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Blatt
175. Jahrgang
Montag. 15. Juni 1025
General-Anzeiger für Gberhessen
vri'ck und Verlag: vrühl'sche Univeri täi§-Vuch- und Sleinörudcrei R. Lanze in Liehe i. 5chriftteimnz und Gesch^fi5'le2e: SWfriM 7.
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91r-. ccA.V. ‘.Tedt,
Painleve an der Marokkosront.
Schwierige Lage der Franzosen. — A wachsen der Unabhängigkeitsbewegung
Wahrend die französisch-spanische Konferenz zum 17. 3uni nach Madrid einberufen worden ist, um über die Grundlagen einer gemeinsamen Bekämpfung Abd el KrimS zu beratschlagen, und während Primo de Rivera grohe Vorbereitung für die Landung spanischer Streitkräfte in der Ducht von Alhucemas trifft, hat daS Direktorium den bekannten Schiffsreeder Gchevarrieto als Unterhändler zu Abd el Krim geschickt.
Daß den Spaniern viel an einem fr redlichen Uebe reinkommen mit dem Führer der Rifkabylen gelegen ist. geht auch daraus hervor, daß das Direktorium keine Gcldopser scheuen will, wenn es gelingt, damit dreseS Ziel zu erreichen. Diese FriedrnSneigung der Spanier scheint für Abd el Krim gerade im jetzigen Augenblick recht bedeutungsvoll zu sein, da sich für ihn aus der Tatsache eines starken spanischen Angriffes sicher starke Rückwirkungen auf die Lage an der französisch-marok'anischen Front ergeben würden. Auch der Bericht, ten Marschall 2t) a u t et) seinem Kriegsminrster über die Lage gegeben bat. kann nicht darüber Hinwegtäuschen. bah für die französische Front die unmittelbare Gefahr besteht, von den Truppen Abd el KrimS durchbrochen zu werden, und daß diese Gefahr auch nicht durch die Konzentrierung von Artillerie, Flugzeuggefchwadern und anderen technischen Hilfsmitteln beseitigt werden kann, weil die Unsicherheit und ünruhe der Stämme hinter der franzöfifclzen Front für Abd el Krim eine wertvoll.' Unterstützung bedeuten.
Man kann deshalb verstehen, daß Painlevö bei dem Empfang durch den Sultan in Fez betonteren Wert auf die Versicherung legte. Marokko unterstehe in formell st er Weise der Souveränität des Sultans und Frankreich habe diese Souveränität aufrechterhal- ten. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß das Ansehen, das sich Abd el Krim durch seine Erfolge über die Europäer erworben hat, bei den marokkanischen Stämmen weit über das dieses Sultans von Frankreichs Gnaden hinausragt. Die Wirkung der Propaganda Abd el Krim» unter den Stämmen hinter der franzötitchp" Front wird also dadurch nicht abgeschwächt ober gar unterbunden teerten können. Die grobe maurische Unabhängigkeitsbewegung ist mehr und mehr im Wachsen begriffen und gegen fie durste auch Lyauty trotz seiner neuzeitlichen Kriegsmittel nicht gewachsen sein, wenn es Frankreich nicht gelingt, die Unterstützung anderer Mächte zu gewinnen. Vielleicht wird auch England seine Uninteressiertheit an der Marokco- angelegenheit nicht weiter aufrechterhalten, da ein Sieg Abd el KrimS ja indirekt auch eine Gefahr für das britische Weltreich bedeutet. Die Besorgnisse. die in der englischen Presse jetzt häufiger über einen Sieg Abd el Krims geäußert werden, deuten daraufhin, das) England über kurz oder lang Mittel und Wege finden wird, sich Seite an Seite mit Frankreich und Spanien an ter Niederwerfung Abd el Krims zu beteiligen.
Painlevös Inspektionsbefuch.
Paris. 13. Juni. (Wolfs.) Ehe Ministerpräsident Painleve an die Marokkofront abgereift ist. hat er an die Presse folgende Erklärung gerichtet: Wir Franzosen werden niemals das schon begonnene Werk der Zivilisation aufgeben. DaS wäre ein Verbrechen. Ebenso tote ich es dem Sultan wieterholt habe, nachdem ich es in der Kammer erflärt hatte: Ganz Frankreich erhebt sich zwischen dem Oucrgbagebirge und Fez gegen den, der einen Einfall machen will.
Gr habe sich lange mit Lvautey über die militärische Lage unterhalten. In den nächsten Tagen werte er persönlich die drei Führer der Truppen treffen. In naher Zukunft werte man wahrscheinlich den W a s s e n s ch m u g g e l unterbinden. Es fei noch feine offizielle Besprechung mit Spanien eingeleitet, aber Die Vorbedingungen wiesen darauf hin. daß diese Besprechungen mit aller Herzlichkeit und. wie er ltosfe. mit voller Wirksamkeit vonstatten gehen.
Darauf hat. wie offiziell auS Fe§ berichtet wird. Ministerpräsident Painleve die für das Oucrgbagebiet getroffenen Dertcidigungsmaßnah- men geprüft. Er hat alsdann verschiedene von Fez besichtigt. Heute besuchte er die Gegend teile sowie die Flugzeuglager und das Hospital von Fez besichtig. Heue besuchttte er die Gegend von Safran und Ouezzan.
PainlevL auf der Rückreise.
Paris. 15. Juni. (TU.) Painlevö hat gestern nachmittag im Flugzeug Rabat verlassen, um nach Paris zurückzulebren. In Malaga erfolgte eine Zwischenlandung. Dor ter Abreise fand ein Kriegsrat statt, an dem Marschall Lyautey und die Frontkommandaten teilnahmen
Anschließend wieS Painlev4 in einer
Erklärung an die Pressevertreter daraus hin. daß die wichtigsten Ergebnisse ferner Inspektionsreise selbstverständlich ter Regierung und dem Parlament Vorbehalten werden müßten. Immerhin könne er folgende Feststellungen machen:
Die Kämpfe zeigten eine starke Aebnlichkeit mit Dem europäischen Kriege, spielten sich aber in einem gröberen Rahmen und bei kleineren Kampfeinheilen ab. Richt zu übersehen fei, oab man in einer Periode der Vorbereitungen stehe. Die neuen Verstärkungen hätten die Aufgabe. die Fronttruppen abzulösen. Mit Abd e l Krim könnten Verhandlungen 1. nach einer offenen Verständigung mit Spanien und 2. nach der Räumung der französischen Zone durch Abd el Krim geführt werden.
Der Friede fei unmöglich, solange die Rls- leute in der französischen Zone bleiben. ES sei falsch, dasz die spänische Regierung den Franzosen verboten habe, den Feind in die spanische Zone zu versolgen. Frankreich habe ausdrücklich dieses Recht, habe aber davon noch keinen Gebrauch gemacht, weil sich alle Kämpfe innerhalb der französischen Zone abspielten.
General Colomdard abberufen.
Paris, 15. Juni. (TU.) Wie ter .Matin" auS Rabat meldet, wird General Eolombard. der Führer des Frontabschnittes Ouezzan. toabr- scheinltch abberufen, weil er bei dem letzten Vorst oh ter Rifleute ohne Grund die Zivilbevölkerung der Stadt zur Räumung beranlafct hat.
Französischer Optimismus.
den. Das Flugzeug-Geschwader werde verstärkt, außerdem sollen Fesselballons benutzt werten, die den Fliegern sehr zu flotten kämen.
Heber die Stärke des GegnerS lauten die Auskünfte sehr widerspruchsvoll. Kanonen und Maschinengewehre hätten die R fleute nur sehr wenig. Der Unterstaatssekretär für das Flugwesen erklärte, daß die Risleute keine Flugzeuge besähen.
Französisch-spanischer Zusammenschluß.
Paris, 13. Juni. (WTD.) HabaS berietet au5 Mote'd: Die s.an.zösifchen und die spanifien Marinesachverständigen haben gestern in Madrid eine erste Zusammen- kunst gehabt.
Das spanische Rordafrika- geschwader zur Ausfahrt bereit
Paris. 13. Juni. (WB.) Wie die Abendpresse aus Gibraltar meldet, hat das spanisch? Rordasrika-Geschwader. bestehend aus Kreuzern. Torpedobovtszerstörern, Torpedobooten und Flugzeug-Mutterschisfcn. das gegenwärtig in AlgeciraS stationiert ist, auf funfentel?- graphischem Wege von General Primo de Rivera den Befehl erhalten, sich für seine AuSreise nach Rordasrika bereitzuhalten. General Primo de Rivera hat den Gouverneur von Al- geciras durch ein Kabeltelegramm davon in Kenntnis gesetzt, test er wegen dringender Ar- beiten sich nicht selbst nach Algeciras begeben könne, daß er jedoch am 28. Juni dorthin kommen werde.
Paris. 15. Juni. (TU.) General Iac- guemo t gab vor seiner Abreise aus Rabat den Pressevertretern eine Darstellung ter Gesamtlage. Er sagte, militärisch standen die Marokko-Truppen ausgezeichnet da. Die Haltung ter Eingeborenen gäbe zu keinerlei Besorgnissen Anlaß. Bon jetzt ab sollen zur Unter- stühung ter Infanterie TankS verwendet wer-
Eine Entscheidungsschlacht bei Kanton.
Flucht der yunnanesen aus der Stadt. — Die Regierungstruppen Herr der Lage.
ft a n (o n , 13. Juni. (WIB.) Sämtliche YÜn- nanefen haben die weihe Flagge gehiht und die Stadl fluchtartig in nördlicher Richtung verlassen. Sie wurden von Tausenden von ftanlon- Icutcn verfolgt, die zu diesem Zweck über den Fluh setzten. 3n den östlichen Teilen der Stadt sanden heute noch schwere Kämpfe statt, wobei etwa 100 Leute verletzt wurden.
Der Sieg der Kantontruppen wird nach Reuter auf die Tatsache zurückgeführt, dah sie von russischen Offizieren geführt tourten. Aus der Kantonseite des Flusses befinden sich jetzt 10 000 Mann. Ihr Abzeichen ist eine rote Halsbinde. Gegenwärtig herrscht Ruhe. Geplündert wird nur wenig. Einige Plünderer tour- den von den Siegern erschossen. Man fürchtet, dah nach diesem leichten Sieg der bolschewistischen Soldaten die Erbitterung gegen die Ausländer noch steigen wird.
Vordringen der Kantontruppen
Paris, 13. Juni. (WTB.) Wie Havas aus Kanton berichtet, haben 3000 Mann der Kantonlr tippen den Fluh bei Wankau überschritten und sind gestern abend bei lungfo ge-
Die französische Antwort.
Paris, 15. Juni. (I. U.) Die französische Antwortnote auf das deutsche Sicherheitsangebot ist laut „Echo de Paris" dem Botschafter de M a ge r y im Berliner Auswärtigen Amt überreicht worden. In einer Besprechung der Vorteile, die Deutschland aus der Unterzeichnung des Garantievertrages erwachsen würden, weist „Echo de Paris" namentlich darauf hin, dah das A b - rüftungsproblem vollständig in den hinter- §rund trete. „Lre Rouvelle" glaubt zu wissen, dah le französische Regierung gegen eine allgemeine ftonserenz, wie sie von Berlin gewünscht wird, grunbiählid) keine Bedenken habe, vorausgesetzt, dag die deutsche Regierung vorerst mitteilen werde, ob und inwieweit sie die Anregungen als geeignete Verhandlungsgrundlage anssahl.
Ueberreichung am Dienstag?
Paris, 14. Juni. (Wolff.) Der „Petit Pa- risien" berichtet, die französische Note betreffend den Sicherheitspakt fei bereits in den Händen des französischen Botschafters in Berlin und werde am Dienstag der Reichsregierung überreicht. Die Veröffentlichung der Note erfolge 48 Stunden später mit allen anderen wesentlichen Dokumenten der Verhandlung, nämlich dem deutschen Vorschlag, dem ersten französischen Noten- entwarf und den zwischen dem Quai d'Orsay und dem Foreign Office ausgelaufnen Noten.
Die französische Note umfasse fünf Schreibmaschinenseiten, bereu einzelne Absätze numeriert seien. Der Inhast laste Interesse daran erkennen, die Verhandlungen vor der Haupttagung des Völkerbundes gu einem Ergebnis zu führen, llebrigens erwarte Frankreich von Deutschland vor allem eine schriftliche präzise und vollkommene Antwort. Der „Petit Parisien" fährt alsdann fort;
landet. Es habe sich ein Kampf im Osten von Tungschan abgespielt. Gestern seien diese Kampftruppen in die Stadt eingedrungen. Gegenwärtig spielten sich Kämpfe vor der Universität von Kwangtung, bei Tungschan und bei Sha- ineen ab. Vorsichtshalber seien die strategischen Punkte von Shamecn durch Sandsackbarrikaden geschützt. Doch erwarte man hier keinen Zusammenstoß.
In S ch a n gl) a i sind 800 mandschurische Soldaten eingetroffen. Die Lage ist ernst, da die geringste Reibung zu fremdenfeindlichen Zusammen- stoßen führen kann.
Neue Slreikdrohunqen.
Die Gewerkschaft der chinesischen Seeleute in Hangkong hat in Erwägung gezogen, für die den indochinesischen und chinesischen Schiffahrtsgesellschaften gehörigen Dampfer vom 15. Juni an den Streik zu proklamieren. Sie drohen damit, den Generalstreik auszurufen.
In Peking zogen Vertreter aller Geschäftszweige vor das Regierungsgebäude und forderten, daß die Regierung bei den Verhandlungen über die Lage in Schanghai feste Haltung bewahre. In Peking Herrscht Ruhe.
Die italienische Garantie habe Frankreich in dem erste» Anlwortenlwurs vorgesehen. Man mußte sie in dem endgültigen Text angesichts der englischen Haltung beseitigen, was aber keines- wegs bedeute, daß nicht ein späteres Abkommen mit Rom ein neues Glied zu der Kette des Sicherheitsabkommens fügen könne.
Deutscher Reichstag.
3n ter fortgesetzten allgemeinen Aussprache über ten Haushalt teS Reichsministers des Innern bespricht
Abg. Koch- Weser (Dem.) zunächst die Plane einer Dersassungsreform. Ich bin, so führte er aus. der Meinung, dah die Weimarer Verfassung sich bewährt hat. Der Weimarer Verfassung haben wir es zu verdanken, wenn das Volk nicht in ten letzten Jahren untergegangen, die Wirtschaft aufrechterhalten und die Einheit des Volkes besser gewahrt worden ist, als es sonst in ten Zeiten der Rot unter ter Herrschaft der Fürsten ter Fall gewesen ist. Jetzt ist es notwendig. die Verfassung nicht abzubauen, sondern auszubauen. Wir brauchen jetzt nicht eine Der- sasfungsresorm. fontem eine Verwaltungs- reform größten Stils. D i e bayerische Denkschrift wird von ter Rechten zwar sehr schmeichelhaft besprochen, der bayerische Löwe will aber nicht nur gestreichelt fein, er will Futter haben. Wir müssen minbeftenÄ wissen. au8 welchen Re c^kompetenzen dieses Futter zusammengesetzt sein soll. Will man mit der Dersassungsreform etwa die Dolkssouverän.tät ausheben? Wir müssen mindestens verlangen, dah uns in einer Denkschrift gesagt wird, welche Dersassungsreform eigentlich erstrebt wird. Die Pläne teS Herrn v. K a r d o r f f auf Abschaffung des gleichen Gemeindetoahlrechts zeugen von einer merkwürdigen Ritterromantik und sind geradezu
utopisch. W.r tonne.» eine selche Verfassung,.' -r- fonn u.cht m tmachen. Der R.'dner w : >ct sich dann ter bayerischen Denkschrift zu dr unterstützt entsch:7en ihre Forderung, die sich gegen bur aufrat schm Zentral s iuä w n :t. 7er Re chsminister des Innern H3!t: in schf'.f'ker
sen. daß der LanteSau-nabmezustLnd tem dv • auLnahmez.stand vora >g ht -Or test da l a >e- r'che 5f'ntirt''cnt ter '> r ni • • ’ e
Dauerns ('uftlmmuni au' e ’iaf'? T' r ■' ncr» wendet werden dürse. Unter feinet Umständen darf unser Volk jetzt buch eine Reuausrollung der Flaggen- frage wieder in neue heftige Kämpfe g c ft ü r u werden. Wir verstehen und t (en die Empfindungen der Herren, teixn die schwarz- toeiß-roten Fahnrn he lig find als S y m b o l für ruhmreiche Tradition. Heilig sind uns aber auch die Kämpfe für Deutschlands Einheit und Freiheit, die unter ter schwarz-rot-goldenen Fahne nach ten glorreichen Befreiungskriegen von ter deutschen Jugend geführt wurden, g.zen den Widerstand ter deutschen Fü-sten. He ll » sind unS die sch'.varz-rot-golden.n Farben, de i groß- deutschen Gedanken über die Reich, grenzen hinaus symbrl fieren.
Abg. Petzold (Wirtfch. Vgg.) hält cS für auSnahmezustand vorangsht, ober daß das bai)c- altionäre Absichten unt- rzuschleten. Eine Heraufsetzung des Wahlalt erS sei eine unumgängliche Rotwendigkrit. Der Streit um die Flaggenfrage habe leider sehr üble Formen angenommen und vergifte schon die Jugend. Es war ein Fehler, nach dem Kriege die Flagge zu wechseln, eS wäre aber auch eine Wiederholung deS Fehlers, wenn jetzt schon wieder die schwarz-rot-goldene Flagge abgeschasst werden sollte. Wir sind dagegen, daß durch eine Volksabstimmung über die Flaggenfrage neue Erregung ins Volk getragen wird. Em allgemeiner Volkstrauerlag für das Gedächtnis unserer Gefallenen findet unsere Billigung. Wir würden auch die Einführung eines nationalen Feiertages begrüßen.
Abg. Leicht (bat). Dpt.) wendet fich grundsätzlich gegen jede gewaltsame Verfassungsänderung, die nicht aufbauend wirken könne, sondern nur zur Katastrophe führe. Gerade weil die gewaltsame Aenterung der Versassung so unerwünscht sei, müsse man die Einsetzung eines Verfassungsausschusfes als notwendig und erwünscht bezeichnen. «Sehr rid)- tigl) Die Weimarer Verfassung könne nicht als unabänderlich bezeichnet werden. In ruhigeren Zeiten müsse die Weimarer Versassung o?hK- miert werden. Die Einsetzung eines Versassungs- avsschusses schaffe ein Sicherheitsventil für evll. entstehende Erregung. Es genüge nicht, die Länder mit Klammern zusammenzuhalten, vielmehr müsse das Fundament des Reiches befestigt werden, damit der Dau des Reiches feststehe. Die bayerische Denkschrift stelle nur ein Dokument dar. das zeigen solle, wie besorgt die bayerische Regierung um die Selbständigkeit Bayerns fei. Der Redner setzt sich dafür ein, daß ebenso wie es mit dem Antrag aus Abschaffung des Artikels 18 geschehen ist, auch der Antrag zurückgezogen werde, der sich mit der Flaggenfrage befaßt. Wenn die Flaggensrage jetzt aufgetollt werde, würde man ein Aus- einanderprallen der verschiedenen Gegensätze erleben, das in der gegenwärtigen schwierigen außenpolitischen Lage im Interesse des Reichs vermieten werden müsse. (Sehr richtig!) Die außenpolitische Lage müsse das deutsche Dolk zusammenschweihen: innere Gegensätze müßten heule zurücktreten im Interesse einer notwendigen Zusammenarbeit nach außen. (Beifall.)
Reichsinnenminister Schiele:
Aus ter Debatte hat sich eine gewisse Einheit des Zieles ergeben gegenüber dem Unerhörten, daS der Ration von außen geschehen könne. Es ist jetzt mehr denn je notwendig, daS Recht ter Selbstbehauptung und Selbsterhaltung ter eigenen Reichsverfassung und des Eigenlebens zu betonen. Wir werten in der nächsten Zeit zu Taten gezwungen fein. Darum müssen wir ten Glauben an die Ration mit heiligem Ernst empfinden und betätigen. Darum liegt mir heute nichts ferner als eine parteipolitisch zugespihte Polemik. Das ReichSinnenminislerium Hal in erster Linie die Ausgabe, der Wahrung der R ei ch S c i n h e i t. der Volkseinheit und der soziales» Einheit. Ich werde es als meine schönste Aufgabe betrachten, diese soziale Einheit gegen alle Spaltung-- uib Sander bestrcbungen zu hüten. Am allerwenigsten darf diese Einheit durch konfessionelle Frager gestört werten. Die Reichseinheit. das große Erbe Wilhelm l. und BiSmarcks, ist das kostbarste Gut, das wir aus tem Zusammenbruch gerettet haben.
Diese ‘Betonung der Reichseinheit hindert uns nicht, im föderalistischen Sinne daS
Eigenleben der Länder zu sichern.
In ter jetzigen schweren Zeit steht im Vordergrund nicht die Frage der Staatsreform, sondern des Staatswesens. Di ses Staatswesen wollen wir gesund erhalten und verteidigen gegen alle Zudringlichkeiten von welchem Lager sie auch kommen mögen. Die Verfassung ist die Grunolage unseres Staates, aber sie ist kein ewige- Recht.
Ich verwahre mich gegen die Annahme, daß ich Experimentalpolitik mit ter Verfassung treiben tvolle. An der
bayerischen Denkschrift
können wir nicht achtlos Vorbeigehen, auch wenn wir nicht jetes Wort darin decken wollen. Wenn wir im Sinne dieser Vorschläge zu rmer Dezen-


