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letzten Tagen weiter zurüügegangen, |ü daß Feng strategisch nur noch die Möglichkeit bleibt, vor den Toren Pekings eine Entscheidung herbeizuführen. Wie eine führende chinesische Zeitung in Schanghai wissen will, sollen zwischen Fengyusiang und Sowjetrußland ein Abkommen getroffen worden fein zur Erbauung von zwei Eisenbahnen in der äußeren Mongolei. Ferner über die Or­ganisation einer Sowjetregierung in Nordwestchina, bei der 60 russische militärische Nnterweiser aus Moskau mithelfen sollen. Sowjet- rutzland verspricht einen finanziellen 3 u schuß, wofür es das Recht erhalt, weiterhin Pro- paganda zu betreiben. Die wichtigste dieser Ab­machungen besteht nach Ansicht der Zeitung darin, daß im Falle eines Krieges zwischen Sowjetruß­land und einer anderen Macht ein Drittel der mili­tärischen Kräfte Nordwestchinas, die unter der Kon­trolle von Fengyusiang stehen werden, Rußland zugute kommen soll, während, falls China von irgendeiner imperialistischen Macht angegriffen werden sollte, Rußland zunächst 50 000 Mann zur Unterstützung nach China entsenden wird. In diesen Abmachungen sollen noch bestimmte Klauseln ent­halten sein, die sich auf England und insbesondere auf Japan beziehen.

Rücktritt Loucheurs.

Der Konflikt mit der Kammer wegen der Stenervorlaste.

Paris, 15. Dez. (WTB.) Finanzminister Loucheur hatte vom Kabinettrat den Auftrag erhal­ten, sich mit dem Vorsitzenden und dem Bericht­er'^ itter des Finanzausschusses der Kammer in Ver­bindung zu setzen, um festzustellen, ob die Möglich­keit besteht, nachdem die Steuergesetze und das Ge­setz über die Gründung einer Amortisierungskasse der Reaieruna zurückgegeben wurden, eine Einigung auf anderer Grundlage zu erzie­len. Loucheur hat heute .nachmittag erklärt, er sei geneigt, in Gemeinschaft mit dem Finansaussch'"- neue Gesetzentwürfe auszuarbeiten. Im Verlaufe der Sitzung erklärte Loucheur, die Regierung bestehe daraus, daß die zum Ausgleich des Budgets not­wendigen Steuern so rasch wie möglich verabschie­det werden. Andererseits sei die Regierung aber auch bereit, an den Ausgaben Abstriche vorzu- nehmen, so beim Heeres- und Marinebudget, wo­durch das anfänglich auf 5,6 Milliarden geschätzte Defezit merklich herabgesetzt werden könnte. Die Kommission hat alsdann über diese Erklärungen Loucheurs beraten. Es herrschten zwei Strömungen. Die von B o k a n o w s k i zum Ausdruck debrachte Auffassung ging dahin, daß die Kommission sich an ihre gestrige Entscheidung halte und die Regierungs- gesetzentwurfe an die Regierung zurückgehen lassen müsse, während die andere Auffassuna, die der sozialistische Abg. Leon Blum mit Unter­stützung einiger radikaler Abgeordneter vertrat, da­hin ging, der Finansausschuß müsse seinerseits die Initiative ergreifen und Gegen­vorschläge einbringen.

hieraus hat die Jiuanzkommtfflou nach längerer Debatte ihre gestrige Entscheidung bestätigt und beschlossen, lediglich die Finanzgeseßentwürfe Loucheur» zu prüfen, die sie als Diskussions- basis bereits gestern anerkannt hatte, nämlich ! den Gesetzentwurf über die Kapitalflucht und über die Bekämpfung der Steuerhinterziehung.

! Die Rücküberweisung der Steuervorlage an die Regierung bleibt also bestehen. Rach der Ab­stimmung begab sich eine Abordnung zum Mi­nisterpräsidenten, um ihm den Beschluß mltzu- k teilen. Sie wies darauf hin, daß die Entschei­dung lediglich gegen Loucheur gerichtet fei ? und daß Driand weiter das volle Vertrauen der K'mmissivn besitze. Auch die Kammerkommission für auswärtige Angelegenheiten entsandte eine Abordnung zum Ministerpräsidenten, um ihm ihr volles Vertrauen auszusprechen. Darauf wurde Loucheur von Driand gebeten, eine Entscheidung zu treffen. Loucheur teilte Driand mit, daß er fein 21 m t niederlege. Die Demission Lou­cheurs wurde vom Präsidenten der Republik an­genommen.

Mittwoch vormittag treten d e Minister unter dem Vorsitz Driands zu einem Kabinettsrat zu­sammen, um die durch die Demission Loucheurs geschaffene Lage zu besprechen. Wie Havas be­richtet. soll Driand geneigt sein, Senator Paul Do um er, den Vorsitzenden des Finanzaus­schusses des Senats, zum Rachsolger Loucheurs zu berufen. SefcenfalLd hatte Driand mit ihm gestern abend eine lange Unterredung. Havas 'hält es für möglich, daß die Ernennung Dou- mers noch heute vormittag erfolgt.Petit Parisien" berichtet, daß Doumer bereits grund- sätzlich a'genommen habe. Doumer hatte übr g^ns in dm nach der Konferenz von Cannes zurück- Cgetretenen Kabinett Driand ebenfalls den Posten des Finanzministers inne.

Die Veamtenbesoldung.

Deutscher Reichstag.

D e r 1 i n, 15. Dez. Der Reichstag hat heute nachmittag die Weiterber..tung der Anträge über die Ausbesserung der Dezüge der Reichsbeamten fortgesetzt.

Dbg. Groh (Z.) bedauert die Haltung der Regierung in der Besoldungsfrage. Dm Beam­ten feien schon seit langer Zeit regierungsseitig immer wieder Versprechungen ge­macht worden. Wenn man ihnen nichts geben wollte, hatte man nicht solche Hoffnungen wet­ten dürfen, die umso bitterer enttäuscht sind. Für das von der Regierung im Ausschuß ausgespro­chene Unannehmbar fehlte jede sachliche Begrün» düng. Der Redner verteidigt dann den Ausschuß und sagt gegenüber dem Vorwurf des Abg. M o r a t h. der Antrag sei unsozial, das gelte eher für den Antrag Morath, der den Beamten der hohen Gehaltsgruppen 135 Mark, den un­teren cber nur 23 Mk. bringe.

Abg. Steintopf (S.) wendet sich gegen die gestrigen Ausführungen des 2Ibg. Morath. Es sei unwahr, daß der frühere Reichskanzler Dauer beit Empfang einer Deamtendeputatioa abgelehnt habe. Der Redner bekämpft den Antrag Moraths und tritt für den Ausfchußantrag ein.

Abg. Lucke (Wirtsch. Verein.) betonte, die schwere Rotlage der Beamten bür re nicht zum Werkzeug parteipolitischer Agitation gemacht werden. Als Gegenstück der früheren Inflation sei jetzi eine erschreckende Verarmung des deutschen Volkes eingetreten. Mit der vorgeschlagencn Weihnacht^ b ih-.lfe werde zwar nicht die Rot der Beamten behoben, aber wenig­stens etwas Freude den Deamteirfamilim ge­schenkt. Es wäre ein Anrecht, wenn man die Be­soldungsgruppen 7 bis 12 ganz unberücksichtigt lassen würde.

Adg. Dauer ,Bahr. Vp.) tritt für den Antrag feiner Fraktion ein, dem der Reichs­kanzler zugestimmt habe. Den Beamten, beson­ders den Verheirateten, müsse schnell geholfen werden. Darum habe es keinen Zweck, weiter- gefjenbe Anträge zu stellen, deren Durchführung am Widerstand der Regierung scheitern würde.

Abg. Dietrich (Völk.) bezeichnet die be­antragte Aufbesserung als lächerlich und ganz unzureichend. Die Beamtenschaft, die mit sol­chen Bettelpfennigen abgespeist werde, könne es nicht verstehen, wenn man auf der anderen Seite die Reichsmittel mit vollen Händen aus- gebe. Wenn die Minister sich freiwillig in Gruppe 4 versetzen ließen, dann würden sie mehr Verständnis für die Rot der Beamten haben.

Abg. Siebt (Komm.) kritisiert die Ver­sorgung derKr leger Hinterbliebenen, die ganz unzureichend fei.

Reichskanzler Dr. Luther.

Die geschäftsführende Regierung muß noch einmal aussprechen, daß es ihr unmöglich ist, einen Beschluß durchzuführen, der eine Dauerregelung vorsieht und damit auch die kommende Regierung bindcn würde. Anderer­seits hat die Reichsregierung den dringenden Wunsch, daß für die Beamtenschaft mindestens in ihren notleidendsten unteren Gruppen etwas Positives im Rahmen unserer be­schränkten finanziellen Möglich­keiten geschieht. Die Regierung ist auch damit einverstanden, daß in dem Antrag der Bayri­schen Dolkspartei das Frauengeld von 5 auf 10 Mk. erhöht wird. Dieser Antrag bildet eine soziale Regelung, bei der die Mittel dahin fließen, wo sie am meisten gebraucht werden.

Der Antrag des Hauptausschusses sieht dagegen eine Dauerregelung vor. Er wurde auch der Neu­regelung v o r'g r e i f e n , die in der Weise ge­plant ist, daß die Zahl der Besoldungsgruppen ver­mehrt werden soll. (Unruhe und Zurufe links.) Diese Neuregelung soll gerade für die Beamten der un­teren Gruppen gerechtere Verhältnisse schaffen. Es wäre gewiß zu begrüßen, wenn wir oie Beihilfe auch den über sechs hinausaehenden Besoldungs­gruppen gewähren könnten. Angesichts unserer Fi­nanznot müssen wir uns aber bei solchen Notstands­maßnahmen auf d en engsten Rahmen, in diesem Fall auf die Gruppen beschränken, in denen die Not am größten ist. Die Länder und Ge­meinden wären zu einer Ausdehnung auf wei­tere Gruppen nicht in der Lage. Von der preußi­schen Staatsregierung ist heute die Auskunft einge­gangen, sie sei nicht in der Lage, aus eigenen Kräf­ten den Beamten von Grurme 7 aufwärts eine Auf­besserung zu gewähren. Unter diesen Umständen kann auch die Reichsregierung dem Antrag Morath nicht zuftimmen. Eine Erschütterung unserer Finan­zen würde die Beamten am meisten schädigen. (Lärm und Zurufe bei den Kommunisten: Sie haben noch nie etwas für die Beamten getan.) Das ist eine unerhörte Beschimpfung, die ich entschieden Aurudmeiie. Ich bin bei jeder Gelegenheit für die Beamten eingetreten. (Beifall rechts, Pfuirufe bei den Kommunisten.) Damit ist die allgemeine Aus­sprache beendet. Zu dem Antrag des Haushaltsaus- fr-- liegt ein Antrag Fricks (Völk.) vor, der die Regierung ersucht, unverzüglich eine neue auf der Grundlage eines ausreichenden Existenzmini- mum- aufgebaute Defoldungsordnung vor- zuleaen.

Der Antrag wird im Hammelsprung mit 209 gegen loo Stimmen bei einer Stimmenthaltung angenommen.

Eine längere Geschäftsordnungsdebatte ent­wickelte sich bann über die Frage, ob zuerst über den Antrag des Haushaltsausfchusfes ober über den her Bayerischen Volks- Partei abzuftimmen ist. Die Mehrheit ent- scheibet sich dafür, daß zuerst der Antrag der Bayerischen Vollst ar!ei zur Abstimmung kommt.

Daraus erklärt Abg. S t e i n k o p f (Soz.) nunmehr müßten seine politischen Freunde zu ihrem Bedauern für den Antrag der Bayerischen Volkspartei stimmen, um überhaupt etwas für die Beamten zu retten.

Rach der Annahme eines Aenderungs- antrages wird der Antrag der Bayerischen Volks- Partei mit großer Mehrheit in der Form an­genommen, daß

als einmalige Weihnachtöbeihilfe gezahlt werden soll: den Beamten, Wartegelds- und Ruhegehal sempfängern, Beamtenhinterbliebenen und Angestellten der Gruppen 1 bis 4 ein Viertel, den Beamten usw. der Gruppen 5 und 6 ein Fünftel des Dezembergehalts, wenigstens aber den Ledigen 30 Mark, den Empfängern eines Frauenzuschlags 40 Mark, den Empfängern von Kinderzuschlägen außerdem 5 Mark, den Voll- toai'en insgesamt 10 Mark, den Kriegsbeschädig­ten unb Kriegshinterbliebenen ein Viertel der Dezemberbe üge.

Die weitergehenden Anträge sind damit er­ledigt. Angenommen wird weiter eine Ent­schließung der Demokraten, daß die Reichs- ba h n g e f e l l s ch a f t die den Ausgewiesenen gewährten Darlehen zum vollen Betrage nie­derschlagen möge. Weiter wird ein sozial- demokrattscher Antrag angenomm n auf Vor­legung einer Denkschrift mit e'.nw erschöpfenden Lieber,icht über b(e zur Zeit laufenden Pen­sionen und Wartegelder sämtlicher Reichskanzler, Reichsministcr, Staatssekretäre und Generäle aller ©ra?e a. D. und im einstweiligen Ruhestand. Schließlich gelangt noch ein Antrag der Deutschnationalen zur Annahme, der schleu­nigst einen Gesehcn.wurf zur Regelung der Ministerpenfionsverhältniffe ver­langt. ,

Aus der Tagesordnung folgt dann der Ge­setzentwurf zur Entlastung des Reichs­gerichts. Er besagt nach den Ausschußanträ­gen, daß die Revision bis zum 31. 12. 1926 nicht gestützt werden kann auf eine Verletzung der Vorschriften über das richterliche Frage- recht und die Beweiswürdigung. Die Revisions- beschränlung in Ehescheidungssachen hat der Aus­schuß aus der Vorlage gestrichen. Die Vorlage wird in unveränderter Ausschuhfassung in zwei­ter und dritter Lesung endgültig an benommen, ebenso eine Rovelle $ur Strafprozeß­ordnung wonach bei llebertret.ngen und Privatklagesachen das Gericht den Umfang bet Beweisaufnahme bestimmt. Debattelos wird weiter der Gesetzentwurf über die Gebühren der Zeugen und Sachverständig, n angenommen.

Mittwoch: Die Senkung der Lohnsteuer.

Die evangelische Bl?cho?ssrage ver agt.

Berlin. 15. Dez. (.) Der heutigen letz­ten Sitzung der Generalsynode lag ein Gesetz­entwurf beS Versasf ungsausschus - es vor, der

dem Generalsuperintendenlen die Amtsbezeich­nung evangelischer Bischof beilegt. Ein Gegen­antrag beauftragt den Kirchensenat, der näch­sten Tagung der Generalsynode eine Vor­lage über die anderweitige Amtsbezeichnung der geistlichen Vizepräsidenten des evangelischen Oberkirchen-Rates. der Generalfuperintcntzenten und Superintendenten zu machen. Der Antrag wurde mit 131 gegen 73 Stimmen angenom- m e n. Damit ist der gestrige Beschluß in erster Lesung hinfällig geworden und die endgültige Entscheidung der ganzen Frage bis zur nächsten Tagung der Generalsynode, die voraussichtlich im Herbst 1926 ftattfinöen wird, vertagt.

Hessischer Landtag.

D a r m Jt a b t, 15. Dezember. Präsident Ade­lung eröffnet die Sitzung um 10.30 Uhr. Es wer­den zunächst zwei Kleine Anfragen erledigt. Eine Anfrage der Abg. Dr. Keller und Birnbaum bezieht sich auf einen Gehaltsabzug von 5 Prozent vom Gehalt bei Unterbeamten für Brennstoff - Versorgung. Der Regierungsantwort ist zu entnehmen, daß jetzt die unentgeltliche Belieferung von Brennstoffen eingestellt ist und dafür eine Ent­schädigung gewährt wird.

Hierauf wird in die Tagesordnung eingetreten. Ein Antrag der Abg. Dr. v. Helmolt und Ge­nossen über die Aufrechnung des voraus- bezahlten 4. Ziels der Vermögens­steuer im Notgebiet für die Vermö­genssteuer 1925 wird vom Ausschuß durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt. Das Haus tritt diesem Beschlüsse bei. Auch ein Antrag der Abg. Dr. Werner und Genossen wegen einer Kriegsgewinn- und Inflationssteuer wird dem Aus- fchußantrag gemäß erledigt. Abg. Glaser (Hess. Landbund) gibt dazu im Namen seiner Partei eine Erklärung ab, daß eine solche Steuer nicht zu einer allgemeinen Besitzsteuer auswachsen dürfe.

Ein Antrag der Abg. D i n g e l d e y und Ge- nosson über die Einstellung von Versor­gungsanwärtern im Volksstaat Hessen und ein gleicher Antrag des Abg. Reiber ist von der Regierung in entgegenkommendem Sinn beantwor­tet worden. Die Reichsvorschriften sollen beachtei und ein Stellenverzeichnis veröffentlicht werden usw. Der Ausschuß beantragt, die Anträge durch die Negierungsontwort für erledigt zu erklären. Diesen Beschlüssen stimmt das Haus zu.

Es folgt eine Reihe von Anträgen, die sich auf Verkehrsverhältnisse der Reichsbahn beziehen. (Es sind dies Anträge der Abg. Dr. Wer- ner, Böhm und Weckler.) Auch hier wird den Aus­schußanträgen zugestimmt.

Ein'Antrag des Abg. Angermeier über eine Beitragsbefreiung zur Landwirtschaftskam­mer für Kleinbauern wird vom Haufe gegen die Stimmen der Kommunisten abgelehnt.

Zu einem Antrag der Abg. Dr. Werner und Genossen über Handwerker- und Mittelstandsfragen (Organisation des Handwerks-Verdingungswesens und steuerliche Gerechtigkeit) beantragt der Aus­schuß, den Antrag für erledigt zu erklären.

Abg. Dr. Büchner (Dem.) gibt eine Erklärung gegen den Abg. D' ngeldey ab, dieser habe zu seiner Bemerkung über das Handwerk.in der Sit- Sung vor einigen Tugen gerufen:Das Handwerk oll also versinken!" Das fei eine demagogische Ver- »rehung seiner Bemerkung. Er habe seine Ausfüh­rungen nicht bloß auf das Handwerk bezogen, forn hem auf das allgemeine Wirtschaftsleben, auch auf die Industrie. Weiter wendet sich der Abgeordnete gegen den Abg. Dr. Leuchtgens, der abends in einer Versammlung ganz anders geredet, wie er vormit­tags abgestimmt habe.

Abg. Din gelbey (D.V.) erklärt u.a.: Wenn Abg. Dr. Büchner nach dem Wortlaut und nach dem Sinn seiner Ausführungen nicht gefegt haben will, daß das Handwerk versinken soll, so ist fcstzu- stellen, daß der Wortlaut nur so verstanden werden konnte und hier im Hause s o v e r st a n d e n wor­den ist. (Zustimmung.) Wenn Worte überhaupt einen Sinn haben, so kann man ihnen doch nur diesen Sinn unterlegen. Der Redner nimmt von der Erklärung des Abg. Dr. Büchner K'nntnis, ver­wahrt sich aber nachdrücklich gegen den Vorwurf der Verdrehung; die Schuld liege bei dem Abg. Dr. Büchner, wenn er seine Gedanken so formuliere.

Abg. Dr. Ceufhtgens (Hess. Landbund) wen­det sich gegen die Behauptung des Abg. Dr. Büch­ner, daß er in einer Versammlung anders gesprochen als er abgestimmt habe. Die Aeußerungen des Abg. Dr. Büchner über das Handwerk wären nur fo aufzusassen gewesen, wie sie auch von einem großen Teil des Hauses aufgesaßt wurden.

Es entspinnt sich hierauf eine längere Debatte zwischen Abgeordneten der Rechten und der Linken des Hauses, in deren Verlauf dis Abg. Werner und G a l m ebenfalls darauf Hinweisen, daß die Aeußerungen Dr. Büchners nur in dem handwerker- feindlichen Sinn aufzufassen gewesen seien.

Die dem Hause vorliegenden Anträge über die Wohnungsnot werden zusammen beraten (An­trag Blank und Antrag Werner). Es wird zum Antrag Blank beschlossen, die hessische Regierung soll bei der Reichsregierung vorstellig werden, daß von den noch zur Ve-fügung stehenden 9 Millionen Mark für Wohnungsbau ein den hessischen Anteil übersteigender Prozentsatz zur Verfüaimg gestellt wird. Der Antrag Werner wird für erledigt erklärt.

Zu einem Antrag der Abg. Weckler und Blank (Zentrum) über Befreiung land­wirtschaftlicher Saisonarbeiter von der Beitragsleistung zu der Erwerbslosen­fürsorge erklären in der Debatte die Abgeord­neten Schott (D. Vp.) und Dr. Müller (Hess. Landbund), daß sie dem Antrag Weckler zustim­men. Ada. Anqermeier (Komm.) wird, weil er einem Abgeordneten des Landbundes das Wort ..Oberfaulenzer" zuruft, zur Drbnu n g gerufen. Abg. Eberle (Dem.) tritt dem Antrag Weckler entgegen. Abg. Felder (Zentr.) spricht gegen den Antrag seiner eigenen Fraktionskolleaen im Namen der Christlichen Landarbeiter. Abg. Kindt (Dntl.) weist darauf hin, daß es sich um Saisonarbeiter handelt, .die gar nicht die Absicht hätten, während des ganzen Jahres in der Landwirtschaft tätig zu sein. A"ßerdem wären e« vielfach ausländische' Ar­beiter. Abg. Weckler (Zentr.) hält den Abgeord­neten der Linken entgegen, daß auch die Klein­bauern ein Interesse an her Annahme seines An­trages haben. Abg. Dr. Werner (Dntl.) gibt dis Erklärung ab, daß seine Partei dem Antrag Weck­ler zustimme.

Nach weiterer Debatte werden die Verhandlun­gen um 130 Uhr abgebrochen. Nächste Sitzung Mittwoch 9 Uhr.

Neueila renilcheNnverschamIhe^l

München, 15. Dez. (Wolff.) Rach Rei­bungen aus Bozen wurde dort das Verbot erlassen, Weihnachtsfeiern in der bisheri­

gen Weise vorzunehmen und einen geschmü rf- ten Tannenbaum aufzustellen, da diese Art Feiern den Italienern unbekannt ist. Heber das.Verbot herrscht in Südtirol begreif­liche Aufregung, so daß es möglich erscheint, die­ses Verbot über Rom suspendieren zu lassen.

Meine poetische Nachrichten.

Eine Tagung der für das Wohnungs­wesen zuständigen Minister der Länder er­örterte Maßnahmen zur Förderung der Bau­tätigkeit im Jahre 1926, insbesondere die Frage der Finanz'erung derReubauten und derVerbilli- gung der Bauausführung. Ein einheitliches Vor­gehen bei der Gewährung öffentlicher Mittel für Bauzwecke wurde als dringend erwünscht bezeichnet. Die durch das Finanzausgleichsgesetz den Ländern auferlegte Verpflichtung, 15 bis 20 Prozent der Friedensmiete für Bauzwecke zur Verfügung zu stellen, müsse voll ein ge­halten werden.

Der Völkerbundsrat hat die Vorschläge über die Einsetzung einer technischen Kommission zur Vorbereitung einer Weltwirtschaftskon­ferenz angenommen. Der Kommission toeiben nur Sachverständige angehören, während ein Ko­mitee aus Vertretern der dem Rat angehörenden Staaten die Arbeiten der Kommission überwa­chen wird. Auch Vertreter, der Industrie, des Handels und der Landwirtschaft sollen heran­gezogen werden, ferner Forstwirtschaftler, Arbei­tervertreter und Konsumentenvertreter. Die wich­tigste Aufgabe der Sachverständigen wird in der Feststellung bestehen, wieweit nationale wirt­schaftliche Mißstände ihrer Ursprung im interna­tionalen Wirtschaftsleben haben.

Besprechungen zwischen dem schwedischen Außenminister älnden und dem tschechoslowaki­schen Außenminister Denesch haben zum Ab­schluß eines Schiedsvertrages geführt. Der VertraAstext stützt sich im wesentlichen auf die Grundsätze in den Locarnoverträgen.

Das estnische Parlament wählte mit 45 gegen 33 Stimmen das neue Kabinett, in dem Jan. T e e m a n t (Dauernvereinigung) Minister des Auswärtigen ist. Teemant, Präsident der estni­schen Anwaltsvereinigung, war Vorsitzender des estnischen Rationalkongresies von 1905. Er wurde vom russischen Kriegsgericht zum Tode verurteilt, wanderte aus, während der Hof seines Vaters durch eine Strasexpedition niedergebrannt wurde. Teemant wurde 1918 estnischer ©enerälftaate» anwalt.

Aus aller Wett.

Schwere Kohrenoxydgasvergiftingc».

Infolge Einströmens von Kohlenoxydgas er­krankten im Erziehunyshaufe Evangeli­sches Magdalenen st «ft in Deutsch-Lissa bei Breslau neun weibliche Zöglinge. Die berbeigerufenen Aerzte vermochten nur vier Zög­linge zu retten, während fünf nicht mehr ins Leben zurückge rufen werden konnten. Die amtlichen Feststellungen haben ergeben, daß für den Unfall niemand von den Erzieherinnen verantwort­lich gemacht werden kann, und daß er auf einen gänzlich unvorhergesehenen Zufall technischer Art zurückgeführt werden muß. Als Todesursache ist zweifelsfrei das Einatmen von Kohlenoxydbas fest- gestellt worden, das dem Füllofen entströmt sein muß. Die überlebenden Zöglinge haben nach Wie­dererlangung des Bewußtseins übereinstimmend an­gegeben, daß sie nichts bemerkt und nicht die ge­ringste Uebelfett verspürt haben, sondern ruhig ein- geschlafen sind.

In K ö l n sind zwei in der Nacht in die Haft­zellen des ersten Polizeireviers wegen vollstäy- diger Trunkenheit zu ihrer eigenen Sicherheit einge­lieferte Männer am Morgen totln den Zellen ausgefunden worden. Nach gerichtärztlicher Feststellung ist der Tod durch Einatmung von Kohlenoxydgas herbeigesührt worden . An dem zum Heizen der Zellen benutzten Ofen hatte sich das Rohr g e l ö st. Ob dieser Zustand durch eine Handlung eines der zu Tode Gekommenen herbeigesührt wurde, oder ob Fahrlässigkeit der Behörde vorliegt, wird die sofort eingeleitete Unter­suchung ergeben.

Wegen der großen Kälte hatte in Eilsen bei Rheine eine Familie einen ei fernen Kochtopf mit glühenden Kohlen in das Wohnzimmer gestellt. Am anderen Morgen fand man den Ehemann und einKind totin den Betten auf. Sie waren an Kohlenoxydgas erstickt. Der Zustand der Frau ist bedenklich.

Wildschweine durchschwimmen den Rhein.

Wie dieMarkgräfler Rachr.chten" berich­ten, durchquerten zwei große Wildschweine in unmittelbarer Rähe eines im Dienst befind­lichen Zollbeamten bei Kleinkoms den Rhein. Rach einem vergeblichen Versuch, gegen den Strom das andere Ufer zu erreichm, liehen sie sich etwa 50 Meter vom Ufer entfernt, treiben, bis sie an der K.esbank bei dem elsässischen Rheinwärterhäuschen festen Grund bekamen. Mit großer Geschwind'gkeit überquerten die beiden Tiere die Kiesbank und suchten über den Rhein­damm nach dem Hard-Walde zu das Weite.

Ein Giftmord?

In Marienrachdorf (älnterwesterwald- kreis) ist im Sommer d. 2s. unter Anzeichen von Vergiftung eine Frau Brach, geb. Wissen aus Bergen, gestorben. Die Ursache der Vergiftung konnte damals nicht aufgeklärt wer­den; man nahm sogar c n, daß die Frau in einem Anfall getftiger Umuachtun; Kleesalz ge­nommen habe. Jetzt wurde die Schwägerin der Ver iorbenen unter dem Verdachte des Gift­mordes verhaftet. Der Ehemann steht unter polizeilicher Bewachung.

c 11 c r ü v a i i *3 i n $ c.

Heiter bis wolkig, nördliche bis westtiche Winde, kalt, meist trocken.

Der Tiefdruckausläufer im Rorden ist nach dem nördlichen Skandinavien abgezogen, dagegen hat sich üaer Mitteleuropa von England her das Hochdruckgebiet stark ausgedehnt. Die beträcht­lichen Tempe'aturgegensätze über den britischen Inseln (plus 7 Grad und minus 5 Grad Celsius) dürsten allerdings zur Bildung eines neuen Tief­druck, arbels führen, der vorübergehend leichte Milderung unseres Frostwetters bewirken kann.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: minus 0,7 Grad, Minimum: minus 10 Grad Celsius. Riederschläg^ 1,4 Mm. Heutige Morgen- temperatur: minus 7,6 Grad Celsius.

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