Einzelbild herunterladen

llr. ö ) Erster. Statt

1Z5. Jahrgang

Donnerstag, <9. ITIäri 1925

Erschein! täglich, außer Sbriu und feiertags.

Beilagen:

GtehenerFainilienbläller Heimat im Bild.

Monatr-Vezngsprelr: 2 Goldmark u. 20 Gold Pfennig für TrLgerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt F e r n s p r«ch-Anschltisse: Schriftleitung 112, Ver­lag undMeschaftsstelleSl. Anschrift für Drahtnach­richten: Lnreiger«ieheu.

Postscheckkonto:

Frankfurt a. M. 11886.

SiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Vrvck und Verlag: vrühl'sche Univeksitätr-Vuch- und Steinömderei B. Lange in Sietzen. Schnstleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze r.

nahm« m l*$ttaei für bit lageonummer vi» zum Nachmittag vorher ohne jedeDerdindltchkei^

Preis für l mm höh« für Anzeigen von 27 mm Breite örUich8, auowärt» 10 Goldpfennig; für Re­klame-Anzeigen v 70mm Breite 35 GoldpfenniL Playvorschrist 20eSuf* schlaa. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für de« Anzeigenteil: Hans Beä^ sämtlich in Gießen.

Das Ende

der hessischen Krisis.

Der Preis des Zentrums.

Lar«stabt, 19. Marz. sEigener Bericht.) Zu der schon gemeldeten Rückkehr deS Kabinetts her Weimarer Koalition in Hessen ist nach- zutragen, daß das Justizministerium seht von dem Minister des Innern mit­verwaltet werden soll, doch soll künftig der erst« Justizbeamte, der den Minister vertritt, Im Gesamtministerium eine beratende Stimme erhalten.

Die Sitzung des Landtags, worin der Staats­präsident gewählt und die Regierung gebildet wird, ttndet Dienstag, 24. Mär», statt. Der bisherige Staatspräsident rllrich wird wiedergewählt werden; außerdem wird über baS Rotqesetz zur verlängerten Dauer des Staatshaushalts abge­stimmt werden, daS die Rechtsparteien bereits hn Finanzausschuß abgelehnt haben.

Die verlautet, soll das Zentrum als De- dillgnng für seinen Eintritt in bte Regierungs- koalitioa di« Errichtung von Professu­ren für katholische Philoso phie und Weltanschauung an der Landesuni- verfität Gießen und an der Techni. scheu Hochschule in Darmsta dt verlangt haben. Die beiden anderen Kcalittonsparteien sollen dem z u g e st i m m t haben, ebenso wie der Erhaltung der katholischen Pri- vatsch n len.

3m .Finanzausschuß zog die Regierung ihre Vorlage über die Organisation der Bad- Rauheimer Polizei zurück, weil ihr sämt­liche Parteien widersprachen. Dagegen nahm der Ausschuß einstimmig einen Antrag non Dr. Leuchtgens (Bbd.) an, in bem. Die Regierung ersucht wird eine Statistik über die Beamtenbesoldung feil 1914 vor- zulcgen. Ferner nahm der Ausschuß u. a. gegen die Stimmen der Rechtsparteien den CMc' t= Wurf über die Gewerbesteuer für 1925 an.

Die preußische Krisis. Der Plan eines reinen Beamten­kabinetts.

Berlin, 19. März. (Priv.-Tel. d. DB.) Zur Frage der Regierungsbildung In Preußen melden btc Blätter, daß im Vordergrund: der gestrigen intersraktivnellen Verhandlung n der Plan eines Kabinetts gestanden habe, das sich lediglich aus Beamten zusaminensehte, die den Parteien von den Sozialdemokra­ten bis zu den Deutschnationalen; nabestehe. Die Verhandlungen, die a.-ftern noch nicht zu einem Abschluß gelangten, sollen heute fortgesetzt werden. Ministerpräsident M a r i wird sich laut ..Germania" heute entscheid.n, ob cr an die Spihe eines solchen Kabinetts treten, oder sein Mandat in die Hände des Landtags- Präsidenten zurückgeben werde. Der »Lokal- anzetger" nennt bereits als Ministerpräsidenten für den letzteren Fall den Kammerg.-'ichtspräsi- benien Tlgges, den früheren preußischen Fi- nanzminister S ä m i s ch und der denr Zentrum nahestehende Landeshauptmann der Rheinprovinz H o r i o n.

Beamtensraaen im Haus^altsausschuh.

Berlin, 18. ^Ilärz (Wolff.) Der Haus- yallsausschuß wandte sich den Anträgen auf Erhöhung des Teuerungszuschlags von 1 2*> auf 20 Prozent für b i e De - fvldungsgrupven 1 bis 6 zu Reichs- ftnanzminister v. Schließen wandte sich ge­gen den Antrag, solange die wirtschaftliche Lage die Steuergefetzgcvung. der Finanzausgleich und die Aufwertungsfrage so wenig geklärt seien, dürfe man nicht neue dauernde Lasten au? sich nehmen. Ministerialdirektor S i tz l e r vom Reichs­arbeitsministerium erkannte an, daß nach den bisherigen Erfahrungen eine Erhöhung der- Be- amtenqehälter nicht ohne Rückwirkung auf die Privatindustrie bleiben würde. Reichsveriehrsminister Kröhne betonte die schweren Rückwirkungen einer Erhöhung der De- cuntenbesoldung auf die Personen- und Gütertarife. Abg. Morath (D. Vp.) be­antragte mit Rücklicht auf die Regierungserklä­rungen, die eine Stellungnahme der Fraktion notwendig machten, die Anträge zu vertagen. Hierauf vertagte sich der Ausschuß,

Die Nmwahl des Hamburger Senats. Wüste Tumultszenen derKonttunn'sten

Hamburg, 18. März. (DTD.) Bei der heutigen Reuwahl Senats durch die Bürger­schaft kam es zu wüsten Tum ult sz e n e u Die Kommunisten brachten eine 3 t:; pellation über d'.e Verweigerung von Mrlo l> an die polttischen Festungsgefangenen ei ' ''. deswegen in den Hunger st reik eir.n sind- Als die Bürgerschaft die Belprechun. .vt zuließ, wurden von der vieren Tribüne Zettel tn den Saal geworfen, worauf der P 'ident diese Tribüne räumen ließ. Die . imunisten Levy und Hoffmann trugen Plakate im Saal umher, auf denen die Forderung nach Ent­lassung der Festungsgefangenen stand.

sie sich der Aufforderung deS Präsidenten,

Dr. Jarres vor seinen Wählern.

Das nationale Programm des polittfchen und sozialen Ausgleichs.

Wie an allem übrigen, so fehlt es uns auch bei dem Wahlkampf um die Präsidentschaft an Tradition. Auch da müssen erst noch be­stimmte Formen gefunden werden, die, ohne ge- fehlich festgelegt zu werden, unbedingte Richt­schnur für alle Parteien und alle Bewerber sein sollten. Dabei beschütze uns aber Gott vor dem amerikanischen Vorbild, der W ahlrum- m e l. den sie drüben inszenieren, ist für unser Bolls empfinden etwas so fremdes, daß er nur abstoßend wirken könnte. Das scheinen auch alle Parteien zu empfinden, jedenfalls zeigen sich bisher nur ganz bescheidene amerikanische An- llänge.

Am Mittwoch hat Herr Zarres offiziell den 'Wahlkampf eröffnet in einer Versammlung, die von Vertretern aus dem ganzen Reiche be­schickt war. gewissewnaßen also eine Zusammen­fassung aller der Organisationen darstellte, die hinter seiner Kandidatur stehen. Es ist also an sich lein Wunder, wenn er bei seiner Vorstellung jubelnden Erfolg hatte. Aber, auch wenn man sehr viel abzieht, was aus der Augenblicks­stimmung geboren war. so bleibt doch seine Wahl­rede in ihrer Form und in ihrem Inhall vor­bildlich; man darf nur hoffen, daß die anderen Bewerber und vor allen Dingen deren Wahlmacher seinem Beispiel folgen. Dann werden wir dahin kommen, daß der Wahlkampf, wie Herr Jarres es wünscht, ritterlich ge­führt wird und alle Angriffe auf die persönliche Ehre der Wettbewerber vermieden werden. Es ist schon richtig, daß. wer b?i höchsten Vertrauens­posten des Dolles etnneh . i soll, cm besonderes A ?cht darauf hat, daß ihm gegenüber der politische Anstand in jeder Form gewahrt wird.

An die Spitze seiner sachlichen Ausführungen hat Herr Jarres das Treubekenntnis zu seiner rheinischen Heimat gestellt. Da­bei werden ihn zum großen Teil Empfindungen! deS Gemüts bestimmt haben. Jeder Deutsche bleibt doch, wohin ihn auch das Schicksal ver­schlägt, letzten Endes immer das Pro butt der Hei- mat und des Elternhauses. Aber bei Herrn Jarres ist eS noch mehr. Die Gegner rennen gegen ihn an mit dem Schlagwort der 3er- sackungspolitik. worunter sie den versteck­ten Vorwurf verstehen, daß Herr JarreS eine Politik befürwortet hat. die das besetzte Gebiet im Stich lassen wollte. Was er damit im Auge hatte, war etwas ganz anderes. Er hat es aber vermieden, auf diesen Streit jetzt bereits näher einzugehen, eben um alle Verschärfung des Kampfes zu umgehen. Deshalb beobachtete cr hier eine mehr defensive vornehme Zurück- hallurg, die lediglich darauf berechnet war, das auseinanderzu^ehen, was er wollte. Aber er hat gleichzeitig zu verstehen gegeben, daß er, wenn cs fein muß, eine gründliche Darlegung nicht zu scheuen hat. daß er dann aber a l s Ankläger auftreten muß, sich jedoch diese Rolle lieber erspart.

Auf diesen Ton der Versöhnlichkeit ist auch sonst das Programm gestimmt, unter dem Herr Jarres in den Wahlkampf hinein geht. Er weicht keiner der brennenden Fragen aus, die in der Polemik der lehren Jahre ausgerolll sind, aber die Art. wie er sie anpackt, hat immer etwas versöhnliches; er sucht nicht den Gegensatz, sondern den Ausgleich, schon um zu zeigen, daß der Reichspräsident niemals der Ver­treter einer einzelnen Partei oder einer einzel­nen Gruppe sein dari. sondern sich in allen seinen Handlungen als Repräsentant des ganzen Vol­kes fühlen soll. Die Verfassungstreue ist für ihn eine Selbstverständlichkeit, wie für jeden an­ständigen Menschen, der einmal den Eid ge­schworen hat. Aber er lehnt den Buchstaben- glauben ab Er weist hin auf die Lieberspannung des unitarischen Gedankens, die den Ländern nicht das notwendige (Eigenleben läßt und deshalb die deutsche Einheit nicht fördert. Eine organische Entwicklung scheint ihm daher notwendig, nicht allerdings im Sinne einer Restauration. Was morsch war. kann nicht wiederkehren, aber des­wegen sollen wir doch das Blld des alten Deutschland in einem treuen anhänglichen Ge­dächtnis bewahren.

Der Wille zum Ausgleich, der Versuch einer Vermittlung zwischen Vergangen­heit und Gegenwart, also auch hier, benso wie in dem unglücklichen Flaagenstreik, die An­erkennung. daß schwarz-rot-gold die verfassungs­mäßigen Farben sind, aber auch das Zugeständ­nis, daß es ein nationales Verhängnis war, wenn in Weimar diese Frage vorschnell unb kurzsichtig entschieden worden ist. Achtung vor der verfassungsmäßigen Fahne, Achtung aber auch vor den aller, Farben schwarz-weiß-rot, in denen fick die Symbole einer ruhmreichen Vergangenheit verkörpern. Wir hoffen, daß es

mit dieser Formulierung Herrn Jarres gelungen ist. den Wahlkampf soweit zu entgiften, daß weder der Streit um die Monarchie und Repu- blü noch der Streit um die Flagge in den Mittel- punll gerückt ist Dafür gab er die Parole aus: Gegen Kastengeist und Klassenhaß, für Staats wo hl und für nationalen Fortschritt. Mit dem Schlachtruf:Der deutschen Zwie­tracht mitten inS Herzk" will Herr Jarres sich durchsetzen.

vr. Jarres' Berliner Rede.

Berlin, 18. März. (Wolff.) Der Reichs- block veranstaltete heute nachmittag im großen Saal der Philharmonie eine Del egier ten- versammlung, die von Vertretern aus dem ganzen Reiche besucht war, vor dem der Kandidat deS Reichsblockes für die Präsidentenwahl, Oberbürgermeister Dr. Jarres, seine erste Wahlrede hielt. Schon lange vor Beginn der Versammlung waren Saal und Tribüne über- füllt Anwesend waren u. a. Reichsaußenminister Dr. Stresemann, Reichsinnenminister Dr. Schiele, General von Hutier, führende Ver­treter des Reichsbürgerrates und der großen Parteien und Wirtschaftsverbände, die dem Reichsblock angeschlossen sind. Der Präsident des Reichsbürgerrates, von Loebell, begrüßte die erschienenen Delegierten und stellte ihnen den Kandidaten des Reichsblockes. Dr. Jarres, vor, der von der Versammlung mit stürmischem Bei­fall begrüßt wurde. Zu Beginn der Ausführun­gen gab Dr. Jarres feiner hohen Achtung Aus­drucks die er unbeschadet der Verschiedenheit der gegensätzlichen politischen Einstellung dem An­denken des verstorbenen Präsidenten Ebert bewahren werde, unb fuhr fort, nur der Gedanke, daß nach ihrer Ansicht durch meine Kandidatur das hohe Ziel der

Zusammenfassung aller den Staat bejahenden nationalen Kräfte

gefördert -toirb. konnte mich betragen. Ihrem ehrenvollen Rufe zu folgen. Ich geftei>e offen, daß ich die Kandidatur einer einzelnen Par­tei, wenn |ie an mich herangetreten wäre, hätte ablehnen müssen; beim ich bin der Auf­fassung, daß der Präsident des Reiches nicht Vertreter irgendeiner emf eiligen Parteirichtung oder einseitiger Wirtschaftsinteressen fein darf. Auch mein dringender Wunsch war es. daß die überparteiliche Basis für die Wahl des Präsidentschaftskandidaten eine noch weiter- gehendeie Verbreiterung finden möge. Dr. Jarres gab dann einen kurzen Bericht über seine Person und 'seinen Lebenslauf, den er mit der Feststellung begann: Alles, was ich bin unb habe, verdanke ich meiner rheinischen Hei­mat. Wie tausend andere hatte ich die Ehre, für meine Pflichterfüllung als Beamter und Bürger zu büßen. Auch nach wiederholter Aus­weisung beteiligte ich mich nach Kräften an dem Abwehrkampf meiner Landsleute. Wir muß­ten schließlich den passiven Widerstand aufgeben. Niemals werden wir W derstand gegen irgend­welche LoStrennungsbestrebungen unserer Gegner einstellen.

Der Rhein muß deutsch bleiben.

Der waffenlose Kampf um Volkstum unb Heimat würde nicht vergebens gekämpft. Gr hat die kerndeutsche Art des Rheinlan­des vor aller Welt offenbar gemacht unb hat den b e u tfxbe n Ram en wieder z u neuem Ansehen verholsen, die Selbst­achtung unseres Volkes geweckt, unb da­mit eine wichtige moralische Voraussetzung für die allmähliche geistige und wirtschaft­liche Gesundung geschaffen. Ich bin stolz darauf, in diesem Kampfe in vorderster Reihe gestanden zu haben. Wenn tn diesen Tagen wrederum trotz oftmals erfolgter Auf­klärung und Richtigstellung mit dem Schlagworte .Versackungspolitik" gegen mich gear­beitet wird, an das sich die abenteuerlichsten Vorstellungen knüpften, so sage ich Ihnen, daß dieser Verwurs eine frivole persönliche Verleumdung und geradezu eine cherliche Verdrehung der geschichtlichen Vor­gänge und Tatsachen darstellt. Ich darf hier batan erinnern, daß bie von mir cmempsoh- Cene Politik gerade in den nationalen Kreisen unserer Bevölkerung, nicht zuletzt im Rheinlande selbst, Verständnis und Billigung gefunden hat. Der Gedanke einet Preisgabe hat zu keinem Zeitpunkt auch nur im entferntesten im Bereich meiner politischen Erwägungen gelegen. Olein, ich darf von mir sagen, daß ich nach dem unglück­lichen Ausgange des Krieges meine Lebensauf­gabe gerade darin erblickte, die unantast­bare Zugehörigkeit der Rheinlande zu Deutschland innerhalb des Reichs- und

StaatSgeftihls zu erhallen unb zu sichern. Ztt den

Aufgaben und Pflichten des Reichspräsidenten übergehend, erklärte Dr. Jarres, daß sich für jeden Mann von Ehre die selbstverständlichc! Verpftichtung ergebe, die Verfassung und den Staat nötigenfalls unter Anwendung der zu Ge­bote stehenden Machtmittel zu schützen. Dr. Jarres fuhr fort: Rach dieser notwendigen Feststellung will ich aber kein Hehl aus meiner inneren* Heberscugung machen, daß ich unb, wie ich glaube, mit mir große Teile des deutschen Vol­kes in der jetzigen Verfassung nicht das Ideal erblicken können, daß sie mir viel­mehr in vielen ihrer Bestimmungen schon heute reformbedürftig erscheint. Das gilt auch von dem Verhältnis zwischen dem Reich und den Län­dern. Zweifellos hat bie Weimarer Verfassung den unitarischen Gedanken In einer Weise überspannt, die den Ländern nicht das not­wendige Eigenleben läßt, und auf die Dauer die deutsche Einigkell und Einhell nicht fördern wird, sondern im Gegenteil gefährden kann. Ich Halle daran fest, daß die Verfassung auf der Bahn organischer Entwicklung weiter gebildet werden muß.

Wir find keineswegs der Auffassung, ba£ die Restauration" der Zustand« vor 1914 möglich oder auch nur wünschenswert Ware. Auch wir, die wir das Bild des alten Deutschlands in treuem und anhänglichem Gedächtnis be­wahren, find keineswegs blind gegen die Fehler und OÄängel der allen Zett. Was sich tn den Stürmen deS Krieges und der Revolution al- morsch erwieS, kann nicht Wiederkehr«».

Wir lehnen die Auftassung ab, als ob es b«4 dieser Wahl deS Reichspräsidenten um die Gnt- scheidung über bie Streitfrage .Monarchie ober Republik' ginge Letzten Endes ist nicht die Form des Staates entscheidend, sondern sein Inhalt. Ich Halle es für ein nationales Verhängnis» daß man in Weimar die Flaggenfrage so vorschnell und kurzsichtig entschied, ohne aut die heiligsten Gefühle in unserem Volke unb bte eindringlichen Warnungen auS den Kreisen bet Auslanddeutschen zu achten. Die Aufgabe des Reichspräsidenten sollte eS sein, seine ver­mittelnde Tätigkeit hierbei versöhnend einzuschalten. Schwarz-Rot-Gold sind die verfassungsmäßigen Farben des bestehenden Staates. Die Achtung, bie darum dieser Flagge entgegengebracht werben muh, würbe nach meiner äleberzeugung eine allgemeine sein, wenn man nicht dazu übergegangen wäre, bie Farben Schwarz-Rot-Gold zu partelaglta^ torischen Zwecken zu mißbrauchen. Wir bringen ber verfassungsmäßigen Fahne die schuldige Achtung entgegen, aber wir fordern auch für uns das Recht, die alten Farben Schwarz-Welß-Rot, tn denen sich uns die Sym­bole unserer ruhmreichen Vergangenheit ver­körpern, ungehindert zu ehren unb hochzuhallen. Ein Deutscher, der die Vergangenheit schmäht, well uns das Unglüd eines verlorenen weiß Gott nicht verschuldeten Krieges traf, handelt wie ein Mensch, der seine Mutter, die Hüterin glücklicher Kindheitstage, verleugnen wollt«, well sie in Rot geriet.

Wir treten für bk Fortentwicklung unb (Er­neuerung bes Staate- auf nationaler, christlicher unb sozialer OrunMage ein.

Darum bekämpf en wir den undeutschen Geist bet Rovember-Revolution. Rur ein national emip- sindendeS Doll, dessen Bürger und Arbeiter sich nicht als Angehörige befeinbeter Klassen und Kasten, sondern als Glieder einer großen Familie fühlen, bietet in sich bie Gewähr einer neuen Zukunft unb deS nationalen Wiederaufstiegs. Die geistigen und sittlichen Kraftguellen, bie in bet Revolution verschüttet würben, müssen wieder zum Fließen gebracht werden. Um d ries Wert der geistigen unb sittlichen Erneuerung unseres Dolles glücklich zu vollerrden, bedarf es der innigen Zusammenarbeit allerGlau- bensbekennt nisse. Jeder Gedanke an einer wie immer gearteten Kulturkampf würde eine schwere Versündigung am deutschen Dolle bc^ deuten.

Dr. Jarres schloß mit den Worten:Der deutschen Zwtetcachl mitten ins Herz! Es lebe das einige und unteilbare deutsch«. Daterland!

Aach der Rede Jarres, btc an vielen Steller von stürmischem Beifall unterbrochen wurde, sprach v. Loebell Dr. Jarres den Dai^k der Dersammlung aus und richtete an d e vnckammri- ten Delegierten die Frage, ob sie bereit seien, für die Dahl Dr. Jarres als Reichspräsidenten einzutreten. Die Versammlung stimmte begeistert zu und fang das DeutschlandliÄ!.

c Plakate aus dem Saal zu entfernen, nüber-

lVh, wurden sie von der Sitzung aus­geschlossen. Don der unteren Tribüne rief hierauf eine Frau: Wir fordern Amnestie! Wir wollen unsere Festungsgefangenen wieder! Der Präsident ließ diese Frau unb auch noch eine zweite Frau durch Dramte des Hauses ent­fernen. Die Kommunisten versuchten hierauf wiederholt, das Wort zur Geschäftsordnung zu bekommen. Als es ihnen verweigert wurde, rede­ten sie trotzdem weiter. Die Sitzung wurde hierauf mehrfach unterbrochen und eine Reihe von Kommunisten für die Sitzung ausgeschlossen. Hier­

auf verließ ber übrige Teil der Kommunisten unter dem Rufe: Hoch die Wellrevolution! den Saal. Der Präsident schloß hierauf die gesamte übrige kommunistische 5raftlon von der Sitzung aus und ersuchte sie, den Saal zu verlas- s e n. Teilweise folgten bie kommunistischen Abge­ordneten erst ber Aufforderung der herbeige- rufenen Haus beamten und Kriminalbeamten. Später teilte der Präsident mit, daß er sämtliche Ausgeschlossene nunmehr für vier Wochen ausgeschlossen habe und gegen diejenigen, die auf den Tribünen Skandal gemacht hätten, eventuell auf Grund seines HauSrechteS straf­

rechtlich einschreiten werde. 3m Saal Hieben nur, da die Kommunisten ausgeschlossen und die Deutschnationalen unb Völkischen überhaupt nicht erschienen waren, die Mitglieder der R c - gierungskoalition, die nunmehr bie 15 von dem Wahlausschuß vorgeschlagenen Sena­toren wählten. Gewählt wurden vier Mit- glieder der Deutschen Dolkspartei, vier Mitglie- oer ber Demokraten und sieben Sozialdemokraten.

3m großen Saale bes Rathauses fand bann in Anwesenheit der Koalitionsparteien der Bür­gerschaft und einer großen Reihe geladener Gäfco oie feierliche Vereidigung be* ne--