Ausgabe 
18.8.1925
 
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lizei gelang es, die Ordnung wiederher-ustellen. Eine Abteilung Marinesoldaten vom englischen KreuzerConcorde" bewacht die Postgebäude. Der Vorsitzende des Allgemeinen Arbeiter-Ver­bandes erklärte gestern, daß die Arbeiterschaft mit den Abmachungen über die Wiederauf­nahme der Arbeit in den japanischen Spin­nereien nicht zufrieden seien. In einer Versammlung wurde beschlossen, daß die Arbeiter erst dann wieder in die Fabriken zurückkehren wollen, wenn sie für den Lohnausfall während des Streikes in voller Höhe ent­schädigt würden. Ferner wurde ein Lohn­erhöhung von 10 Proz. gefordert.

Kleine politische Nachrichten,

Die saarländische Dergwerksdirektion hat die französischen Saargruben angewiesen, daß jedem Bergarbeiter, der an dem Streik in den letzten Wochen teilgenommen hat, 2'/r Schichten gestrichen werden.

König Feisal von Mesopotamien ist in London eingetroffen. In politischen Kreisen ist man der Ansicht, daß sein Besuch weniger der Konsultierung eines Londoner Arztes, als den kommenden Verhandlungen über das M o s s u l g e b i e t auf der Völkerbunds­tagung in Genf gilt.

Der Weg zur Freiheit".

Die Iuli-August-Auminer des Mitteilungs­blattes des Arbeitsausschusses Deut­scher VerbändeDer Weg zur Freiheit", bringt uns diesmal wiederum wertoolle Aufsätze über das Urteil ausländischer Autoren zur Kriegsschuldfrage. Es wird vor allem auf Tteu- erscheinungen von Boghitchewitsch. Margueritte und Ewart hingewiesen. Das Werk des serbi­schen Diplomaten BoghitchewitschLes Causes de la guerre" läßt mit besonderer Klarheit die Beziehungen zwischen Serbien und Rußland er­kennen. Es zeigt, wie Rußland seit langem die Angriffe Serbiens auf die Donaumonarchie be­günstigt hat und unterstützte. Victor Margu­eritte behandelt in seinem BucheLes criminels" vor allem die französischen Beziehungen vor dem Kriege, die auch nach seinem Urteil zur Weit' lataßrophe führen mußten. Demgegenüber wird die Friedensliebe Deutschlands von Margueritte zu verschiedenen Malen festgrstellt. Reges In­teresse verdient außerdem das Weitt des ka­nadischen Richters John S. Swart,The roots and causes o? tije war". Erwähnt sei ferner eine scharfe Kritik des berannten englischen Ar- beitersührers Henderson über den Sicherheits­pakt.

Aus aller Welt.

dcr Fluglinie London Amsterdam Frankfurt München.

Die Fluglinie LondonAmsterdam wurde am Dienstag zum erstenmal durch Deutschland geführt. Die Linie verläuft von London nach Amsterdam über das Ruhrgebiet (Flugplatz Dorsten), von hier nach Frankfurt a. M. und endet in München. Den englisch-holländischen Teil übernimmt, wie bisher, die Imperial A i r w a y Company mit eng­lischen Flugzeugen, der holländisch-deutsche Teil wird non Dreischraubenflugzeugen durchgeführt, die unter schwedischer Flagge fliegen. Diese Einrichtung hat den Vor­teil, daß vom Ruhrgebiet aus der direkte Flugweg über das besetzte Gebiet ge­nommen werden kann. Punkt 3 Uhr nachmittags tMf das erste Junkers-Großflugzeug in Frankfurt ein, startete flugplanmäßig, mit sechs Personen be- tsetzt, noch München. Es ist dies zum erstenmal, daß rcm solches Großflugzeug in regelmäßigem Verkehr »den Frankfurter Flughafen berührte.

\ Vcände.

In einem Hause der Alleestraße in Berlin ist ein Dach st uhlbrand ausgebrochen, der sich rasch ausbreitete und auf die obersten Stockwerke 1 Übergriff. Die Feuerwehr ist noch mit den Lösch­arbeiten beschäftigt. (Eine Frau, die im Dachgeschoß tätig war, erlitt schwere Verbrennungen. Man ver­mutet Brandstiftung.

Im Dorfe Kirchwege im Kreise Uelzen ent ' stand durch zwei vierzehnjährige Jungen, die mit Streichhölzern spielten, ein Feuer, das allmählich auf eine Reihe Gebäude Übergriff. Acht Familien sind obdachlos. Der Schaden ist sehr bedeutend.

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In vergangener Nacht ist in Cösen (Anhalt) die am Bahnhof liegende Leidsche F a ß f a b r i k durch ein verheerendes Großfeuer vollständig ein» geäschert worden. 8000 zum Versand bereit liegende Zementfässer sowie sämtliche Anlagen und Maschi­nen wurden ein Raub der Flammen. Das Feuer wird auf einen verbrecherischen Racheakt zurück- geführt. *

In Hirschberg ist die Borrmann mühle in der Nacht vom Sonntag auf Montag bis auf die Umfassungsmauern niedergebrannt. Der gesamte Gebäudekomplex wurde ein Raub der Flammen. Den umfangreichen Sicherungsarbeiten der Feuer­wehr gelang es, ein Uebergreifen des Feuers auf die umliegenden Gebäude zu verhindern.

In dem Fischerdorf Großgarde im Kreise Stokp, das schon vor Jahren durchs ein Groß» feuer fast vollständig eingeäschert wurde, vernichtete ein neuer Brand 19 Häuser. 21. Familien mit insgesamt 120 Personen sind obdachlos. Der Schaden ist sehr groß.

Auf der Nordseemsel Amrun wütet ein heftiges Feuer. In Nordorf sind bisher 19 Häuser den Flammen zum Opfer gefallen. Infolge des starken Sturmes breitet sich dos Feuer immer weiter aus.

tzprengunglück.

In einem Steinbruch bei Herdecke (West­falen) ging bei einer Sprengung eine Dhnamit- ladung zu früh los. Der Schießmeister und <ün Arbeiter wurden von umherfliegenden Steinstücken getroffen und waren auf der Stelle tot

Durch Blitzstrahl getötet.

Auf dem Sportplatz Iosephsdorf bei K a t t o- wih schlug am Samstag nachmittag während eines Fußballspiels der Blitz in eine Gruppe von Spielern. Ein Spieler wurde sofort ge­tötet. Fünf andere Spieler erlitten schwere Ver­letzungen.

Zwei Tote bei einem INolorradunglück.

In der Nacht zum Montag ereignete sich in Schildesche bei Bielefeld ein schweres Mo-

torardunglück, dem zwei Menschenleben zum Opfer I fielen. Der Kaufmann Hü11emann fuhr mit | einem Fräulein Schmitz in rasender Geschwindig- Icit gegen einen Stilometerftein. Die Be­gleiterin war sofort tot. Hüttemann starb nach kurzer Zeit. Der Kilometerstein wurde glatt abge­brochen, das Motorrad vollständig zertrümmert.

Mord oder Selbstmord?

In der Nähe des Ostseebades Müritz wurde an der Küste von Ausflüglern eine männliche Leiche gesunden. Der Tote, der in einer Blutlache lag, wies schwere Schußverletzungen am Kopse auf. (Er war lediglich mit einem Badeanzug beileidet. Die Kleidungsstücke des Toten lagen zer­streut umher. Aus ihrem Befund ist zu schließen, daß sie nach Wertsachen untersucht worden sind. Es besteht noch keine Sicherheit darüber, ob es sich um einen Mord oder um einen Selbstmord handelt. Ebenso konnten die Personalien des Toten bisher noch nicht feftgestellt werden.

Selbstmorhepidemie in Berlin.

Die Selbstmorde in Berlin haben einen e r - schreckenden Umfang angenommen. So haben sich gestern in der Reichshauptstadt aus den verschie­densten Gründen a ch t Personen das Leben ge­nommen. Hierzu kommen noch sechs Selbstmord­versuche.

Ein Lastauto von einem Zuge zertrümmert.

DieVoss. Ztg." meldet aus Landsberg an der Warthe: Das Lastauto des Gutes Liebenow, auf dem sich Arbeiter des Gutes befanden, wurde bei dem Bahnübergang an der Hohenwalder Straße von einem Personenzug erfaßt und zer­trümmert. Zwei Arbeiter erlitten lebensgefähr­liche Verletzungen, während die übrigen und der Chauffeur mit leichteren Verletzungen davon kamen.

Gartenbouwoche Nordhaufen.

Die am Südrande des Harzes romantisch ge­legene Stadt Nordhausen veranstaltet in der Zeit oom 12.20. September d. I. eine (Gartenbau- woche, verbunden mit einer Gartenbauausstellung.

Die Cholera in Schanghai.

Nach Haoasmeldungen aus Schanghai macht die Choleraepidemie, die seit einigen Tagen dort aus- gebprfjen ist, r a s ch e F o r t j ch r i t t e. Man meldet 50 neue Todesfälle, und jeden Tag nimmt die Zahl der Erkrankungen _ßu. Bis jetzt find nur Chi­nesen von der «seuche befallen worden.

Dec Eucharistische Kongreß.

Der Eucharistische Kongreß in Speyer erreichte am Sonntag feinen Höhepunkt, und zwar in dem Kongreßtag der Manner. Nach dem feierlichen Ein­zug der Kirchenfürsten um 110 Uhr vormitags hielt Erzbischof F r i tz - Freiburg die Männerpredigt, an welche sich das Pontifikalamt des Kardinals Erz­bischof Dr. Faulhaber anfchloß. Nach verschiede­nen Änfp7:'chen von Erzbischöfen und Domkaplanen ocii^gie sich gegen 9 Uhr abends ein Lampion- z ii g >sr Sänger zum Domplatz, wo den anwesenden Kirchenfürsten eine begeisterte Huldigung dargebracht wurde. Dabei hielt Etadtrat Frank an die an­wesenden Kirchenfürsten eine Festansprache. Nach herzlichen Dankesworten des Kardinals Erzbischof Dr. Faulhaber fand alsdann die Beleuchtung der Basilika statt.

Der dritte Sag des Eucharistischen Kongresses war den Kindern gewidmet, an die der Bischof von Mainz eine Ansprache richtete. Den Abschl' ß des Kongresses bildete öie Schluß- Predigt des Bischofs von Speyer Dr. S eb a stian. der in seinen Ausführungen seinen Dank allen denen aussprach, die durch ihre Teilnahme an dem gewaltigen Gelingen dieses gewaltigen Festes mitgewirkt haben. Gleichzeitig tagte hier das Kartell der katholischen Studenten­vereinigungen Deutschlands, das seinen Ferienkvmmers hier abhielt, in dessen Verlauf u. a. Kardinal Dr. Faulhaber- München zu längeren Ausführungen das Wort nahm.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 18. August 1925.

Ein Skanda!.

Langsam schmückt sich die Stadt. Die grauen Flächen der Häuser werden lebendig, und der Sinn manches Bauwerkes wird wieder klar durch die Farben, die Gliederung und Rhythmus in die alte Bauten bringen.

Eines der schönsten Häuser Gießens ist heule nach seiner Wiederherstellung das Lagerhaus der Firma Gustav Geisse in der Kaplansgasse. Die Wände tragen als Schmuck das Bild einer Kaffee­plantage, in der sich drei Figuren, Reger und Ne­gerin, bewegen.

Das Gemälde, von Professor Velten 'Darm­stadt) entworfen und von Kunstmaler Gumschmann (Darmstadt) ausgeführt, ist nun in der Nacht von Samstag zum Sonntag in der übelsten Weise ver­unziert worden. Mit einer eisenbeschlagenen Stock­spitze hat man die Körper der Figuren an Brust und Lenden zerkratzt und dabei auch die Wand der­artig beschädigt, daß an eine unbemerkbar blei­bende Wiederherstellung des Bildes nicht gedacht werden kann.

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Man schreibt uns dazu:

Unsere ganze Stadt hat das größte Interesse an der Erhaltung und Wiederherstellung der noch vor­handenen alten Bauten. Nach langer, trauriger Zeit mangelnden Kunstsinnes und mangelnder Ehrfurcht vor dem Alten erwacht jetzt glücklicherweise wieder das Gefühl für die Schönheit unserer alten Häuser, und mancher Bürger sucht seine Ehre darin, durch die Wiederherstellung seines Eigentums in der ihm von den Vorfahren verliehenen Form unsere Stadt zu verschönern und ihr das frühere malerische Aus­sehen wiederzugeben. Gerade im vorliegenden Falle, in dem es sich um ein Haus in unmittelbarer Nähe der Hauptverkehrsstraße handelt, hat der Besitzer keine Mühe und keine Kosten gescheut, etwas ganz (Eigenartiges wiedererstehen zu lassen. (Eine Ver­änderung, die die Fassade des Hauses in früherer Zeit erfahren hat und die nicht gut wieder beseitigt werden konnte, hat er durch die Hand vortrefflicher Künstler zu einem besonderen Zierstück gestaltet. Und nun ist solch ein Bubenstück sein Lohn!

Wenn so etwas möglich bleibt, muß da nicht anderen die Lust vergehen, dem Beispiel jener schön­heitsfrohen Hausbesitzer zu folgen? Sollen wir des­halb darauf verzichten, unserem Gießen sein altes Aussehen wiederzugeben, das es ebenbürtig in die Reihe anderer altertümlicher deutscher Städte stellt und den Fremden zum Besuch anregt? Baumfre - uel wird schwer bestraft, dieser Frevel am Kunstdenkmal verdient mindesten die gleiche Strafe, denn er vernichtet unersetzliche volkserziehe- rische Werte.

Schnilterlied.

Nun rauscht die Sense durch die starren hohen Halme, die ihre goldnen Aehren schwer hängen lassen. Braune Fäuste halten im Ernte­schweiß den Holzgriff der sausenden Sense; eine Schwade wird neben die andere gebettet, grell blitzt die Sommersonne auf die weißen Kopftücher der Frauen, die rasch und geschickt die Kornmandel binden und aufrichten. Am Wege dengelt einer seine Sense auf einem Stein, weil sie schartig wurde.

Das ist das schöne Bild, das man heute noch so oft antrifft, wenn man draußen auf den Feldern ist. Es ist ein Stück Romantik da­bei, Poesie und Wohllaut gesunder Kraft. Ein Lied entströmt dem Schwung der Sense. Nie­mand hat es in Noten gebracht, und doch klingt es.

Ich stehe und lausche und kann erst die Worte nicht hören, aber dann höre ich doch etwas wie kurze Sätze heraus und endlich er­gibt sich ein Sinn:

Wir stehen hier, schwingen die Sense und bündeln das Korn. Ihr wißt nichts davon, was es heißt, in kalten Frostboden den Pflug vom trägen Stier Vorwärtsrücken zu lassen, bis die Scholle gebrochen ist; dann zieht die Egge dar­über, und wir streuen die Saat aus. Ihr wißt auch nichts davon, wie frei es in der mensch­lichen Brust wird, wenn man Saat auswirft und in die Furche senkt, damit das Brot wächst, das uns alle nährt. Dann kommt die heiße Sonne, wir bücken die braunen Nacken und jäten das Unkraut. Wenn die schwarze Wolke am Horizont aufsteigt, zittern wir vor Hagel und Ueberschwemrnung. Aber endlich wird das Korn weiß und goldig. Dann geht die Sense zu Feld, wippt freudig auf unserer Schulter, und die Lerche singt Psalm um Psalm. Schön ist das Leben des Landmanns!"

Ich höre das Lied. Ist es ein Lieö oder war es nur der Sensenschnitt, vermischt mit dem Jubilieren der Lerchen am blauen Him­mel? Fast meine ich, es wäre schön, wenn auch ich ein Landmann wäre; aber hart.

Drüben den Feldweg entlang schwanken die hohen Wagen und jenseits des Weges, da mähen sie mit Maschinen. Sie werden das große Feld früher leer haben, als meine brau­nen Schnitter ihren kurzen Plan, aber nicht klingt aus den Maschinen das Schnitterlied, so froh und leicht; es summt und surrt, schlägt und malmt, reißt und zerfetzt, schlingt und hastet. Deine Melodie war mir süßer Labsal, fröhliches Erntelied arbeitsgebeugter Schnitter!

Gießener Wochenmarktpreise.

Dom 18. August (Händ.'erpreise).

Es kostete das Pfund: Butter 220 bis 230 Pfennig, Matte 35, Käse 65, Wirsing 25, Weißkraut 15, Rotkraut 25, rote Rüben 10, Spinat 40, Tomaten 30, Kartoffeln 6, Rhabarber 15, Mirabellen 40 bis 50, Pfirsiche 80, Zwetschen 35, Frühäpfel 25 bis 30, Falläpfel 5 bis 8, Birnen 30 bis 80, Reineklauden 40, Wein­trauben 60, Preiselbeeren 50, Bohnen 25 bis 30, Römischkohl 10, Zwiebeln 20, Pilze 30, Brom­beeren 50; das Stück: Oberkohlrabi 15, Salat­gurken 30 bis 60, Einmachgurken 3 bis 5, Salat 10 bis 20, Blumenkohl 20 bis 140, Rettich 20 bis 30, junge Hahnen 100, Suppenhühner 120, Tauben 70 bis 80, Endivien 20, Eier 15 bis 16; das Bund: Radieschen 15, gelbe Rüben 20 Pfg>

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** Das O-Zug-PaarO 7-7/78 bleibt erhalten. Die nur bis zum 31. August 1925 planmäßig vorgesehenen D 77 Frankfurt bis Altona, Gießen ab 10.18 nachm. und D 78 Altona Frankfurt, Gießen ab 5.42 norm, wer­den wegen guter Besetzung noch bis zum 30. Sep­tember 1925 gefahren.

** Fristverlängerung für Erstat- iung von Lohn steuern. Nach dem Steuer- überleitungsgesetz können Lohnsteuerbeträge aus dem Jahre 1924 in den Fällen teilweiser Derdienst- losigkeit bei Krankheit. Unglücksfällen usw. a u f Antrag erstattet werden. Die 2lnträge wären bis zum 31. Juli 1925 einzureichen. Durch das neue Einkommensteuergesetz ist die Frist bis zum 31. De­zember 1925 verlängert worden. Anträge, die wegen der Versäumnis der ursprünglichen Frist ab- gclehrtt worden sind, können jetzt erneut eingereicht werden.

** Der vermißte Schüler Ern ft Rühl hat sich wieder eingefunden. Er war zu Ver­wandten in Oberhessen gewandert, welche nach seinem Eintreffen seine hier wohnhaften Eltern benachrichttgten.

" Gleiberg-Verein. Es sei an dieser Stelle nochmals auf das am Sonntag, dem 23. ds. Mts. auf der Burg Gleiberg ftattsindende Gleiberg-Sommerfest aufmerksam ge­macht. Tie Burgruine Gleiberg ist ein beliebter Ausflugsort, nicht nur der Anwohner unserer Stadt. Aber wie vielen unserer Bürger ist die Existenz des Gleiberg-Vereins noch nicht be­kannt, wieviel von ihnen wissen noch nicht, daß die Burgruine Eigentum des Glei­berg-Vereins ist, dessen Ziel und Zweck die baullche Unterhaltung des ehrwürdigen Zeu­gen vergangener besserer und auch unglücklicherer Jahrhunderte ist. Das Sommerfest ist als ein Werbetag gedacht, der dem Gleiberg-Verein aus allen Bevöllerungsschichten neue Mitglieder zu­fuhren soll, damit ihm sein ideales Ziel, die Erhaltung der Burgruine, durchzuführen auch finanziell möglich ist.~JSiehe Anzeige.)________ _

A us der Jugendzeit klingt ein Lied" (im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße). Eine Jugendzeit rollt hier in prächtigen Bildern an un­seren Augen vorüber: Bilder aus den Tagen seli­ger Kinderzeit mit ihren Freuden und kleinen Lei­den, dann die Jahre der reiferen Jugend, der er­wachenden Sehnsucht der ersten Liebe goldene Zeit. Und nun das große Leid: Kummer und Schmerz über enttäuschte Liebe. Die Handlung stei­gert sich dramatisch und fällt zum Schluß langsam ab. Der Film zeichnet sich durch besonders guten szenischen Aufbau aus. Auch bie Leistunge^ der Darsteller verdienen Lob, alles in allem: ein 'Derk, das auf einem beachtenswerten Niveau steht. Herr Curt Richter, der den Film durch entsprechende Lieder begleitete, erntete lebhaften Beifall. Zwei weitere kleine Lustspiele vervollständigen das sehenswerte Programm.

Vornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 8 UhrDer Hochtourist". Bauer- scher Gesangverein 8'TlhrStadt Cassel" Zu­sammenkunft. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ..Aus der Jugendzeit".

'Wettervoraussage.

Rördlichc bis westliche Winde, stärker be­wölkt, kühler, vereinzelt Regenfälle Morgen- nebe .

2vs Tiefdruckgebiet über Sianöinaoicn und Finnland hat weiter an Stärke und Ausdehnung zugenommen. Seine Ausläufer reichen bereits bis nach Mitteldeutschland hinein. Durch sein weiteres Vorrücken nach Südosten fomir.cn wir mehr und mehr auf seine Rück,eile und müssen mit vorübergehenden Störungen rechnen. Später langsame Beiierung der Wetterlage.

Gestrige Sagesremperaturen: Maximum 22 Minimum 9,5 Grad Celsius.

' v.VuiX :-: v>:. U:u.

Leihgestern, 17. Aug. Unter Beteiligung der ganzen Gemeinde wurde hier auf Anregung des Ausschusses für Volksbildung und Jugend­pflege am Sonntag eine Saufen b?aJj.r feier für die Rheinlande veranstaltet. Im Mittelpunkt der Feier stand eine Ansprache des Kreisschul- rates Fischer-Gießen, die nach einem wert­vollen geschichtlichcn Rückblick die hohen Ziele zeigte, denen das kommende Deutschland zu- streben^ möchte. Die Rede war umrahmt von meisterhaft gefangenen Rheinliedern der hiesi­gen Gesangvereine und wirkungsvoll vorgetrage­nen Gedichten. Die in allen Teilen wohlgelungene Feier fand den lebhaftesten Beifall der zahlreichen Teilnehmer.

Bettenhausen, 17. Aug. Bei der am Der» vergangenen Sonntag. 9. August, stattgefundenen Beigeordnetenwahl, die unter sehr reger Wahl­beteiligung stattfand, wurde der LandwirtHeinrich Ruckel mit 114 Stimmen gewählt. Sein Gegen­kandidat Hrch. Mathes I. erhielt 104 Stimmen.

Lauter, 17. Aug. Bei der hiesigen Dei» geordnetenwahl wurde der bisherige Beigeord­nete Heinrich Mahr von 161 Wählern ein­stimmig wiedergewühlt. Wahlberechtta.t waren 309 Personen.

i. Ettingshausen, 17. Aug. Der gestrige Sonntag brachte uns die W e i h e unseres Krie­gerdenkmals. Zwar besitzt dw Gemeinde schon ein solches in fr:r tzurch den Kirchenmaler Velte-Rieder-Ramstadt künstlerisch hergestellten Ramenstafel. die in unserer alten, schönen Dorf- kirch? angebracht ist, aber es blieb der Wunsch lebendig, auch ein steinernes Denkmal auf einem öffentlichen Platze zu errichten. Rach langen Verhandlungen einigte um sich auf den Kirchenplah. den alt-n Frisches als Ausstel­lungsort. Freiwillige Arbeitskräfte hatten sich zur Verfügung gestellt, diesen würdig herzurichtcn und ihr?r fleißigen Arbeit wie auch der umsich- tigen Tätigkeit des Bürgermeisters O p p e r ge­lang es, im Laufe einer Woche den Platz für seinen Zweck zuzubereiten. Zu der Weihefeier waren vom Kreisamt und dem Kreisbauamt als Vertreter Oberregierungsrat Dr. Heß und Ober­baurat Cellarius erschienen, ilm 2 Tlhr stellte sich an der Schule ein stattlicher Festzug auf. An feiner Spitze marschierte der Posaunenchor von Klein-Linden unter Leitung seines Diri­genten Johannes Germer. Rach Ankunft auf dem Denkmalsplahe folgte auf ein Eingangsstück des Posaunenchors ein Ehor unseres Gesangver­eins Concordia, der zeigte, wie er unter der zielbewußten Leitung seines neuen Dirigenten, Lehrers Simon, in gutem Aufschwung begriffen ist- Als Vertreter der Kreisbaubehörde übergab Oberbaurat Cellarius das Denkmal der Gemeinde. Er gab dem Bedauern Ausdruck, daß Regie­rungsbaumeister Schneider, der sich um das Zustandekommen des Werkes große Verdienste erworben hatte, durch Krankheit am Erscheinen verhindert war, und erläuterte das Denkmal, zu dessen Besitz er die Gemeinde beglückwünschte, den Schuh der Gemeinde übernommen und den Hierauf wurde es von Bürgermeister Opper in Stellen, die ihre Arbeit in dey Dienst der Denk­malsfache gestellt hatten, herzlicher Dank gesagt. Rach demRiederländischen Dankgebet" folgte die Weiherede durch den Ortspfarrer, der das Wort Psalm 126 Vers 5Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten", das auch auf dem Denkmalssockel als Inschrift steht, zu Grunde lag. Rach den Weiheworten folgte die Verlesung der 20 Gefallenen und Mädchen aus den Familien der Angehörigen legten Eichenkränze mit Schlei­fen, auf denen die Ramen der Gefallenen und die Widmung durch die Gemeinde zu lesen waren, am Denkmal nieder. Dazu Hang aus der nahen Kirche der ChoralJerusalem, du hochgebaute Stadt", den Lehrer Römer aus Münster auf der Orgel spielte. Als Vertreter frer Kriegsteilnehmer sprach Förster Philipp Keil. Rach dem LiedIch hatt' einen Kameraden" folgte die Kranznieder­legung durch die Kriegsteilnehmer. Auch der Gesangverein und der Radfahrerverein widmeten ihren gefallenen Vereinsbrüdern Ehrenkränze. Mit Gebet, Segen und einem Gemeindelied endete die stimmungsvolle Feier, die in den erweiterten Rahmen eines Gottesdienstes eingespannt war, nachdem der Kriegerverein noch eine Ehrensalve abgegeben hatte. Verschönt wurde dieser Gottes­dienst noch durch Aufsagen passender Gedichte und durch einen Sprechchor der Mädchen. Das Denk­mal selbst ist das künstlerische Werk des Bild­hauers Arn old in Allendors (früher in Beuern). Der Entwurf fand von kunstverständigen Be- urteilern größte Anerkennung. Auf einem ge­waltigen Sockel sieht man eine sitzende Frauen­gestalt in weit über Lebensgröße, die schützend ihre Hände über das Kindlein in ihrem Schoße hebt. Besonderer Dank gebührt Regierungsbau­meister Schneider für die wertvollen Anregungen, die er im Laufe der Jahre bei unserer Denkmals­sache gab Zur hohen Ehre gereicht auch der Hungener Steinmehfirma Werner die Arbeit, die sie an der Herstellung unseres Denkmals leistete. Möge dieses selber stets ein ©nnnerUnga­rn al an die Kriegsopfer, aber auch ein ernstes Mahnmal an unser Geschlecht und au die kom­menden Generationen sein.

Streid Friedberg.

Zi Bad - Rauheim. 15. Aug. Der Kreis­verein Friedberg des hessischen Hebammen­verbandes beging heute hier die Feier seines 20jährigen Bestehens und verband damit die Ehrung einer großen Zahl von verdienstvollen Jubilarinnen. Die 86 Hebammen des Kreises Friedberg wohnten der festlichen Veranstaltung nahezu geschlossen bei, außerdem waren zahl­reiche Gäste anwesend, darunter Vertreter der Behörden, des hessischen Landesverbandes, der