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Im Flugzeug nach und von Dessau Der Flug der Gießener Professoren.
den Grenzen her als Einheit und dränge zum Deiche hin. in dem es noch einmal Form zu werben hoffe.
Dach dem Vortrag der Chöre „Rheintreue" von Sonnet und „Bleib deutsch, du herrlilh Land am Rhein" von Arnold durch den B a u e r° schen Gesangverein, und der Wiedergabe von Richard Wagners „Einzug der Götter in Walhall" aus dem „Rheingold" und von Traberts Armeemarsch „Preußens Gloria" durch unsere Militärkapelle brachte Oberbürgermeister Keller das begeistert aufgenommene Hoch auf das deutsche Vaterland aus, dem sich der gemeinsame Gesang des vaterländischen Treugelöbnisses, das Deutschlandlied, anschloh. Damit fand die würdige Feier an beiden Abenden ihren Ausklang.
Hervorgehoben sei noch, daß sich die Kapelle unserer 15er unter Obermusikmeister L ö b e r und der Bauersche Gesangver- e i n unter seinem Chormeister G ö r l a ch durch ihre treffliche Mitwirkung bei beiden Feiern sehr verdient gemacht haben: der dankbaren Anerkennung dürfen beide gewiß sein.
Kr. Es ist gegen 8 Ahr morgens am 4. Juli. 3m Walde hört man das Hupen der Automobile. Wir treffen pünktlich auf dem schönen neuen Flugplatz ein. Am Waldrand erwarten uns befreundete Gruppen: hoch zu Rotz, im Auto, auch auf flinken Füßen sind sie herbeigeeilt, um dem Start der Professoren beizuwohnen, denen ein von manchem beneidetes Geschick heute den Flug ins Weite gönnen will. Auf Einladung der Junkers-Flugzeugwerke sollen Rektor, Exreitor, die Dekane der beiden Abteilungen der philosophischen Fakultät und vier von deren Mitgliedern im 12-Siher nach Dessau fliegen, um dort die feierliche Promotion des Professors 3unkcrs, des vielgenannten Leiters der Werke, vorzunehmen, dem die philosophische Fakultät unserer Landes- universität die Würde eines Dr. Phil, ehrenhalber verliehen hat. Der Zwölfsiher freilich ist ausgeblieben. Man sagt uns, daß es nicht möglich war, eine Maschine aus dem Verkehr herauszunehmen. An seiner Stelle sollen uns zwei Viersitzer befördern. Aber nur einer liegt vor Anker, der andere hat nach Dessau, von wo er ganz in der Frühe gestartet war, wegen unsichtigen Wetters zurückkehren müssen. Er wird noch kommen, aber es ist besser, nicht auf ihn zu warten, sondern in Etappen zu fliegen. So wird denn das bereitliegende Flugzeug startfertig gemacht. Rach allerhand Hin und Her, wie es nun einmal unvermeidlich ist, wird rascher Abschied genommen. 3m letzten Augenblick geht alles so schnell, daß man sich kaum bewußt wird, sich einem nicht ganz alltäglichem und sicher auch nicht gefahrlosem Unternehmen verschrieben zu haben. Uebrjgens ist unser Leben versichert. Der Motor rasselt, da« Flugzeug D 703 hebt sich in die Luft, es ist 5 Minuten vor 9 Uhr. Rasch verschwinden da unten dre lieben Gestalten, verschwindet der Platz, verschwindet die vertraute Umgebung. Rach wenigen Minuten sind wir ganz im Banne des neuen Erlebnisses. 3n einer Höh« von etwa 700 Meiern über dem Meere, die er während des Fluges meist innehält, steuert unser trefflicher Pilot uns unserem fernen Ziele entgegen.
Es ist nicht so leicht, sich von da oben auf der Erde zurechtzufinöen. Wir haben natürlich Karten bei uns, und zuweilen zeigt ein Kundiger mit dem Finger auf diese oder jene Stelle, über die wir uns wirklich oder angeblich befinden. Aber kaum hat man den Blick darauf geworfen, ist's auch schon verschwunden. Grünberg habe ich gesehen, ob auch Alsfeld, weih ich nicht. Eine bestimmte Erinnerung ist mir nur an Schlitz mit seinen Burgen geblieben. Leichter wirds, als wir über Thüringen dahinfliegen, und die großen Städte unter uns sichtbar werden. Es war doch ein ergreifender Augenblick, als wir über Eisenach flogen (9.45 Uhr), unter uns die Wartburg (was wohl die Heilige Elisabeth und Luther für Augen gemacht hättenI) und das Durschenschaftsdenkmal. Erstaunlich rasch kommt Gotha (9.54 Ahr) in Sicht. Rach wenigen Minuten Erfurt (10.03 Ahr. Wir fliegen immerhin mit einer Stundengeschwindigkeit von 140 bis 150 Km. Da ist es kein Wunder, daß wir Strecken, zwischen denen die Bahnschnecke selbst als v-Zug eine Stunde und mehr braucht, in 20 Min. überfliegen. And wie ruhig das doch alles vor sich geht! Kaum, daß sich unser Flugzeug bewegt. Ein paarmal müssen wir durch Böen hindurch, von denen wir weniger bemerken als unser Pilot, dem Regen und Wind unangenehme Minuten bereitet haben mögen, während wir bloß die nassen Fenster sehen und ein geringes Schwanken des Schiffes empfinden. „Für Seekrankheit" steht auf den Papierbeuteln, die an einer Wand hängen, vermutlich nicht ganz ohne Grund, doch ist keiner von uns in die Versuchung gekommen, von ihnen Gebrauch zu machen. Halle taucht 10.37 Ahr rechts in der Flugrichtung auf: 10.55 Ahr, also nach genau zweistündiger Fahrt, sind wir in Dessau.
Auszug wiedergegebene denkwürdige Festrede von
Stubienrat Dr. König:
„Was dem 3ndier der Ganges, das ist dem Deutschen der Rhein. Religion, Recht, Kunst und Sitte haben sich von ihm aus über die Gaue unseres Vaterlandes verbreitet. D.es allein gibt uns einiges Licht über die geheimnisvolle Wirkung seines RamenS."
Diese Worte Karl Simrocks bildeten den Auftakt zu dem großen Aeberblick über die Geschichte des De tschen R ich.'s. d e im 10. wie im 19. 3ahr- hundert oom Kampf um den Rhein ausging. Frankreich erstrebe d e Herrschaft über den Rhein, nicht weil französische Menschen auf dem linken Rheinufer wohnten, sondern weil der Besitz des Rheines ihm die Vormachtstellung in Europa gebe: das deutsche Volk verteidige den Rhein, weil es sich um deutsche Menschen handle und weil es sich um deutsches Land und deutsche Menschen handle und weil es Paris nicht hörig werden wolle.
Trotz der Weltkriegskatastrophe sei das Reich uns erhalten geblieben. Die Zeiten der vielen Vaterländer se,en für Deutschland Endgültig vorüber. Auch die allermeisten der Volksgenossen autzerh.ilb der Reichsgrenzen fühlten die Schicksals, eröundenh^t mit dem kleindeutschen Staaisrolk. Die Cntsche'dung aber, ob wir sinken oder stei-m, falle am Rhein. Richt die Tatsache zeitlich b.'sch.'änkter Besatzung, so schwer zu ertragen an sich, sei das Anerträgliche, unerträglich sei, daß Frankre'ch heute wieder die Lande aus dem Z> sainmerhang des deutschen Lebens herauslcsen wolle, um sie, wie einst die Römer, zum Sprungbrett nach Mitteleuropa hinein zu machen. Wir aber hörten auf, Deutsche zu sein, wenn wir auf dies „Aelteste und Ehrwürdigste", dirses ..Deutscheste", verzichten könnten. Am unser Sein und um unsere Seele gehe cs am Rhein. Die Menschen am R.hein aber gehörten zu uns, nicht nur weil sie unsere Sprache sprechen, sondern auch weil sie ziu uns gehören wollen. Zwar habe sich ein bedeutender Streifen westgermanischen Landes in eigentümlicher Verstr'ckung seiner Geschicke mchr oder wen'ger von dem Einheits- stro-" dnatichen Lebens entfernt, die Menschen der d tsch verbliebenen Lande am Rhein wollten aber nicht nur volkl ch Deutsche sein, sie wollten auch die Gesch'cke des deutschen Staates, den sie mit bauen halfen, m tiefen und mittragen. Das hätten die letzten 3ahre erw'esen. DaS rheinische Volk, es habe durch die 3ahrtaus,endfcier am Rhein d'esen seinen Willen erneut kundgetan.
Die 3ahrtaufendfeier sei keine Feier der „Landnahme" durch die Germanen vor 1000 Fahren, sie fei auch keine Feier der Aufrichtung germanischer Herrschaft in einer westlichen Grenzmark, sie sei vielmehr die Gedenkfeier jenes Ereignisses, das die Germanen des linken Rheinufers gemeinsam mit denen des rechten aus der Verstrickung mit den Romanen des Westens herauSlöste und ihnen so die Voraussetzung zu wirklicher Volkwerdung im großen Deutschen Rebch de« Mittelalters schuf, es sei eine Feier, die uns alle angehe, die wir uns Deutsche nennen.
3n dem von Heinrich I. in den Fahren 919 bis 925 begründeten Staate seien die germanischen Stämme zum Volke der Deutschen geworden. Ferres Reichs- und Dolksbewußtsein sei entstanden, das trotz der Zersetzung im späteren Mittelalter vorgehalten habe bis in die Tage des Freiherrn vom Stein und E. M. Arndts, die den neuen Aufstieg einleiteten. Die Lande am Rhein seien das Rückgrat des alten Reichs, die Menschen am Rhein die Führer rm Kultur- reich der Deutschen gewesen. Don hier auS sei dann auch die große deutsche Volkwanderung ausgegangen, die die gewaltige Ausweitung des deutschen LsbenSraumcs nach Osten hin herbei- geführt habe. Durch Dolttsiedlung aus dem Westen sei zrn gutem Teile das deutsche Oft» land gewonnen worden, von dem aus bann, i, al« di« Heimat im Westen der „civilisation fran- _ ?aise" zu erliegen drohte, das Deutschtum sich zu y neuer Größe erhoben habe.
Was die besten Deutschen wollen sei, daß die Zeit erfüllt sei zum Zusammenklang der deutschen Welten in der einen Welt der Deutschen. Dolkdeutschland wolle werden. Aus den Tiefen der großen Vergangenheit, die weit vor 1870 liege, erhebe sich der Drang, all dev Klüfte, die in den Fahrhunderten des politischen und geistig-seelischen Auseinanderwachsens auf- gerissen worden seien, Herr zu werden. 3m Kampf um den Rhein fänden wir uns alle. — Friede könne unter den Völkern nur sein, wenn das eine das Lebensgesetz des anderen achte. Eine Volkheit zerstückeln, so datz große Teile außerhalb der eigentlichen Lebensgemeinschaft zu liegen kommen, das sei die Todsünde gegen den heiligen Geist des Völkerlebens. Auch der Sieger werde seines Besitzes nicht froh, die Beziehungen der Völker blieben vergiftet, wirkliche Befriedung werde ein Ding der Anmöglichkeit.
Der Redner schilderte sodann das Vordringen Frankreichs in den 1000 Fahren, seitdem es ein Deutsches Reich und ein Frankreich gibt und kam zu dem Ergebnis, daß nicht wir das Volk der Eroberer seien, daß der Eroberer im Westen sitze. Daß es der Anruhestifter in Europa sei, indem es nach der Herrschaft über deutsche Menschen strebe, das sei der schwere
Was uns am stärksten bewegte? 3ch kann nur von mir selber reden. And da muß ich sagen: 3ch habe noch nie einen so geschlossenen Eindruck von dem Reichtum der Kultur erhalten, mit der unsere deutsche Heimat gesegnet ist, wie in diesen wenigen Stunden. Alles Häßliche, alles Schmutzige, alles Mindervollkommene ist buchstäblich verflogen. Da liegen sie, die Dörfer und Flecken wie die Schmuckkästchen eingebettet in die Felder, da dehnen sich die großen Städte, abgezirkelt die Straßenzüge, man glaubt noch den Architekten am Werk zu sehen, der sie zuerst aufs Papier warf. Da strecken sich meilen- und meilenweit die prächtigen Wälder bis hinauf zu den Kuppen der Berge, auf die wir herab- schguen, meilen- und meilenweit die Quadrate und Rechtecke der Felder und Wiesen, eins neben dem anderen, in schier nicht endenwollender ununterbrochener Folge: wie riesengroße Teppiche, in allen Farben leuchtend, sind sie unter uns gebreitet, und wie ich so dahinflog über die Städte und Dörfer, über diese Wälder und Felder, da stieg in mir ein Gefühl tiefer Dankbarkeit auf und hat mich nicht wieder losgelassen, tiefe Dankbarkeit dafür, daß diese unsere herrliche Heimat unverwüstet unter mir lag, daß keines Feindes Fuß sie betreten hat, daß sich Tausende und Abertausende geschäftige Hände ungehindert regen dürfen für Haus und Hof, für Weib und Kind, für Heimat und Vaterland. Aeber all dem Schweren, dem kaum Tragbaren, was feindlicher Frevelmut uns auferlegt hat, sollten wir nie vergessen, daß uns die Schrecken der Kriege vergangener 3ahrhunderte erspart geblieben sind.
Was wir in Dessau getan haben, was man uns dort geboten hat, das darzulegen, ist hiev nicht der Ort. Rur ein Wort des Dankes sei eingeflochten für die überaus zuvorkommende Aufnahme, die wir fanden, ganz besonders für die lehrreiche Führung durch die Werke, tue auch dem Laien vollen Einblick vermittelte in die gewaltige Leistung des Leiters und seiner Helfer, vorn ersten Direktor bis zum letzten Arbeiter. Wir fanden auch Zett, einen Gang zu machen durch die freundliche Stadt, die Residenz des Alten Dessauers; auch vor der Apotheke, aus der er sich seine Anneliese holte, habcm wir einen Augenblick verweilt. Dagegen formten sich uns die vielgerühmten Schönheiten des Wörlitzer Parks, zu dem uns rasche Automobile hinausführten, nicht erschließen: die Tücke des Wettergottes verdarb uns dieses Vergnügen.
3nzwischen war uns von der Leitung mrt- geteilt worden, daß für den andern Morgen der Zwölfsiher bereit fein würde, zwar nicht ein Verkehrsflugzeug, fondern eine Maschine, die bisher nur für kleinere Flüge benutzt worden war, aber für einen größeren Flug genügend gerüstet schien, trotzdem der mittlere der drei Motoren nicht die vorgeschriebene Tourenzahl machte. Wir haben sie am Sonntagmorgen 7.30 Ahr bestiegen. Run fauste sie dahin, bald in einer Hohe von 1200 ja 1300 Metern. Wir überflogen die Saale, die Anstrut, und näherten uns nach fast ein« stündiger schneller Fahrt Erfurt. Da plötzlich senkt sich dte Maschine, steil geht sie herunter, dann in den Gleitflug über, und ohne daß wir noch, recht zur Besinnung gekommen sind, kriecht sie über einige Felder auf der Erde dahin, und kommt 3um Stillstand. Wir sind allein auf weiter Flur, denn so weit das Auge reicht, ist keine menschliche Wohnung zu sehen. Aber es dauert nicht lange, so fommts herbei, von allen Seiten, Dutzende, schließlich sinds Hunderte, die in der Ferne das Ungetüm haben aus der Lust herab- steigen sehen und es nun bewundern wollen. Landleute, darunter mancher, der im Krieg gewesen war, und von solchem Flugzeug eine ganz leidliche Vorstellung hatte.
Die zwei Stunden, die unsere trefflichen Monteure brauchten, um den Schaden am Propeller auszubessern, sind rasch dahingegangen.
Vorwurf, den das deutsche Volk gegen das französische erheben müsse: wir verlangten nur eins von dem Rachbarvolk im Westen: die Achtung vor unserer Volkspersönlichleit, die Erkenntnis, daß der Rhein nicht Deutschlands Grenze, daß er „der heilige Strom der Deutschen" fei.
Rhein und Reich, sie seien eins gewesen, sie sollen eins bleiben. Dies sei das Gelöbnis der Stunde.
Deutschen Dolles sei die deutsche Erde. Wir hätten einst ein Reich gehabt, das uns alle umfaßte. „Aneinigkeit", „Verrat", „Provinzialpatriotismus". „naiior.a.'e Bewußtlosigkeit" hätten es zerfallen lassen, so daß in ihm die Fülle deo Staaten entstand, die seinen Verband schließlich gesprengt habe. Die Sehnsucht nach dem Reiche habe schließlich den Staat erstehen lassen, dessen Zusammenbruch wir mi erlebten. 3m Zusammenbruch dieses Staates aber fänden wir als den unverwüstlichen Argrund deutschen Lebens das deutsche Volk. Eingebettet zwischen feindliche Rachbarn, die ihm im Osten seinen Boden, im Westen seine Sprache und damit seine Seele nehmen toolten, ringe es nach Luft und Leben, erfasse sich in ungemein vertiefter Weise von
Sie rauchen in dieser tadellos sauber gearbeiteten Zigarette nachweisbar 16 Sorten feiner Orienttabake und können sich mit einer IO Stüde-Packung für 30 Pfennige, Stunden der Erholung und des reinsten Vergnügens bereiten. Aber nur mit LESSING POS A, k_______denn keine andere kommt ihr gleich. A
Sie rmS etwas nennen, das Ahnen einen f# absoluten Sem»S bereitet und das so preiswert ist, wie die berühmte
Wir steigen wieder auf, um in Erfurt von neuem niederzugehen, denn es schien ratsam, einen anderen Propeller anzubringen. Wieder zwer Stunden, dreSmal uns schon als größere Geduldsprobe erscheinend. Roch einmal wird der Flug gewagt (1.30 Ahr). Wir sehen unter uns daS Schloß von Gotha, das sich mit seiner näheren und weiteren Amgebung besonders eindrucksvoll aus» nimmt. Wir lassen Eisenach links liegen, da wendet der Pllot sein Fahrzeug und kehrt nach Erfurt zurück. Der mittlere Motor hatte doch gestreikt. Wir hätten wohl mit den beiden anderen weiter fliegen können, wären wohl auch nach Gießen gelangt, was wir schon um unserer lieben Mitbürger willen, die so sehnlichst unserer harrten, gar zu gern gesehen hätten: aber man wäre kaum wieder nach Dessau zurückgekommen, da in Gießen die Werkzeuge zur Wiederinstandsetzung des versagenden Motors nicht verfügbar gewesen wären. So hieß es denn auch hier: Allein das Schicksal will es nicht. Ein von Leipzig herbeigeordneter Viersitzer führte die vier Aelleren unter uns in die Heimat zurück, diesmal südlich des Vogelsberges, ein Amweg. wenn man es so nennen will fei diesen Geschwindig- keitsverhältnissen. Die Staumauer bei Lißberg gibt uns die sichere Möglichkeit der Orientierung. Bald taucht der Taunus auf. Run scharf nach Rorden, über Münzenberg, Kloster Arnsburg, Lich, alles bei wundervollem Wetter mit weitem Rundblick. Da, just als Gießen -sichtbar wird, tritt heftiger Regen ein. Die Aussicht ist versperrt. Wir können dem Piloten wohl allgemeine Weisung geben, aber mir ist es doch fast rätselhaft geblieben, wie er so schnell den Dreh hat finden können, um ohne Amschweife zum Flugplatz zu gelangen, wo uns die harrende Menge der Crdeiikvebse erwartungsvoll empfängt. Daß uns für den Rückweg nur ein Flugzeug zur Verfügung stand, daß vier unserer Genossen auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Schienenwege haben zurückkehren müssen, das ist das Einzige, was wir an dieser Luftfahrt zu bedauern haben. Anseren Mitbürgern aber wünschen wir. daß ihnen über kurz oder lang ähnliche Eindrücke feschieden sein mögen, wie wir sie in diesen unvergeßlichen: Stunden erleben dursten.
Anmerkung der Redaktion: Aus dieser Darstellung ist ersichtlich, daß lediglich höhere Gewalt das Erscheinen des neuen Zwölf« sitzer-Flug^eugs am Sonntag der Gießener Flugplatzeinweihung hier unmöglich gemacht hat. Die Vorwürfe, die nach dem Flugtag gegen die Luftverkehr A.-G. erhoben wurden, und die darauf hinausliefen, die Ankündigung des Besuchs des Zwölfsitzers fei nur ein leeres Wort gewesen, sind demnach unbegründet. Um die mit Recht entstandene Enttäuschung der damaligen Besucher aber zu beseitigen, wird die Luftverkehr A.-G. Mitte August eine neue Flugoeranstaltung Herrichten, zu der jedermann ohne Eintrittsgeld in weitestem Ausmaß Zutritt haben soll.
Aus Ser Provinz.
Landkreis Gießen. 5
£ Wieseck, 18. 3uli 3n seiner jüngsten Sitzung beschäftigte sich der G e m e i n d e r a t mit einem Beschluß der Vollzugskommission in Feldbereinigungssachen, der auf den Einspruch der Stadt Gießen gegen das vorgesehene Wiesenprojekt notwendig geworden war. Rach diesem Projekt kommt der Flutgraben, der jetzt oberhalb der Gänsmühle von der Wieseck abzweigt und in seiner Cßet* tängerung die „Oberlach" fei gestautem Wasserlauf der Wieseck mit Wasser versorgt, in Fortfall. Die Stadt Gießen hatte hierin eine Beeinträchtigung ihrer 3ntereffen fei notwendig werdenden Wiesenbewässerunaen durch die Oberlach gesehen, ebenso Ware hierdurch die Speisung des Eisteiches gefährdet. Rach dem gefällten Spruch bleibt es bei dem Fortfall deS Flutgrabens. 3m Zuge des Philosophenweges wird ein schmaler Grafen geschnitten, der bei Stauungen die Oberlach speist. Gießen hat aber nicht das Recht, eine Stauung zu verlangen.
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