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Gründen fest und tritt für i h re vierjährige Dauer als 'Tiegel auS pädagogischen Gründen ein. Sie verlangt aber als liberale Partei Be­rücksichtigung der Individualität des KinbeS und fordert deshalb für be­sonders beanlagte Schüler die Schaffung von Möglichfetten, das Ziel der Grundschule in drei Jahren zu erreichen."

Die grundsätzliche Stellungnahme zur Frage der Reform der Lehrerbildung wurde einer weiteren Tagung Vorbehalten.

Dank des Reichspräsidenten an Süddeutschland.

Berlin. 14. Roo. (WTB.) Der Reichs. Präsident hat den Landesregierungen von Württemberg. V aden und Hessen, sowie dem Oberbürgermeister von Frankfurt a. 21t. in herzlichst gehalwnen Handschreiben seinen wärmsten Hank für die freundliche Auf- nähme, die er überall bei oen Behörden und bei der Bevölkerung gefunden hat. ausgesprochen und gleichzeitig gebeten, der Bevölkerung in Stadl und Land den Ausdruck seiner Dankbarkeit für die ihm allenthalben dargebrochte Begrünung zu über­mitteln.

Finanzfragen im Preußischen Landtag.

Berlin. 14. Rov. Auf der Tagesordnung steht die 2. Beratung des Haushaltes des Fi­nanzministeriums. Mit der Besprechung ver- 1 bunden wird eine Reihe von Anträgen, insbeson­dere über Beamtenrecht und Beamtenbesoldung.

Abg. Dr. Kähler (Dn.) wirft die Frage auf, ob nicht den Ländern eine größere Selbstän­digkeit in der Behandlung der Deamtenfragen gegeben werden müsse. Die Finanzlage des Staates erheischt eine Hinauf sehung der Altersgrenze. Die Beseitigung des Alters- grenzengesehes würde viel Unmut beseitigen. Dor allem müsse sich der Grundsatz der Sparsamkeit wieder durchsetzen.

Abg. Grebe (Z.) will dem Finanzminister eine überragende Stellung einräumen. Es sei Pflicht der einzelnen Parteien, zusammenzuarbei­ten. Bei der Hinterbringung der verdrängten Be­amten müßten auch die anderen Länder Sorge tragen, da Preußen ja nicht allein den Krieg verloren habe.

Abg. Dr. Lese (D. Dp.): Der Betrag der Ausgaben für die Staats- und Ge- meindeverwa ltungen ist gegen 1913 trotz der Verkleinerung des Staatsuinfanges auf das zwei- bis dreifache gelegen. Hier ist eine Her­absetzung um jeden Preis dringend geboten. Der Beamte muh in seiner Dor- und Ausbildung angesichts der Steigerung seines Aufgaben- und Pflichtenkreises auf alle Weise gefördert werden. Hier wäre Sparsamkeit am unrechten Orte. Kommt der Locarnovertrag zustande, so muh mit größter Energie an die große Der- waltungsrefvrm gegangen und d i e Selbstverwaltung möglichst gestärkt werden.

Abg. Bartels (Dem.): Die Fürstenhäuser haben sich geradezu Mühe gegeben, sich mit ihren Ansprüchen an das zusammengebrochene Dolk die letzte Sympathie zu verscherzen. Diese Ausein­andersetzung kann als hochpolitische Frage nur Durch ein DeichSgesetz erledigt werden. (An­dauernde Llnruhe und Widerspruch rechts.) Dem Finanzminister danken wir für die Ent­schlossenheit. mit der er für Preußens Lebensfähigkeit gegenüber dem Reichsfinanz­minister eingetreten ist. Daß der Staat . Ankurbelungskredite für die Wirt- schäft Ijergege&en hat, ist begrüßenswert. Aber y sie müssen zurückgezahlt werden. Der Land­wirtschaft habe sie viel mehr genutzt, als der ganze . Zolltarif.

Abg. Müller- Franken (Wirt. Dec.): Wir wollen den Staat lebenskräftig und gestmd er­halten. Dazu bedarf es auch eines gesunden und lebenskräftigen Beamtenstandes. Auch der Staat soll nicht mehr Beamte haben, als er braucht. Don wirklicher Sparsamkeit bleiben wir weit entfernt.

Abg. Dr. v. Brehmer (Völk.): Für die " verdrängten Beamten müsse in der Weise gesorgt werden, daß sie tunlichst bald freie Stellen bekämen. Eine allgemeine Fürsorge sei nicht jeder­manns Sache.

Die Lage der Beamten in Hessen.

Darmstadt, 15. Nov. Der Landesbe­amtenausschuß der Deutschen Volks­port ei hat in einer stark besuchten Tagung in Darmstadt die folgende Entschließung einstimmig gefaßt:9m Hinblick auf die Ablehnung des Rsichsfinanzministeriums der von ihm mehrfach als notwendig bezeichneten Besoldungserhöhung der Beamten richten wir an die Fraktion der Dcut- / scheu Volksportei die eindringliche Bitte, mit größ­tem Nachdruck bei der Reichsregierung auf eine endlich angemessene Erhöhung der Bo­om tenbezüge hinwirken zu wollen. Ange­sichts der erschreckenden Notlage, des bitteren und schreienden Elends in den unteren Beamtenklassen, der verheerenden Verschuldung in den mittleren so­wie der fortschreitenden Verarmung und Verprole- tarisierung in den höheren Beamtenkreisen muß den von der Regierung im Reichstag gemachten Ver­sprechungen bald die Erfüllung folgen, soll nicht die Ehrenhaftigkeit, Leistungsfähigkeit und der Lebens­mut des gesamten Staatswesens untergraben wer­den." Die Mitglieder, des Landesbeamsen-Ausschus- ses bitten daher, daß die Fraktionen unter allen ständen zu ihren im Reichstag eingebrachten An­trägen steht und alles daran setzt, damit die große Notlage der Beamtenschaft mit ihren schädigenden Auswirkungen auf den gesamten gewerblichen Mit­telstand wenigstens einigermaßen gebessert werde.

Parlamentarisches aus Hessen.

Darmstadt, 15. Äob. Abg. Dr. Wer­ner und Genossen haben im Landtag folgende Anfrage eingebracht: Der Landtag hat seiner­zeit auf Deutschnationalen Antrag beschlossen, die Regierung aufzuforßern: 1. das längst verlangte und dringend notwendige Gutachten dec Juristi­schen Fakultät der Gießener Universität über das D e r h ä l t n i s von Staat und Kirche endlich zu beschaffen: 2. darauf hinzuwirken, daß Bsrttrter der Regierung und des Landtags in den Dorstand oder AussichtSrat von gemein­nützigen Bereinigungen und Körper­schaften eintreten, sofern letztere aus laufenden staatlichen Mitteln Beihilfe empfangen. Da die Beratungen des nächstjährigen Staatsvor- anschlags bald beginnen sollen, fragen wir an, was die Regierung in Drrfolg der bezeichneten Landtagsbeschlüsse getan hat?

Englisch-franzöfischeBeratungen über die arabische Gefahr.

Paris, 14. lltov. (TU.) Der neuernannte Ober­kommissar für Syrien, de Jouvenel, wird sich in der nächsten Woche nach London begeben, um mit Chamberlain und dem Kolonialstaats­sekretär Amery die Lage auf der arabischen Halbinsel zu besprechen. In britischen Regierungs­kreisen werden die Fortschritte der panarabischen Bewegung unter dem Eindruck der französischen Mißerfolge in Syrien mit großer Besorgnis ver­folgt. Man befürchtet ein Ueb ergreifen der Bewegung auf Transjordanien und Palä­stina. Nach feinem Aufenthalt in London wird de Jouvenel nach Beirut reifen.

Eine Regierung Feng in China.

Berlin, 16. Rov. Der Moskauer .ZRul berichtet aus Peking, daß General Feng, der sogen 'christliche" General, die neue Regierung gebildet hat. Das diploma­tische Korps habe darauf beschlossen, die von Feng gebildete Regierung nicht anzuerken-- nen. Feng habe sich an die Großmächte und die Sowjetunion mit einer Rote gewandt, worin erklärt werde, Laß dis neue Regierung eine Vereinigung der nationalen Kräfte Chinas sei. Dadurch werde er in die Lage versetzt, den Aus­ländern annehmbare Bedingungen für ihren Auf­enthalt in China zu garantieren. Weiter habe Feng versprochen, Ende dieses Jahres bas Parlament einzuberufen. Entgegen allen Er­wartungen habe die Sowjetregierung noch nicht die Regierung Feng anerkannt.

Kleine politische Nachrichten.

Für den zum Reichskommissar der besetzten Ge­biete ernannten Frhrn. v. Langwerth-Sim­mern ist der bisherige Gesandte in Budapest, Graf Welczek, zum deutschen Botschafter in M a d r i d ernannt.

Ein geheimes Konsistorium tritt am 14. Dezem­ber zusammen, in dem der Nuntius in Paris, C er­rett i, der Nuntius in Brasilien. Henrico G a - f p a r r i, der Erzbischof von Armagh, O r d o m e l, und der Sekretär der Ritenkongregation, Verde. au Kardinalen ernannt werden. In dem öffent­lichen Konsistorium am 17. Dezember werden die Erzbischöfe von Sevilla und Granada, die am 30. Marz 1925 zu Kardinalen ernannt worden wa­ren, sowie die anderen neuen Kardinale vom Papst den Kardinalshut empfangen.

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Der bisherige Chef des Generalstabes Ka­menew ist zum Generalinspektor der roten Armee ernannt worden. Der bisherige Befehlshaber des Militärdistriktes West, T u - chaschewski. übernimmt den Posten des Ge­neralstabschefs.

Infolge des Rücktritts der vier katholischen Minister hat sich das holländische Kabi­nett gezwungen gesehen, zu demissio­nieren.

Aus aller Welt.

Jubiläum des Berliner Haupltelegrapheuamtes.

Aus Anlaß deS 75jährigen Jubiläums des Berliner Telegraphenamts fand in der Hochschule für Musik ein Festakt statt, dessen Teilnehmer Den großen Saal der Hochschule bis auf den letzten Platz füllten. Dabei hielt ösr Amtsvorsteher des Haupttelegraphenamts, Oderpostbirektor Zeller, einen interessanten Dortrag. in dem er die Be­deutung des Berliner Hautzttelsgraphenarnts für die Telegraphie im Inlands darlegte, darüber hinaus aber zeigte, welchen hervorragenden Platz das Berliner Haupttelegvaphenamt in der inter­nationalen Telegraphie einuehme, deren Wege, wenn sie nicht künstlich abgeleitet werden, haupt­sächlich über Berlin führen Gr schloß mit Dem Gelöbnis, daß di« Beamtenschaft des Amtes zu- sammenioirken werde, um das Haupttslegraphen- amt der Entwicklung zuzuführen, die es bean­spruchen dürfe. Hierauf betrat der Staatssekretär des Reichspostministeriums. Dr. Sauter, das Podium, um die Glückwünsche desReichs- p o ft m i n i st e r i u m s und der Beamtenschaft Den Dank des Ministeriums für die treue und fruchtbare Pflichterfüllung auszusprechen. 2hm folgten der Präsident der Berliner OberposiDirek­tion Genhke, Der in einem kurzen Abriß die räumliche und örtliche Entwicklung des Berliner Haupttelegraphenamts darlegte. Stadtrat Wege überbrachte in Dertretung Des Oberbürgermeisters Boeh Die Glückwünsche der Stadt Berlin. Der Vizepräsident Der Industrie- und Handelskam­mer', Dr. G e l p ck e , dankte dem Haupttelc- graphenaml für dessen fruchtbare Zusammen­arbeit mit der Handelskammer. Vortreffliche Or- cheftermusik, ausgeführt von Angehörigen des Hauptttl'graphenamtes unter Leitung von Pro­fessor Dr. Grawert, sowie Mannerchöre des Ge­sangvereins Der Berliner Post- und Telegraphen­beamten, umrahmten die Festreden.

Zrrm Hau.

Karlsruhe. 14. Rov. (Wolff.) Zum Fall Hau wird amtlich befannt legeben: Mit Ent­schließung des Staatsministeriums vom 28. No­vember 1919 wurde der zum Tode verur­teilte und nachher zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigte Karl Hau zunächst auf Den 15. April 1925 endgültig begnadigt. Einem im Zähre 1924 neuerdings eingereichten Gnadengesuch um frühere Ent­lassung aus der Strafhaft entsprach das Staatsministerium in der Weise, daß es Hau. hinsichtlich des bis zum 15. April 1925 noch zu verbüßenden Teiles der Strafe bedingte Strafaussetzung mit Bewährungs­frist bis zum 1. August 1930 bewilligte. Dieser Gnadenerweis erging nicht unter der allgemeinen Voraussetzung einwandfreier Führung, sondern auch unter der ausführlichen Bedingung, daß er alle ehrenkränken de Angriffe ge­gen die von ihm Ermordete oder deren Ange­hörige, auch jeden Mißbrauch seiner Straftat, seiner Verurteilung oder Strafverbüßung zu Angriffen gegen die beteiligten Behörden oder zu Filmvorstellungen oder zu sensationel­len s ch r i f t st. e l l e r i s ch e n Darlegungen unterlasse. Rachdem Hau durch die D e r of­fen tlichung über seine Strafhaft und über das Verfahren in einer Berliner Tageszeitung und in Buchform dieser Bedingung offensichtlich zuwidergehandelt hatte, hat Da* Staats­ministerium den Strafurlaub auf Wohlverhalten

mit Entscheidung vom 27. Oktober widerru­fen. Wie dieB. Z. am Mittag" hierzu erfährt, steht Dr. Hau auf dem Standpunkt, daß er in keiner Weise die Bedingungen seiner damaligen vorzeitigen Entlassung verletzt hat, und daß es sich um einen Racheakt der Staats­anwaltschaft handelt. Er wird sich deshalb der Polizei nicht stellen, da nach seiner An­sicht er fein Recht auf Freiheit nicht verwirkt hat. Der Verteidiger. Karl Haus, Dr. Als­berg, der sich mit der Angelegenheit Der Wiederaufnahme des Verfahrens beschäf­tigte, hat gegen die Maßnahmen der badischen Justizverwaltung Protest erhoben und die­sen damit begründet, daß die Deröffentlichung Dr. Karl Haus übet seine Erlebnisse im Zucht­haus und feinen Prozeß in Der ,.B. Z. am Mit­tag" in keiner Weise den bei der Entlassung ihm auferlegten Bedingungen widersprechen.

Der Fassadenkletterer im Kaiserhof.

Berlin, 14. Rov. (Wolff.) Der Fassaden­kletterer, Dec int Hotel Kaiserhvf in dem Zimmer des Züricher Dersicherungsdirettors H o l t i n - g e r eingeDrungen war, hat, wie dieB. Z." be­richtet, den Einbruch verübt, als Holtinger sich im Badezimmer befand und Frau Holttn- ger allein im Hotelzimmer war. Holtinger erzählt u. <l: Als ich mich im Badezimmer über das Waschbecken bettgte, war es mir, als sähe ich einen Schatten an der Wand. Ich trat in das andere Zimmer zurück. 3n diesem Augen­blick sprang ein Mann vom Fensterbrett in daS hellerleuchtete Zimmer und hielt mir einen Rev olver vor die Brust Eine Sekunde stand ich verdutzt, dann packte ich den Eindring­ling tief unten am Körper, so daß der Revolver über mir war und preßte ihn mit aller Gewalt an mich. Ich fühlte, wie der Mann auf meinen Kops und mein Gesicht einhisb. Ich hob ihn hoch und trug i h n zum Fenster. Auf benv Fen­sterbrett schlug er noch immer auf mich los und traf mich mit dem Revolver ober einem Schlag­ring an Der Stirn, Da gab ich ihm einen Stoß und stürzte ihn hinaus Er trug übrigens ein Tuch vor der Rase und den Mund. Ich glaube, daß er in Strümpfen war. Der Fas- saDen-Kletterer ist einer Der berüchtigsten Fas- saden-Kletterer, der 30 Jahre alte Heizer Willi Kaßner, der erst vor einem Monat aus der Strafanstalt in Luckau entwichen war. Der EinDringling wurde so schwer verletzt, daß er kaum mit dem Leben davrnkommen Dürfte.

3um Falle Rosen.

Wie das WTD. hört, wurde versucht, Frau S t a n b t k e , die Tochter Der Wirtschafterin Reumann aus Dem Gefängnis in der Kletsch- kauerstrahe zu entführen. RachtS fuhren vor Dem Gefängnis zwei Autos mit Drei Männern vor, die behaupteten, Kriminalbeamte zu sein und vom Untersuchungsrichter beauftragt wor­den zu fein. Die Siändkr nach dem Llntersuchungs- gefangnis in Der Graupenstraße zu bringen. Die Gefängnisverwaltung erhielt auf telefonische An­frage an zuständiger Stelle den Bescheid, daß kein solcher Auftrag erteilt fei. Die Drei Män­ner entfernten sich inzwischen. Rachträglich stellte sich heraus, daß Der Anführer ein Gei­steskranker war, Der Darauf einer Rerven- anstalt zugcführt wurde. Die beiden Kraftwagen» fuhrer hatten keine Ahnung von Dem Schwindel.

Schnelles Ende des ersten deutschen Damen- Parlamcntv.

Wie wir kürzlich gemeldet haben, wurden bei Der Gemeinderatswahl in Hoppen st ädien (Birken­feld) sechs Frauen und drei Manner zu Gemeinderäten gewählt. Der neuge­wählte Gemeinderat konnte bisher noch keinen Bürgermeister bestimmen, da die männ­lichen Gemeinderäte die Uebernahme des Amtes a b- lehnten und die Frauen sich nicht auf eine ge­eignete Person einigen konnten.. In richtiger Er- kenntnis haben sie letzt ihre Remter nieder- gelegt. Da die übrigbleibenden drei männlichen Mitglieder keine rechtsgültigen Beschlüsse fassen können, kommt es jetzt wieder zu einer Neu­wahl. Wie verlautet, beabsichtigen die Männer von Hoppenstädten jetzt die nötigen Schlußfolgerungen zu ziehen.

Gießener Stadttheater.

L o Lenz: ,-Heimliche Brauifahrt".

Die deutsche Literatur der Gegenwart hat fein eigentliches Lustspiel hervorgebracht, mit einer ein­zigen Ausnahme: dieheimliche Braut- fahr t".

9e öfter man dieses reizende Stück sieht, um so lieber gewinnt man es. Denn es ist erfüllt von einem sonnigen Humor und einer blühenden Frische, Die jedesmal wieder in ihren Bann schlagen. Das geschieht so an Darstellern wie an Zuschauern.

lieber den Inhalt des Stückes, das an dieser Stelle schon einmal gewürdigt wurde, ist schon ge­sprochen. So bleibt heute nur Die Aufgabe, von Der in den Hauptrollen neubesetzten Ausführung zu sprechen.

Im Mittelpunkt des Stückes wie des Abends stand unbedingt Alix K r a h m e r als Fürstin Ehar- lotte-Heleno von Schonburg-Lichtenau. Nicht nur, daß sie ihre Nolle mit sprühendem Ucbermut und flotten Temperament durchdrang, vielmehr gestaltete sie auch vom Blut her die Figur mit einer instink­tive Sicherheit, die ihr zu einer unbedingten Ueberlegenheit verhalf. Quicklebendig, bis in die Zehenspitzen am Spiel beteiligt, führte sie so Den Nachweis ihrer Befähigung und Brauchbarkeit, und wir beglückwünschen unser Stadttheoter zu dieser Kraft, von Der wir glauben, daß sie ihm noch oft eine starke Stütze sein wird.

Fürst Eberhard, ihr Gegenspieler, war Willi Hanke. Ihm mangelte, besonders im Anfang, jenesje ne fais Zuoi", das Geburt und Er­ziehung den beiden Fürftenkindern gaben, und das bet Alix Krahmer so unendlich sein überall als Unterton mitschwang. Später, im zweiten Akt, wurde er freier und erwarb sich so gleichfalls fein Verdienst an Dem Abend.

Die Dritte Neubesetzung von Wichtigkeit war der König, den Friedrich Gesfers spielte. Sicher, abgeklärt und ruhig, ohne große Gesteit, war er die sympathische Figur, die der Autor wohl gesehen hat.

Die übrigen Ro'len standen noch vom Sommer her fest mit Ausnahme von Hans W e h r l s Leut­nant von Büna», der sich feiner Aufgabe mit Sicherheit und Takt entledigte. Susanne H e t) m ß Lotte: Ein sächsisches Originalmädel, Julius 'S a ft ä: ein glanzend karikierter Leibbarbier Trcupel. Karl V o l ck : wieder eine von seiner gut gesehenen Eha- rakterstudii'N, 9tuD. Goll: Der berrrufjinte Theater- Direktor Enterlein. Adolf Teleky: Hosschranze von Format, desgleichen Karl Juhnke als bie­derer Forftamtmann. Paul Gehre als Grenadier

Knefchke, Paul Schubert als Graf Brühl, Hans K u r z h o f f als Baptist und Hermann Stichel als Reitknecht füllten in kleinen Rollen ihren Platz gut aus.

Die Regie (Karl V o l ck) hatte einige reizende Einfälle, die Vorstellung lief glatt und erntete, oft bei offener Szene, den reichen Beifall des gutge­stimmten Hauses. Es war ein glücklicher Abend und wir mochten wünschen, daß unser Theater dieses reizende Stück noch öfter vor vollen Bänken geben möge. e-s.

Aus -er Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 16. November 1925.

Zur Beachtung.

Am Mittwoch, 18. November, erfcheiul bet Gießener Anzeiger" nicht. Infolge eines Aeber- einfommeuß mit unserer technischen Mitarbeiterschaft fällt der ihr tariflich zustehende achte Feiertag im Jahre bis auf weiteres auf den preußischen Butz, und Vettag.

vertag desGießener Anzeigers".

Bornotizen.

Tageskalender für Montag: Goethe-Bund 81 Uhr Kaufmänn. Vereinshaus, Tanzgastfpiel Irmgard Schütte-Bremen. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße: .Husarenfieber". Astorla-Lichtfpiele:Black, Der König Der Hengste".

** W i e eine Radierung entsteht, ist wohl noch wenigen bekannt. Herr G. Larsen aus Hamburg wird diesen Vorgang praktisch zeigen bei Gelegenheit eines Vortrages, Den der Künstler am Mittwochabend 8 Uhr im Vortraas- faal der Buchhandlung Keißner halten wird. (Nähe­res siehe Anzeige.)

Der Natur Heilverein zeigt für Diens­tag, 17. d. Mts., im Gewerbehause Den Beginn eines Lehrgangs Der praktischen Anwendungsform des Naturheilverfahrens an.

Eine neue Bezugsordnung für Die Lieferung von Gas und Wasser ist vom städti­schen Gas- und Wasserwerk ausgestellt worden. Näheres siehe Anzeige.

Heber das Holzrücken in den Wal­dungen Der Stadt Gießen und feine Vergebung ist näheres aus Dem heutigen Anzeigenteil zu ersehen.

Wett? rv-1 rtf UL''

Heiter bis wolkig, östliche b'.s südliche Winde, tags milder, nachts Frost, meist trocken, doch vt-elfach Rebel und Rc'.fbrldung.

Die Hochdrucklage in Europa hat sich wider Erwarten bedeutend verstärkt und greift heute fegar bis nach England hinüber. Dagegen ist das Island-Lies in direkter Ostrichtung weiter­gezogen und liegt zur Zeit mit feinem Kern vor Rord-Gkandinavien. Somit Dürfte unsere Hoch- Druck-Wetterlage ungestört fortdauern und das trockene kalte Wetter zunächst anhalten.

Gestrige Ta^estemperaturen: Maximum 1,6 Grad, Minimum minus 0.7 Grad, heutige Mor° temperatur minus 0,4 Grad Celsius.

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" Ehrung Des Freiherrn von R i ch t h o f c n t. Am nächsten Mittwoch, 18. D. M. findet Die Tl e be r f ü h r u n g der Leiche Des Rittmeisters Freiherrii von Richthofen auS Feindesland nach Berlin statt. Die Fahrt geht über Frankfurt-- Gießen -Kassel nach Ber­lin, und zwar mit Dem Schnellzug, Der 11 Uhr 44 von Frankfurt abgeht und 1 Uhr 2 in Gießen eintrifft. In Frankfurt ist wöhrrMd des dortigen Aufenthaltes eine kleine Feier geplant. Auch hier istt eine stille Ehrung De 3 gefallenen Helden in Form von Kranzniederlegungen während der 10 Minuten. Die der Zug hier nur hält, in Aussicht genommen. Außerdem wird Die Leiche auf Der Fahrt Durch Deutschland eine Ehrenbegleitung von einigen Herren haben, Die sich auf Der Strecke ablösen. Der von Frank­furter Herren hierher geführte Transport wird hier von Gießener Herren übernommen und wcitcrgeleitet werden.

Aufgehobene Straßensperre. Da Die Vornahme von Walzarbeiten in der Bismarckstraße, zwischen Südanlage und Löber- ftrahe, beendet ist, wurde Die am 16. Oktober an- geordnete Straßensperrung vom Polizeiamt wie­der aufgehoben.

** I n der Vortragsveretnigung sprach am Donnerstagabend Herr Friedrich Wil­helm Poll in aus Aichersleben über die Erfindung und Entwicklung des Buchdrucks", ein Thema, das bei her unge­heuren Bedeutung des gedruckten Wortes für Die heutige Kultur weiteste Kreise anziehrn muhte. Bon Dem inneren Wert des Buches und feiner Aufgabe im Dienst des Wiederaufbaus unseres Vaterlandes ausgehend, enttoarf der Redner in klarer und übersichtlicher Darstellung und in fesselndem Vortrag einen Ueberblid übet die Geschichte des Druckens, den er durch trefflich gewählte Lichtbilder noch besonders anschaulich machte. Die erstell Ansätze des Druckens sind in der Gepflogenheit der Babylonier zu erblicken, Die ihre Dauzicgel mit einem Firmenstempel ver­sahen; der Stempeldruck auf Tontafeln, Zylindern, Siegelringen und Petschaften und weiterhin die Münzprägung liegen in gleicher Richtung. In Aegypten trat zu der weitesten Anwendung des Stempeldrucks die Schablone, Deren sich auch Die Römer bedienten. Trotz des Fortschreitens der technischen Einsicht aber blieb es bis inS Mittel­alter hinein beim Schreiben: Mönche und ge­werbsmäßige Schreiber teilten sich in die Auf­gabe. Da tarn der in China erfundene Holztafel-- druck nach dem Abendland, Der neben der Be­deutung, die er für die graphische Kunst gewann, das freilich noch primitive Blockbuch zeitigte. Epochal aber ward erst der Schritt von Den in Holz geschnittenen Duchstabenketten zu der Er­findung beweglicher Einzellettern, für Deren Her­stellung nur der Guß in Frage kommen konnte, Der allein Gleichmäßigkeit der Typeir gewähr­leistete. Diesen Schritt getan zu haben, ist das große Derdienst Gutenbergs. Dessen wechselvolle Schicksale und das allmähliche Reifen seiner Er­findung wurden ausführlich behandelt, dazu wur­den Die schönsten Werke aus feiner Offizin im Bilde vorgesuhrt. D'.e neue K"nst trat rasch ihren Siegeslauf an, der sie durch De tschland und die ganze Welt führte. Dann gab der Vortragende die Entwicklung der Buchdruckerkunst vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart, bei der alle drei Etappen des Druckvorgangs einschneidend umgestaltet und vervollkorwunet wurden: Die Ent­wicklung vom Handguß der Lettern zur Schnell- gießmafchine, vom Handsetzer zur Setzmaschine, von der Handpresse zur Schncllvrejse, zur neuzeit- lich.n Rotationsmaschiae. Mit einem Ueberbluf über Die Auswirkungen der technischen Amwäl-

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