Ausgabe 
16.4.1925
 
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Politik und Geschichte.

I Fr. Gundolf: Caesar. Geschichte seine« Ruhmes. (Georg Bondi. Berlin.) Es überrascht nicht. daß gerade in unserer ßcit. durch btc bic Sehnsucht nach der Persönlichkeit, dem staatsmännischen Genie zieht. Caesar unk Rapoleon im Brennpunll des Interesse« stehen und eine lrtciarische Produktion ohnegleichen ent fachen Gundolf« .Caesar" ist leine Biographie, keine Geschichte seiner Laten, sein Wirken in Der Geschichte der Jahrhunderte wird dargcftelll non den literarischen Erzeugnissen seiner Zeit dr« hin zu unseren Lagen. Die Einstellung der grvheii Führer der Menschheit zu dem Problem .Caesar" und seinem StaatSideal. Trotz der Aeberfülle der Gesichte und Meinungen, weih Gundels doch den ungeheuren Stoss durch strenge Gliederung und scharfe Konzentratron zu meistern und hat damit ein Werk geschossen, das dem aufmerksamen Leser tausendfältige Anregung und 'Pertiesung geben kann durch den großzügigen Querschnitt, den e« durch die Geschichte zweier Jahrtausende legt. 1474

- 2L t>. Hohenlohe. Aus meinem Leben. Mit 12 Bildtafeln Verlag Frank­furter Societäts-Druckerei, Frankfurt a. 21 Leinen 10 Mk.

Der Sohn he« Reichskanzlers Chlodwig von Hohenlohe-Schillingsiürst, Prinz Alexander, schil­dert seine persönlichen Erlebnisse und Beob­achtungen namentlich au« der Zeit, da fein Vater Statthalter in Elsaß-Lothringen und deutscher Reichskanzler war. Eine Reihe interessanter Per­sönlichkeiten zieht vorüber, die alle irgendwie i»i politischen oder im Leben der großen Gesell­schaft eine Rolle gespielt haben. Als Sproß eines mediatisierten Fürstenhauses mit vill» tintigen internationalen Beziehungen und als vertrauter Mitarbeiter und persönlicher Adju­tant seines ValerS, halte der Prinz Gelegm- cheit. tiefe Einblicke in das politische Getrieb: und in da« Hofleben der wilhelminischen Zett zu tun, und mit rückhaltloser Offenheit ver­breitet er sich über die Persönlichkeiten, denen er dort begegnet ist, und über Mißstände, die ihm dabei aufgestoßen sind, und die schon lange vor dem Krieg in ihm die Ueberzeugung weckt en. das) die Dinge einer Katastrophe entgegentreiben mußten. Eingeslreute Bilder und Porträts be­leben daS Buch. 55

Cl. v. Delbrück. Die Wirtschaft- -k i che Mobilmachung in Deutschland 19 14. (Verlag für Kulturpolitik. München.) Del­brück. der ehEalige Staatssekretär und Dize- lanzler. hat zur Zeit des Kriegsausbruchs an *ber Bereitstellung der Kriegsmittel und der Ein­stellung der Heimat auf den Krieg hervorragen­den Anteil gehabt. Die hier vorliegenden Auf­zeichnungen bc« kürzlich Verstorbenen sind eine Fundgrube für die Kenntnis der Kriegsgeschichte, werfen aber auch äußerst intcreffantc Schlag­lichter auf die vetfehlte innere Politik während de« Krieges. 1599

K v. Salharow: Das werße Si­birien (bet A. Laubereau-München. Amalien- sl ratze 9). Eine packende Darstellung des Bürger- s, icgc« in Sibirien, die zum erstenmal in deutscher Sprache ein zusammenhängendes, getreues Bild jener fchicksalsvollen sibirischen Kämpfe entrollt, die zwischen 1918 und 1920 um die nationale Sache in Rußland auSgefochten wurden, und mit dem Siege der jetzt in Moskau herrschenden Roten Internationale endeten. Im Mittelpunkte dieser Tragödie steht Admiral Koltschak. der in Irkutsk den Märtyrertod für sein Vaterland starb. Ge­neral Sakharow führte in diesen Kämpfen zuerst unter Koltschols Regierung die westliche Armee und übernahm später den Oberbefehl über die ge­samten weißen Streitkräfte. Mit nie nachlassen­der Spannung liest man ein Kapitel ums andere und sieht, wie sich die Katastrophe durch die Fehler und Unterlassungen schwächlicher Raturen und durch den organisierten Verrat derQkr- bündeten" Rußlands, besonders der tschechoslvwa- irschen Kriegsgefangenen unter Führung eines französischen Generals vorbereitet, unaufhaltsam entwickelt und folgerichtig hereinbricht Sv schrei­tet der gütige edle Koltschak, her nicht die Kraft hatte, inmitten bei ihn umbrandenden trüben Wogen von Parteileidenschaften und verräteri- fchen Bestrebungen zur allein rettenden Diktatur zu greifen, in sein Verderben. Ihm folgte die ganze weiße Bewegung, deren Anfänge so viel

Bücher der Bildung.

Finonzieste Rot und ungeschwächter, ja ver> ffÖrfler Bildungsdrang sind in der heutigen schweren Zeit die Signatur der besten .streife des deutschen Volkes. Der deutsche Verlagsbuchhandel darf mit Genugtuung lagen, das) er die 'Jlotincnbigfcit, neuer, auch der bescheidenen Börse erreichbarer Buchtypen sofort erfaßt hat. Zn den erireulichsten Erscheinun gen auf diesem Gebiete zählt eine weitausgreifend geplante Reihe, deren zehn erste Bände der Verlag '.'llbert Langen in München eben erscheinen läßt, und die er ..Bucher der Bildung" nennt. Der BandU r - (9 o c t ß c" der die Reihe eröffnet, ent­hält die drei berühmten Urfafsnngen Goethescher Dramen: dieGeschichte Gottfriedens von Ber- lidlingen mit der eisernen Hand" (denUr Götz"),' denUr-Faust" und die Prosa Iphigenie. Das Rachwort tüßri aus, wie sehr das neuerdings er­wachte Interesse für die erstell Fassungen großer Kunstwerke ba\u angetan sei. wieder zu emem ehr­lichen und herzlichen Verhältnis gegenüber unseren Klassikern zu gelangen. Der BandIt a l i en i sche Reise" von Victor X) ehn vereinigt das Schönste aus ßebne Reijetagebuch von 1839 40 mit den klafsifchen Kapiteln feiner Reise. Zeitlich Bedingtes und lleberholtes ist weggelassen, ebenso, was tuiffetv schastlich so sehr ins Einzelne ging, daß es einer größeren Leserschaft vielleicht den 'ißeg von diesem wundervollen Buche unnötig erschwert hätte, lieber große historische Fragen und Erscheinungen handelt mit weitschanendem Urteil 3gna) von Döllin­ger in dem BondeGeschichte und Kirche'. Der ungewöhnliche Kopf, von dem die Gegenwart im allgemeinen nur aus Lenbachs Bildnissen Kennt- nis hat, wendet sich in den gewählten Aufsätzen und Akademiereden an die weitere Dildungswelt. Von den großen Dlinastien, von Papsttum und 3nqui- sitiomvon der einflußreichsten Frau der französischen Geschichte und anderem spricht er in seiner lichten Prosa mit dem großen Gefühl des überlegenen 3or* fchers und Menschen. Wiederum nicht Pitcrar Historie, sondern lebendiges Verhältnis zur Dichtung ist es, was die Auswahl aus Wilhelm S ch»e r e r s heute noch unübertroffener Geschichte der deutschen

Für den Büchertrsch.

versprochen, die aber daran scheitern mußte, baß sie nicht alle Macht ohne irgendwelche Ein­schränkung m die Hände eine« einzigen Mannes gelegt hatte. 170

Neue Romane.

El Vie big: Der einsame Mann. (Deutsche Berlagsanstalt. Leipzig, gebd. 5.00 Mk.) Die Geschichte eines alten, einsamen Zunggesellen. der in dem vaterlo« aufwachsenden .Knaben seiner Wirtin ein Kind gewinnt mit dessen Schicksal dgk> seinige sich innig verschmilzt. Tragisch ist das Schicksal dieses sorgsam gehüteten Jüng­lings. b<v einer Dirne zum Opfer fällt und in den Lod geht au« Scham vor dem gütigen, alles verstehenden Pflegevater. Am Kinde des geliebten Sohnes fern bei einsame Alte fein Liebeswerl fort, in völliger Aufopferung seiner selbst. Schlicht und ergreifend ist diese Geschichte eines alten Mannes erzählt, psychologisch nicht minder packend die Entwicklung de« jungen Mannes, der an dem Weibe zerbricht. 1585.

Wilhelm Heg der: Der Apfel der Elisabeth Hoff (Deutsche Berlagsanstalt in Stuttgart). Ein Eheromon voll äußerer spannen- der Verrichtungen und tiefen seelischen Gehalts durch die Schilderung dreier eigenartiger Charak­tere. deren Schicksal ein tragischer Konflikt ver­knüpft. Durch Irren und Wirren gehen alle drei geläutert und mit sich und dem Schicksal versöhnt äuS der ernsten Lebensschule hervor. 3

WeiSmantel, Leo: Das unheilige Haus (Verlag Kösel & Pustet K G. inKempten). Ein Rhönroman von starker Gestaltungslraft. karg und ernst wie die Landschaft der Rhönberge und ihre Bewohner. 1158

Göcilie Sauber, Die Versündi­gung an den Kindern (bei Grethlein & Co., Leipzig). Es ist etwas Schlichtes und Großes um diele Gemeinde im armseligen Hochgebirgs- dorfe. die sich um ihr Sorgen- und Eonntags- lind bemühen, um Iean Baptist, daS heitere Ge­müt mit der andachtweckenden Stimme und den klar leuchtenden Augen, damit er ihnen erhalten bleibe. Dieses Zusammenwirken der ganzen Ge­meinde um einen, die Reihe von Cinzelschicksalen gibt dem Werke etwas Patriarchalisches und Echtes. 26

E. Stickelberger: Ferrantes G a st. Historische Rovellen von starker Form­schönheit und glutvoller Darstellung eines packen­den StosfeS bietet der bekannte Schweizer Dichter, herbe, kampsfrohe Gestalten, vollblütige Re- naiffancenaturcn in ihren wundersamen Erleb­nissen und Schicksalen. (Grethlein & Co., Leipzig.) 1574

Emil Ludwig: Diana, der Roman einer seltsamen Frau, voll warmer, berauschen­der Sinnlichkeit, interessant durch sein geschil­derte Charaktere, ein farbensprühendes Milieu, die herrliche Landschast Italien« und des Bal­kans. (Verlag Bruno Caksirer, Berlin W 5, Preis geb. 6,50 Mk.f

* Victor Rydberg Der Korsar. (Verlag Franz Schneider, Berlin SW.) Ein Roman aus Schwedens großer Zeit, packend ge­schildert in breitem Wurf interessante eckige Cha­raktere gegenüberstellend, ein Buch für unsere begeisterungsfähige Iugend. der auch die guten, schmissigen Illustrationen A. P. Webers Freude machen werden. (Preis 5 Mk.) 1578

Oft f cc. Ein Ausflug mit Inge. Don Emil L. Iordan In Halbleder gebunden 3 Gm., E. Haberland in Leipzig-R.) Ein reizvolles kleines Gemälde, das lebhafte Raturschilderun- geu und launige Menschenbilder vom Strande mit einem hübschen eigenen Erlebnis verbindet. Der Geist der starken, geftrafUen. modernen Iu­gend weht durch dieses klare, sonnige Buch. 91

K Hes selbacher: Die Blonden und die Schwarzen (bei Eugen Salzer. Heilbronn). 1415

Lyrik.

Lieder und Balladen" hat Sophie KindtWieber zu einem losen, bunten FrühlingSstrauß gebunden, von allem etwas und von allem das Schönste. Balladen, vielseitig in der Wahl des Stoffes, groß in der Auffassung und packend in b?r dramatischen De Handlung, imponierend wuchtig und straff für eine Frau, am besten die Stoffe aus der Sagen­welt ihrer Wetzlarer Heimat, wie denn über­haupt ein starker, impulsiver Heimatsinn alle

ihre Dichtungen durchzieh! und ihnen die große Linie gibt Am feinsten lind die schlichten InrtfdKn Verse, die aus der Lieb-? zur Ratur und einem starken religiösen Empfinden cmporauellcn. Die wenigcn ein gestreuten vaterländifchcn Gedichte sind nicht frei genug gegeben, um berauschen und mitreißen zu tonnen. Das Büchlein hat die von Münchow sche Universitätsdructer-i und Ver­lagsbuchhandlung Otto Kindt in Gießen geschmack­voll auSgestattet

G. W. Sbci lein. Brandung. (Berg­stadtverlag Breslau 1.) Der Verfasser ist un­seren Lesern seit langem durch seine farben­sprühenden. scharf pointierten Schilderungen au« Rom und dem Italien Mussolinis bekannt. Seine, jetzt in geschmackvollem Bande vorliegenden Ge­dichte zeigen ihn als Lyriker von großer Musi­kalität und Formbeherrschung. Auch hier eine starke Kunst der Schilderung, der scharsen Kon­zentration. voll Rbvthmu« und Farbe. 1456 D. G. Wicke Gedichte. (Verlag

Hesse u. Becker in Leipzig.) 1522

Kunst.

Die schnell bekannt gewordene Sammlung Die f edb« Bücher der Kun st", heraus- gcgeben von Llniv.-Prosesfor Dr. A E. Brinck- mann. Köln, ist soeben um einen neuen Band über die Renaissance bereichert worden. Eine der gewaltigsten Kunstepochen aller Zeiten wird hier in einem klaren, präzisen Gesamtbilde von Pros. Dr. K. Escher zusammengefaßt. Text und reiche Abbildungen entrollen die Kraft und Fülle, die Phantasie und Liese der Empfindung des Rordens (van Dya. Dürer. Grünewald. Holbein) und die sinnlich? Schönheit. Pracht. Leidenschaft und Menschlichkeit des Südens (Leonardi. Raffael. Michelangelo. Lizian). Dadurch, daß Escher das Kunstschaffen in ganz Europa überblickt, mit den Gegensätzen von Rorden und Süden, offenbart sich die unvergleichliche Schöpferkraft und Viel­seitigkeit der Epoche. Die -großen und zahl­reiche n Abbildungen (darunter 6 Farb­tafeln) stellen dem Tert eine geschickt ausgewahlte Erläuterung zur Seite. (Verlag Akademische Derlagsgesellschaft Athenaion in Potsdam.) 223

Sic K unstschu le" Rr. 2 1925. (Verlag Mab und Zeichenunterricht G. m. b. H. Berlin W 9.) Das Februar-Heft ist wieder außerordent­lich reichhaltig. Aus der Fülle des Gebotenen seien besonders erwähnt der lehrreiche Aufsatz Vom japanischen Färben-Holzschnitt" von Bae- decker-Mahlow mit reizenden farbigen Repro­duktionen, ferner die sehr interessanten Abhand­lungen:Dekorative Anwendung von Studien" von Maler H. Everbeck undDas Bild- Ornament in der Malerei" von Prof. Pellon. Außerdem sind viele Abbildungen in den Leset eingekleidet

D i.e Kun ft" (Monatshefte für freie und angewandte Kunst. München, F. Bruckmann A.-G.) (teilt sich in dem '2Iprill)eft seinem Inhalt nach auf die Betonung und Lchaudarinachung der künftleriichen Strafte der Beharrung und Bewegung, der Mmv Iraste von Tradtion und Fortschritt en. Ein ein­leitender Aufsatz nimmt zu dieser »Frage Stellung. Ihn begleiten außerordentlich schon reproduzierte Bilder van (Sonftantin Gerhardinger. Im Teil für angewandt' Kunst erscheint ein schon bebilderter Aufsatz über das imposante Stadthaus in Stock- hosm, das Ragnar Deftbcrg kürzlich vollendete. Eine kritische Würdigung mit vielen anmutigen Bildern gilt schließlich der Wiener Kleinplastikerin Bally Wiefelthier.

K u n ft g a b c n für Schule und Hau 5". Herausgegeben von W. Günther-Ham­burg. (60 Hefte. Preis pro Heft 20 Pf. Verlag Georg Wigand in Leipzig.) Diese treffliche Samm­lung kleiner, ausschließlich deutscher ttunft gewid­meter Kunstbücher ist ein köstliches Geschenk für unser gesamtes Volk. Eine von Ludwig Richter und seinen Mitstrebenden künstlerisch-ästhetisch erzogene Iugend wird ganz von selber eine Anschauung ge-> minnen, die auf das Schone, auf Reines und Er­habenes gerichtet ist und mithin ohne weiteres ge­feit fein vor den heute leider von vielen Seifen auf sie eindrinqenden Einflüssen geschmackoerrohen den und moralverderbenden Bilderschundes. 231

GinDeuts ches Rätfelbuch" hat Lisa Tetzner, die Märchenbas. auS alten und neuen Quellen gesammelt, namentlich schöne alte Volksrätsel finden sich in dem famosen Büchlein, kernig uird humorvoll, eine Freude für jung und alt. (Verlag Eugen Diederichs in Iena.) 142

Literatur .23 o n Wolfram bis Goethe" am strebt. Sie holt aus diesem meisterlichen Werke ge­nau das heraus, was Scherers glänzendste Gabe war: jene sieben herrlichen Charakteristiken von Wolfram von Efchenbach, Walther von der Vogeb weide, Luther, Lessing, Herder, Schiller und Goethe, in denen Scherer fein immenses Wissen in erschoß fenbe, dabei wundervoll klare und völlig Phrasen- lose Darstellung ergießt. Als unseren größten Dichter kennt jedermann Goethe: aber daß unsere ganze wissenschaftliche Prosa, soweit fie nicht nur Wissenschaft, sondern auch sprachliche Leistung ist, aus Goethe zurncksuhrt, zeigt der BandDie s ch ö n ft e n Essays non G ooth e". Beginnend mit dem Hymnus des Straßburger Studenten auf das Münster Erwins von Steinbad), enthält es weiter die licht- und liebevolle Darstellung der alt deutschen Malerei am Rh chussest zu Bingen".Winckestnann" undBen venuto Cellini in seiner Zeit und Stadt' zeigen, wo die Wurzeln der gesamten neueren Äunftgeld)id)ie zu suchen sind. Das hymnische FragmentNatur" leitet zu den viel zu wenig gekannten Essays über, die, so vereint, wie es in diesem Bande geschehen ist, geradezu das Manifest dessen bedeuten, was mir naturwissenschaftliches Denken nennen.

Das bändsreiche Hauptwerk von Gregor» eins, heute fast nur noch in gelehrten Bucher- ftuben zu finden, verdichtet fid) in der zweibändigen AuswahlRom im Mittelalter" zum beweg­ten Drama jener großen Kräfte und Gestalten. d>c die abendländische Christenheit mit ihrem schicksalc haften Mittelpunkt verketten. Der glänzende Gestal ter Gregorovius hat die zahllosen Quellen seiner Wissenschaft in das Strombett seiner großen Kunst gesammelt und erteilt ihr planvoll die Bewegung eines dichterischen Ganzen. Besonders verdienstlich ist. daß enblid) Sari Hillebrand wieder leicht zugänglid) gemacht^ wird, vielerletzte humane Deutsche, der die Feder zu führen verstand', wie Nietzsche ihn nennt. Den BandAbendlän­dische Bildung" eröffnen zwei der berühmte ften und letzten Essays: die Gedanken zur Entwick- lungsgeschichte der abendländischen Kultur und Ge- I sellschask. Es folge die drei großen Aussätze, in

denen Hillebrand als erster NietzschesUnzeitgemäße Betrachtungen" würdigte, und jene hoch über allem Partei- und Klüngelwesen schwebenden Gedanken Hillebrands über ein wahrhaftiges Verhältnis zur bildenden Kunst, die dem Florentiner Kreise ent­flammen, dessen Haupt er war, und zu dem n. a. der Bildhauer Hildebrand, Hans von Maries, Bayersdorfer und Isolde Kurz gehörten.

Weit über das Fach der Rechtsgelehrten hinaus greift Rudolf von Ehering in seinen vorstoßen- den Werken. Aus ihnen |ammcll der BandRecht und Sitte" das Lebendigste und Gültigste um den beherrschenden Gedanken, daß in Dingen des Rechts, des Eigentums und der Sitte mehr und mehr die gesellschaftliche Betrachtung an Baden gewinnen soll. Ob vom römischen Recht die Rede ist, ob von Kapitalismus, nom Kampf des einzelnen um (ein Mdn, von Höflichkeit und gesellschaftlichen Formen, von lomlfdjen Verbohrtheiten in der luriftischen Zunft, immer zeigt der sprühende, streitbare Den­ier auf die gesellschaftliche Verbundenheit des em Seinen und entlarvt den gefräßigen Egoismus als den heimlichen Gestalter unserer Lebensformen. Die aufgewühlte Gegenwart tut gut daran, dem frischen Er mecker rechtlichen und sozialen Denkens wiederum Gehör zu geben.

Der BandDie schönsten Essays von Ta ine" ist ein Beweis dafür, daß die Sammlung fid) keineswegs gegen bedeutende Denker des Aus^ landes abschließen will. Er bringt vor allem die sarbensprühenden Aufsätze zum Jahrhundert Lud- wigs XIV.. in denen sich bereits der zugleich oolh endete Darsteller und unbestechliche Richter des Ancien Regime antunbigt; sodann die Essays über Goethes Iphigenie, Marc Aurel und Balzac und einen Auszug aus Taines in Deutschland so gut wie unbekanntem nachgelassenen Romane, der eine bei aller geistvollen Feinheit der Farm vernichtende Kritik eines ichematischen und unintelligenten Schul bctriebes barfteUt. Die Bände sind durchweg auf bestem Papier gedruckt in blaues Ganzleinen dauer hust gebunden und präfentieren sich so als das nidjt- belletristische oeitemtüd zu den bekannten , Die schönsten Erzählungen". (Preis je Bd. 3 Mk.)

Iettschriftenschau.

Das April heft der neuen Monatsschrist .Zeitwende" (C. H. Beck. Miinchen) ist über­reich. fv daß hier nur auf einiges bingetrnelen werden kann. Eine Reibe wertvoller Aufsätze, die Lebenssormen und Lebensaußerungen der Dergangenheit und der Gegenwart behandeln, sofern fie von religiösem Geiste durchströmt sind, ja die aus -ukünslige Daseiusmöglichkeiwn deuten, macht das Progruinm der Zeitschrift ganz klar Don .Rissen tm Mittelalter" Ipricht Iustu« Hashagen. Er zeig'. nnS. daß die unS so hoch gepriesene barmonisch in sich geschlossene Welt des Mittelalters nicht den Latsachen der Ge­schichte entsprich:, die vielmehr soziale Zerrissen­heit. Friedlosigkeit, vor allem eine gewaltige ßaienrcaltion gegen das kirchliche Weltbild zeigen In eine unS fremde, zeitlich aber gar nicht ferne Welt führt uns Iohannes Alt in seinem Aussatz über den russischen Erzähler Lesskow. Die Men­schen dieses russischsten aller russischen Dichte, fragen Himmel und Hölle in sich Hier erleben wii Westeuropäer Menschen und Geichehniste von mittelalterlichen Dimensionen. Gegenwai-tsfragen bringt uns Friedrich Diese in seinem Aufsatz Übei dieErneuerung der Rechtssicherheit in Deutsch­land" nahe. Paul Schubring gedenkt Sd. von Gebhardts Schassen. Zwei Biwer begleiten diesen Aussatz.

D e u t s ch e A l p e n z e i t ü ,t g 20. Iahi> gang 1925 (Dcrgverlag Rudvls Rother. 'Mün chen. Preis vierteljährlich 3,30 Mk.) Zwischen Winter und Frühling erscheint das zweite Heft der Deutschen Alpenzeitung. AuS dem Inhalt sei zunächst ein wundermoller Küpferliesdntck Abstieg vom Morteratsch" erwähnt. al«dann ein Aussatz von Ernst IennhLetzte Fahrt". Es wird in packender Weise eine Fahrt von der Berglibütte ausS Aletschhorn geschildert, bei bet' Andreas Fischer den Tod fand Die kleinen Äachrichten halten den Bergsteiger über alpine Angelegenheiten auf dem Lausenden und geben ihm Anregung und Auskunft.

Verschiedenes.

Eine Art deutscher Geistes- und Kultur« geschichte, ein Zitatenschatz deS deutschen Volkes, so kann man mit Recht chmanns Ge­flügelte Worte" nennen, die soeben 60 Iahre nach ihrem ersten Erscheinen in 27. Auflage von dem angesehenen Verlage der Haude & Spener- schen Buchhandlung (Max Paschke) in Berlin in mustergültiger Ausstattung herausgegeben sind. Als Dr. Georg Düchmann im Iahre 1863 seine Sammlung zum ersten Male erscheinen ließ, um­faßte sie nur 750 Zitate. Unter der Mitarbeit bet Gebildeten der ganzen Welt haben seine Rachsolget die Sammlung so erweitert, daß fU heute über 4000 Zitate aller Zeiten und Dölket bietet.

* Ernst Reckarsulmer, ,.Der alte und der neue Reichtu m". (Verlag F. Fon­tane & Co, Berlin SW 68.) Ein Kapitel Zeit­geschichte, für daS alle Welt sich leidenschaftlich interessiert, da« aber bisher noch keinen 6d)il- herer gesunden hat, wird in diesem Werk zum ersten Male öargeftellt. Die gewaltige Umschich­tung der Vermögen, die im Laufe der verflossenen zehn Iahre stattgesunden hat, der Zusammenbruch alten, seit Generationen vererbten Reichtums, die Anhäufung gewaltiger Vermögen in den Händen derneuen Reichen" zieht tn fesselnder, auf genaueste Kenntnis der Verhältnisse und Personen beruhender Schilderung vorüber. Der Entwicklungsgang mancher allgemein genannter Finanzkönige großen Stils steht plastisch vor dem Auge des Lesers, und auf der anderen Seite wird von den Vermögen der Rothschild, Men­delssohn, Bleichroder, Thyssen und ihrer Ent­wicklung bis auf den heutigen Tag berichtet. Das Phänomen Hugo Stinnes wird in großen Zügen dargestellt. Manche Hamen hört der Leset zum ersten Male und erfährt, daß ihre Inhaber zu den reichsten Männern des heutigen Deutsch­land zähleit. So entsteht ein grandioses Gemäldc des großen Kampfes um« Geld, der sich in de» verflossenen zehn Jahren inmitten deS Verfalls der deutschen Valuta abgespielt hat. Die Dar- Wellung gewinnt an Reiz durch die Porträt« von 33 der bekanntesten Persönlichkeiten sowohl aut den Reihen des alten als auch deS neuen Reich­tums. 149C

Philosophie und Leben Unter diesem Titel gibt der Gießener Philosophie- und Pädagogik-Professor Dr August Messer im Verlag Elwin Staude. Osterwieck-Harz eine Zeitschrift heraus, deren erste Hummer im Ianuar erschienen ist Seit einigen Iahrm ist Prof. Messer mit wachsendem Erfolge bemüht, in gemeinverständlichen Büchern die Denk- und Lebensfragen des C?>eqen toa rtsmen scheu hem Standpunkte ruhiger philosophischer Betrack^ung zu behandeln und die Schätze, bie in den 'Bertm der großen Denker der Vergangenheit und der Philosophen der Gegenwart m reicher Fülle verborgen liegen, aus der Verschalung einer teils veralteten, teils allzu gelehrten Ausdrucksweije zu lösen und so einem weiten Krei« denkbrdürftigrr Menschen zu erschließen und für das Leben frucht ­bar zu machen. Im selben Geiste soll die neue ,>itschrift wirken. Sie will, wie der Titel sagt. Philosophie und Leben in engste Berührung bringen, ernsten Menschen in ihrem Ringen um die großen Fragen der Welt- und Lebensairschau- ung Hilfe leisten, die heute aus oem Leben, seinen Röten und Aufgaben brennender denn je auf» brechen, und so dem tocitocrbretteten Bedürftn« nach philosophischer Klärung dienen. Dabei soft dem Leser nicht etwa eine bestimmte WeUauf- faslung auf gedrängt, sondern den Vertretern aller bedeutsamen Denkrichtungen das Wort gegeben werden. Oberste- Bestreben aller Mitarbeiter wird sein, gemeinverständlich rm guten Sinn des Wortes zu schreiben. Philosophisch: Fachkenntnisse werden daher beim liefet nicht vorausgesetzt, Fremdwörter und Fachausdrücke nach Möglich teil vermieden, die unentbehrlichen in Anmer­kungen verdeutscht und erläutert. Fragen aus dem ßeferfreife werden sachliche und verständsicho Beantwortung finden Außer dem Herausgeber werden an der neuen Zeitschrift mitarbeiten < Prof von Aster-Gießen. Pros. BauchIena. Pros. Ba-ge-Rurnberg. Unlerftaat«fefretär a. D. Prof. Frick-Gießen. Pros. Groos-Tübingen. Professor Kinkel Gießen, Prof. Liebert-Berlin, Prof. Les­sing- Hanrrovei. Prof. Pauli-München, Professor K L. Schmidt-Gießen.