Einzelbild herunterladen

Vw-ch den PrüftSenten bet Bürgerschaft, Lotz, ftatt In einer Ansprache berührte Lotz auch Vie Grvhhamburgeo Frage und sprach die Hoffnung aus. datz es feem neuen Senat gelingen möge, mit Preußen Eine DerstLndigung »u erzielen, die Hamburg als dec ersten Ssehanddsstadt des Festlandes den nötigen Atemraum beschaffe, in dem es seine Ärüftc zum Lützen und Wohle ferner eigenen Bevölkerung und deS deutschen Vaterlandes ent­falten möge.

Das Aufrvertungsgesetz.

Berlin. 19. März. (Wolff.) Wie die ..Boss. Stfl. hört, sind die Besprechungen der Reichs- regierrmg mit den Parteien aus Grund eines vom ReichSjustizminifterium ausgearbetteten Ge­setzentwurfes zur Regelung der Auf- meittMAsfrage soweit gediehen, datz mit dem Abschluß der Verhandlungen vielleicht schon für heute gerechnet werden kann. In der Frage der Hypothekenaufwertung scheint, wie das Blatt wissen will, eine Einigung auf eine Erhöhung der Aufwertungsrate von 15 auf 25 Prozent bereits erreicht worden zu sein, während der Regelung der Anleihen­aufwertung noch größere Schwierigkeiten ent­gegenständen. Das Blatt weist auch darauf hin, datz im Verlaufe der gestrigen Berliner Börse für Dorkriegspfandbriese der Hypothekenbanken sehr rege Kauflust herrschte.

Die VorsäSe in Halle.

Halle, 18. März. (TH.) Der Polizei­präsident Runge ist im Zusammenhang mit den blutigen Vorgängen im Dollspark zur Disposition gestellt worden. Er hatte den ausländischen Rednern das Auf­treten in der Versammlung verboten, obwohl die Bestimmung, auf die er sich stützte, nicht mehr besteht. In den Ermittelungen über die blutigen Vorgänge hat die Polizei übrigens sestgestellt, datz der Engländer, der für die Internationale sprach und mit seiner Rede den Zwischenfall auslöste, ein Deutscher ist, der lange Iahre in England gelebt hat und jetzt von Moskau zur kommunistischen Propaganda nach Deutschland geschickt ist. Der Lei­ter der politischen Abteilung des Berliner Po­lizeipräsidiums, Oexle. wurde von her Re­gierung als Rachfolger für Runge bestimmt.

Ludendorff Präfidentschasts- LandidaL der DöMischen.

Berlin, 18. März. (TH.) Die nationale Opposition der Freiheitsbewegung, bestehend aus btt Äationalsozialistischen deutschen Arbeitervar- tei, den völkischen Verbänden und Organifationc.it, hat heute unter Führung AdolfHii lers Generäl Ludendorff als Reichspräsidentschafts- kandidaten ausgerufen. General Ludendorsf ist heute in Berlin eingetroffen.

Herriot, der Vatikan und das Saargebiet.

Rom, 18. März. (WB.) DerPoppolo Ro- lnanv" schreibt, die Erklärung Herriots im Senat, der französische Geschäftsträger beim Vatikan die Geschäfte Elsah-Lothringens wie des Saargebietes wahrzunehme.t haben würde, hatte Staunen erregt, weil Herriot anscheinend nicht wisse, datz das Saargebiet unter Iuris- dßktion des Trierer Bischofs stehe und dMher in den Rahmen der deutschen katho­lischen Hierarchie hineingehöre. Schon früher habe Herriot einmal von einem Saar bischo f ge­sprochen. Ein solcher existiere aber nur in 5er Phantasie Herriots. Im Rom seien alle bisherigen 'Versuche Frankreichs, die zuletzt durch General Eastelneau unternommen wurden, mittels kirchlicher Einrichtungen die Saarfraqe in einem Deutschland schädlichen Sinne zu beeinflussen, fehlgeschlagen. Die päpst­liche Diplomatie wisse genau, datz das S a ar­ge b i e t noch zum Reich gehöre und denke nicht daran, aus diesem Gebiet nach dem Wunsche Frankreichs ein zweites Lothringen zu machen.

Der Rothardtprvzeh.

Magdeburg, 18. März. (WTB.) Als erster Zeuge wird unter Aussetzung der Dee eidigung G o b e r t vernommen, her aus dem Hntersuchungsgesängnis in Berlin durch einen Polizeibcamtea vorgeführt wird. Er bekundet, datz er in keiner politischen Partei organisiert und national gesinnt fei; an der Versamm­lung im Treptower Park habe er teil­genommen. Schon einige Tage vor der Ver­sammlung war in den Betrieben in Spandau, wo er arbeitete, aufgesordert worden, in den kommenden Streik einzutreten. Er sei aber im Betriebe geblieben. In der Treptower Ver­sammlung sprach Ebert von der Böschung an der Spielwiese aus. Er, der Zeuge, stand fünf­zehn bis zwanzig Meter von ihm entfernt und es waren nur wenige Menschen vor ihm.

Er und seine Kollegen aus den Spandauer Betrieben feien interessiert gewesen, wie Ebert sich zu den Gestellungsbefehlen verhalte. Er habe deshalb einen Zettel geschrieben mit der Frage, wie sich Ebert zu den Gestellungs­befehlen verhalte und ihn Ebert hinaufgereicht. Rach einigen Minuten habe Ebert geantwortet, den Gestellungsbefehlen sei Folge zu leisten, wer einen bekomme, solle sich an die Partei wen­den. Dann werde die Partei das nötige veran­lassen. Auf Vorhalten des Vorsitzenden, datz viele Teilnehmer an der Versammlung die Rede Eberts anders verstanden hätten, erklärte der Zeuge, es sei ganz ausgeschlossen, datz er sich verhört habe.

Dee nächste Zeuge Froehse erllärt über die Gestellun gsb cs c h lc. Ebert habe auf eine dies­bezügliche Frage erklärt:3a. wenn Ihr Gestel­lungsbefehle bekommt, mützt Ihr ihnen selbst­verständlich folgen. Wir als Dartei wil­den aber dafür sorgen, datz die Gestellungsbefehle rückgängig gemacht werden." Als Ebert dies gesagt habe, habe sich ein großer Tumult erhoben. Man habe ihm zugerufen' ..Bremser, Verräter, Hallunke!" Run wird Syrig vernom men, der zuerst über die Versammlung aussagt. Ihn interessierte nur die Frage her Gestellungs­befehle. Ebert habe einen Zettel hinausgercicht bekommen und dann gesagt, wer einen Destel lungsbefehl bekomme, solle ihm nicht Folg, leisten. Vorsitzender: Häbeii Sie das genau verstanden? Zeuge. Iawohl. Auf die Foaae des Do^ihenden, ob der Redner nicht vielmehr ge-

fagt ycwe. ee wa r ne davor. Dem Streikbefehl nicht Folge zu leisten, antwortete Shrig: Dein, denn dann wäre rch am nächsten Tage einer der ersten gewesen, der wieder in den betrieb ge­gangen wäre. Ebert sagte auch, die Partei würde sich dafür einsetzen, datz die Gestellungsbefehle rückgängtg gemacht würden. Auf weitere Fragen Wendel srch Shrig scharf gegen die Be­hauptung. daß ihm im Zusammenhang mit dem Prvz.tz Versprechungen gemacht worden seien.

In der Rachmittagssitzung erklärte General- iaatsanwalt Storp, datz er die Aussagen Ge­berts und Syrigs über die Aeutzerungen. Eberts für unwahr halte. Die Beweisaufnahme ging bann zu dem kriegsgerichtlichen Verfahren über, in dem Dittmann als Redner in Treptow wegen Landesverrats verurteilt wurde. Ver­schiedene Zeugen bestätigen, datz Dittmann zum Ausharren im Streik aufgefordert habe. Generalstaatsanwalt und Verteidiger be­antragten erneut die Ladung weiterer Zeugen. Rach der Vernehmung zweier Leumundszeugen wurde die Verhandlung auf Freitag vertagt.

Deutscher Reichstag.

Besoidungsfragcu.

Berlin, 18. März. Am Regierungstisch Reichssinanzmrnister Dr. v. S ch l i e b e n.

Aus der Tagesordnung steht die zweite Be­ratung des Gesetzentwurfes zur Aenderung des Besoldungssperrgesetzes.

Abg. Allekvtte (Ztr.) berichtet über die Verhandlungen des Haushaltsausschusscs. Der Ausschutz habe beschlossen, datz das Besoldungs­gesetz mit Wirkung vom 1. April 1926 außer Kraft tritt. Wenn die Länder und Gemeinden bereits zum 1. Ianuar 1926 oder zu einem früheren Zeitpunkte durch Einfüh­rung des Zuschlagsrechtes zur Ein- kvnrmen- und Kör Perschafts st euer grvtze Selbständigkeit in bezug auf die Aus­nutzung dieser Steuern erhallen, so tritt das Gesetz schon mit jenem früheren Zeitpunkt außer Kraft.

Abg. Rvhmann (Soz.) protestiert gegen die Verlängerung des Desoldungssperrgesetzes bis zum 1. April 1926. Es sei nur als vorüber­gehende Maßnahme gedacht worden und hätte längst verschwinden müssen. In Bayern habe man früher ebenso gedacht. Seitdem das Reich reaktionär regiert werde, sei aber auch der bay­rische Löwe so zahm geworden wie ein Ka­narienvogel. Ser Redner bemängelt die Hn= zulänglichkeit der Regierungsdenkschritt

Abg. Eichhorn (Komm.) hall ebenialfä den Geschentwur f für unannehmbar.

Abg. Dietrick- Beden (Dem.) lehnt eben­falls die Vorlage ab. Das Gesetz habe die Ge­meinden nicht zur Sparsanckett. sondern zur schlechten Wirtschaft veranlaßt. Es handele sich- jetzt um die große Tal. die V c r w a l t u n g c n der Kommunen wieder in Ordnuirg zu brin­gen. Wenn man von den bewahrten ©runbfaßen 5er Steinschen Gemeindeordnung abgehsn wolle, bann hatte man den alten Staat weiter be­stehen lassen sollen. Der Rechtsausschutz müsse nachprüfen, ob das Gesetz versassungsäirdernd sei.

Abg Schröder -Mecklenburg (Rat -Soz.) verwirft ebenfalls die Vorlage.

Die Vorlage wird darauf in zweiter Lesung gegen Demokraten. Sozialdemokraten, Kommu­nisten und Rationalsozialisten angenommen.

Der Antrag Dietrich-Baden (Dem.), die dritte Lesung auszusehen und den Gesetzentwurf zur Rachprüfung der Frage, ob er Verfas­sung s ä n d e r n d sei, dem Rechtsausschutz zu überweisen, wird abgelehnt.

In der dritten Lesung werden die Einlei­tungsbestimmungen des Gesetzes angenommen.

Abg SteinroPf (Soz.) beantragt dabei die Abstimmung über die Bestimmung, daß das Sperrgesetz erst mit Wirkung vonr 1 April 1925 ab außer Kraft tritt, auszusehen und auf Donnerstag zu vertagen

Der Antrag auf Vertagung wird abaclehnt. Die Abstiurmung über die grundlegende Bestim­mung erfolgt namentlich Sie ergibt die Annahme der Bestimmung mit 166 gegen 154 Stimmen bei vier Stimmenthaltungen

In der Schlußabstimmung fordert Abg. Külz (Dem.) namentliche Abstimmung, damit festgestcllt werden könne, ob das Gesetz eine qualifizierte Mehrheit habe. Seine Fraltion halte es für versassungändernd.

Die Schlußabstimmung ergibt für die An­nahme des Gesetzes mit 165 gegen 153 Stimmen einfache Stimmenmehrheit.

Vizepräsident Dr. Dell stellt fest, daß Zweifel daran, ob das Gesetz verfassungänderno sei, da eine qualifizierte, eine Zweidrittel- mcchrhett, nicht vorlrege.

Es folgt die zweite Beratung des Gesetzes über die vierteljährliche Gehaltszahlung der Be­amten. Danach soll

die vierteljährliche Gehaltszahlung der Beamten wieder eingeführt werden. Der Zeitpunkt der Wiedereinführung wird die Reichsregierung mit Zustimmung des Reichsrats und des Ausschusses des Reichstags für den Reichshaushalt bestim­men. Hierbei kann bestimmt werden, daß die Vierteljahrsbezüge zu einem anderen Zeit­punkt als zu Beginn des Kalendervierteljahrs gezahlt werden oder datz an Stelle der viertel­jährlichen zunächst eine zweimonatliche Vorauszahlung erfolgt.

Der Haushaltsausschuß beantragt die unver­änderte Annahme der Vorlage sowie der Entschließung. die Reichsregierung $u ersuchen, die vierteljährliche Gehaltszahlung mrt tunlichster Beschleunigung, spätestens aber bis zum 1. Oktober 1925 einzuführen.

Abg. Schuldt - Steglitz (Dem.) empfiehll diese Regelung. Es müsse endlich mit den Ver­ordnungen Schluß gemacht und wieder Ordnung geschaffen toerfcen.

Die Vorlage wird darauf in zweiter und dritter Lesung und in der Schlußabstimmung mit der Entschließung angenommen.

Die zweite Lesung des Reichshaus- baltsplanes wird fortgesetzt, und zwar mit der Einzelberatung beim

Reichsjustizministerium.

Abg. Frau Dr. Stegmann (Soz.) spricht gegen den Gebärzwang. Es müsse unter gewissen Voraussetzungen den Aerzten gestattet fern, Ein­griffe vorzunehmen.

Abg. Frau Agnes (Soz.) tritt für Er­leichterung der Ehescheidung ein und bedauert die ablehnende Hallung des Iustizministers. Eine erzwungene Ehe sei nur eine Hölle.

Reichsjustizminister Dr. F renken hält daran fest, baß er einer Crteidjterung der Ehe- ' fcheDung niemals zustttmnen werde. Sein Stand-

puntt stehe iett zzahrzeynren fest und wevve un­veränderlich bleiben, bis des Himmels Wille anders über ihn verfüge. (Lärm links.) Auch bezüglich der Abtreibung sei sein ablehnender Standpunkt ganz bestimmt und unveränderlich (Erneuter Lärm links.) ,

Abg. Frau Ahrends (Kom.) bedauert die ablehnende Hallung deS Iustizministers.

Abg. Brodaus (Dom.) hält die schroffe ablehnende Haltung des Ministers zur Erleichte­rung der Ehescheidung für äußerst bedauerlich.

Ein demokratischer Antrag auf Regelung des Zwangsvergleichsverfahrens wird angenommen.

Mg. Schroeder (Rat.-Soz.) beantragt Streichung der Kosten für den Staats­gerichtshof. Der Staatsgerichtshof sei aus gemeiner Angst und aus gemeinem Hatz einge­richtet worden. (Stürmische Pfuirufe links.) Präsident Lobe ruft den Redner zur Ord­nung. Damals sprach Reichskanzler Dr. Wirth das Wort:Der Feind steht nicht an den Grenzen, sondern rechts. (Stür­mischer Widerspruch links und lebhafte Pfui­rufe.) Der Staatsgerichtshof sei für einen modernen Staat untragbar. Es sei ein Schandfleck für die deutsche Geschichte, daß das deutsche Volk sich etwas derartiges gefallen lasse. (Betäubender, anhallender Lärm links. in dessen Verlauf der Abg. Dittmann (Soz.) zur Ordnung gerufen wird.) Unter anhaltendem Lärm ver­läßt der Redner das Pult.

Abg. Müller- Franken (Soz.) sagt der nationalso ialistischen Demagogie voraus, datz sie bei den nächsten Wahlen aus dem Reichstag ver­schwinden werde. Unter dem Sozialistengesetz seien Tausende verurteilt worden, ohne um Gnade zu winseln, wie Herr v. Klllinger. Bismarck habe hektographierte Strafanträge gehabt. Das Ver­halt en der Rechte beweise, daß der Staats- gerichtshof noch notwendig sei. Wirth habe fein Wort, daß der Feind rechts stehe, mit Recht gesprochen, nachdem ein Mann, der sein ganzes Leben für die Republik eingesetzt habe, von rechts­gerichteten Mördern niedergeschossen wurde. (Große Unruhe rechts.)

Abg. Andre (Ztr.) stellt fest, daß Dr. Wirth in seiner Rede nicht gesagt habe, der Feind steht nicht an den Grenzen, sondern rechts. Er habe sich auch nicht gegen die Deutschnationa- len gewendet, sondern g>gen die Mörder, die nicht links, auch nicht in der Mitte, sondern rechts standen. (Große Unruhe rechts.)

Abg. Quaah (Dtschntl.), der den Redner als Verleumder bezeichnet, wird zur Ord­nung gerufen.

Abg. Schultz- Dromberg (Dtschntl.) be­dauert. daß wieder an die Rede Dr. Wirths er­innert worden sei. Das republikanische Schutz­gesetz fet untragbar, es sei ein Hohn auf die Kultur.

Abg. Dittmann (Soz.) wirst den Kommu­nisten vor. daß sie die Arbeiter in die Putsche bincinttcibcn, während deren sie dann verurteilt werden.

Die Ausgaben für den Staatsgerichtshos wer­den gegen die Rechtsparteien und die Kommu­nisten bewilligt.

Damit ist die zweite Lesung des Iustiz-- hausbaltes erledigt.

Abg. Dr. K u e h (Dem) berichtet bann über Verhandlungen des Wohnungsausschusses in Sachen des Mieterschutzes. Der Redi^r gibt dann für seine Fraktion eine Erklärung ab. wo- j nach die befriedigende Lösung der Wohnungsfrage das bringen bfte s o - ziale Gebot der Gegenwart und der nächsten Zukunft fet Pflicht der Reichsregierung sei es. schleunigst die erforderlichen Gesetz­entwürfe vvrzulegen. Auch die Frage des Siedl ungs- und des P acht schütz we­sens müsse schleunigst behandelt werden.

Ein Regierungsvertreter sagt die gewünschte Statistik zu. Die Regierung werde im Abbau der Wohnungszwangsairtschaft fortfahren, so­weit das mit den Maßnahmen zur Linderung der Wohnungsnot vereinbar sei. Sie werde sich mit den Ländern in Verbindung setzen und so schnell wie möglich die betreffenden Gesetzentwürfe vvr- legert.

Damit vertagt sich das Haus auf Donnerstag.

Aus aller Welt.

Mesenbrand in Tokio.

Tokio, 18. März. (Wolsf.) Gestern nach­mittag brach im Aorden der Stadt ein Brand and, der bald einen größeren Umfang annahm, und dem bis 10 Uhr abends schon 1000 Hauser zum Opfer fielen. Um der Feuers­brunst, bk sich nach allen Richtungen ausbrei­tetet. Einhalt zu tun, wurde Militär ein­gesetzt, das im Umkreis um die brennenden Stadtteile die Häuser utederreißt, um so einem Wellergreisen des Brandes Einhalt tun. Aus den brennenden und bedrohten Stra­ßen flüchten, mit Hausrat aller Art bepackt, die Einwohner.

Die letzten Meldungen des Mittwoch nennen die Zahl der eingeäscherten Gebäude bereits mit 3000. An Menschenleben sind bisher 1800 zu benagen. 20 000 Obdachlose irren durch die Stadt und versperren mit ihrer geretteten Habe die noch freien Straßen. Die Polizei hat die größte Mühe, die Ordnung nur einigermaßen aufrechtzuerhallen.

S90 Opfer eines Wirbelsturmes.

Reuhork, 19. März. (WTB. Funkspruch.) Aus Chikago w'rd von einem großen Wirbel- sturm berichtet, die Zahl der Opfer in achtzehn Städten in Illinois (Missouri) mit 890 To- t c a und 2099 Verletzten angegeben. Vielfach brach Feuer aus, wodurch der Schaden noch erheblich verschlimmert wurde.

Die Schlagwetterkatastrophe in Aircrriount.

Das Explosionsunglück in einem Kohlenberg­werk der Bethlehem Mines Corporation hat einen größeren Umfang angenommen, als sich zuerst übersehen ließ. Man nimmt an. daß 50 Berg­leute getötet sind. Die Rettungsarbei­ten sind außerordentlich schwierig, da die ganze Zeche brennt. Ueber bte Ursache des Unglücks ist bisher noch nichts bekannt, doch wird es für möglich gehallen, daß ein Atten­tat vorliegt. Es ist bereits eine Verhaftung vvraenommen worden. Aus allen umliegenden Stäbten find Rettungsmannschaften unterwegs. Eine staatliche Untersuckungskommif- s i d n hat bereits an Ort uno Stelle mit ihren 2Irbeiten begonnen. Rach einer anderen Mel­dung soll die Ekplosionsursache in der Wetter-- ' sührung Kegen-

Dor neuen Polarexpedtttvoen.

Wie wir hören, hallen sich zur Zett bt Norwegen die drei englischen Polarforscher ©falten, Dernacchi und Worsley auf, die eine SüdpvlarexpeditionmitTrak- toten an Stelle der gewöhnlichen Hunde- gespannc planen. Die Expedition soll sich nach unbekannten Gegenden von Grahamsland erstrecken. Ihre Dauer wird auf ungefähr ein Iaht berechnet. Auch Roald Amundsen ist mit den letzten Vorbereitungen zu feiner Ro rd- pol-Flugcxpeditivn beschäftigt. Die Ex­pedition soll binnen kurzem nach Spitzbergen abgehen, wohin die von Italien unterwegs be- findlichen Flugzeuge durch das ExPÄ>itionLschifs Hobby" gebracht werden sollen.

Tirpitz Ehrendoktor

Großadmiral von Tirpih begeht am 19. März seinen 76. Geburtstag. Die Universität Greisswald ehrt den Großadmiral durch seine Ernennung zum Dr. Phil. h.c. Dic Hebergabe des Doktorbriefes erfolgt am Abend bei einer kleinen Feier im Haufe des Groß­admirals.

Staffenränber in Teltow.

In Teltow drangen drei Männer in die Räume der Sparkasse am Lauterplatz in Friedenau ein. Sic hielten den Kassenvorstand, der sich allein im Kassenraum befand, mit vor- gehaltenem Revolver in Schach und raubten dann den Gesamtinhall der Kasse mit etwa 10 000 Mark. Darauf ergriffen sie die Flucht Sie versuchten in dem Gedränge des Wochen­marktes zu entkommen, es gelang aber den Be­amten der Kas^e, nach längerer Verfolgung zwei llkäuber festzunehmen.

©rubenunfaU in Schlesien

In Zwogau bei Falkenau ereignete sich in Matiahils- und Mathias-Werken beim Ein­fahren der Zechenarbeiter ein schwerer Un­fall. Der Fötdetmaschinist wurde von einem Unwohlsein befallen und ließ zwei Förder­schalen mit je 5 Mann auf fallen Don den 10 Arbeitern erlitten 7 schwere Verletzungen

Eine Hütte verschüttet.

Aus Lengnau (Aargau) wird gemdbet: In einer Kiesgrube, die von einem in ärm­lichen Verhältnissen lebenden Arbeiter namens Schmies betrieben wurde, ereignete sich ein Zu­sammenbruch der Grubcnwand. Durch den Einsturz wurde die Hütte an der Kiesgrube, in der sich die 38jährige Frau mit ihren sechs Kindern aufhiell, verschüttet. Die fieber Personen konnten nur noch als Leichen gebor­gen werden. Der Mann war zur Zett des Un­falls an einer anderen Stelle beschäftigt und kam so mit dem Leben davon.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 19. März 1925.

Turnen

der schulenLLassenen Jugend.

Hunderttaufende pon jungen Menschen ver­lassen jetzt wieder dic Schule und treten m ba£ Berufsleben ein. So mancher Iüngling, manches Mädchen freut sich vielleicht, nun nicht mehr lernen zu müssen, und muß doch nur allzu schnell erfahren, daß das Lernen unb Gehorchen jetzt erst beginnt. Das Leben stellt nur allzu sruh feine Anforderungen an den Menschen, und ge> radc wir in Deutschland müssen angesichts unte­rer schweren Wirtschaftslage dafür sorgen, daß unsere Iugend in jeder Art und Weife vorbereitet wird auf den Ka»npf ums Dasein, damit sie im­stande ist, ihren Platz auszufüllen. Mehr als bisher, wo wir aus einem getoaUigen Menschen- material die Besten aussuchen konnten, ist e8 heute nötig, jeden Einzelnen brauchbar zu machen. Dazu genügt nicht, daß der junge Wann, das junge Mädchen nur im Beruf in technischer und geistiger Beziehung ausgebildet wird. Die Er» pcrlichc Betätigung darf nicht vernachlässigt wer. den, wenn wir die Arbeitskraft des jungen Men­schen erhalten wollen bis ins hohe Alter. Leider sind wir iwch weit davon entfernt, daß auch dic schulentlafsene Jugend pflichtmäßig dazu ange- hallen wird, Leibesübungen zu treiben. Ist schon die tägliche Turnstunde em Ziel, dessen Ver­wirklichung noch immer auf sich warten läßt, so gilt das in wett höherem Maß für die Tum- pflicht der Schulentlassenen. Gerade der jugend­liche Körper bedarf aber in der Zeit des Wachs­tums der körperlichen Betätigung: denn erst hier­aus ergibt sich der Reiz zum Wachstum. Herz und Lunge werden gekräftigt und der Knochen­bau gestärkt. Die Pflicht, die Schulentlassenen zu Leibesübungen anzuhalten, obliegt in erster Linie iratürlich den Ellem. Sie haben ja auch das größte Iitteresse daran, daß ihre Kinder gefunb bleiben und kräftig werden. Leider fehlt es hier noch recht oft an der nötigen Einsicht. Dafür zu sorgen, daß die Erkenntnis vom Werl der Leibesübungen alle Schichten unserer Be­völkerung durchdringt, ist deshalb nicht minder Pflicht der Turn- und Spvrtverbände, die dic Pflege der Leibesübungen zu ihrer Aufgabe ge­macht haben.

Greßrener Wochenmarkwreise am 19. März (Händlerpreise).

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkk das Pfund Butter 220, Matte 40. Käse 70. Wirsing 25, Weißkraut 20, Rotkraut 25. gelbe Rüben 10. rote Rüben 12, Spinat 50, Unter- Kohlrabi 6, Grünkohl 30, Rosenkohl 50 Feld­salat 100, Tomaten 150. Zwiebeln 20 biS 25. Meerrettich 70 bis 100. Schwarzwurzeln 70. Kar­toffeln 5, Aepfel 15 bis 20. Dirn«n 10 Dörr­obst 40 Honig 40, junge Hahnen 100, Suppen­hühner 120, Eirdivien 80: das Stück Eier 12. Blumenkohl' 70 bis 150, Salat 30, Ober-Kohlrabi 10 bis 25, Sellerie 15 bis 70.

Wettervoraussage.

Wenig kälter bis zu leichtem Rachtsrvft, tags­über schwach bewölkt, vorwiegend nordwestliche Winde, trocken.

Heber Mitteleuropa Liegt ein langgestrecktes Gebiet höheren Druckes mit schwachem Druck­gefälle. An seiner Rordfront ist aus dem Rord- meer ein Tiefdruckgebiet nach Skandinavien vor­gestoßen, ohne daß die südlichen Ausläufer des Tiefs stärkeren Einfluß in Deutschland gewonnen haben. Das Fallgebiet zieht südöstlich Wetter. In Ostdeutschland dürften zettweise Regenfalle eintrelen, während West- und Mitteldeutschland durchweg trockenes, wenig kälteres Wetter bei zeitweise auftlärenbein Himmel zu erwarten haben.