wozu wir uns haben verpflicht«« müssen nach dem Verlauf der Weltgeschichte, wenn nun alles geschieht,
soll bann die Last weiter so schwer und drückend wie bisher auf dem besetzten Gebiet liegen bleiben?
All diese Fragen werden künftig wieder bei allem, was wir anregen und tun, als ein nie vergessener Teil unserer Sorge uns begleiten. 3d) glaube, ich darf gerade das jetzt aussprechen, wo wir unmittelbar vor der Entscheidung über die Frage stehen, ob es uns gelingt, wie es beti bringende Wunsch der deutschen Reichsregierung ist, den Frieden Europas aufzubauen auf den Grundlagen wirklicher Gleichberechtigung, auf den Grundlagen wirklicher Gegenseitigkeit. Für das Ruhrgebiet sind mit der Räumung wahrlich die Schwierigkeiten rächt behoben. Die unlösbare Schicksalsgemein- schaft zwischen dem Ruhrgebiet und dem deut- fd)en Volke ist uns jetzt in neuer Gestalt noch deutlicher vor Augen getreten. Wir sehen jetzt in voller Klarheit, daß im Ruhrgebiet diese Hochentwicklung deutschen industriellen Lebens Überhaupt nur möglich ist auf der Grundlage eines gesunden deutschen Wirtschaftslebens im allgemeinen. Gerade weil das Ruhrgebiet so eng mit dem ganzen deutschen Schicksal verbunden ist, darum ist es für das Ruhrgebiet auch so wichtig, das) die Menschen, die das ganze deutsche Wirtschaftsleben mit zu beeinflussen haben, auch außerhalb des Ruhrgebiets mit seiner Eigentümlichkeit, mit seiner Lebensart mitempfinden. Für mich als ehemaligen Essener Oberbürgermeister bedeutet es heute eine besondere Genugtuung, Sie, meine Herren zu bitten, in den Ruf einzustimmen: Das Ruhrgebiet Glück auf!
Die gesellige Veranstaltung des Bierabends fand mit der Abfahrt des Herrn Reichs- p r äsidenten in die Waldthausensche Villa kurz nach 10 Uhr abends ihr harmonisches Ende. Vom Oberbürgermeister Bracht begleitet, bestieg der Reichspräsident von Hindenburg den Wagen, nachdem die geladenen Gäste in der Halle des Hotels ein kräftig aufgenommenes dreifaches Hoch ausgebracht hatten. Draußen vor dem Hotel staute sich eine unübersehbare Mensck)enmenge trotz der vorgerückten Abendstunden. Hunderte von Vereinen bildeten in den Durchfahrtsstraßen Spalier und bei licht- lodernden Fackeln unter den Marsch- weisen der zahlreichen Musilkorps durchfuhr der Reichspräsident, von berittener Polizei begleitet, die mit reichem Flaggenschmuck und Girlanden versehenen Straßen. Die öffentlichen und die meisten privaten Gebäude waren illuminiert. Richt endenwollende Hochrufe und Hurras ließen die Herzen der Menge hoher schlagen. Roch in später Abendstunde herrschte in den Hauptstraßen ein selbst in den dicht bevölkerten Straßen ungekannter Verkehr. 3n zahllosen Lokalen haben sich Verbände und Vereinigungen zu besonderen internen Feiern anläßlich des hohen Besuches zusammengefunden und das Deutschlandlied erscholl immer wiedex auf den Straßen und aus den Versammlungslokalen. Duisburg rüstet zum Empfang
des Reichspräsidenten.
Duisburg, 18. Sept. (Tckl.) Zu dem Empfang des Reichspräsidenten am Freitagvormittag ist alles vorbereitet. Die Hauptfront des Bahnhofsgebäudes ist von buntfarbigen elektrischen Glühbirnen umrahmt. Der Weg vom Bahnhof zur Wohnung des Oberbürgermeisters ist festlich geschmückt. Bei der Fahrt des Reichspräsidenten von Duisburgüber Mei- derich nach Ruhrort und nach Duis- ^burg zurück werden auf dem ganzen Wege -Vereine und Schulkinder Spalier bilden. Auch " das Reichsbanner hat seine Mitglieder zur t Teilnahme aufgefordert. Ein besonders festliches Gepräge wird die Vorstellung im Stadttheater werden. Der Reichspräsident wird in der mit den deutschen Farben und dem Reichsadler geschmückten Bühnenloge Platz nehmen. Die Arbeitgeberschaft hat den Arbeitern freigestellt, am Rachmittag zu feiern und den Lohnausfall durch Ileberschichten einzuholen.
Die Deutschnationalen zum Sicherheitspakt.
Berlin, 17. Sept. (D. Z.) Auf Einladung des KretswahlverbandeS Ostsachsen der deutsch- nationalen Volkspartei sprach der Fraktionsvor- sihende Hergt über den Völkerbundsbeitritt und den Sicherheitspakt. Rach längerer Aussprache wird folgende Entschließung einstimmig angenommen: „Die Zustimmung zum Abschluß eines Vertrages, durch den freiwillig in irgendwelcher Form deutsches Land preiS- gegeben wird, oder zum Eintritt in den Dölker- Gund „derzeitiger Gestaltung" ist für eine deutschnationale Partei unmöglich. Es ist die Aufgabe der Partei, durch ihre dazu berufenen Vertreter Vertragsannahme und Eintritt in den Völkerbund zu verhindern unb besonders durchzusetzen, daß eine Außenministerzusammenkunft überhaupt nicht beschickt wird, wenn nicht vorher die Erfüllung der wirklich unverzichtbaren Forderungen der Deutschnationalen (Rede des Grafen Westarp) durch bindende Zusagen der Ententemächte zugestanden unb s i ch e r- gestellt ist. Können die Deutschnationalen dieses Ziel nicht erreichen, so verlangen Selbstachtung und Selbsterhaltungstrieb der Partei in gleicher Weise wie der Gedanke an die Zukunft des deutschen Vaterlandes den Austritt aus der Reichsregierung."
Zu dieser von einem Berliner Mittagsblatt ver- össentlichen Entsd)ließnng, die angeblich mit Zu- stimmung des Abg. Hergt zustande gekommen sei, teilt die Nachtausgabe des „Tag" mit, daß der Abg. .ß e r g t erklärt habe, daß er sich in notier Uebereinstimmung mit der Auffassung der Parteileitung befinde, die etwa in folgenden Sätzen zusammengefaßt werden könne. Als Grundsatz gelte: Die Deutschnationale Partei hält an der Note der Reichsregierung vom 2 0. Juli fest, die mit Zustimmung der deutschnationalen Kabinettsmitglieder verfaßt und abgesandt worden ist. Dieser bedeute
1. Die Räumung der Kölner Zone ist eine Voraussetzung, die vor Eintritt in die Verhandlungen sichergestellt sein muß. Am nächsten liegt es, daß die Reichsregierung auf die Ent- waffnun gsn ote der Dotschafterkonferenz ant
wortet und die Beendiguna der Entwaffnung feststellt. Aus Grund dieser Mitteilung müßten die alliierten Regierungen Befehl zur R ä u - m u n g erteilen, dessen Durchführung begonnen haben muß, bevor wir in Verhandlungen über den Sicherheitspakt eintreten können.
2. Die in der Note vom 20. Juli vorgesehenen „Rückwirkungen" des Abschlusses eines Sicherheitspaktes auf die Besatzungstruppen und die Rheinlands, sind bekanntlich in der Antwort der französischen Regierung vom 24. August a b - gelehnt worden. Da diese Forderung wesentlich ist, müssen wir die Zusicherung erhalten, daß auch über diesen Punkt bei einer Konferenz der Minister verhandelt wird.
3. lieber das Wesen der abzuschließenden Schiedsgerichtsverträge soll angeblich eine Uebereinstimmung erzielt worden sein. Es bleibt festzustellen, daß die deutsche Regierung auf ihrem Standpunkt beharrt, der in der Note vom 20. Juli zum Ausdruck gebracht worden ist.
4. Die deutschnationale Partei ist nicht grundsätzlich abgeneigt, einem Eintritt Deutschlands in den Völk erbund zuzustimmen. Voraussetzungen sind jedoch die bekannten vier Forderungen, die bis jetzt von den alliierten Regierungen abschlägig beschieden worden sind, mit der Begründung, daß nicht sie, sondern der Döl- kerbundsrat zuständig sei. Falls ein formeller Verzicht der Alliierten auf den Artikel 231 (Kriegsschuldlüge) vor Eintritt in die Verhandlungen nicht zu erreichen ist, so muß nach deutsch- nationaler Auffassung die Reichsregierung durch Rundnote an alle ülnterzeichner des Versailler Vertrages das Kriegsschuldbekenntnis widerrufen. Die Deutschnätionalen halten es für erforderlich, daß vor Eintritt in die Der- Handlungen eine Aussprache über die Frage zugesagt wird.
Sollten diese Bedingungen, die sämtlich auf dem Boden der Note vom 20. Juli stehen, wider Erwarten von einer Mehrheit im Kabinett nicht gebilligt werden, so würden die Deutschnationalen gezwungen sein, ihre Vertreter aus der Regierung abzuberufen.
DerSsMidemokraiischeparteiiag
Heidelberg, 17. Sept. (TU.) Zu Beginn der heutigen Sitzung des Sozialdemokratischen Parteitages wurde der Bericht der Man- datprüfungskommission erstatte't, wonach 398 Delegierte anwesend sind. Abg. Keil fordert in einer Entschließung mit allem Rachdruck Abbau der übermäßigen SteuerVela- st u n g. Die Preissenkungsaktion der Reichsregierung wurde als Täuschungsmanöver der Reichsregierung bezeichnet. Alle Aktionen der Arbeiter, Angestellten und Beamten zur Anpassung ihrer Löhne an die erhöhten Preise sollen kräftig unterstützt werden. Die Entschließung wurde mit großer Mehrheit angenommen, ebenso Entschließungen, die zur schärfsten Bekämpfung des Reichsschulgesetzent- Wurfes auffordern und sich gegen das bayrische Konkordat wenden. Angenommen wurden ferner Anträge gegen Alkoholismus und für die Reform des Strafrechtes und des Strafvollzug e'S.
Abgeordneter Crifpien legte eine Entschließung des Parteivorstandes vor. die den Eintritt in den Völkerbund fordert. Für die Delegierten des besetzten Gebietes gab Abgeordneter Kirschmann- Köln eine längere Erklärung ab. Beim Zustandekommen eines Sicherheitspaktes müsse die baldige restlose Beseitigung der militärischen Besatzung des Rheinlandes und eine grundlegende Aenderung des Delegiertensystems gefordert werden. Die Räumung des Einbruchsund Sanktionsgebietes sei ein Erfolg der von den Sozialisten betriebenen und gestützten Außenpolitik.
Abgeordneter Dr. Breitscheidt verteidigte die Politik der Fraktion in der Frage des Sicherheitspaktos und des Völkerbundes gegenüber den Anträgen der Opposition. Die Sachsenkomission unterbreitete dann dem Parteitag eine Entschließung, die die bisherige Stellungnahme des Parteivorstandes in dieser Frage billigt. Es wird verlangt, daß zunächst Fraktionsmehrheit und Minderheit sich wieder zu einer Fraktion zusammenschlie- ßen und unter Hinzuziehung einer Vertretung deö Parteivorstandes gemeinsam beraten und daß auch die Frage der Landtagsauflösung vom Fraktion-bezirk-vorstRnd und Parteivorstän- den gemeinsam entschieden werden. Alle Ausschlußverfahren sollen damit erledigt werden. Don den Mitgliedern der Fraktionsmehrheit wird aber erwartet, daß sie sich im Rahmen der Beschlüsse der Bezirksorganisation SachsenS halten.
Neue Entwaffnungsforderungen an Oesterreich.
Wien, 17. Sept. (WB.) Wie die „Reue Freie Presse" erfährt, hat der Dotschafterrat in Paris den Beschluß gefaßt, die österreichische Regierung aufzufordern, 7000 der Erzeugung von Waffen undMunit ion dienende Maschinen, die sich noch im Besitze der Privatindustrie befinden, auf Grund der Bestimmungen des Vertrages von St. Germain der Zerstörung zuzuführen. Die „Reue Freie Presse" bemerkt hierzu, daß es in Oesterreich feine Waffen- und Munitionserzeugung mehr gebe und daß es sich also nur um Maschinen handeln könne, die feit längerem auf die Erzeugung von Produkten der Friedensindustrie umgestellt seien.
Ein französisch-rumänischer Geheimverlrag?
Budapest, 17. Sept. (TU.) „Pesti Raplo" veröffentlid)t ein Bukarester Telegramm, wonach der rumänische Gesandte in Paris unerwartet in Budapest eingetroffen sei. Wie verlautet, steht feine Reise mit dem erfolgreichen Abschluß der politischen und militärischen Verhandlungen zwischen Frankreich und Rumänien im Zusammenhang. Die Verhandlungen betreffen einen politischen und militärischen Geheimvertrag. Dieser Geheimvertrag soll Rumänien weitgehende Sicherungen für den Fall geben, daß Rumänien mit Ungarn oder Sowjetrußland in Konflikt geraten sollte. Außerdem werden im Vertrag bie Interessen Polens und der Tschechoslowakei geschützt. Der Vertrag soll Frankreich einen großen Einfluß auf die militärische Verfassung Rumäniens zubilligen.
Die Lage in Marokko.
Fez, 17. Sept. (Haoas.) In der von der Westgruppe besetzten Gegend ist der gestrige Tag durch das Wiederaufleben der feindlichen Tätigkeit in der Gegend von Bab Hussein gekennzeichnet. Die Operationen auf dem Bibanen- massiv haben sich planmäßig abgewickelt. Nachdem der Feind zunächst ernsthaften Widerstand auf dem Gipfel des Biban geleistet hatte, hat die im Norden operierende Kolonne den Gipfel um 9 Uhr erreicht und sich dort mit der von Süden kommenden Kolonne vereinigt. Die Operationen im Bibanemassiv haben großen Eindruck auf den Beni Serual gemacht. Man arbeitet jetzt an dem Ausbau der Stellungen.
In Ausnutzung des andauernden Sturms trachteten die Kabylen nachts das spanische Lager von Morro Nuevo Alhucemas zu überfallen. Sie wurden aber von Reflektoren entdeckt und zurückgeschlagen. Bei Melilla fanden gleichfalls Scharmützel statt. An der Larachefront herrscht ein beträchtlicher Druck. Die Entscheidung wird erst im nächsten Frühjahr erwartet.
ParlamentarischesausHessen
D a r m ft a b t, 17. Sept. Die Fraktion des Hessischen Bauernbundes hat im Landtag einen Antrag eingebracht, worin die hessische Regierung ersucht wird, die Rückzahlung der landwirtschaftlichen Notstandskredite so lange auszu- setzen, bis der Landtag hierüber entschieden hat. Der Finanzausschuß soll sogleich einberufen werden.
Der Gesetz gebungsausschuß des Landtags beriet die Artikel 10 bis 31 der Regierungsvorlage über die Wahlen für die Parlamente her Gemeinden und der Gemeindeverbände. Rach Erledigung einer Reihe von Punkten, im wesentlichen redaktioneller Ratur, wurde der Artikel 21 in der Form angenommen, daß der Wahlvorschlag für die Gemeindeparlamente bei 300 Stimmberechtigten von mindestens 5 Personen unterschrieben sein muß. bei 500 von 10, bei 1000 von 20, bei 3000 von 30, bet 5000 von 40, bei 10 000 von 50, bei 20 000 von 60, und über 20 000 von 70 Personen. (Die Ziffern sind Mindestzahlen.) Für den Kreistag und für den Pro- vinzialtag sind mindestens 50 Unterschriften notwendig.
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Der deutschnationale Abg. Kindt hatte Er. laß eines Gesetzes beantragt, das Abgeordneten verbietet bei periodisch erscheinenden Druckschriften verantwortlich zu zeichnen. Auf diesen Antrag hat der Staatspräsident geantwortet, daß die Regierung noch die gleiche ablehnende Stellung einnehme wie auf dem vorigen Landtag.
Don dem Abgeordneten Dr. Werner (Dntl.) und Fraktion sind folgende Anträge an den Landtag ergangen: 1 Wir beantragen, die Regierung zu ersuchen, nicht bloß selber ihrer Pflicht auf Einstellung von Dersor. gungsanwärtern nad^ufommen, sondern auch darauf hinzuwirken, daß die Gemeinden in gleicher Weise verfahren. 2. Rachdem der Reichstag beschlossen hat, den Artikel 6 des Personal- abbaugefetzes zu ändern, beantragen wir. eine entsprechende Aenderung des Art. 8 Abs. 2 des Gesetzes über die Hinterbliebenenversorgung derStaatsbeamten vom 18. Dezember 1923.
Aus aller Welt.
Die japanischen Flieger in Berlin.
Berlin, 17.Sept. (TU.) Das erste auf dem Tempelhofer Feld eingetroffene japani - s ch e Flugzeug ist mit erheblicher Verspätung gelandet. In einem ■ Flugzeug des Aerolloyd ist ihm der japanische Botschafter, Excellenz Honda, entgegengeflogen. Er mußte aber unverrichteter Dinge zurückkehren. Das zweite Flugzeug ist, erst morgen vormittag in Königsberg startbereit zum Fluge nach Berlin. Die beiden bereits eingetroffenen Flieger Abe und Shinohara wurden auf dem Tempelhofer Feld von den Vertretern der japanischen Botschaft, der deutsch-russischen Luftverkehrsgesellschaft imb des deutschen Aerolloyds auf das herzlichste begrüßt.
Bei einem Frühstück, das der Verein Deutscher Zeitungsverleger aus Anlaß der Ankunft der japanischen Piloten gab, begrüßte der Leiter der Luftfahrabteilung im Reichsverkehrs- ininifterium, Ministerialrat Brandenburg, aufs herzlichste die japanischen Flieger im Namen der Reichsregierung und der deutschen Luftfahrt. Direktor Carl Mueller, der aeschäftsführende Vorsitzende des Vereins Deutscher Zeitungsverleger, betonte, daß das deutsche Volk und die deutsche Presse mit vieler Anteilnahme die großen Erdbeben, die kürzlich Japan verheert haben, verfolgt, mit Freude und Genugtuung aber auch festgestellt haben, wie außerordentlich rasch es dem japanischen Volke gelungen sei, durch Energie, Opfergeist und Vaterlandsliebe die Folgen dieser Ereignisse zu beseitigen und zu mildern.
Für die japanischen Flieger sprach H y o ch i Abe den Dank für das herzliche Willkommen aus. Er betonte, daß die japanischen Flieger Deutschland besucht hätten, um eine Fühlungnahme mit der deutschen Wissenschaft und Technik herbeizuführen. Es werde eine besondere Freude für die japanischen Flieger sein, wenn sie baldigst auch deutsche Flieger in Iapan begrüßen könnten.
Der japanische Botschafter, Exzel- lenz Honda, dankte sodann im Ramen des japanischen Volkes dem Verein für die Einladung. Seine Rede gipfelte in der für seine Person ausgesprochenen Aeberzeugung, daß' es in dec internationalen Luftfahrt keine Bes chrän- Zungen und Ungleichheiten geben dürfe.
Wettervoraussage.
Meist bewölkt, stellenweise noch Regenfälle, Temperaturen wenig fallend.
Der nach Rord- und Mitteldeutschland vor- gestcßene Ausläufer der nordwestlichen Depression bewirkte stärkere Riederschläge, die sich ostwärts fortpflanzen. Die Aussichten auf Besserung find nicht stärker geworden, da der Kern des Wirbels östlich vorgerückt ist und neue Ausläufer auf den Kontinent übergreifen. Wir bleiben unter dem SinfluH vorwiegend ozeanischer Lust.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 11,8 Grctd Celsius, Minimum 8,6 Grad CelsiuS. Riederschläge 5.6 Millimeter. Heutige Morgentem- peratur 11 Grad Celsius.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 18. September 1925.
Abende des Deutschtums.
Ganz kurz nacheinander haben wir in Gießen zwei Abende gehabt, die Auswirkungen des großen Gedankens waren, Alldeutschland geeint und von einer Grenze umschlossen zu sehen. Da waren einmal die Steierer, die aus Oesterreich treudeutsche Grüße brachten. Da waren zum andern die Kärntner, die aus jugoslawischer Umklammerung das erhebende Bekenntnis zum groh- deutschen Gedanken zu uns herübertrugen.
Diese Abende brachten neben den begrüßenden und werbenden Ansprachen, neben den mancherlei Vorträgen und Vorführungen jedoch vor allem eines: Sie gaben ein Abbild echt deutscher Kultur aus einem vom Fremd- tum bedrückten Gebiet. Sie zeigten uns, die wir nicht so unmittelbar unter fremder Bedrückung leiden und doch etwas sorgloser als jene mitten im Lande leben, umgeben von gleichsprachigen und gleichgesitteten Brüdern und Schwestern, wieviel stärker sich volkliche Eigenart an den Stellen erhält, wo sie in dauerndem Kampfe um ihre Existenz steht. Sie zeigten uns gleichzeitig, wieviel näher wir im Mutterlande der Gefahr einer Auflösung im Fremdtum sind, weil das stählende Moment der Verteidigung und des Kampfes uns fehlt.
So ist uns gerade durch diese denkwürdigen Besuche wieder einmal deutlich geworden und erlebnishaft vertieft das Bewußtsein, daß nur der stete Kampf, das immerbereite Wachsein rechte Lebensaufgabe ist. Wachend und schirmend wollen wir uns um die durch jahrhundertealte Tradition geheiligten Sitten und Bräuche unseres Volkes in allen seinen Stämmen stellen, ihre Trachten, Tänze und Lieder pflegen und ihre Gesinnung ehren. Fordernd und kämpfend aber wollen wir heraustreten gegen alle, die unseren deutschen Gedanken befehden, der alle Deutschen unter einer Flagge und mit einer Grenze umschlungen wissen will. Denn nur wenn wir erhalten, waS uns gehört, wenn wir's wieder erringen, was wir überkommen, nur dann wird es uns wirklich und zutiefst verbunden gehören.
Wenn alle Besucher bei den Steirern und Kärntnern so empfunden haben, wenn alle diese Gedanken lebendig wirkend in sich tragen, dann werden diese großdeutschen Abende dauernder Gewinn und eine Mehrung lebendigen deutschen Volksgutes sein.
Dersammlungstechnisches in der DolkshaNe.
Der 116er-Tag hat, ebenso wie das Kreis- turnfest. wertvolle Erfahrungen hinsichtlich der Durchführung von Veranstaltungen in der Volks- Halle gezeitigt. Diese Erkenntnisse sollten künftighin bei allen Veranstaltungen in dem großen Raum, erstmalig schon beim Gustav-Adolf-Tag entsprechende Berücksichtigung finden.
Bisher hat sich bei allen Darbietungen in der Volkshalle gezeigt, daß Redner, die von der Bühne aus sprechen, bei der Größe des Bühnen- und des Hallenraumes und zumal wenn draußen um die Halle herum Geräusche sind, stimmlich nicht bis zu den hinteren Plätzen durchdringen können, daß sie allenfalls bis zur Mitte gut verständlich sind. Der weit hinten sitzende Teil der Zuhörer wird, da er nichts verstehen kann von dem, was vorne von der Bühne aus zum Vortrag gebracht, natürlich unruhig und stört dadurch nun wieder mehr oder weniger die andern, die dem Redner näher sitzen. Das Endergebnis ist dann meist, daß nur die ganz weit vorne Sitzenden wirklich einwandfrei verstehen, die übrigen aber nur halb oder gar nicht befriedigt werden und auch der Redner um die erhoffte Wirkung kommt. Diesem üebelftanb könnte nach unserer Ansicht wohl dadurch abgeholfen werden, daß der Redner i n der Mitte der Halle zu Wort kommt, und zwar würde er zweckmäßigerweise wohl von der Mitte einer der Längs em Poren aus sprechen, da er von hier aus in gleicher Entfernung nach vorn und hinten und außerdem hoch über der Zuhörermenge, aber nicht in der Menge in diese hinein reden würde. Wir glauben, daß von diesem Standort aus der Redner überall gut zu verstehen sein wird.
Weiter möchten wir empfehlen, Theaterstücke in der Volkshalle nicht auf- zuführen, da hierbei die Hintensitzenden noch viel weniger verstehen können als bei einer laut gesprochenen Rede. Die Erfahrungen bei der Aufführung des Festspiels „General Pork" anläßlich des 116er-Festes haben nach dieser Richtung vollständig genügt. Wers nicht glaubt, frage nur mal die Bedauernswerten, die bei diesen Darbietungen hinten gesessen haben. Die Bühne in der heutigen Gestalt sollte man nur für größere Konzerte benützen.
Senkung der Umsatzsteuer.
Mit Wirkung vom 1. Ianuar 19 25 sind Privatgelehrte, Künstler und Schrift- st e l l e r von der älmsahsteuer befreit, sofern die steuerpflichtigen Amsähe im Kalenderjahr den Betrag von 6000 Rm. nicht übersteigen. Vom gleichen Zeitpunkt ab sind ferner von der älmsatz- fteuer befreit Handlungsagenten und Makler, sofern die steuerpflichtigen Umsätze im Kalenderjahr den Betrag von 6000 Rm. nicht übersteigen .
Mit Wirkung vom 1. August 1925 wird die Beherbergungssteuer, die Ver- wahrungssteuer, die Reittier ft euer und die A n z e i g c n ft e u e r aufgehoben. Die bisher diesen erhöhten Steuern unterliegenden Leistungen sind vom 1. August 1925 ab nach den Sähen der allgemeinen älmsatzsteuer steuerpflichtig.
Mit Wirkung vom 1. Oktober 1 925 wird der Satz der allgemeinen Umsatzsteuer von einundeinhalb vom Hundert auf ein vom Hundert und der Satz der Hersteller- und Kleinhandelssteuer von zehn vom Hundert auf f i e - benundeinhalb vom Hundert herabgesetzt. Die auf ein und siebenundeinhalb vom Hundert gesenkten Sätze der allgemeinen Umsatzsteuer und der Hersteller» und Kleinhandelssteuer haben die Monatszahler erstmals bei den älmsahsteuervorauszahlungen im Rovember 1925, bie Vierteljahrszahler erstmals bei den älmsatz- steuervorauszahlungen im Ianuar 1926 der ilm- sahsteuer zugrunde zu legen. Bei den im Oluguft, September und Oktober 1 9 2 5 zu leistenden älmsahsteuervorauszahlungen haben die Monats- und Vierteljahrszahler die


