Ausgabe 
16.2.1925
 
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Nr. 3) Zweiter Blatt

Gietzener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Gveryesten)

Montag, fb. Zedruar 1925

WenigerRecht", mehr Wirtschaft"!

Don AmtSgerichtsrat Dr. Andrae In Ortenberg (Heften).

Wir leiden an 'einer Heber tnobuftion von Gesetzen, lieber diese Tatsache selber bestehl wohl nur eine Meinung, nicht aber über ihre Ur­sachen. Mit eine Ursache ist ohne Zweifel die Auflassung, als sei bev Schwierigkeiten grösste schon behoben, wenn man sich zu der oder jener Regelung einer Materie entschließt. Die De­visen- und Wohnungsgesetzgebung. die zahllosen DerkehrS- und Der­brauchsregelungen und wie viele andere wirtschaftliche Gesetze sind D-ilviele hierfür. Doch scheint bei vielen Juristen der Glaube andie alleinseligmachende Wirkung pa- vierener Anordnungen zu belieben trotz des offensichtlichen Umstandes, dast sich die meisten dieser Massnahmen als Schläge ins Wasser er­wiesen haben. Es soll hier, um das gleich vorweg- zunehrnen. kurz daraus hingewiesen vordem. daß es verfehlt ist. Zustände, die ihre Ursachen in Krieg und RachkriegSzeit haben, dadurch zu kurieren, dah man neue Gesetze macht ober be° stehende ändert. Man mag zu der Frage der Wechselwirkung von gesetzliche, Regelung und wirtschastlicher Gestaltung (Einfluß des Rechts auf die Wirtschaft und umgekehrt) stehen wie man will, anher Zweifel steht heute doch wohl die Tatsache, dah wirtschaftliche Fragen sich grundsätzlich nicht juristisch, sondern nur politisch (im weitesten Sinne gefaßt) lösen lassen, mit anderen Wartens die Schwierigkeiten müften nicht durch Gesetzgebung und Iustiz, son­dern durch die Derwaltung. nicht durch theoretisch tadellose Gesetze und Verordnungen, sondern mit der Kun st des politisch-wirt­schaftlich-praktisch Erreichbaren ge­rn eist er t werden.

Auf dem letzten Heidelberger Iuristentag hat man sich darüber unterhalten, welche Richte linien für die zukünftige Gestaltung deS Wohnungsmietrechts aufzustellen sind. 3<f> möchte der Ansicht sein, dah man mit ..Richt­linien" keinem Wohnungsuchenden eine Wohnung verschafft, dah es herzlich gleichgültig ist. ob man das Mietrecht des VGD. so ober so änbert. dah ein einheitliche- Reichswohnnngsgeseh mit einer Reichszentralstelle (die to eoiclte innerhalb der letzten zebn Iahrel). welcher besondere Ausfüh- rungSbehörden der Länder und Kommunen zu unterstellen wären, gar keinen Sinn und Zweck hätte, es vielmehr allein darauf ankomm 1, dah etwas Positives geschehe, und dah man ja nicht zentralisiere, sondern der kommunalen Selb st Verwaltung - be­sonders in den Städten weitesten Spiel­raum säht Gin tatkräftiger Bürgermeister »schafft" die Sache leichter wie eine Reichszentral­stelle mit weih Gott wie vielen untergeordneten Stellen. Behörden und Behördchen, Erhebungen, Statistiken. Berichten und sonstigen Ueberflüssig- f ei bei. Wir brauchen leine Wohnungs­juristerei. sondern eine Wohnungspoli- 1 i k: so betrachtet und nur bei einer solchen Betrachtung wird man auf den Weg des wirtlich Praktischen gelangen - treten alle Fragen juristischer Ratur völlig in den Hintergrund. Die entscheidende Frage ist: Wie erstellen wir neue Wohnungen? Sie kann nur mit politisch-wirtschaftlichen Maßnahmen (Kreditbeschaffung. Abbau bet Zwangswirtschaft, weitestgehende foinmunaTe Selbstverwaltung ulw ) gelöst werden Diese Maßnahmen sind in ihrer Wiriung abhängig von der Erhaltung stabiler Derhältnisse im Innern - Währungsstabilität und in der äußeren Politik. Es ist sogar einem Zuristen klar zu machen, wie auch Probleme, die auf den ersten Blick juristische zu sein scheinen, letzten Endes solche der ..hohen" Politik sind.

Ein Rechtsgebiet, welches gleichfalls von dem angedeuteten Gesichtspunkt auS betrachtet werben muß. ist das Preistreiberei - und Wucher­str as recht. Gewiß verdient gerade diese Spielart der Ausbeutung anderer, wie sie die Delikte dieser Rechtsgebiete darstellen, schärfste Bekämpfung. Aber man muh auch hier die Illusion begraben, daß dieVerordnung" es

schon allein mache. Jeder Kenner weih, dah die praktische Durchführbarkeit von Derfahren. bi« den sog. Leistungswucher betreten, mit nahezu unüberwindlichen Schwie­rigkeiten zu kämpfen hat. Hieran kann auch eine Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen gar nicht- ändern Es kommt daraus an. baS liebel an seiner Wurzel zu treffen, nicht barauf. einzelne besonberS frech wuchernde Schößlinge zu beschneiden. Diese .Wurzelbehandlung" ist aber kein juristisches, sondern ein politisches Problem. Der Politiker, nicht der Jurist muh die Mittel auf zeigen und an- wenden, die hier zweck- Herbeiführung der Ge­sundung erforderlich find.

Richt ander- ist die Sachlage in der berühmt- berüchtigten Aufwertung-fra g e. Diele Angelegenheit ist in einer alle Beteiligten auch nur halbwegs befriedigenden Weise überhaupt nicht zu erledigen. Gan; verfehlt ist es man mag zur Aufwertung selbst stehen, wie man will. im Wege der Auslegung bestehender Gesetze zu dieser ober jener Lösung zu gelangen. In da- Prokrustesbett deS bisherigen bürger­lichen Rechts lallen sich ganz einzigartig daste- henbe wirtschaftliche Dorgänge, wie sic der Frage- komplcr Inflation Geldentwertung darstellt, nicht hineinzwängen. Mit InterpretationSkunst- stückchen und gelehrt juristisch aussehenden Dar­legungen sind die Schwierigkeiten nicht zu, be­heben. An anderer Stelle ist schon vor Iahr «und Tag entgegen der bekannten Ansicht deS Darmstädter OberlandeKgerichtSpräsidenten Dr. Best und des .Bunde- der Geusen" ausgelührt worden, daß dessen formelrechtliche Auffassung unhaltbar ist. Die Verhältnisse haben grundsätz­lich gegen diefreien" Aufwertungsfanatiker ent­schieden. wie die dritte Steuemotverordnung. deren Anordnungen im Einzelnen man durchaus noch nicht alS Ideallösung zu akzeptieren braucht, beweist. Die prominentesten Vertreter der Wirt­schaft haben mit Recht erklärt, daß man schon im Interesse des Realkredits wie des Grund­stücks- und Kreditverkehrs überhaupt endlich eine flarc. geregelte Situation vorsinden müsse, und daß der Wirrwarr, den ein Hin- und Herschwan- ken der Rechtsprechung auf diesem Gebiete an­richten müßte, unübersehbar wäre. Ie länger je mehr muß man zu der Ueberzeugung gelangen, daß die juristische Betrachtungsweise, auch wenn sie in moralischer Maskierung auftritt, ein un­taugliches Mittel ist. Mansolltedochend- lich dazu kommen, in wirtschaftlichen Dingen der wirtschaftlichen Betrach­tung den Vortritt zu lassen. Tut man dies dann sieht sich auch das Auswertungsproblem ganz anders an. Richt, toi» man dem einen ober anderen Auswertungsgläubiger zu seinem Geld verhilft, kann die Fragestellung lautem, fonbem: welcher Weg muß gewählt werden, u in einen Ausgleich z u schaffen zwischen den V o l k s k r e i s e n , die infolge der Geldentwertung und des Staatsbankerotts ihr Dermö- genverlorenhaben.unbden Kreisen, die noch heute im Besitz ihrer Sach­werte sind, diese womöglich noch ver­nt c b r t haben. Sofort zeigt sich, daß hier der Iurist zu schweigen und der Politiker und Staats­mann zu reden hat. Der bcfaimtc Antr a g DernburgzurAufwertungsfrage faßt die Sache von dieser Seite an und trifft damit im Prinzip ohne Zweifel das Richtige 3um Unterschied von den Vorschlägen der ver­schiedenen Gläubiaerschuhverbände, die sich meist durch eine verblüffende Raivität in der Beur­teilung von wirtschaftlichen Dingen auszeichnen.

Diese Beispiele ließen sich unschwer um Dutzende vermehren. Sie beweisen die Rotwen- digkeit einer Umstellung. Wir Iuristen leiden we-bl alle mehr ober minder an einer lieber- schähung des Rechts in dem Sinn, daß wir den erlassenen Gesehen Fähigkeiten zutrauen, die sie oft nicht haben können. Die in unseren Kreisen übliche Auftallung. biß man mit b?m Erlaß papierener Bestimmungen den größten Teil einer zu bewältigenden A'beit schon geschafft habe, widerspricht nur zu häufig den Erfahrungen der Praxis, in welcher sich zeigt, baß es mit einem Wust von Gesehen. Verordnungen. Bekannt- nrachungen. Ve'sugnngen. Erlassen ulw. nicht ge­

tan ist. Wir Haden an einem Abbau der (ormalj uriftifchen und einer nachhaltigen Kultivierung einer wirtschaftlichen Betrachtungsweise alle- Interesse. In diesem Sinn will der Titel dieses Auf'aye- ver- standen sein.

Evangelischer Landeskirchenlag

Darmstadt. 14. Februar

Beginn der Sitzung 9.30 Uhr. Zur Ver­handlung kommt zunächst die Besetzung der Superintendentur Gießen.

Abg Dr. W a I g e r -Gießen erstattete den Bericht des 3 Ausschusses. Dieser beantragt, die Superintendentur Oberhessen sofort mit einem Superintendenten im Hauptamt zu besetzen, und daß dieser seinen Wohnsitz in fernem Sprengel nehme.

Abg Ausfeld -Gießen beantragt im Fla­men deS 1. Ausschusses ebenfalls die sofortige Besetzung der Superintendentur Oberhessen und teilt mit. baß nach Ansicht deS Ausschusses finan­zielle Bedenken nicht bestünden.

Abg. Dr. A v e m a r i e-Darmstadt tritt für Erledigung der Frage in obigem Sinne ein.

Abg. Dr. Müller -Rüssel-Heim wendet sich auS finanziellen Gründen gegen die Besetzung der Superintendentur Oberhessen und bittet um Annahme seine- Antrags, dem Prälaten und dem Superintendenten die einstweilige Mitversehung der Superintendentur Oberhessen zu übertragen.

Abg. Deggau -Oberbreidenbach tritt aus volkskommissarischen Gründen für Besetzung ein.

Abg. Gustmann -Kircfcherg betont, daß eS der dringende Wunsch der oberhessischen Laien und Geistlichen ist. das Amt des Superintendenten zu besehen. w

Prälat D. Dr. Diehl betont, daß fein Amt nach der geistlichen Seite ausbaufähig sei. daß es zu sehr durch Präsidialgeschäfte einseitig be­stimmt werde.

Abg. Dr. von Hehl weist zurück, dah heute schon ein so wichtiger Punkt der Kirchen- Verfassung wie die Stellung deS Prälaten rück­wärts revidiert würde.

Abg. Lenz-Lich fordert, daß die geistige Bedeutung des Prälatenpostens gesichert werde.

Der Antrag dcS Dekanats Friedberg auf sofortige Desehung der Euperinten- dentur Oberhessen wird mit 36 gegen 11 Stimmen angenommen. Ebenso wirb mit großer Mehrheit angenommen, baß der Superintendent seinen Wohnsitz in seinem »Sprengel nehmen soll.

Abg. Kleberger - Darmstadt begründet einen Antrag, dah dem Prälaten die versassungs- mähige Berechtigung gegeben werde, ins Land zu gehen, wann und wohin er auch gerufen werde. Der Antrag wird mit groher Mehrheit (gegen 2 Stimmen) angenommen.

Rach weiteren Verhandlungen über die Ge­haltsverhältnisse der Kriegsteilnehmer unter den Pfarramtskandidaten wird das Gesetz übet die Abänderung des KirchengesetzeS vom 17. Rovem- ber 1888. die Pfarrer betreffend, in zweit ter Lesung beraten.

Um l1/» Uhr werden die Verhandlungen ab­gebrochen: nächste Sitzung Montag 10* ? Uhr.

Aus der Provinz.

Landkreis Gießen.

t Gründer g. 15. Febr. Bei der heutigen Bürgermeister-Stichwahl wurde Karl Georg Iöckel. der Kandidat deS Bauern­bundes, mit 653 Stimmen zum Bürgermei­ster unserer Stadt gewählt. Der Gegenkan­didat, Kaufmann Hermann Magel, erhielt 618 Stimmen. 9 Stimmen waren ungültig. Don 1421 Wahlberechtigten hatten 1280, also 90 Prozent, ihr Stimmrecht ausgeübt. Grünberg war den ganzen Tag über in Aufregung. Schon von mor­gens früh ging eS sehr lebhaft zu. Wagen fuhren hin und her. um die Wähler zum Stadt­haus zu bringen. iDele Auswärtige waren ge­kommen. um sich den Wahlbetrieb anzusehen. Rachmittags war eine große Menschenmenge auf dem Marktplatz versammelt. Um 6 Uhr. bei Schluß der Wahl, war das Wahllokal dicht ge­

drängt voll Menschen Rach bet Dekanntaabe des WahlcrgebnisfeS veranstalteten die Wähler einen Fackelzug nach der Wohnung de- neuen Bürgermeister-, dem der Giünberger Mu» fikchor ein Ständchen darbrachte Bürger­meister Iöckel sprach seinen Dank au- und ver­sicherte. daß er stet- für den Frieden und das Wohl der Stadt wirken wolle. Weiter teilte er mit. daß er einen Betrag für ein Krankenhau­st isten werde.

Staufenberg, 14. Febr. Bei der heutigen Runhol-versteige rung in unserem Gemeindewald ergaben sich folgende Durchschnittspreise: Eichenstämme 4. und 5. Klasse 60 Mark, Kiefernstämme 4 und 5. Klasse 40 Mark je Festmeter. Eichennuy- scheitcr 30 Mark, Eichennuyknüppel 15 Mark je Raummeter.

KreiS Friedberg.

2 Dad-Rauheim. 14. Febr In dem an der Parkstraße grenzenden Teil des Parkes wird eine größere gärtnerische An läge geschaffen, die wesentlich dazu beitragen wird, in daS Grün der Wiesenflächen eine ange­nehme Abwechslung zu bringen. Bei den Ent- wässerungSanlagen. die zur Zeit ausgeführt wer­den. stieß man in etwa 1 Meter Tiefe auf vor - geschichtliche Funde. Auf Veranlassung von Dr. Martin, dem eifrigen hiesigen Heimat­forscher. wurde alles Scherben.material sofort ge- sammelt Prof Helmke- Gießen, der Denk- malspfleger für Oberheften, hat bereits Kenntnis von dem Funde genommen und an Ort und Stelle die Fundstücke besichtigt. Da neben den Stücken von Töpfen auch tierische Knochen zutage gefördert worden sind, nimmt man am daß eS sich um eine Siedlung aus der La-Tßne-Zeit (etwa 103 v. Ehr^ handelt Mit Interelle wird das Ergebnis der genaueren Untersuchung Pros. Helmkes erwartet. Es ist bekannt, daß die hie­sigen Salzguellen schon in vorgeschichtlicher Zeit benutzt worden sind und immer wieder zur Siedlung angezogen haben Gerade aus der angegebenen Zeit sind hier schon zahlreiche Funde gemacht worden.

Sf. Friedberg. 14. Febr. In einer sehr stark besuchten Versammlung im Hotel Trapp sprach Geheimrat Best über die dritte Steuemotverordnung und den gegen« toättigen Stand der Aufwertungsfrage. Er berücksichtigtee in seinem Dortrage beson­ders den Gesetzentwurf, den sein Druder, der bekannte Vorkämpfer in der Aufwer­tungsfrage und Reichstagsabgeordnete. Ober- landesgerichtspräsident Best, demnächst dem Reichstage vorlegen wirb. Zahlreiche der An­wesenden traten demLande-verbande Hessen des Hypotheken-Gläubiger- und Svarausschufses für das Deutsche Reich" bei. - Wie wir früher bereits berichteten, haben sich die beiden hiesigen höheren Schulen, die Augustiner- und die Schillerschule, zu einer Reihe gemeinsamer Ver­anstaltungen vereinigt. Zu diesen Veranstaltungen gehörte der Vortrag, den Studicnrat Dr. Rup v c l von der Schillerschule in der Aula der Augustinerschule hielt. ..Aus großer Fahrt nach Sylt" so lautete da- Thema: unterstützt bureb 70 prachtvolle farbige Lichtbilder ftihrte un« dtc Reise durch die Lüneburger Heide und das Marschland nach Hamburg, dann zur See. vor­über an Helgoland, nach der Rordseelnsel Sylt und endete nach einem Desuche von Kiel in Lübeck. Die Reise, die der Redner gemeinsam mit einer Studienanstalt au- Wiesbaden gemacht hat gab ein lebensvolles und interessantes Dild dieser für dic Entwickelung und Zukunft Deutsch­lands lo wichtigen Gegend.

Ärcis Büdingen.

A Ridda. 15. Febr. Die hiesige Orts­gruppe der Liga zum Schutze der deut­schen Kultur veranstaltete imGarn- brinus" unter Leitung des Ingenieur- E r t e I einen Filmvortrag, der sich eines recht guten "Besuches erfreute. Der erste Film Frankreich gegen Europa" z^gte in überzeugender Weise die geschichtliche Entwick­lung der Eroberungspolitik unserer westlichen Rachbarn. Der zweite Teil führte .Die Ska- gerrakschlacht" genau so vor. wie diese nach

Die rote Kaschgar.

Roman von Fedor von Zvbeltih.

68. Fortsetzung (Rachdruck verboten.)

(Schluß.)

Ihre Glieder flogen, über das Kalkweiß Hres Gesichts fuhr eine fliegende Hitze und ebte rasch wieder ab. ihre schlanken Finger kno­teten sich ineinander.

Ocrt". sagte sie zitternd.ich schwieg ja nicht . ." Dann warf sie die Arme auf den Tisch und barg den Kopf in den Armen . . . O Gott, was quäl ft du mich", schluchzte sie.

Er stand auf. . Freye. ich will dich nicht quälen. Weine nicht es tut mir so weh. Ich kam einer Riederträchtigkeit auf die Spur. Ich will auch die letzten Spuren bloßlegen. Hell­mut konnte mich betrügen und Alere ja. auch Alere. Du tannft es nicht Warst du mit in dem Komplott gegen mich? Rein du sagst ja. du hättest nicht geschwiegen. Aber wenn du gesprochen hast, mußte man doch Ärcuj- himmeldonnerwetter. mußte man doch wi.sen, daß ich noch unter den Lebenden bin!'

Sie hob den Kovf und wischte die Tränen aus dem Gesicht. Eie war wieder fester geworden.

Gert", sagte sie. -ich frage noch einmal: was willst du? Alere ist deine erwählte grau. Du liebst sie, sie liebt dich Denke doch an die Zukunft und nicht an das, was hinter dir liegt!"

Ich denke an das. was meine Ehe zerstören Tann und meine Liebe zerbricht. Willst du mir ehrlich Antwort geben?"

Rein, ich verweigere sie dir", rief Freye.

Er nahm das Gewehr aus der Ecke und ent­sicherte es.Freye". sagte er ruhig, aber in metallen klingendem Tone,ich bin bis obenhin mit Gift. Galle und Ekel geladen. Mein letzter Glaube war der an dich. Don dir hoffte ich die Wahrheit zu hören. Weigerft du sie mir. so schieße ich mir vor deinen Augen eine Kugel durch den Kopf. Du kennst mich, ich halte immer mein Wort. Also sprich."

Freye erhob sich, trat neben ihn und nahm ihm die Büchse ans der Hand.ES siegen zwei

Patronen in dem Gewehr", entgegnete sie, die zweite Kugel wäre für mich gewesen."

Sie stellte öle Waffe wieder in die Ecke neben der Fensternische und wandte sich dann mit fast brüsker Bewegung an Gert zurück

Du zwingst mich zu einem Geständnis , tagte sie.daS ich um deinetwillen geheim halten wollte. Du zwingst mich dazu, allo mufj i<b sprechen. Ich erhielt deinen Dries und fuhr damit nach der Wesenburg und zeigte ihn Alere.

Die Hände Gerts ballten sich. Ein stöhnender Laut kam über seine Lippen.Und was ant­wortete sie dir?" fragte er heiser.

©ie warf den Dries in das Kaminfeuer.

Ah sie verbrannte ihn! Recht sol Ein zerstörter Beweis. Auch Hellmut wird den Brief an ihn vernichtet haben aber die eingelegten Marken, zwei seltene Freimarken, die ich ihm schickte, weil ich feine Liebhaberei kannte, die bewahrte er sorgfältig in seiner Sammlung! Und die hab' ich gesehen, Freye! . Doch nun weiter. Fahr fort!"

Was soll ich noch sagen?"

Der Brief verbrannte. Aber du hattest :wch deine Sprache. Fuhrst du nicht zu Theda und Hellmut und erzähltest ihnen, was geschehen war?"

Rein", antwortete Freye mit schwacher Stimme. _

Fühltest du nicht die Verpflichtung, das Gericht zu benachrichtigen?"

Olein, lieber Gert."

Freye Freye. sag doch die Wahrheit? rief er bittend und drohend.Ich verstehe ja. dah da jetzt jetzt, wo das alles schon hinter uns liegt, wo ich Thedas neue Ehe gewisser­maßen bestätigt habe und selbst vor der zweiten Ehe stehe, dah du das Geschehene am liebsten in deinem Herzen begraben möchtest um meinetwillen gut! Aber damals hättest du doch sprechen müssen! Auch um meinetwillen. Denn ich lebte und wollte noch leben. Und war Thedas Mann, und du konntest nicht willen nichts konntest du wissen . . warum schwiegst bu'T

Sic warf sich toieber auf das Sofa und weinte. Da wurde er milder.

.Du muht mich zu begreifen versuchen. Freye", fuhr er fort.Man hat einen unerhörten

Betrug an mir verübt. Und Alere war Helferin. Sott ich dir sagen, warum? Well ich zurück follte in ihr Retz. Einmal entschlüpfte ich ihr. Da warst du meine Retterin unbewußt. Du kannst e- zum zweitenmal werden, wenn du mir die Wahrheit sagst."

Freye richtete sich auf. Eie drückte beide Hände gegen dic Brust, als wollte ,sie ihr Herz beruhigen, und sprach rasch und flüssig, nur in gleichförmigem Tone:

Sv will ich dir beichten. Alere bat mich, zu schweigen. Sie sagte mir: Die Ehe zwischen Gert und Theda war ein Geschäft. Theda liebt Hellmut. Gert aber kchrt als freier Mann zurück. Dann blüht noch einmal dein Weizen . . . So sagte sie und deshalb schwieg ich Törin."

Deshalb", wiederholte Gert, sehr weich, und eine Flut von Licht badete sein Gesicht.Du schwiegst, well du auf mich hofftest. Also liebtest du mich noch."

Ihre Augen tropften. ..E- war unrecht", rief sie.es war eine Sünde, es war ein Verbrechen! Wer ich tat es. Verdamme mich nicht!"

Da stürzte er zu ihren Füßen.Freye, liebe, liebe Freye. du warst im großen Wirbelsturm meines Lebens einmal der ruhende Pol Und wärst du mein Weib geworden, ich hätte nicht mit so verrückter Vernichtung-begeisterung öieS Leben verspritzt und verfadelt, denn du hättest Wunder an mir getan dein Wesen hätte auch mich erfütü. Ach. Freye. Akkorde deines WefenS hörte ich selbst in der Fremde, und etwas von dieser reinsten, einzig reinen Liebe blieb immer, ein geheimnisvolles Etwas außerhalb aller Zett weißt du. ein AllerheiligsteS. vor dem auch mein Spott verstunnnte! Und wenn du nur sagst, du hättest in hoffender Liebe auf mich gewartet, da könnte ich Alere fluchen und dem falschen Glanz ihrer Leidenschaft! Wie tomme ich los von ihr? Ich kann sie ja nicht mehr sehen! Ich will zu dir zurück. Freye. du bist mein Schicksal - du hast geschwiegen, statt in alle Welt, zu schreien, daß ich noch lebe du hast mein Schicksal geschallen!"

In diesem Zügen- icf tiefinneren Zusammen­bruchs gewann unwuttürlich seine Sprache an

regellosem Schwung. Aber da er nun fein Ge­sicht auf ihre Knie preßte und seine Arme in trügerischen Wahn einer wilden Gesühlshehe um ihre Hüfte schlang, da wehrte sie ihm nicht stürmisch, mit sanfter Bewegung, so daß sie sich erheben konnte.

Steh auf", sagte sie.so darfst du nicht sprechen. Gert Ich bin seit gestern die Frau Austiens wir wurden im Gemeindehause vom Standesbeamten getraut ... Es ist ja nicht wahr. Oer*, daß ich dir zum Schicksal wurde das Schicksal ging dir voran, halte e- auf, packe es, meiftre es noch tannft du eSI"

Er wuchtete sich schwerfällig aus den Knien in die Höhe.Frau Gräfin", stammelte er und fuhr 'ich über die StirnEntschuldige. . Mit fahriger Bewegung griff er zur Mühe, griff er nach seinem Gewehr.

Er sah sie nicht mehr an. ein Zögern kam Un der Tür. aber er ging. Sie hörte seinen schweren Schritt auf den Fliesen deS Dorflur-, eS war ein unregelmäßiger Widerhall, wie von einem Taumelnden.

Da griff eine Hand in ihr Herz. Sie zuckte zusammen unter einem jähen Angstgefühl. Warum ging er so ohne Abschied von ihr? Konnte man nicht mit einem Händedruck scheiden? Sie sprang zum Fenster und stieß e- auf. Sic fjatte das unwiderstehliche Verlangen, ihm noch em letztes gutes Wort zuzurusen Und hoffte auch auf einen freundlichen Blick von ihm.

Er schritt jetzt über den Hof. vernahm wohl bas Aufklingen des Fensters und wandte mit einem starken Ruck sich zurück Eie fap nun fein Gesicht wie ein Zerrbild der Wirklichkeit und Unbekanntes und Schreckhafte- in seinen Augen Dic Unendlichkeit einer Schwermut, in der alles Denken zur Verzweiflung und die Kraft der Verzweiflung zu einer wilden Energie deS Entschlusses wird.

Aber in überströmendem Mitleid drängt« sie die beklemmend? Angst zurück, neigte sich aus dem Fenster und wollte ihm einen Abschieds- grub zuwinken. Ein Schuß fiel. Sie Rftrie nigt auf; sie griff mit den Händen nach dem Halte und sank hinterüber.

Unmittelbar darauf fiel ein zweiter Schutz.