Einzelbild herunterladen

Nr. M Drittes Blatt

Monarchie, Demokratie und Bolschewismus in China.

von Dr. Friedrich Otte. Professor an der Reichs­universität Peking, China.

K. K. Cs ist nicht leicht, in China irgend etwas in eine Formel zu bringen, selbst für den Chinesen nicht. Europäer haben seit der Entwicklung der wissenschaftlichen Methode auch auf China die euro­päische Methode der Einteilung in Kategorien an­gewandt, wobei aber )u leicht der Fehler unterläuft U- besonders auch bei Wanderprofessoren, die auf einer Eilzugsoisite dos Land durchhuschen eurer paische Maßstäbe der Beurteilung zugrunde legen, die ober eben doch nur mangelhafte Ergebnisse zu­tage fordern, weil die Abstraktionen dieser Art eben europäische» Gefühlsmonrenten entstammen.

Dies sei vorausgeschickt. Es soll damit gesagt -lein, öaft sich der Chinese bei den Worten, die in Der Ucberschrist stehen, grundsätzlich etwas anderes denkt als der Europäer: übrigens begegnen sich schon Europäer kaum mehr beim Gebrauch derselben Sammelbegriffe, wie z. B.Monarchie" oberDe­mokratie", wenn sie verschiedenen politischen Rich­tungen angehören, geschweige denn verschiedenen Nationen.

Der Chinese bezeichnet den Kaiser alsSohn des Fimmels", das war der Schicksalsbeftimmer, der in engerer Beziehung zum Himmel stand, der Himmel mor dos Unendliche, Unfaßbare, von woher dos Schicksal selbst kam. Auch in Europa galten Fürsten als Gotteskinder, aber mir müssen unendlich weit zurückgreifen, wenn wir in der europäischen Geschichte einem naiven Glauben in dieser Form begegnen wollen. 3n China war bei der Bolksmenge dieser Glaube fest verankert bis in höchste Streife hinauf. Der Glaube ist auch noch nicht tot bei der Menge, wohl aber ist der Glaube an die Mandschn- dynastie tot, denn das Schicksal selbst hat dem Schicksalsbeftimmer das Recht entzogen, über Chinas Schicksal weiterhin zu bestimmen. Denn auch das ist Teil des monarchischen Glaubens, das; die Dy­nastien, die den Willen des Himmels falsch auslegen, vom Himmel gestürzt werden. Was heute übrig geblieben ist, dos ist der Glaube an und die Hoffnung auf eine starke Führerpersön- lichkeit. Dies sind die unbestimmten Formen, in denen sich das Sehnsuchtswollen der chinesischen Bauernschaft und des kleinen Mi 11elstan. des auslebt, die über achtzig Prozent des chinesi­schen Bolkes ausmachen. Die Tragödie der Taching Dynastie, die mit der Vertreibung des jungen Kaisers j) f ü a n Tung aus dem Paläste der Väter am 6. November 1924 und seiner Flucht in die japanische Gesandtschaft und später, am 25. Februar 1925, mit der weiteren Flucht noch Tientsin in die chinesischer Gerichtsbarkeit entzogene japanische Konzession vorläufig endete, auch diese Flucht ist für den einfachen Mann eine folgerichtige Erschei­nung des Endes der Dynastie. Er wartet auf eine neue.

Die Mandschudynastie war der Demokratie erlegen. Demokratie, das war, konkret genommen, keineswegs der Glaube an die bessere, "überlegene Gesittung der Angelsachsen, denn um angelsäch­sischen Liberalismus handelt es sich, nicht um die fran.^sifche oder um die dieser verwandten deutsche Demokratie, sondern die Erkenntnis, das; hier eine storkereFührungda war, die ihre Völker anderen Grundsätzen unterwarf, aus denen heraus eine schärfere Zusammenfassung der Volkskraft unter eine Zentralgewalt möglich ipar; also keine größere Frecheit, sondern eine durch suggestive Gedantennormen erzwungene Unterordnung der Individuums unter neue Formen in Staat, Wirtschaft, Philosophie, Wissenschaft usw. Bei den chinesischen Intellektuellen entwickelte sich gegen Ende des vorigen Jahrhunderts die Ueberzeugung, daß derartige Normen erforderlich waren, wenn China seinen Platz unter den Nationen der Erde behaupten wollte. Im Gegensatz zu Japan versagte aber die Dynastie und verstand es nicht, sich die neuen Strömungen zunutze zu machen, sie einzulenken in das Strombett einer allgemeinen Vorwörtsentwick- lung. Die Folge war die Revolution in China im Jahre 1911. Für die Mehrzahl der intellek­tuellen Jugendlichen ist dieser demokratische Stand­punkt, der evolutionäre nämlich, heute noch der maßgebende, aber umgeformt, ins Chinesische über­tragen, und großenteils im schroffsten Gegensätze heute zur angelsächsischen Demokratie, die als offen oder verschleiert imperialistisch schon deswegen er­scheinen muß, weil sie allzu stark die chinesischen Hoheitsrechte einengt und vielfach ihre Versprechun­gen nicht halt, z. B. haben die Engländer trotz

Faust l. Seil

int Frankfurter Schauspielhaus.

2116 literarisches Ostergeschent' brachte Richard Weichert den Frankfurtern die lang erwünschte Neuinszenierung des Faust. Diese tiefste aller Tragödien wird in ihrer innerem Zwiespältigkeit niemals eine geschlossene Aus­führung zustande kommen lassen. Der Faust stellt ungeheure Anforderungen an seine Jnszeniercr, durch den allzu zahlreichen Szenenwechsel bedingt er rein äußerlich eine gewisse Zerrissenheit, aber auch die geistige Widersprüchlichkeit ist schwer zu einem geschlossenen Ganzen zu gliedern. Weichert schuf mit sicher charakterisierendem Stilwillen eine aus dem Geiste der Gegenwaick geborene Klassik?» aufsührung. er lief) dem Photos sein Recht, ja eröffnete die sonst stark gestrichenen Faustmono­loge zu ihrer ganzen Länge, trotzdem war es fein Verdienst. daß diese ewigen Worte von zeitlos fühlenden Menschen gesprochen wurden. So brachte (v manche Szene erfüllt voll wuch­tiger Eindringlichkeit unb prachtvoller geistiger Beherrschtheil. leider war der Osterspaziergang in f :iner Bierteilung zu zergliedert, das »u häufige Verdunkeln der Bühne und Fallen des Vorhangs zerriß die Schönheit und den Sinn der Reden. Auch die Walpurgisnacht bei offener Drehbühne büßte an gespenstischer Ausdruckskraft ein, ebenso erging cs der an und für sich immer gefährlichen -Hexenküche Bon ganz wundervoller, feierlicher Eindringlichkeit war das Vorspiel nn Himmel, von stark persönlichem Regiewillen durchdrungen die Domszene in ihrer erdrückenden Symbolik. Ein ausgezeichnetes inhaltvolles Zusammenspiel ergab sich in Auerbachs Keller. Den Faust spielte Wilhelm Klitsch «Deutsches Dolkstheater. Wien». Auch er litt an einer gewissen inneren Llnausgeglichenheit des Spiels, er wußte den Gelehrten besser als den Liebenden zu ver­körpern. Am sinnvollsten in Spiel und Auf­fassung war die wundervoll ursprüngliche Mar­garethe Ren6e Strvbrawas in ihrer blon-

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)Samstag, 18. April 1925

jahrelanger Versprechungen bis heute Weihaiweih nvli> ii.uit geräumt, ähnlich dem Verhalt.n in der Kölner Zone, fernerhin in Tibet die chinesi­schen Rechte verletzt.

Gerade zur Zeit, Anfang März 1925, weilt der Panshan Lama, der zweite Großheilige Tibets hier in Peking, und zwar, wie es okfen heißt, ist der Besuch em Protest gegen englische Annerionsge- lüste in Tibet. Verwunderlich ist es also nichi, daß das Schlagwort von der beglückenden Demokratie des Westens seine Zugkraft verloren Hai. Umge­kehrt führt das zu gereizter Stimmung in der eng­lischen Presse des Fernen Ostens, die rein demokra- tisch im chinesischen Sinne gerichteten, aber nationalen Geistesrichtungen in China den Vor­wurf des Bolschewismus macht, übrigens mit viel System. Erwähnt sei noch, daß beinahe alle Nenner chinesischen Ledens zugeben, daß gefühlsmäßig die Chinesen untereinander das demo­kratischste Volk sind, das es überhaupt gibt, Klassenunterschiede sind kaum vorhanden, gerade im Gegensatz zum Engländer, wenn auch in gewisser Harmonie mit dem Amerikaner. Der Monarchist Nu Hung-ming formulierte seine Ansicht von der angelsächsischen Demokratie in Anlehnung an das berühmte Kriegsschlagwort der AngelsachsenMa­chen wir die Welt sicher für die Demokratie" Imake the wold sase for democracy) in umgekehrter Form: Es ist nicht mehr zu fragen, wie wir die Welt für die Demokratie sicher machen können, sondern wie wir die Demokratie für die Well ungefähr- l i ch machen tönneji."

Wenn nun heute sich in China sogenannte bolschewistische Strömungen bemerkbar machen und von solchen Strömungen viel in die Welt hinaus telegraphiert wird, so ist daran Schuld das Versagen nacheinander, erstens der Monarchie in China, zweitens des demokratischen Gedankens, der sich lediglich als ein kluges Schlagwort für einen ausgesprochenen Imperialismus, vor allem Han- delsimperialisinus, erwiesen hat. Gedanken erschöp­fen sich, verlieren ihre Zugkraft, wenn sie ;um Zweck der politischen Täuschung gebraucht werden.

Bezüglich des Bolschewismus ist nun zuerst zu sagen, daß die Chinesen keineswegs bolschewistisch im wirtschaftlichen Sinne sind, sie haben das nicht nötig, weil die Grundbedingungen hier gan; andere sind. Selbst zur Kaiserzeit gab es keinen eigentlichen Adel und keine Großgrundbesitzer wie in Rußland. Ferner ist der Chinese fleißig und braucht nicht getrieben zu werden wie der kleine Mann in Rußland. Anders aber liegt es mit der politischen Einstellung. Die Demokratie hatte den Chinesen gebracht: Parlament und zugleich eine Militärkaste, wie man sie feit Jahrhunderten in China nicht gekannt hatte, ferner Stampfe der mi­litärischen Führer untereinander, die heute noch das Land zerreißen. Für die S e 1 b ft ä n d i g k e i t Chi­nas geschah aber nichts, im Gegenteil ist China seit 1842 immer mehr zur Halbkolonie herabgesun­ken. Bis 1914 stand ferner China einemEuro päischeu Konzert" gegenüber, den; sich noch Japan anschloß. Seit 1911 ist dieses Konzert zu Ende, Rußland steht sogar politisch im schärfsten Gegen satze zu England in ganz Asien. Folgerichtig mußte sich daraus ergeben, ein Hinüberneigen z u Rußland, Untersuchung der Ursachen der rus­sischen Erfolge in anderen Teilen Asiens, in der Türkei gegen England, in Sibirien gegenüber Japan und der Entente.

Eine Durchdringung Chinas mit bolschewisti­schen Wirtschästsgedanken findet zwar auch statt, aber die Aussicht auf Erfolg ist ganz gering, we­nigstens im eigentlichen China. Was sich abspielt, ist ein Gärungsprozeß, bei dem überkom­mene Auffassungen auf allen Gebieten mit neu ein gedrungenen Gedanken, demokratischen sowohl wie bolschewistischen einen 'Ausgleich zu suchen. Ganz getrennt davon ist zu beachten die politische Ein Wirkung, die lediglich dem Machtstreben der einzel­nen Mächte in Asien und vor allem in Ostasien ent­springt, wobei aber dieses Machtstreben nicht mehr in der Gruppierung vor sich geht wie bis 1914. Auch der Friede von Versailles hak dazu bei­getragen, weil sich die noch ganz oder halb selb­ständigen Völker Asiens mit Recht sagen. Wenn man ein solches juristisches und wirtschaftliches Marterwerkzeug für Deutschland zurecht ge­zimmert hak, was wirb man uns, den Rasse- fremden, antun, sobald man es rann. Diese Ein­wirkung ist besonders stark im Falle von Japan, das soeben mit Rußland einen 'Ausgleich gefunden hat und damit wahrscheinlich Rückendeckung für die Zukunft. Schon aber taucht die Frage für China auf: geschieht dies zum Nutzen oder Scha­den China 5? Am 11. Februar protestierte China

Rätsel-Ecke.

Osterrätsel - Wettbewerb.

Brief des Rätsclonkels an die Redaktion

... bin ich nach nochmaliger Prüfung der Aufgaben zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Lösung tatsächlich manche Schwierigkeiten macht und schlagr deshalb vor, die Frist für die Einsendung der Lösungen um acht Tage zu verlängern."

Die Redaktion schließt sich der Ansicht des Rätselonkels an und setzt als spätesten Einlen- dungstermin für die Auflösungen des Öfter- rätselwettbewerbs

Samstag, den 25. A.vril.

Für ängstliche Gemüter sei bemerkt, daß auch unvollständige Losungen, d. s. die Auflösungen von nur einem oder zwei der Rätsel, bewertet werden.

Die Auflösungen werden zusammen mit den Preisträgern Samstag, den 2. Mai veröffent­licht werden.

Geheimnisvolle Inschrift.

I &

M

Hahlen-Rätsel.

1. 1, 2, 3. 4, 5, 6.

2. 6. 7. 6, 8, 9, 5.

3. 10, 11. 8, 2, 5, 1.

4. 4, 2, 12.

5. 2, 10, 13, 9, 8, 6.

6. 14, 15, 10, 16.

7. 1, 15, 17, 10, 6, 18. 5, 6.

8. 12, 5, 19, 15, 5, 2, 20, 6. 8. 5.

9. 6. 2. 18, 14. 10, 6, 1. 12, 5, 13.

10. 16, 6 8. 3, 11, 16, 6. 5, 6.

11. 2. 2, 8, 20, 11, 10, 13.

12. 19, 4. 15. 10, 19, 4, 12, 8, 8.

13. 14. 4. 2. 8. 12, 2.

14. 2, 2. 10. 2. 15.

15. 5, 2. 20. 11. 20.

16. 1. 12, 2, 16. 2. 5, 14.

Die vorstehenden Zahlen sind durch Buch­st aben zu ersehen, wobei sich die einzelnen Zahlen stets auf den gleichen Buchstaben beziehen. Die entstehenden Worte haben folgende Bedeutung: 1. Mythologisches Wesen. 2. Englischer Schrift­steller. 3. Mittelalterlicher Held. 4. Fisch. 5. Graf­schaft in Schottland. 6. Bauwerk. 7. Bekannter

Schachgelehrter. 8. Erstling»druck 9. Englische Landschatt. 10. Muse 11 Stadt in Jutta nd. 12. Englischer Politiker 13 Muse. 14. Stadt in der Schweiz 15. Indischer Fürst. 16. Edelstein. Die Ansangs- und Endbuchstaben von oben nach unten gelesen ergeben einen Sinnspruch (Charade.

Die erste ist. wohin ich auch geh'.

Das Fleckchen Erde, auf dem ich g rab sieb

Die zweit' und dritte nehm' dann ich zur Hand And schreibe dir draus, wo ich mich befand: Bist du begierig, es nunmehr zu wissen.

Wird eins zwei drei es dir sagen müssen.

Ä. G.

Die Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom Redaktions'isch.

Gespräche.

Diese Gedichte," schmachtete Fräulein Blau- strunchf,enthalten die innersten Geheimnisse meines Herzens!"

.Seien Sie ganz ohne Sorge," sagte der Redakteur beruhigend,niemand außer mir wird sie erfahren."

Er:Ai^elina, ich liebe Sie "

Sie:So? Ich habe aber keinen Pfennig Vermögen!"

Er:Verzeihung, Sie ließen mich nicht and­re ben: Ich liebe Sie nicht

Sie:Aha! Ich wollte Sie auch nur auf die Probe stellen, ich besitze nämlich ein? halbe Mill im;."

Er:Ganz recht! Sie ließen mich aber wieder nicht ausreden Ich wollte sagen: Ich liebe Sie nicht Jchres Geldes wegen."

Sie:Ach! Mir fällt ein Stein vom Herzen Das war ja nur Spaß mit der halben Million!"

Erster Schtwrrer: ..Gestern bin ich gewesen auf ä fainc Hochzait, wo nter hot gegessen mit goldene Löffel!"

Zweiter Schnorrer:Zaig!" »

Haben Sie den Goldfischen schon frische- Wasser gegeben, Anna?"

Rein, gnä' Frau, sie haben das vom letzten Mal noch nicht getrunken."

Ein sicheres Mittel.

Ein Mann kommt in das Schuhgeschäft unfl fordert ein Paar Schuhe. Der Verkäufer, der noch recht jung ist. probiert ihm ein Paar an, das 16 Mark kosten soll. Dem Käufer gefallen die Schuhe recht gut. aber er hat nur 13,50 Mark bei sich und bittet den jungen Mann, er möge ihm doch die Schuhe milgeben, er werde da« fehlende Geld am nächsten Tage sicher bringen. Der Verkäufer gibt ihm auch die Schuhe mit, und er zieht vergnügt ab. Als der Geschäfts­führer das erfährt, ist er wütend und macht dem Verkäufer Doi-würfe. daß er sich auf so etwas eingelassen habe! der Mann werde sich nie Wiedersehen lassen.Der kommt bestimmt wieder," erwiderte de. Jüngling stolz.Ich habe ihm zwei Schuhe für den linken Fuß mitgegeben, da muß er sich den einen Umtauschen."

dagegen, daß Rußland den Frieden von Ports­mouth, 1905, in dem russisch-chinesischen Vertrage als zu Recht bestehend anerkannt habe, ohne auf Chinas Souveränitätsrechte Rücksicht zu nehmen. In seiner Antwort vom 26. Februar bemerkt der «owjetgesandte, China hätte vor 20 Jahren prote­stieren sollen!

Für Deutsche ist das Schicksal Chinas äußerst lehrreich, beweist es doch zweierlei, erstens, daß waffenlose Staaten stets vergewal­tigt werden und waffenstarke Staaten stets verge­waltigen, einerlei ob sie monarchisch, demokratisch oder sonst was sind, zweitens, daß trotz allem ein Volk sich durchsetzen und halten kann.

Buntes Allerlei.

Der Speisewagen in der Elektrische».

Seit ungefähr einem halben Jahr verkehrt auf der elektrischen Bahnstrecke zwischen Düssel­

dorf und Krefeld - die Fahrtdauer betragt etwa eine Stunde ein sogenannter Restaurations- Wagen. Er wird täglich bei drei Schnellzug­paaren am Aachmittag als Anhänger niltgc- führt In diesem Wagen werden naturgemäß nicht, wie in den Speisewagen der D-Züge, warme Mahlzeiten als Mittag- und Abendessen abge­geben. sondern nur kleine Erfrischungen gereicht, wie Kaffee, Tee, Bier, Wein, Limonade, belegte Brote, gelochte Eier, warme Würstchen u. dgl. Die Einrichtung hat sich in dem mehrmonatigen Betriebe gut bewährt und erfreut sich offensicht­lich regen Zuspruchs bei dem reisenden Plchlikum.

Der Wirtschaftsbetrieb wird von der Hotel­küche eines der ersten Düsseldorfer Hotels durch eine Köchin und einen Kellner versorgt. Der Wagen ist mit Holzwänden komfortabel aus­gestattet Die Küche wird elektrisch betrieben. Alle mcdernen hygienischen Maßnahmen für die Sauberkeit und Kühlung der Speisen sind ge­

ben Dcutschheit. An ihr bewahrheitet sich das Wort:Gefühl ist alles!" Ein gan$ prächtiger, klar denkender, liebenswürdig ironischer und bos­haft luftiger Mephistopheles erwächst aus der Gestaltung dieses schnoddrigen, alles verneinen­den Geistes durch Ferdinand Hart. Alle die übrigen waren gut ohne Einschränkung, oft sogar recht interessant. Ludwig Sievert, dem phantasiereichen Bühnenbildner, war die gewiß nicht leicht zu losende Aufgabe dee. Ausbaus der zahlreichen Szenenbilder (24) teils äußerst ein­drucksvoll und organisch den Oebanfen linier­st reichend gelungen. Er mußte ja im wahrsten Sinne ün -engen Bretterhaus ben Gang der Schöpfung ausschreiten und wandeln mit be­dächtiger Schnelle, vom Himmel durch die Welt zur Holle. Aur der Osterspaziergang tom in feiner bildlichen Auswirkung zu kahl und vielleicht auch zu stilisiert geraten. 3m übrigen war die Drehbühne geschickt ausgenüht und half die Ver­wandlungen nach Möglichkeit beschleunigen. Der Beifall war ungemein stark, ein dankbares Haus rief Richard Weichert mit dem Stab feiner Helfer wiederholt vor die Rampe.

Sportliche Wunderleistungen der Naturvölker.

Der Sport ist wohl stets Gemeingut der Menschheit gewesen, denn man findet ihn auch bei den Raturvölkern, die ihn zur Ausbildung des Körpers benutzen. Diese primitive Sport ist nicht minder mannigfaltig als bei unfrige: es fehlen nur die Arten, die auf der Heranziehung von Maschinen beruhen, wie Aad- und Autorennen, ober Preisschießen mit Feuergewehren. Sonst ist alles vom Laufen und Springen, vom Werfen und Ziehen, bis zu Schnee- und Eisspielen, zu Jagd- und Fischsport unter den Raturmenschen vertreten, und sie vollbringen auf diesem Ge­biete Höchstleistungen, wie sie von zwilitterten Eportsleuten noch nie erreicht worden sind. Einige solcher Wunderleistungen der Aaturvolker stellt

der bekannte Ethnograph Prof. Karl Weule in Acclams Universum" zusammen. 3n der Sierra Madie im nordwestlichen Meriko wohnen die Tarahumara, die man mit Recht die he­ften Läufer der Welt genannt hat, aller­dings zeichnen sie sich nicht so durch Geschwindig­keit als durch Ausdauer aus. Ein Tarahumara vermag 275 Kilometer ohne Unterbrechung im Dauerlauf zurücklegen, und nachweislich hat ein Mann den 960 Kilometer weiten Weg voit Gu- azapares nach Chihrtahua in 5 Tagen zurück- gclcgt. Dabei nähren sich diese Läufer nur von geröstetem Maismehl und Wasser. Der Lauf- sport wird in großen Wettläufen geübt, bei dein die Mannschaften verschiedener Orte ihre Kräfte miteinander messen. Bei diesem Wettlauf stoßt jede Mannschaft einen 6 Zentimeter dicken Ball mik ben Füßen vor sich her, bei jedem Stoß etwa 100 Meter weit, und diesem Dail wird eine ge­heimnisvolle Wirkung auf die Geschwindigkeit und Ausdauer zugeschrieben. Es werden Wetten aut die Parteien abgeschlossen, bei einem Wett­lauf. bei dem 31,6 Kilometer in 2 Stunden zurückgelegt wurden. lief der Führer in der ersten Runde 96 Meter in 19 Sekunden, in der zweiten Runde dieselbe Strecke in 24 Sekunden. Fabel­hafte Schnelläufer und Dauergänger zugleich sind die Ser i, ein nur noch aus wenigen hundert Menschen bestehendem Zndianerstamm, der guf der im Golf von Kalifornien gelegenen Insel Tibaron und dem gegenüber gelegenen Festland ein kümmerliches Dasein führt. Diese Seriknaben jagen den Hasen gewohnheitsmäßig, indem sie zu 3 und 4 ihn im Laus verfolgen, förmlich ein- kesseln und mit der Hand fangen. Ebenfo jagen die Erwachfen en den Hirsch Einem Seri wurde ein Pferd versprochen, falls er es innerhalb einer Strecke von 200 Metern fangen würde. Da Pferd sauste in vollem Galopp an dem ruhig dastehenden Indianer vorüber, aber es war noch lange nicht 200 ,Meter weit gekommen, da hatte der Mann es eingehvlk unb war auf seinen Rücken gesprungen. Auch die Buschmänner jagen die Tiere, indem sie mit ihnen um die

Wette laufen; sie bedienen sich bei diesen Dauer­läufen kleiner ßcbcrfanbalen mit einer schnabel­förmigen Spitze, die nach unten steht. Der Schna­bel dient als Widerlager für den im lockeren Sande leicht zurückgleitenden Fuß. Eie jagen das Tier meist zu mehreren, und der erste treibt es geschickt auf den zweiten, der dann in der Verfolgung durch den dritten abgelöst wirb. So geht die Hetzjagd von Sonnenaufgang bis Sonnen­untergang, bis das völlig erfc^pste Wild sich leicht töten läßt. Der Buschmann hat heraus- gefunden, daß sich nur ganz bestimmte Tiere, das Gnu und der Gemsbock. auf diese Weise jagen lassen. Beide sind Wiederkäuer von be­sonderer Empfindlichkeit, und wenn sie stunden­lang am Fressen verhindert werden, so entzündet sich ihr Berdauungskänal. so daß das Tier be­wegungsunfähig wird. Seltener sind bei den Raturvölkem Höchstleistungen im Springen. In diesem Sport vollbringen die W a t u ß von Ru­anda im Rordwesten von Deutfch-Ostafrika das Erstaunlichste. Es sind riesige, schlanke Menschen von 2 Meter Hohe und darüber, deren Durch­schnittsleistung 2.50 Meter- Sprunghöhe ist. also mehr als einen halben Meter über dem Welt­rekord. Auch im Speerwurs sind sie Meister, werden aber darin noch von den Wahehe übertroffen, die im Stromgebiet des oberen Rn- fidji im südlichen Deutsch-Ost afrika wohnen. Die Wahehe durchbohren mit ihren außerordentlich zierlichen Wurfspeeren, die am Ende die Stärke einer Holzhäkelnadel haben nicht nur den fliehen­den Feind, sondern sogar ben Rumpt eines Ochfen Virtuosen des Wassersports sind die Polynesier, die auf Planken von der Größe eines Plättbretts gegen die wildesten Brandun­gen anschwimmen. Die Ton gan er rammen zwei Holzpfähle in das Meer, wo es etwa 3 Meter tief ist Der Sportsmann springt mit einem großen Stein bei einem der Psähle ins Wasser und erreicht bann, auf dem Seegrund gehend, den 70 Meter entfernten anderen Pfahl. Das ist überaus schwierig, da bei der weiten Ent­fernung das Ziel nicht erkennbar ift