Ausgabe 
15.10.1925
 
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er so-

36. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

handelten am Montagabend alle Gruppen zusam­men und stellten eine provisorische Liste von etwa 40 Kandidaten aus. Es finden in den näch­sten Tagen, wahrscheinlich am Freitag, die V o r- Wahlen zu unseren Gemeinderatswahlen statt und die Namen derjenigen Kandidaten, welche dabei die meisten der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen, werden auf die gemeinsame Liste gesetzt. Damit ist unser Dorf vor einem Dahlkampf mit seinen üblen Folgen verschont geblieben.

Ö Beltershain, 14. Oft. Nach dem im letzten Monat erfolgten Abzug des Lehrers Petri, der nach Wieseck versetzt wurde, wurde unser Schulhaus durchgehend reno­viert. Auch der äußere Anstrich wurde er­neuert. so daß sich das Schulhaus als eine Zierde unseres Dorfes zeigt. Ein Nachfolger ist für Herrn Petri noch nicht ernannt, doch dürfte die Er-

Wahl, das Ruhegehalt und die Hinterbliebenen Versorgung des Bürgermeisters werden nad) den Vorschlägen der Finanzkommission genehmigt. Die Bürgermeisterei wird ermächtigt, den Wortlaut der ganzen Ortssatzung, wie er sich aus den vorstehen­den Aenderungen ergibt, neu zu veröffentlichen. W e g v e r b r e i t e r u n g in der Siedlungs­anlage Rom bad): Hier wird die mit dem Anlieger H. Schäfer 11. schon getroffene Verein­barung genehmigt, roonnd) dieser als Entschädigung für die in seinen Garten zur Straße fallende Ein­friedigung und für die Versetzung der in dem Garten stehenden Halle einen Betrag von insgesamt 480 Mark erhält. Die Regelung der Herauszahlung für das ausgetauschte Gelände bleibt vorbehalten. Festhalle: Auf Antrag der Marktkommission soll im nächstjährigen Voranschlag die weitere Anschaf­fung von 1015 Tischen und 2030 Bänken für die Festhalle vorgesehen werden, da fid) die jetzige Anzahl bei dem letzten Prämienmarkt als nicht ausreichend erwiesen hat. Ein Gesuch des Carl Arnold um Errichtung einer Ha l l e zwecks Aufstellung von landwirtschaftlid)cn Geräten

bl. Herborn, 14. Oft. Der prakt. Arzt Dr. rned. Buntz errichtete hier eine Privat- kll n i k. Zu diesem Zweck wurde ein älteres

Fall und blieb bewußtlos liegen. Seinem mit- fahrenden Sohn hatte der Sturz nichts geschadet, auch war das Motorrad unbeschädigt geblieben. Dr. Kröck - Alsfeld, der telephonisch benach­richtigt wurde, fand bei seinem Eintreffen den Verunglückten noch besinnungslos. Der Mann hat sich bei dem Sturz Kopfverletzungen zugezogen, die jedoch zu ernsterer Besorgnis leine Veranlassung geben.

Krei4 Schotten.

! Schotten, 13. Oft. Gestern fand eine öffentliche Sitzung des Kreisausschusses im Nathaussaal zu Schotten statt. Auf der Tages­ordnung stand die D ü r g e r m e i st e r w a h l in F e l d k r ü ck c n. Nachdem die vorige Wahl durch den Kreisausschus; für ungültig erklärt worden war, fand am 13. September nochmalige Wahl statt. Diesmal erhielt Land- und Gastwirt Louis Kaiser 5 Stimmen mehr als sein Gegen­kandidat 3af. Nühl. Letztere Partei hatte nun Reklamation verfolgt. Nach längeren Verhand­lungen, bei denen viele Zeugen vernommen wor­den sind, wurde die zweite Wahl ebenfalls für ungültig erklärt. Bemerkt sei noch, daß beide Parteien sich anwaltlich vertreten ließen. Am nächsten Montag findet wiederum eine öffentliche Sitzung des Kreisausschusses mit folgender Tagesordnung statt: . Bürger­meister w a h l in Burkhards. Bei der ersten Wahl hatte Bürgermeister Kneipp eine Stimme mehr erhalten als With. Künkel, bei der letzten Wahl war das Verhältnis umgekehrt. Wie man hört, ist mit der Genehmigung der Autopo st Verbindung Schotten Ulf aHungen alsbald zu rechnen. Der bal­digen Eröffnung der Linie dürften feine Schwie­rigkeiten mehr entgegenstehen, zumal alle inter­essierten Gemeinden die Garantie übernommen haben.

lg. Gedern. 14. Oft. Die Beschickung des gestrigen Schweinemarktes war recht gut. Es waren 375 Schweine aufgelrieben. Die Preise für Ferkel bewegten sich zwischen 18 und 20 Mk pro Stück. Der Umsatz war beeinträchtigt durch d,e allgemeine Geldknappheit. Krämermarkt fand wegen allzu geringer Beteiligung n i cht statt.

Starkenburg.

* Darmstabt, 14. Oft. Wie bereits ge- meldet, ist am Sonntag in Arheiligen bei Darmstadt der.Motorradfahrer Schäfer aus Arheilgen bei einem Zusammenstoß mit einem Automobil getötet worden. Gegen den Be­sitzer des Autos, den Auto- und Fahrrad- Händler Islinger in Mannheim, ist jetzt ein Verfahren wegen fahrlässiger Tö­tung eingeleitet worden. Zn Nauheim bei Groß-Gerau wollte der Landwirt Adam Schupp, da er den Schlüssel zu seiner Woh­nung Defkgt hatte, mit einer Leiter d u r'ch ein Fenster einsteigen,&r stürzte dabei ab und erlitt so schwere Verletzungen, daß gleich starb.

Iiiiuii. ou vieiein Oll>ea wuroe ein älteres Wohngebäude um gebaut und zum Krankenhaus eingerichtet 8 enrjauB

Der gefesselte Strom

Roman von Hermann Stegemann.

Preußen.

KreiS Marburg.

I[ Marburg. 13. Oft. Auf der abschüssigen Landstraße zwischen hier und Eölbe rannte gestern ein mit einem Herrn und einer Dame be­setztes Motorrad mit voller Wucht in die Pferde eines nach Eölbe fahrenden Brot­wagens. Die beiden Motorfahrer muhten schwer verletzt in die Klinik gebracht werden Der Schäferverein für den Kreis Marburg ver­anstaltete heute hier seinen zweiten diesjährigen Schafmarkt. Aufgetrieben waren rund 360 Schafe. Bei mäßigem Handel wurden für Lämmer 18 bis 22. für Schlachthämmel 30 bis 35 und für ältere Schafe 15 Mf. das Stück bezahlt. - Das fett 8 Tagen vermißte 16jährige Mädchen aus Wetter ist in Gießen ermittelt worden.

Kreis Biedenkopf.

bl. Bischoffen. 14. Oft. Am nächsten Sonntag. wird daS für die gefallenen Söhne unserer Gemeinde hergerichtete Kriegerdenk­mal eingeweiht.

Dillkreis.

Nennung unmittelbar bevorstehen.

t Grünberg, 14. Oft. Der heutige Gal- lusinarkt war gut besucht. Mit Postauto und der Eisenbahn kam eine große Menschenmenge von außerhalb, immerhin kann der diesjährige Besuch einen Vergleich mit dem Vorjahre bzw. mit der Vorkriegszeit nicht aushalten. Die Vcr- faufsstände auf dem Markt und die Geschäfte in der Stadt fanden ebenfalls nicht den Zuspruch wie früher, infolgedessen wurden auch die Erwar­tungen der Geschäftsleute enttäuscht. Die Geld- tnappheit wurde allgemein als Ursache des Fern­bleibens der Käufer angesehen. Dagegen hatten sich Taschendiebe unliebsam bemerkbar ge­macht. 3n drei Fällen gelang den Spitzbuben ihr unsauberes Handwerk, und zwar stahlen sie zwei Besuchern des Ferkelmarktes die Brieftaschen mit ungefähr 200 Mark Inhalt und einem Geschäfts­mann die Ladenfasse mit etwa 100 Mark Bestand. Der Ferkelmarkt war nur mit 366 Ferkeln befahren, darunter 112 von Händlern. Diese ge­ringe Zahl ist auf die in der Umgegend herr­schende Klauenseuche zurückzuführen. dursten sich doch sechs Ortschaften an diesem Markte nicht beteiligen. Der Handel ging anfangs schleppend, die Verkäufer hielten mit ihren Forderungen zu­rück. jedoch kam der Handel nach und nach in Gang und wurde recht lebhaft. Es verblieb ein unbedeutender Ueberstand. Es wurden pro Sttick gezahlt: Bis 6 Wochen alte Ferkel 30, 7 Wochen 35, 3 Wochen 38 bis 40, 9 Wochen 43. 10 Wochen 45, 11 Wochen 48 und 12 Wochen alte Ferkel 50 Mark und darüber.

Aus dem nördlichen Teile des Kreises, 14. Oft. Das günstige Wetter der letzten 2 Wochen hat die E r nt e a r 6 e i t e n gut gefördert. Dor allem wurde die Grum­meternte endlich beendet, es hat sogar noch unberegnetes gutes Grummet gegeben. Die Kar­toffelernte wurde bei dem guten Wetter rasch heimgebracht, sie fiel in der Quantität sehr gut aus. wenn auch die Schädlinge etwas Ab­trag getan haben. Ferner ist die R unkel - rüben ernte und das Gemüse fast völlig eingebracht. Die Aussaat machte bei dem gün­stigen Wetter ebenfalls gute Fortschritte, die Roggenaussaat ist beendet, auch ist die Weizen- ' aussaat im besten Gange. Hoffentlich bleibt das Wetter so günstig weiterhin, dann macht das so sehr wechselreiche Jahr 1925 für die Landwirt­schaft einen guten Abschluß. Leider haben sich die Mäuse derartig vermehrt, daß die Mäuse­plage schlimm ist.

Kreis Alsfeld.

S«c Alsfeld, 14. Oft. (Stadtvorstands- s i tz u n g.) Erster Punkt der gestrigen Tagesord­nung war die Errichtung einer Straßen- Benzintankstelle vor dem Hotel Kron e": Die der Rhenania-Ossag-Mineralöl- A.-G. in Düsseldorf durch einen früheren Beschluß bereits erteilte Genehmigung zur Ausstellung einer Benzinpumpe wird auf ein entsprechendes Gesuch der Gesellschaft dahin abgeändert, daß der Behälter 'für die Anlage auf dem Bürgersteig eingebaut wer- -den darf, anstatt, wie ursprünglich beschloßen, im Garten des HotelsKrone". Ein Gesuch des Zimmerschützenvereins um Anbringung eines Schieß st andes auf der Galerie des großen «aales imDeutschen Haus" wird genehmigt unter Vorbehalt eines jederzeitigen Widerrufs. Die Aus­führung der Anlagen hat auf Kosten des Vereins unter Aufsicht des Stadtbaumeisters zu erfolgen Ortssatzung über die Anstellung eines be­soldeten Oberbürgermeisters: Die durch die Aenderung der Gesetzgebung notwendig gewor- dene Abänderung der Bestimmungen über die

Sine Weile standen sie fhimm aneinander- gedrückt.

..Sie haben ihn gewiß arg lieb'" stieß er plötzlich hervor.

Ja", antwortete sie. und der verhaltene Klang ihrer (Stimme durch bebte das Dunkel der Nacht.

Um dieselbe Stunde fuhr Hanns Ingold ganz erfüllt von seinem Werk und brennend von Tatendrang der Heimat zu.

Die Konferenz der Regierungsleute und der beteiligten Gemeinden und Interessenten mit den Vertretern der neugegründeten Aktiengesellschaft zur Nutzbarmachung der Wasserkräfte des Rheins bei Rhelnau unterm Lauffen hatte stattgefunden. Als sie m derAlten Post" tagten, lag das Städtchen verschlafen wie vor zweihundert Iah- Fcn tmler dem silberhellen Frühlingshimmel, und im Niederholz schrien die Fasanen, im Rhein die Fische, schneeweiß standen die blühenden Kirschbäume an den grünen Halden. Zwei Tage währte die Konferenz, dann ver­loren sich die schwarzen Hüte wieder, und im Saal derAlten Post" wurden die Läden ge­schlossen.

Rheinau schien wieder ins alte Dämmern au finken.

Aber unter der Decke regten sich verfchla- sene Glieder, unruhige Gefühle begannen zu er­wachen. die Wirtsstuben füllten sich, Rheinau warf sich wie ein Schläfer, dem plötzlich die Sonne aufs Bett und ins schlaftrunkene Gesicht scheint.

Hanns Ingold stand blaß und übernächtig mit Augen, die von Nachtarbeit gerötet waren' vor seinem Bruder. Es war dasselbe Zimmer m dem er tm verflossenen Jahre gewohnt hatte' Die Morgensonne fiel gelb herein.

s -ĮC Besinnung. Aber sehen darfst du ihn nicht , sagte Hermann kurz.

Hanns warf den Hut auf das Bett. Er hatte die Herren zur Bahn begleitet und war noch wie im Schuß. Das Gedankenttiebwerk. das in diesen beiden Tagen ohne Pause, in sausendem Schwung gelaufen war, konnte nicht so rasch zum Stillstand kommen.

(Fortsetzung folgt.-)

bl. Nanzenbach. 14. Oft. Der Bau bet Verbindungsstraße zwischen unserer Ge­meinde und der Gemeinde Hirzenhain nä­hert sich dem Ende. Die 4 Klm. lange Strecke hofft man noch im November dem ^erkehr übergeben zu können. Die Straße schließt das zwischen den Bergen liegende Gelände voll­kommen auf und stellt eine direkte Verbindung oe$ Dillkreises nach dem Kreise Bieden- kopf dar. Die im Dillkreis und im Kreise Biedenkopf gelegenen Gemeinden konnten feit- I S-J als durch das Scheldetal O . 1U 1 gelangen, was einen erheblichen ilmtoeg bedeutete. Diese Schwierigkeit ist nun beODben Es kommt weiter hinzu, daß die in Betracht kommenden Dörfer durch gute Ab­sa h r m o g lichkeit einen besseren Absatz ihrer Erzeugnisse, so auch des Gemeindeholzes erzielen. 0 '

Frankfurt a. M. und Umgehend.

Frankfurt a- M.. 14. Oft. Der N/mann Werley. der bei der Tragödie in öer Kleinen Spillinggasse Frau und Kinder verlor kehrte auf telegraphische Mitteilung Mon- tag abend von einer Besuchsreise zu Ver­wandten m Mayen in der Eifel zuruck Als er bei seiner Ankunft die Einzelheiten der'grau­sigen Tat erfuhr, erlitt er einen- -Qlerben- lUfamernbruJt und mußte sofort dem Krankenhause zugefuhrt werden. Auch der Ehe­mann Schmidt hat sich wieder eingefunden Gr weilte bei Verwandten in der Gneisenau- strahe rn Frankfurt und wurde im Laufe des Dienstag einer eingehenden Vernehmung unter­zogen. In der Nacht drangen Einbrecher in eine Villa am Schaumainkai in Sachsenhausen ein und machten hier reiche Beute an meist silbernen.M. A. undM S " gezeichneten Bestecken und Tafelgeräten. Außer­dem fielen ihnen silberne Platten, silberne Körbe sowie ein silbernes Tafelgeschirr in die Hände. Der Gesamtwert der gestohlenen Sachen ist sehr groß und läßt sich noch nicht abschähen.

Kirche und Schule.

, Dekanatskonferenz Hungen.

J? u n 9 e.n 141 Okt. Zu einer sehr in­haltsreichen Zusammenkunft gestaltete sich die Konferenz der evangelischen Geist- lichen des Dekanates Hungen, die hier miSolmser Hof" unter Leitung von Dekan E n g e l - Obbornhofen stattfand. Die Andacht zur Eröffnung wurde in feierlicher Weife als Chorgebet gehalten; Stiftsdechant Lenz-Lich redete v.i einer kurzen Ansprache von der Kirche und ihrem Amt. Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten hielt der evangelische Anstalts- geistliche vom Landeszuchthaus Marienschloß, Pfarrer Dörner-Rockenberg. einen un- gerncin fesselnden, aus reicher Erfahrung ge­schöpften und von großer Wärme getragenen Vortrag, der tief in die Probleme der Für -

" r die Gefangenen hineinführte, und Gelegenheit bot, in lebhafter Aussprache ' noch längere Zeit die sozialen und psychologi­schen Probleme unserer Zeit zu besprechen.

Dekanatstaq des Dekanats Nidda.

Nein, die Genoveva Ingold hat fünf Kin­der und kann das kleinste nicht auf dem Arm mitbnngen. Ich bleibe die Nacht hier."

Uno so geschah's.

Die Nacht deckte alles mit schwarzem Schat- len, nur der Lausten leuchtete in ungewissem Schein. Die beiden Lampen, die aus den Licht- offnungen der gedeckten Brücke blickten, standen wie zwei große gelbe Sterne am dunklen Himmel.

Ruch bettete und labte den Kranken, der mit geschlossenen Augen, schwerkeuchend, in den Äijfen lag. Nebenan saß Hermann über feinen Buchern und wachte bis tief in die Nacht.

Um ein Uhr kündigte sich eine kleine Bes- Aung an. Der Atem verlor den rasselnden Klang, die Färbung des Gesichtes verblich

Er schläft", flüsterte Ruth. L

Leise stand sie auf und ging in die Stube hinüber.

..Gehen Sie zu Bett, Hermann!"

?*uch. 'ch wache gern. Aber Sie! Legen Sie sich hm st

Ruth strich ihm über das frauenhaft zarte Haar und blickte, über ihn gebeugt, auf feine Hefte.

Wollen Sic ein Gelehrter werden?" fraate ste scherzend. u

Ich will Afrikaforscher werden", rief er hastig.

Afrikaforscher?"

Ja, oder Rechtsanwalt!"

Gin Lächeln flog über Ruths Gesicht.

.Da erzählte er, was er gelernt &atte, und daß er hoffe, im Herbst die Prüfung zur Auf­nahme m die Prima des Waldshuter Gym­nasiums zu bestehen.

r. , Aber dann brach er ab und horchte ängst­lich auf den Atem des Vaters.

Glauben Sie, daß der Vater wieder ge- funö wird, Fraulem Ruth?" fragte er heiser

Ja. Hermann, das glaube ich. Er muß ja gesund werden. Er darf nicht an dem Werk"

Ich war schuld, ich hab' ihn gereizt?" unterbrach et sie hastig.

Nein, verrenn' dich nicht in diesen Gedan- fen. ES liegt alles viel weiter zurück." entgeg­nete sie traurig.

Sogs noch einmal, du Lotter du!" blitzte der Fischmeister tränenblind und schwang die Faust.

Doch ehe sie zum Schlag herabftihr, fing Buch den drohenden Arm und rief:

Schlagen Sie mich, denn ich hab' ihm ge­holfen. Ich hab' ihn lieb, ich hab' gezittert und gebetet für fein Werk!"

2m dunkel gewordenen Zimmer standen chre schwarzen Gestalten dicht aneinandergedrängt. Keuchende Atemzüge und krampfhaftes Schlucken. Brausen des Rheins und die verhallenden Rufe der Laustenknechte, die das letzte Floß zu Wasser brachten.

Da dröhnte plötzlich ein schwerer Fall, und Christian Ingold lag langgestreckt zu Boden ge­worfen. und über ihm im Sturz mitgerissen, Ruth Engechardt.

Einen Augenblick lähmenden Entsetzens, dann schrie Hermann laut auf. reckte Ruth sich in die Aohe. tasteten, zogen, zerrten sie und fanden den groß, zu starr, zu schwer, um ihn auf- richten zu können.

, "^tcht". rief Ruth, aber das Licht wollte , rennen, die Flamme nicht leuchten, das Röcheln nicht schweigen, das aus dem geöff- neten Wunde des alten Mannes drang. Blaurot verfärbt war fein Gesicht, schwarzes Blut rollte klumpig von der Schläfe in den Bart.

Sc9en die Tischkante gefallen in Eturz. Seine alten Rechnungsbücher stürz­ten ihm nach.

'Ui,»?"? ^gte Hermann zum Arzt, zu Doktor .77er' unö während er lief, rannte

imtpr0«- ?osser. schob dem Fischmeister Kissen ««EL?*"«!? dürfen, öffnete ihm Rock und Lm die Stirn, das Gesicht, die * Brust, und zählt- hoffnungsvoll Tropfen, der aus der aufge- « quoll, denn sie wußte, daß 6a» Clnen} Schlqgfluh begegnet wurde.

au kamen, Christian Ingold

toar und die ersten Hilfe- mnA»n9?rnhner pflege und Wartung Platz Holm g-h-n te ^ermann di- Schwägerin

Da sagte Ruch:

Er war wieder in fein unheimliches Brüten zuruckgefunken. Das Zwielicht wischte die letzten Farben aus seinem Antlitz. Wie eine Toten­maske starrte es im bleichenden Schein Und um ihn aufzurütteln, sein Blut in Bewegung zu bringen, fragte sie überredend:

Wollen Sie nicht in die Sitzung des Ge- meinderates gehen und dort für Ihre Sache eijitreten?

Da streifte er den Arm seines Sohnes ab und stand auf. Langsam ging er zum Tisch, ta­stete nach emsM Vrief, der dort auf den Akten lag, und reichte ihn Hermannn hin.

Hier ist mein letztes Wort in dieser Sache Icy habe mein Amt als Obmann der Fischer- innung nieder gelegt und trete mit diesem Vries auch aus dem Gemeinderat zurück. Wie ich zu dem Höllenwerk steh', das sollen sie schwarz auf weiß zu den Akten nehmen."

Flehend rief Hermann Ingold:

Vater, tu's nicht, du bist und bleibst der Fifchmelster von Rheinau. Du kannst ja nicht leben ohne das Amt?"

Und in feine letzten Worte klang Ruth- warme Stimme:

Verfluchen Sie das Werk nicht, tun Sie es nicht, es ist ja Hanns Ingolds Werk!"

Mit rauhem grimmigem Gelächter blickte et von einem zum anderen.

Vicht zurücktreten! Richt verfluchen! Bei Gott, ich wär' ein schlechter Hund, wenn ich's nicht tät! Was wisset ihr davon, ob ich gehen muß und ob ich fluchen darf? Ja, es ist Hanns Ingolds Werk denn er hat den Frevel in die Wett gesetzt aber jetzt säugen sie es alle groß! Und ihr beide, ihr habt in dieser Sache so wenig ein Wort wie der Rhein, der hier unter dem Fenster kocht!"

Vater, er ist mein Bruder, und ich hab' eS erkennen lernen, daß eS etwas Großes ist was et plant!"

131 Ott. Hier fand gestern unter Leitung des Dekans S c r i b a - Eichels- der Dekanatstag des Dekanats ^?tt, zu dem die geistlichen und die weltlichen Vertreter der Dekanats-Gemeinden fast vollzählig erschienen waren, außerdem die drei Vertreter der Lehrerschaft und die beiden welt­lichen Abgeordneten des Dekanats zum Landes- ttrchentag.

Nach Gesang des LiedesAch bleib mit oeiner Gnade" eröffnete Pfarrer Laut- Nidda mit einer biblischen Ansprache auf Grund von 1. (5.ot. 15; 58 und mit Gebet die Verhandlungen Sodann begrüßte der Dekan die Erschienenen besonders die neugewähtten Mitglieder, und ge­dachte in ehrenden Worten der feit dem letzten Dekanatstag verstorbenen Mitglieder: Bürger­meister Eck-Nidda, Georg Reih l.-Echzell und Lehrer Best- Langd.

Hierauf wurde der gedruckt vorliegende Be­richt des Dekanats-Ausschusses be­sprochen. Dabei wurden mehrere Ent­schließungen einstimmig gefaßt, nämlich:

1.Der Dekanatstag richtet an alle Ge­meinden, besonders die Eltern und Lehrer, die dringende Bitte, ein wachsames Auge auf die

und Maschinen auf dem Grundstück des Ober-Post- sekretärs Holler an dem Wege neben dem Schlacht­hof wird genehmigt. Ein Gesuch der Bewohner der oberen Grünberger Straße um Ver­längerung des zur Zeit im Bau begriffenen er­höhten Fußsteiges bis an die Einfahrt des Kornhauses wird genehmigt. Siedlungs­anlage in der Rambach: Auf eine entspre­chende Eingabe der hier beteiligten Bauherren wird beschlossen, diesen den Kaufpreis für ihre Bauplätze nicht an den Baudarlehen zu kürzen, sondern die bewilligte Summe in voller Höhe aus­zuzahlen und den Kaufpreis für den Bauplatz bis zum 1. Oktober 1926 gegen Stellung eines tauglichen Burgen zu stunden gegen eine Verzinsung zu 5 Proz. Ein Gesuch der Gemeindeheb­ammen um Erhöhung des Wariegeldes wird wiederholt abgelehnt, dagegen sollen die Hebammen zur Krankenversicherung angemeldet werden. Schl acht Hof: Aus Antrag des Beigeordneten V o g e 1 e y wird die "Anschaffung eines llniversal- Jnjektors beschlossen gemäß dem Angebot der Ge­sellschaft für Lindes Eismaschinen in Wiesbaden. Unter Mitteilungen am Schluffe der öffentlichen Sitzung gibt der Vorsitzende ein Ver­mächtnis bekannt, wonach Karl Gustav Wilhelm Bücking in Frankfurt a. M. im Falle seines Ablebens feiner Vaterstadt Alsfeld einen Betrag von 25 000 M k. für wohltätige Zwecke vermacht hat. Das Testament stammt allerdings aus dem Fahre 1922, so daß der anfallende Be­trag nur sehr gering fein wird. Weiter gibt der Vorsitzende eine Beschwerde d e r Alsfelder Gärtner bekannt, die sich gegen die Vergebung der Anlagen für die Friedhofserweiterung an die Gartenbaufirmen Gebrüder Siesmeyer in Frank- urt a. M. wendet, es wird Rückgängigmachung dieses Beschlußes verlangt. Wie der Vorsitzende dazu ausführt, sei der Zuschlag an die genannte jirnia bereits erfolgt und könne nicht mehr rück­gängig gemacht werden.

Rieder-Gemünden, 13. Oktober. Um nicht von der hiesigen Eleklrizitätsgefell- chast abhängig zu sein, plante die Heber- landzenlrale im vergangenen Jahr ben Dau einer eigenen Starkstromleitung, die in einer Entfernung von ettoa 100 Meter mit der chon erbauten Leitung der hiesigen Gesellschaft parallel laufen sollte. Von den Grundeigeru- tümem, zu denen auch die Gemeinde selbst gehört, wurde aber die Genehmigung zum Dau nicht erteilt, weshalb das Kreisamt Alsfeld das Ent­eignungsverfahren einleitete. In den Dar­auf folgenden Terminen kam ein Vergleich der­gestalt zustande, daß die bereits erbaute Leitung um gebaut und durch höhere Maste erseht werden i Die neuerbaute Leitung soll eine ®Dbpel- l . i l, n g werden, von der eine für die lieber- landzentralc und eine für das hiesige Werk bestimmt ist. Diese Leitung konnte jetzt dem Betrieb übergeben werden.

l. Leusel, 14. Oft. Durch die anhaltenden Regensälle in der Erntezeit ist ein großer Teil der im H e i mert s u se r Wald reichlich vorhandenen Brombeeren auf dem Stand

zugrunde gegangen. Don den beeren- uchenden Devölkerungsrreifen wird dieser Verlust sehr bedauert.

I Hopfgarten, 13. Oft. Hier verun­glückte gestern Herr Philipp aus Renzen­dorf bei seiner ersten Ausfahrt auf einem neu­er ffanbenen D.K.W.-Motorrad. Als er an