Ausgabe 
15.9.1925
 
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Nr. 215 Zweiter Blatt

Dienstag, |5. September (925

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

Turnen, Sport und Spiel.

3nternationales Leichtathletiksportsest in Berlin.

Die amerikanischen Leichtathleten beim D. 2. <£.

vo. Dom frühen Morgen an hatte eS am Sonntag auch in Berlin geregnet. Kein Wunder also, bah fich auf dem aufgcweichten Boden kxs Grunewaldstadions Rekordleistungen nicht erzie­len liehen, und bah auch der erwartete Massen- befuch ausblieb, Umfo mehr muh man dem D 6. C. Anerkennung -ollen, dah er trotz dieser Alngunft der Verhältnisse das Fest nicht ablagte; denn sobald bekommt man auch in Derlin nicht eine Mannschaft wie die des Illinois- Athleticclub wieder zu sehen.

Aach einleitendem Vorlauf und kleineren Wettbewerben von denen fich der Stettiner Horn in 12.2 den 100-Meter-Laus für Alte H-rreu und Var Kochba'in 3:33 eine 1500* Meter-Staffel für D. S. D. Vereine holte, traten dann Büchner. Wege, Schlöhke, Bor­ner und Körnig zum

100-Meter-Endlaus

an. Borner muhte jedoch ausscheiden, da er zwei­mal einen Fehlstart verursachte. Körnig recht­fertigte daS in ihn gesetzte Vertrauen und wurde gegen den erst in den letzten 20 Meter stark aufkommenden Büchner Sieger. Gr gewann in 10,7 vor Büchner und Dege.

Der 800-Meter-Lauf

fcühte leider an Interesse ein, da Döcher- Köln nicht antrat und so dem Amerikaner Dodge von vornherein der Weg zum Sieg frei war. Gr gewann das Rennen dann auch unan­gefochten, ohne sich ausgeben zu müssen, in 1:57.6 vor den, Magdeburger Iakobs, der sich recht achtbar hielt, und der Breslauer Schoern an n. Zur

4 mal 100»Meter-Staffel

traten Phönix-Karlsruhe, S. C.-Schlesien-Dres- lau, D. S C. Brandenburg und S. C. C. an. Karlsruhe gewann mit der Mannschaft Aathan. Faist. von Rappard. Suhr vor dem 6. C. ($., während sich der D. S. G., der erst bei den Meisterschaften einen neuen Rekord in dieser Staffel aufgestellt hatte, diesmal mit dem dritten Platz begnügen muhte. Im

W e i t sp ru n g

holten sich die Amerikaner ihren zweiten Sieg. Iones gewann mit 7,08 Meter (man batte mehr erwartet). Mit 6,56 Meter belegte Hosfina nn- Leipzig den zweiten Platz.

Dann kam das mit Spannung erwartete Zu­sammentreffen

Riley-Trohbach.

DiS zur 5. Hürde des 100-Meter-Hürdenlaufs lagen beide biS auf dem Zentimeter zusammen, dann wurde Trohbach nervös. Gr rrh die 6., 7. und 8. Hürde und gab dann auf. Riley gewann in 14,9. Den

200-Meter-Lauf

holte sich, in Abwesenheit von Körnig und Büch­ner, Borner-Teutonia in 22 vor Wege- Leipzig und Wondratschek. Gs war ein wenig aufregende» Rennen.

Den ersten deutschen Sieg über die aus­ländischen Gäste brachte da»

DiSkus-Werfen,

da» der deutsche Meister Hähnchen mit 40,61 Meter vor dem Irländer Birmingham 40,11 Meter gewann. Der Turner Lingnau warf 40,06 Meter.

Dine schwere Enttäuschung brachte der

400-Meter-Laus, da sowohl Pelher es wurde Erkrankung verkündet als auch der deutsche Meister Schmidt- Berlin dem Start fernblieben. So lief der Amerikaner Stevenson allein sein Rennen, und als er In 49,5 durchs Ziel ging, waren Sterz- Halle und Reumann- Hanno­ver noch 10 bis 12 Meter zurück.

Dafür entschädigte der

Hochsprung.

Als die deutschen Vertreter Meister Dkoczin- s k i, Huhn- Jena und der Turner R ü t c r - Hannover schon am Ende ihre» Könnens waren, übersprang O sporn die Latte bei 1,88 Meter noch in langen Hosen und im Sweater. Gr zog sich erst aus. als die deutsche Rekordhöhe 1,92 Meter gelegt wurde, die er mühelos nahm, ebenso wie die in Deutschland noch nicht gesehene Leistung von 1,98 Meter. Sein Versuch, den Weltrekord auf 2,05 Meter zu stellen, mißlang

Christian Friedrich Grabbe

Zu feinem Todestage am 12. September.

Von 2*r. W Saue r.

Doch was ist Leben?

Stetes Leiden! Grabbe.

Diel geschmäht und wenig gekannt, doch aber ein wirklicher Könner und ein ganz echter, be­mühter Deutscher ist der Mann gewesen, der einst an einem 12. September sein himmelhoch jauch­zendes, zu Tode gehetztes Leben aushauchte: Chri­stian Friedrich Grabbe!Ein lebendes Schlachtfeld ewigen Widerstreits negativer und positiver Kräfte", so zeichnet ihn Paul Friedrich knapp und zutreffend, Paul Friedrich, der jüngst erst Grabbes Werke neu herausgegebcn und nut einem sehr Verständnis vollen Degleitwork versehen hat, und der uns vor allem in feinem Grabbe-Roman die Gestalt dieses unglückseligen deutschen Dichters nahe zu bringen bemüht ist. Wahrlich, dieser Grabbe ist ein Stück deutschesten Deutschtums, nicht allein, weil ihn fein Lebelang ehrliche, glühende Vaterlandsliebe erfüllt hat und er diese trotz aller seiner Mißerfolge auch nicht verlor, sondern weil in seinem Wesen urhaft etwas Faustisches lag, und das ist deutsch! Er sucht alle lösten, kennt alle Abgründe des vielgestal­tigen menschlichen Lebens, tobt seinen Schäftens- drang aus an den Großen dieser Welt: einem Hannibal, den sraufischen Kaisern, mit dem er, nicht zufällig für ihn, Don Juan verflicht! Und dort auch in der TragödieDon Quan und Faust" steht das bezeichnende Wort

Richt Faust wäre ich. wenn ich kein Deutscher wäre!" Freilich, das Faustische in diesem Grabbe ist doch mehr mittelalterlich Faustisches, nicht Goechescher Faust, dessen Jtämpfcrtum ein lieber wlnbertum wird und so zur Erlösung führt. Grabbe -leibt unerlöst, sein Leben zerrinnnt. Qn ihm liegt

dagegen Er lieferte später ba» vom Publikum (und den Photographen) beifällig aufgenommene Stückchen, über die Latte zu springen, unter der sich vier Zivilisten aufgestellt hatten, bk durch­weg reichliches ©arbemah besahen Auch im

Kugelstoßen stand in dem Amerikaner Schwarze, einem Mann von athletischem Körperbau und einem Gewicht von 270 Pfund der Sieger von vorn- herein fest lieber 1 Meter warf er weiter als seine deutschen Gegner. Gegen die 14.41 Ve- t e r Schwarzes konnten Hähnchen und Lingnau nicht auslominen.

Eine schöne Leistung zeigte im 5000-Meter-Lauf der Hamburger Petri. Er ging von Deg n>, an dem führenden Ryan nicht von den Fersen wahrend sich der jetzt in Deutschland woimende Finne Katz sorgsam im Hintergrund hielt. Erst in der letzten Kurve kon ite sich Ryan sreimachm auch einen Angriff von Katz zurückweisen Gin glänzender Endspurt brachte ihn in 15:16 4 du-chs Ziel, 20 Meter vor Katz, dem weiter? 20 Meter zurück Petri folgte. Gleich daraus wurde zur

Schweden staffel, die den internationalen Bestimmungen g-mäh über 100, 200, 300, 400 Meter gelaufen wurde, gestartet. Sie brachte Teutonia 99 einen glänzenden Sieg in der unter deutscher Rekord- zeit liegenden Zeit 1:58,6. Da aber der Schweizer Borner in der Mannschaft lief, kann diese Zeit nicht als neue deutsche Höchstleistung anerkannt werden. Die Amerikaner wurden hinter Phönix- Karlsruhe Dritter. Im

Speerwerfen waren die Deutschen unter sich. Dr. Lödeck e- Derlin gewann den Wettbewerb mit der recht mäßigen Leistung von 51,84 Meter.

Was Osporn der staunenden Welt im Hoch­sprung zu zeigen vermag, das bedeutet im

Stabhochsprung der Norweger Hoff. Als der letzte deutsch« Vertreter Leppke bei 3.70 Meter ausschied und als bei 3,80 Meter der Amerikaner Iones auch nicht mehr mit konnte, sprang Hoff diese Hohe noch mühelos in engen Hosen. Leider ließ er es dann mit einem glänzenden Sprung von 4 Meter bewenden.

Den Schluß bildete eine

20 mal 300 Meter-Staffel.

bei der sich S. C. E.. Teutonia 99 und D. S. C. dem Starter stellten. Sieger wurde der Veranstalter mit 10 Meter Vorsprung vor dem S. C. C.

Spielmeisterschaften der D. S. V.

vo. In Dresden fanden am Sonntag die Meisterschaften der deutschen Sportbehörde im Schlagball und Faustball für Damen und Herren ihre Austragung, zum zweiten Male überhaupt. Die Spiele hatten folgende Ergebnisse:

Schlagball (Herren):

S. C. Stern 99-Harnburg Marienburger S. E. 1920 (Köln) 62 : 84. V. f. K.-Königsberg - D. C.-Schmalkalden 83:43. S. C. Germania-Glei- wlh Brandenburg-Derlin 92:36. Marien­burger S. C. 20 V. f. K.-Königsberg 83:54. Gerrnania-Gleiwitz Stern 99-Hamburg 49:63. S. C.-Schmalkalden Brandenburg-Berlin 47:43.

Gntscheidungsspiel:

Marienburger S. C 1920 Gerntania-Glei- wlh 66:72.

Deutscher Meister 1925; Germania 04-Gleiwih.

Schlagball (Damen):

Rur zwei Mannschaften nahmen an den Meisterschaftsspielen teil: S. C. Eimsbüttel Dresdensia-Dresden 93:42.

Deutscher Meister 1 925:

S. C. -Eimsbüttel.

Sauft ball (Herren):

Vorkämpse ©r. 21.: Teutonia 99-Berlin Polizei-Hamburg 51:75. S C. Teutonia 99-Ber- lin T. S. D.-Königsberg 73:68. Polizei-Ham­burg T. S. D.-Königsberg 80:60. Gruppe 6: Eckeseyer, T. S. V.-Hagen V. f. D.-Dreslau 86: 81. S Vg.-München Wacker-Erfurt 91:85. Eckeseyer T. S. D.-Hagen Wacker-Erfurt 82:79. S. Dg.-München V.f.B.-Breslau 80:70. S. Dg - München Eckeseyer T. S. D.-Hagen 68:55. Wacker-Erfurt D. f B.-Dreslau 78:74.

Entscheidungsspiele:

Eckeseyer T. S. D.-Hagen Polizei-Hamburg 69:98. Teutonia-Berlin S Dg.-München 71:82.

eben neben dem Fausttrieb noch ein ander Stück mittelalterlicher Deutschheit: ein Stück Eulenspiegel! Sein Grundsatz:Was frag'ich nach der Chaussee wenn ich nur die Stadt erreiche" ist durchaus diesem Wesenszug entwachsen. Auch seine bauernschlaue Pfiffigkeit" und seineFreude am Mystifizieren" sind, wie Paul Friedrich sagt, kennzeichnend' für seine Eulenspiegel-Natur. Grabbes Leben zerrann: äußerlich und innerlich, weil bei höchster schöpfe­rischer Kraft das harmonische Gestaltungsprinzip in ihm fehlte. Es fehlte in der äußeren und inneren Lebensentwicklung, weil es in der Gesamtheit der Persönlichkeit dieses Menschen nicht vorhanden war. Schon seine körperliche Erscheinung war disharmo­nisch.Nichts stimmte in diesem Körper zusammen", schreibt Jmmermann.Fein und zart Hände und Füße von solcher Kleinheit, daß sie mir wie un­entwickelt vorkamen regte er sich in groben, ungeschlachten Bewegungen. Die Arme wußten nicht, was die Hände taten, Oberkörper und Füße standen nicht selten in Widerstreit. Diese Kontraste erreichten in seinem Gesicht ihren Gipfel. Eine Stirn, hoch, oval,gewölbt, wie ich sie nur in Shake­speares (freilich ganz unhistorischen) Bildnisien von ähnlicher Pracht gesehen habe, barunter große, geisterhaft weite Augenhöhlen und Augen von tiefer, feelenvoller Bläue, eine zierlich gebildete Nase, bis dahin das dünne fahle Haar, welches nur einzelne Stellen des Schädels spärlich bedeckte, abgerechnet alles schön. Und von dahinunter alles häßlich verworren, ungereimt . . ! Und der Lebensgang dieses Mannes ist gleichfalls ein har rnonielofes Hin und Her.-Als Sohn eines Zucht­hausaufsehers wurde er am 11. Dezember 1801 in Detmold geboren und als einziges Kind zärtlich geliebt und nach Grundsätzen erzogen, die über die Mittel der Eltern hinausgingen. In Leipzig stu­dierte er feit 1820 Jura, führte dort ein zügelloses

Teutonia - Berlin Eckeseyer T. S. D.-Hagen 71; 72. Polizei - Hamburg S. Dg.-München 84:68

Deutscher Meister 192 5:

S. Dg Polizei-Hamburg.

Fauftba ll (Damen):

Lehrer-T. V.-Hamburg D. s. R -Dresden 75 : 22. S C-Charlottenburg Rafensport-DreS- den 51:39.

Entscheidungsspiel:

Lehrer T. D.-Hamburg S C.-Charlotten- bürg 75:50.

Deutscher Mei ft er 1925: Lehrer-T. D.- Hamburg.

Spielmeisterschaften der Deutschen Turnerschaft. Halle war am Sonntag Austragsort für die Meisterschaften im Faustball und Schlagball der Turner, die Faustballmeisterschasten für Männner und Frauen, die Meisterschaft im Schlagball nur für Männer. Die Entscheidungsspiele hatten folgende Ergebnisse:

Faustballmeisferfchaft für Frauen.

To. Barmbeck Uhlenhorst gegen To. 55 Krefeld 36.34 (13,24).

JauffbaUmeiflerfdjaft für Männer.

Rothenburgs Orter Tv. gegen Iv. Luftlichtbad Frankfurt a. M. 28:26 (15:11).

Schlagballmeisterschaft für Männer.

To. 1860 München gegen To. Elmschenhagen (Kiel) 110:70 (55:34). Damit wurde Tv. 1860 München zum dritten Male deutscher Schlagball- meiftcr.

Die Wettbewerbe im Ballschlagen brachten fol­gende Ergebnisse:

wettschläger.

1. MohrTv. Elmschenhagen, 94 Meter. 2. Frie- demann-A. D. D. Leipzig-Nctischönefeld 88,45 Meter. 3. Summerer-Tv. 60 München, 88 Meter.

Hochschläger.

1. Warnecke-Tv. Guts Muts Ouedlinburg 6z. 2. Bauer-Tv. 1860 München 6Z. 3. Fredenbach- Tv. 1860 München 6z.

Die Leichtathletikwettkämpfe anläßlich der Spielmeisterschaften brachten folgende Ergebnisse:

Schwedenstaffet.

1. K. T. V. Halle 2:11,3. 2. Mtv. Merseburg 2:13. - 4mal 100 Meter: 1. K. T. V. Halle 46,4. 2. A. Tv. Leipzig-Neuschöneseld 47,1. Olympische Staffeln: 1. K. T. D. Halle 3:55,4. 2. T. S. V. Neil- rossen 4:3,3. 10mal 200 Meter Staffel: 1. K.T.V. Halle 4:13,5. 2. K. Tv. Leipzig-Neuschönefeld 4:20.

Nation« e Leichtathletikwett- kämpse in Remscheid.

Das Zusammentreffen Corts Hvuben sollte den Höhepunkt der am Sonntag vom D. f. D. 06 Remscheid yeranftalteten nationalen Leichtathletikwettkämpfe bilden. Hvuben ist nicht angetreten. Er lieh erklären, einige Jahre älter als Corts zu sein und daher dessen Einladung zu einem Revanchekampf nicht an­nehmen zu können. So gewann CortS den 100- Meter-Lauf überlegen in 10,9 vor Hubrich, fei­nem Klubkameraden.

Handballänderkampf Oesterreich Deutschland 6:3 (3:1).

Das mit Spannung erwartete Handball- Länderfpiel OesterreichDeutschland, das be­reits mehrmals angesagt, aber immer wieder verschoben wurde, sand am Sonntag in Halle l Sportplatz des S.C. 96) statt. Eine große Zu­schauermenge hatte sich zu dem Spiel eingefun­den. Beide Mannschaften traten in der stärk­sten Ausstellung an, wenn auch die Zusammen­stellung der deutschen Mannschaft vielleicht nicht ganz den Wünschen aller Handballfreunde ent­sprach. Ein Teil der deutschen Mannschaft die ganze Läuferreihe war den Hallensern noch vom Städtespiel BerlinHalle in Erinnerung. Die Stärke der österreichischen Elf lag einmal' in ihrer Stürmerreihe, aber auch in ihrem guten Zusammenspiel.

Gleich nach Beginn wurde von der deut­schen Mannschaft das erste Tor geschossen. Die Oesterreicher ließen sich dadurch nicht beeinflus­sen, sondern entwickelten ein sehr lebhaftes Tempo und dank ihrem guten Zusammenspiel erzielten sie bis zur Halbzeit 3 Tore, während den Deutschen keins mehr gelang. Rach Wieder­beginn lag das Sviel zunächst in den Händen

Leben: feine Neigu, - schenkte er dem Theater, wendete sich bald von L>er Wissenschaft ab und hoffte als Schauspieler oder Vorleser fein Glück zu machen. Er schreibt fein DramaHerzog von Gothland", fein LustspielScherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung", gewinnt eine Zeitlang Tiecks Gönner­schaft, muß aber schließlich, ohne ein juristisches Examen gemacht zu haben, in die Heimat zurück­kehren und betätigt sich dort als Advokat. Einige Jahre später ist er Auditeur beim Lippischen Mili- tär, sucht Offizier zu werden, vernachlässigt sich in seinen Dienstpflichten, nimmt feinen Abschied, denn mit seinen fünf Seelen in einem Kopfe" vermag er sich nicht im Kriegerrock zurechtzufinden. Er schafft mit Leidenschaft an feiner Dichtung, aber immer mehr auch verfällt er seinem Laster: dem Trunk. Und infolge feiner unglücklichen Ehe sinkt er immer tiefer ins Elend. Nichts rettet ihn mehr, nicht Jmmermann, nicht der Musiker Burgmüller, zu denen er vorübergehend engere Beziehungen hatte, nicht auch feine Kunst. Als ein völlig Zer­brochener stirbt er am 12. September 1836 in den Armen seiner unglücklichen Muttter. Wenn aber auch Grabbe künstlerisch nicht vollenden konnte, was er begann, so soll er doch unvergessen bleiben, und wenn es aus keinem anderen Grunde wäre, als daß er ein Sänger der Vaterlandsliebe gewesen ist, wie sie großartig in seinem ,^)annibal" und in seinem Schwanengcfang der Hermannsschlacht" zum Ausdruck gelangt. Und es leuchte über seinem Leben das Schlußwort seiner Faustdichtung.Noch jetzt ruf' ich als letzte. Wort aus Erden: König und Ruhm und Vaterland und Liebe!"

gu Gustav fiabelburgs Tode.

Gustav Kadelburg. der am Freitag, 11. ds. Mts., in feiner Berliner Wohnung ge­storben ist. ist allen deutschen Theaterbesuchern

der deutschen Els. Sie erzielte zwei Tore, dabei blieb es aber. Mit drei weiteren Erfolgen konn­ten die Oesterreicher das Spiel zu ihren Gun­sten entscheiden, während eS den Deutschen trotz aller Anstrengungen nicht gelang, aufzuholen oder gar ausgleichen zu können

Die Riederlage der deutschen Mannschaft ist wohl zunächst auf das wenig geübte Zu­sammenspiel zurückzuführen. An Sckußsreudig- keit mangelte es nicht, die zum Teil gut ge­zielten Torschüsse der deutschen Stürmer schei­terten aber an dem ausgezeichneten österreichi­schen Torwart.

Die deutschen Bahnmeisterschasten in Köln.

vo Am Sonntag wurden in Anwftenheit von 10 000 Personen die Bahnmeisterschaften für Amateure über 1 und 23 Km. in der Kölner Stadionbahn audgetragen. In der beut- scheu Meisterschaft über 1 Km. wurde wiederum Paul O s c m e 11 a Köln Sieget Den zweiten Plan sicherte sich ebenfalls ein Kölner, Roß­bach vor Buschen Hagen - Krefeld, und Franken st ein - Köln. Zu der Meisterschaft über 25 Km. traten 21 Fahrer an. Auch hier konnte O s c in e 11 a den Sieg erringen. Er ge­brauchte 38:23.4. Den zweiten Platz belegte Rausch (/« L.) vor Einsiedel (2 L), Dennekobt - Hannover (1 L).

Tennisländerkämpf Deutschland Holland 10:7.

vo. Der Tennis - Länderkampf Deutschland-Holland konnte am Son.ftag in K ö l n zu Ende geführt werden. Er endete mit 10; 7 für Deutschland. Don den auSgetragencn Spielen konnte Deutschland 291 gegen 255 von Holland buchen. Frau Reppach, die am SamS- tag eine Fußverstauchung erlitt, konnte am Sonn­tag nicht weiter spielen, und so sprang die junge Kölnerin Frl. Austern ein Sie ist jedoch noch nicht so erprobt und mußte Frl. Bo u m a n n mit 6:1. 6:1 den Sieg überlassen. Die Ergebnisse des Sonntags sind:

Bryan gegen Hannemann 6:8, 2:6. 1:6. Kool gegen Landmann 6:1, 6:2, 6:1. Frl. Dou- mann gegen Frl. Austern 6: 1, 6; 1. van der 5?en gegen Hannemann 1:6, 3:6, 9:7, 4:6. van Lennep-Diemerkovl gegen Froitzheim-Kreutzer 4:6, 6:1, 1:6, 6:3. In der Kombination Frau Friedleben Frl. Aißem (als Ersatz für Frau Reppach) ging bann das Damen Doppel- 'piel an Frf. Bvvmann Fr. Stroingk verloren.

Die Schwimmweltkämpse in Budapest.

vo. Im Rahmen der Budapester Schwimm Wettkämpfe wurde am 1. Tag die Meisterschaft im 400-Meter - Freistil-Schwimmer ausgetragen, zu der auch der deutsche Meister Heinrich, Poseidon-D s D.-LeWzig. startete und die Meisterschaft über diese Strecke in 5:25,6 überlegen vor dem Ungarn Bicskeh gewann, der 5:34,2 schwamm. Don den weiteren Eintel- wett bewerben gewann Rademacher daS 200-Meter-Dru st schwimmen in 3:2,6 vor 3 u n g - Ungarn 3:3. HellaS-Magde- bu r g gewann die 4 mal 66?, - Meter - Staffel in 2:45,2 vor F. T. C. Budapest 2:47,2, wurde jedoch in der 3 mal 100 - Meter - Freistilstaffel hinter Remzeti S.C-Budapest 3:16,8 in 3:21,2 Zweiter.

Der Sonntag brachte unter anderem das 100-Meter-Freistilschwimmen um den ungarischen Königspreis. Hier startete auch Heinrich, wurde a'-cr von Barany und dann auch noch von Gabor ffy geschlagen, die 1:1, bezw. 1:2 schwammen, Heinrib brauchte 1:3. Heinrich gewann dann aber die 200- Meter-Freistil in 2 -27,4 vor dem Ungarn Bicskey 2:34. Das 100-Meter-Rückenschwimmen gewann Bartha, Budapest in 1:15,2 ganz knapp mit Vio Sek. vor Frölich, Magdeburg, dem deutschen Rückenmeifter. Rademacher, der am Vortage bereits die 200 Meter ge­wonnen hatte, holte sich auch über 100 Meter in 1:18,8 einen raren Sieg, wiederum vor Jung. Hellas, Magdeburg, war noch in der 4x662/s- Meter-Lagenstaffel in 3:3,8 erfolgreich.

Ünternaionakr

Flugwettbewerb in München.

München. 13. Sept. (WB) Der zweite Tag des Internationalen Flugwett­

bekannt. Sein Rame erweckt die Erinnerung an viele heitere Theaterabende, die er Jahrzehnte hindurch dem deutschen Publikum bereitet hat. Seit je fühlte er sich vom Theater angezogen. Er ist in Budapest g ?boren und er­rang seine ersten schauspielerischen Erfolge in Wien unter Laube, dann unter L Arronge im Berliner Deutschen Theater. Schon damals fan­den einige feiner Schwänke bemerkenswerten Bei- fall, so bah er sich vom praktischen Dühnenleben dem Beruf des Schwankautors zuwandte. Auf diesem Gebiet liegen die grohen Wirkungen, die feinen Romen weit über die "berliner Stadt­grenzen hinaus bekannt gemacht haben. Wo ist nicht einmal eips dec Lullspiel: aufgeführt wor­den. die et gemeinsam mit Oskar Blumenthal, Franz von Schönthau. Presber ober R. Skowro- nek versaht hat? Die große Serie derabend­füllenden Schwänke" man erinnere sich an 3m weihen Röhl".Sufatenfieber. .Der Fa- milientag usw. -- die er alleine, oder mit ver­wandten Autoren geschrieben hat. darf, wenn eine dieser Komödien wieder einmal gespielt wirb, auch heute noch auf sicheren Beifall rech­nen. wo ihnen die veränderten Zeitverhältnisse viel von ihrer Aktualität geraubt haben.

Kadelburg ist nicht literatifj) zu werten, denn er hat niemals literarische Ansprüche erhoben, chm genügte es auch am Theaterabend der witzige Gesellschafter, der hanige, frohe Unter­halter zu fein, ber er im 3ibzn war Aber er schuf den Schauspielen dankbare Rollen, sichere Situationseffekte, er hatte Kombinat ivn-gabe und Instinkt für benSchlager", er enthielt sich ber unbeutschen Zoten und Lüste nheiten. die den Pariser Schwänken zu billige^ verhelfen darum sei ihm ein dankbares freundliches An­denken bewahrt!