Ausgabe 
17.6.1925
 
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Nr. (39 Zweites Statt

Siebener Anzeiger (Senerat-Anzeiger für Gberhejjen,

Mittwoch, \i. Juni (925

Aus den Diplomatischen Akten des Auswärtigen Amtes.

England und die deutsche Kriegsflotte.

(Schluß.)

Der Botschafter in London Gras v. Metternich an den Reichskanzler Fürsten o o n B ü I o ro

Ausfertigung.

Nr. 691 London, den 16. Juli 1908.

Geheim

Sir Edward Grey hatte mich vorgestern in feinem i)aufc mit Herrn Lloyd George zum Frühstück eingeladen. Das Gespräch wandte sich bald der auswärtigen Politik zu Der jetzige Schatz- kanzler hat sich in kurzer Zeit aus einem ultra­radikalen wallisischen Advokaten zu einer führen­den und geachteten Persönlichkeit in seiner Partei und im Ministerium herangcbildet. Da er imperia­listisch denkt, so steht er auch bei den Unionisten in Ansehen. Als oppositioneller Abgeordneter erlaubte er sich, wenn ich mich recht erinnere, vor einigen Jahren hin und wieder einen im Jingo-Ton ge­haltenen Seitenhieb auf Deutschland. Als verant­wortlicher Minister fand ich in ihm eine versöhn­liche Stimmung.

Er stimmte mir darin bei, als ich die Anfrage im Parlament betreffend Spionage berührte, das; hier jetzt leider jeder Unsinn, sobald es sich um Deutschland handele, geglaubt werde.

Als ich bemerkte, es sei zu bedauern, daß die englische Politik für die französische Freundschaft die deutsche Feindschaft eintauschcn zu wollen scheine, und daß die Entente-Politik die Beun­ruhigung in Europa heroorgerufen habe, führte Sir Edward Grey ungefähr folgendes aus: England sei im Laute der letzten Dezennien mehrmals nahezu in kriegerische Verwickelungen mit Frankreich und Rußland geraten. Ohne einen Vergleich würde es wahrscheinlich schon zum Kriege gekommen sein. Beide Vergleiche feien ohne jede Spitze gegen Deutschland abgeschlossen worden. Es bestehe nur eine Entente mit Frankreich. Mit Rußlandnoch" keine. Dagegen habe Deutschland den Dreibund. Es sei unverständlich, wie man da von einer Politik der Isolierung Deutschlands sprechen könne.

Herr Lloyd George warf ein, es sei wohl die diplomatische Unterstützung Frankreichs durch Eng­land, die in Deutschland verstimme'). Sir Edward Grey erwiderte, soweit es sich um Marokko han­dele, fei England hierzu verpflichtet.

Ich bemerkte, Frankreich sei in absolut gesicher­ter Lage, so lange es den status quo in Europa-) anerkenne. Allein werde es an ihm nicht rütteln, gestützt auf England möge der Revanche-Gedanke aber eines Tages wieder aufleben').

Als Lloyd George die Ansicht ausdrückte, er glaube nicht an kriegerische Absichten in Frankreich, obwohl sich die Franzosen noch nicht dazu entschlie­ßen könnten, die Vergangenheit anzuerkennen, er­widerte ich, daß ich auch nicht an derartige Ab- sichten bei den Franzosen glaubte. Auch hätte ich nicht das geringste dagegen zu er­innern, daß England Streitfragen mit anderen Nationen hinwegräumte. Dagegen sorgten in der Publizistik die Freunde lind Verteidiger der eng­lischen auswärtigen Politik dafür, die Ueberzeuaung zu verbreiten, daß es sich bei ihr nicht um den Aus­gleich- von Streitigkeiten, sondern zugleich um die Schaffung eines Bollwerkes gegen die deutsche Macht handele. Dieses Vorgehen verfolge keine friedliche Tendenz und könne auch nicht als solche in Deutschland aufgesaßt werden, müsse dort viel­mehr und überhaupt in Europa Beunruhigung Her­vorrufen*).

Sir Edward Grey bemerkte hierauf, das Un­erfreuliche der Situation liege darin, daß wir uns gegenseitig feindliche Absichten zuschöben. In Deutschland glaube man an einen eventuellen eng­lischen Angriff, hier dagegen, daß die deutsche Flotte gebaut werde, um Englands Stellung zu bedrohen.

Beide Minister waren der Ansicht, daß die Si­tuation zwischen England und Deutschland sich um die Flottenfrage drehe. Die Auslagen für die eng­lische Flotte würden in Folge des deutschen Flotten- Programms^) und des beschleunigten") Flottenbaues dermaßen in die Höhe gehen, und das Gefühl vorder deutschen Gefahr würde damit der­maßen an Intensität zunehmen, daß die Beziehun­gen zwischen den Ländern sich nie bestem könnten, so lange sie sich in der Flottenkonkurrenz') gegen­seitig in die Höhe schraubten. Jeder Engländer würde seinen letzten Pfennig daransetzen, um sich die Uebcrlegenheit") zur See zu wahren, von welcher nicht nur die Weltstellung Eng­

lands. sondern auch seine Existenz als unabhängiger Staat abhänge. Die ruinösen Ausgaben, zu denen die Flottenkonkurrenz triebe"), könnten vertrauens­volle Beziehungen zwischen beiden Nationen nicht auskommen lassen. Wer auch nur einigermaßen Eng­land kenne, wisse, daß hier nicht die Absicht bestehe, Deutschland mit der englischen Flotte zu bedrohen", ober gar Deutschland anzugreisen. Eine Landung sei schon in Anbetracht der englischen Armeeverhälinisse gänzlich ausgeschlossen. Fürst Bismarck habe, wie Herr Lloyd George scherzend bemerkte als bei irgendeiner Gelegenheit von einer englischen Lan­dung auf deutschem Boden die Rede gewesen lei, gesagt, er werde in dem Falle es der Polizei über­lasten, das englische Landungskorps festzunehmen. Ebenso lögen die Derhälmisse auch heute noch, wenn es sich um die Bedrohung Deutschlands handele. Für England dagegen fei eine mächtige deutsche Flotte") mit einer noch mächtigeren Armee im Hin­tergründe eine reale Gefahr.

Ich erroieberte, an der German inoasion leide nur die englische Einbildungskraft. In Deutschland denke kein vernünftiger Mensch daran. Die Flottenbauten seien leider verteuert worden durch die Erfindung desDreadnought""), wodurch England seinen immensen Vorsprung verloren hätte, und andere seefahrende 'Nationen zu demselben gro­ßen Schiffstypus und damit relativ zu denselben hohen Ausgaben gezwungen würden. Aber, ä qui la faule? Im Unterhause sei dieser Tage sogar von der Einführung eines neuen noch größeren Schifss- tnpus, einer schwimmenden Festung, gesprochen war- den. So lange die englische Versicherungspolitik B c- unruhigung in Deutschland erzeugen müsse, hielte ich eine Einschränkung der Rüstungen zur See für ausgeschlossen"). Zuerst müsse Sir Ed­ward Grey eine politische Detente zwischen beiden Ländern herbeiführen und durch seine Politik in Zentraleuropa den Glauben wiederherstellen, daß seine Ententen nicht eines Tages gegen uns miß- braucht werden könnten"), dann erst sei der Boden für eine etwaige Besprechung derEinschränkung von 'oeerüftunflen geebnet"). Vorher nicht.

Herr Lloyd George, der an der Flottendiskus- sivn lebhaften Anteil nahm, entgegnete, eine Ver­langsamung des Tempos in unserem Flottenbau") würde »ur sofortigen Beruhigung der Gemüter mehr beitragen, als irgendeine politische Aktion dies vermöge. Wir mürben^ hier das weitgehendste Ent­gegenkommen zur Schaffung einer gemein­samen 'Safts für di e beiderseitige Einschränkung des Flottenbaues fin­den"'). Die Einführung des Dreadnought-Typs fei ein großer Fehler von englischer Seite gewesen. Die Regierung würde hier jede mögliche Garan- t i e") geben, daß kein neuer Typus einaesührt") werden solle, wenn wir zu einer Verständigung ge­langen könnten .... Eine Haager Konferenz fei nicht der geeignete Weg"), um zu einer Einschrän- fuuq der Ausgaben für die Flotte zu gelangen. Wenn es, wie er dringend hoffe, je dazu kommen solle, so dürfe dies auch nicht auf amtlichem Wege, etwa durch einen Notenwechsel, versucht wer­den. Nichtamtliche, vertrauliche Besprechungen, die gar nicht in die Öffentlichkeit bringen dürften, wür­den, wenn eine Verständigung zwischen England und uns auf diesem Gebiete überhaupt möglich sei, eher zum gewünschten Ziele führen").

Sir Edward Grey stimmte seinem Kollegen bei.

Ich gab Herrn Lloyd George darin recht, daß weder eine Haager Konferenz, noch weniger eine amtliche Anregung durch eine Note-") der Englischen an die Deutsche Regierung die Frage der Vermin­derung der Flottenausgaben lösen werde"), be­zeichnete ein amtliches Vorczehen") in dieser Rich­tung sogar als unter Umständen sehr bedenklich") und schwerwiegend und gefährlich, ließ mich im übrigen aber nicht von dem sicheren Boden abbrin­gen, den ich durch meine Forderung einnahm: zu­erst eine Politik der Beruhigung, dann können wir von der Flotte reden").

Euerer Durchlaucht ist es bekannt, daß die Englische Regierung seit langem den Wunsch hegt, über die Floltenausgaben mit. uns zu einem Abkommen zu gelangen"). Dor und während der zweiten Haager Konferenz wurde ein verfehlter Anlauf in dieser Richtung genommen. Wenn ich richtig unterrichtet bin, so ist bei uns auch schon die Befürchtung heroorgelreten, die Englische Re­gierung möchte, allein oder mit anderen, an uns den förmlichen Antrag richten, unser Flotlenpro- gramm einzuschränken, und daß hieraus eine f o -

Gießener Stadttheater.

Vco Lenz:Heimliche Brautfahrt".

Gastspiel des Bad-Nauheimer Kurtheaters.

Heber die Altenburger Urauffüh­rung dieses Stückes konnte der Referent am 18. Oktober 1924 in einer ersten Berliner Zei­tung schreiben:

Dieses Stück wäre an sich vollkommen be­langlos. wenn es nicht durch seine Existenz aUein den Beweis lieferte, daß es zusammen mit an­deren seinesgleichen, die. aus demselben Geiste geboren, immer einmal hier und dort auftauchcn einer Schafsensströmung angehörl, die sich wohl auf der richtigen Ebene, doch nach der fal­schen Richtung hin bewegt.

Solche Spielereien im Rokokomilieu, mit Ver­kleidung. Intrige und schließlich fröhlicher Ent­wirrung ermangeln jeglichen Ethos (im Sinne der Emanation des als Ganzheit lebendigen Or­ganismus). jeglicher Tendenz (im Sinne eines künstlichen, fei es moralischen, sei es sozialen Extraktes). Das Richtvorhandensein der beiden Komplexe bedingt zweifellos eine gewisse Leere. Der G o t i k e r wird jenes, der es fehlt hier ein zusammenfafsender Ausdruck für die sich lotlaufende Entwicklunaslinte Schiller - Hebbel- Hauptmann wird diese vermissen. Der Freund eines guten SPieltheaters im Sinne der Marionettenbühne wird jedoch feine Freude daran haben, ilnb deshalb darf hier ruhig stehen, daß man einen Abend lang unterhalt­sames Theater gesehen hat.

Inhalt? Fragt man beim Kasperle­theater danach?

Qualität der Aufsührung? Macht Komödie-Spielen" den Komödianten nicht selbst das meiste Vergnügen?"

Von der gestrigen Vorstellung im Gießener Sladtthealer ist kaum anderes zu berichten. Bleibt

lediglich die Pflicht zu registrieren, daß Karl V o l ck als Spielleiter einen wesentlichen Anteil des Erfolges sich gutschreiben darf, desgleichen vor allem Susanne H e n m als Lotte und El­friede Basedow als Eharlotte-Helene. Kurt Joachim Baum lebte, litt und liebte als Fürst Eberhard, Rudolf Goll gelangte mit Grazie zumHofrat".

Das reizende Stück wurde beifallsfreudig ausgenommen. Mir möchten es im nächsten Winter gern noch öfter sehen. es.

Zweiter Welckervortrag.

Professor Hepding: Das Gymnasium bon Pergamon.

Am Freitag sprach Llniversilätsprosessor Dr. Hepding über das Gymnasium von Pergamon. Die Ruinen dieses Fürstensitzes halten schon auf Weicker, der sie 1842 besuchte, einen so großen Eindruck gemacht, daß er diese Stätte in einer Denkschrift für König Maximi­lian II. von Bayern (1858) als besonders aus­sichtsvoll für archäologische und epigraphische Forschungen hervorhob. Die Ausführung seines Planes begann erst 1878 auf Betreiben des Ar­chitekten Karl Humann und des Archäologen Alexander Conze, der 1897 die Freilegung der ganzen Königsstadt forderte. An den 1900 be­ginnenden großzügigen Grabungen, deren Kosten das Deutsche Reich trug, ist neben Wil­helm Dörpfeld auch Professor Hepding hervorragend beteiligt gewesen. Der Weltkrieg bereitete ihnen zunächst ein Ende, doch ist jetzt ihre Fortführung und Vollendung in Aussicht genommen.

Der bedeutendste Gegenstand dieser Gra­bungen war das Gymnasium, eine groß­artige Anlage der hellenistischen Zeil, die in drei Terrassen auf dem Burgberg aufsteigt, auf

Schach-Ecke.

Bearbeitet von W Orbach

Problem Nr. I«.

Don Frau W. 3. Daird in London.

Schwarz:

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Weiß:

tos) G3

e____n

a b c d

Matt in drei Zügen.

Weiß: 7 Steine. Kdl, Dg6, Sa4, Sc2, Bd2, Be5, Bll.

Schwarz: 3 Steine. Kd5, Bb4, Bd7.

Endspiel Nr. S.

Weiß zieht und gewinnt. Weih: 3 Steine. Ke4, Ba4, Bg4 Schwarz: 2 Steine. Kf6, Lg7.

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Weiß:

Don H. Otten. Schwarz: b c <1 e"~ *

fertige Kriegsgesah r") entstehen mürbe. Nach meiner Ueberzeugung liegt es der hiesigen Regierung vollkommen fern, uns durch eine Art von Ultimatum vor die Frage des Nachgebens oder des Krieges zu stellen. Sie Hal keineswegs die Ab­sicht, an uns eine drohende Frage zu richten. Sie wünscht vielmehr, späteren kriegerischen Möglich­keiten durch einen Vergleich beizeiten vorzubeu- gen. Wenn ich jemandem einen Wunsch abschlage, jo brauche ich mich deshalb noch nicht gleich mit ihm zu raufen . . . Diese Erwägung tritt erst dann ein, wenn ich sehe, daß der andere Miene macht, seinen Wunsch von mir zu erzwingen.

P. Metternich.

Randbemerkungen Kaiser Wilhelms II.:

') Ja.

z) Reichslande.

"*) gut gesagt.

') richtig!

) Falsch! Infolge englischer Uebergroßmachls- gelüfte und Gespensterseherei.

) Ist nicht beschleunigt.

7) gibt keine! Unsere ist begrenzt durch Gesetz!

s) Siehe Nauticus. Sie haben schon die drei­fache!

) eine solche anmaßende spräche Hal England auch in den Tagen schärfster Spannung mit Ruß­land über Afghanistan niemals geführt! Es hat sich niemals unterstanden, von Rußland zu verlangen.

1. »4-15, LIS 2. Kd5, Lh6 3. gi-t-. Lg5: auf Kg5: geht natürlich der a-Bauer ungehindert zur Dame. ! Kt l, LIU 5. Kf3 und Bauer a5 geht zur Dame. Sehr hübsch!

Lösung VeS Problems Rr. 15.

1. Dd2, Kd5. 2. Dg2+4.

1......Kb6 2. (B+4-.

1.......15. 2. d5-r +

1......d5. 2. Dhö-H-.

Ans der 5rfjnd)ivrlt.

Internationales Turnier zu Morienbad.

Als Sieger in dem jetzt beendeten Internatio­nalen Schachturnier zu Marionbad gingen hervor Riemzowitsch und Rubinstein mit je 11 Punkten, da ersterer in der letzten au spielenden Partie nur Remis erreichte und Rubinstein feine Partie gegen IateS gewann: b?n 3. und 4 Preis teilen Marshall und Torre.

IubiläumSlurnter ,yi Darmstadt um die Meisterschaft von Hessen.

In der ersten Runde, welche am 14 ge­spielt wurde, gewann Orbach feine Partie ge­gen Gutkewilsch im 23. Zuge bur ch ein elegantes Damenopfer: die Partien Dr. Adam gegen Bleutgen. Dr. Wolff gegen Sixt und Flauder gegdn Orth wurden in besserer Stellung sür die Erstgenannten abgebrochen. In der zweiten Runde gewann Orbach ein Damengambit ge­gen Flauder im 36. Zuge durch Zugzwang, die Partie Dr. Adam gegen Dr. Wolf) wurde in RemissieNung. die Partien Orth gegen Sixt und Dleutgen gegen Gutkewilsch in besserer Stel­lung für die Erstgenannten abgebrochen.

Alle für die Redaktion bestimmten Mittei­lungen, Lösungen ufto. sind zu richten an die Schachredaktion des »Gießener Anzeigers".

Die Narrenkappe.

Splitter und Sparren Dom RedaktionSttsch Richt zuständig.

-Das Bier is wie a Wasser sagt so a Bazi, der wo do nia a Wasser sauft!"

Dersehll.

Haben die Pulver, die ich Ihrem Mann ver­schrieb. beruhigend gewirkt?"

Irn Gegenteil! 'n Mordskrach Hal er ge­macht. weil die Schachtel drei Mark kostete!"

Im Gegenteil.

Ihr verdammten Bengels, bei Euch muß doch jedes Spiel mit einer Keilerei enden I

3m Gegenteil - wir zanken ja, was wir spielen wollen!"

Im Eifer.

Die QRänner sind inferiore Geschöpfe. An uns Frauen ist es. zu zeigen, daß wir ihnen ebenbürtig sind."

es solle seine Truppen von der Grenze zurückziehen oder die Nachschübe zur Verstärkung der Garnison einstellen.

,0) Haben sie schon permanent getan.

") Wird England gegenüber nie mächtig sein und noch weniger eine Gefahr, als schon die über­mächtige Flöte für uns ist.

") richtig.

") sehr gut.

") Falsch! Darüber reden wir überhaupt gar nicht. Wir werden uns niemals vorschreiben lassen, wie unsere Rüstung beschaffen fein soll.

") Wir haben fein schnelles Tempo! Und haben auch keine heimlichen Dreadnoughts für andere Staaten im Bau, die dann von England angekauft werden oder als Panzerkreuzer frisiert plötzlich sich als Linienschiffe entpuppen.

'«) Diese ganze unerhörte Zumutung sollte der Englische Minister mal erst an Roosevelt stellen, (Hemenceau ober Japan stellen! Die Antworten würden erheiternd ausfallen' Warum nur an uns9 Weil man glaubt, daß meine Diplomatie die Hosen voll hat und sich durch Kriegsgeschrei imponieren läßt.

") Brauchen wir nicht!

'") Ist uns ganz einerlei.

"*) nein.

Das wäre eine Kriegserklärung!

') das würden wir als Kriegserklärung auf­fassen.

dessen Höhe der jedem gebildeten Besucher Ber­lins bekannte Zeusaltar mit dem Gigantenkamps lag, derTeufelsstuhl" der Offenbarung Jo­hannis (2,13), der im späteren Altertum als ein Weltwunder galt. Das Gymnasium von Pergamon war aus Trachyt erbaut; die Mächtig­keit der Anlage, nicht die Marmorpracht, war das Aeberwältigende an diesem Bauwerke. Vor­zügliche Lichtbilder, von der Sonne des Südens geschaffen, veranschaulichten die Einzelheiten, aus die hier nicht eingegangen werden kann; die Rekonstruktion des Schweizer Architekten und Gießener Ehrendoktors Paul Schazmann gab eine anschauliche Vorstellung des Ganzen. Die Steine gewannen Sprache und verkündeten das Leben, das hier einst herrschte: Die Ausbildung erlesener Jünglinge in allen Leibesübungen und in fricgerifd>en Fertigkeiten und in der Musik, die Fackelläufe und andere Wettkämpfe, die Sportfeste, alles gefördert vorn Staat und von hochherzigen Stiftern.

So zeigte der Vortrag eindrucksvoll und erhebend, wie Weickers großes Vermächtnis von deutschen Forschem erfüllt wird. Unter ihrem Spaten erwacht das griechische Wesen aus zwei- tausendjährigem Schlaf, und alle seine großen Werke sind herrlich wie am ersten Tag. sch.

Die Tagung des Bundcsausschusses des VnhnenvolksbundeS in Münster in Westfalen.

Vom 2. bis 4. Juni tagte in Münster i. W. der Rcichsausfchuh des Dühnenvolksbundes. Die erste Sitzung sand am Rachmittag des 2. 3uni statt und war der Behandlung wichtiger Theater- und Volksbildungsfragen im nordwestdeutschen Bezirk des Bündes und darüber hinaus deS ganzen Reichsgebietes gewidmet. Die Probleme des Wandertheaters, das für die Versorgung der thealerlvsen Städte Rordweftfalens und des

Emslandes mit guter dramatischer Kunst so wich­tig ist. wurden eingehend besprochen. Als wichtige Faktoren in der Volksbildungsarbeit wurden das Heimatspiel auf der Freilichtbühne und das Puppentheater hingestellt. Die Debatte über das Heimatspiel gestaltete sich lehr anregend durch Ausführungen des Dichters Friedrich L i e n h a r d t. der an der Sitzung teilnahm. Der erste Sihungstag wurde abgeschlossen durch einen Festabend in der Stadthalle, den die Münsterische Theatergemeinde zu Ehren der aus­wärtigen Gäste gab. Bei dieser Gelegenheit sprachen Oberregierungsrat Dr. TiburtiuS. Berlin. Generaldirektor Ger st, Berlin, und Theaterdireltor Dr. Rausse, Regensburg, über die Idee und das Arbeitsprogramm des Bühnen- Volksbundes.

Die beiden folgenden Tage waren vormittag- ausgefüllt mit geschäftlichen Sitzungen des Direk­toriums unj dis Bandesausschusses. Rachmittags fanben sich die Freunde des Bundes im Theater zu Ausiprachekreisen zusammen. 3ntendant $r. Riedecken-Gebhard sprach über den Tanz im neuen Bühnenspiel uT1> stellte den Tanz als unbedingt notwendiges Ausdrucksmittel auf der modernen Bühne hin, nicht nur in der Oper, auch im Schauspiel. Der zweite AuSsprachekreiS galt der Musikpflege in der Fugendbewegung. Hier zeigte Generalmusikdirektor S ch u 1 z . Dorn­burg, ben Weg, um zu einer natürlichen, von aller lehrhaften Pedanterie befreiten Kunst- und besonders Musikpflege zu gelangen. Auch hier wurde die 3dee des Tänzerischen wieder stark betont, denn als Ausgangspunkt der Musiker­ziehung bezeichnete Schulz, Dornburg. daS ur­sprüngliche Ge'ühl für Rhythmus, für Bewegung. Die Berliner Singschar der Reudeutschen um­rahmte das Referat Schulz, Dornburg durch Dottrag einiger Lieder

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