Ausgabe 
19.5.1925
 
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Feuer am Nordpol.

Technisch-politischer Roman au» der Gegenwart, von Karl-August von Gaffer L

45 lfanietzung (Nachdruck verboten.-

Dak Herr Landers krank ist, und zwar schwer gemüt»franf, wissen Cie ja wohl lewer. Seine bisher an» Wunderbare grenzendc Fähigkeit^ von der in erster Linie das Gedeihen unseres Werkes abhängt, hat ihn völlig verlassen. Darunter leidet er so schwer, daß ich Die ernstesten Vesürchlunaen für ihn hege Leider muß ich Ihnen mitteilen, bah seine Kraft auf unserer Expedition nach Pc- trolea derart versagte, bah er In einem spontanen Schwermutsansall einen Selbstmordoerluch unter­nahm Er stürzte sich in einen tiefen Wasserns,, au» dem wir ihn nur wie durch ein Wunder zu retten vermochten. Jetzt liegt er hier in guter L>bhu, in unserem behaglichen Wohnschiff und wird non Dr. Enders und der Schwester auf» beste ver­pflegt.

Heute traf ich ihn wieder in tiefster Depression. Rach langem, inständigem Dringen erreichte ich ce>. voß er mir da» Dersvrechen gab. sich dem Lsoen zu erhalten. Schließlich verriet er mir auch Im tiefsten Vertrauen die Lösung seiner verschwun­denen Fähigkeiten. Wenn Ich dieses Vertrauen Ihnen gegenüber breche, so tue ich es in dem festen ltzesuhle, daß Sie allein imstande sind, eine Hei­lung für ihn zu finden.

Sander wußte bereits aus einer alten Er iah- rung, das, die Hingabe an eine große Leidenschaft seine Fähigkeiten al» Wünschelrutengänger beein­trächtigte. Obgleich nun diese Tätigkeit Den Inbe­griff seine» Lebens bildet, so muß Dieses Mal eine alle» überwältigende Liebe seine Bedenken be­siegt haben. Wir wissen ja. wie er sich sträubte, an der Er'edition teilzunehmen. weil er bereit» jein Schicksal vorauesah. Jetzt ist er ein völlig ge­brochener Wann.

Rach meiner Ansicht gibt es für ihn nur zwei Möglichkeiten. Entweder er wählt den Weg Der Leidenschaft, sucht in den Armen der Liebe Vergessen und Bctäubng für das Verlorene und wird viel­leicht auch nach einiger Zeit wieder glück­lich. Ob aber jene Frau, die ihn liebt, den Mut aufbringen wird, dieses fast übermenschliche Opfer von ihm zu verlangen, ob sie sich stark genug fühlt, ihm Ersatz au bieten für alles, was er auf­gab, da» entzieht sich meiner Beurteilung.

Dandere Lösung wäre für Sanders äugen blufhch gewiß die schmerzlichere und bedeutet völ­ligen Bruch mit feiner Leidenschaft. Selber ist er dazu nicht imstande, denn zu seiner Gesundung ge hört auch die geistige Befreiung vvn jener geliebten Frau. Fände sie olfo die bewundernswerte Kraj«, ihn nich« nur freizugeben, sondern ihm sogar jede Aussicht auf eine weitere Erwiderung seiner Liede zu nehmen, so glaube ich, unser Freund würde nach dieser gewaltsamen Krise allmählich wieder zu neuen Kräften und zu neuem Lebensmut gelangen.

Ich bin mir wvhlbewuh:. daß die Liebe häufig den einzigen Lebensinhalt eine» Frauenschicklals be­deutet. gegen den alles, was das Dasein sonst bietet, nichtig erscheint. Ich weiß aber auch, daß bet wahren, echten Frau das Lebensglück de» Ge­liebten höher steht als ihr eigenes. Frau sein heißt, sich opfern opfern für das Schicksal des Mannes, bem ihr Herz gehört.

Natürlich werden Sie annehmen, daß ich in erster Linie hierbei an unser Werk denke, desien Existenz bedroht ist. Das erscheint mir aber im Augenblick nebensächlich, denn ich setze das Unter­nehmen fort und werde es vollenden trotz aller Schwierigkeiten. Ich sehe vielmehr einen prächtigen Menschen, den ich schätzen und lieben gelernt habe, an einem inneren Konflikt zugrunde gehen.

Und darum wende ich mich voller Vertrauen an Sie. Wo männliche Kraft und männliche Kunst am Ende sind, vermögen nur Frauen zu helfen. Hel­sen Sie unserm armen Freunde, der sonst ver­dirbt!

Ich bin in tiefster, aufrichtiger Verehrung

Ihr Georg Nagel.

Brief Lindo» an Sonders.

Mein lieber Freund!

Durch die unbegreifliche Indiskretion Stratoff» wurden Sic telegraphisch von unserer Verlobung In üennlnl» gesetzt, während Sie doch voll be­rechtigt waren, ^nächst durch mich benachrichtigt zu werden und eine Aufklärung meiner Hanb- lungstveise zu erhalten.

Daß ich Sie geliebt habe, mehr al» fui mich gut war. wissen Sie genau. Was Sie aber nicht begreifen konnten, das war der Grund, warum ich Sie nicht heiraten wollte. Ueberlegt habe ich e« mir lange, dessen können Sie sicher fein. Aber schließlich stand mein Entschluß fest. Sie passen nicht in eine Ehe, vor allem nicht zu einer Frau wie ich, die eine un­

aufhörliche, ständige Hingabe verlangt, gegen die alle sonstigen Interesien jurütftreten müßen.

Bei unseren beiderseitigen Lebensauffafiungen war ein Kompromiß unmöglich. Sie wollten nicht auf Ihre Tätigkeit, die Ihnen unweigerliche» Bedürf- nie war, ich vermochte nicht auf meine Forderung au verzichten Es war schön, unter Svnnengliick, lieber Freund, unvergeßlich schön, aber es mußte, wie alles schöne im Leben, einmal ein Ende finden.

Jetzt kommt nämlich der zweite Grund, wes­halb id) Sie nicht heiraten kann. Meine Vermögens- verhältnisie sind ruiniert. Der betrügerische Ban trott eines Bukarester Bankhauses hat mich derartig geschädigt, daß ich mein gewohntes Leben nicht wci tersühren kann. Ich erzählte Ihnen bisher nichts davon, um Sie nicht zu beunruhigen. Ich mußte mich aber^ nach Ressourcen umsehcn, und was liegt für eine Frau näher als der Gedanke, sich günstig zu verheiraten.

In Rumänien bot sich nichts Passendes für mich. Man sagt, ich hätte mir meinen guten Ruf etwas verdorben. Wie Sie wissen, warb Stratosf schon lange um mich. Gewiß ist er ein Parvenü, aber keiner non der schlimmsten Sorte. Was ihm an innerer Kultur fehlt, ersetzt er durch gut abgesehen: Süßere Zivilisation. Dor allem aber ist er ein Mann von unbändiger Energie und Arbeitskraft, der es noch zu Großem bringen kann. Für ausgeschlossen halte ich es nicht, noch einmal Fürstin von Kirgisin zu werden.

Natürlich habe Idi mich In jeder Hinsicht vor­gesehen. Noch vor der Hochzeit erholte ich ein großes, ftlbflänbiges Vermögen. Außerdem uerlangc Ich ron- trakllich die weitestgehende Freiheit. Sooft es mir paßt, werde ich allein auf Reifen gehen. Eine der- artige Vernunftehe wird nur dann erträglich, wenn man imstande ist. sich geleaentlid; ein heimliches Glück zu suchen, bas einen für alle sonstigen Ent­behrungen entschädigt.

Ich bitte Sie daher, lieber Freund, nehmen Sie meine Heirat nicht allzu tragisch. Lassen Sie etwas Zeit oergehen. Ich bin überzeugt, wir wer den die allen, guten Freunde bleiben, [a vielleicht werden wir schließlich einen längeren unb innigeren Bund eingehen, als wenn äußere Bande uns in Fesseln zwängen, Die jedem von uns auf die Dauer doch unerträglich wären.

Ich danke Ihnen für alles Schöne unb '.Imvr geßltche, das Sie mir geschenkt haben. ®rijcte.i Sic ein wenig lieb Ihre Linda Lahor,).

^Sanders an Nagel.

Lieber Freund, wundere Dich nicht, Dan ich nn Dich schreibe, wo ich Dich doch jcder^it sprechen kann. Ich Habe Dir aber eiwos so Schwere» mit- zuteilen, daß Ich fürdtte, ich wurde mährrnb br. Sprechens melinc Fassung verlieren Unb ich ertrüge es nicht, daß ein anderer Mann und wäre es rii; so treuer Freund wie Du, mich in einem derartigen Zustand sähe.

Bitkjies den einliegendenBrief. Ich begehe wohl eine allzu große Indiskretion damit, denn Du haft mir ja selber aus den Kops zugesagt, daß Du genau wüßtest, wie ich mit jener Frau gestaii den habe, die mit mir fühlte, mich zu verstehen schien bis in die innersten Fasern meines linier bcwußtsein».

Und nun dieses Erwachen! Ein bitteres Ge iuhl (leigt mir die Kehle hinaus. Wie war es mög­lich, sich |o zu täuschen! Unb hoch, es Ist bas alte Lied Seine eigenen Begriffe von unvergSntzliä-er Schönheit der Seele legt man in die Persönlichkeil der Geliebten, umkleidet sic mit allen Vorzügen unb erblickt so schließlich ein Bild, das man sich selber «schaffen hat. Bis ein starker Windstoß die Schleie, füllen laßt und ion dem selbst ausgerichteten Ideal bleibt im besten Falle eine schöne Puppe

Lies, bitte, den letzten Abschnitt ihre» Briese. Entweder bin ich töricht oder altmodisch. Aber dieser säst unverhüllte Zynismus, der aus ihren Worten spricht, schlug mich völlig zu Boden. Sie heiratet den Mann, der ihr Stellung und Geld verspricht, und tröstet gleichzeitig ihren Geliebten, daß ja zwisci)cn ihnen alles beim alten bliebe. Ich glaube nicht, daß eine deutsche Frau so empfinden könnte. Wenigstens mürbe sie nicht wagen, es aiiszuforechen.

Aber dieser Schlag richtet mich gleichzeitig aus. Was ich verlor, ist nicht wert, sich daran zu zer­brechen. Es war ja keine Wirklichkeit, es war nur ein schöner Traum, aus dem ich jäh erwacht bin.

Bitte, sprich nie mit mir darüber. Ich schäme mich zu lehr. Unb laß mir etwas Zeit. Bald rjc.ffc Ich, wieder der alte zu fein. Aber Dir banke ich von ganzer Seele für Deine Freundschaft. Wahre Treue gibt e ja nur unter Männern.

Id) werde ihr nicht an Inoden. Offiziell wollen wir beide gemeinsam ein Glückwunschtelegramm fen den. Hoffentlich besitzt sie den Takt, uns so bald hier nicht aufzusuchen.

Bitte, komm nicht vor heute abend zu mir unb Hube keine Besorgnisse um mich. Sanders (Fortsetzung folgt)

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Einladung

zu der am Mittwoch, dem 20. Mai 1925, abends 8,30 Uhr, im

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stattfindenden

Gründungsfeier der Ortsgruppe Giehen des .Stahlhelm' Bund der Frontsoldaten, öusd

Dortrag des Bauführers über Zweck und Ziele des Stahlhelm. Fahnenabordnung und Stahl­helmkapelle aus Frankfurt sind anwesend.