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Sicherheitspakt oder „Heilige Allianz".
Don Otto Corbach.
Als eine „neue Heilige Allianz" kennzeichnete neulid) Senator Boroh, der Leiter des außen- politischen Komitees des amerikanischen Senates, den von Frankreich erstrebten „Sicherheitspakt", eine Verschwörung reaktionärer Gewaltpolitiker, die für die wahre Sicherheit der Völker viel gefährlicher sei als die alte Heilige Allianz. Der britische Außenminister Chamberlain lieferte zu diesem amerikanischen Standpunkte nur einen Kommentar, als er dem Genfer Protokoll auf der Dölkerbundstagung den Todesstoß versetzte. Als Hauptpunkte traten in seinen Ausfüh. runaen die Einwande hervor, daß das Protokoll |o überaus eingehend über Zwangsmoßregeln und Sanktionen spreche: „Es kann der Eindruck erweckt werden, daß die Hauptaufgabe des Bundes nicht so sehr darin bestehl, freundlchaflliche Zusammenarbeit und vernünftigen Ausgleich bei der Regelung zwischenstaatlicher Angelegenheiten zu fördern, als vielmehr den Frieden durch die D r • ganisotton des Krieges zu erholte n." Statt den Frieden zu sichern, werde das Protokoll „nur den Krieg ausdehnen".
Für die Franzosen liegt eine bittere Ironie darin, daß ein ihnen so freundschaftlich gesinnter englischer Staatsmann wie Chamberlain diese Exekution vollziel en mußte. Möglich, daß ihm sein franzosenfreundliches Herz dabei geblutet hat, ist er doch im Baldwinschen Kabinett als einziger Mi- nister zunächst für ein Sonderobkommen mit Frankreich anstelle des deutschen Dor- fchlages eingetreten. Er mußte sich fügen, hielt feine Unterhausrede im Sinne der deutschen Anregung und reifte nach Genf nicht als Verfechter feiner persönlichen Ueberzeugung, sondern derjenigen des Gesamtkabinetts.
Man kann sich eben in London den Luxus einer einseitig ober auch nur vorwiegend europäisch orientierten Außenpolitik nicht mehr leisten, man muß auf die Dominion shören, um sie nicht zu verlieren, und in den Dominions kann man nicht einsehen, warum sich nach der Beschwörung des Vorkriegsgespenstes einer „deutschen Gefahr" noch in neue europäische Zwistigkeiten verwickelt werden sollen. Der Geist Monroes, gegen dessen Mißbrauch für imperialistische Gelüste Onkel Toms die lateinischen Republiken Amerikas in bemerkenswerter Weise auszubegehren beginnen, geht umso unheimlicher in Kanada, zluftr allen und Neuseeland um, während Indien immer mehr in den Bann einer a l l - asiatischen Bewegung gerät, und in Südafrika das Asrikandertum gegen den Stachel englischer Kolonialherrschaft zu loden sucht. Diesen zentrifugalen Tendenzen innerhalb des britischen Weltreiches allerernsteste Beachtung zu schenken, bedeutet für England selbst mehr und mehr ein Gebot der Selbsterhallung.
Daß man es ober in London auf einmal so eilig hat, sich gegenüber dem europäischen Kontinent in einer die überseeischen angelsächsischen Gemeinwesen befriedigenden Weise neu zu orientieren, erklärt sich hauptsächlich aus der für das gesamte Angelsachsentum sehr ernsten Wendung, die die politische Lage im Fernen Osten genommen hat. Sun Pat Sen, der große Führer der chinesischen Unabhängigkeitsbewegung ist tot, aber das der Ausgang des letzten Bürgerkrieges ihm zum erstenmal seit dem verräterischen Staatsstreich Püan Schi Kais im Jahre 1917 den Weg nach Peking ebnete, kennzeichnet den gewaltigen Umschwung, der sich in der politischen Lage in Chino vollzogen hat. Der russische Botschafter Karachan ist außer dem lapanischen Gesandten der einzige Vertreter fremder Mächte in Peking, der noch geachtet und beachtet wird und er ist unermüdlich bestrebt, den chinsischen Militaristen zu einer völligen Lossagung von den „ungleichen Verträgen" Mut zu machen. Diese von der sinkenden Mangschu-Dynastie teils erschlichenen, teils erpreßten Verträge Haden dahin geführt, daß die „fremden Mächte" alle Schlüffel- fteUungen für die weltwirtschaftliche Erschließung Chinas mit den Mitteln moderner Technik beherrschen und ihre Vorrechte dazu mißbrauchen, Natur- und Menschenkräfte des riesigen Landes raubdaumäßig auszunützen. Noch scheinen die Gegensätze zwischen Feng ju shiang dem
Die Oberwälder.
Roman von Alfred Dock.
25. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
X).
Wellandt war. nachdem die Marie das Schulljcius verlassen, seiner Erregtheit Herr geworden. ja es war ihm. als fiel ihm ein Schleier von den Rügen. Mitten in der Rächt war feine Verlobte zu ihm gekommen, sie. die bei hellichtem Tag das Schulhaus nicht betrat. Er hatte keinen Blick, kein Wort für sie gehabt. Einzig von ihm war die Rede gewesen. Das Selbstfücht'ge war chm angeboren. Er hatte sich nie davon frei- machen können. Welch fürchterlicher Ruftritt mußte vorangegangen fein, ehe der Margolfs- ' veter wegen des verhaßten Lehrers feine Tochter in Rächt und Rebel stieß! Indes er. Pöeilandt, der Marie sein Klagelied sang, hatte sie mit ihrem starten Willen bis zuletzt ihr eignes Leid in sich verschlossen, die Heldin, die Dulderin! Er war gefühllos gewesen wie Stein. Er hatte den warmen Strom ihrer Liebe nicht gespürt, hatte > sie noch dazu hart angelasken. Ohne Rbfchied war sie von ihm gegangen. Daß er sich's nur eingestand: dem charaktervollen, vortrefflichen Mädchen gegenüber hatte er sich wie ein Feigling, wie ein Wicht benommen.
Eine plötzliche Angst schnürte ihm die Kehle I zu. Wenn sie sich ein Leid antat! Sein Gewissen I würde ihn schuldig sprechen. Er würde sich ewig | Dorwürfe machen. Die Reue würde fein Herz | zerreißen. Was galt ihm jetzt der Kassenspektakel, ; bas Dauerngeschimpf und die Katzenmusik! Dor V der Sorge um das geliebte Mädchen löste sich 1 alles in Richtigkeit auf.
Während die Zeit verramr, war vielleicht schon ein Unglück geschehen. Jede Minute, die er zaudernd verlor, belastete ihn mit neuer Schuld. ®r muhte ihr nach, er mußte sie suchen.
Seiner Etirnwunde ungeachtet stürzte er fort. Durch die Gassen scholl sein angstvolles Rufen: .QHarte. Marie!"
Donnerstag, 19. IHärj 1925
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)
ist.
„Ree." erwiderte sie mit Festigkeit. „Ich mach
sich
Du
ich Du toe
.Wo willst du hin?"
„Fort!" sagte sie kalt.
.Marie," bat er, .hör mich an!"
Eie schüttelte den Kopf.
.'s is de best, du schwätzst nix!"
Er griff ihren Arm.
.Bei Gott im Himmel, du mußt mich hören!
warst kaum wes da bat mein Gewissen
Der Dolkstranertaa.
Jetzt, nachdem der Dolkstrauertag vorüber darf wohl noch ein Wort daru gesagt wer
den: nachträglich, damit aller Schein vermieden wird, als solle die Feier des 1. März gestört werden. Die vielseitige Zustimmung, die der Dollstrauertag am 1. Mäm gefunden hat. die große ‘Beteiligung, die Veranstaltungen der Kriegervereine, die ^»stgottesdienste und die Feiern auf den Friedhöfen und an den Denkmälern beweisen, wie sehr ein solcher Tag dem Verlangen unseres Volles entspricht. Wenn hier einige Bemerkungen dazu gemacht werden sollen, so geschieht es in der Absicht, gewiß berechtigte Bedenken gegen die Frier gerade am 1. März zu erheben und für später eine noch allgemeinere Seiet eines Volksttauertages anzubahnen.
Es ist zu bedauern, daß nicht gleich nach dem Kriege ein allen Schichten unseres Volles
zu meiner Patin nach Allmenrod. Da bleib die Rächt. Morn such ich mir ein' Dienst, kannst mir ja schreiben. Meine Patin weih, ich fein."
Er kannte ihre energische Art. Was sie
Er jagte wie ein Pfeil aus dem Dogen, hierhin, dorthin.
„Marie. Marie!"
Er suchte den Hegweg, ine Htrzlache ab. Er fand sie nicht Seine Unruhe wuchs. Sein Kopf brannte in Fieberglut. Wo mochte sie fein? Eine ihrer Kameradinnen um Ausnahme zu bitten, ha'te ihr Stolz nicht zugelassen. Dessen war er gewiß. Barmherziger Gott, wo mochte sie fein!
Er rannte die Waffergasse hinunter.
„Marie, Marie!"
Run stand er auf dem Steg. Das Entsetzen faßte ihn an. Aus dem Wasser ragte ein Arm empor. Rein, kein Arm. Es war ein Stück Holz. Schon trug's die Strömung weiter. Er war ganz von Sinnen.
3m nahen Hochwald peitschte der Sturm die Wipfel der Bäume gegeneinander. Der Mond trat aus den Wollen hervor und goß auf die Landschaft fein helles Licht.
Dort, wo die Kreisstvahe sich um den Horner- bangnog. schritt wer talab. Vielleicht jemand, der der Marie begegnet war, der ihm Auskunft geben konnte.
Er stürmte vorwärts, über Mc Dachwiefe der Kreisstrahe zu. Hundert Klafter vor ihm erkannte er die Gestalt einer Frau.
Der rasch Zuschreitenden kam er näher, immer näher. Das Herz schlug ihm zum Zerspringen. Kein Zweifel mehr, sie war s.
..Marie," schrie er. „Miriel"
Sie blieb stehen und wandte sich unt
Run hatte er sie eingeholt. Er triefte von Schweiß. Der Atem kam keuchend aus seiner Brust.
Sturm geläutet, ilnb hat gerufen in mir: ,Du bist gegen die Marie schlecht gewesen. Du mußt ihr nach, du mußt sie suchen, daß du's wieder crutmachen kannst!' Unb ich hab mich aufgemacht. Du darfst mir's glauben, wie ich eben herumgerast bin, das werd ich mein Lebtag nicht vergessen. Gottlob, daß ich dich gefunden hab!"
Sie machte sich von ihm IvS.
„Wann man eins wirklich gern hat. is man net so wie du. Mir is heut nacht ein Licht aufgegangen. Du bleibst de best für dich allein."
„Marie." sagte er bestürzt, „ich war grenzenlos aufgeregt. In so einem Zustand wägt man die Worte nicht ab. 3ch geb's zu. ich hab dir sehr weh getan. 3ch bereu'«, Marie. Reue ist auch Strafe. Dräng deine bitteren Gedanken zurück und sei wieder gut. 3ch mein, 's kann nichts Schöneres geben, als jemand sagen: ich will dir verzeihen!"
Don ihren Wimpern tropfte es heiß.
„3ch trag dir nichts nach. Aber um mich muh Wahrheit und Klarheit sein. Sonst kann ich net leben. Wann du kein Beständiger bist, is es besser, zwischen uns zwei is es aus."
„Marie.' sprach er, .denk dran, wie sie mir mitgespiell haben. Das wischt sich so schnell nicht aus. Defsenwegen fteljt nichts zwischen mir und dir. 3ch wollt, daß du in mich hineingucken könnt'st. Du sollst an mich glauben, sollst.mir vertrauen Ich häU keinen Frieden mehr ohne dich und hält zu nichts Mut. Wie ost pafsiert's, daß zwei in Derlobschaft stehen und meinen, sie haben den Himmel auf Erden. Hernach in der Eheschaft fängt der Leidensweg an, und eine Enttäuschung gibt der andern die Tür in die Hand. Wir zwei, die wir jetzt so viel durchmachen müssen, wir werden den Weg in die Höhe finden und zum Glück. Dazu muß eins dem anbern helfen!"
Er hielt inne, aus seinen Worten flang fein warmes Gefühl.
.Marie,' schloß er, »nun bitt ich dich, komm I mit xurüdl"
einmal vorgenommen, davon würde sie sich nicht abbringen lassen.
..Gut," sagte er, .du wirst von mir hören. Was ich anfang und wohin ich verschlagen werd, das liegt noch völlig im Dunkeln. Aber ich schaff mich durch. Mich und dich!"
Er nahm ihre Hand, und sie ließ sie ihm. Obwohl sie in ihn drang, er solle heimkehren solle auf feine Wunde achten, begleitete er sie noch eine Strecke Wegs, bis sie Allmenrod vor sich sahen. Dann schieden sie. — — —
Ruf des Pfarrers Geheiß fiel der Schub unterricht am andern Dag aus. Der Lehrer hielt, sich still in seiner Wohnung. Degen Mittag fuhr draußen ein Wagen vor. Gleich darauf trat der Kreis'chulinfpektor herein. Das war ein angehender Sechziger, der wegen seiner Tüchtigkeit, nicht minder wegen seiner rechtlichen Gesinnung im Vogelsberg und darüber hinaus in hohem Ansehen stand.
Dellandt, der bleich und übernächtig aussah, ging ihm entgegen.
. Der Herr Pfarrer hat mir in der Frühe eine Depesche geschickt." hob der alte Herr ein wenig kurzatmig an. „3ch bin sofort heraufgefahren. Ich war eben beim Herrn Pfarrer 3ch bin von allem unterrichtet. Ich komme zu Ihnen, nicht nur als Ihr Vorgesetzter sondern auch als Mensch, um Ihnen in diesen schweren Stunden nahe zu fein."
„Herr Schulrat." sagte Weilandt bewegt, .ich. danke Ihnen, danke Ihnen von ganzem Herzen! Sie waren mir immer wohlgesinnt. Gerade jetzt weih ich das doppelt zu schätzen. Wären Sie nicht gekommen, ich hätt Ihnen heut geschrieben. Ich kann hier nicht bleiben. Und das nicht allein. Ich will etwaS andres ergreifen. Ich gestehe Ihnen offen, mein Amt ist mir verleidet."
(Fortsetzung folgt.)
„christlichen" General, der die Laye in und um Peking beherrscht, und Tschang tfo Im, dessen Dille in der Mandschurei Gesetz ist, zu groß zu sein, um eine einheitliche nationale Erhebung zu ermög- lichen. Zuverlässige Nachrichten aus Dem Fernen Osten lassen erkennen, daß die beiden Rivalen gegeneinander rüsten und binnen Jahresfrist mit dem Ausbruch eines neuenfBürger- trieges zu rechnen ist. Die bisherige Erfahrung hat aber gelehrt, daß jeder neue innerpotitische Waffengang in China bessere Voraussetzungen für die allgemeine Auflehnung des Volkes gegen das Joch der imperialistischen Verträge schaffen hilft und bei dem Gegensatz zwischen Feng und Tschang handelt es sich von vorn erein hauptsächlich darum, wer den chinesischen Einheitswillen gegenüber dem europäisch-amerikanischen Imperialismus ausfuhren soll.
Ein Rest russisch-japanischer Gegensätzlichkeit ist dabei freilich auch wohl mit im Spiele. Som- jetrußland und Japan sind sich seit dem Abschlüße ihres Abkommens wohl im allgemeinen darüber einig, sich im Femen Osten gegenseitig zu unterstützen, aber sie mögen den drohenden chinsischen Bürgerkrieg als eine Art Preisfechten betrachten, das Darüber entscheiden soll, ob ein „unabhängiges" China einen mehr sowjetrussischen oder japanischen Akzent haben soll. In diesem Sinne würde zweifellos Moskau lieber Feng ju shiang, Tokio lieber Tschang tso lin die Ober and gewinnen lassen, zweifellos aber hält der aemeinsame Gegensatz gegenüber Den angelsächsischen Mächten Japan und Sowjetrußland zu fest zusammen, all- daß ihre Freundschaft noch über innerchinesische Wandlungen in die Brüche gehen könnte.
England und Amerika ober haben keine Zeit zu verlieren, um für ihr Prestige und ihre Interesten im Fernen Osten zu retten, was noch zu retten ist, bevor es zu einer vollkommen ruf- sisch-japanisch-chinesischen politischen Eintracht ge- kommen sein kann. England braucht jedoch zu einer starken überseeischen Machtentfaltung e i n beruhigtes, möglichst ausgeglichenes europäisches Hinterland. Es kann ihm dabei natürlich nicht mit einer fran zösi - schen Vorherrschaft auf dem Kontinent gebient sein: denn das würde zu einer Neuauflage der napoleonischen Kriege führen. Es braucht Gegengewichte gegen den französischen Militarismus. Daher sein Verständnis für das Be- dürfnis Deutschlands, wenigstens wieder etwas freien politischen Spielraum eingeräumt zu bekommen. Indessen sollte man bei uns dieses Verhältnis nicht überschätzen. Wir dürfen nie überfein, daß es England doch bei allen europäischen Sicher' eitsfragen auf seine Rückendeckung für den Fall überseeischer Verwicklungen ankommen muß. Dazu braucht es ein gefügiges Frankreich noch dringender als ein innerhalb bestimmter Schranken erstarkendesDeutsch- land.
Das widerspenstige Frankreich soll gezähmt werden, weil der Preis, den es für eine wohlwollende Neutralität gegenüber den angelsächsischen Mächten fordert, falls diese im Femen Osten in ernste Verwicklungen gerieten, zu hoch erscheint. Man läßt den Franken stürzen, man leiht der deutschen Außenpolitik Krücken, man läßt die Problematik der mitteleuropäischen Kleinstaaten pla- stisch in Erscheinung treten, man läßt britische Gewerkschaftsführer mit dem Gedanken spielen, der 3. Internationalen die Weltrevolution deschleuni- gen zu helfen, nachdem sich das Experiment mit einer sowjetfreundlichen Arbeiterregierung als zu gefährlich erwies, man tut alles das und vieles andere. um den Franzosen zu zeigen, daß die an- gelsächsische Weltherrschaft noch fest genug gegründet ist, um weltrevolutionäre Stürme überstehen zu können, die das durch den Versailler Frieden geschaffene komplizierte fontinintale Staatenfyftem außerhalb Rußlands nicht überfielen könnte. Aber der Wille, handelseinig zu werden, ist immer noch ebensowohl auf englischer wie französischer Seite vorhan - ben und Deutschland wäre bei einer Außenpolitik verraten und verkauft, die alles auf die Sorte eng- Nfchen „Wohlwollens" setzte. Der weltpolitische Horizont hellt sich für alle unterdrückten Völker auf, auch für das deutsche-, wenn nur der „große Moment" bei uns fein schwaches Geschlecht politischer Führer findet.
Kredithilse für den gewerblichen Mittelstand!
Drei Fragen stehen augenblicklich für Handwerk, Handel und Gewerbe im Miltelpunll des Interesses: die Schaffung eines besonderen Staats- sekretariats für dos Handwerk beim Reichswirtschaftsministerium, die Reichshandwerksordnung, das langst entbehnc Berufs- gesetz, das dem Handwerk die 5roangsorgum|ation bringen joll und die 'J'iilbcrung der gerade im gewerblichen Mittelstand besonders stark herrschenden K r e d i t n o t. Alle bürgerlichen Parteien des Reichstages haben — eingedenk ihrer Wahlvcrspre- chungen — Anträge in dieser Richtung eingebracht. Der der Deutschen Dolkspartei will das schlimmste Uebel, die Kreditnot, beseitiat sehen. Der Antrag wurde am 8. (Dolkswirtsch.) Ausschuß des Reichstages behandelt. Was dabei herauskam, ist nicht gerade erhebend. Immer in hat man die Reichsregierung ersucht, bei der Reichsbank die B e- reit Teilung von dreißig Millionen Mark für den gewerblichen Mittelstand zu veranlassen — natürlich nicht direkt, sondern durch Vermittlung der Zentral-Genossen- schastskasse und der Genostenschastsabteilung der Dresdner Bank.
Als erste Hilfe ist dieser Beschluß zu begrüßen. Aber auch nur als solche. Wer di" Derhäinisse kennt, wird zugeben müsten, daß dem Handwerk nur geholfen werden kann, wenn man ihm dauernd Kreditmöglichkeit gibt. Und es ist denn auch beschlossen worden, im Einvernehmen mit den Spitzenoerbänden des mittelständischen Gewerbes und des gewerblichen Genossenschaftswesens Maß- nahmen in dieser Richtung zu erörtern. Die ge» werblichen Kreditgenossenschaften, die früher die früher die Hauptträger des mittelständischen Kreditwesens waren, fallen heute als Kreditgeber kaum noch ins Gewicht Die sich in einer Kreditgenosten- schäft zusammenfindenden Handwerker sind heute alle Kreditnehmer, der Guthaben besitzende Teil der Handwerker fehlt.
Die Verstärkung der Mittel der Kreditgenossenschaft aus den Reihen der Handwerker wird man deshalb kaum erwarten dürfen. Es ist notwendig, bei der Verwendung öffentlicher Gelder endlich auch die Kreditorganisationen des Mittelstandes zu bedenken. Die in Aussicht gestellten dreißig Millionen Mark bedeuten im Verhältnis zu der volkswirtschaftlichen Bedeutung des Mittelstandes nur einen Tropfen auf den heißen Stein. Der Widerstand, den Regierung und Reichsbank selbst der Bewilligung dieser Summe entgegengeffeUt hohen, ist außerdem durchaus nicht nur volkswirtschaftlich, sondern auch politisch unklug. In den Parteien, die die gegenwärtige Regierung stützen, ist der Mittelstand ein nicht zu unterschätzender Faktor. Und zu einer Zeit, in der die unverantwortliche Hergabe öffentlidjer Mittel in Riesensummen an einzelne sehr unsichere Konzerne im Mittelpunkt der öffentlichen Erörterung steht, kann man mit moralischer Berechtigung die Lebensnotwendigkeiten der kleineren und mittleren Betriebe nicht unberücksichtigt lasten.
Schließlich kann mit einer Reichsaktion Hand in Hand eine Hilfsaktion der Länder einsetzen. Baden hat den Weg schon beschritten, indem es dem Handwerk eine Landesbürgschaft von drei Millionen Mark, dem Einzelhandel eine solche von anderthalb Millionen Mark zur Verfügung stellte und von ben Zinsen drei Prozent selbst übernahm. Das ist ein Weg, auf dem auch andere Länder sehr gut folgen könnten.
genehmer Dollstrauertag festgesetzt werden konnte und festgesetzt wurde. Von leiten der Kirche ist der Versuch dazu gemacht worden. Schon 1915 wurde aber ihr der Totengedenktag, der letzte Sonntag int Kirchenjahr, auch zum Gedächtnis an die Gefallenen und die infolge des Krieges Gestorbenen bestimmt. Waren es doch da gerade 100 Jahre her daß. zunächst in Preußen, dieser Sonntag der Erinnerung an die in den Befreiungskriegen Gefallenen gewidmet wurde Im Ausschreiben des Oberkonsistoriums vom 12. Oktober 1915 heißt eS „Möge durch die Feier des Totensonntags die unarrslöschliche Dankbarkeit zum Ausdruck fommen, die wir den Geiallenen taiür schulden, daß lic zum Schuh und Heil des Vaterlandes ihr Leben in die Schanze geschlagen und unserm Volk in herzergreifendem Ernst das heilige Gottesgeseh wieder zum Bewußtsein gebracht haben, daß hohe, wertvolle Güter wie das Vaterland, das Wohl der Gesamtheit deS Volkes nur durch schwerste persönliche Opfer zu dauerndem Be itz erworben werden köimen." Zugleich to. rbcn die Gemeinden eindring.ich an ihre Verpflichtung erinnert, sich derer tätig anAuneh- men, die durch solch Opfer in Rot und Dcd äilgn S gekommen sind. Jeder einzelne solle das seine tun. um der Trauer und Rot. die dieser Krieg übet unser Volk gebracht, eine fühlbare und wirksame Macht des Trostes und Der Bruderliebe entgegenzusetzen.
Rach Beendigung des Krieges hat dann dir Kirchenbehörde, entsprechend dem Bedürfnis, in genieinsamer Feier der für das Vaterland Gefallenen oder infolge des Krieges Verstorbenen zu gedenken, wieder am Totengedächtnistag eine gemeinsame, zusammensassende Trauerfeier angeordnet. „Die Jenen geschuldete unauslöschliche Danlliorbeil sowie die Empfindung, daß sie, die ihr Leben für das Vaterland treu bis in den Tod hingegeben haben, ein bleibendes Ehrendenkmai unseres Volkes sind, in dem es sich in dieser Zeit schwerster Heimsuchung aufrichten kann, verlangen gerade jetzt danach, an einem ernsten Gedächtnistag zum Ausdruck zu kommen." Aehn- liche Bestimmungen hat unseres Wissens auch die katholische Kirche für den Allerfeelentag er- lassen.
Bedauerlicherweife wurde an diesem von ben kirchlichen Behörden angeordneten Gedenktag, der sich im Laufe der Zeit fest eingebürgert hatte und durch Schmuck der inzwischen in den Kirchen errichteten Gedenktafeln sowie durch Feiern an den Kriegerdenkmälern begangen wurde, nicht feftgehalten. Wenn für den 1. S nntag im August 1924 mit der Feier zum Gedächtnis des Kriegsbeginns zugleich daS Gedenken an die Kriegsopfer verbunden wurde, so empfand man doch wohl, daß diese Verbindung keine ganz passende sei. Das kam in diesem Jahre zum Ausdruck dadurch, daß man einen neuen Tag. den 1 März, zu besonderem Gedächtnis der Gefallenen wählte. Aber warum denn gerade der 1. März? Wenn überhaupt ein Grund dafür angegeben wurde, so wurde gesagt, der 1. März sei der 1. Sonntag in der Passionszeit. Wollte man aber einen kirchlich bedeutungsvollen Tag wählen, warum beließ man die geier dann nicht auf den Totensonntag? Es ist doch sehr fraglich, ob nicht kirchlich Eingestellte das Gedenken an die Ge- fallencn mit dem Sinn der Passionszeit richtig zu verbinden vermögen. Am Totensonntag ist eine Gemeinsamkeit des Empfindens bis zu einem gewissen Grade eher möglich. Die Kirch? mühte es auch entschieden ablehnen, wenn die Eigenart des 1. Passionssonntags durch den Gesallenen- gedenktag in den Hintergrund gedrängt oder ganz verwischt würde, wo es sich doch für sie darum handelt, den Seelen das Opfer Christi nahe zu bringen, dem das Opfer der Gefallenen, auch wenn es in der reinsten Gesinnung gebracht würde, nie gleichgestellt werden lann. Jedenfalls darf die Kirche dem vielfach an sie gestellten Verlangen, die Feier aus der Kirche auf den Friedhof oder an die Denkmäler zu verlegen, nicht entsprechen.
Gegen den 1. März spricht, abgesehen davon, daß für die Wahl dieses Tages kein geschichtlicher Anlaß vorliegt, auch ein äußerer Grund. Ein so schöner Frühlingstag wie in diesem Jahr ist uns in den seltensten Fällen beschert; in den meisten anderen Jahren dürfte die Feier, namentlich im Freien, unter der Witterung beträchtlich leiden.
Es scheint ja bezüglich des 1. März auch gar feine volle Einigkeit zu herrschen. Einer Zeitungsnotiz zufolge hat sich die Reichsregie-


