Ausgabe 
17.8.1925
 
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Ur. 191 Zweites Blatt

Gietzeaer Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

Montag, tt. August 1925

Aus Natur und Technik.

Vie Entwicklung des Kohlen­bergbaues im Ruhrbebiet.

Don Dipl.-Jng. Mangold.

(Alle Rechte vorbehalten.)

Die auch heute noch übliche BezeichnungRuhr» gebiet" trifft eigentlich nicht mehr zu, seitdem sich der Bergbau bi» zur Lmscher und über diese hinaus bi» an die Lippe und aus die linke Seite des Nie» derrheins ausgedehnt hat. 'Aber der Name Ruhr­gebiet ist seit altersher üblich, und hat sich bis heute erhalten. Jetzt versteht man darunter das gesamte niederrheinisch-westsölische Industriegebiet, in dem Bergbau und Eisenindustrie sich zu der technisch voll» endeten und weltwirtschaftlich bedeutenden Höhe entwickelt haben. Das niederrhe>nisch»westsälische Steinkohlenbecken liegt im Zuge des mächtigen nordwesteuropäischen Kohlengurtels, der sich von England über Nordfrankreich, Belgien, Holland (Limbuger Becken), Aachen (Wurmgebiet), Westfalen nach Oberschlesien hinzieht und nach dem Ergebnis der neueren Forschungen als eine geologische Ein» Helt zu betrachten ist.

Da» niederrheinisch-westsälische Steinkohlenbecken liegt zum größten Teil auf dem rechten User des Niederrheins und wird von der Ruhr, der Em» scher und der Lippe durchströmt. Das kleinere linksrheinische Gebiet wird vom Rhein und der Linie Krefeld, Geldern, Goch, Appeldorn umrahmt. Ihre südliche Grenze findet die Steinkohlenablage» rung (produktiv Karbon) an der Devonformatton des Sauerlandes. Die nördlich und östliche Grenze ist bis heute noch nicht festgestellt. Es ist anzuneh- men, daß unter dem Deckgebirge das produktive Karbon bis weit nördlich der Lippe reicht und sich im Dftcn bis Münster in derNöhe der Ems und bis nach Lippstadt erstreckt.

Die Aufschlüsse der letzten Jahrzehnte haben die ununterbrochene Verbindung des Ruhrgebie» les mit dem Limburger» und Aachener Steinkohlen­becken erwiesen.

Wir wollen nicht zu erwähnen vergessen, daß die Ruhr nur in ihrem Unterlauf das Kohlenge- biet durchfließt, ihr Oberlauf liegt im bereits er­wähnten Sauerlande Da die Ausdehnung des un­terirdischen Kohlengebirges noch nicht bekannt ist, muß man drei Teile unterscheiden:

Deutschlands jüngste Großstadt Buer besteht aus dem Mittelpunkt Buer und ringsherum liegt im weiten Abstand eine Reihe von eingememdeten Dörfern, welche nur durch Anlagen von Schächten die gewalttge Beoölkerungszunahme erfahren haben. Das dazwischen liegende Gebiet ist noch vollständig der Landwirtschaft nutzbar gemocht. Der Städtebauer hat hier die gewaltige und schöne Ans- gäbe, dafür Sorge zu tragen, daß diese heranwach- senden Städte in schöner und den heutigen gesund- heitlichen und verkehrstechnischen Anforderungen entsprechender Weise ausgebaut zu werden

Als Muster einer in weiser Vorsicht angelegten und reich mit Grünflächen versehenen Großstadt kann

Der erste große technische Fortschritt trat im Bergbau ein als um die Mitte des 19. Jahrhun­derts auch hier die Dampfmaschine Eingang sand. Mit diesen Feuermaschinen, wie sie zuerst genannt wurden, konnte die Beförderung von Menschen und Material in die Tiefe und dos Heraus schaffen der Kohle, das beides bisher mühsam auf langen Sei­lern bewerkstelligt wurde, wesentlich verbessert wor- den. Die Wasierholtung und die Lufteinsuhrung konnte bei vielen Gruben, welche schon zu erlaufen drohten, nun m großen Ausmaß durchgesührt werden. Die weitere ungeheuere bekannte Entwick­lung der Technik und Industrie zwang dazu, immer größere Kohlenmengen zu befördern, und dem Be­

Diese Karle ist dem 396. Band der SammlungAus Aalur und Geis.- welt": Kukuk, Unsere Kohlen (Verlag 2. G. Teubner, Leipzig) entnommen.

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das heute über eine Halde Million zählende Essen bezeichnet werden. Seit Jahrzehnten wurden hier nicht zuletzt durch das verständnisvolle Entgegen­kommen der Firma Krupp eine weise und den Interessen der Gesamtheit dienenden kommunale Baupolitik betrieben. Essen erntet heute deren Früchte, wählend in Gelsenkirchen und Oberhausen die früher gemachten Fehler bitter empfunden werden.

Wer sehenden Auges und denkenden Sinnes

darf immer mehr zu genügen. Die Kohlenlager an der Ruhr erwiesen sich als ungenügend, immer mehr trat die Frage in den Vordergrund: Kann man die mehrere hundert Meter mächtige Mergel­decke, die im Emscher» und Lippegebiet die Kohlen­flöze überlagert und nach Norden immer mäch­tiger wird, durchbohren und durch senkrechte Schächte zu den Kohlenlagern gelangen? Im Ruhrtal war man bisher nur in horizontal angelegten Stollen ober senkrechten bis zu geringer Tiefe Dorgebrungen.

Schachtanlage der Gewerkschaft Emscher-Lippe in Datteln. Ausführung: Klänne»Dortmund.

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Hochofenanlage der Hasper Eisen- und Stahlwerke. Ausführung Klänne-Dortmund.

1. Die Schachtzone, d. h. das Gebiet, in dem bereits Bergbau betrieben wird, mit 1550 Ouabrattilometer.

2. Die Bohrlochzone, d. h. das Gebiet, in dem durch Bohrungen das Vorhandensein sehr tiefliegender .Kohle nachgewiesen ist, mit 1750 Quadratkilometer.

3. Die noch unaufgeschlossene Zone, in der aus geologischen Gründen das Vorhandensein von Kohle vermutet wird. Das Gebiet erstreckt sich hauptsächlich nördlich der Lippe und wird vom Geologen Dr. Kukuk zu 2900 Quadrat- Kilometer berechnet.

Gegenüber dem Vorkommen von Steinkohle ist nur wenig bekannt, daß sich am Niederrhein auch Steinsalz und Kali in durchaus beachtenswerten und abbauwürdigen Mengen befindet. Das Vorkom­men von Steinsalz begint in einer Tiefe von rund 400 Meter und einer Mächtigkeit von 90 Meter. Nördlich davon zwischen Rheinberg und Tanten liegen noch bedeutend ertragreiche tfelber von 150 Meter Mächtigkeit. Das Salz beginnt hier schon in einer geringen Tiefe von 6'1 Meter. Der Abbau dieser Felder ist von den deutschen Soloay-Werken in Angriff genommen. Zur Zeit werden die Schächte herunter getrieben. Trotz der geringen Tiefe be­reitet hier das Durchdringen des Deckgebirges un­geheure Schwierigkeiten. Erft in letzter Zeit gelang es, ihnen unter Anwendung der neuesten technischen Hilfsmittel Herr zu werden, daß man in nicht ferner Zeit mit der Gewinnung des kostbaren Materials wird beginnen können.

Nach seiner polittschen Einteilung gehört das Industriegebiet zu den preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen. Die Bevölkerungsdichte beträgt im engerem Industriegebiet beinahe 1000 Einwohner auf dem Quadratkilometer.

So umfaßt der im Jahre 1920 zur Förderung der Siedlungstätigkeit gegründete Siedlungsoerband Ruhrkohlenbezirk 17 Städte mit 3690 Quadratkilo­meter Fläche und 3,6 Millionen Einwohner. Das ganze Industriegebiet war ursprünglich rein land- wirtschaftlich und die großen Industriestädte, wie Essen, Mühlheim an der Ruhr, Dortmund, Gelsen- kirchen, Bochum waren kleine Landstädte, deren Bürgerschaft bis ins 19. Jahrhundert hinein Acker- bau 'betrieb. Wir sehen diese Enpvickluna und Um­wandlung heute noch im Ruhrgebiet selbst mit an.

das Ruhrgebiet durchwandert, den muh heilige Ehrfurcht vor der gewaltigen industriellen Ent­wicklung erfassen. Mögen es neue Schachtanlagen oder große Hüttenwerke oder das weitverzweigte und wohlausgebaute Verkehrsnetz fein.

Der Kohlenbergbau hat sich aus ganz kleinen Anfängen entwickelt. Im Ruhrgebiet tritt die Kohle zutage, und der das Feld bestellende Bauer er­kannte bald ihre Brennbarkeit und nahm ein wei­teres Graben in der Erde vor. Die ersten Berg­leute waren also richtige Kohlengräber. Es waren Ackerbauern, welche auf ihrem eignen Acker die Kohle ausgruben, die sie dort fanden.

Früher war das Industriegebiet noch sehr stark bewaldet, und man legte deshalb naturgemäß auf die Steinkohle für den Hausbrand noch leinen be­sonderen Wert. Holz brannte rascher, war leichter zu gewinnen und eine Industrie im heutigen Sinne gab es damals noch nicht.

Aber der Holzreichtum schwand immer mehr und mehr, die industrielle Entwicklung der Wirtschaft trat immer stärker hervor und der eigentliche Berg­bau begann. Man konnte sich nicht mehr auf die an der Oberfläche liegenden Kohlen beschränken, man mußte Gänge, Stollen, und Schächte graben, ^Was­ser ableiten, für die Zuführung frischer Luft Sorge tragen und Borkehrungen treffen, um Menschen und Arbeitsmaterial hinunter zu befördern und die Kohle herauf zu schaffen.

So verursachte der Btrieb dieser kleinen und nicht tiefen Gruben mit den damals vorhandenen Hilfsmitteln viel Arbeit und Mühe. Die Kohle findet sich in sogenannten Kohlenflözen bis mehrere Meter Mächtigkeit. Zwischen den Flözen lagern andere Gesteine. Da nun die Kohlenflöze von Süden nach Norden streichen und dabei immer tiefer in die Erde gehen, war der einzelne Landwirt mit seinem Vorrat oft schnell zu Ende und mußte sich mit feinem Nachbarn verständigen und dieser wieder mit dem nächsten Anlieger.

So entstanden die ersten Kohlengewerkschasten, die den damals immerhin noch recht einfachen Bergbau auf gemeinsame Rechnung betrieben. Die Anteile des einzelnen an dem Vermögen der Ge­werkschaft wurde nach dem böhmischen Bergbau übernommen undShire" genannt. Aus ihnen sind die heute bestehenden großen Kohlengewerkschaften und Zechenverbände entstanden.

Unter Benutzung von in England und Belgien gemachten Erfahrungen entwickelte sich eine beson­dere Schachtbohrtechnik, in der bis heute immer weitere Fortschritte erzielt wurden. Man ist heute in der Lage, Schächte mit großen Durchmessern durch die verschiedenen Erdschichten hindurch zu treiben, ja selbst bas sogenannte schwimmende Ge­birge bildet kein unüberwindliches Hindernis mehr, um die Schachtwände so auszubauen, daß sie den Gebirgsdruck dauernd widerstehen können. Früher geschah dies ausschließlich durch eiserne Ringe (Tübbings) und Ausmauerung, heute findet auch hier Beton und Eisenbeton in steigendem Maße An­wendung.

Um einen Begriff von den gewaltigen «chwie- rigteiten zu geben, welche zu überwinden sind, mögen die Mitteilungen genügen, daß das Abteufen des Schachtes I auf der Zeche Rheinpreußen bei Homberg am linken Rheinufer von 1857 bis 1877, also 20 Jahre, gedauert hat. Gleichzeitig kann man sich auch ein Bild davon machen, was es für einen Verlust bedeutet, wenn ein Schacht zerstört wird. Ebenso darf die Wasserhaltung in einem Bergwerk (einen Moment aussetzen, denn ist das Bergwerk erst einmal voll Wasser gelaufen, so ist em Ein­sturz ganzer Stollen unvermeidlich. Heute gehen die Schächte im Ruhrgebiet schon bis über 1000 Meter in die Tiefe, und wenn einmal die Kohlen- lager in dieser Tiefe erschöpft sein sollten, wird es der Technik sicherlich gelingen, auch noch tiefer ge­legene Flöze zu erreichen und abzubauen

Die Dampfmaschine ist durch den elektrischen Betrieb ganz in den Hintergrund gedrängt. Gerade die Vorteile eines elektrischen Antriebes der Hebe- zeuge, Pumpen und Lokomotiven treten im Berg­bau besonders in Erscheinung. Hand in Hand ging damit die Aufbereitung der Kohlen.

Während man lange Zeit wahllos alle Kohle, wie sie befördert wurden .verfeuert hatte, unter­scheidet man heute einzelne Sorten, namentlich nach ihrem Gasgehalt, und nutzt dadurch die in der Kohle fleckende Wärmeenergie viel wirtschaftlicher aus. Man stellt Koks und Steinkohlenbriketts her und gewinnt als Nebenerzeugnis die wertvollen Teerprodukte, die heute sogar auf manchen Zechen einen großen Teil des Reingewinnes darstellen.

Die Tatsache, daß die Kohlenflöze im allge­meinen nach oben hin immer gasreichere Kohle, also

tohlenarmere enthalten, läßt sich im Ruhrbecken zu einer übersichtlichen Gliederung des flohlengebiete» benutzen.

Man unterscheidet hier nämlich von unten nach oben, also vom Liegenden zum Hängenden.

1. Magerkohle mit 5 bis 2 ProGasgehalt, geeignet für Hausbrand, Dampfkesselfeuerung und Brikettbereitung.

2. Fettkohle mit 20 bis 30 Proz. Gasgehalt, da» beste Material zur Koksherftellung, ferner Vcrwen- düng für Lokomotivfeuerung und viele inustrielle Zwecke.

3. Gaskohle mit 33 bis 37 Proz. Gasgehalt hauptsächlich für Gasfabriken benutzt.

4. Gasflammkohle mit 37 bis 45 Proz. Gas­gehalt, die wieder als Industrie- und Hausbrand Verwendung findet.

Der Abbau der Steinkohle hatte sich im Ruhr­gebiet von Jahr zu Iaht gesteigert und übertraf im Jahre 1913cftüt 144 Millionen Tonnen die Er­zeugung des Beckens Porkfhire in England um mehr als die Hälfte.

Die Kohlenvorräte des Ruhrgebietes reichen nach den Berechnungen von Dr. Kukuk und Dr. Min- trop unter Zugrundelegung dieses jährlichen Ab­baues bis zu einer Tief.- von 1500 Meter, bis wo­hin vorzudringen die Technik wohl ohne weitere» gestattet noch rund 750 Jahre und bis zu einer liefe von 2000 Meter für rund 1400 Jahre. Wir sehen also, daß die Gefahr einer baldigen Erschöp­fung des Ruhrgebietes nicht vorhanden ist. Es ist im Gegenteil eines der reichsten Kohlenstätten der Welt. Ferner ist anzunehmen, daß neben der Auf­findung jetzt noch unbekannter Kohlenlager (beson­ders in China, Zentralasien und Afrika hat man Grund diese daselbst in ausgedehntem Maße zu ver­muten) es der fortschreitenden Technik gelingen wird, sich andere Energiequellen nutzbar zu machen. Der Anfang ist dazu schon mit der Verwendung der Wasserkraft gemacht.

Eine sehende Iigarrensortiermaschine.

Von Wilhelm B u ch m a n n.

Der verwöhnte Raucher freut sich, wenn die Zigarren nicht nur schön gleichmäßig gewickelt in Reih und Glied in der Kiste liegen, sondern auch alle von gleicher Farbe sind. Bei der Herstellung läßt es sich aber nicht vermeiden, daß die Deckblätter ganz verschiedenfarbig ausfallen, hell, mittel ober dunkel. Dor der Verpackung müßen daher die fer­tigen Zigarren außer nach Größe und Güte auch noch nach der Farbe ausgesucht werden. Diese rein mechanische Arbeit erfordert einen scharfen Blick und viel Sorgfalt-, der Arbeiter ermüdet sehr schnell und Ungenauigkeiten sind beim Aussuchen von Hand nicht zu vermeiden.

In Amerika hat man nun eine Vorrichtung ge­baut, die dem Mensechn diese stumpssinnige Tätig- feit abnurmt, und die die Zigarern völlig selbsttätig je nach ihrer Farbe trennt und gleich in die Kisten fallen läßt. Der wesentlichste Bestandteil der sinn­reichen Maschine ist ein elektrisches Auge, eine licht­empfindliche Zelle, ähnlich den Empsangs^ellen für die Bildtelegraphie und die Lichtfernsprecherei. Eine solche Zelle besteht aus zwei dicht nebeneinander liegenden Drähten mit Zwischen­schichten aus Selen. Der Widerstand, den das Selen dem Durchgang des elektrischen Stromes entgegen­setzt, änbert sich mit der Stärke ber Belichtung. Er rallt, je mehr bie Beleuchtung zunimmt. Die Zelle ist in eine kleine luftleere Glasbirne eingeschlofsen, ähnlich einer Glühlampe. Die Birne ist mit Aus­nahme eines feinen Spaltes verspiegelt. Unter diesem Spalt werden nun die Zigarren auf einem Förder­band ober dergleichen vorbeigeführt. Je heller bie Zigarre ist, befto mehr Licht wirst sie in bie Zeller um so größer wirb der Strom, der durch die Zelle fließen kann. Die Ströme werden verstärkt und be­einflussen eine mechanische Ausschußvorrichtung, die die Zigarren einzeln erfaßt und vom Förderband gleich in bie richtigen Kisten fallen läßt.

Die Empsinblichkeit bes elektrischen Auges ist außerordentlich groß, so baß bie Maschine nicht nur viel rascher, jonbern auch genauer arbeitet, als es je durch Menschenhand möglich wäre.

Was versteht man unter einem Kugelblitz?

Wenn der letzte schwere Donnerschlag die Lust burchzitlert, kann es Vorkommen, daß uns bie Natur ein Schauspiel besonderer Art zeigt, bevor sie in ihr elektrisches Gleichgewicht zurückkehrt. Es ist die 6*. fcheinung des Kugelblitzes. Eine solche konnte Stu­dienrat Dr. W. W e n k e - Berlin-Fichtenau beob­achten und er beschreibt sie sehr anschaulich imNa­turforscher". Unmittelbar nach einem heftigen Ge­witter bewegte sich ungefähr 60 Meter von Wenke entfernt eine glühende Kugel von der Größe eines Kinderkopfes wenig über dem Erdboden mit mäßiger Geschwindigkeit dahin. Die Kugel war von blenden­der Helle und hatte einen bläulichen Saum. Indem sic ihre Bewegung verlangsamte, schien es, als blähte sie sich auf; im nächsten Augenblick zerplatzte sie. Aus ber ganzen Kugel wurden vier kleinere, bie raketen­artig zur Erde sanken und verschwanden. Das Phänomen dauerte einige Sekunden. Hinterlassene Spuren irgendwelcher Art ließen sich am Orte der Explosion nicht feststellen. Die Beobachtung wurde in Reiners gemacht. Nicht immer tritt ber Kugelblitz so gefahrlos auf, wie eben geschildert. Ls gibt eine Reihe von Fällen, bei benen große Sachbeschädl- gungen sowie Verluste von Tier- unb Menschenleben zu beklagen sind. Ueberhaupt muß ein Unterschied gemacht werden zwischen harmlosen und gefährlichen Kugelblitzen, gleichwie man kalte und zündende Blitzschläge unterscheidet. Der harmlose Kugelblitz be­wegt sich meist in ber Lust und meidet oute Leiter- bagegen folgt er oft den Flammengasen der Schorn­steine und gelangt durch Oefen und Kamine in Küchen unb Zimmer. Der gefährliche Kugelblitz dn» aegen entsteht als sogenannter aufsitzender Blitz afl guten Leitern, z. B. Metallstangen, Dachrinnen, elefi trifchen Zuführungen und an Lebewesen. Er erhi» den Leiter und verursacht Zündung, bei Menschen unb Tieren lebensgefährliche Brandwunden mtS selbst ben Tod.