. allgemeine Der- ärgerung und gewaltiger Steuerdruck vereinigen sich also hier, um eine Gärung zu schaffen, d'e von den Russen geschickt ausgenutzt wurde, nicht nur, damit der Funke von hier aus nach Griechenland und Altserbien überspringen sollte, sondern auch, um Rumänien im Rücken zu fassen, das durch die Eroberung Bessarabiens der schlimmste Feind auch des heutigen Rußlands ist. Riemand kann sagen, wie die Dinge weitergehen. Möglich, daß die bulgarische Regierung noch stark genug ist, um der Bewegung Herr zu werden. Aber sie wird auf einem Pulverfaß sitzen bleiben, so lange, bis der Grund zur Unzufriedenheit dem bulgarischen Bolle genommen ist, und der kann ihm nur genommen werden. wenn die Pariser Machthaber sich entschließen, auch da das Unrecht von 1918 wieder gutzumachen und das Selbst best im- mungsrecht der Völker-, für das sie angeblich Krieg führten, auch zugunsten der Besieg t e n. des Weltkrieges gelten zu lassen.
Gespannte Lage in Sofia.
Belgrad. 18. April. (TU.) Es steht nunmehr fest, daß das Attentat in Sofia gegen hon König gerichtet war. Zur Lrichen-
Hindenburg spricht.
Des Feldmarschalls Programmrede in Hannover.
Hannover, 19. April. (TU.) Die Versammlung in den Gesellschaftsräumen der Stadthalle, wo Hindenburg seine Kandidatenrede hielt, war aus allen Teilen DeutsOandS stark besucht. Unter den Anwesenden bemerkte man den früheren Reichskanzler Cuno, den früheren Reichsminister H e i n h e, den bayerischen Justizminister G ü r t n c r, Reichsinnenminister Dr. Schiele, Dr. von Richter, Exzellenz W a t J- raf, Staatssekretär a. D. Kempkes, General v o n S ch o ch - München. Admiral D o n c d) r n - der, Reichstagsabgeordneten Dr. Schulz- Dromberg und viele Vertreter von Dehörderr und des Wirtschaftslebens, Staatsminister a. D. von Loebell begrüßte den Generalfeldmarschall mit Dankesworten für das große Opfer, das er durch die Annahme der Kandidatur dein Daterlande bringen wolle. Dies fei ein Beweis für das hohe Pflichtgefühl uno die große Vaterlandsliebe, die den Feldmarscholl beseele. Dos ganze deutsche Volk werde ihm Dank wissen, daß er seine ganze Kraft in den Dien st der Einigung des deutsche p Vaterlandes stellen wolle. Der Rome Hindenburg kennzeichne eine Führung des deutschen Volkes auf friedlicher Bahn. Der Gedanke der Ueberparteilichkeit habe sich durch die Aufstellung Hindenburgs durchgeseht. Der Redner wies die Vertreter der ausländischen Presse besonders auf die Märchenerzählungen hin, die seit Aufstellung der Kandidatur Hindenburgs verbreitet würden und kennzeichnete diese Wahlmanöver der Gegner als Lug und Trug. Der Rame Hindenburg werde dem deutschen Vaterland Ruhe verbürgen und ganz Europa den Frieden bringen. (Starker Beifall.)
Darauf erhob sich
Generalfeldniarschatt von Hindenburg
und entwictelte in längerer Rede fein Programm.
Meine sehr verehrten Herren! Dieses gesellige Zusammensein hat für das deutsche Volk für Sie als politische Führer und auch für mich vielleicht eine tiefe Bedeutung. Sie haben sich heute abend hier versammelt, um mit mir die politische Lage und die politischen Ziele des Reichsblocks zu besprechen. Wir wollen uns hierbei nicht durch Angriffe unserer Gegner stören lassen. Mich lassen jedenfalls persönliche Angriffe, auch die gehässigster Art. kalt, denn ich baue auf das Gerechtigkeitsgefühl meiner Landsleute. 1
Hier sind heute die Vertreter von Parteien und politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Verbänden sowie von deutschen und ausländischen Zeitungen versammelt. Die Tatsache, daß sich Parteien und Verbände, die nicht in allen Zielen der täglichen Kleinarbeit übereinstimmen, zu gemeinsamem Wirken zusammengefunden und die natürlichen Gegensätze zum Schweigen gebracht haben, i.st mir ein Beweis dafür, daß es in Deutschland wieder vorwärts geht. Deutschland hot in schweren Stunden bewiesen, was es durch Einigkeit zu erreichen vermag. Mir ist das Glück besch.eden getoefen, mit einem einigen Volk den Feind von unseren Grenzen sern zu halten. Dieser großen Zeit deutscher Geschichte sind schwere Jahre gefolgt. Wir haben die ganz«; Last eines unglücklichen Kriegsausganges und eines unseligen Umsturzes auf uns nehmen müssen. Es ist dabei leider auch vieles von dem Einigkeitswillen bei uns verloren gegangen.
Das Schönste meines Lebens wäre eS daher, wenn ich noch sehen dürste, daß wir uns wieder mit gleicher Einigkeit in friedlicher Arbeit am Wiederaufbau zusammenfinden, die uns einst beseelt hat.
Ich bitte die hier so zahlreich erschienenen Vertreter der ausländischen Presse, die Bedeutung des Willens zur Einigkeit, der nichts mit Partei- Politik zu tun hat, sondern dem gesunden Rationalgefühl des deutschen Dolles entspringt. nicht gering achten. Der Reich Zblock hat nun geglaubt, dem Gedan'en der Überpart filichen Einigkeit bei der Wahl eines deutschen Reichs
feier Georgiews war unter der Hauptkuppel der Kathedrale ein Thron aufgestellt worden, auf dem der König hätte Platz nehmen sollen. Die Teilnahme des Monarchen an der Leichenfeier wurde erst im letzten Augenblick abgesagt. Dafür erhielt der Chef des Generalstabes Dawidow den Auftrag, in Vertretung des Herrschers bei der Trauerfeier zu erscheinen. Die Bombe war knapp oberhalb des Thronsessels angebracht, der durch die Explosion
in tausend Stücke zerrissen
wurde. Der davor stehende General Dawidow wurde Aur Unkenntlichkeit z er st ü ckel t.
.lieber das Attentat erfährt die Telegraphen- ilnion von der Berliner Bulgarischen Gesandtschaft, daß sich unter den Toten der Polizeipräfekt von Sofia, vom Kriegsministerium die Generale der Reserve Raide- n o f f und R o r e s o f beide frühere Kriegsminister und die Generäle Dodoff und Popo f f. unter den Abgeordneten Oberst der Reserve R a t s ch e f f. ein Vertrauensmann der Regierung, Letarski, Komuscheff, der frühere Gesandte in Konstantiiwpel und Z a n o f f befin= tw Auch PrjvatfekÄär d-sö Mmisterpräsi--
präsidenten dadurch am besten dienen zu können, daß er mir für den zweiten Wahlgang die Kandidatur antrug. Ich habe zunächst schwere persönliche Bedenken gehabt und ich b.dauere es nicht, daß darüber auch die Oefsentlichkeit unterrichtet worden ist. Der Appell an mein Pflichtgefühl hat diese Bedenken überwunden. Erleichtert wurde mir diese schwere Entscheidung nicht zuletzt dadurch, daß der von mir hochgeschätzte Kandidat des ersten Wahlganges, Herr Dr. Jarres, mich auch um dieses Opfer bat. Seine lautere Persönlichkeit und feine hingebungsvolle Akbeit haben ebenso wie fein staatsmännisches Programm starken Eindruck im deutschen Voll beruorgerufen. Rachdem ich einmal die Kandidatur übernommen habe, ist es mein Wille, mich während des Wahlkampfes an der politischen Arbeit des Reichsblocks in der mir angemessen erscheinenden Weise zu beteiligen und für den Fall meiner Wahl meine ganze Kraft für das Wohl Deutschlands einzusetzen.
Ich würde auch als Reichspräsident nur die Pflicht kennen, auf den einmal gegebenen Grundlagen der Verfassung und der heutigen Stellung Deutschlands in der Welt das Beste für mein Vaterland zu erstreben. Rücksichten auf irgendwelche Parteien oder unberechtigte Sonderinteressen würde ich dabei nicht kennen.
Anders darf auch der Staat nicht denken. Seine vornehmste Aufgabe muß cs immer bleiben, das Wohl derjenigen Volkskreise immer im Auge zu behalten, die am schwersten unter der Rot der Zeit leiden. Jeder Arbeit muh der gerechte Lohn wer den. Wenn Sorgen und Lasten gerecht auf alle Schultern verteilt sind, wird sich hierauf gegenseitiges Vertrauen auf bauen. Rur so können wir zum sozialen Frieden gelangen. Bei einem Teil unserer politischen Parteien spielt die Auffassung eine verhängnisvolle Rolle, daß nur unbedingte Anhänger des eigenen Parteiprogramms oder wenigstens der in den Revolutionsstürmen geschaffenen Parteikoalition das Recht haben, am Staat mitzuarbeiten. Als ruhiger Beobachter der politischen Entwicklung der letzten Jahre habe ich geglaubt, immer wieder eine falsche Auffassung vom Wesen und von der Bedeutung der politischen Parteien im parlamentarisch regierten Staat feststellen zu müssen. Diese führte dazu, das an sich schon zur Zwietracht neigen b e deutsche Volk noch weiter zu verwirren. Weite Kreise streben aber nach großen gemeinsamen Zielen. Darum scheint mir der Reichsblock, der diesem Gedanken dienen will, die Forderung des Tages richtig erkannt zu haben. Erwarten Sie also, meine sehr verehrten Herren, nicht von mir das Programm eines Parteimannes, der sich mit politischen Fragen auseincnrdersetzt.
Weit wichtiger ist die Aufgabe, dem deutschen Volke wieder die Grundlagen wirtschaftlicher und politischer Lebensfähigkeit zu schaffen. Ohne die Wiederherstellung des deutschen Ansehens in der Welt ist dieses Ziel nicht zu erreichen. Ansehen in der Welt wird jedoch nur gewinnen, wer sich selbst und sein Volk achtet. Vertrauen wird nur gewinnen, wer sich selbst vertraut. Es wird noch langer und schwerer Arbeit bedürfen, ehe unser ganzes Volk wieder zum Bewußtsein des höchsten Wertes einer Ration so erwacht ist. daß dieses Bewußtsein sich auch im täglichen wie im öffentlichen Leben durchsetzen kann. Das aber erscheint mir der sicherste Weg. um uns vor so beklagenswerten Erscheinungen zu schützen, wie sie die letzten Monate brachten. Sie waren in hohem Maße geeignet, den Glauben an deutsche Ehrlichkeit und Treue zu erschüttern. Wir haben heute die Pflicht, unser gesamtes öffentliches Leben und unsere praktischen politischen Ziele so einzustellen, daß unser aufrichtiges Streben nach friedlicher Orientierung unfereö Vaterlandes und friedlicher Mitarbeit am Fortschritt der Welt sich durchsetzen kann. Hierin
beuten und ber Oberbürgermeister von Sofia zählen zu den Toten.
Die Reihe ber Attentate ist auf
ein planmäßiges bolschewistisches Vorgehen zurükzuführcn. Das die bolschewistische Organisation im Lande stellenweise bereits Erfolge erzielt hat ist nicht ausgeschlossen. Amtliche Meldungen darüber liegen aber noch nicht vor.
Die Einsahrtsstrahen und sonstigen Ausgänge von Sofia werden durch die Truppen der Miliz bewacht. Streifen halten alle Vorübergehenden an und verlangen Rachweise. Der Verkehr dort nut zwischen 5 Uhr früh und 8 Uhr abends ftattfinben. Die Amtsgebäude und die Wohnungen bei Minister werden durch Polizei bewacht. Die in der Provinz stehenden Truppenteile werden nach der Hauptstadt zusammengezogen, und die Sofioter Garnison geht an die West grenze, ang blich um das lieberschreiten der Grm;e durch die in Jugoslawien befindlichen Em grauten zu verhindern.
Der Glöckner ber Kathedrale ist unter dem Verdacht der Mittäterschaft verhaftet worden.
Die Stadt steht noch immer unter dem schmerzlichen Eindruck des furchtbaren Attentats; iebod) wird bas öffentliche Leben wieder normal
liegt eine wichtige Grundlage deutscher Außenpolitik. Richts kann diesen friedlichen Zielen mehr schaden als das verlogene Geschrei von einer drohen den militaristischen Reaktion in Deutschland, die sich in meiner Kan bitatur angeblich ausprägen soll.
Ich glaube gern, daß Herr Marx diesem höchst verwerflichen deinagogrschen Treiben seiner Anhänger persönlich fein stehl. Ich muß aber mit allem Ernst auf die große Gefahr hrn- tocifcn, die eine so verantwortungslote Wahlpropagauda für das ganze deutsche Volk bedeutet. Ich betone mit aller Deutlichkeit, daß ich nichts anderes erstrebe alS was die Gegner meiner Kandidatur für sich allein in Anspruch nehmen, nämlich dem deutscher Volke i n voller Souveränität uni in voller Freiheit seinen Platz nute: den andern Völkern zu sichern. Um biet zu erreichen, muß aber baldigst die schwere Anschuldigung unserer Verantwortung für den Weltkrieg fallen. Das find die Gedanken, die mich leiten und darum werden Sie mir glauben wenn ich Ihnen versichere, daß
all das Geschwätz von versaffungSwidrigem Dor« gehen, daS ich beabsichtigen soll, von sogenannten reaktionären und sonstigen gefährlichen Destre- bungen Unsinn ist. Ich bin gewohnt, meine Pflicht zu tun und würde daher, wenn das deutsche Volk mir das große Vertrauen schenken sollte, mich zu seinem Präsidenten zu wählen, unbeirrt durch Tag-smeinungen und persönlich« Angriffe, mit Sachlichkeit dahin wirken, daß unserm Vaterland, daS wir In feinem llnglüd um so heißer lieben müssen, eine glücklicher« Zukunft beschieden sein möge. Wird diese- Ziel erreicht, so wäre das der schönste Dank an all die Helden, die einst im festen Glauben an Deutschlands Größe ihr Leben Hingaben oder ihre
Gesundheit opferten.
Die Rede des Feldmarschalls selbst war fast ununterbrochen von Beifall begleitet, der überall da stürmischen Charakter an- nahm, wo die Einigkeit des deutschen Volkes im Kriege und in der Zukunft sowie von der Rotwendigkeit, das deutsche Ansehen wiederher zustellen und das deutsche Doll von der schweren Anschuldigung der Verantwortung für den Weltkrieg zu entlasten, die Rede war. Aber auch die Stellen, in denen der Feldrnarschall betonte, daß er seine Ziele auf verfassungsmäßigen. Wege erreichen wolle, wurden mit starkem Beifall aufgenommen. Alsdann gaben die an wesen den Vertreter der Parteien und Verbände. bU im Reichsblock vereinigt finb. besondere Erklärungen zur Kandidatur Hindcnburgs ab. Für die Deutschnationale Dollspartei sprach Dr. Wink- I e r den Dank und das Treugelöbnis der Partei aus. Für die Deutsche Volkspartei nahm Dr v. Richter das Wort, um besonders zu betonen. daß der Rame Hindenburg drs Fanal deutscher Treue und Pflichterfüllung sei. Für die Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes sprach Herr Drewitz, um zu betonen, daß Hindenburg das h iliglte Kle nod des deutschen Dolles sei. Der deutsche Mittelstand fei felsenfest davon überzeugt, daß der Ehrenmeister des deutschen Hand- we rks den Mittelstand wieder zu der Stelle verhelfen werde, auf die er einst so stolz gewesen sei. Für die BayerifcheDolks- Partei sprach der Abgeordnete Leibl begeisterte Wirte. die starken Beifall auslösten Für den Reichslandbund betonte Herr von Goldacker das Treugelöbnis des deutschen Landvolkes. Für die vaterländischen Derbände Lnahm Admiral von Schröder das Wort Jedem einzelnen der Sprecher reichte Hinden- burg die Hand. Alsdann nahm der Feldmar- schall noch einmal das Wort zu folgender kur- 8en Ansprache:
Ich möchte nun noch einmal meinen aller» herzlichsten Dank dafür zum Ausdruck bringen, was mir an Liebe entgegengetragen worden ist. In meiner Rede, die ich vorhin gehalten habe, ist klar zum Ausdruck gebracht, was uns not t u t und wohin wir kommen möchten. Darum
Die Beisetzung der Opfer erfolgt auf Staatskosten Die meisten werden in eitern Massengrab beerdigt. Im ganzen Land? arbeiten Telegraph und Eilenbahn wie gewöhnlich. Reue Verhaftungen und Haussuchungen führten zu wichtigen Entdeckung-n die im Interesse der Untersuchung geheimg chatten werden. In den Dierteln, wo gestern wegen der polizeilichen Untersuchungen der Verkehr einige Zeit unterbrochen war. find bedauerlich? Zwischenfälle zu verz-ichnen. In einer Unterreduna mit Qk-tr<,tem verschiedener politischer Parteien besprach Krieos- minifler Wulkoff die Lage und bat um die Unterstützung aller, was bereitwillig ve-fp-ochen wurde Die Sozialdemokratische Partei richtete einen Aufruf an das Doll, in dem es heißt, daß. so schwer die durch die verruchte Tat auferlegten Opfer und so groß der Schmerz der heimgesuchten Famifien auch fe en die Gefahr nicht vergessen werden s Ile die dem unglücklichen Land drohe. Der 21 fmf schli ßt mit den Worten: Bleiben wir faltblütia und b wahren wir untere Se b''beherrschung Stellen wir das Blutvergießen und di? gegenfe tige Der» nichtung ein! Zum Zeichen der Trauer wurden alle Sportveranstaltungen die für die OÜertage geplant waren, ghhestellr


