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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)

Ur. (66 Zweites Blatt

Samstag, (8. )uli 1925

Iahrtaufendfeier in (Sieszen

finde

unsere intensive und schnelle QIrt zu leben ver­braucht unsere Rerven und Kräfte schneller als die der Generationen vor uns, und mit der Schnelligkeit und Bequemlichkeit des Reisens ist unsere Sehnsucht in die' Ferne gewachsen. Was soll uns allen die Sommerreise sein und bedeu­ten? Eine Erlösung von der Unruhe des All­tags. ein Ausspannen aus dem gewohnten Joch, ein Gegengewicht zu dem ermüdenden Einerlei der Arbeit in Berus. Haushalt und Familie. Je klarer wir uns hierüber sind, je besser wir uns selbst und unsere Umgebung verstehen, um so bewußter werden wir das richtige Reiseziel für uns und die Unfern suchen.

Freilich machen sich die allerwenigsten klar, daß Lben in d esem Gegensatz zum täglichen ge­wohnten Leben die beste Erholung und An­regung und der feinste Reiz des Reisens liegt. Und doch sollte diese Erkenntnis die Grundlage aller Reisenläne sein, von der aus dann weiter mit allem Ucbrigen gerechnet werden muh. Auf dieser Grundlage läßt sich aber auch schon mit bescheidenen Summen planen und rechnen. Denn was wir heutzutage alle mehr oder weniger für unsere Ferien brauchen, ist ein ruhiges Leben in einfachen Formen und Verhältnissen, in und mit der Ratur als Gegengewicht zu den un­ruhigen Lebensbedingungen, die uns daheim in Arbeit und Familie umgeben. Wir brauchen es auch gar nicht .besser" als zu Hause zu haben nur anders.

Von diesem Standpunkte aus haben es die reichen Leute recht schlecht und langweilig auf Reisen. Sie schleppen ihre eleganten Lebens­gewohnheiten. ihre Ansprüche wie ihre zahl- losen Koffer mit sich, wohin sie auch kommen, und finden immer dasselbe an Eleganz und Luxus und immer wieder nur ihresgleichen zur Gesell­schaft. so dah ihren Reisen von vorne herem die beste Würze fehlt. ____________________________

Dormärisfommt und dah man zugleich aus dem Gebiete das Dort beherzigt, mit dem einer der am weitesten blickenden englischen Finanzsührer. ötomp, in Brüssel die ganze Lage zusammen- gefaßt hat :Enlweder wollen mir Reparationen oder Handelsaustausch. Reparationspolitik (und dazu sei gefügt: Interalliierte Schuldens und Handclsver- träge schliehen einander aus. In diesem Dort liegt sehr viel. In diesem Dort kann der Wegweiser für eine Ordnung der wirtschastlichen Verhältnisse ®e* samteuropas sein, von der wir leider heute noch sehr, sehr weit entfernt sind.

gangs!

Der Rhein, der vielbesungene, sagenum­wobene Rhein, in dessen grünen Wellen sich stolze Burgen spiegeln, an dessen Ufern saftige Trauben schwellen, der ehrwürdige, herrliche, deutsche Rhein ist von jeher der Pulsaderstrom und Schicksalsstrom deutscher Geschichte gewesen. Diel begehrt und viel umstritten, stets das Ziel fremder Machtgier, so oft das Schmerzenskind, ist der Rhein zum Herzens- des deutschen Volkes geworden.

Gießen, 18. Juli 1925.

Unter außerordentlich starker Beteiligung aller Kreide der Bürgerschaft wurde auch in unserer Stadt der tausendjährigen Zu­gehörigkeit der Rhein la nde zum Deutschen Reiche in feierlicher Weise ge­dacht. Die erste Feier, die infolge des un­gewöhnlich starken Andrangs eine Wiederholung notwendig machte, fand auf Einladung des Ober­bürgermeisters und Der politischen Parteien am Mittwochabend, wie schon kurz berichtet, im Stadttheater statt, gestern abend folgte auf die gleiche Einladung hin am selben Ort die zweite Feier. Beidemal war das Theater bis auf den letzten Platz besetzt; aber auch mit diesen beiden Feiern konnte noch nicht vollständig dem An­drang des Publikums entsprochen werden, viele Mitbürger fanden auch bei der Wiederholung der Feier keine Eintrittsmöglichkeit, da bekannt­lich auch zur zweiten Feier alle Karten in etwa Dreiviertelstunde vergriffen waren. Man kann diesen Massenandrang zu der denkwürdigen nationalen Feier als Beweis dafür ansehen, wie eng verbunden sich unsere Bürgerschaft mit den Landen am Rhein fühlt.

Für beide Feiern galt die gleiche Vortrags- folge. Die Kapelle des 1. Bataillons Infanterie-Regiments 15 unter Lei­tung des Obermusikmeisters Löb er eröffnete den feierlichen Festakt mit demSiegsrieb-Idyll" von Richard Wagner. Hierauf folgte die nach­stehende, eindrucksvolle Ansprache von

Oberbürgermeister Keller:

Hochgeehrte Festoersammlung! Ein großes Er­innern flutet in diesen Tagen durch die Lande am Rhein.

Mit hoher Begeisterung und stolzer Würde, nach feiner Art auch froh und lebensbejahend, feiert das iheinijche Volk feine t a u f e n d j ä h r i g e Zuge- Hörigkeit zum Deutschen Reiche.

Tausend Jahre! Welche Fülle des Geschehens, Zeiten der Freude und des Glanzes, Zeiten uner­hörten Aufstiegs in Wirtschaft und Kultur, aber auch Zeiten der Trauer, der Rot und des Rieder-

und die Harmonie des Familienlebens auch wäh­rend der Ferien bedroht. Wohl dem, derdann im Dorfe ober Stadt einen Onkel wohnen hat", dem das betreffende Familienmitglied für einige Zeit anvertraut werden kann. Ober man suche irgenbeine billige, vernünftige Pension in einem Landhaushalte. Es tut immer gut, wenn man in biefen Werbejahren seine Füße einmal unter fremder Leute Tisch stecken unb etwas höflicher und bescheidener als daheim sein muh Vor allen Dingen gehören diese Halbwüchsigen auch zu ihresgleichen und auch von diesem Gesichts­punkte aus sind Schülerfahrten und Wan^er- vogeltouren, solange sie Maß und Ziel halten, durchaus gesund und empfehlenswert. Die El­tern haben den Vorteil, einmal ein paar Wochen nicht erz ehen z>. brauchen und ein We l.'en ruh g miteinander leben und reisen zu können, um dann mit neuer Kraft und frischem Mut daheim die alten Pflichten wieder au^zunehmen.

Diese Art wird natürlich auch nicht für jeden und jedes Haus pafen. Es gibt abgcarbeitete nervöfe Väier, die zu ihrem eigenen und ihr r Familie Besten guttun. wenn sie ganz allein reifen Ich kenne Mütter, die derweil gern zu Haufe bleiben und es verstehen, dann ganz für ihre Kinder zu leben, Entdeckungsreifen mit ihnen rundum ins Land zu machen und den Reiz des Besonderen. Feiertäglichen über diese Ferien­wochen daheim zu legen.

Freilich ist das nicht jedermanns Sache und Gabe Eine andere Mutter, die ich kenne, hat auf ihre Art recht, wenn sie jedes Jahr vier­zehn Tage lang allein ins Hochgebirge geht, um sich dort van ihrer Familie zu erholen und dann neu gestärkt für die Anforderungen des Lebens daheim wiederkommt.

So möge jedem, vor allem den Hausfrauen und Müttern. der rechte Rat für die Serien­reife beschieden werden.

Erst recht schwierig und kritisch steht es mit den Reiseplänen da, wo es in einer Familie viele Köpfe und viele Sinne gibt und ihre An­sprüche mit dem Budget in Einklang gebracht werden sollen. In den allermeisten Fällen wird hier die Hausfrau und Mutter mit Takt und Weisheit versuchen müssen, das Richtige und Beste für sich unb die Ihrigen herauszu'inden. Vor allen Dingen gilt es. den Mut der Wahr­heit zu haben. Man soll nichts Großartigeres und Kostspieligeres ^wollen, als die Verhältnisse erlauben, und sich nicht von anderer Leute re- nommistifchen Reifevlänen drücken und anstecken lassen. Man sei aber auch ehrlich den inneren Verhältnissen und Beziehungen gegenüber und reife nur miteinander, wenn wirkliche Erholung und Erfrischung und Freiheit für die Einzel­nen dabei zu Hofen ist. Gar oft schleppt man bei solchen Familienreisen den Alltag, die täg­lichen Sorgen und Schwierigkeiten mit und kommt Darüber nicht zum Genuß der neuen Eindrücke.

Für Kinder ist ein wirkliches ..Reisen", b. h. ein Wechsel von schönen und großartigen Ratur- einbrüden. überhaupt ein Unding. Sie haben gar kein Verständnis dafür und keinen Ge- winn an Leib und Seele. Sie gehören in ein ganz einfaches Stückchen Natur, das sie mit allem was da kreucht und fleucht unb blüht, gründlich kennen lernen und zu ihrem Spiel­platz machen können. Für kleinere Kinder bleibt immer ein Aufenthalt an der See oder auf Dem CanDe Glücklich Die Mutter. Die dort ihre Kin­der nach Herzenslust fpielen lassen kann unD es versteht, alle Haushalts- Alltags- und Toi- lettensorgen in dieser Ferienzeit von sich und ihnen fern zu halten.

QUit der Heranwachsenden Jugend ist es schwieriger. Es gibt da immer Zeitpunkte, wo allerlei Unruhe und Eigenwille in ihnen steckt

brüchliches Treuegelöbnis zum deutschen Daterlande idiautc. fo muß das erste Gefühl, das uns hier heute befreit, das Gefühl heißen Dankes sein für die Hingabe. Ausdauer und Treue unserer deut­schen Brüder unb Schwestern am Rhein. Gott chütze. Gott erhalte die deutschen

Lande am Rhein!

Hochgeehrte Versammlung! Die weihevolle Stunde, die »ins in ihrem Banne hält, hat einen weiteren Sinn. Das weltgeschichtliche Ereignis, da­vor tausend Jahren sich begeben hat, ist nicht nur ein Ereignis der rheinischen Geschichte-, es ist von ausschlaggebender Bedeutung für die ganze deutsche Geschichte überhaupt. Damals vor tau- send Jahren ward der G r u n d st e i n gelegt zum Deutschen Reiche, dem großen, weitgedehnten, machtvollen Deutschen Reiche, das unter den Hohenstaufen seinen Höhepunkt erreichte, um dann nach und nach durch innere Zwietracht und macht­lose Vielherrschaft zum Schatten herabzusinkcn und schließlich 1806 ganz der Auslosung zu versallen, jenem Reiche, für dessen Wiederaufrichtung ein Port unb Scharnhorst, ein Stein und Arndt rümpf­ten und die Männer der Paulskirche sich mühten, bis die geniale Staatskunft Bismarcks es in Straft und Ehren neu erstehen ließ, jenem Reiche, das im Ölutfcuer eines unerhörten Weltkrieges von »ms verteidig! und im wesentlichen gerettet worden ist.

So ist die heutige Feier eine Feier aller Deutschen, ohne Unterschied des Stammes, ohne Unterschied der Partei, und es war mir eine herzerquickende, unvergeßliche Stunde, als sämt­liche großen politischen Parteien freudig mir er­härten, den heutigen Erinnerungstag gemeinsam festlich zu begehen.

Verehrte Anwesende! Wir feiern jahraus, jahr­ein viele Feste, unb manches Fest bliebe viel- leicht besser ungefeiert. Aber solcher Feste bedürfen wir dringend, die uns alle zusammensühren. die das ganze Volk miterlebt, die uns emporheben aus den Niederungen und Sorgen des Alltaglebens, hinweg über die Schranken des Glaubens und des Standes, hinaus über das Gewoge des Partei- kampfes und den Streit der wirtschaftlichen In­teressen. Feste, die uns zu dem Bewußtsein leiten, daß wir alle eines Volkes sind und alle ein Vaterland Haden, Feste, zu denen wir hinkam. men in der Gesinnung des moderen Matthias Claudius:Und jeder echte deutsche Mann soll Freund und Bruder heißen."

Eine solche Feierstunde aller Deutschen ist die heutige Erinnerungfeier, bei der mir mit dem Ge­denken an die tausendjährige Zugehörigkeit der Rheinlande zum Deutschen Reiche zugleich uns er­innern wollen der Vergangenheit des Deutschen Reiches und des deutschen Volkes, eine Feier, aus der wir Trost, Mut und Hoffnung schöpfen wollen unb den unverlierbaren Glauben an die Zukunft des deutschen Volkes.

Verehrte Anwesende' Wenn ich den ersten Teil meiner Ansprache mit den Worten geschlossen habe: Gott schütze. Gott erhalte Die deutschen Lande am Rhein", so will ich diesen zweiten Teil beenden mit Dem Wunsche:Gott schütze, Gott erhalte unser liebes deutsches Vaterland!

Der Dauersche Gesangverein unter seinem Chormeister Otto Gör lach sang an­schließend Wiesners prächtigen ChorHeimat". Es folgte nunmehr die nachstehend in großem

bic|en Figuren treten England und Rußland in altem und immer neuem, dauerndem Gegensatz ein­ander gegenüber England ist voll Besorgnis wegen ter bolschewistischen Agitation in Asien Rußland ist in Besorgnis vor einer antibolschewistischen Liga, die zustande bringen zu wollen man in Moskau der englischen Politik als Absicht zuschreibt. Aber das ist heute doch mehr Hintergrund, vielfach mehr Stim­mung als aler Geg nsay und als wirklich reale Gefahr.

In der Sicherheitsfrage läuft vorläufig zentral die politische Arbeit in Europa zusammen. Die deutsche Antwort ist jetzt in Abschluß oder bereits abgegangen. Deutschland tritt in die Vorerörterungen ein, die erkennen lassen müssen, ob für unsere Seite überhaupt der weitere Schritt zu eigentlichen Verhandlungen, zu einem Programm solcher Verhandlungen ober schließlich zu einer Kon­ferenz möalich fein wird Die Grenzen, innerhalb Deren das für uns möglich sein würde unb bie nicht überschritten werb t bürfen, finb oft genug markiert worben. Daß die weltpolitische Situation für Deutsch- lanb nicht ungünstig ist, das sei gleichfalls erneut betont. Es gut, sie mit Festigkeit unb Takt zu nutzen.

Parallel damit laufen bie Auseinandersetzungen um den Neuaufbau der Handelspolitik Da sieht es freilich sehr wenig befriedigend und einiger­maßen bunt unb unsicher aus. Im Innern ist leiber immer noch nicht ber Kampf um ben Zolltarif zu Ende. Das verlangt aber auch bie beutfche Außen- Politik, die in ihrer Betätigung als Handelspolitik das Instrument für Handelsvertrngsoerhanblungen braucht. Wir sehen ja eben am Abbruch ober, besser gesagt, berfreunbschaftlichen Vertagung" ber deutsch-französischen Verhandlungen, daß, von Deutschland aus gesehen, diese Verhandlungen zu nichts führen konnten, weil bie andere Seite nicht weiß, wie die künftige Zollpolitik Deutschlands ist. So sind wir mit Frankreich heute in einem vertragslosen Zustande, für den von beiden Selten die autonomen Tarife gelten.

Mit Polen sind wir durch dessen Schuld in einem offenen Zollkrieg. Polen glaubt, für seine amerikanische Anleihe am besten dadurch Stimmung zu machen, daß es den Zollkrieg mit den nächsten Nachbarn, auf den es lebensnotwendig angewiesen ist, vom JJaune bricht!

Mit Spanien stehen wir in erneuten schwie­rigen Verhandlungen, da aus bekannten Gründen bas deutsch-spanische Handelsprooisorium keine Dauer haben konnte. Die Interessen Des deutschen Weinbaues in erster Linie waren darin nicht ge­wahrt. Handelsprooisorium mit Griechenland, Bel­gien unb Luxemburg, bie heute eine Einheit finb, unb kleineren Staaten liegen vor ober stehen vor dem Abschluß. Noch keinen Abschluß lassen bie Der- hanblungcn mit Rußlanb erkennen, bagegen stehen wir vor ber Ratifikation ber Verträge mit Englanb unb Norbarnreika. Beides finb Meistbe- günstigungsverträge. Der englische ist für uns nicht günstig, weil er England zu viel gibt unb Deutschlanb zu wenig. Was er uns gibt, gilt nur für Englanb unb Schottlanb, schon nicht für Irlanb, nicht für die Kolonien, Inbien, auch nicht bie Man­datsgebiete. Der komplizierte Charakter des eng­lischen Weltreiches zeigt sich darin,-daß nie mit ihm im ganzen in der Beziehung abgeschlossen werden kann, während es doch als Ganzes politisch han­delnd auftritt. Und die Meistbegünstigung verliert ihren Wert, wenn keine Tarifbindung dabei ist und England nicht nur die Freiheit hat, Zölle einzu­führen ober zu erhöhen, fonbem auch ben Willen bazu unb auf bem besten Wege dazu ist. Das ist im ganzen kein sehr befriebigenbes Bilb unb in jebem Falle ist es nicht möglich, biefen Vertrag anzuneh­men, ehe nicht wir mit dem Zolltarif festen Boden unter ben Füßen haben.

Der Vertrag mit N o r b a m e r i t a ist ein retner TleiftbegünftigungsDertrag. Dabei gibt Norbamerika seine alte Meistbegünstigung auf unb führt ben Begriff ber europäischen Meistbegünstigung ein. Der Vertrag ist Mustervertrag für nicht weniger als 20 Verträge biefes Staates mit anberen Staaten unb so eine große Wenbung m ber amerikanischen Hanbelspolitik. Auch er bietet uns, ba er fein Tarif-

Es regen sich in aller Herzen

Viel vaterlänbische Lust und Schmerzen, Wenn man bas beutfche Lieb beginnt

Vom Rhein, dem hohen Felsenkind."

Wer, soviel Stürme über die rheinischen Lande dahingebraust sind, soviel Wolken sie umschatteten und noch umbüftern: Das rheinische Volk hat fest unb treu bie Wacht am Rhein gehalten, trotz harter Bebrückung, trotz listiger Lockung. Unb wenn in biefen Tagen bei den rheinischen Iahr- taufenbfeiern die echte und starke Heimatliebe des rheinischen Volkes ergreifenden und innigen Aus­druck fand, wenn durch alle Städte unb Dörfer

Außenpolitische Umschau.

Von Professor Dr. Otto H o e tz s ch , M. b. R.

In ber Sicherheitsbiskussion spielen Belgien und Holland gewiß nicht eine erste Rolle, aber ohne Bedeutung sind sie dafür natürlid) auch nicht. 3n beiden Ländern haben Neuwahlen ftattge- funben, in Belgien ist ein neues Kabinett, gestutzt auf Katholiken und Sozialisten, bereits gebilbet, in Holland ein solches in Vorbereitung. Belgien hat nach innen ungefähr die gleichen Sorgen wie Frank- reich: Um die Währung, Reparationszahlungen, in­teralliierte Schulden. Nach außen erscheint es nach Frankreichs Willen einfach als ein Anhängsel ber Pariser Politik. Das trifft aber nicht ganz <ju. Der belgisch-französische Handelsvertrag ist nicht zu­stande gekommen, und wenn eben eine proDifortjaje Handelsabmachung zwischen Belgien unb Deutsch­land zustande kam, die bereits das Vorbild für den Definitioantrag ist, so zeigt das umgekehrt, daß handelspolitisch Belgien Deutschland anders gegenübersteht als Frankreich. Auch tn der großen Politik bindet sich Belgien nicht ganz an Frankreich. Seine Neutralität von 1839 ist da­hin, nach dem Kriege schien es, als wenn Belgien schlechthin in engster Verbindung mit Frankreich ftehen würde. Die Entwicklung seitdem aber hat Belgien belehrt, daß fein Glück nach dieser Richtung nicht liegt. Cs strebt nach einer freiwilligen Neu­tralität, die vielleicht auch formell wieder ausge­sprochen werden würde. Und den Gedanken der englischen Politik entspräche es durchaus, zur neu­tralen Schweiz unb zum neutralen Rheinlanb ein neutrales Belgien gewissermaßen als einen Gürtel der Sicherung um Frankreich, gegen Frankreich herumzulegen.

In dem neuen Vertrag über bie Scheibe hat auch j) o l la n b das Ende der belgischen Neutrali- töt von 1839 anerkannt. Daran hängt dieselbe Er­wägung unb von hier führt die Erörterung ohne Zwang auch für Holland in bie Frage desRhein- paktes unb ber Sicherheit herein. Wir haben mit Hollanb im Augenblick eine handelspolitische Span­nung. Es verlangt von uns Eifenbahnausnahme­tarife für feine Häfen. Aber uns scheint, baß bie Not ber deutschen Wirtschaft uns nicht gestattet, durch solche Ausnahmetarise die an sich schon günstiger gelegenen Häfen außerhalb Deutschlands im Westen auf Kosten von Bremen und Hamburg zu fördern. Bahnausnahmetarife dürfen unserer Meinung nach nicht Gegenstand der Handelsvertragsverhandlungen und Objekt des Ausgleiches fein.

Diese Fragen find von zweiter Wichtigkeit, aber nicht ohne erhebliche Bedeutung in dem ganzen Ringen, das sich jetzt abspielt. Die chinesischen und marokkanischen Fragen entwickeln sich langsam in der Richtung, daß die eine (Englanb, die andere Frankreich immer stärkere Schwie­rigkeiten unb Sorgen macht. Der Militärputsch in (9 r i e d) e n l a n b hat bie Ruhe in diesem Lande nicht gestört und auch die Ordnung auf der Balkan- Halbinsel sonst ist nicht in Frage gestellt. Im Augen­blick sind die verwickelten Fragen dieses ganzen Ge­bietes in Ruhe Ist man doch auch in Iugo - f ( a d i e n , was man nicht für möglich hielt was wir aber immer oorausgefagt haben zu einer Verständigung zwischen Kroaten und Serben gelangt. Dem alten Paschitsch ist es wahrhaftig gelungen einerseits die gefährliche Opposition der Raditsch-Partei zu brechen, andererseits aber auch tn friedlicher Verständigung mit ihr sich zu vereinigen und so die Konsolidation Iugoslaviens zu fördern. Das ist eine Entwicklung, die man nur begrüßen kann.

Die Blicke der Staatsmänner aus dieser Ecke, soweit sie nicht von inneren Sorgen ganz in An­spruch genommen sind, richten sich eben nach Lon­don, Baris unb Berlin. Insonberheit in Prag unb Warschau verfolgt man gespannt ben Gang, Den bie Sicherheitserörterung weiternimmt. Des­gleichen in Moskau, wo hinter starken Worten unb ber Versicherung, baß man kalten Blutes die Entwicklung ansehe, eine immer größere Nervosi­tät deutlich erkennbar ist. Rakowski ist nach London zurückgekehrt unb hat mit Chamber­lain bie erste Besprechung wieber gehabt. Mit

vertrag ist, und ba bie hohen Zölle Amerikas nach wie vor bestehen, nicht sehr viel. Ader ber Ab­schluß mit biefem ersten Staate der Welt ist po­litisch von solcher Bebcuiung, baß ber Vertrag rati­fiziert werden mutz.

So ist auf diesem großen Gebiete, auf dem ein neues Handelsvertragssystem aufgeführt werden soll, noch alles im Fluß und wird umkämpst. Aber die kritischen Zeichen, bie über der englischen unb französischen Wirtschaft, aber auch, wie zum Beispiel die Streikwelle zeigt, ber beutjdjen Wirt­schaft ftehen, mahnen, daß man auf bem Gebiete I

Etwas über Reisepläne.

Bon Clara P r i e h.

Wenn der Winter überstanden ist. zieht immer wieder im Frühling und im Sommer Die Reiselust in unsere Herzen und Häuser ein. Es gibt freilich auch einen kleinen Prozentsatz vom Schicksal Bevorzugter, die zu jeder Zeit und überall hin reisen können, die gar nicht erst zu hoffen zu warten und zu planen brauchen. Die schon im Januar zum Wintersport ins EngaDin und im März an die Riviera reisen. Aber ent­behren sie nicht gerade Das Beste vom Reisen, jenes Dorfreuen und Pläne schmieden, die uns andern, die wir mit Berus und Geldbeutel, mit Haushalt und Sommerferien zu rechnen haben schon die Monate vorher füllt und ver­klärt? Jeder und jedes Haus treibt dies Hoffen und Planen nach feiner Eigenart. Da find die Optimisten, die schon vor Weihnachten an eine Wittelmeerreife oder eine Rordpolfahrt^ denken und ganz zufrieden sind, wenn es später zu einem kleinen Landaufenthalt langt. Da find die Peffimisten, die dieses Jahr sicher kein Geld und keine Zeit haben werden, und doch das Planen nicht lassen können.

Wie verschieden an Kraft -^nb Umfang, an Zeit und Sehnsucht diese Reisewünsche auch sein mögen, sie fehlen nirgends ganz. 3a, sie sind durch den Druck der Zeit gewachsen. Rur daß die wenigsten von uns wissen, was sie eigentlich in den Ferien brauchen, was sie planen und sich nach Möglichkeit zu verschaffen suchen soll­ten. Wir sprechen hier natürlich nicht von denen, die eine bestimmte Kur brauchen müssen, und Deren Reisewege vom Arzt bestimmt werden müssen. Wir meinen hier die Hunderttausende, die imirfer den weitaus größten Teil des Publi­kums ausmachen afie, die mir irgendeine Erholung und Ausspannung brauchen. Denn

Gemüse

pnn -HAHeh vortrefflich munden soll, nur mit dem Eigensaft oder der Tunke gut zuberettef werden. Vor allem Ist em

, ßi , j,. safteä notwendig und dazu nehmen Sie getrost Mondamin. Denken Sie nicht, dass Mondamin nur ein in er

nährmittel ist. jeder Körper braucht die Nährstoffe, die im Mondamin enthalten sind. Nehmen Sie deshalb bei jeder e egen e

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