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Nr. 220 Drittes Blatt
Samstag, 9. September 1925
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhrffen)
Deutschland und der Zerne Osten.
Don Otto Cvrbach.
Daß Die Flieger Hihoshi 211 o und Ä a t- f u!o Kawachi, die Ende Juli bei Tokio unter t>en Danzairusen Hunderttausander wm ersten japanischen Fluge nach Europa aussnegen. über WoSkau glücklich Berlin erreichten, um nach etlichen Tagen ihre Fahrt über PariS nach London fortzuschen, bedeutet gewiß heute schon keine ungewöhnliche sportliche Leistung mehr, nachdem europäische und amerikanische Flugzeuge schon mehrfach die ostasiatischen Länder besucht und einige sogar die Erde umkreist 6oben. Die Eroberung der Lust macht immer raschere Fort» schritte, und eB kann nicht allzulange mehr dauern, bis regelmäßige Luftverkehrslinien alle Hauptstädte der Welt verbinden. Immerhin zeugt der Europa-Flug, den eines der größten japanischen ZeitungSunternehmungen. die Ofafaer 2lfahe Echimbun. veranstaltete, beredt von den erfolg- verheißenden Anstrengungen deS fernöstlichen In- selreicheS. auch in der Lusttechnik nicht hinter westlichen Nationen zurückzustehen.
DaS deutsche Volk hat aber auch, abgesehen von dieser anerkennens werten sportlichen Leistung. allen Grund, die japanischen Gaste freudig -u begrüßen. In einem Augenblick, wo wir eher mit beklommenem Herzen, als in froher Erwartung unsere Verantwortlichen Staatsmänner sich anschicken sehen, mit den Weltmächten einen .Sicherheitspakt" abzuschließen, und so mehr be- als entlastet in den Dölkerbund ein- autreten, ist es wohltuend, daran erinnert zu werden, daß Die Völker des Fernen Ostens unter ähnlichen außenpolitischen Drangsalen zu leiden haben wie wir. Das Washingtoneo AbrüstungSabk v m m e n wurde in Japan fast so sehr als ein Diktat feindlicher Machte empfunden wie der Versailler Fri<Lensvertrag in Deutschland. Die Finanz- und Handelspolitik der angelsächsischen Mächte verstand es seitdem, Japan auf den überseeischen Märkten, wo es während des Krieges großen Spielraum gewonnen hatte, wieder viel Wind aus den Segeln zu nehmen, und die brüske Form, in der Die Regierung der Vereinigten Staaten Japaner von der Einwanderung gesetzlich ausschloß, unterzog das Ehrgefühl des japanischen Volkes einer Belastungsprobe, wie sie seit dem Frieden von Schimonoseki noch nicht wieder durchgemacht hatte. Der Stachel, den sie zurückließ, wurde zur stärksten Triebfeder, die Die maßgebenden Kreise in Japan beim Abschluß eines Abkommens mit Sowjet-Rußland die Furcht vor den .gefährlichen Gedanken" überwinden ließ, die mit den aus Sibirien und von der Insel Sachalin zurückgezogenen Truppen in das Sonnenaufgangsland dnfeßrten und seitdem die Massen der Industriearbeiter und armen Bauern dort immer stärker revolutionär erregen.
Parallel zu diesen Vorgängen verlief die Wandlung, die sich in der Stimmung, des chinesischen Volkes gegenüber denselben Mächten vollzog, die es damals in den Krieg gegen Deutschlands Ijmeinyrrtc. Die Wechsel, die dem chinesischen Streben nach unabhängiger Entwicklung auf der Washingtoner Abrüstungskonferenz ausgestellt wurden, um die japanfeindliche Erregung zu nähren, die sich bei dem Chinesen infolge der während des Krieges aufgestellten 21 Forderungen Japans entwickelt hatte, bleiben uneingelöst: die Gegensätze zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Fremden in China verschärften sich in dem Maße, wie fremdes Kapital und fremde Profitgier in den VertragShäfen einen modernen Industrialismus üppig ins Kraut schießen ließen. In Schanghai sind 17 Prozent der in englischen, 15.9 Prozent der in amerikanischen. 46 Prozent der in italienischen und 47 Prozent der in französischen Fabriken beschäftigten 2lrbeiter Kinder unter 12 Jahren. und von 85 862 Arbeitern über 12 Jahren, die in Fabriken beschäftigt sind, die Fremden gehören, sind 70 Prozent Frauen. Don den 1 740 556 Daumwollspindeln Schanghais gehören 967 432 englischen und japanischen Unternehmern. Es ist nun außerordentlich bezeichnend, daß. wählend zu den noch andauernden Streikunruhen in
China die Tötung eines in einer japanischen Baumwollspinnerei arbeitenden Chinesen den An- toß gab. die Bewegung sich schließlich aus- chließlich gegen Europäer undAmerikaner, vor allem gegen die Engländer richtete. So geschickt hatte es die japanische Diplomatie verstanden, den älnwillen der Chine- en über ihre imperialistische Gelüste während des Krieges zu überwinden und mit den Führern der nationalen ^lnabhängigkeitsbewegung in China zugunsten der Parole .Asien den Asiaten" ein gutes Einvernehmen ^u pflegen. Während auf der Washnigtoner Abrüstungskonferenz wenigstens Amerika noch damit rechnen durfte, sich im Fernen Osten auch gegenüber Japan auf China stützen zck"können, hat China heute, durch Sowjet-Rußland gedeckt, den angelsächsischen Mächten schroff den 2tücfen gekehrt, so daß diesen nur die Wahl bleibt, ihre Interessen allein mit Gewalt durchzusetzen, oder Japan goldene Brücken für eine Verständigung über ein gemeinsames, die Vorrechte der fremden Mächte in gewissem Umfange wahrendes Vorgehen zu bauen. Roch ist es ungewiß, inwieweit die verantwortlichen Kreise in Japan für eine Haltung zu gewinnen sind, die üjnen von den entschiedenen chinesischen Rationalisten als Verrat an der gemeinsamen allasiatischen Sache aufgelegt werden würde, ohne Zweifel muß ihnen aber viel daran liegen, wenigstens weitgehende Konzessionen an die chinesische Unabhängigkeitsbewegung gegenüber den angelsächsischen Mächten durchzudrücken, um bei ihren chinesischen Freunden den Schein zu währen, als käme es chnen nur darauf an, den ehrlichen Makler zu spielen.
2luf jeden Fall ist die politische Lage im Fernen Osten heute derart, daß die seit dem Frieden von Versailles gemachten Erfahrungen Chinesen wie Japanern die Ueberyrugung aus- gedrängt haben, daß die Grpße der Riederlage Deutschlands sich fortgesetzt zu ihren Ungun ft e n auswirkt. Aus der deutschfreundlichen Stimmung, die sich infolgedessen sowohl in China wie in Japan entwickelt h-t, mögen Deutschland in seiner gegenwärtigen Lage keine unmittelbaren Vorteile erwachsen können, aber wir sollten nicht vergessen, daß für das Leben eines Volkes Glück und Unglück einer Generation weniger bedeuten. als für das Geben eines Individiums die Schicksale einer kurzen Reihe von Tagen. Die Pflege freundschaftlicher Dez-ie- hungen zu den Völkern des Fernen Ostens ist deswegen für uns kein müßiger Zeitvertreib, auch wenn sie uns keinen augenblicklichen Ruhen bringen kann. Die Grüße, die uns japanische Flieger auf ihrer Heimat überbringen, verdienen daher, in den Herzen des deutschen Volkes den freudigsten Widerhall au findew Wer vermag zu ahnen, welche Wandlungen die Entwicklung der Verkehrstechnik für die weltpolitischen Verhältnisse 7wch mit sich bringen mag. Die heutige weltbeherrschende Stellung der nord- amerikamschen Union wäre undenkbar ohne die großzügige Derkehrspolitik, die sie mit ihren großen Ueberlandbahnen einleitete, und die sie heute bei der wunderbaren Entfaltung des amerikanischen Autowesens über mehr Verkehrsmittel verfügen läßt als alle anderen Länder zusammengenommen. In dem Maße, wie die weiten Entfernungen zwischen dem eigentlichen Europa und den Ländern Osteuropas und Asiens durch Eisenbahnen, Kraftwagen und Luftfahrzeuge überwunden werden, werden sich auch die Völker der alten und ältesten Welt von dem weltpolitischen Druck erholen, den die Deeherr- schaft Englands, der panamerikanische Aktions- radium der nordamerikanischen Union und der französische Winkel-Imperialismus auf Mittel- und Osteuropa, sowie auf ganz Asien ausübt. In diesem Sinne bedeutet das Auf tauchen japanischer Flieger, die zum erstenmal von ihrer Heimat aus, glücklich die Luftregionen über den ungeheuren Steppen Asiens imb, Osteuropas durchquerten, auch für uns eih glückverheißendes Symbol für den Anbruch eines Zeitalters, wo der Fortschritt des Verkehrswesens zu Lande und in der Luft den fernsten Osten Asiens uns näher rücken wird, wie uns bisher der Osten unseres kleinen sogenannten Erdteils Europa lag.
Das Wesen der wirtschaftlichen Krise.
Don Dr. Walther Troll.
Aus dem 6. Bankiertag zu Berlin am 15. September Hal der Direktor der Deutschen Bank, Oskar Wassermann, eine Darstellung der deutschen Krise gegeben, die weit über »bic Kreise feiner Berufs- genossen hinaus Interesse verdient. Er bestreitet, daß es sich um eine Produktion-- und A b - s a tz k r i s e handelte. Eine Ueberproduktion habe nur im Bergbau ftattgefunben, sei aber durch die rigorosen Stillegungen und Einschränkungen von Betrieben so gut wie vollständig behoben worden. Daß keine Absatzkrise bestehe, gehe daraus hervor, daß die Vorräte in den letzten Monaten nicht weiter gestiegen seien. Allerdings habe die Produktion im ersten Halbjahr 192-5 noch nicht wieder die Dor- kriegshöhe erreicht, sonst wäre der derzeitige Warenabsatz unzureichend. Wassermann wies weiter daraus hm, daß auch der Auftragsbestand in den letzten Wochen nicht zurückgegangen sei, und daß — wenigstens vorläusig — von einer beängstigenden Steigerung der Erwerbslosigkeit nicht geredet werden könne. Die Handelsbilanz ließe sich nicht unwesentlich verbessern, wenn wir auf Die Einfuhr und den Verbrauch entbehrlicher Dinge verzichten würden. Eine allgemeine Wirtschaftskrise bestehe darum in Deutschland nicht, wohl aber eine Geld- und Kreditkrise. — Gegen diese Ausführun- gen Wassermanns ist einzuwenden, daß die Krise weniger in einer Erschütterung und neuen Bedrohung des gegenwärtigen Wirtschastsnioeaus, als vielmehr in dem Ausbleiben einer durchgreifenden Besserung zu erblicken ist. Die steigenden Reparationsverpflichtungen be- deuten für uns den Zwang zu erhöhter Produk- tion, verstärktem Export und vermehrten Einkünften. Wir haben unsere Unterschrift unter das Dawes-Programm im August 1924 nur in der festen Erwartung setzen können, daß eine B e - lebung von Produktion und Absatz gelingen werde. Dom Standpunkt der Gegenwart aus hat der Referent auf dem 6- Deutschen Bankiertag zweifellos recht, vom Standpunkt der deutschen Wirtschafts z u f u n f t dagegen wird man den erwähnten Vorbehalt machen müssen.
Die Gründe, welche unsere Kapitalbilanz gegenüber der Vorkriegszeit in so hohem Grade ver- schlechter! haben, sind bekannt. Es war interessant, aus dem Munde eines berufenen Fachmannes zu hören, die von Spartaffen und Depositenbanken veröffentlichten Zahlen über die Spareinlagen des Publikums ließen nicht den Schluß zu, daß in Deutschland bereits wieder eine lebhafte Neubildung von Kapital ftattfindet. Dabei ift die deutsche Wirtschaft nicht eigentlich kreditbedürftig, sondern tapi- talbedürftig. Der Produktionsapparat ist viel weniger geschwächt aus der zehnjährigen Kriegsund Nachkriegszeit hervorgegangen, als die anderen Teile unseres Dolksoermögens. Allerdings ist die Zahl der Unternehmungen, deren technischer Apparat vernachlässigt oder durch ungenügende Auswen- düngen unmodern wurde, im Steigen begriffen. Gelange es, nur wenige Prozent des deutschen Nationalvermögens zu mobilisieren, so würde Dem Mangel an Betriebskapital abgeholfen fein. Wassermann leitete aus dieser Analyse die Verpflichtung der Banken her, die Liquidierung eines entsprechenden Teiles des deutschen Nationalvermögens zu den besten irgend erhältlichen Bedingungen durchzuführen. Die deutsche Wirtschaft hat sich im Vertrauen auf eine baldige erhebliche Besserung der Kapitalversorgung mit der Aufnahme kurzfristiger Kredite begnügt. Die Erwartung war nur zum Teil irrig. In der Zeit vom Sommer 1924 bis jetzt hat sich der Zins- faß für Leihgeld von 36 Proz. auf 14 Proz. im Jahre ermäßigt; die Aufnahme kurzfristiger Kredite und ihre Prologierung zu niedrigeren Zinssätzen war also zweifellos vorteilhaft. Dagegen hat sich die deutsche Wirtschaft darüber getäuscht, wie sich später die Emission neuer Aktien und die Aufnahme langfristiger Darlehen gestalten würde. Wie allgemein bekannt, ist es heute fast unmöglich, neue Akten auszugeben ober langfristigen Kredit zu erschwinglichen Sätzen zu erlangen. Nach der Mei
nung Wassermanns sind die Banken, bic sich zwar bei ber Be s (haf f un g von Krediten bewährt, aber bei der Verteilung der Kredite Fehler gemacht haben, nicht von jeder Schuld an ber be- lehenden Krebst- unb Kapitalkrise sreiAusprechen. Vor einigen Jahrzehnten — ehe die beutsche Wirt- chast ben legten großen Aufschwung ber Dorkriegs- zest erlebte — waren bic Bankiers bic Vertrauensleute der gewerblichen U n • lcrnehmer. Sie müssen cs wieder werden, wenn ic den Kredit und das Kapital dorthin leiten wollen, wo es mit dem größten volkswirtschaftlichen Nutzen verwendet werden kann. Auch nach der Stabilisierung der deutschen Währung ist nicht chars genug zwischen notwendigen, wichtigen ind nur wünschenswerten Krediten unter- chieden worden. Es ist zu begrüßen, daß ein füh- renber Bankmann seine Berufskollegen zu einer gewissenhafteren Sichtung ber Kreditanträge aus- mit und dadurch den öffentlichen Organen den Vorwand nimmt, diese schwierige Frage durch starre Gesetze oder Verordnungen zu lösen. Vielleicht hätte Wassermann noch etwas deutlicher hervorheben können, daß sich unter den Bankiers un^ Danken, deren Zahl von rund 2500 vor dem Kriege auf mindestens 5000 gegenwärtig aefliegen ift, reichlich viele Persönlichkeiten und JnfMitc befinden, die nur einem volkswirtschaftlich schädlichen Kredit- .Kettenhandel dienen, unb bic einen Teil Schulb baran tragen, baß ber Zinssatz nicht noch stärker herabgesetzt werben konnte. Das Bankwesen ist nicht minber stark übersetzt als die meisten Zweige des Warenhandels. Da es selbstverständlich weder möglich noch wünfchenswert ist, daß die volkswirtschaftlich überflüssigen Bankunternehrnun- gen kurzfristig verschwinden, wird man sich darauf gefaßt machen müssen, baß bie Rückführung bes Bankwesens auf ben unserer Lage entsprechenden unb mit unseren beseitigen Wirtschaftsbcbürfnisfen vereinbarten Apparat eine Reihe von Jahren in Anspruch nimmt.
lieber bie Wünsche bes Bankwesens, wie sie aus ber Berliner Tagung oorgetragen würben, kann man sagen, baß sie im wesentlichen bic Dünsche ber deutschen Wirtschaft find. Die Aufblähung bes öffentlichen Oclbbebarfs von rund 5 Milliarben Mark vor bem Kriege auf über 11 Milliarben Mark im Jahre 1925 ist mit unserer Lage schlechthin unvereinbar. Einschließlich einer »sozialen Last von über 1600 Millionen Mark — bie von ber Wirtschaft unmittelbar getragen wirb — verwenben wir für öffentliche unb soziale Zwecke minbeftens ein Dritel unseres gesamten Volkseinkommens. Der Abbau bes öffentlichen Aufwande» muß mit viel größerer Energie betrieben werben, als bies bisher geschehen ift. Es versteht 'sich von selbst, baß auf ber Bankiertagung bie wenig glückliche Art gestreift würbe, mit welcher öffentliche Organe (preußische Staatsbank und Post) in ben Jahren 1923 unb 1924 ihre verfügbaren Barmittel oerwenbet haben. Es muß aber jebem vorurteilslos bentenbe<i Menschen einleudjten, baß nicht bie Derwenbung, sonbern vielmehr bas Dor hanbensein solch großer öffentlicher Guthaben vom Hebel gewesen ist; beweisen tiefe Guthaben doch, daß eine falsche und übertriebene fiskalische Einnahmepolitik getrieben worben ist. Die Bankiers neigen natürlich dazu in öffentlichen Stellen, bie eigene große Bar bestäube haben unb biefe unmittelbar ver roenben, unliebsame Konkurrenten zu erblicken. Aber selbst wenn man biefen Vorbehalt macht, wirb man zugeben müssen, baß bie Ansammlung großer Beträge in öffentlichen Kassen roeber für bie Wirtschaft noch für bas Volk von Nutzen ist. llebergroße Einnahmen verleiten zu Ausgaben, die weder „notwendig", noch „wichtig", noch auch nur „wünschens- wert" sind. Haben die Banken ihrerseits ein Inter- esse daran, daß nicht zuviel überschüssiges Geld in die öffentliche Hand bekommt, so besitzen sie doch andererseits volles Verständnis dafür, daß die Einkünfte gewissenhaft und vorsichtig veranschlagt und lieber zu reichlich als zu knapp bemessen werden. Immerhin trägt bie Ueberschußwirtschaft, bie im vorigen Jahre von allen ösentlichen Organen betrieben worben ist, mit Schulb baran, baß bic beutsche Krebst- unb Kapitalkrise ihre gegenwärtige Schärfe erreicht hat. Läßt man bie Bebeutung bes Wortes „Krise" gelten, baß sie „bas Enbe einer falschen Wirtschaftspolitik" sei, so wirb man als wich-
Abschied von der Sommerftifche.
Don Julius Kreis.
Mutter unb Tochter oacken. Draußen schnürst ber feine Lanbregen feit zwei Tagen immerzu — immerzu in grauer Hoffnungslosigkeit.
„Lächerlich!" sagt bie Mutter unb knetet zornig ben Spirituskocher in eine Kofferecke. „Lächerlich! Was hat es jetzt genützt, baß bu bir so einen einfältigen Bubikopf schneiben ließest. Die Männer finb heute nicht mehr so . . . übrigens, bieses Musselinkleib hast bu einen halben Tag angehabt — bie Männer, bic heiraten, wollen heute Hausfrauen, keine Mobepuppen. Du hast ihn abgeschreckt . . . Auch mit biefen kurzen Kleibern . . . llnb bann ganze Tage im Bab unten, im Schwimm- anzug--bie Mäbchcn von heute finb ja so un
klug. — Sie geben bey Männern viel zu viel. Dieser gewisse Nimbus, wie soll ich sagen? — Dieses Geheimnisvolle früher hat bie Männer viel eher zum Heiraten . . . Weißt bu Else, nun zähle ich schon bas achte Paar Seibcnstrümpfe! Das ist benn doch . . . Unb alles umsonst! — Der Assessor war boch nun wirklich eine Partie — ein so anftänbiger junger Mann, ein bescheidener, netter . . ." .
„Ach Mama — ich bitte dich — laß mich mit diesem unausstehlichen Assessor zuftieden! Der war doch bie Langeweile zu Pfcrb."
„Natürlich! Dir steckte ja immer dieser Wegmüller im Kopf. — Nun, wo ist er benn geblieben? Künstler! Natürlich! Was ich mir bafür kaufe. — Was ist ber schon! Kunstmaler! Unb biefe unglaub- lichen Manieren . . . Was für eine Existenz, Else! --Papa hätte es nie zugegeben . . . Uebrigens er hat gar keine Anstalten gemacht. Ein Nasiauer! — Nein, mein Kinb! Aber baß bu ben Rat so falt behanbest hast. Diese Stellung! Unb er hat sich so um bich bemüht. Unb wie reizenb war er immer zu mir — biefe blöbfinnigen neuen Bücher haben mir auch umsonst mitgefdjleppt — glaubst bu, daß ein Mann heute darauf Wert legt — du kannst sagen, was ou willst: Ein Mann wie der Rat, in besten Jahren — Klasse 12 mit Dienstwohnung." —
„Witwer?!" —
„Nun, wenn schon! — Gerade Witwer tragen ihre zweiten Frauen auf den Händen, du dummes ....!"
„Aber Mama, er hat doch so wenig wie ber Assessor irgenbwic eine Erklärung . .
„Erklärung! Erklärung!! Das gibt sich alle» um
selbst. Hättest bu mich nur machen lassen. — Aber natürlich, bu hattest ja nur Augen für biefen Zigeuner, für biefen hergelaufenen Maler. Wozu um Himmelswillen hast bu eigentlich bieses Sofakissen mitgeschkeppt? Laß mich zufrieben mit ber Kunst! Glaubst bu, baß es barin jemals einer zu einem Einkommen aus Klasse 12 bringt? Unb von Pensionsberechtigung kein Schimmer! Dann stehst bu ba . . . Laß mich schon zufrieden mit Liebe! Das vergeht nach ein paar Wochen. Liebe! Warum soll man einen Mann in angesehenen guten Verhältnissen nicht ebenso lieben können? — Noch ein Paar Seibenstrümpfe! Weißt bu Else, bas ist benn aber boch! Unb wofür bas alles. — Nun, wenigstens bleibt uns ber kleine Lehmann sicher. Gewiß! Er ist nur in Klasse 8 — aber mit Anwartschaft auf 10, unb schließlich, mein Kinb, bie Manner finb heute nicht so wohlfeil wie Brombeeren. Du bist nun auch schon 24—25, meine Liebe! Nun, er kann zufrieben sein, ein Mäbchen aus bester Familie! Er wirb Besuch machen, wenn wir zurück finb."
,Hat er sich benn . . ."
„Nun, bas gerabe nicht, Eischen, aber wir Mütter haben ja dafür einen Blick, eine Aber, verstehst bu! Deine Kusine hat ja auch nur einen aus Klasse 9."
„Na, schließlich, ba muß ich wohl in ben sauren Lehmann beißen."
„Ja Kind, für ben hätten es freilich bie Woll- ftrümpfc auch getan! — Das ist jetzt bas zehnte Paar! Sieh mal an — noch Post! Kurz vor ber Abreise! Nein, nicht von Papa . . .
Als Verlobte grüßen Trubchen Vogel unb Fritz Lehmann."
Der Rat spaziert noch einmal, bas letztemal, bem Seeufer entlang. Der Regen tut ihm nichts. Er hat sich in feine Pelerine gewickelt unb bampft einen Kloben. Eigentlich schmeckt ihm bie Pfeife gar nicht, aber in ber Sommerfrische, ba hat bie Pfeife Stil, ba ist man ungebunben, bukolisch sozusagen. Morgen um bie Zeit sitzt man schon roieber im Bureau, über ben Akten. Seine fe^js Wochen Urlaub sinb eingebracht. Er beult nochmals mit Nachgenuß an bie vielen „Schmankerln" unb Leibgerichte, bie ihm ber aufmerksame Wirt im Laufe ber Wochen auf- getischt hat: Rebhühner, Gänse, bie feinen gebotenen Hänbln, Forellen, Kaiserschmarrn . . .
Dankbar lenkt er seine Schritte zurück zur Wirts- Da drinnen wirkt unb schafft neben ber
bitten Wirtin bie freunblidje Tochter, bie Vroni, ein bilbfauberes Frauenzimmer, eine Köchin! Mhm! Eins a, sagt ber Rat. — Nicht mehr ganz jung, aber rasch, immer freunblich, flink. Es ist ihr grab gut, zuzusehen, wie ihr alles von ber Hanb geht. So eine, wenn er halt für seinen einsamen Haus- halt kriegen könnte . . .! Er will einmal im Vertrauen mit ber Wirtin reben. — Mein Gott, wenn man baneben bieses Fräulein Else mit bem Bubi- köpf stellt ... Da wär man schön brau! Die zwei, Mutter unb Tochter, haben bem Rat viel Vergnügen bereitet.
Er hat sie schon geh'n hören, bie Mutter! Jawohl, bas könnte ber paffen; Serforgungsanftalt für bie Tochter. — Er pafft bitte Wolken. Wenn er auch ein alter Esel ist — aufs Eis geht er boch nicht . . . Aber bie Vroni! Das wäre so sein Ge- fchmack! Gesunb, tüchtig, nett unb eine Köchin — eine Köchin! — Es ist nicht bas Dümmste. Ja- wohl, er will abenbs einmal bei ber Wirtin auf ben Busch klopfen.
Der Rat geht am Abend durch den dunklen Hausgang zur Wirtsstube. Natürlich hat wieder bas Licht ausgesetzt. Bei bem Wetter hapert's in bem „Elektrizitätswerk" unten beim Schmieb immer, Stockfinster!
Der Rat rennt an ein paar Leute in ber Dun- kelheit, hinten bei bem Verschlag am Schenkfenster. — Oeha! Hopla! Parbon! Da geht bas Licht auf — Unb bie Vroni hat kaum mehr Zeit, aus bem Arm bes jungen Müllers zu kommen ... Da ist auch bem Rat ein Licht aufaegangen . . . Unb er hat bei der Wirtin doch nicht auf den Busch geklopft.
Der Maler Wegmüller packt seine Skizzen und Stubien ein, broben in ber kleinen Fremdenslube. Unb bei einem Blatt verweilt er länaer .Die Bank unter ber großen Linbe, bie so versteckt am Ufer stehl. — Ein ganz nettes Mäbl war biefe Else schon ... So zum Anseh'n . . . Aber ba hieß es: Äug' um Äug' — Zahn um Zahn! Wie sie so vorsichtig nach seinem Einkommen fonbierte! Unb bann das blödsinnige Geschwätz über Expressionismus unb diese ewigen Ekstasen beim Sonnenuntergang. Die Mutter, ja, die hat ihn immer so von der Seite betrachtet, nicht ganz freundlich . . .
Er legt das Blatt beiseite. Hier ist em anderes, ein kleines Aquarell. Das Konsulstöchterchen mit bem planten Profil. — Aber jowas geht immer
durch die Lappen. — Die ganze Familie ist mit dem langen Laiatsch, mit dem Assessor, abgedampft. —
Ewige Klemme! — Fünf Mark fehlen einfach. Der Wirt hat auch mörderisch viel angekreidet. Hat er benn wirklich zehn Flaschen Roten getrunken?...
Nun: Die Skizze hier, bie Linbe mit ber Bank, will er mit in Zahlung geben. — Der Wirt hat unten in ber Stube schon mehr solche Erinnerungen an Kollegen. — Der Wirt ift Mäzen, ber Not gehorchens nicht bem eigenen Triebe. „Hären Sie mal, Herr Oberauer, ich bin nämlich momentan ... ein Vorschlag . . Eigentlich wollte er bie Zeichnung bamals bieser Else zur Erinnerung geben. Aver nun ist es boch besser so.
Leere Stube. Der Wirt Übersicht mit gerun- zelter Stirn mittags bic Wirtsstube. Nur mehr ber alte Professor als letzter Gast ist ba. Aber ber ist Antialkoholiker! Der Herbst macht alle Menlchen melancholisch — ben Postwirt aber ganz besonbers. Er setzt sich an ben leeren langen Mitteltisch, klemmt bie blhtbe Brille auf bie Nase unb lieft bie von ben Gästen zurückgelassenen Zeitungen.
Die junge, nette Kellnerin, bie Stasi, hat es heute gut. Sie ißt mit Ruhe unb Appetit am Bauerntisch ihren Nierenbraten. Jetzt ist es endlich vorbei mit bem ewigen Gehetz unb Geschrei: Stasi baher! Stasi hierher! Stasi, wo bleibt unsere Suppe! Stasi, ein Helles! — Jetzt ist man auch ein Mensch! —
Schade, baß ber luftige Maler fort ist! — Der war ihr der liebere von allen Fremben. Ein Hallobri! Wie ber busseln hat können!
Die Stasi sieht zwischen zwei Gabelbissen auf die Zeichnung, bie ber Wirt an bas Fensterbrett gestellt hat: Das Santi an ber Linbe. — Ein heimliches, glückliches Schmunzeln geht um Staffs Mund. — Sie kennt bas Platzl! — Da ist sie mit einem spät nach Feierabenb gefeffen . . . Schabe, baß er fort is . . .
Warum sie nur bie Blonbe mit bem Bubikopf immer so giftig ang’fchaut hat? Hat bie vielleicht was g’merlt? Die hätt ihn halt auch gern mvg'n. Ober war sie mit ihm vielleicht auch einmal bei bem Santi? Ein Hallobri war er schon! Schab', baß er fort is . . .
Draußen riefelt ber Herbstregen, unb im P.iris, garten fällt Blatt um Blatt von den f.aftar bäumen,__ .


