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.jou und über das 'ouaryeoiet »oüitei I>aa) Deuricy- (anb eingeführt werden sollten. Das Scheitern dieser Verhandlungen machte dann das Saarabkommen notwendig, da die Zollforderungen der Ncichs- regierung eine Höhe erreicht hatten, die die saarländische Industrie zum Erliegen gebracht hatte. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Privatwirtschafts- Verhandlungen mit den offiziellen Verhandlungen nach der endgültigen Festsetzung der Zollkommis- sionen in beiden Ländern auf eine ganz neue Basis gestellt werden kann. Unabhängig davon gehen die Verhandlungen des internationalen Schienenkartells in Brüssel mit Aussicht aus baldigen Erfolg weiter.
England und Rußland.
Keine Aenderung der Lage.
London. 14. Juli. (WB.) 3n amtlichen britischen Kreisen wird über die gestrige längere Unterredung zwischen Ehamber lainunö .Xa; kows ky Stillschweigen beobachtet. Wre ledock zuverlässig verlautet, bleibt die Lage genau so, wie sie vor der Abreise Rakowskys nach Moskau war. Es wird darauf bingewiesen. daß Chamver- lain noch gestern nachmittag im Hinterhaus erklärte, er könne nicht sagen, daß die Propaganda» klausel des englisch-russischen Handelsabkommens von der Sowjetregierung loyal auSgefuhrt wurde. Weiter wird in politischen Kreisen betont, daß die letzten Ereignisse in Ebina nicht dazu angetan seien, die brttische Regierung von dieser Auffassung abzubringen. Es sei daher im Gegensatz zu allen anders lautenden Meldungen a^u- nehmen. daß auch die gestrigen, von Rakowsky aus Grund seiner Moskauer Eindrücke gemachten Mitteilungen nichts an der bestehenden Lage zwischen England un dR u. h. la n o geändert hätten. Wie bekannt, gründet sich die Politik der brttischen Regierung gegenüber Rußland auf die beiden folgeirden Haupttorderungen: Einstellung der antibrttischen Propaganda der Sowjetregierung und Liquidierung der russischen Schulden an England.
Kleine politische Nachrichten.
Der Reichspräsident empfing das Präsidium der Kolonialen Reichsarbeitsgemeinschaft, Gouverneur a. D Seih (Deutsche Koloniab-Gesellschaft). Gen erat v. Epp (Deutscher Kolonial-Kriegerbund) Geheimrat v. Zastrow (Reichsverband der Kolonral- deutschen), sowie Gouverneur a. D. Meyer- Waldeck (Aktionsausschuß), und nahm deren Bericht über den unlängst erfolgten Zusammenschluß der Kolonialvereine usw. zur Kolonialen Reichsarbeitsgemeinschaft und die Ziele und Arbeit dieses Verbandes entgegen.
Das Erscheinen der endgültigen Publikation des großen parlam en tarisch en LIntersuchungsauSschusses über die Ursachen deS deutschen militärischen Zusammenbruches im Herbst 1 9J 8 steht unmittelbar bevor. Rach sech-iähriger Arbeit hat der Untersuchungsausschuß seine Untersuchungen über die Ursachen des militärischen Zusammenbruches nunmehr beendet und wird in den nächsten Tagen das Ergebnis seiner Tätigkeit in drei stattlichen Bänden dem Reichstage vorlegen.
3m Bayerischen Landtag hat sich Ministerpräsident Held in einer grundsätzlichen Rede sehr scharf gegen die von der Reichsregierung vorgeschlagene Form des Finanzausgleichs zwischen Reich. Ländern und Gemeinden ausgesprochen, in der er den Beginn einer völligen politischen Entrechtung der Lander und ihre Herabdrückung zu Provinzen sieht.
Rach einem Londoner Funkspruch fordert die britische Regierungsdeickschrift. die sich mit dem Flottenbauprogramm beschäftigt, den Dau von 40 neuen Kreuzern in den nächsten 6 Jahren.
T-
.u,Lö oervunr Die werden
bei Wagner S Monate, bei Schöler 6 Monate und bei Wistow 7 Monate angerechne^ Die Kosten des Verfahrens fallen den 2IngeHagtcn zur Last. Rach Verkündung des Urteils, vor De. lesung der Begründung des Urteils, wurde die Oeffentlichkeit wegen Gefährdung der StaatS- icherhril wieder ausgeschlossen.
Schwere Bluttat.
Trier, 15. Juli. (WTB. Funkspruch.) 2n Steinberg bei Trier ereignete sich am Samstag- abend eine schwere Bluttat. Der 18 Jahre alte Arbeiter Peter Trampert erschlug seine T a n t e d u r ch B e i l h i e b e und verstümmelte die Leiche in furchtbarster Weise, indem er ihr den xopj abschlug und ihr ungefähr 40 Detthiebe belbrachte. Es soll sich um einen Racheakt handeln. Dor Jahren ist der Vater des jungen Trampert von dem Manne der jetzt Ermordeten erstochen worden. Der Täter wurde am anderen Morgen verhaftet.
Leichenfund im Grünewald.
Waldarbeiter entdeckten Dienstag vormittag im Grünewald in der Nähe der Spielplätze der Berliner Turngemeinde eine männliche ^.etche, deren Kopf vom Rumpfe getrennt war. Die Mordkommission nahm sofort die ersten Ermittlungen vor. Bis jetzt liegen noch keine Mitteilungen vor, ob es sich um einen Unglücksfall ober um ein neues Kapitalverbrechen handelt.
Raubüberfall.
Bei einer Klavierlehrerin in der Lehrter Straße in B e r l i n meldete sich ein junger Bursche und bat um Klavierunterricht. Im Laufe der Besprechungen Ching der Bursche die Lehrerin auf den Kopf, packte ie am Halse und riß sie zu Boden. Die Klavierehrerin setzte sich heftig zur Wehr, rief um Hilfe und biß den Burschen stark in den Finger. Der Räuber l ü ch t e t e, wurde jedoch von Hausbewohnern ergriffen und der Polizei übergeben. Er wurde als ein 22jähriger aus Warschau gebürtiger arbeitsloser Bursche namens Fransecki sestgestellt, der sich wohnungslos in Berlin urnhertneb. Bei ihm fand man eine geladene Pistole. Offenbar hatte er bte Absicht, bie Lehrerin zu berauben.
Raubüberfall in Halle.
Sonntag vormittag wurde auf einen von der Reichsbank kommenden Banklehrling in der Franckestraße ein Raubüberfall verübt. Dem jungen Manne wurde von dem unbekannten Täter die Aktentasche, die er unter dem Arm eingeklemmt trug und in der sich 15 000 Mk. befanden, von hin- ten weggerissen. Dadurch, daß ein zweiter Mann mit einem grob nachgefeilten Schlüssel den Täter vor verfolgenden Passanten in einem Torweg abschloß, ist der Täter durch einen zweiten Eingang entkommen.
TyPhuSepibeurie in Pommern.
Aus Anklam wird berichtet: Die Zahl der Thphuskranken Hal sich biS Samstag auf 150 erhöht. Bisher ist nur ein TvdeS- all zu verzeichnen. Man nimmt an, daß die Typhusbazillen durch Milch eingeschleppt worden ind, da die chemische Untersuchung deS Lei- tungSwassers auf TyPhuSerreger ergebnislos verlief. Don Berlin sind Hilfsmaßnahmen eingeleitet worden.
Typhusepidemie in Solingen.
In Solingen ist eine Typhusepidemie ausgebrochen. Bis jetzt sind bereits über 90 Erkrankungen festgestellt. Ein großer Teil der Erkrankten war von einem Wildhändler mit Wild beliefert worden. Das Geschäft des Wildhändlers wurde daraufhin polizeilich geschlossen.
Bisher sind 6 Personen gefto rben. In Gräf- rath sind 9, in Wald 4 und in Hochscheid 1 Person erkrankt.
Schwarze Pocken in Karlsruhe.
Wie aus Karlsruhe gemeldet wird, sind nach einer Mitteilung des badischen Ministeriums des Inneren die schwarzen Pocken von Kehl nach Karlsruhe eingeschleppt worden. Auch für Mannheim soll Einschleppungsgefahr bestehen.
Die „Standard Oil Company Rew Verseh" kündigt an, daß sie in ihren mittel- kontinentalen Oelfeldern den Achtstundentag einführen wolle. Gleichzeitig sollen die Löhne nach einer neuen Skala berechnet werden, wodurch den Arbeitern ein teilweiser Ersah für etwa entstehenden Lohnausfall gesichert werden soll. Seit den ersten Bohrungen im Jahre 1859 wurden 12 Stunden täglich gearbeitet.
Aus aller Welt.
Ein Gnadengesuch für Angerstcin.
Limburg, 14. Juli. ($11.) Angerstein hat, wie berichtet, am Schlüsse der gestrigen Verhandlungen die Erllärung abgegeben, daß er die Strafe bedingungslos annehme. Die Verteidiger sind nun übereingekonnnen, für ihn ein Gnadengesuch einzureichen, dem Anger- stein mit Rücksicht auf seinen Bruder nur unter der Bedingung zustimmte, daß dabei betont werd«, daß er selbst gegen ein Gnadengesuch sei.
Bier Todesurteile.
Schwerin, 14. Juli. (WTB.) Das Schwurgericht sprach nach zehntägiger Verhandlung, die wegen Gefährdung der Staatssicherheit unter Aussichluh der Oeffentlichkeit stattfand, das Urteil in dem Prozeß wegen der Ermordung des Helmuth Holtz aus Berlin, der auf dem Gute Oberhof bei WiSmar in Mecklenburg auf Veranlassung des dort ange- stellten Landwirts L i c z k a im Jahre 1923 diese Stellung angetreten hatte. Holtz, bet Roßbach- Anhänger war. war im Dezember 1923 nicht mehr in der Gemeinschaft und wollte Oberho verlassen. Bald darauf war er unter Zurücklassung seiner Sachen verschwunden. Seine Leiche wurde im Juni 1924 in dem Wohlenberger Wieck bei Wismar auf einem Acker vergraben aufgefu nden. Tleber die Einzelheiten der Vorgänge bei der Ermordung ist nichts befarmt geworden. DaS Urteil lautete gegen den Maurer R o h o w und Oberleutnant a. D Kalla wegen gemeinschaftlichen Mordes auf Todesstrafe, gegen Oberleutnant a. D Schöler wegen Anstiftung zum Morde aus TodeS st rase und wegen Anstiftung zum Meineide auf drei Jahre Zuchthaus, gegen den Landwirt L i c z k a wegen Anstiftung zum Morde auf Todesstrafe, gegen den Verwaltungs- antoärter Wagner w->gen Richtanzeige eines schweren Verbrechens auf zwei Jahre Gefäng - n i s und gegen den Maurer Wistow wegen Meinendes a"f 1 3 -
Ein neues Rvtorschiff.
Wie wir hören, wird gegenwärtig auf der Weserwerft in Bremen ein zweites Rotor- schiff gebaut, das 3000 Tonnen groß sein wird, während die „Buckau", ein umgebauter Dreimast- segler. nur 600 Tonnen faßte. Gegenüber der Rotorhöhe der „Bukau" von 15,5 Metern und einem Durchmesser von 2,5 Metern wird der neue Rotor eine Höhe von 28 Metern und einen Durchmesser von 7 Metern haben. Die Konstruktion wird dabei besonders auf die Verwendung der Rotoren als Zusatzkräfte hinausgehen, um so bie größte Wirtschaftllchkei für Frachtschiffe zu erzielen.
Amunbfrn bei Eckener.
Wir hören, daß auf eine Anfrage Roald Amundsen Dr. Eckener brieflich sich bereit er- klärt habe, innerhalb der nächsten 14 Tage mit Amundsen und Ellsworth in einer norddeutschen Hafenstadt zufarnmenzutreffen. Damit werde der Plan eines Zeppelinbaus zur Erreichung des Pols einen wesentlichen Schritt vorwärts gekommen sein.
von Rumänien nach Stralsund zu Pferde.
Der schwedische Herrenreiter Ingenieur Rausch, der den abenteuerlichen Ritt des Schwedenkönigs Karl XII. vom Jahre 1714 von Piesci in Rumä- nien nach Stralsund wiederholen wollte, ist in Begleitung seiner Frau in Debreczin (Ungarn) angenommen. Rasch und seine Frau legten die Strecke von Debreczin bis Klausenburg über den Rothen- Turm-Paß in Siebenbürgen zu Pferde zurück. Von Klauscnburg mußten sie die Fahrt im Automobil bis Debreczin fortsetzen, weil ein Werd lahmte. Rasch und seine Frau Hetzen den Ritt über Budapest, Wien, Regensburg nach Stralsund fort.
Autorennen der Berliner Schauspieler.
Auf der Grunewolder Avusbahn veranstalteten am Sonntag die Berliner Schauspieler zum erstenmal ein Autorennen. Im Verlaufe fres Rennens überschlug sich auf dem Rückwege der Wagen des Schauspielers Harry Lambert-Paulsen, vermutlich infolge einer Reifenpanne. Lambert- Poulsen und fein Mitfahrer wurden hcrausge- schleudert und mußten bewußtlos ins Krankenhaus aebracht werden. Lambert-Paulsen bat Quetschungen, fein Mitfahrer einen Bluterguß davongetragen.
Der Affenprozetz.
Day ton, 14. Juli. (WB.) In der heutigen Gerichtsverhandlung gegen ScopeS herrschte wegen der Haltung des Verteidigers Darrow, der dagegen protestierte, daß die tägliche ®e- r»chtsverhaudlung mit einem Gebet et« ' der
VoriryenDe Raul.iron i>ea ^<r->e^>uyi entnahm, erklärte Darrow: Ich protestiere gegen die tag- ltchr Gepslc geahnt, in Anwesenheit des Gerichtshofes zu beten. Ich verweigere niemanden, als Privatmann zu beten, aber ich verwahre mich dagegen, daß dieser Gerichtshof in ein en GebetSsaal verwandelt wird. Hierauf sagte dec Verteidiger Malone: Als Mttglied der Verteidigung. daS nicht zu den Agnostikern gehört, schließe ich mich dem Protest gegen das tägliche Gebet an. Wir glauben, daß die Eröffnung der Verhandlungen mit einem Gebet den Interessen des Beklagten Eintrag tut, und wir ind der Ansicht, daß diese Gepflogenheit hier eine religiöse Atmosphäre hervorruft, die unserer Sache abträglich ist. — Staatsanwalt Stoward äußert hierzu: Dies hier ist eine gottesfürchtige Versammlung. Wir sind gewohnt, unsere Gebete hier zu sprechen. - Malone erwiderte, sie seien genau so gottesfürchtig, worauf Raulston betonte, er sei verantwortlich für die Leitung der Versammlung. Es sei seine Gepflogenheit, dre- elbe mit einem Gebet einzuleiten. Es sei kein Grund vorhanden, warum er dieser Sitte nicht treu bleiben sollte. Er habe Anwei- sungen erteilt, daß bie Prozeßsache selbst im Gebet keinerlei Erwähnung finden solle.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 15. Juli 1925.
Iuftizrat Dr. h. c. ©rünetaalb t-
Rach kurzer schwerer Krankheit ist gestern der Justizrat Dr. h. c. Wilhelm Grünewald verschieden.
Wilhelm Grünewald war am 18. Juni 1859 in Babenhausen als Sohn des Ziegeleibesihers Wilhelm Grünewald geboten. Er besuchte zunächst die Realschule in Offenback, später das Gymnasium in Darmstadt, wo er 1878 das 2Ibi- turientenexamen bestand. In Gießen und Leipzig studierte er Rechtswissenschaft und absolvierte nach dem im Jahre 1881 bestandenen Fakultäts- ejamen seinen juristischen Vorbereitungsdienst beim Amtsgericht und Kreisamt Offenbach, sowie beim Landgericht Gießen. 1884 unterzog er sich dem Staatsexamen, mehrere Jahre war er als Hilfsarbeiter bei dem Rechtsanwalt Geh. Justizrat Dr. Gutfleisch tätig, um sich dann selbst im Jahre 1887 als Rechtsanwalt in Gießen niederzulassen. 1893 trat er in die Gießener Stadtverordnetenversammlung ein, der er zunächst bis 1901 angehörte, von 1908 bis 1912 war er erneut Mitglied des Stadtparlaments, in dem er der juristischen und der Verkehrskommission angehörte. Am 15. Februar 1912 wurde er zum unbesoldeten Beigeordneten auf die Dauer von sechs Jahren gewählt, am 23. Januar 1918 er- olgte seine Wiederwahl, die Amtszeit endete 1919 auf Grund der Abänderung der Städteordnung, der Reuwahlen folgten. Als unbesoldeter Beigeordneter führte er den Vorsitz im Marktausschuh, in der land- und forstwirtschaftlichen Deputation und im Theaterausschuh, außerdem den stellvertretenden Vorsitz im Der- kehrsaussckuh. Er wurde weiter in den Kreistag gewählt, ebenso in den Provinzialtag, dem er bis jetzt angehörte. 1910 trat er in die Zweite Ständekammer als Mitglied der Fortschrittlichen Dollspartei ein. Ferner war er Vorstandsmitglied der Hessischen Anwaltskammer, und über 20 Jahre Vorsitzender des Vereins für Krankenpflege. Im Jahre 1917 regte er die Gründung der Gießener- Hochschulgesellschaft an, deren Vorsitz er bis zu feinem Ableben führte. In Würdigung feiner Verdienste um unsere Landekuniversi- tät wurde er von der Medizinischen Fakultät zum Ehrendoktor ernannt. 1919 wurde er als Kandidat der Demokratischen Partei in die verfassunggebende Rationalversammlung gewählt. Auch auf industriellem Gebiet war der Entschlafene in vielseitiger Weise tätig, sein besonderes Interesse galt hier dem Bergwesen und dem Bergrecht. Preisgekrönt wurde er mit einer Schrift über „Die Freizügigkeit der deutschen Rechtsanwälte".
Rach alledem ist zu sagen, daß der Heimgegangene ein außergewöhnlich begabter und in selten vielseittger Weise tätiger Mann war, der bis zuletzt, bis Krankheit ihn erfaßte, mit regstem Eifer und starker Willenskraft seinen Pflichten oblag.
IahrtausendseLer in Gietzen.
Für die von dein Oberbürgermeister in Verbindung mit den politischen Parteien veranstaltete Jahrtausendfeier ist der Andrang so überaus start gewesen, daß sämtliche Plätze des Stadttheaters in kürzester Zeit vergeben waren. Um all den Vielen, die zu der heutigen Feier keine Karten mehr erhalten konnten, entgegenzukommen, wird die Feier mit genau dem gleichen Programm wie heute am kommenden Freitag, 17. Juli, imStadttheater wiederholt. Man beachte die heutige Anzeige. — Hier zeigt sich wieder mal recht überzeugend, wie notwendig für unsere Stadt ein auf Massenandrang eingerichteter Dau ist, und wie gut es wäre, wenn man die Volkshalle schon jetzt zur Verfügung hätte. Dann hätten zweifellos alle Ansprüche erfüllt werden können.
Wer Bettlern Geld gibt- versündigt sich cm sernenMitmenschen!
Bom städtischen Wohlfahrtsamt wird uns geschrieben:
Die gewaltigen Wohlfahrtsanstalten in Bethel bei Bielefeld sind kürzlich auch hier im Film gezeigt worden. Ihr Gründer ist Pastor von Bodel- schwingh. Keiner kannte w:e er „die Brüder von der Landstraße" und ihr Wesen. Bodelschwingh sagt: „Kritikloses Almosengeben ist unbarmherzige Barmherzigkeit, ja die größte Grausamkeit."
Wer Bettlerri Geld gibt, unterstützt in 9 von 10 Fällen die Arbeitsscheu, die Trunksucht und das Verbrechen. Der klug ist und sozial denkt, gibt daher Bettlern kein Geld, sondern Schecks des städtischen Wohlfahrtsamtsscheckdienstes, die allenthalben in der Stadt, wie auch beim Wohlfahrtsamt zu haben sind. Auf diesem Wege werden die wirklich Notleidenden ausreichend unterstützt, die Nichtstuer aber weggewiesen, so daß sie Gießen in schlechtem Angedenken behalten.
Neueinlragung einer alten Hypothek.
Die Gläubigerin einer im Jahre 1918 eingetragenen Hypothek vereinbarte, als im Jahre 1922 das belastete Grundstück auf einen neuen Eigentümer überging, mit diesem, daß hu ihren Gunsten an Stelle der alten Hypothek eine neue über den gleichen Betrag lautende Hypothek mit dem Range vor der alten Hypothek ein
getragen toe.ru cn sollte, während bie letztere nunmehr an den Eigentümer des Grundstücks abzutreten fei. Es wurde streitig, ob die neu eingetragene Hypothek als eine vor dem 1. Januar 1918 erworbene im Sinne des § 2 Abs. II der dritten Steuecnotverordnung anzusehen sei. DaS Landgericht III Berlin bejahte diese Frage. Daß im Jahre 1922 formell eine neue Hypothek eingetragen, ja sogar eine neue Forderung tonn trutert worden sei, könne nicht entscheidend fein; Rur in Fällen, in welchen nicht nur formell, sondern auch wirtschaftlich betrachtet, neue, d. h. nach dem 1. Januar 1918 begründete Beziehung gen zwischen Gläubiger und Schuldner vorlägen, e» die geringere Aufwertung zuzubilligen. (Ur* teil vom 23. Juni 1924. 350. 66/24.)
Hessischer Landgemeindelag.
(Von unserer Darmstädter Redaktion.)
Kürzlich hielt der Vorstand des Hes sichen Landgemeindetags in Darmstadt eine Dorstandssihung unter dem Vorsitz von Bürgermeister Alexander-Gonsenheim ab. Es wurde u. a. über den Finanzausgleich verhandelt, wobei von der Absicht gesprochen wurde, das Steuerprivileg für die Versorgungsbetriebe (Elekttizitäts-, Gas- und Wasserwerke) zu beseitigen, da man der Ansicht sei, daß in den meisten derartigen Betrieben, die nach gemischt-wirtschaftlichen oder ähnlichen Systemen arbeiteten, die ganze Geschastsleituna nach fauf- männischen Gesichtspunkten gehandhabt und auch erhebliche Gewinne erzielt würden. Es wurde deshalb auch nur als gerecht bezeichnet, toemt diese Betriebe zur Steuer herangezogen würden. Zu erwarten dürfe jedvch sein, daß die Wasserwerke künftighin weiter steuerfrei bleiben würden. Es wurde verlangt, daß den Gemeinden, den Wohngemeinden wie den Betriebsgemeinden, wieder ein Zuschlagsrecht zurCinkommensteuer gewährt werde. An- telle der Dezirksstenerausschülle müßten Bewertungsausschüsse treten, in denen der Gemeindeverwaltung Sitz und Stimme einzuräu- men sei. Zur Erledigung juristischer Fragen deS Landgemerndetages wurde ein juristischer Beirat, bestehend aus den Herren Alexander-Gonsenheim, Dr. V ö l s i n g - Alsfeld und Dr. Otte* poth- Schlitz gewählt. Der Vorstand konnte ich mit dem Anträge oberhessischer Landstädte an die Regierung, daß in allen Gemeinden und Städten bis zu 10 000 Einwohnern die Woh - nungsmangelvorschriften außer Kraft gesetzt werden möchten, nicht einverstanden erklären. Die allgemeine Aufhebung dieser Be- timmungen fei verfrüht: möblierte Zimmer und gewerbliche Räume könnten zuerst von der Woh- nungszwangswirtschast befreit werden. Zur Aufwertung der Kommunalanleihen sprach sich der Vorstand dahin aus, daß eine Differenzierung zwischen Obligattvns- und Schuld- anteihen nicht gemacht werden dürfe. Zum Schluß der Besprechung schloß sich der Vorstand dem Protest des Hessischen Stadtetage s, des Landgemeindetages und des Verbandes der hessischen Kreise und P rvvinzen gegen die Herabsetzung des Anteils der Gemeinden und Gemeindeverbände an der Reichseinkommen- und Körperschaftssteuer an.
Gießener Wochenmarktpreise,
am 14. Juli (Händlerpreise).
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkte: Butter 200—210, Matte 35-40, Käse 60, Wirsing 35, Weißkraut 35—40, gelbe Rüben 50, rote Rüben 20, Spinat 40, Römischkohl 20—25, Bohnen, grüne 60, Bohnen, gelbe 70, Erbsen 30—35, Mischgemüse 12 bis 20, Tomaten 60, Zwiebeln 20, Rhabarber 20, Kartoffeln, neue 10 bis 13, Frühäpfel 60, Birnen 70, Stachelbeeren 30 bis 45, Johannisbeeren 35, Himbeeren 60 bis 70, Aprikosen 100, Gänse 100 Pf. je Pfd., Eier 13—14, Blumenkohl 10—120, Salat Ist—15, Salat« gurken 30—60, Einmachgurken 6—10, Ober-Kohlrabi 10—25, Rettich 30—40 Pf. je Stück, Radieschen Bd. 20 Pf.
Bornotizen
— Lageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 8 ülhr Jahrtausendfeier der Rheinlande . — Eisenbahner-Drenustoffversorgung: 5Vz ÜIHr ülnterrichtszimmer »Oberhessischer Bahnhof" Hauptversammlung.
Wettervoraussage.
Zunehmende Bewölkung, wechselnde Winde, warm, nur strichweise Riederschläge.
*
** Erhebung über Stellenlosigkeit der Angestellten. Am morgigen Donnerstag, 16. Juli, findet die vom Präsidenten der Reichsarbeitsoerwaltung angeordnete Zählung der stellenlosen Angestellten statt. Zu diesem Zweck müssen die Angestellten persönlich bei derjenigen Stelle, bei der sie als Arbeitsuchende gemeldet sind (öffentliche Arbeitsnachweise oder Angestett« tenverband) erscheinen. Ausweispapiere, die für die Beurteilung dcr Angestellteneigenfchaft erheblich sind, sind mitzubringen. Alle bei keiner der oorge- nannten Stellen als Arbeitsuchende gemeldeten Angestellten beiderlei Geschlechts müssen in ihrem eigenen Interesse gleichfalls unter Vorlage von Ausweispapieren über ihre Angestellteneigenschaft und ihre Stellenlosigkeit bei dem öffentlichen Arbeisnachweis ihres Wohnorts oder Aufenthaltsorts am 16. Juli den Fragebogen ausfüllen und dort wieder abliefern.
** Anlagenkonzert findet morgen, Donnerstag, nachmittags 6 Uhr, am Liebigdenkmal durch das Musikkorps des 1. (Hessischen) Bataillons, 15. Infanterie-Regiment unter Leitung von Ober- Musikmeister Löbcr statt. Dortragsfolge: 1 Fehr- beUiner Reitermarsch für Heroldtrompeten und Kes- selpauken von M. Meurion. 2. Ouvertüre zur Oper „Tannhäuser" von R. Wagner. 3. „Königstted" aus ,<Sigur Jorsalfar" von E. Grieg. 4. Fantasie aus der Oper „Der Freischütz" von K. M. v. Weber. 5. a) Parademarsch der langen Kerls von Roland aus dem Film „Fridencus Rex" von Th. ©rabert; b) Gießener „Wingolf", Marsch (neu) von W. Löder.
RDD. Für Reisende mit Fahrrädern. In letzter Zeit wird darüber geklagt, daß auf Reisende, die ihre Fahrräder am Packwagen aufgeben rind von dort nach ihrem Abtell eine weitere Wegstrecke zurückzulegen haben, nicht genügend Rücksicht bei der Zugabfertigung genommen wird. Die ReichLbahndirektion in Köln hat daraufhin die ihr unterstellten Beamten angewiesen, bei aller Vorsorge für beschleunigte Abfertigung der Züge doch den Inhabern der Fahrräder joviel Zeit zu lassen, daß sie in Ruhe ihr Abteil erreichen und nicht gezwungen sind, auf den fahrenden Zug aufzusprin- gen. Nötigenfalls sott bei größerem Räderoerkehr 1 eine Aufenthaltsverlängerung beantragt werden.


