lieft aiii dem „'Bud) der Mm, Herr DarriL (vvn i singt Lieder 91t Saute,
oeriünd'tquugSblatt. verlftndigung-blatt it enthält: KamewIMchet ing ton möblierten Zimm«
Maul- und Älauenfai^e b huh von Eichhörnchen ufto. - siftungsvoranschläge für 1925.
- Ofterferien 1925. - De« M hn Ämter. - Dassen- chnchten.
)»Nachrichten.
lsche StMbben.
etnbe. ©otteib. i. Semwlöeh g, beo H. Samia. Xtnabb. 5.05 u. 5.45.
Schaft. 6abbatWi,U.3m- jamilag to-rau S&, nach«. 5.45, Dochmgovesd. morg
KsU-'tS f£.^*** Jan.
jna«'3 bis & ^en. HsW '3,Ia‘a?®'J? bÜ?»' WitnÄ »4. Ä
Ä Dm°n^ >iA. r«,. '• 2lckerbohnen 1# !? 20, SäM Programm ttct Tenders. ladiv-Umschau-.) 16. Iamiar:
Slndbun8w- Hä Äftertocrfe bet •v^stk*.6« *^tto Frch. ,30 IHyr; NpercmtEü«, ZEKae: Vortrag «m ^ch°utt vom EiMsch^ e Kabinettplastif 15
® * ®ie reftoechung
ter r> 9,33 Hljr Äochnchten Gericht. 9.40 5: Sc bengrin". SL5 Uhr: &), Hr: Drei Minuten da
ilftt iuug ieiut Z»i-°ke irh nidji nur ingendlicher, fo» 'ÄffiSg X;5Ä- 5
SreSTtSiM
ZW
e Qual
freien Tie davon. 0
hohlen
itauxme M 8^J2 den °°r.
"e.s”'5 .SSjBsE
■•KÄW***
ies. waS M.
Wtz
Keitag, |6 Zmmar 1925
175. Jahrgang
Nr. 13 Erstes Blatt
Limatzme »m liylfeit für ble lagesnummer bis 3uwi Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichbeit.
Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm ‘Brette ödlid)8, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen D.70mm Breite 35 ©olbpfenmc, Platzvorschrift 20" .Auf fchlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr Wilh Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumfchein; für den Anzeigenteil: hansBcch, sämtlich in Bietzen.
Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags.
Beilagen:
BietzenerFam ilienb lätter Heimat im Bild.
monatssBejr.gtpreto:
2 Goldmark u. 20 Gold- ofennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fern sprech,Anschlüsse: Schriftleitung 112, Der» lagundBefchäftsstellebl. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerSiehen.
Postscheckkonto: Sranffutt a. M. il«S«
SiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Bberhefien
vntck und Verlag , vrühl'sche Univerfilätr-Vuch- und Sleindruäerei B. Lange in Stehen. Zchnstlettung und Geschäftzstelle: Zchulstrahe 7.
Reichskanzler Dr. Luther.
Letzte Schwierigkeiten. — Das neue Kabinett.
3tnen ganzen Tag hat es doch noch, nachdem man beftmhe schon einig schien, gedauert ins cherr Dr. Luther mit seiner Kabinettsblldung endgültig im Reinen war. Die Parteien haben ihm die Aufgabe wirklich nicht leicht gemacht, und trotzdem kann man ihnen nicht nachsagen, dah sie aus BoSheft ihm immer neue Steine in öen Weg geworfen hätten. Das Kennzeichen dieser neuen Konstellation ist eben vorläufig ein ins Anendliche gehendes Miß trauen, infolge« dessen fürchtet jede Fraftion, übers Ohr gehauen zu werden, jede will sich den Rückzug offen halten, aber gleichzeitig doch auch vermeiden, daff die neue Regierung schon nach wenigen Tagen mit einem Fiasko endet, bei dem ein Stück der Blamage auf den Parteien hängen bleiben würde, die mittelbar oder unmittelbar die Regierung unterstützt haben.
Daher der Borstoff der D e u t s ch n a t i 0 n a- Icn, die im letzten Augenblick noch das Thema des Bertrauensvotums, das bereits ab« geschloffen schien, von neuem anschnitten und das Zentrum festlegen wollten. So stark nämlich die bürgerliche Mehrheit an sich ist. wenn die Demokraten abspringen, womit man rechnen muh, wenn außerdem der linke Flügel des Zentrums mit etwa zwanzig Mann Handlungsfreiheit hat, die unter Umständen auch gegen das Kabinett stimmen, dann könnte es geschehen, daff die Minderheit, die an sich gegen das Kabinett Luther ist. sich dank einer zufälligen Besetzung des Hauses in eine Mehrheit verwandelt, und die Regierung schon bei ihrer Antrittsvorstellung eine Riederlage erleidet.
(Ls ist also nicht richtig, daff die Deutlch- nationalcn den Bersuch gemacht haben, auf üm= wegen wieder auf das parlamentarische Kabinett zurückzukommen, indem sie das Zentrum unter allen Umständen für das Kabinett fest legen wollten. Die Deutschnationalen lehnten es nur ab, ihren Fraltionsführer für ein Gintagskabinett herzugeben. Darüber haben sie wohl auch vom Zentrum die erwünschten Sicherheiten erhalten, so daff wenigstens eine ausgesprochene Gegnerschaft gegen das Kabinett von der Gruppe Wirth her nicht zu erwarten ist.
Aus ähnlichen Gründen sind auch die Per- sonalfchwierigkeiten entstanden. Herr Schollen, der für das Justizministerium in Aussicht genommen war. hat es vorgezogen, auf seinem Amtssitz in Düsseldorf als Oberlandes- gerichtspräsident zu bleiben, anstatt sich in die Gefahren einer lürzeren oder längeren Ministerexistenz hineinzustürzen. Durch das Freiwerden eines einzelnen Postens sind naturgemäß Ehrgeize verschiedener Art wieder wach geworden, zumal, da die Bayerische B 0 l k s p a r t c i sich ohnehin schlecht behandelt glaubte und von neuem versuchte, ihren alten Kandidaten Emminger auf das Justizministerium zu sehen.
Durch Liese Personalverschiebungen war den unterirdischen Quertreibereien, die keineswegs ganz beteiligt sind, von neuem der Weg geöffnet, das ganze kunstvolle Gebäude, was Dr. Luther errichtete, krachte bereits in seinen Fugen, aber im letzten Augenblick ist es doch noch gelungen, die Mauern wieder abzustühen, so daff das Kabinett sich am Freitag dem Reichstag vor st eil en lann. Und der Zwang zur gemeinsamen Arbeit auf der einen Seite, ine Angst vor einer neuen Krise auf der anderen Seite aber werden das Ihrige Lazu tun, um die Ent- stehungstranlheiten dieses Kabinetts vergessen zu machen, Damit wir jetzt endlich zu einer Stabilität unserer inneren Politik kommen, die für eine ruhige erfolgreiche parlamentarische Arbeit Voraussetzung ist.
Das Kabinett Luther.
Berlin, 15. 3an. (TU.) Der Reichspräsident hat den bisherigen Reichsfinanzminister Dr. Luther zum Reichskanzler und auf dessen Vorschlag die nachstehenden Herren zu Reichs Ministern ernannt:
Reichsministcr des Auswärtigen: Dr. Strese» mann, M. d. R.»
Reichsm'nster des Inneren: Martin Schiele, M.d.R..
Reichsmin'ster der Finanzen: Roch unbeftht. Reichswirt chaftsminister: Neuhaus, Mini» steriUdirektor a. D-,
Reichsarbeitsminister: Dr. Brauns, M. d. R., ReichSwehrm'n'ster: Dr. Geßler, Rcichspostmin'ster- S t i n g l, Reichovertehrsmin'.ster: Noch unbesetzt, ReichSm'n.ster für Ernährung und Landwirtschaft. Gras von Kanih.
Das R e i ch s j u ft i z m i n i st e r i u m ist dem Oberlandcsgerichtsrat Schumacher, Mitglied des ReichSrateS, angeboten worden, der auch gleichzeitig mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsminftteriums für die besetzten Gebiete betraut werden soll. Die Verhandlungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen worden.
Die neuen Minister.
Berlin. 16. 3an. (2.11.) Der Minister bes Innern Martin Schiele, der der Deutsch- nationalen Volkspartei angehört, ist 1870 geboren und evangelischer Konfession. Er hat seinen Wohnsitz als Rtttergutspächter und Fabrikant in Reuschvllen, Kreis Jerichow II. Seit 1914 ist er Mitglied des Reichstags. Seit Dezember v. 3. ist er mit Dem Vorsitz der Deutschnationalen Reichstagsfrcftnon betraut
Postminister Stingl gehört der bayrischen Postverwaltung an. Als Oberpostdirektor trat er in Landshut tätig und wurde danach Staatssekretär und Leiter der Personalabteilung im bayrischen Verkehrsministerium. Rach Dem Uebergang der bayrischen Postverwaltung auf das Reich übernahm er die Leitung Der Zweigstelle München des Reichspostministeriums. 3m November 1922 wurde er in dem Kabinett Cuno mit dein Amt des Reichsvostminist--rs betraut. Er ist Mitglied der Bcchrischen Volkspartei, gehört aber nicht der Reichstagsfraktion an.
Der neue Reichswirtschaftsminister Dr. Albert Neuhaus ist geboren am 19.3uli 1873, war zunächst im Gerichtsdienst als Referendar und Assessor beschäftigt und sodann als 3ustitiar bei der Regierung in Düsseldorf. 1906 wurde er als Assessor in Den allgemeinen Verwaltungsdienst übernommen. Seit 1. Oktober 1903 war er Hilfsarbeiter im preuffischen Ministerium für Handel und Gewerbe. 1909 wurde er zum Regierungsrat befördert und 1910 zum Geheimen Regierungsrat und Vortragenden Rat. 1914 erfolgte seine Ernennung zum Geheimen Oberregierungsrat, 1918 zum Wirklichen Geheimen Oberregierungsral und Ministerialdirektor. Am 1.3anuar 1920 schied Neuhaus aus dem Staatsdienst aus.
Dr. Gehler zur Krisis.
Berlin, 16. 3an. (TU.) Reichswehrminister Dr. Gehler gewährte einem Pressevertreter eine Unterredung, in der er folgendes ausführte: Sie machen mich auf eine Reihe von Darstellungen aufmerksam, Die in Der Presse über meine persönliche Haltung in her Kabinettskrise in Umlauf sinD. 3ch kann Darauf nur erwidern, Last mir diese Darstellungen verwunderlich erscheinen, weil ich während Der ganzen Kabinettskrise mir größte Zurückhaltung auferlegte, stets i n e n g ft c r Fühlung mit dem Vorsitzenden Der Demokratischen Partei. Herrn Minister a. D. Koch, gestanden und mit Herrn Dr. Marx eine kurze Unterredung gehabt habe. Wenn in einer großen Zeitung davon gesprochen ist. ich hätte die Umbildung des Kabinetts Marx sabotiert und mich sogar gegen die Aufnahme führender Demokraten gewandt, so ist das eine Ersin düng. Mein Standpunkt während des ganzen Verlaufs der Krise ist der gewesen. daff ich aus persönlichen Gründen das größte Gewicht darauf gelegt habe, endlich einmal eine Zeit Der Ruhe für mich zu haben und deshalb auszuscheiden, daß ich jedenfalls nur in ein Kabinett eintreten tonnte. Dem die demokratische Fraktion mindestens Neutralität bewahrt. Wenn ich auch kein Mitglied der demokratischen Fraktion bin und deshalb auch meine Entschlüsse frei treffen kann, so bin ich doch Mitglied der Demokratischen Partei. 3d) habe allerdings als Patriot das dringende 3nter= esse empfunden, kein Hindernis zu bilden, daß Deutschland herauslommt aus Dem gegenwärtigen unhaltbaren Zustand, der eine schwere Diskreditierung Der demokratisch-parlamentarischen Staa tsf orm darstellt, und deshalb bin ich schließlich auch bereit gewesen, meinerseits Opfer zu bringen, die mich im Hinblick auf meine persönlichen Verhältnisse besonders bedrücken.
Das Echo der Berliner Presse.
Das Kabinett Luther wird von der deutsch- nationalen und der volksparteilichen Presse begrüßt, von Der erstere' allerdings mit Der Einschränkung, daß es lediglich eine Etappe zu Dem zu erstrebenden staatsbürgerlichen Kabinett sein müsse. Die „®ermania“, das Berliner Zentrumsorgan, w eherholt ihren bereits gestern Dargckgten Standpunkt, wonach die Haltung des Zentrums von den Taten des Kabinetts abhängen werde. Laut „Berliner Tageblatt" und „Vosssicher Zeitung" hat die demokratische Reichstagsfraktion gestern einstimmig einen Beschluß gefafft, demzufolge sie Dem Kabinett mit den schwer st en Bedenken gegenüberstehe und sich ihre Stellung zur Regierungsbildung Vorbehalte. 3n den Ausführungen des „Vorwärts" kommt noch einmal die scharfe oppositionelle Haltung Der Sozialdemokratie gegenüber Dem Kabinett zum Ausdruck.
Mißbehagen in Paris.
Paris, 15. 3an. (TU.) Obwohl amtliche französische Kreise mit ihrem Urteil über das künftige Kabinett Luther' im Augenblick noch z u rü ck h a l't en, ist ersichtlich, daff Mihbehhagen vorherrscht. Insbesondere befürchtet man neue Schwierigkeiten für den Fortgang der französische deutschen Wirtschaftsverhandlungen. Der Berliner Berichterstatter des „Temps" nennt Luther einen heftigen und beschränkten Politiker, der aber ein gewisses Verständnis für unmittelbare Realitäten habe.
Reichstag und Regierung
Besprechung der Negicrnngserklärung.
Die Bildungsformel.
Berlin. 15. 3an. iTU.) Der Ältestenrat des Reichslages beschloß, an der festgesetzten Tagesordnung mit der Erkläru ng der Regierung für Freit ag um s -chs Uhr festzuhalten. Rach der Regierungserklärung wird die Sitzung auf Samstag vertag: werden, wo mit I Der Äefvrechuns Der Regiermmserllärung
sofort begonnen werden soll. Die Redezeit toirh eine Stunde betragen, damit alle größeren Parteien zum Worte kommen. Die weitere Aussprache wird am Montag ftattfinhen.
Wie in den frühen Rachmittagsstunden im Reichstage verlautete, ist zwischen den Deutsch- nationalen und dem Zentrum eine Einigung über Die Billigungsformel über die Regierungserilärung erzielt worden. Ein ausgesprochenes Vertrauensvotum kommt n i ch t in Frage. Die Billigung der Regierungserklärung soll ausgesprochen werden, ohne daß, wie es die Deutschnationalen ursprünglich verlangten, aus Artikel 54 der Reichsverfassung Bezug genomme ntoirh.
Deutscher Reichstag.
Ncdeu ohne Echo.
Der Reichstag hat auch am Donnerstag wieder vergeblich auf das Zustandekommen einer Regierung gewartet. Es ist für ihn ein unleidlicher Zustand, nach Hause fahren kann er nicht, weil wichtige Frattions- sitzungen unter Umständen die Präsens aller Mitglieder crforherlid) machen können, verhandeln aber kann er auch nicht, weil er doch als Gegenspieler eine Regierung braucht. Die Antworten geben kann. So hilft sich das hohe Haus denn sck)lecht und recht aus der Verlegenheit, indem es die Anträge her Parteien, die sich zu mehreren Dutzend angesammelt haben, auf die Tagesordnung setzt, über die Buhne gehen läßt, um später Dann in den Ausschüssen die Antworten der Regierung gewissermaßen nachzuholen. Ein etwas kompliziertes Verfahren, das nur Den Parteien Spaß macht, die ein unbezähmbares Redebedürfnis haben. 3n erster Linie natürlich den Kommunisten. Die fast allein das Feld beherrschen Man spricht zunächst zum Thema Arbeitsgerichte. wobei der Kommunist Rädel das kühne Wort prägte, daß alle Parteien den Arbeitern Sand in die Augen streuen, nur Die Kommu nisten meinten es ehrlich. Eine Redeblüte, die mit ungetrübter Heiterkeit vom ganzen Hause aufgenvmmen wird. Dieser Komplex Anträge geht Dann an Den Sozialpolitischen Ausschuß. Die nächste Gruppe handelt von Handwerker- und Mittelstandsfragen. Hier macht der Deutschvolksparteiler Havemann den Vorschlag, ein eigenes Staatssekretariat für das Handwerk zu schaffen. 3m Anschluß Daran werden Die Wünsche der Kriegsbeschädigten behandelt, und schließlich Fragen des Arbeiterschuhes wie der Sozialversick^rung.
*
Ditzungsberichl.
Berlin, 15. 3an. Auf Der Tagesordnung stehen zunächst die Anträge verschiedener Fraktionen aus Vorlegung eines Gesetzentwurfes über die Errichtung von Arbeitsgerichten.
Abg. Hülser (Dtschntl.) begründet den Antrag seiner Freunde. Bei den von ihnen verlangten Arbeitsgerichten solle ein Schlichtungsverfahren nicht ausgeschlossen sein. Die Arbeitsgerichte sollen Den ordentlichen Gerich - ten ungegliedert werden, aber alle Vorzüge Der Kaufmanns- und Gewerbegerichte behalten.
Die Anträge werden dem sozialpolitischen Ausschuh überwiesen.
Abg. Dudjuhn (Dtschntl.) begründet hierauf Anträge seiner Fraktion. Maßnahmen zum Schutze der Erhaltung und Förderung des gewerblichen und kaufmännischen Mittelstandes zu verlangen. Der neue Reichstag müsse mehr als Der frühere an her Verwirklichung Der Verfaffungsbestim- mungen arbeiten, die Dem Mittelstand den Schuh des Reiches verhieben.
Abg. Havemann (D. Vp.) wünscht einen Staatssekretär für das Handwerk.
Abg. Krätzig (Soz.) erwartet von Reichs- tagsdebatten keine Hilfe für Den Mittelstand, solange die treibhausmäßige Entwicklung Der Kartelle durch die Parteien Der Rechten gefördert werde.
Abg. Frau Schröder (Soz.) bekämpft Die Anträge Der Rechten, mit Denen Den jugendlichen Gefangenen die Erlernung eines Handwerks im Gefängnis trnmöglich gemacht werden soll.
Die Anträge werden Dem volkswirtschaftlichen und dem Finanzausschuß überwiesen.
Es folgen Die Anträge zur Verbesserung der Renten Der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen.
Abg. Rohmann (Soz.) verlangt eine wesentliche Erhöhung Der Renten. Kein Kriegsbeschädigter Dürfe schlechter gestellt sein als er es fein würde, wenn er nach Ögm altere Mannsckaftsversorgungsgesetz entschädigt worden wäre. Die Anträge werden dem zuständigen Ausschuß überwiesen. Hierauf kommen die Anträge über Sozialversicherung und Arbeiterschuh zur Beratung.
Debatlelos werden ferner angenommen die Anträge. Die Die Regierung auffordern, schleunigst Gesetzentwürfe zur Bekämpfung her Geschlechtskrankheiten unb über Die Ausgaben her Reichsbahn vorzulegen. Der Schank st ättengesehentwurf wird dem Ausschuß zur Bevölkerungspolitik überwiesen.
Freitag nachmittag 6 Uhr Die Entgegennahme einer Erklärung Der Reichsregierung.
Die baltische Konferenz.
DaS Fragezeichen, unter Dein d a fällige Hcl- singforfer Konferettz der baltischen Außenmin.- fter Monate gestanden hat. ist beseitigt und an seine Stelle tritt in Diesem Augenblick ein poU tisches Ausrufezeichen, helfen Bedeutung über Die Randstaaten hinausgeht. Mit Der beute in Hel singsors beginnenden Außenministerkonfereitz versucht Polen seinen dünkelhaften Großmacht- Phrasen einen weiteren festen Unterbau zu schaffen. Zwar liegt die 3nitiative zur Ginberuf ui.' Der Konferenz ebensowohl in den baltischen Staaten wie in Warschau, aber Der yochfahrige Ton polnischer Minister seit der ilmbcncnnu..! auSländ scher Gesandtschaften in Botschaften, fest dem abschlägigen Bescheid des Völlerbundes an Litauen in Der Wilnafrage und nicht zuleht T h u- gutta fäbelraffelnhe Pädagogik gegenüber Danzig zeigt, mit tocld)en Hoffnungen und Anmaßung cm der polnische Außen minister Skrcynski sich nach Helsingsors begeben hat. Man könnte Derlei Phrasen, mit denen Warschau sich immer wieder in Erinnerung bringt jedoch auf das Konto slawischen Etrohfeuer-ntui- schreiben, wenn nicht gerade die Wilnaangc- l e g e n h e i t und die Ansprüche Polens auf sechs lettgallische Gemeinden bet 3lluxt den Beweis dafür lieferten, daß Pylen nach wie voi seine politischen Ziele von .M c e r 4 u Mee r", von der Ostsee zum Schwarzen Meer, insgeheim und öffentlich verfolgt.
Diese Einleitung, zu der die ehrgeizige Briefkastenafsäre polnischer Fabrikatior in Danzig Farbe liefert, ist notwendig, um Die politischen Schliche, mit denen Polen die Hel- singforser Konferenz zu beeinflussen sucht, von vornherein wenigstens anzudeuten. Cs besteht die Gefahr, daß Helsingsors, die saubere Stadt des friedlichen Finnlands, sich in ge- wiffcn Sinne zu einem Paris oder Rom des Dezember 1924 verwandelt, wenn nicht die Außenminister Lettlands. Estlands und Finnlands es vermögen, den Hintertreppenkünsten her Polen das eigentliche Programm der Tagunp wirksam entgegenzustellen. Polen ist in Wirllich feit ententistische Großmacht geworden nimmt es doch an der Kottferenz, die dem friedlichen Zusammenschlutz der Randstaaten Dienen soll, mit dem verhaltenen Bewußtsein teil, feine Minderheiten z u unterdrücken, Danzig zu vergewaltigen. Litauen zu knebeln und Lettland aufs Glatteis zu führen, alles in allem aber: Die eis zu führen, alles in allem aber: Dic in der Politik noch unbekannten Embryo, ar sich zu reißen.
Sachlich ist zu Der Konferenz zu bemerken, daß sie zunächst Der näheren Festlegung h^r schon früher begonnenen Schiehsgerichts- verfahren zwischen Den Randstaaten dienen soll. 3n Verbindung Damit Dürfte man vorsichtig auch an Die Beratung Der weiteren Voraussetzungen zu Dem genannten Bund herantreten, doch machen sich schon jetzt in Den eigentlich baltischen Staaten ernste Stimmen hörbar, Die Konferenz werde schon einen guten Ausgang haben, wenn die Schiedsgerichtsfrage endgültig geklärt werden sollte. Denn abgesehen davon, daß Lettland in keiner Weise für ein 3lluxt- Kompromiß zu haben ist, das Litauen sich an Konferenzen, auf denen Polen erscheint, grundsätzlich nicht beteiligt, läge es doch nur im Charakter her polnischen Politik, einen Baltischen Bund als Trumpf gegen Rußland und gegen Deutschland auszuspielen.
Die Staaten nördlich Polens sind ab ei keineswegs gewillt, sich zum Spielball ehrgeiziger Polenpläne zu machen und sich womöglich um Polens 3ntereffen willen in Kriege verwickeln zu lassen.
Schließlich darf als Hintergrund des Gemäldes nicht der französische Einfluß in Polen und der englische in Den übrigere Randstaaten vergessen werden. Finnland hat ja schon 1923 durch die Ablehnung eines Bundes- entwurfes deutlich zu verstehen gegeben, daff ihm eine deutsch-feindliche Politik zuwider läuft Und wenn man im allgemeinen auch nicht von einer Deutschfreundlichkeit der baltischen Ministerien, insbesondere Der Rigaschen, sprechen kann, so sehen Dic Regierungen dort doch in dem Schick^ fal anderer Heiner Staaten, wie z. B Albaniens, sezierende Hände walten, deren Messer sich gelegenllich auch nach anderer Richtung hir wenden können. Gelingt es Polen aber, die baltischen Staaten in seine Kreisc zu bannen, fr haben wir mit einer Konstellation zu rechnen, deren weiterer Ausbau sich nur an das Militärbündnis zwischen Letlland und Estland anzu- gliedern orauchte. Damit wäre dann nicht nur cie Schließung der aggressiven anti- boltchewistischen Front von Athen bis Reval vollzogen, sondern es würde sich auch dic sranzösische Kontinentalmacht aus- dehnen. Gleichzeitig hätte der- Entente- Imperialismus Fortschritte geinacht und folglid) auch die internen baltischen Angelegen heften Der Weltpolitft unterworfen.
Naturgemäß nimmt auch die Sowjet- Regierung, Deren Revaler Abenteuer her Konferenz einen bestimmteren Charakter verliehen haben, zu den Beratungen in Helsingsors Stellung. Politisch vermag sic Den Gang der Verhandlungen ebenso wenig zu beeinfluße 1, wie militärisch deshalb reicht sie Den Randstaaten Lockspeisen, Die aber kaum verfangen Dürften. Freilich versöhnt sie her Umstand, daß die Konferenz in Finnland stattfindet, das von russ scher Sefte angeblich, wie die Moskauer Presse schrc bt, nichts zu befürchten habe. Aber gerade die Möglichkeit des wittschafllichen Zusammengehens Der Randstaaten ja gelegentlich auch eine 2££w


