Einzelbild herunterladen

die Steuerpolitik des Reiches, der Lauder und Gemeinden eS war, die mti an den Rand des Abgrundes brachte, die t>;e Wirtschaft so erheb­lich belastete, bat) eS ihr heute einfach unmöglich ist, wirksam an dein nun einmal nötigen Preis­abbau mitzuarbeiten. Steuerermätzigungan sind aber nur bet allergrößter Sparsam­keit möglich die leider heute in den Qkrtoal» tun gen nicht überall zu finden ist. Gewiß stellt ein verlorener Krieg erhöhte QInforberimgcn an die Steuerzahler, trotzdem aber läßt sich manche Ausgabe vermeiden und unser gesamter Ver­waltungsapparat ganz erheblich ve.emsachrn.

Aber nicht allein den Stcuerabbau fordert der Reichsverband, er ermahnt auch seine Mit­glieder. die deutsche Industrie, nichts unversucht zu lassen, um durch vernunftgemäße An­wendung ihres Produktionsappara­tes höchste Leistungen zu erzielen. Ebenso wen­det er sich auch an die Arbeiterschaft, durch Arbeitszeitexperimente die ohnehin schon bedenk­liche Situation der Wirtschaft nicht noch kritischer zu gestalten. Kurzum, das Wirtschaftsprogramm ist von dem ehrlichen Bestreben getragen, auf- klar e n d zu wirken, vor den drohenden Ge­fahren zu warnen und Mittel an die Haird zu geben, wie diese Gefahren erfolgreich zu be­kämpfen sind. Unsere wirtschaftliche Gesamt­situation ist aber bereits so katastrophal, daß die Mahnung des Rcichsverbandes gleichzeitig eine Warnung in zwölfter Stunde ist. Verhallt sie ungehört, dann ist der Zusam­menbruch mit all seinen unglücklichen Folgen be­sonders für die breiten Schichten der Bevölke­rung unabwendbar.

töirtfdmftshrife und Bankzinsen

Berlin, 17. Dez. (Wolff.) 2m Volkswirt­schaftlichen Ausschuß des Reichstags wurde heute die Wirkung der hohen Bankschulden auf die Wirtschaft behandelt. Zunächst gab Ministe­rialdirektor Dr. Schäfer (Reichswirtschaftemini- sterium) einen allgemeinen Ueberblick über die augenblickliche Lage der Wirtschaft, die sich als eine ausgesprochene Absatz- und Betriebsmit­tel k r i s e darstellt. Die Frage einer weiteren E r - leichterung der Bankbedingungen müsse auch weiterhin ernstlich im Auge behalten werden. Die Aufgabe des Staates könne nur darin bestehen, Banken, die der baldigen Gefurtdung der Wirtschaft entgegenstehen, zu beseitigen. Maß­nahmen dazu seien sowohl auf dem Gebiete der Gesetzgebung wie im Verwaltungswege im Gange. Ministerialrat Dr. M u a s s o w s k i (Reichsernäh- rungsministerium) betonte, für die Landwirtschaft handle es sich darum, die durch die mangelnde Ab- satz'inanzierung veranlaßte Stockung des Ab­satzes der Ernte zu überwinden. Die Forde­rung, den landwirtschaftlichen Betriebsumfang im Hinblick auf die Schwierigkeiten bei der Kreditbe- schaffung einzuschränken, wurde eine Extensioierung der Landwirtschaft bedeuten. Der Ausschuß vertagte sich darauf.

Der Attentatsplan gegen Dr. Stresemann.

Berlin. 17. Dez. (LH.) Zu dem AtteittatS- plan gegen den ReichSauhenminlster Dr. Strese­mann wird folgende- mitgeteitt. Gegen die beiden Verhafteten Kalt ho ff und Lorenz ist das Verfahren wegen Versehen gegen § 1 des Re- publikschutzgeseheS eröffnet worden. Es wird darauf hingewiesen, daß in diesem Salle die ®r- vffmmg des Verfahrens wegen Mordversuchs nach dem Strafgesetzbuch nicht möglich war. da r nach den bisherigen Feststellungen nur vor­bereitende Handlungen in Frage zu 5 kommen scheinen. Zu den Personen wird folgendes ,t mitgrteilt: Kotthoff hatte sich während derR ä t e- republik in München zu dieser ge­schlagen und war daraufhin b e st r a f t wor- dem Später trat er jedoch vor allem im Ruhr­kampf der völkischen Richtung, besonders der Hitlerorganisation, bei, Lorenz hat nach seinen Aussagen bisher keiner einzigen Organisation angehört und ist lediglich erst vor kurzem Mitglied der Deutschnationalen Volks­partei geworden. Rach den bisherigen Unter» luchungen konnten irgendwelche Beziehungen zu Verbänden oder Organisation:n oder politischen Persönlichkeiten nicht festgestellt werden.

Die »D. 3. gibt euren Brief wieder, den K a l t h o f f an einen Münchener Rechtsanwalt geschrieben hat und dessen Anzeige zur Verhaf­tung führte. Der Brief ist datiert von Berlin- SlemenSstadt, 3. Dez. In dem Brief heißt es:

Ich mache den Reim: .Stresemann. verwese man". Ich habe zwei Offiziere, die mitmachen. Auch die Finanzierung ist all right. ES wäre mir fepr lieb, wenn du ein paar Zeilen schreiben würdest, daß ich für die Sache gut bin. Wenn Du mir auch noch als Referenz dienst, so ist daS eine sehr wichtige Unterstützung meiner Berliner und Mecklenburger Referenzen. ^Verwese man"-Schwein muß gekillt wer­den. Flugzeug ist auch zur Verfügung. Lat geht aus mein Konto: die zwei Offiziere tun mit.

e

Gewisse politische Parteien übm sich in einer Propaganda, den schon feit langem den Unwillen aller vernünftigen Elemente erregt hat. Mehr als einmal hat eS wegen der Art und dem Znh.lt dieser Propagandatätigkeit, die mitunter stark die Grenzen der Mordhetze streifte, in der Oeffentlichkeit, in Presse und Parlament schwerste Auseinandersetzungen g.geben. Bisher vergeblich Immer wieder mußten sich Männer, die das Beste ihres Volkes ansireben. die übelsten Unterstellung.n, die gehässigsten An­griffe gefallen lasen. Riemals vordem ist wohl ein Mann andauernd so verun­glimpft worden, wie gerade Minister S t r e s e mann, der heute zu den brstgrhaßten Politikern gehört. Kein Wunder, wenn ihn gewisse Kreise tödlich hassen, sich in ihrem Haß so wett ver­gesse, daß sie selbst vor Mordplänen nicht zurückschrecken. Aber was sind das für Gestalten, die immer wieder der Vergiftung von rechts und kinis her erliegen? Willens­schwäche. unreife, beschränkte, vielfach arbeits­scheue und vielfach schon in ihrer frühesten Jugend mit d:m Str.-fgesetzbuch in Konflikt geratene Bur­schen. Auch jetzt wieder das gleiche Bild: der eine geistig nicht normal, d:r andere Revolutionär und Anirchist von D ruj, d r bald In d e,em, blld in jenem Lager steht, jedmfalls immer dort, wo man rhn für dunkle Pläne gebraucht. Beide s.n) nicht verantwortlich zu ma^xn für ihre Ab icht, die gan-e Verantwortung ir gen diejenigen, die unser Volk politisch vergift en, die den politischen Word wenn auch geschickt ver­schleiert predigen, die derartige Kreaturen zu ih-en Werkzeugen machen und ihren Plänen Vor­schub leisten. Das sind die wahren Schuldigen!

Konfiift im hessischen Landtag.

Darmstadt. 17. 2)ca. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9.30 Uhr.

Abg. Dr. Keller (D. Dp.) macht in einer Kleinen Anfrage auf ba 5 Auftreten des Messingkäfers im schlösse und im Kreisamt zu Büdingen aufmerksam. Die Regierung solle Maßnahmen dagegen ergreifen und Aufklärung ver­breiten in der Bevölkerung nach Art der Warnun­gen vor dem Koloradokäfer.

Staatsrat Kratz erwidert, daß die Regierung alle Maßnahmen gegen das schädliche Insekt ergrei­fen werde. Zunächst sei zu Beunruhigungen kein Anlaß.

Die Beratung der landwirtschaftlichen Anträge, die sich hauptsächlich um den Deutsch-spani­schen Handelsvertrag und die L a g e der Landwirtschaft drehen, wird wieder anfgc» nommen.

Abg. Weckler (Zentr.) spricht für die An­nahme des gestern mitgeteilten Antrages: er wen­det sich namentlich an die Sozialdemokraten, von denen viele auf dem Lande den Antrag befür­wortet hätten.

Abg. Lux (Soz.) meint, die Lags der Land­wirtschaft sei keineswegs schlechter als die anderer Berufe. In feinen weiteren Ausführungen wendet sich der Redner gegen die vorliegenden Anträge über eine Herabsetzung der Pachten und unterbreitet dem Hause einen neuen von der Sozialdemokratie ge- stclllen Antrag mit nachstehendem Wortlaut:

Der Landtag wolle beschließen, die mit den Pachtausschüssen für das Jahr 1925 festgesetzten Pachtpreise können auf Antrag um die 20prozen- tige Steuererhöhung ermäßigt werden bei Be­trieben, bei denen der gesamte Wert der landwirt- schaftlich genutzten Fläche den Betrag von 8000 Mark nicht übersteigt: als Maßstab für die Bewer­tung gilt der berichtigte Wehrbeitragswert.

Abg. Dr. Werner (Dntl.) macht darauf auf- merksam, daß zu den Ausführungen des Abg. Blank (Zentr.) über landwirtschaftliche Fragen die Zenirumspartsi sich vollständig still verhalten hat, während die Rechte Beifall spendete. Der Hesi. Bauernverein möchte davon Kenntnis nehmen. Wenn die Sozialisten die Weltwirtschaft regeln würden, so wäre damit der Untergang mancher nationalwirtschafllicher Zweige besiegelt, wie Wein­bau, Obstbau usw. Der demokratische Antrag Schreiber-Eberle über die Weinsteuer wäre im Ausschuß in der Versenkung verschwunden, wenn nicht die Deutschnationalen sich seiner angenommen hätten. Der demokratische Abg. Korell habe sich im Reichstag durchaus nicht ablehnend gegen die Wein­steuer verhalten, auch die Demokratische Partei im Reichstag nicht. Es sei eigentümlich, daß jedesmal vor einer wichtigen Abstimung über landwirtschast- liebe Fragen im Reichstag der Abgeordnete Korell erkranke und der Abstimmung nicht beiwohnen könne.

Abg. Schreiber (Dem.) erklärt, die Pacht- preife seien vielfach so hoch, weil von den Päch- lern die Preise bei den Versteigerungen so hoch ge­trieben würden. Gegen die hohen Pachtpreise der evangelischen Kirche ja« die Rechte des Hauses nichts. Die Demokratische Partei stimme dem so- zialdemokratischen Antrag über die Pachtherab- setzung zu.

Rach weiteren Erklärungen der Abg. Borne- mann, Schaub, Blank. Weckler, Dr. Werner, Galm und Lux, die nichts wesentlich Neues bringen, warnt Finanzminister Henrich nochmals vor Annahme des Antrages von Helmolt über die Pach­ten. Er bittet, auch -en Antrag Lux abzulehnen, der zwar finanziell schwächere Wirkungen habe, jedoch auch bei dcr Durchführung große Schwierigkeiten mache.

Zunächst wird über die Anträge zum Deutsch- spanischen Handelsvertrag und dem Weinbau abge- fttmmi. Die Anträge werden in Uebereinftimmung mit den Ausschuhanträgen angenommen, d. h. die meisten Anträge werden durch die Regierungo- antroorten für erledigt erklärt.

Hierauf wird über die Pachtanträgc abgc- stimmt. Der Antrag Angermeier wird abgelehnt, der Antrag' Dr. Müller und Dr. o. Helmolt wird angenommen, Ein Ankrag Werner, der eine Aufstellung über die Pachtverhältnisse will, wird ebenfalls angenommen. Ferner wird ein An­trag Weckler angenommen. Der Antrag Lux wirb abgelehnt sowie ein Antrag Angermeier.

Jlnanzminlster Henrich gibt unter lebhafter Be­wegung des Hauses die Erklärung ab, daß er dem Antrag Dr. Müller unb Dr. o. helmolt auf Her­absetzung bet padjlprelfe nicht sialkgeben könne, well gesetzliche Bestimmungen einer allgemeinen Herab­setzung der Pachtpreise enlgegenftänben. (Er könne Auftrage des Hauses nicht entgegennehmen.

Abg. Galm (Komm.) wünscht eine sofortige Aussprache über di? Erklärung des Ministers. Der Präsident erwidert, es müffe hierzu ein Dringlichkeltsantrag vorliegen. Um 11.45 Uhr tritt eine Pause ein. Wie Präsident Dr. v. Helmolt nach Wiederaufnahme der Berhandlimgen mitteilt, hat Abg. Galm (Komm.) einen Dringlich­keltsantrag eingebracht: Aussprache über die Erklärung des Flnanzmini - st e r s. Der Antrag wird auf die Tagesordnung ge­setzt.

Abg. Galm (Komins wendet sich gegen die Be­merkung des Finanzministers, daß er Aufträge aus dem Hause nicht entgegennehme. Der Minister habe nicht gesagt, aus Grund welcher gesetzlichen Be­stimmung er diese ablehnende Haftung einnehme. Die Stellungnahme des Finanzminifters wider­spreche ieber demokratischen Auffassung des Parla­mentarismus. Die Regierung habe die Beschlüsse des Landtags, in denen der Wille des Volkes zum Ausbfck komme, unbedingt auszuführen. Der Land­tag möge mit allem Nachdruck den Eingriff der Re­gierung In feine Rechte zurückweifen.

Abg. Dr. Werner erinnert an die Erklärung des Ministerialdirektors U r st a d t zur Grundschul- frage: damals habe man erklärt, weil der Aus- druckErsuchen" nickt einbeutig aufgefaßt worben sei, bie Formel gewählt:Die Regierung wirb be­auftragt". Der Finanzminister habe seine ab- lehnenbe Haltung nicht einmal begrünbet, er ver­schanze sich nur hinter dem Ausdruckbeauftragt", den er ablehne. Die Fassung müffe wohl künftig lauten:Das hessische Volk beschließt durch den Landtag": bei dieser Fassung von Beschlüssen sei kein Widerspruch möglich.

Finanzminlfter Henrich bestreit:t, daß er sich hinter e'nem Ausdruck verschanze, sondern es ba-bft sich h'e- um tiefgründig? Unterschied? b?r Auffassung. Das Iustizmin'ste.-i'lm stimme seiner Meinung über ber-. BegriffAuftrag" zu. Der Landtag habe verfa'fungsmäßlg kein Recht. Auf­träge zu erteilen; Sach? der Regierung sei die Exekutive, die Führung der Geschäfte, wozu sie verfassungsmihig verps'fthtet f?i. W-mn der Landtag mit der Reg'eruna oder einem Mi­nister nicht zufrieden wäre, so könne er sie ja ab­

berufen. Der Minister verliest hierauf einige Stellen aus dem Gutachten des Justizministe­riums. die feiner Auffassung Recht geben.

Staatspräsident Ulrich meint, eine Auf­forderung an die Regierung oder an einen Mi­nister könne nur in der Form eines Ge­setzes geschehen, nicht durch einen Beschluß des Landtags. Im weiteren Verlauf kommt es zr einer sehr gereizten Aussprache zwischen dein Staatspräsidenten und dem kommunistischen Ab­geordneten Galm.

Abg. Dr. Leuchtgens (Hess. Landbund) bittet, die hier zur Debatte stehende Frage ohne Leidenschaft zu prüfen. Dis jetzt wären Regie­rung und Finanzminister nicht in der Lage ge­wesen zu erklären, gegen welches Gesetz der An­trag eigentlich verstoßen hat. Ollan könne nicht behaupten, daß der Antrag gegen das Finanz- gefeh sei. Die Mehrforderung der Regierung für Die Pachten wäre durch kein Gesetz zu begründen. Der Landtag habe zweifellos ein Recht, ein Gesetz zu interpretieren. Die Regierung habe immer nur dann es abgelehnt, einen Beschluß auszuführen, wenn ihr dieser nicht paßt. (Große Unruhe bei der Anken des Hauses.) Wo soll der Landtag hinkommen, wenn so verfahren werde? Auf eine solche Demokratie müsse man pfeifen. Was sollten dann die Abgeordneten überhaupt noch im Landtag tun? Hier sei nicht eine demo­kratische, sondern eine despotische Regie­rung. Das Verhalten der Regierung sei durch­aus verfassungswid rig. Früher habe die Regierung auf ein Ersuchen hin den Auftrag aus- geführt; warum soll die Regierung nicht einen Auftrag annehmen können? Bei diesem Zustand habe der Landtag gar kein Recht mehr.

Es ist bem Hanse ein Antrag der Koa­litionsparteien (Sozialdemokraten, Zen- tnnn und Demokraten) zugegangen, In dem ersucht wirb, den Ausführungen deS Finanzministers in Uebercinstimmung mit Artikel 4 und 5 der Ver­fassung zuzustimmen.

Ein Antrag Dingeldey und ®en. spricht seine Mißbilligung aus über das Ver­halten des Finanzministers, wenn dieser Beschlüsse des Landtags nicht ausführt.

Minister von Brentano bittet, daß erst einmal der Gefetzgebungsausschuh sich mit der Angelegenheit befaßt, über die hier de­battiert werde, um Klarheit zu schaffen.

Ein jetzt eingebrachter Antrag Galm er­klärt: Die Regierung hat nicht mehr das Vertrauen des Landtags.

Finanzmmister Henrich vertritt nochmals den Standpunkt, daß der Landtag, außer in ge­setzlicher Form, kein Recht habe, der Regierung einen Auftrag zu erteilen.

Abg. Dingeldey (D.V. P.) vertritt zwar die Meinung, daß die Exekutive b:i der Regie­rung liege, aber eine Derfassungswidrigkeit liege in dem Landtagsbeschluß, die Pachtpreise hrrab- Öen, nicht vor. Ruch in einem Ersuchen des tags an die Regierung sei keine Gesetzes- Verletzung zu erblicken, denn die Regierung habe ja bas Recht, eine Gesetzesvorlage über Veränderungen im Etat vorzulegen. Der Redner legt bann die Gründe bar, warum feine Partei den Antrag eingebracht habe; als Oppositionspartei könne sie nicht die Der- anttoortung für bie Finanzgebarung der Regie­rung tragen.

Abg. Kaul (Soz.) bekämpft bi.e Ausführun­gen des Vorredners. In dem Antrag Dr. Müller unb Dr. von Helmott stehe nicht, daß die Re­gierung aufgesordert wird, einen Gesetzentwurf vorzulegen, fonbern einfach, daß sie die Pachten herabsehen soll. Als dann der Redner auf den sozialdemokratischen Antrag Lux zu sprechen kommt, weist die Rechte des Hausrs darauf hin, daß dieser in demselben Sinn gestellt sei unb auch keine Gesetzesvorlage verlange.

Abg. Kindt (Dntl.) erinnert daran, daß Dutzende von Anträgen wie der Pachtantrag hier angenommen wo den sind, aber erst als ein An­trag der Regierung nicht paßte, sei sie dagegen.

In der Abstimmung wirb ber Zustimmungs­antrag ber Ä o a 111 i o n 5 p a r t c i e n mit 35 gegen 20 Stimmen angenommen. Die Kommunisten haben sich ber Abstimmung enthalten. Hieraus wirb ber Antrag S i n g e l b ? i) in einfacher Abstimmung ab gelehnt; bie Kommunisten übe» wieber Stimmenthaltung, lieber ben kommunistischen Miß­trauensantrag wirb morgen abgestimmt.

Nachbem bann noch eine Anzahl weiterer Punkte der Tagesordnung erledigt worben ist, werden die Beratungen um 3 Uhr abgebrochen; nächste Sitzung Freitag 9 Uhr.

Aus aller Wett.

Jludjt eines polnischen Gefangenen.

DieVoss. Ztg." meldet, daß der wegen Verdachtes des Landesverrates im Moab ter Ge­fängnis in Berlin befindliche LI atersuchungsge­fangene Kromer auf einem Spazier­gang, den er in Begleitung zweier Gefängnis­beamten machte, entflohen ist. Kramer hatte sich m t den beiden Beamten in seine im Westen der Stadt gelegene Wohnung begeben unb war dort, nachdem man im Speisezimmer tüchtig g e - zecht hatte, durch ein Hinterzimmer verschwunden. Gegen die beiden Beamten, die sofort vom Dienst suspendiert worden sind, ist bas Ber- fahren eingeleitet worben.

Zugtelephonie ab 4. Januar 1926.

Hamburg. 13. Dez. (WLB. Funkspruch.) Die Zugtelephvnie wird nunmehr, nachdem die fortgesetzten Versuche immer bessere Ergebnisse gezettigt haben, am 4. Januar 1926 zunächst auf de r Strecke Hamburg-Berlin bei den E-v-Zügerr in Betrieb genommen werden.

Anfall einer Artistin.

Im Essen stürzte bei der Abendvorstellung im Zirkus Karl Hagenbeck Miß Asiata in ihrem Luftvottigeakt aus einer Höhe von vier Meter ab, verfehlt« die Schutzvorrichtung und mußte schwerverletzt in das Städtische Kran­kenhaus übergeführt werden.

Stärkerer Rachtfrost, tagsüber veränderlich bei vorwiegend westlichen Winden, ohne starke Riederschläge.

Infolge starker Einströmung westlicher Lust hat sich in Äord- und Mckteldeutschland Tau- Wetter durchgcsetzt. Vorübergehend ist auf der Rückseite der skandinavischrn Zyklone wieder ein zunächst mäßiges Fallen der Temperaturen zu erwarten.

Gestrige Tagrstemperaturen: 21a): im um 1,5 Grad. Minimum: minus 2,8 Grad C. Rieder- schläge 1,4 Mm. Heutige Morgentemperaturi plus 1,5 Grad E.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 18. Dezember 1925.

Die Höchstsätze der Erwerbslofensürsorge betragen nach der Anordnung des Reichsarbeits­ministers vom 17. Dezember für die Zeit ooip 14 Dezember 1925 bis l.Mai 1926 in dem Wirt­schaftsgebiet Mitte, zu dem Ober Hessen unb Nachbarschaft gehören, wochentäglich:

9n ben Orten ber Ortsklassen A, B, C, D unb E 1. für Personen über 21 Jahre 162, 152, 142 unb 132 Reichspsennig;

2. für Personen unter 21 Jahren 98, 92, 86 unb 80 Reichspfennig:

3. als Familienzuschläge für a) ben Ehegatten 55, 52, 49 unb 46 Reichspsennig, b) die Kin­der unb sonstige unterstützungsberechtigte An­gehörige 39, 37, 35 unb 33 Reichspfennig.

Einschließlich ber Familienzuschläge barf bie Unterstützung, bie ein Erwerbsloser erhält in keinem Falle folgende Beträge übersteigen: in den Orten ber Ortsklassen A, B, C, D unb E 360, 340, 320 unb 300 Reichspsennig.

Zu bemerken ist, daß bei der Bezeichnung der Ortsklassen A, B, C, D unb E D unb E eine Klasse bilben.

Bornotizen.

Lageskalender' für Freitag. Stadttheater: 71/- AhrBaumeister Solneß". (Ende nach 10 Ahr.) Lichtspielhaus Bahnhof­straße:Die Moral der Gasse". Astoria-Licht­spiele:Die Flamme".

* Paketannahme am Sonntag. 20. Dezember. Vom Postamt wird uns mitge- teilt: Am Sonntag, 20. Dezember, ist die P a ket- an n a h m e des Postamts! (Bahnhofstr.) von 8 Ahr vormittags bis 11 Ahr vormittags geöffnet. Das Postamt 2 (Dchulstr.) bleibt ge­schlossen.

* Weihnachts- und Reujahrs- post verkehr. Die Deutsche Reichspost richtet an die Bevölkerung das Ersuchen, mit der Ver­sendung der Wechnachtspakete möglichst früh­zeitig zu beginnen, damit die Paketmassen sich nicht in den letzten Tagen vor dem Fest zu^ sammendrängen. Durch die Beachtung dieses Hin­weises und der nachstehenden Punkte können die Paketversender wesentlich dazu beitragen, daß der Weihnachtspaketverlehr sich glatt ab* wickelt und die Pakete ohne Verzögerung in die Hände der Empfänger gelangen. Die Pakete sind unter Verwendung guter Verpackungsstofse recht dauerhaft herzustellen, die Aufschrift ist haltbar anzubringen, und der Rame des Be­stimmungsorts unter näherer Bezeichnung der Lage besonders groß und kräftig nlederzuschrei- ben. Ferner darf nicht unterlafssn werden, auf dem Paket die vollständige Anschrift deS Ab­senders anzugeben und in das Paket obenauf ein Doppel der Aufschrift zu legen. Auch der Berkehr am Jahreswechsel laßt sich flüssiger ge­stalten, wenn die Aeujahrsbriese mit vollständiger Anschrift des Empfängers (Straße unb Haus­nummer, Postbezirk, Zustell-Postamt) versehen und möglichst frühzeitig auf geliefert werben. Es wird auch dringend empfohlen, die Freimarken für Reujahrsbriefe nicht erst am 30. unb 31. De­zember, sondern schon früher einzukaufen, barmt im Schalterverkehr keine Stockungen eintreten.

Der Winter im Boge lsberg. Dort oben schneit es andauernd tüchtig weiter, heute früh sogar ausnahmsweise stark. Der Schnee liegt über einen Meter hoch, die heutige Morgen- temperatuc betrug 4 Grad Minus. Das Ski* gelände ist ausgezeichnet.

* * Personalien. In den Ruhestand versetzt wurde ber jetzt im einstweiligen Ruhestcmb besinb- liche ötublenrot Lubwig Storck in Gießen mit Wirkung vom 1. 9ani:ar 1926 ab. Ernannt wurde der Verwaltungspraktikant Otta Lenz in Bübin­gen zum Derwaltungsobersekretär mit Wirkung vom 1. Dezember ob.

Stimmungsvolle W e ihn achts- feiern bereiteten om Montag unb Mittwoch in bem festlich geschmückten Saale berLiebigshöhe" großen Kinberscharen beglückenbe Feierftunben, in benen bie kleinen Herzen froher als sonst, die Augen vor Freude blanker wurden. Am Montag waren etwa 70 Kinder des Bolkskinbergartens mit unge­fähr 130 noch nicht schulpflichtigen Kriegerwaisen. Amtsmünbeln ufw. bort oben unter bem ftrahlenben Christbaum versammelt Auf Mittwock nachmittag hatte ber Alice-Frauenocrein einige hundert Krieger- waisen unb ältere, aber nach schulpflichtige Münbel zusammengerufen, um ihnen ebenfalls einige freube- volle Stunden zu bereiten. Die Feier am Montag unter der Leitung ber Kindergärtnerinnen beschäf­tigte bas kleine Volk zunächst mit niedlichen weik)-> nächtlichen Spielen, später kamen ber Knecht Rup­recht unb bas Christkinb, bie ben erwartungsvoll ge­stimmten Bübchen unb Mäbelchen allerlei schöne Sachen mitbradjten, so baß man überall nur frohe Gesichter sah. Beglückt trat bie kleine Schar ben Heimweg an, erfüllt von beit schönen Stunben, von denen sie wohl noch manchmal begeistert erzählen wirb. Der Leiterin des Kinbergartens, Fräulein R h u m b I e r unb ihren Helferinnen gebührt volle Anerkennung für bie verstänbnisoolle, mühereiche unb erfolggekrönte Arbeit. In ber Feier am Mitt­woch würbe ber mehrhunbertföpfigen Schar ber Kriegerkinber unb Münbel von bem Veranstalter des Festes, bem Alice-Frauenverein, zunächst eine fteubig begrüßte Bewirtung mit Schokolabe und Kuchen bereitet, wobei bas junge Bolk ben erwar­teten guten Appetit entwickelte. Dann kamen allerlei weihnachtliche Spiele auf ber Bühne, benen bie große Zuschauerschaft mit regster innerer Anteil­nahme folgte. Unb schließlich kam der Höhepunkt, bie Weihnachtsbescherung unter ben lichterstrahlenben Chriftbciumen, bei der den Kinbern gute praktische Sachen (Kleibungsstücke) unb bcrzu kleine Geschenk- S.'lchen ausgehänbigt würben. Da gab es strah- e Gesichter! Die Gaben waren aus ben Er­trägnissen der Sammlung für den Alice-Frauenver­ein unb bas Rote Kreuz im letzten Sommer be­schafft worden, beide Vereine hatten in dankens­werter Weife ausgiebige Mittel zur Verfügung ge­stellt. Um bas heruorrngenbe Gelingen bss schönen Christfestes haben sich neben ber verdienstvollen Dor- sitzenben bes Alice-Frauenoereins, Frau Professor Kramer, bie Oberfürsorgerin unb Dorstanbsbame bes Alice-Frauenvereins Schwester Anita Her­manni), bie Vorstanbsbame Frau Bach unb deren Töchter unb zahlreiche weitere Damen bes Dercins- vorstanbes unb ber Bürgerschaft, insbesonbere aus ben Kreisen ber Geschäftswelt, in hohem Maße ver­dient gemacht. Ihnen unb den beiden spcnbenben Organisationen muß ein besanberes Wort ber An­erkennung ausgesprochen werben bafür, baß sie sich in biefer trüben Zeit besonbers ber ftinber unserer