Ausgabe 
18.2.1925
 
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ar. 41 Erster Blatt

175. Jahrgang

Mittwoch, 18. Zebruar 1925

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GietzeimAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

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Vie Beisetzung in Dortmund.

Dortmund, 17. Febr. CXU.) Schon in den frühen Morgenstunden kommen in Dortmund Abordnungen auß dem ganzen Ruhrgebiet an, Abordnungen der Werke, der Organisationen, der Knappen- und Arbeiter-Vereine. Rach den ersten Sonnenstrahlen bezieht sich der Himmel, als trauere er mit dem Lande, ik&erail Zah­nen auf Halbmast. Hier und da wehende Trauerflore. Auf dem Förde r türm in Eving weht eine trauerfchwere schwarze Zechenfahne. Duirlanden aus Tannenreifig überragen über dem Eingang die brennenden Campen.

3n der neuen Waschkaue stehen in vier langen Reihen 9 5 Sarge, überschüttet mit Blumen und Kränzen. Väter liegen hier neben ihren Söhnen, Freunde neben Freunden, Kameraden neben Kameraden. An den Wänden hängen ihre Gru­benlampen und spenden ein seltsam feierliches Cicht. Vier Särge lauten auf den Ramen Decker. Drei dieser Toten waren verheiratet. Außerdem ist der einzige unverheiratete Bruder dem Un- glück zum Opfer gefallen. Einer der Rettungs- leute, die hier die Totenwache halten, erzählt, bat) zwei Söhne dieser Familie im Kriege ge­fallen sind und dah der alte Vater feinem Jungen nun gestern nachgefolgt sei. als ein Herz­schlag ihn von seinen Leiden erlöste. Vor den Särgen zeigen die Widmungsschleifen der Kränze die Anteilnahme des ganzen Ruhrgebietes, des ganzen Landes. Kränze der Städte, der Gemein­den, der Verbände, der industriellen Werke und der fühlenden Persönlichkeiten, daneben der Reichs- und staatlichen Behörden.

Langsarn sammeln sich die Angehörigen, um ihren Toten den letzten Gruß zu bringen und um noch einmal bei ihnen zu verweilen. Auf der Straste vor dem Zechentor sammeln sich die Vereine und Verbände zum gemeinsamen Zug zum Zentralfriedhof, wo die Gedächtnisfeier statt­findet. Gegen 10 Uhr stellen sich auf dem Vor­platz des neuen Zentralfriedhos-Ge- bäudes die ersten geschlossenen Züge der Leid- tragenben ein. Verbände mit ihren Fahnen, Gesangvereine. Knappeii-Abordnungen in ihren schwarzen alten Trachten nehmen im Vorhof Aufstellung. Kränze und Blumen in wachsender Fülle auch hier. Dann geht plötzlich eine Be­wegung durch die Menge. Vier der geretteten Bergleute, teils noch mit verbundenen Wunden, betreten, gestützt von barmherzigen Brüdern, den Hof. Aus ihren Gesichtern liegt noch der Wider­schein deS furchtbaren Erlebnisses.

Als sich um 11 Uhr der weite Hof gefüllt hat. beginnt die feierliche Andacht. Don allen Kirchen der Stadt läuten die Glocken.

Die Totenfeier.

Zn der gewaltigen Trauergemeinde sind auch Abordnungen aus Italien. Ungarn. Oesterreich, der Tschechoslowakei und Frankreich vertreten. Man zählt über 200 Fahnen von Ver­einigungen und Verbänden. Unter dem feierlichen Geläute der Glocken sprach zunächst Bischof Dr. S ch n e i d e r - Paderborn. Er ge­denkt des schweren Schicksales der Dahingeschieoe- nen. der Väter und Mütter, der Witwen und Waisen, der Brüder und Schwestern. Möge es der- Wissenschaft und Technik bald gelingen, die Unfallgefahren auf das geringste Mast herab­zumindern. Den Knappen ruft er zu:Seid pflichtgetreu in Gott, pflichtgetreu gegen das Vaterland, pflichtgetreu gegen die Familie und pflichtgetreu gegen alle Mitmenschen durch einige Zusammenarbeit, durch Zusammenopfern und Zu­sammenleben."

Für die evangelische Kirche sprach Generalsuperindentent Z ö.l l n e r-Munster. Auch er sprach von der tiefen Erschütterung anläß­lich des Unglückes. AiS Vertreter des Reichs­präsidenten und der Reichs regierung sprach Staatssekretär Geib. Wieder etnmaL sagte er. ist tief unten in der Grube durch einen Ausbruch unerfindlicher Raturgewalten eine erschütternd große Anzahl wackerer Berg­leute dahingerafft worden. Ergriffen und voll tiefer Achtung vor dem Bergmann und seinem schweren Beruf neigen wir unser Haupt. Mit den Kränzen, die ich im Auftrage des Herrn ReichSpräfidenten und der Reichsregierung über­bringe. ehrt das ganze deutsche Volk in bewegter Anteilnahme und dankbarer Ge­denken euer Werk, euer Streben.

Für die Stadt Dortmund ehrte Ober­bürgermeister Dr. Eichhoff die Toten. 3m Ramen des Aussichtsrates und des Vorstandes der Gelsenkirchener B.wgWerks-A.-G. widmete Di­rektor Salomonsohn den Hingeschiedenen Bergknappen einen warmempfundenen Rachruf. Als Vertreter der preußischen Staats­regierung betonte Handelsminister S i c r i n g. es werde die Aufgabe der preußischen Staats- regietung fein, ba'ür Sorge zu tragen, daß von den mrglücklichen Hinterbliebenen Rot unb Sorge ferngehalten werde.

ReichstagsabgkHMemann sprach für die Ruhr- orbeitcrverbande Ae Loten klagen nicht nur an. sie mahnen die Regierungen, den Reichstag, den Landtag, die Dergbehörk^n und bk Unter­nehmen an ihre Pflicht, damit mehr als bisher auf die berechtigten Wünsche und Ansprüche der Bergarbeiter Rücksicht genommen werde. Dor den toten Kameraden beugen wir in stillem Ge­denken unser Haupt. Wir drücken den trauern­den Hinterbliebenen die Hände und sprechen ihnen unser herzlichstes Beileid aus.

Mit einem Gesangsvortrag schloß die Seiet in der ersten Mittagsstunde'

Der deutsch-rumänische Konflikt.

Die Danca Generala Noten. Rumänische Repressalien.

Zwischen Deutschland unb Rumänien bestehen seit längerer Zeit Meinungsverschiedenheiten über die Art der Durchführung von im Friedensver- trag vorgesehenen Handels- und finanzpolitischen Maßnahmen. Streitfragen, deren Stört er ung nunmehr durch die Haltung Rumäniens zum offenen Konflikt zu führen drohen. Wie der Reicbsauhenminister im Hau^ßaltsausschuß aus­führte. handelt eS sich dabei tm wesentlichen um die rumänischen Ansprüche am> Artikel 238 des Vertrages von Versailles auf Rücklieferung von Vieh. EisenbahnwaggonS usw. Darüber schweb­ten seit längerer Zeit Verhandlungen mit Ru­mänien. die Rücklieferung in natura zu ersetzen durch Bezahlung einer entsprechenden Darsumme bi sich deshalb länger hinzögerten, weil die Ansprüche Rumäniens übertrieben waren.

Ferner beanspruchte Rumänien aus Artikel 259 des Vertrages von Versailles Rücküber­tragung aller Vermögenswerte, die Deutschland aus dem Dukarester Frieden erhal­ten hat.

Der dritte Fragenkomplex betrifft die Ro­tendeckung der Banca-Generala- Roten, die während der Besetzung von Ru­mänien ausgegeben worden sind; dieS ist der eigentliche Streitpunkt. auS dem der rumänische Finanzminister nunmehr glaubt, die Derech- tigun'g zu Repressalien gegen Deutsch­land herleiten zu können. 3m Vertrage von Versailles ist Deutschland keinerlei Verpflich­tung auferlegt worden, diese Roten einzulösen, weder in Papier, noch in Gold. 3n Sonder­verhandlungen zwischen Deutschland und Ru­mänien in den 3ahren 1921 und 1922 hat Deutschland ohne Anerkennung einer recht­lichen Verpflichtung sich bereit erklärt, einen bestimmten Betrag der zur Deckung der Danca- Generala-Roten hinterlegten Mark- und Kronen­beträge an Rumänien auSzuhändtgen, wenn Ru­mänien auf die Liqu ibierung des deut­schen Eigentums verzichtet. Dieses deutsche Angebot hatte damals einen Goldwert von annähernd 50 Millionen Goldmark. Ru­mänien hat dieses Angebot damals a b g e - lehnt und Erstattung des vollen Rominal- betrages der Banca-Generala-Roten in Gold verlangt. Das mußte Deutschland natürlich ab­lehnen. weil der Anspruch an sich unbegründet war. aber auch wegen der Rückwirkung, die ein solches Anerkenntnis aus ähnliche Forderungen anderer Lander gehabt hätte.

Rumänien hatte zuerst den Standpunkt ver­treten, daß fein Anspruch auf Einlösung der Danca Generala-Roten sich auf Artikel 259 des V. v. D. (Liquidierung des Dukarester Friedens) stützt. Diese Auffassung ist von der Repa­rationskommission aber schon vor länge­rer Zeit als unbegründet a b g e l e h n t worden. Daraulhin hat sich die rumänische Regierung auf den Standpunkt gestellt, bah diese Ansprüche im Rahmen der gesamten Repara­tionszahlungen, und zwar bevorzugt,

zu befriedigen seien. Diese Auffassung hat nur bei der kürzlichen Pariser Konferenz der alliier­ten Jinanzminister nicht den Erfolg gehabt, den Rumänien erwartet hatte, nämlich eine wesent­liche Erhöhung des rumänischen Anteils an der Annuität mit Rücksicht aus diese Forderung.

Rumänien hat sich angesichts dieser Tatsachen seine Rechte Vorbehalten, freilich ohne daß dieser einseitige Vorbehalt von den übrigen Alliierten anerkannt worden wäre. Rachdem Rumänien eine bevorzugte Behandlung seiner Forderung von den Alliierten nicht erreicht hatte, hat eS sich nun plötzlich aus den Standpunkt gestellt, daß feine Ansprüche auf Einlösung der Danca Gene­rala Roten außerhalb des Vertrages von Versailles zu regeln seien und die Forderung erhoben, dah Rumänien neben den Annuitäten des Sachverständigengutachtens ge­sondert zu entschädigen fei, eine Forderung, die mit dem klaren Wortlaut des Artikels XI des Sachverständigengutachtens..im Widerspruch steht, der ausdrücklich und eindeutig bestimmt, daß alle Verpflichtungen Deutschlands geg-nüberben alliierten und assoziierten Mächten hinsichtlich der durch den Krieg verursachten Kosten aus ben Annuitäten zu decken sind.

Deutschland hat infolgedessen diese Zumutung abgelehnt und allem Anschein nach ist nun die Bukarester Regierung tatsächllch gewillt, einen Wirtschaftskrieg mit Deutschland vorn Zaune zu brechen. 3edensalls kommen aus der Südostecke Europas allerlei alarmierende Rachrichten, deren Richtigkeit sich aber bisher noch nicht haben nachprüfen lassen. Soviel steht aber doch wohl fest, daß die Regierung Dratianu gegen das deutsche Eigen­tum in Rumänien und gegen ben deutschen Handel vorgehen teilt Ob sie auch zu Austeeisungen in großem Umfang schreiten und andere Repressalien er­greifen wird, muß abgewartet werden.

Rackrichten von Massenausweisun- g en deutscher Staatsangehöriger haben sich bis­her nicht bestätigt, auch nicht die Meldung von der beabsichtigten Abberufung deS rumä­nischen Gesandten in Berlin. Die Berliner Börse hat aber schon auf die feinbfetige Hal­tung der Dukarester Regierung reagiert und die Votierung rumänischer Geldsorten bis auf wei­teres abgelehnt. Sollte es tatsächlich zum Bruch kommen, woran man in gut unterrichteten Kreisen stark zweifelt, bum wird auch die Reichs­regierung zu entsprechenden Abwehrmaß­nahmen zu schreiten haben, um nicht nur den Rumänen zu zeigen, dah Deutschland nicht gewillt ist, sich wegen jeher Kleinigkeit mit Füßen treten zu lassen.

DieZeit", das Blatt des Reichsauhen- ministerS. bemerkt mit Recht, dah der rumänischen Regierung jede Grundlage für ihre von Dratianu angekündigten Repressalien fehlt. Ru­mänien werde sich ernstlich Überlegen müssen, ob

Die Beerdigung auf dem Dortmunder Friedhof.

Rach ber Srauerfeier auf bem Zentralfrieb- hof begaben sich die meisten Vereine in geschlosse­nem Zug zur Zeche .Minister Stein", um hier Aufstellung zu dem großen Trauerzug i um Rordf riedhvf zu nehmen, wo 95 der Verunglückten beerdigt wurden.

Die Särge waren aus 26 mit Tannengrün und schwarzem Flor geschmückten Rollwagen aus­gebahrt Der sieben Kilometer lange Zug setzte sich gegen i/23 Uhr in Bewegung. Die Straßen, die er passierte, waren von einer ungeheuren Menschenmenge umsäumt. Aus den umliegenden Höfen hatten sich etwa 5 0 000 Zuschauer ausgestellt. Den Friedhof erreichte die Spitze des ZugeS gegen Vr5 Uhr. Rur die nächsten Angehörigen durften mitgehen.

Zwischen ben beiden Massengräbern war eine schwarz auSgeschlagene, mit Kandela­bern geschmückte Kanzel e'-richtet worden, von der die Geistlichkeit beider Konsellionen Trauer- anfbrachen hielt. Unter ben Klängen des Liedes: .3ch halt' einen Kameraden" und dem Gesang der Männergesangvereine wurden die Särge zu Grabe getragen. Ergreifende Szenen spielten sich an dem Rande der Gräber ab. wo die Hinter­bliebenen der Verunglückten Aufstellung genom­men hatten. Bei der tiefen Bewegung, die alle Teilnehmer an den beiden überwältigenden Trau- crhtnbqcbimgen ergriffen hatte, ist es unver­ständlich. dah nachdem die Geistlichkeit gesprochen batte, zwei kommunistische Redner die Kanz*l bestiegen und ihre bekannten Reden an die sich verlaufende Menge richteten.

Während der dreistündigen Trauerfeier auf dem griebbof regnete eS heftig, und nur als die Särge zu Grabe getragen wurden, brach die Sonne durch und fbarmte einen weit leuch­tenden Regenbogen von einer Seite deS Hori­zontes zur anderen.

Die Polizei hatte überall durch scharfe, aber notwendige Absperrung für die nötige Ord­nung gesorgt und steht zur Zeit in Bereitschaft, um eventuelle kommunistische Umzüge, die die Devöllerung aufreizen könnten und die schon in den Mittagsstunden versucht worden waren, zu z er streu err

Untersuchung des Dortmunder Gruben-Unglück.

Dortmund, 18. Febr. (TU.) Rach einem Bericht des Dergarbeiterverbandes hat die Un- tersuchungSkommlssion über das Grubenunglück auf Zeche .Minister Stein" daS Vorhandensein von ungeheuren Kohlenstaubmengen sestgesteNt. Der Kohlenstaub lag an manchen Stellen so hoch, daß er bis an die Knöchel reichte. Weiter stellte die Kommission fest, dah in einer Dremskammer sich erhebliche Mengen Schlagwetter angesammelt hatten. Ebenso wurde festgestelll, daß am Tage vor dem Unglück auf der Unglückssohle ein außer­ordentlich starker Gebirgsruck erfolgt war, der 18 eiserne Stempel verbogen und zerbrochen hatte.

Die Regierungskrise in Hessen.

Don der Parteileitung der Deutschen Dolkspart ei geht uns folgende Mitteilung zu: Bekanntlich ist eS den energischen Erklä- rungen der Zentrumsfraktion des Land­tags, dah für sie eine Wiederherstellung der allen Weimarer Koalition in Hessen unter den jetzt gegebenen Verhältnissen kei­nesfalls mehr in Frage k o m m e , ge­lungen, die demokratische Fraktion für den Deriuch der Bildung einer großen Koalition In Hessen äu gewinnen. Dies war. nachdem an dem Widerstand der Demokraten zunächst die Bürgerliche Regierung der Mitte gescheitert war, der einzige AuSweg. Wie richtig der Vor­sitzende der Landtagsfraktion der Deutschen Volkspartei die Situation beurteilte, als er den Demokraten zunächst die Rückfrage vorlegre, ob denn die Sozialdemokratie überhaupt reif für eine große Koalition in Helfen sei, beweist die Tatsache, daß dieses Pro­jekt an der erneuten scharfen Ableh­nung der Sozialdemokratie geschei­tert ist. Wir erfahren übrigens, daß für diese Ablehnung eine außerordentlich brüske Form dadurch gewählt wurde, daß die Sozialdemokratie ihre Ablehnung in ihrer Presse veröffentlichte, bevor die demokratische Fraktton überhaupt in den Besitz der Antwort gelangt war.

Die Fraktion der Deutschen DollSpartei ist

eS zu diesen Maßnahmen übergeht, die feine internationale Stellung ernstlich gefährden müßten. Die Repressalien, die sich gegen das deutsche Eigentum in Rumänien rich­ten, sind, da sie im Friedenszustanb vorgensm» men werden, völkerrechtlich nicht zu vertreten unb müßten ernste Konflikte nach sich ziehen.

Der rumänische Wirtschaftskrieg.

Abbrcchcn brr geschäftlicher! Beziehungen. - Beschlag» nähme deutschen (Eigentums.

Berlin. 18. Febr. (Wolfs.) DerLokal- anzeiger" weih aus Wien folgendes zu melden: Der DukaresterAdeveruI" veröifentlicht In seiner heutigen Rümmer eine Derordnuny des rumänischen Finanzmini st erS, in der alle Behörden ausgesordert werden, ihre ge­schäftlichen Beziehungen und Der- handlungen mit deutschen Staats­bürgern ober Vertretern des deutschen Staates abzubrechen. Die Schisse, die rumänisches Oel nach Deutschland bringen sollten, sind zurück- berufen worden. 3n Dukarester politischen Kreisen verlautet, dah die rumänische Regierung dcn deutschen Gesandten verständiat habe, dah, sobald die deutsche Antwortnote nicht zufrieden» stellend sei, das Dermögen der Deutscher tn Rumänien sequestriert werde und bet Anteil deutscher Staatsbürger an rumänischen Unternehmungen zugunsten deS rumänischen Staates beschlagnahmt würde. DieDeut' sche Tagespost" in Hermannstadt und dieDeut­sche Tagespost" in Czernowitz sind beschlag­nahmt worden, weil sie Angrifse gegen die rumänische Regierung wegen des WirtschaslS- kriegeö gegen Deutschland gerichtet hoben. Dal Derl.Abendbl." bringt ferner alarmierende Rach- richten über angcbliche Ausweisungen von Reichsdeutschen auS Rumänien, die in brutolster Form vor sich gegangen sein sollen. Die rumänischen Gendarmen, die die Aus­weisungsbefehle auSgesührt haben, sollen als Grund der Ausweisungen Repressalien gegen Deutschland angegeben haben. Der amtlichen Ber­liner Stelle liegt eine Bestätigung der Rochrichi noch nicht vor. Für den Fall, dah sich die Rei­bungen bestätigen sollten, forbetn bie Abenb- blätter, bah Deutschland die Methoden Ru­mäniens mit gleicher Münze Helm­zahler. solle. So dieTägliche Rundschau", di« verlangt, bah bie in Deutschlanb studierenden Rumänen unb bie vielen sich in Deutschlanb auf- hallenden rumänischen Kaufleute einmal fest- gefetzt werben, um zu zeigen, dah man bie Deutschen nicht als Parias behandeln dürfe. Di« ..Germania" erklärt: Freilich lieben wir solch« Manövev nicht, aber auf einen grober Klotz gehört ein grober Keil.

nicht gesonnen, das allmählich unerträglich gewordene Geduldspiel der Regierungs­krise in Hessen weiterhin passiv zu dulden. Die ganze Staatsmaschine ist für große und wich­tige Entscheidungen lahmgelegt, die Beratung des hessischen Staatsvoranschlages und seine Verabschiedung durch den Landtag ist weit hinauSgeschobcn. ernste budgetrechtliche und unter Ilmständen auch finanzielle Schädigungen deS Staates sind die Folgen des seitherigen Verhaltens der politischen Parteien. Diese kön­nen sich beruhigt hinter die Bestimmungen der Hessischen Verfassung verschanzen, welche eine Auslösung des Landtages und damit ein neues Befragen des Volkes auf das äußerste erschwert und an die Voraussetzungen des umständlichen und kostspieligen Apparates eines Volksbegehrens unb einer Volks­abstimmung knüvft.

Die Deutsche Dolkspartei wird deshalb in den nächsten Tagen gemeinschaftlich mit der Fraktion des Bauernbundes einen 3ni tiatibant rag zur Abänderung die- ser hessischen Verfassung einreichen, der die Möglichkeit geben soll, baß der Land­tag sich durch einfachen Mehrheits­beschluß selbst auslöst. Dringen die po­litischen Parteien eine aktionsfähige Regierung nicht zustande, so haben sie die P licht, vor dem Volke abzudanken und diesem zunächst die weitere Entscheidung zu überlassen. Die Deut­sche Vollspartei gemeinschaftlich mit dem Bauern­bund wird auch den Präsidenten des Landtages gleichzeitig auffordern, unverzüglich daS Plenum des Landtages zu einer Ent­scheidung über diesen 3nitiatibantrag cinju- berufen. Entweder gelingt es nun also in den nächsten Tagen eine aktionsfähige Re­gierung, die dem Ergebnis der bisherigen Verhandlungen entsprich:, in deren Tc-tauf sich die Sozialdemokratie selbst ausgeschlossen hat endlich auf die Deine zu stellen, oder aber die politischen Parteien werden durch die genannten Anträge gezwungen, sich zur Rechen» schaftsablage vor dem Volke zu stellen.

Die Kreditpolitik

der hessischen Regierung.

Darmstadt. 18. Febr. (Priv.-Tel) Die Abgeordneten Kindt und Dr. Werner ersuchen um Auskunft darüber ob die Reg'-runa oder