Ausgabe 
16.3.1925
 
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Die Oberwülder.

Roman von AlfreDBöck.

22. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Als ihnen die Pörtegritt eröffnete, der Karl liege sterbenskrank danieder, stürmten sie zum Direktor und verlangten ihr Geld zurück. Der IöckelShernrich wies sie mit den Worten ab, alle stünden unter dem Gesetz. Daran dürfe niemand rütteln. Es werde ein Revisor aus Darmstadt kommen. Ehe der gesprochen, gebe er nichts heraus. Ob sie auch tobten wie die Wilden, sie muhten sich schließlich fügen.

Etliche von den Männern beschlossen, ihren Drast in Schnaps und Bier zu ertränken. Dor demRitter" trafen sie mit dem Lehrer zusammen. Dreser hatte nachmittags einer Konferenz in Herb­stein beigewohnt. Dorthin war von Darmstadt «eine Depesche gelangt, der Landtag habe den Vollsschullehrern die Gehaltszulage bewilligt. Frvhgestimmt hatte Weilandt den Heimweg an­getreten. Alles wandte sich Hum Guten, und er sah sich nahe am Ziel. Obgleich er den Wind im Gesicht hatte, legte er die beträchtliche Strecke rascher zurück denn je. In der Siebenhäusergasse ereilte ihn die Schreckensbotschaft vom Zu­sammenbruch der Spar- und Darlehnskasse. Er konnte das Ungeheuerliche nicht fassen. Die er befragte, antworteten widerspruchsvoll und ver­worren. ImRitter", wo alles zufammenströmte, hoffte er die unverfälschte Wahrheit zu hören.

Die Gaststube war gestopft voll. Eben hatte der kleine Kumpf das Wort. Datz er für den Disping, den Halunken, gearbeitet hatte, fuchste rhn gewaltig. So ein Ausbeuter muhte gevierteilt werden. Run fuhr er in der Welt herum und ver- schlemmte das Geld, Vas ihm die Herren vom Dorstand und Aufsichtsrat in den Rachen ge­worfen hatten. Da sahen sie mit ihren Holz- apselgefichtern, die Herren vom Vorstand und Aufsichtsrat! Sie bissen keine Ofenschrauben ab und fraßen auch keine Radnägel. Qlber dumm waren sie und hachig dabei. Mehr hachig wie Dumm. Denn die hohen Zinsen hatten sie ver­führt, dem Disping in die Schlinge zu gehen. Die Spar- und Darlehnskassen waren überhaupt ein .Unglück für daS Dolk. Die armen Leute trugen

ihre Pfennige htn, &amtt die Kapitalisten sich mästeten, 's war immer das alte ßieD: die Knech­tung der Arbeit durch das Kapital. Wenn jetzt die Mitglieder, ihrer Haftpflicht zu aenügen, In den Sack greifen muhten, die Reichen würden es leichtlich verwinden, die Armen hatten ihr Leben lang daran zu würgen- Das nannte man Ge­rechtigkeit! Die Unterdrückung der besitzlosen Klasse hörte nicht eher auf, bis die Arbeiterschaft die Führung des Dolks übernahm, früher oder später kam die Erlösung von der sozialen Revo­lution.

Zu was dann die Weitseligkeit?" griff der Volenschmied in die Debatte ein.'S hilft uns ja doch keins aus der Scher'. Wir müssen berappen. Daß der Krämerskarl so neben dem Herz her war, das hätt ich ihm net zugetraut. He hat das letzte Heu auf der Rauf. Da soll man ihn net mehr vermakeln. He hat uns den Brei auch gar net angerührt. Ich will emal auf den Kloben schwätzen. Wer hat uns dann das Maul lang gemacht nach dar Kass'? Wer hat dann Versammlungen über Dersammlungen abgehalten? Wer hat dann ge­schmust bis Dort enaus? Wer is dann von Haus zu Haus gelaufen und hat auf die Kass' getrieben? Meinem Behalt nach der Herr Lehrer. He allein is an dem schrecklichen Unglück schuld!"

Krach auch, der Lehrer!" kam es aus dem Hintergrund.

Der Pvlenschmied stellte sich in seiner ganzen Länge auf.

Ja, der Herr Lehrer! Gelle, etz schnappen euch die Augen auf! He hat mit der Kass ein Kunststückchen machen wollen, weil's ihm in sein' Kram gepatzt hat. He is mir ein schöner Künstler! He hat mit unserm Vermögen und unsrer Ehr' gespielt. Wie nun die Kass' gegründ't war, sagt' he. er wär zu hingelig*), he könnt kein Amt über­nehmen. Wahrscherns hat he schon wieder andere Grvtzheiten im Kopf gehabt. Und hat gedacht: .Ihr dummen Hefter tönnt mir den Buckel her­unterrutschen!' Und hat sich um nix mehr ge­kümmert. Das nemi ich teufelhaft, hundsgemein! Don Rechts wegen mützt he jetzt bluten. Aber rupft ihr Haar auS, wo keine sein, 's is ein Schulmeister, das sagt alleS!"

e) Zu wenig anstellig.

Er spuckte aus und setzte sich

Weilandt, der im Gedränge hat an der Türe stand, war zuerst wie vom Donner gerührt. Dann strömte ihm alles Blut nach dem Kopf, und er war von der Empfindung beherrscht, er müsse den Menschen in Stücke schlagen, der ihm die Schmach angetan. Seine Dordermänner beiseite stotzend, bahnte er sich eine Gasse. In der schlecht beleuch­teten, dunstigen Stube wurden die meisten jetzt erst gewahr, datz der Lehrer zugegen war. Ein Hagel von Schimpsworten prasselte auf ihn nieder. Un­willkürlich fentte er das Haupt. Dem Polenschmied hätte er's heimgezahlt, der allgemeinen Derläste- rung stand er wehrlos gegenüber, und die Kehle ttxu. ihm wie zugeschnürt. Es fehlte nicht viel, datz er tätlich mißhandelt wurde. Da schob sich der Lipps Menz an ihn heran, einer der wenigen, die ihre Besonnenheit nicht verloren hatten, und raunte ihm zu:Machen Sie sich net unglücklich. Gehn Sie heim!"

Bei diesen Worten ergriff er Weilcmdts Hand und brachte ihn glücklich hinaus.

Run die Luft rein war. erreichte der Skandal seinen Höhepunkt. Gut. datz der Schubiak nicht versucht hatte, sich weih zu waschen, er hätte seine Knochen im Sacktuch heimtragen können. Man muhte ihn stäupen. Schulmeister gab's wie Sand am Meer. Da war's schon schwerer, einen Säu- hirt zu kriegen.

Der PolenschmiÄ> lachte höhnisch.

Wann ihr euch einbild't. daß he di Platt' putzt, seid ihr schief gewickelt. Dem is hier so wohl wie dem Pfannkuchen in der Butter. He kennt's ven der Schul: Fett schwimmt oben. He steht in Derlobschaft mit der Margvlfsmarie."

Wie von der Tarantel gestochen schotz der Margolfspeter in die Höhe.

Infamer Mensch, du lügst!"

Ich weih, was ich weih."

Ich sein der Dater über mein Kind. Ehnder ich sie dem schuftigen Schulmeister geb, dreh ich ihr das Genick herum!"

Diele waren der Meinung, Weilandt sei zu glimpflich behandelt worden, man müsse ihm noch eins auswischen.

Ein paar Hauptkrakeeler steckten die Köpfe zusammen, Boten wurden fortgeschlckt. Die kamen zurück und taten geheimnisvoll.

Allmählich wurde die Gaststube leer. D« Ritterschorsch sah seine Kasse gefüllt und lachte sich ins Fäustchen. Es hietz, das halbe Dorf sei kaputt. Er scherte sich den Teufel drum. Wem» nur sein Weizen blühte!

Draußen tutete der Rachtwächter in fein Horn und rief:

Els Llhr ist es an Der Zeit, Lobet Gott in Ewigkett!"

Ein paar Hunde schlugen an. Dann war tiefe Stille.

Um Mitternacht bewegte sich ein seltfamer Zug dem Schulhause zu. Meist waren es jüngere Leute. Die sich mit Kroppendeckeln. Gießkannen. Kuchenblechen und Trillerpfeifchen bewaffnet hatten. Ihre Taschen waren mit Steinen gefüllt.

Dor Dem Schulhaus traten sie in eine Reihe, und eine ohrzerreihende Musik hob an. Da­zwischen hörte man Peitschenknallen. Daß das Katzenkonzert vollständig sei, wurden auch Tier« stimmen nachgeahmt.

Gegen das Hoftor schlug der erste Stein, worauf ein regelrechtes Bombardement des Schul« Hauses begann.

Der Lehrer, von dem Höllenlärm auf' geschreckt, öffnete das Fenster feines Arbeits« zimmers. Im selben Augenblick traf ihn ein Stein an Die Stirn, datz er fast ohnmächtig' rücklings fiel.

Eine Frau aus der Nachbarschaft war zum Bürgermeister gelaufen. Der erschien mit Dem Ortsdiener auf dem Platz Don der Dunkelheit begünstigt, gelang's den meisten, zu entwischen Fünf wurden gefaßt und gingen ihrer Straft entgegen.

X.

Der Margolfspeter hatte sich an der Katzen musik nicht beteiligt, hatte zunächst gar nichts davon erfahren. Er war vielmehr gleich, nachdem er am Wirtstisch erklärt hatte, wie er über Das angebliche Verlöbnis seiner Tochter mit dem Lehrer dachte, von einer wilden Erregung getrie­ben. nach Hause geeilt. Die Marie kam ihm mit verweintem Gesicht entgegen. Die Buckelhanne Die imRitter" Die Gläser spülte, hatte ihr brühwarm zugettagen, wie übel ihrem Liebsten mitgespiett worden war.

(Fortsetzung folgt.)

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Privatstat.Prof.v. Iaschke 13. März 1925.

Holzversteigerung.

Freitag, den 20. d. M.» vormittags 9 Llhr. werden aus Dem Staatswald- distrikt Fuchsbau 9 der Försterei Großen» Linden versteigert:

Derbstangen Fichten: 34 Stück 2,51 Fstrn. 1. Kl.: 55 Stück = 2,94 Fstrn. 2. Kl.: Rutzknüppel Fichten: 7.4 Rm. l3Mtr. lang): Ruhreisig Fichten: 35Rm.; Scheiter Rm.: 87,2 Kiefern, 1 Fichte: Knüppel Rm.: 1.2 Eichen, 77,4 Kiefern, 1,2 Fichten: Reisig 100 Wellen: 20.9 Kielern, 8 8 Fichten; Stöcke Rin.: 38,6 Kiefern, 6,8 Fichten. Das Holz wird nicht vorgezeigt und wird deshalb vorherige Besichtigung empfohlen Die blau durch- strichenen Rummern kommen nicht zum Ausgebot. Zusammenkunft im Distritt Fuchsbau, Kreuzpunkt Torf- und Ranzen- shneise. Auskun t durch Herrn Förster Seipp, Forsthaus Hüttenberg beiGroßen- Linden und die unterzeichnete Stelle.

Gießen, den 14. März 1925. 2714V Hessisches Forstamt Schiffenberg.

Der durchberatene Voranschlag der Ge­meinde Lindc-nstruth für Rechnungsjahr 1925 liegt vom 17. lfd, Mts. ab 1 Woche lang auf unserem Bureau zur Einsicht der 3nter= eflenten und Erhebung von Einwendungen offen.

Es ist die Erhebung eine Umlage be­schlossen, zu der auch die Ausmärker bei­zutragen haben. 2736 D

Lindenstruth, 15. März 1925.

Bürgermeisterei Lindenstruth: Fatum.

Mstttibung cincö MMmrdS! Jur Aufstellung eines umfaßenden Orts- bebauungsplanes für die Gemeinde Nod- heim a.d. Bieber. An Preise werden ausge­setzt: als erster 600 Mk., als zweiter 300 Mk., als dritter 200 Mk. Unterlagen, wie Orts- und Gemarkungskarten sind auf der Bürgermeisterei einzusehen. Be- dingung: Fertigstellung der Pläne bis 1 August 1925 in Bleizeichnung.S6D Leicht

Bürgermeister.

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Franz Neumeier

Gießen, Sonnenstr. 20

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Bekanntmachung.

Der vom Gemeinderat beratene Vor­anschlag der Gemeinde Rüddingshausen für 1925 Rj. liegt vom Montag,l 6.März 1925 an, 1 Woche lang auf der Bürgermeisterei zur E.nsicht offen. Einwendungen gegen seinen Inhalt können von Beteiligtest inner­halb der Offenlegungsfrist schriftlich oder zu Protokoll erhoben werden. Es ist eine Umlage beschloffen, zu der auch die Aus­märker beizutragen haben.

Rüddingshausen, den 15. März 1925.

Bürgermeisterei Rüddingshausen.

____________(gez.) Müßig. [2735D

Nutzholzversteigerung

Donnerstag, den 19. d. M., kommen aus dem Stadtwald aus verschiedenen Forst­orten zur Versteigerung: Kiefern-Schnittholz 2. Kl. 5 St.4,11 Fstm.

3. 2 = 1,68

42 Rm. Tichen-Rutzscheit, 3 Mtr. lang, 20 Fichten-Rutzreisig in ganzer Länge, zu Gerüststangen, Leiterbäume und bergt Zusammenkunft vormittags 10 Uhr an der Steinmüyle. Händler und Auswärtige sind zunelaffen. 2732c

Grünberg, den 13 März 1925.

Bürgermeisterei Grünberg ____________3. D. Fulda 1.____________ Drucksachen al ler Art Ifef-rt fn jeder gewünschten Ausstattung stilrein und Btdswert die BrihFache Dalv.-Drucherd. R. Lange.

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