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nicht dankbar cmpjunben Hal. us ist daher nicht zu verwundern, daß die einfache und erhebende Feier, die aus diesem Anlasse im Saale des Hotel Trapp stattsand, einen überaus starken Besuch auf­wies. Namens der Stadt sprach Bürgermeister Dr. Seyd warme Worte des Dankes und der An­erkennung, namens des Bürgerhospitals der leitende Arzt Dr. Rompf und namens der Aerztcschaft Medizinalrat Dr. Nebel. Stadtpfarrer Ritter gab in seiner Ansprache einen Ueberblick über die Geschichte der hiesigen Station und gab in kurzen Zahlen einen Beweis für die überaus große Tätig­keit der Schwestern. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß auf jede der drei Stadtschwestern im letzten Jahre 1500 Besuche und 120 Nachtwachen kommen, eine Leistung, die fast übermenschlich ist, und eine Vermehrung der Zahl der Schwestern unbedingt nötig macht. Pfarrer Hickel» der Leiter der Darm­städter Diakonissenanstalt, gab in seiner Ansprache interessante Aufschlüsse über das Entstehen und die Entwicklung dieser Anstalt. Das Schlußwort sprach Stadtpfarerr lic. Gengnagel. Die Mitwirkung des Evana. Kirchengesangoereins, Gesangsvorträge von Frl. Schünemann und Violinoorträge von cand. theol. Schmidt gaben der schönen und würdigen Feier einen passenden Rahmen. Seit einiger Zeit besteht hier eine Jugendherberge in einem zu diesem Zwecke vom Hochbauamt zur Verfügung gestellten Raum der alten Wache um Burgtor. Mit großer Mühe ist es den Vorständen der hiesigen Jugendoereine gelungen, den ziemlich dürftigen Raum einigermaßen auszugestalten und zwölf Betten aufzustelleo. Aber keinesfalls kann die letzt bestehende Herberge als genügend betrachtet werden, da oft größere Gruppen in dem von jugend­lichen Wanderern stets gern besuchten Friedberg Einkehr hallen und deshalb oft zurückgewiesen wer­den müßen. Vor allem wäre es nötig, durch zwei getrennte Räume auch für die weibliche Jugend zu sorgen. Es hat sich deshalb ein aus Mitgliedern aller Bünde bestehender Ausschuß gebildet, der es fick) zur Ehrenpflicht gemacht hat, diesen längst gehegten Wunsch zur Ausführung zu bringen. Diesem Aus­schüße gehören u. a. an Pfarrer lic. Gersten- mayer, Oberregierungsrat Hoos, Dr. med. Balser, Bankbeamter Kegel, Lehrer Stumpf und Zeichenlehrer Siegler. Man hofft, daß die Stadt und Bürgerschaft für diese Sache das nötige Verständnis zeigen werden, außerdem ist geplant, im Frühjahr hier eine Herbergswerbewoche abzuhalten, zu der die Jugendgruppen sämtlicher Bunde in Hetzen und Hessen-Nassau eingeladen werden.

£2 Nieder-Florstadt, 15. Dez. Bei der Viehzählung am 1. Dezember hatte unsere Gemeinde: Pferde 100 (bei der vorigen Zählung 95), Rindvieh 456 (452), Schafe 2 (38), Schweine 706 (684), Ziegen 571 (563), Gänse 751 (728), Enten 106 (100), Hühner 3330 (3120), Kaninchen 109 (107), Bienenvölker 31 (32). In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde beschlossen, die zur Verbesierung der als Autohalle seither be­nutzten Hofreite aufgewendeten 1974 Mk. mit 1500 Mark von der Gemeinde Oberflorstadt zurückzu­fordern. Die Kleinrentner, die der Kreis nicht mehr unterstützt, werden von der Gemeinde übernommen. Auf Antrag wurden einer Frau für Ankauf von KartoMn 30 Mk. bewilligt, weil durch den Bau der Autohalle ihre Ernte auf einem Pachtstück vernichtet wurde. Um festzustellen, ob der Heizer nicht richtig heizt, wird die Bedienung der Dampf­heizung in der Neuen Schule auf Probe einem andern übergeben.

B Rodheim n. d. H., 15. Dez. Im überfüllten Saale des Gasthauses von Hayn am Bahnhof hielt der evangelische Frauenverein seinen sehr gut besuchten Weihnachtsfamilien- abend mit anschließender Verlosung der von den Mitgliedern gestifteten Gewinne ab. Die Vortrags- folge wurde ausschließlich von Dereinsmitgliedern bestritten und brachte in bunter Abwechslung Ge- dichtvorttäge und Deklamationen, ein biblisches Spiel und mehrere Weihr.achtsstücke. Die Ansprache hatte der Ortsgeistliche übernommen, der auch die Leitung des Abends hatte. Besondere Beachtung fand die Gesangsabteilung des Frauenvereins mit ihren Weihnachtschören, die unter Lehrer Alles als Dirigenten wirkungsvoll zum Dortrag kamen. Im Laufe des Abends überreichten die Sängerin­nen als Dankeszeick-en für seine Mühe dem Diri­genten eine größere Figur, die die Gestalt des segnenden Christus nach Thorwaldsen darstellt. Vier lebende Bilder aus der Weihnachtsfeier beschlossen das Programm, das bereits am Nachmittag schon der Rodheimer Jugend bei freiem Eintritt gezeigt worden war.

Pelzmärtel.

Ein Nürnberger Spielzeugroman.

Dach dem I alienischen der Teresah erzählt von Gustav W. Eberlein.

Copyright 1925 by QL Scherl G. m. b. H., Berlin.

17. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

So sagten sich die drei Störche, glücklich, Heimatluft zu atmen. Gin Dach? Wahrhaftig, ein richtiges Dach! Kaum erblickt^ flogen sie, ohne ö:e Einladung abzuwarten, hmauf, ließen sich auf dem Giebel nieder und zogen ein Dein in die Höhe. Ein Freudengeklapper ertönte. Darauf verfielen sie ohne weiteres in die storchen- übliche gelassene Haltung, die den Eindruck er­weckt, als hätten sie nur den einen Wunsch, zu schlafen: Das geht unS die Welt an! Sie waren ja so müde.

Die Türe öffnete sich und höflich grüßend, die Mühe in der Hand, erschien der große Einsiedler.

Wie ich sehe, haben eure Reittiere schon den Stall gefunden."

Er lachte über seinen Witz und zwinkerte mit den Augen. Ein leutseliger Alter, trug er eine lange graue Kutte und hatte eine Flöte umhängen. Wenn man ihn sah, begriff man ohne weiteres, warum er fein Höhlenhaus nicht größer gebaut hatte, er war nämlich, seinem Damen zum Trotz^ der kleinste, verhutzeltste und ver- schrumpNeste aller Greise. Auch daß er in voll­kommener Einsamkeit lebe, konnte man nicht be­haupten, denn außer der Aachteule hatte er noch eine Kröte, eine Fledermaus und einen gezähmten Leuchtkäfer als Hausgenossen.

Seid gegrüßt!" rief der Alte, als die kleine Reisegesellschaft, den Schnee von den Kleidern klopfend, vollzählig versammelt war.Ich er­wartete euch, habe schön warm gemacht und ein gutes Essen vorbereitet; denn ich weiß, daß unter euch gewisse kleine Leute sind, denen schon bange der Magen knurrt. So ist's dock), wie?"

Karl der Große warf Hans Sachs einen Blick tzu, Hans Sachs schaute Kimigunde an und alle

älreis Büdingen.

y. Bad-Salzhausen. 15. Dez. Hier sind seit einigen Wochen Bestrebungen im Gange, in unserer Gemarkung die Feldbereinigung durchzuführen. In den letzten Tagen wurde den Gutsbesitzern ein derartiger Antrag übermittelt. Manche haben den Antrag nicht unterzeichnet, weil sie erst noch nähere Grundsätze für das bevorstehende Unternehmen hören möchten. Denn hier liegen die Verhältnisse wesentlich anders als in den angrenzenden Gemarkungen Dorsdorf, Geis-Ridda, Ridda und Kohden, in denen die Bereinigung schon stattgefunden hat. Ein sehr großer Teil des Grundbesitzes in unserer Gemar" kung gehört dem Staat. Von hier kommen dann nur noch das Roth'sche Gut und zwei Privat­leute mit einem Besitz von 4 bis 5 Hektar in Betracht. Die übrigen Einwohner unseres Bade­ortes besitzen nur so viel Lind, als sie zum An­bau ihrer Gemüse und Küchengewächse brau­chen. Die Ausmärker, die in den oben genannten Gemeinden wohnen, überwiegen ganz bedeutend mit ihrem Besitz die Antragsteller von hier. Fer­ner ist zu bedenken, daß die Gemeinde Bad- Salzhausen außer dem Friedhof nicht einmal einen Hektar Land besitzt. Die Kosten^ werden demnach in der Hauptsache die Ausmärker zu tragen haben, denen dann aber auch die Gewiß­heit gegeben werden muß, daß ihre wertvollen Grundstücke in der Rähe der Brunnen und des Gradierwerkes oder innerhalb des von der Försterwohnung bis zum Geis- Viddaer Kops reid)enden schon teilweise bebauten Gebietes ihnen auch wieder allerdings in bereinigter Form zugeteilt werden. Mit einer Verlegung ihres Besitzes an die Gemar­kungsgrenzen, wie 'es schon öfters in anderen Gemarkungen vorgekommen ist, werden sie sich nicht einverstanden erklären.

)( Orten berg, 14. Dez. Im Mauergarten- faal sprach gestern abend Kapitän a. D. o. Sen- den in gutbesuchter Versammlung, die von Lehrer Roß begrüßt und geleitet wurde, überDie Er­lebnisse und den Werdegang eines Seemanns vom Schiffsjungen zum Kapitän". In schlichter, aber überaus fesselnder Weise gab der Redner in dem erften Teil des Abends einen Ueberblick über feinen eigenen Werdegang. Im zweiten Teil des Vortrags führten zahlreiche schöne und klare Lichtbilder die Zuschauer durch die ganze Welt.

Streik Schotten.

Eichelsdorf, 15. Dez. Der durch seine Arbeit vor vier Jahren in unserer Gemeinde bestens als volkstümlicher Redner eingeführte Volks- Missionar Walther aus Beuern hielt hier wiederum vom 10. bis 13. Dezember Evangeli­sationsvorträge. die eine von Abend ;u Abend wachsende Zuhörerschar fanden. An Hand seiner ThemenEs muß anders werden",Er­ziehungsratschläge",Mach' dich zum Sterben be­reit",Gedenke an deinen Schöpfer in deiner Ju­gend", ,Lanket nicht auf dem Wege",Wie willst du dich entscheiden?" verstand es der Redner ganz vorzüglich, die Jugend, die Eheleute und die Alten innerlich zu packen und aufzurütteln. Missionar Walther, das oberhessische Bauernkind, begabt mit feinem Gefühl für alles, was das Herz des Dorf» vewohners besonders bewegt, ist wie wenige be­rufen, dem Landvolk in unserer verworrenen Zeit ein religiöser Erwecker zu sein. Die Schuljugend, der immer und immer wieder unsere verlorenen Kolonien als unbedingt erstrebenswertes Ziel vor Augen gestellt werden müßen, wußte er ganz präch­tige Bilder aus Kamerun darzubieten. In unserem Filialdorf Ober-Schmitten hiell Missionar Walther die gleichen Vorträge.

-8- Herchenhain, 14. Dez. Heute fand end­lich die Bestätigung des neuen Bürger- m e i ft e r s , Ernst Linker, durch den Kreisdirek­tor, Geheimrat B ö ck m a n n , statt. Damit schließt ein Stück Herchenhainer Dorfgeschichte, das für die Beteiligten nicht gerade erfreulich war. Nack) zwei­maliger Wahl, die immer mit großer Mehrheit für Linker ausging, wurde die letztere vom Kreisaus- schuß für gültig erklärt. Dagegen wurde beim Pro­vinzialausschuß Widerspruch erhoben. Die Sitzung war schon auf vergangenen Samstag anberaumt. In letzter Stunde 3 Tage vorher nahmen die Reklamanten ihre Beschwerde zurück, so daß das Urteil des Kreisausschusses rechtskräftig wurde. Darauf erfolgte nun die Bestätigung des neuen Ortsoberhauptes.

(b. Aus dem Vogelsberg, 15. Dez. Nach­dem die erste Kältewelle dieses Winters

drei seihen auf Krachauf, der zu zittern und mit den Zähnen zu klappern begann.

Krr krr! Ära fra! schluchzte er. Ich kann nichts dafür, der Wind ist daran schuld, der Wind..."

Hör' doch mit dem Zähneknirschen auf! Du wirst dir sonst deinen Zopf zerbrechen und hier ist kein Pelzmärtel, um ihn zu leimen sagte mit gütiger Schelmerei der Greis.Erzähle lieber der Reihe nach, damit ich aus der Geschichte klug werde."

Aber dem Munde des unglücklichen Krachauf entrang sich nur ein zerknirschtes und konfuses Kra-kra! nach dem anderen, so daß Kunigunde einspringen mußte. Der Einsiedler hörte ihr aufmerksam zu und schüttelte ernst den Kopf.

Ein^es Abenteuer! Eine Ruh in den Bergen zu finden, das ist wie eine bestimmte Muschel aus dem Meer holen, dazu braucht es einen Mann, der sicher ist, siebentausend Jahre alt zu werden."

Und wo wäre dieser Mann zu finden?" fragte Kunigunde harmlos, schämte sich aber so­gleich ihrer Einfalt und war arg froh, daß der Rürnberger Trichter es nicht gehört hatte.

.Immerhin", begann der Alte wieder, wollen wir nicht verzweifeln. Eine Ruh bleibt immer eine Ruh und kann nicht aus der Welt verschwinden. Irgendwo wird sie fein."

Ein magerer Trost, dachten die drei Führer der kleinen Gesellschaft. Um sich aber nichts merken zu lassen, denn sie hatten einen großen Re.pekt vor dem Alten, stellten sie jetzt ihre Ge­fährten vor und bei jedem entfuhr dem Ein­siedler ein Oh! der Freude und Bewunderung. Oh, diese schönen Soldaten! Oh, die zierlichen Mari net en! Oh, was für ein lieber Dackel, ein Pudel, cm Windhund! Er bekam selten Besuch in seiner Höhle.

Da hat sich ja eine ganz treffliche Kumpanei zusammengefunden," lobte er und ein sonniges Lächeln huschte über feine Züge. Wenn wir wollen, können wir sogar Theater spielen. Ich keime viele lustige Stücke, und da es einen langen Winter geben wird und wir das Haus nicht verlassen können ..."

hinter uns liegt, lassen sich die F r o st s ch ä d e n dieser Tage einigermaßen überschauen. Die erste Frostnacht, die ganz überraschend tarn, brachte viele Wasserleitungen zum Einfrieren, die z. T. heute noch nicht benutzt werden können. Durch un­sachgemäßes Auftauen sind viele Rohre zum Platzen gebracht worden. In vielen Kellern, be­sonders in älteren Fachwerkhäusern mit leichtem Unterbau, sind die an den Wänden lagernden Kartoffeln und Dickwurz erfroren. Die nickst durch Baumschützer oder Stroh umhüllten stärkeren Obstbäumchen wurden bereits von den Hasen benagt. Die Winterfrucht, die unter der dicken Schneedecke geschützt lag, hat nicht ge­litten. Die mildere Witterung der letzten Tage hat ober die an sonnigen Abhängen liegenden Aecker ihrer Schutzdecke beraubt, und bei wieder stärker eintretendem Frost ist die hier wachsende Saat ge­fährdet. Die Verluste, die der W i l b b e ft a n b er­litten hat, ebenso die durchSchneebruch" ent­standenen Beschädigungen jüngerer Fichtenschonun­gen lassen sich noch nicht feststellen, da der in den Wäldern ziemlich hoch liegende Schnee jede ge­nauere Beobachtung unmöglich macht. Gar nicht sel­ten sind auch dieFälle", daß Menschen auf den von Schnee entblößten vereisten Straßen zu Fall kamen und mehr oder minder schwere Verletzungen und Quetschungen bavontrugen.

Kreis Alsfeld.

I. Alsfeld, 15. Dez. Der Verband der hessischen land w. Genossenschaften und die Landwirtschaftliche Zentralgenos­senschaft hatten die Verwaltungsorgane der im Kreise Alsfeld bestehenden Genossenschaften, soweit sie das Warengeschäft betreiben, zu einer Bezirksbesprechung nach hier in das Gasthaus Mainzer Hof" eingeladen. Die Versammlung war überaus stark besucht. Bürgermeister Schröder- Elbenrod leitete die Sitzung. Direktor B e r g» Darmstadt gab in längeren Ausführungen einen Ueberblick über die wirtschaftliche Krise. Er gab den Genossenschaften Hinweise, wie sie sich in dem Ge­fahrenzustand zu verhalten haben, damit sie diese Krise, die für die Landwirtschaft die schwerste seit hundert Jahren sei, und deren Ende nicht voraus­gesagt werden könne, überwinden. Der Grundgedanke seiner Rede war der Mahnruf: Zurück zur Einfach­heit, Einschränkungen sich auferlegen, wo es nur irgend möglich ist! Auch die Zentralgenossenschaft habe sich zu einem Abbau der Lager entschließen müssen. Die in den Kriegs- und Nachkriegsjahren um sich gegriffene Dezentralisation müsse heute wieder einer straffen Zentralisation weichen. Die Hauptaufgabe der Genossenschaften sei, sich gesund zu erhalten! Sodann hielt Direktor Straßbur­ger- Darmstadt eine beachtenswerte Rede. Er warnte die Landwirte, zu größeren alten Schulden noch neue hinzuzufügen, und wies besonders auf die schwerwiegenden folgen hin, die das Eingehen von Wechselverbindlichkeiten nach sich ziehen könne. Im Vordergrund des Interesses stand die von der Zentralgenofsenschaft für den 1. Januar 1926 vor­gesehene Schließung des Alsfelder Korn- Hauses. Direktor Berg erstattete eingehend Be­richt über die Gründe und Erwägungen, die zu dieser einschneidenden Maßnahme geführt haben. In der Deoatte ging ein Sturm der Entrüstung durch die Versammlung über den Beschluß der Zentralgenos­senschaft, das schon vor dem Kriege gegründete Alsfelder Kornhaus jetzt eingehen zu (affen. Sämt­liche Redner gaben ihrer Meinung dahin Ausdruck, daß das Lager in Alsfeld unter keinen Umständen geschloffen werden dürfe. Es fei eine moralische Pflicht der Zentralgenosienschaft, daß sie diesen Be­schluß wieder rückgängig mache. Direktor Berg er­klärte sich außerstande, irgendwelche Versprechungen in dieser Angelegenheit zu machen. Zuletzt gab der Revisionsbeamte, Eidmann - Lauterbach, den Ver­waltungsmitgliedern der Genoffenschaft bekannt, wie sie sich in der Aufwertungsfrage zu verhalten haben.

Kreis Lauterbach.

hml. Lauterbach, 15. Dez. Der hiesige Kriegerverein kann auf 50 Jahre seines Bestehens zurückblicken. Kameradschaft und Vaterlandsliebe wurden in diesen langen Jahren stets gepflegt und geübt. Seine Mitglieder setzten sich aus allen Kreifen der Bürgerschaft zusammen, und wenn es galt, den nationalen Gedanken in die Tat umzusetzen, da stand der Kriegerverein ip unserer Stadt allezeit an der Spitze. Aus eine reiche Vereinsgeschichte kann der Verein blicken und stolz darauf fein. Von seiner Gründung an lag die Lei­tung des Vereins in den Händen bewährter Män­ner, die in dem öffentlichen Leben unserer Stadt

eine führende Stellung einnahmen. Die 50. Jubi­läumsfeier war von dem jetzigen rührigen und verdienstvollen Vorsitzenden Obersteuersekretär L ö - ch e l und dem Vorstande aufs beste vorbereitet worden. Das zeigte sich fdjon bei der Vorfeier am Samstagabend in der schön geschmückten und von Festteilnehmern vollbesetzten Spieß-Turnhalle. Den musikalischen Teil hatte der hiesige Musikverein übernommen, der unter der verständnisvollen Lei­tung Mei st er Rönicks ganz Vorzügliches lei­stete. Dasselbe darf von den Gesangsoorträgen des Männergesangoereins Liederkranz, den Darbietungen Der Männer- und der Damen­riege des hiesigen Turnvereins und den Dar­stellern in den AufführungenUnd neues Leben blüht aus den Ruinen^ undDeutsch das Herz und deutsch der Vater Rhein" gesagt werden. Ein mit großem Beifall aufgenommener, zur Feier gedichte­ter Vorspruch unseres früheren Oberpostmeisters K. Schirrmann eröffnete die Feier, worauf der 1.Vorsitzende, Obersteuersekretär Löchel, die Gäste, unter denen sich der Präsident der Krieger- tameradschaft .Hassia", Ober ft J6 chliephake , sowie die Vertreter der Behörden"'und Vereine unserer Stadt befanden, aufs herzlichste begrüßte und in begeisterten und beredten Worten von der Aufgabe und dem Ziele des Vereins sprach. Der schöne Verlauf dieser Vorfeier ließ auf ein gutes Gelingen der eigentlichen Festfeier am Sonntag schließen. Zum Festgottesdienst hatte sich der Verein und eine große Gemeinde in der Stadt­kirche versammelt. Zusammen mit dem Musikverein wirkte der Kirchengesangverein unter Lehrer Kalb- f I e i f d) 3 vortrefflicher Leitung mit. Die Predigt hielt Dekan Schlösser über den 46. Psalm. Einen überwältigenden Eindruck machte am Schlüsse des Gottesdienstes das unter Musik- und Orgelbegleitung von dem Kirchengesangverein und dem Kinderchor vorgetragene Niederländische Dank- gebet. Im Anschluß an den Gottesdienst marschierte der Verein zu einer Gedächtnisfeier für die verstorbenen Kameraden nach dem Friedhöfe. Nach einer Ansprache von Dekan Schlösser legte Cberfteuerfefretär Löchel zu ehrendem Gedächt­nis der Verstorbenen einen Kranz am Krieger­denkmal nieder. Mit dem LiedeIch hott' einen Kameraden" schloß die ernste und würdige Feier. Ein gemeinsames Mittagessen in der Turnhalle vereinte am Mittag die Kameraden und ihre Gäste. Bei der Feier am Nachmittag tarnen nach Begrüßungsworten des 1. Vorsitzenden und der Ansprache von Pfarrverwalter Kn eil die Ver­treter der verschiedenen Behörden und Vereine zu Wort, die alle dem Kriegeroerein zu seinem gol­denen Jubiläum ihre Glückwünsche aussprachen. Auch eine Reihe von Auszeichnungen wurden dlirch den Vorsitzenden derHassia" bekanntgegeben. Der Verein selbst ehrte die noch lebenden sechs Mit- gründer des Vereins dadurch, daß sie zu Ehren­mitgliedern ernannt wurden. Ein geselliges Beisammensein vereinte am Abend noch die Fest­teilnehmer. Es war ein wohlgelungenes Fest, das der Kriegerverein Lauterbach bei der 50. Wiederkehr seines Gründungstages feiern konnte und das allen, die es mitfeierten, eine bleibende Erinnerung fein wird.

Starkenburg.

" Darmstadt. 15. D^. Zu dem Explv- fiondunglüd in Schönbe r g bei Bensheim (wo der Deirzinbehälter eines Autos explodierte) ist noch zu melden, bah 14 Personen Brand­wunden erlitten. Der 15 Jahre alte Sohn des Maurermeisters Wienbold ist feinen CB er - leöungen erlegen. Ein anderer Junge hat das Augenlicht verloren. Mehrere Personen schweben noch in Lebensgefahr.

WSR. Groß-Gerau, 15. Dez. In der ©emarfung von Krumstadt tour^ bei Aus­schachtungsarbeiten das Skelett eines mäch­tigen hirschartigen Tieres mit einem Geweih von etwa 1,85 Meter Länge gefunden. Sachverständige des Darmstädter Musiums stell­ten fest, daß das Tier vor ungefähr 7 000 '^Jahren gelebt haben dürfte. Der Fund wurde oem Darmstädter Museum über­wiesen.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

O Lützellinden, 15. Dez. Bei einem in dem kleineren Teile der hiesigen Feldmark abgehaltenen Kesseltreiben auf Hafen wurden 50 Hasen und eine Wildente erlegt

Erschrocken blickten sich seine Gäste an. Wie?" stammelte Kunigunde.

Ich meine, sagte ge.ajen der Einsiedler, daß ihr euch vor dem Morgengrauen nicht wieder auf den Weg machen könnt und bis der Morgen graut, wird der Schnee den Eingang zur Höhle verweht haben, dann sind wir im Fels begraben. Hört ihr den Schneesturm draußen?"

Born Dach herab klapperten die Störche Zustimmung, sie ffcürten es bis in die Zehen­spitzen, wie der Ciswind über die Kämme strich.

Dann sind wir verloren", stöhnte Kuni­gunde, die Hände aufs Herz gedrückt, bereit, in Ohnmacht zu fallen.

Im Gegenteil", jubelte Hans Sachs, der blitzartig alles begriffen hatte: Warum die Ruh herabfallen mußte, warum es zum Streit kommen mußte zwischen Karl dem Großen und Krachauf und damit zum Erscheinen der Rachteule. Pelz- märlel und kein anderer halte diese Zwischenfälle künstlich herbeigesuhrt, um die Störche zu veran­lassen, an der von ihm vorgesehenen Stelle niederzugehen, bevor sie der Schneesturm über­raschte.

Wir sind gerettet, wiederholte Hans Sachs, und können getrost das Tauwetter abwarten I"

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Niemand verstand sich besser aufs Geschichten­erzählen, auf Schnurren und Schwänke als Hans Sachs. Schon zu feinen Lebzeiten machte ihm das den größten Spaß und nachdem er gestorben und von seinen Mitbürgern feierlich auf dem Iohannes- friedhof beigeseht worden war, wer hockte in einem Winkel des Zimmers und horchte zu, wenn an den langen Winterabenden die Mütter und Großmüt.er vor dem warmen Ofen seltsame Ge­schichten und Märchen in große Kinderaugen hin- einerzählten? Hans Sachs. Er konnte es nicht unterlassen, wenigstens als Geist in seinen lieben Rürnberger Stuben zu verkehren. Jetzt, wo er wieder lebte, wenn auch nicht gerade in Fleisch und Blut, so doch in Holz und Tuch, Pappe und Lack, wo er wieder eine Seele hatte wie jener Hans Sachs von damals, kann man sich vorstellen, mit welcher Lust er aufs neue zu fabulieren an- fing, seine alten und doch immer schönen Ge­schichten, Schnurren und Schwänke wieder auf­

griff. Ich kann es ihm nicht verdenken. Er wußte sehr wohl, daß in den alten Geschichten, die nur erfunden zu fein scheinen, um die Leute in Verwunderung zu sehen, viel Wahres ent­halten ist. Cs gibt ja nichts Wunderbares, bas nicht bewiesen werden könnte, nur fehlt manchmal die Gelegenheit dazu, und wer sich rühmt, an die wunderbaren Geschichten nicht zu glauben, ift mehr bedauernswert als schlau. Denn dann muh er entweder blind oder taub sein oder nie etwas erlebt haben. Fragt nur einmal Schneewittchen, ob es ein Zwergenhaus gibt oder nicht! Oder Rotkäppchen, ob der Wolf nicht die gleiche Stimme hat wie die Großmutter! Oder Schnee­weißchen und Rosenrot, ob sie niemals einem Ungeheuer begegnet find, das sich, als es von einem tapferen Mädchen auf die S.irne geküßt wurde, in einen wunderschönen Königssohn ver­wandelte!

And der große Einsiedler war, wie Hans Sachs sofort erkannte, kein anderer als der ge­heimnisvolle Rattenfänger von Hameln, der bann später so übel verleumdete Flötenspieler.

Hier muh ich gestehen, daß ich an den Schluß der Geschichte nie so recht geglaubt habe: denn ich kann mir nicht vorstellen, wie ein Mensch, der so zauberhaft schön die Flöte zu blasen ver­steht, eine so schwarze Seele in sich tragen soll, wie man sie ihm zuschreibt. Ich denke mir viel­mehr, der geheimnisvolle Fremde werde nach dem ihm widerfahrenen Anrecht die Stadt auf dem­selben Wege, den er gekommen war, verlassen und sich dabei seinen Schmerz über die Andankbarkeit der Menschen von der Seele gespielt haben. And diese gramvolle, aber nachsichtige Weise ver­führte wohl die ihm nachlaufenden Kinder. In ihren unschuldigen Herzen mußte das Gefühl übermächtig werden, ein Mann, der die Rieder­trächtigkeit der Menschen nur mit einem unend­lich rührenden Flötenspiel vergelte, könne nichts anderes sein als ein guter Zauberer. And so ver­zaubert folgten sie ihm nach. Wer weiß, in welches glückliche Land er sie führte.

So dachte auch Hans Sachs und sprach deir Einsiedler kurz entschlossen daraufhin an. Deor huschte ein Lächeln über das verwitterte Gesicht-

(Fortsetzung folgt.)

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