Ausgabe 
15.6.1925
 
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tralisation der Verwaltung kommen, so bebrütet das nicht eine Schwächung, sondern ein» Stär­kung des Reichsgedankens. Wir wollen durch ein verständnisvolles Zusammenwirken der Län­der mit dem Reiche zu einem wirklichen einigen Deutschland kommen.

Äach der Verfassung sind

die Reichsfarben schwarz-rot-gold.

Daraus ergibt sich von selbst, daß sie Anspruch auf den Schuh des Staates haben, den zu ge­währen ich durchaus gesonnen bin. Weite Kreise des Volkes erstreben die Wiederkehr der Reichs- färben Echwarz-Weiß-Rot. So ist ein Kampf entbrannt, der tief bedauert wird von jedem, der den inneren Frieden des Volkes will Ich bin der letzte, der bestreiten will, daß auch im schwarzweihroten Deutschland die Farben Schwarz-Rot-Gold tiefe Verehrung genossen haben, als das Symbol, unter dem die Bürger­schaft und andere Kräfte der Jugend für deutsche Einheit und Freiheit gekämpft haben. Aber Ach­tung gegen Achtung. Es war die schwarzweihrote Fahne, unter der ein starkes Deutsches Reich 50 Jahre hindurch der Hort des Weltfriedens war, und unter schwarzweihroter Kokarde haben deutsche Männer aller Stämme jahrelang das Vaterland gegen eine Äebermacht von Feinden verteidigt. (Beifall.) Der Achtung vor diesen Farben entsprach es auch, wenn die Weimarer Rationalversammlung die schwarzweihroten Far­ben für die Handelsflagge bribehielt.

Wir wollen dein unser Volk zerreißenden Streit um die Flaggenfrage endlich ein Ende machen durch eine klare Dolksentscheidung.

Der Minister wendet sich dann den kulturel­len Aufgaben seiner Verwaltung zu und bezeichnet es als sein Streben, die sittliche und körperliche Ertüchtigung der Jugend mit allen Kräften zu fördern. Das Innenministerium werde alles tun, was in seinen Kräften steht, um durch seine Unterstützung der deutschen Wissen­schaft die Erhaltung der hervorragenden Stel­lung zu ermöglichen, die sie in der Welt ein­nimmt. In kulturellen Fragen muh den Län­dern ihr Eigenleben gesichert sein, aber das Reich muh auch hier entscheidend mitreden kön­nen, ohne zu reglementieren. Die Erhaltung der körperlichen und sittlichen Gesundheit unseres Volkes wird uns nötigen, den übermäßigen Z u- strom von Ausländern aus dem Osten einzudämmcn. (Beilall rechts.) Die Rotlage un­serer geistigen Arbeiter erfüllt uns mit großer Sorge. Die Freiheit und innere Änab- hängigkeit der Presse ist für die Erfüllung ihrer großen Aufgaben unerläßlich. Der Mi­nister weist zum Schluß m t Genugtuung auf die Treue der Ausländsdeutschen hin und knüpft daram den Wunsch, daß auch im Innern das deutsche Volk das Trennende zurückstellrn und sich einig zusammenfinden möge im Glauben an die deutsche Ration.

Abg. Kube (Völl.sch) gibt der Erwartung Ausdruck, dah die nationale Festigkeit sich auch in der Zusammensetzung der Reichsregierung zeigen werde. Wir stehen zu Schwarz-weih-rot. Den von fren D.'utschnaticmalen zurückgezogenen Antrag auf Aufhebung des Artikels 18 nehmen wir wieder aus. Wir wollen Preußen, die Grund­lage der deutschen Einhe't, nicht zerstückeln lassen. Wir halten die ganze Weimarer Verfassung für undeutsch uriS als überflüssig. W'r stimmen der Einrichtung eines Verfalsungsausschusses zu, glau­ben aber nicht, dah er diese Verfassung ver­bessern kann. Dcr Redner beantragt zum Schluh einen Gesetzentwurf, wonach Abgeordnete und M nister, die ihren Einfluß in gewinnsüchtiger Absicht mißbrauchen, ihrer Amtter enthoben wer­den röiincn.

Von den Kommunisten ist inzwischen ein Antrag e ntgangen:

Der Re'chsinnenminister Schiele besitzt nicht das Vertrauen des Reichstags.

Abg. Dr. 2k o s e n f e l d (So-.) bezeichnet dir Rede des Innenministers als stig und ge- dankenarm. Der Mi iljter Haie nach fc n.r M.i- nung die Fragen über das bayrische Konkordat nicht beantwo tet. Das Gesetz ü'-er die Pslich- ten der rcpub lila ast chen B am! ; miß erhalten öleiben. Aber der Siaatsgerichtshof zum Schutze der Repunlil muß schleunigst beseitigt werden.

Lli-a Schlange-Schoni gen (D tl.) meint, jetzt l ü se ria>t der Streit um die S.aatsfvrrn ausgetragen werden. Der 18. Januar sei der gegebene Rntionalicieitag. nicht als Tag bet Ka is ''Proklamation, sondern als Tag der deut­sch Einigung,

Ql'-a. v. Kardorff (D. Vp ) weist die QIift i.| zurück, die g:g::i ihn wegen seiner Stc'llu g y in Gemeinbcwa l echt cr.i tet wor­den sind. Der A n. Koch habe schon vor 1918 ga ähnliche Ävi schlage gemacht.

(?r üca 1 Ähr abends bezweifelt Abg. Eichhorn (Krm:.> ' mit Erfolg d e B.schluß - fcr.: :it des Hauser. Dir Weiterberatung wird da.'.,i auf Montag nachmittag 2 Ähr vertagt.

Dre Eisrnbahntarife.

Ä)» n.sterialrat Niemcck ii» Ru chc«. isettbahnrai.

Berlin, 13. Juni. (WTB.) Unter dem Vor­sitz 'es ich oerkehrdministers Kröhne trat beaii ter ck e i ch s e i s e n b a h n r a t zum ersten Male naci) der Regelung der Eisenbahnverhältnisse zusamrnen. An den Verhandlungen nahm auch der Staatssekretär Bogt mit anderen Vertretern der deutschen Reichsbahngesellschaft teil.

Der Reichsoerkehrsminister erörterte einleitend das Verhältnis des Reichseisenbahnrats zum Reichs- Verkehrsministerium wie es durch die Neuordnung gestaltet ist Er wies darauf hin, daß der Reichs­eisenbahnrat auch in Zukunft als beraten­des Organ in wichtigen Verkehrsfragen dem Reichsoerlehrsininifter zur Seite stehen werde, um ihn bei der Erfüllung der ihm durch das Reichs- bahngesetz zugewiesenen Aufgaben zu unterstützen, und sprach die Hoffnung aus, daß diese Zusammen­arbeit sich wie bisher für die deutsche Volkswirt­schaft segensreich erweisen möge.

Ueber die bisherige I a r i f p o l i t i t der deut­schen Reichsbahngesellschaft berichtete Ministerialrat Niemack vom Reichsverkehrsministerium. Er be­tonte dabei, daß seit dem Uebergange der deutschen Reichsbahn auf die neue Gesellschaft eine Er­höhung der Gütertarife nicht erfolgte, und daß viel­mehr zahlreiche Ermäßigungen m Gestalt von Ausnahmetarifen durchgeführt wurden. Staatssekretär Vogt verbreitete sich sodann über die Ziele und wirtschaftliche Lage der Deutschen Reichsbahngesellschaft und hob hervor, daß die in der Öffentlichkeit vielfach vertretene Befürchtung eines überlegenen fremdländischen Ein­

flusses nach den bisherigen Erfahrungen nicht begründet sei. Wirtschaftlich hatte die lOprozen- tige Erhöhung der Personentarife keinen Rückgang des Verkehrs zufolge. Der Pfingstverkehr war viel­mehr ungewöhnlich gut, dagegen fei seit Mai ein Riickgang im Güterverkehr zu beklagen, wodurch der Reichsbahngesellschaft bei ihrer künf­tigen Tarifpolitik Vorsicht auferlegt werde. Er teilte weiter mit, daß der Gütertarif z. Z. einer umfassenden Prüfung unter­zogen werde, hauptsächlich im Hinblick auf die verhältnismäßig hohe Belastung der nahen Ent­fernungen und der hochwertigen Güter. Ueber die von mehreren Rednern geforderten W a s s e r u m - schlagstarife steht eine Entscheidung auf Grund eingehendster Prüfung in absehbarer Zeit bevor. Die Reichsbahn sei ferner bestrebt, die Be­förderung im Personen- und Güterverkehr ständig weiter zu verbessern (Lieferungsfristen durch Fern­schnellzüge).

Bei der sich anschließenden Aussprache wur­den die vorstehend angedeuteten Punkte, sowie die Fragen des Kraftwagenoerkehrs, insbe­sondere des Postpersonenverkehrs, eingehend behan­delt. Don einzelnen Rednern wurden eine Reihe be­sonderer Wünsche und Anregungen vorgetragen. Bei den Sondervorlagen über die Erhöhung der unter den Selbstkosten liegenden Frachtsätzen für Steine zum Wegebau usw. und über die Einfüh­rung von ermäßigten Frachtsätzen für Eisenhalb­zeug zur Herstellung von Bauwerkteilen, Eisenhoch- und Brückenbau und von Schwimmdocks des Ver­kehrs mit den deutschen Küstenplätzen (indirekte Eisenausfuhr), stimmte der Reichseisenbahnrat mit größerer Stimmenmehrheit zu.

Der Landwirtschastrhaurhalt

im preußischer» Landtag.

Berlin, 13. Juni. Die allgemeine Aus­sprache zum Landwirtschaflshaushalt wird fortgesetzt.

2lbg. Dr. Hermes (Z.) führt aus: Der Dawesplan legt uns nach wenigen Jahren Mrpflichtungen auf. die ich immer als uner­füllbar gehalten habe. Trotzdem müssen wir alles tun, um ihn zu erfüllen. Die Landwirtschaft muß leistungsfähig erhallen bleiben, da sie die wichtigste Quelle der physischen Erneuerung ist. Man kann nicht ein für allemal Schutzzölle oder Freihandel für allein richtig oder allein unrichtig bezeichnen. Bedauerlich ist, daß die Reichsregie­rung noch feine Enquete veranstaltet hat über die Wettbewerbsfähigkeiten unserer Industrie und Landwirtschaft. Der deutsch-spanische Handels­vertrag wirkt sich verhängnisvoll aus.

Abg. S k j e 1 l e r u p (Korn.) erklärt, trete der neue Zolltarif in Wirkung, dann werde der deutsche Verwaltungsapparat noch viel kostspie­liger sein als heute, wo er bereits den Wert deS ganzen deutschen Exportes auffresse.

Abg. Wach hör st de Wcnt e (Dem.) er­klärt, seine Partei lehne die Getreide- dolle als Mindest-oll ebenso einmütig ab, wie sie den Abschluß von Handelsverträgen für eine deutsche Lebensnotwendigkeit betrachte. Ebenso werde seine Partei die Industrie- o ö IIe in einer Höhe, die einem Einfuhrverbote gleichkämen, nicht genehmigen. Zölle auf Futtermittel dürften auf leinen Fall eingeführt werden. Der Redner erklärt sich auch gegen einen Kartosselzoll und ist auch nicht mit einem allgemeinen Einsuhrsck einsystem einverstanden.

Qlbg. Diester (Dl. Hann.) verweist auf die ungünstigen Ernteaussichten und bezeichnet Kredite für die Landwirtschaft erforderlich, ins­besondere zur Beschaffung von Kunstdünger und Saatgut.

LandwirtschaftLminister Steiger

gibt eine kurze Darlegung über die 2krtt>en- dung der Kredite für die Lanow-rtschaft. In der S age der Rentenbank-Kreditanstalt habe das preußische Staatsministerium den Staad- punlt vertreten, daß die Anstalt in der Haupt­sache G r u n d k r e d i t e zu geben habe und nur für den Äebergang der Personalkredite. Da die Anstalt für die Zukunst sich zu einem wichtigen agrarischen Institut auswachsen werde, so sei Preußen dafür eingetreten, daß die Einfluß- nähme der Länder entsprechend gesichert werden solle, dadurch, daß der Reichsrat betei­ligt werden solle. Die inneren Verhältnisse zwän­gen uns, für die Landwirtschaft einen entspre­chenden Schutzzoll zu ve langen. Getreide­zölle seien wohl berechtigt. Durch wohlüber­legtes Studium sei er heute ein Freund der Einfubrscheine geworden. Aus ihnen könne der L MO irlschast eine große Erleichterung wer­den. lvii. Siedlungszwecke könnten 20,5 Millionen ausgegeben werden. D'.e Anbaufläche für Getreide betrage gegenüber dec Vorkriegs­zeit nur 85 Prozent. Zur Frage der Urbar- m a u n $ von Mooren usw. erklärt der Mi­nister. da'j in den Bezirken Stade und Lüne­burg Hnisende von Hektar durch die Landwirt- scha J cbar gemacht worden seien, ohne daß aus T, ।entließen Mitteln auch nur ein Pfennig beigesteuert worben sei.

Der himmelsbach-Aandal.

Darmstadt, 13. Juni. (Eig. Bericht.) Heute vormittag wurden die Verhandlungen des par­lamentarischen Ausschusses zur Unter­suchung des Falles H i m m e l s b a ch wieder auf­genommen. Zunächst wird Staatspräsident U l r i ch vernommen. Er macht zu Beginn des Verhörs dar­auf aufmerksam, daß das hessische Kabinett noch keinen Beschluß gefaßt habe, ob und wie weit Aus­sagen gemacht werden können. Er könne daher nur Dinge sagen, die er nach bestem Wissen, ohne seine Pflicht als Minister zu verletzen, mitteilen dürfe. Es komme darauf an, ob die Firma Himmelsbach bei Abschluß der Verträge mit den Besatzungsbehör­den unter einem Zwang stand? Rach' seiner Auf­fassung, so bemerkte der Staatspräsident, wäre für die Firma die Möglichkeit dieser Annahme gegeben gewesen. Er felbft sei bereit gewesen, der Firma eine Erklärung in diesem Sinne abzugeben, doch habe sich das Kabinett über den Wortlaut dieser Erklärung nicht einigen können ;bem Finanz- minifterium seien di e Vorschläge zu weit gegangen.

Der Staatspräsident erwähnte, daß die F o r st- leute sich gegen die Darstellung der Firma gewandt hätten. Es komme alles auf die genaue Prüfung der Akten an. Zum Schluß feiner Ausführungen bemerkt der Redner nochmals aus­drücklich, daß er der Auffassung sei, die Firma Himmelsbach habe in einer Zwangslage gehandelt. An diese Aussagen schloß sich ein län­geres Verhör, in dem die geschäftliche Behandlung

der hier berührten Fragen erörtert wurde ;es wur­den auch entsprechende Protokolle verlesen. Be­achtenswert ist die Feststellung, daß der Staats­präsident sich gegen einen Boykott der Firma ausgesprochen hat.

Der Minister des Innern v. Brentano, der hierauf vernommen wird, sagt ähnlich aus wie der Staatspräsident. Er bemerkt, daß die Firma immer die Auffassung vertreten habe, sie befinde sich in einer Zwangslage, und zwar hätte man der Firma durchaus kein Mißtrauen entgegengebracht. Der Minister erklärt, daß er feine Anschauungen über die Firma Himmelsbach auf Grund eines gründ­lichen Aktenftudiums gewonnen habe. Rach feiner Ansicht konnte die Firma der Meinung fein, daß sie sich in einer Zwangslage befinde und glauben konnte, daß sie, wie sie tat, handeln dürfe. In dem Verhör werden zahlreiche Punkte berührt, über die bereus andere Zeugen ausgefagt hatten und die nun durch den Minister bestätigt werden. Der Mi­nister äußert u. a., nach feiner Meinung fei es nicht erwiesen gewesen, was die Forstleute gegen die Firma Himmelsbach vorgebracht hätten. Den wei­teren Ausführungen des Zeugen ist zu entnehmen, daß er der Meinung ist, die Firma habe alles ge­tan, um den Wald zu schützen. Die Firma habe nie absolutesRein" oder ein absolutes3a" erfah­ren. Der Minister glaubt auch, daß das, was Ober- forftrat Kallenbach nach der Behauptung der Firma gesagt hat, auch wahr ist.

Um 10.45 Uhr, nach Beendigung dieser Zeugen­vernehmung, tritt eine Pause ein. Nach Wiederauf­nahme der Verhandlungen wird Prokurist W o e r n e vom Gaulsheimer Werk der Firma Himmelsbach vernommen. Er berichtet zunächst über die Verhandlungen in Koblenz mit der Besatzungsbehörde, die den Vertragsab­schlüssen vorausgingen, und erläutert bann technische Einzelheiten des Vertrages sowie in längerer Rede die weiteren Verhandlungen mit der Besatzungs- behörde und den Inhalt der Besprechungen in Darmstadt.

Die Desatzungsbehörbe habe verlangt, daß in der Pfalz 100000 Festmeter gefällt werden sollten. Nach vielen Verhandlungen sei dann die Summe auf 5 5 0 0 0 ermäßigt worden; es wäre aus­drücklich verlangt worden, daß das Holz aus der Pfalz stamme. Da aber dort der Fällung Schwie­rigkeiten .entgegenstanden, habe die Befatzungsbe- hörde derFirma hessische Bestände zum Schlagen zugewiesen. Die Firma habe niemals die Besat- zungsbehörde auf die guten hessischen Waldungen aufmerksam gemacht. Von einem Verbot des Ver­tragsabschlusses könne schon deshalb nicht die Rede fein, weil die hessische Forstbehörde sich bereit er­klärt habe, einen Austausch von hessischen Schlägen vorzunehmen. Es folgt ein längeres Verhör des Zeugen über zahlreiche Einzelfragen; wesentlich Neues fördern die Aussagen nicht zutage. Der hessische Forstrat Günther sagt als Zeuge auf Befragen über feinen Verkehr mit einem Vertreter der Befatzungsbehörde aus.

Um 1* Uhr werden die Verhandlungen a b gebrochen; sie sollen in etwa 14 Tagen wieder aufgenommen werden. Inzwischen wird erwartet, baß die vom hessischen Finanzmini­sterium in Aussicht gestellte Denkschrift fertig- gestellt sein wird.

Tausendjahrfeier in Berlin.

Kundgebung vor dem Reichstag.

Berlin, 14. Juist. (WB.) Bei regnerischem Wetter fand heute unter großer Beteiligung eine Kundgebung für die Befreiung der Rheinlande im Rahmen der Jahrtau­send f e i e r statt. Es war ein. überwältigendes Bild, als die Vertreter aller deutschen Stämme von Rvrd und Süd, Ost und West, die Frauen vielfach in landsmannschaftlicher heimatlicher Tracht, mit ihren Fahnen anrückten. Besonders alle Landsmannschaften dcr Grenzgebiete waren Gegenstand eines freudigen Empfanges. Der ge­mischte Chor des Ost- und Westpreußenbundes eröffnete mit einem Vor trage die Feier. Dann sprach der frühere Oberbürgermeister der Stadt Köln. Reichsminister a. D. Wallraf, und gab ein feierliches Gelöbnis ab, daß das Rheinland unzertrennlich fei von Preußen und dem Reiche und all Stürme siegreich überwinden werd«.

Der Reichsminister für.die besetzten Gebiete, F renken, begrüßte die deutschen Landsmann­schaften aller Stamme, die in dem Bewußtsein der Zusammengehörigkeit an der heutigen Kund­gebung teilnahmen. Die heutige Feier in 'der Reichshaupi stabt werde überall großes Echo fin* den. Die Bande, die das Rheinland und die Reichshauptstadt umschließen, seien durch die heu­tige Feier erneut enger geknüpft worden. Wäh­rend der Feier boten die Aachener Kontor- d i a und derMännergesangverein der in Berlin wohnenden Rheinländer musikalische Vor­träge dar. Für Ostpreußen sprach in Erinnerung des Abstimmungstages vom 11. Juli der Ver­treter der damaligen Abstimmungskommisston Worgitzkh - Allenstem.

Unter stürmischem Beifall wurde dann eine Entschließung angenommen, in der betont wird, daß Zehntausend? deutscher Männer und Frauen, die bei der heutigen Gedenkfeier vor dem Reichstage erschienen feien, getragen von dem Bewußtsein des gemeinsamen Schicksals und der Hoffnung für die Zukunft des deutschen Volkes, in unerschütterlicher Treue zusammen mit Ost- und Westdeutschland ihr Gelöbnis aussprechen, an Preußen und dem Reich allezeit treu festzu- halten. Während der Feier kreisten Flug­zeuge der Iunkersgesellschaft über der großen Versammlung.

Aus aller Welt.

Eine Hilssexpedilion für Amundsen.

DemPetit Parisien" wird von Bord der Farm" gemeldet, daß die Hilfsexpedition in der Adoentsbucht eingetroffen ist und mit dem Ausladen der Flugzeuge begonnen wurde. In der Nacht vorn Samstag zu Sonntag wurden in der Mitternachtssonne gelungene Flugversuche ausgeführt. Die Expedition wird wahrscheinlich heute nach den dänischen Inseln aufbrechen.

Strafverfolgung eines Abgeordneten.

Das Plenum des bayerischen Landtages stimmte dem Ausschußbeschluß auf Genehmigung der Strafverfolgung des fraktionslosen Nürnberger Abgeordneten Streicher wegen fortgesetzter Beleidigung des dortigen Ober­

bürgermeisters Luppe zu. Weiter genehmigte das Landtags-Plenum die Einleitung eine- Disziplinarverfahrens gegen Streicher als Mitglied des Stadtrats von Nürnberg we­gen Verletzung der Pflicht der Amtsverschwiegen­heit und wegen Änehrenhaftigkeit in seinem Amte.

Kunst und Wissenschaft.

Kunstgeschichtliche Funde auf der Straße. ' - S in e Bronzeschüssel aus dem rhundert wurde bei Straßenarbeiten in B i ngen entdeckt. Die Schüssel, die aus dem Inventar eines Arztes zu stammen scheint, enthielt etwa 70 hauptsächlich medizinische In­strumente aus Bronze und Eisen.

Ein wichtiger Fund in Köln.

archäologischer

touröe in St. Severin gemacht, wo bei An- 3entraIßci3ung eine unterirdische saud lpatromifcher oder..srühsränki- ? ? ausgegraben wurde. Die Anlage, die sehr gut erßaften ist, soll in ihrer Art einzig dastehen. Die Äntersuchungen, die noch zur Klä­rung einiger strittiger archäologischer Fragen öfirften in Kürze ihren Ab- N"b ^inden. Es ftnd Schritte zur Erhaltung der Anlage emgeleitet.

Eine Ausstellung für Gewerbehygiene und Anfallverhütung.

nr ^ier dem NamenGesundheit und ^rbe it werden eine Reihe industrieller Fach- SSft ,er Essen und die Deutsche Gesellschaft für Gewerbehygiene und Änfall» ^^^llung in der Zeit vom emBcr-1?25 in Ett-m setanftalten. Jicfc Ausstellung wird neben den allgemein- wichtigen Grundlagen der Gewerbehygiene so- Slr ivissenschaftlicher, technischer und ftatifti- feßer Beziehung besonders die Anwendung dec ?«??ne und Änsallverhütung im weitesten Sinne auf den Gebieten des Berg-, Hütten- und Ma- ichinenwesens berücksichtigen. Eine besondere Ab- sJft P-S das Gebiet der Arbeitswirtschaft und Arbeitsneigung behandeln. Die Ausstellung hervorragendsten Fachleuten der einzelnen Gebiete veranstaltet und zeigt eine Gierung und Auswahl. Große fachliche Tagungen werden mit dieser Ausstel­lung verbunden werden.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 15. Juni 1925.

Provinzial-Kinder- und Rentnerheim in der Prooinzial-

Pflegeanstalt Gießen.

!*! Dieser Tage fand eine Besichtigung der bei« Den Neueinrichtungen durch die Mitglieder des Pro- vmzial-Ausschusses statt. Beim Eintritt in das Kin­derheim trugen die größeren Kinder im Alter von 46 Jahren ein nettes Begrüßungsgedicht vor, das die Kindergärtnerin Frl. Müller mit ihnen ein- geübt hatte. Bei der Besichtigung gefielen die Räume und Einrichtung des Heimes außerordentlich gut. sämtliche Herren nahmen den Eindruck mit, daß die Provinz durch die Errichtung des Kinderheims eine Einrichtung geschaffen hat, die als muftergültig und fehr segensreich bezeichnet werden muß.'

3n dem Heim können in hellen, luftigen Räu­men 3 2 Kinder im Alter bis zu 6 Jahren untergebracht werden. Zur Aufnahme kommen Kin- der, die aus irgend welchen Gründen in der häus­lichen Gemeinschaft nicht verbleiben können. Belegt ist das Heim zur Zeit zu zwei Drittel der Betten­zahl, einige Vormerkungen von Kindern liegen noch vor, so daß wohl bald mit einer vollen Be­legung des Heims gerechnet werden kann. Ebenso schön wie die Räume der Kinder sind auch die der Schwestern und des übrigen Personals ausg> ftattet. Dor dem Gebäude liegt ein ausgedehntes Gelände, bas mit schattigen Bäumen bepflanzt ist und als schauer Spiel- und Tummel p laß für die Klemen vorzüglich geeignet ist. Für die Herstellung einfacher Speisen, für die Zubereitung von Milch, Tee u. dgl. dient eine kleine Küche im Heim, die elektrisch beheizt wird. Die Hauptmahlzeiten der Kinder werden von der großen Anstaltsküche ge-

Nach der Besichtigung des Kinderheims be­gaben sich die Herern in das Rentnecheim, das Raum zur Unterbringung von 16 Insassen bietet. Die Zimmer in. diesem Bau sind äußerst freundlich, hell und luftig und bieten den alten Leuten ein gemütliches Unterkommen. Die Be» föftigung der Leute erfolgt auch durch die große Küche der Pflege-Anstalt. Vor dem Pavillon be­findet sich ein hübscher ©arten mit schattenspen­denden Bäumen und Ruhebänken. Hier halten sich die Pensionäre besonders bei der jetzigen Jahres, zeit gern auf. Im Vestibül des Pavillons steht ein Klavier, sowie zwei Tischchen mit Korbsesseln, Zeitschriften sind ausgelegt, so daß die Leute sich bei ungünstigem Wetter hier aufhalten und unterhalten können.

Alles in allem muß man sagen, daß beide Ein­richtungen in jeder Hinsicht allen Anforderungen entsprechen, und daß man die Provinzialverwal- tung zur Eröffnung dieser beiden Institute nur be­glückwünschen kann.

Gießener WocLrenmarktvreise.

am 13. Juni (Händlerpveise).

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkte: Butter 160180, Matte 3540, Käse 65, Wir­sing 35, Spinat 30. Römischkohl 10, Spargel 35100, Erbsen 4060, Mifchgemüse 15, Tomaten 200, Zwiebeln 20, Rharbcirber 30, Kartoffeln 5, Dörrobst 35, Kirschen 80100, Stachelbeeren 3040. Erdbeeren 120. Honig 35, Junge Hahnen 100, Suppenhühner 120 Pf. je Psd., Eier 12, Blumenkohl 30110, Salat 1020. Salatgurken 4080, Ober-Kohlrabi 25, Lauch 510 Pf. je Stck., Rettich (Päckchen) 50. Gelbe Rüben (Päck­chen) 3040, Radieschen (Bd.) 1020 Pf.

Wettervoraussage.

Fortdauer der herrschenden Wetterlage.

Das Bild der Wetterlage hat sich feit gestern wenig geändert. Von Island druckt ein kleiner Tiefdruckausläufer herein, dem jedoch kein be­sonderer Einfluß zukommen wird. Die Winde sind allenthalben kräftiger geworden, vielfach sogar werden Stürme gemeldet. Die Abkühlung hält zunächst an und wird vielleicht bei vor­wiegend nördlichen Winden noch zunehmen.