Ausgabe 
15.6.1925
 
Einzelbild herunterladen

Rr. 137 Erster

Erscheint lägld), außer Sonn» und Jeurtagt.

Beilagen:

(Bie^enet Jcmilier blätter Heimat im Bild.

inonats-tejuf speis:

2 Goldmark u. 20 Gold­pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernfprech-Anschlüfse: Schriftleitung 112, Ver­lag undGeschäft»stclle51. Anschrift für Drahtnach­richten SnzelaerSietzen.

Postscheckkonto: granffurt a. M. 11686.

Blatt

175. Jahrgang

Montag. 15. Juni 1025

General-Anzeiger für Gberhessen

vri'ck und Verlag: vrühl'sche Univeri täi§-Vuch- und Sleinörudcrei R. Lanze in Liehe i. 5chriftteimnz und Gesch^fi5'le2e: SWfriM 7.

Annahme vei Anzeigen fürbte logesnummcr bi« zum Nachmittag vorher obnejebe*i»crbinbhd)hciL Preis für 1 mm ftöde für Anzeigen von 27 mm fBtitteorthebS.au-jmdrl« 10 (Bolbpfennig; für Re» lilame-An eio.en v 70 > m Breite : 5 i o.^pfennia, D> '.uorschli t » *?luf- fdj.ai. - BerantworOich für Politik «. eu'llefon: 3. D.: Er hard Evrrr; slir ten nbiiqcn Teil: (lr fl 13hi't v.'s..

91r-. ccA.V..Tedt,

Painleve an der Marokkosront.

Schwierige Lage der Franzosen. A wachsen der Unabhängigkeitsbewegung

Wahrend die französisch-spanische Konferenz zum 17. 3uni nach Madrid ein­berufen worden ist, um über die Grundlagen einer gemeinsamen Bekämpfung Abd el KrimS zu beratschlagen, und während Primo de Rivera grohe Vorbereitung für die Landung spanischer Streitkräfte in der Ducht von Alhucemas trifft, hat daS Direktorium den bekannten Schiffsreeder Gchevarrieto als Unterhändler zu Abd el Krim geschickt.

Daß den Spaniern viel an einem fr red­lichen Uebe reinkommen mit dem Führer der Rifkabylen gelegen ist. geht auch daraus hervor, daß das Direktorium keine Gcldopser scheuen will, wenn es gelingt, damit dreseS Ziel zu erreichen. Diese FriedrnSneigung der Spa­nier scheint für Abd el Krim gerade im jetzigen Augenblick recht bedeutungsvoll zu sein, da sich für ihn aus der Tatsache eines starken spani­schen Angriffes sicher starke Rückwirkungen auf die Lage an der französisch-marok'anischen Front ergeben würden. Auch der Bericht, ten Mar­schall 2t) a u t et) seinem Kriegsminrster über die Lage gegeben bat. kann nicht darüber Hinweg­täuschen. bah für die französische Front die un­mittelbare Gefahr besteht, von den Truppen Abd el KrimS durchbrochen zu werden, und daß diese Gefahr auch nicht durch die Konzentrierung von Artillerie, Flugzeuggefchwadern und an­deren technischen Hilfsmitteln beseitigt werden kann, weil die Unsicherheit und ünruhe der Stämme hinter der franzöfifclzen Front für Abd el Krim eine wertvoll.' Unterstützung bedeuten.

Man kann deshalb verstehen, daß Painlevö bei dem Empfang durch den Sultan in Fez be­tonteren Wert auf die Versicherung legte. Ma­rokko unterstehe in formell st er Weise der Souveränität des Sultans und Frankreich habe diese Souveränität aufrechterhal- ten. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß das Ansehen, das sich Abd el Krim durch seine Erfolge über die Europäer erworben hat, bei den marokkanischen Stämmen weit über das dieses Sultans von Frankreichs Gnaden hinausragt. Die Wirkung der Propaganda Abd el Krim» unter den Stämmen hinter der franzötitchp" Front wird also dadurch nicht abgeschwächt ober gar unterbunden teerten können. Die grobe mau­rische Unabhängigkeitsbewegung ist mehr und mehr im Wachsen begriffen und gegen fie durste auch Lyauty trotz seiner neuzeitlichen Kriegsmittel nicht gewachsen sein, wenn es Frank­reich nicht gelingt, die Unterstützung anderer Mächte zu gewinnen. Vielleicht wird auch Eng­land seine Uninteressiertheit an der Marokco- angelegenheit nicht weiter aufrechterhalten, da ein Sieg Abd el KrimS ja indirekt auch eine Gefahr für das britische Weltreich bedeutet. Die Besorgnisse. die in der englischen Presse jetzt häufiger über einen Sieg Abd el Krims geäußert werden, deuten daraufhin, das) England über kurz oder lang Mittel und Wege finden wird, sich Seite an Seite mit Frankreich und Spanien an ter Niederwerfung Abd el Krims zu be­teiligen.

Painlevös Inspektionsbefuch.

Paris. 13. Juni. (Wolfs.) Ehe Minister­präsident Painleve an die Marokkofront abgereift ist. hat er an die Presse folgende Erklärung ge­richtet: Wir Franzosen werden niemals das schon begonnene Werk der Zivilisation aufgeben. DaS wäre ein Verbrechen. Ebenso tote ich es dem Sultan wieterholt habe, nachdem ich es in der Kammer erflärt hatte: Ganz Frankreich erhebt sich zwischen dem Oucrgbagebirge und Fez gegen den, der einen Einfall machen will.

Gr habe sich lange mit Lvautey über die militärische Lage unterhalten. In den nächsten Tagen werte er persönlich die drei Führer der Truppen treffen. In naher Zukunft werte man wahrscheinlich den W a s s e n s ch m u g g e l unterbinden. Es fei noch feine offizielle Besprechung mit Spanien eingeleitet, aber Die Vorbedingungen wiesen darauf hin. daß diese Besprechungen mit aller Herzlichkeit und. wie er ltosfe. mit voller Wirksamkeit vonstatten gehen.

Darauf hat. wie offiziell auS Fe§ berichtet wird. Ministerpräsident Painleve die für das Oucrgbagebiet getroffenen Dertcidigungsmaßnah- men geprüft. Er hat alsdann verschiedene von Fez besichtigt. Heute besuchte er die Gegend teile sowie die Flugzeuglager und das Hospital von Fez besichtig. Heue besuchttte er die Gegend von Safran und Ouezzan.

PainlevL auf der Rückreise.

Paris. 15. Juni. (TU.) Painlevö hat gestern nachmittag im Flugzeug Rabat ver­lassen, um nach Paris zurückzulebren. In Malaga erfolgte eine Zwischenlandung. Dor ter Abreise fand ein Kriegsrat statt, an dem Mar­schall Lyautey und die Frontkommandaten teil­nahmen

Anschließend wieS Painlev4 in einer

Erklärung an die Pressevertreter daraus hin. daß die wichtigsten Ergebnisse ferner Inspektionsreise selbstverständlich ter Regierung und dem Parlament Vorbehalten werden müßten. Immerhin könne er folgende Feststellungen machen:

Die Kämpfe zeigten eine starke Aebnlichkeit mit Dem europäischen Kriege, spielten sich aber in einem gröberen Rahmen und bei kleineren Kampfeinheilen ab. Richt zu übersehen fei, oab man in einer Periode der Vorbereitungen stehe. Die neuen Verstärkungen hätten die Auf­gabe. die Fronttruppen abzulösen. Mit Abd e l Krim könnten Verhandlungen 1. nach einer offenen Verständigung mit Spanien und 2. nach der Räumung der französischen Zone durch Abd el Krim geführt werden.

Der Friede fei unmöglich, solange die Rls- leute in der französischen Zone bleiben. ES sei falsch, dasz die spänische Regierung den Fran­zosen verboten habe, den Feind in die spanische Zone zu versolgen. Frankreich habe ausdrück­lich dieses Recht, habe aber davon noch keinen Gebrauch gemacht, weil sich alle Kämpfe inner­halb der französischen Zone abspielten.

General Colomdard abberufen.

Paris, 15. Juni. (TU.) Wie ter .Matin" auS Rabat meldet, wird General Eolombard. der Führer des Frontabschnittes Ouezzan. toabr- scheinltch abberufen, weil er bei dem letzten Vorst oh ter Rifleute ohne Grund die Zivil­bevölkerung der Stadt zur Räumung beranlafct hat.

Französischer Optimismus.

den. Das Flugzeug-Geschwader werde verstärkt, außerdem sollen Fesselballons be­nutzt werten, die den Fliegern sehr zu flotten kämen.

Heber die Stärke des GegnerS lauten die Auskünfte sehr widerspruchsvoll. Kanonen und Maschinengewehre hätten die R fleute nur sehr wenig. Der Unterstaatssekretär für das Flugwesen erklärte, daß die Risleute keine Flug­zeuge besähen.

Französisch-spanischer Zusammenschluß.

Paris, 13. Juni. (WTD.) HabaS be­rietet au5 Mote'd: Die s.an.zösifchen und die spanifien Marinesachverständigen ha­ben gestern in Madrid eine erste Zusammen- kunst gehabt.

Das spanische Rordafrika- geschwader zur Ausfahrt bereit

Paris. 13. Juni. (WB.) Wie die Abend­presse aus Gibraltar meldet, hat das spanisch? Rordasrika-Geschwader. bestehend aus Kreuzern. Torpedobovtszerstörern, Torpedobooten und Flugzeug-Mutterschisfcn. das gegenwärtig in AlgeciraS stationiert ist, auf funfentel?- graphischem Wege von General Primo de Rivera den Befehl erhalten, sich für seine AuSreise nach Rordasrika bereitzuhalten. General Primo de Rivera hat den Gouverneur von Al- geciras durch ein Kabeltelegramm davon in Kenntnis gesetzt, test er wegen dringender Ar- beiten sich nicht selbst nach Algeciras begeben könne, daß er jedoch am 28. Juni dorthin kommen werde.

Paris. 15. Juni. (TU.) General Iac- guemo t gab vor seiner Abreise aus Rabat den Pressevertretern eine Darstellung ter Gesamt­lage. Er sagte, militärisch standen die Ma­rokko-Truppen ausgezeichnet da. Die Hal­tung ter Eingeborenen gäbe zu keinerlei Besorg­nissen Anlaß. Bon jetzt ab sollen zur Unter- stühung ter Infanterie TankS verwendet wer-

Eine Entscheidungsschlacht bei Kanton.

Flucht der yunnanesen aus der Stadt. Die Regierungstruppen Herr der Lage.

ft a n (o n , 13. Juni. (WIB.) Sämtliche YÜn- nanefen haben die weihe Flagge gehiht und die Stadl fluchtartig in nördlicher Richtung ver­lassen. Sie wurden von Tausenden von ftanlon- Icutcn verfolgt, die zu diesem Zweck über den Fluh setzten. 3n den östlichen Teilen der Stadt sanden heute noch schwere Kämpfe statt, wobei etwa 100 Leute verletzt wurden.

Der Sieg der Kantontruppen wird nach Reuter auf die Tatsache zurückgeführt, dah sie von russischen Offizieren geführt tourten. Aus der Kantonseite des Flusses befinden sich jetzt 10 000 Mann. Ihr Abzeichen ist eine rote Halsbinde. Gegenwärtig herrscht Ruhe. Ge­plündert wird nur wenig. Einige Plünderer tour- den von den Siegern erschossen. Man fürchtet, dah nach diesem leichten Sieg der bolschewistischen Soldaten die Erbitterung gegen die Ausländer noch steigen wird.

Vordringen der Kantontruppen

Paris, 13. Juni. (WTB.) Wie Havas aus Kanton berichtet, haben 3000 Mann der Kantonlr tippen den Fluh bei Wankau über­schritten und sind gestern abend bei lungfo ge-

Die französische Antwort.

Paris, 15. Juni. (I. U.) Die französi­sche Antwortnote auf das deutsche Sicher­heitsangebot ist lautEcho de Paris" dem Botschaf­ter de M a ge r y im Berliner Auswärtigen Amt überreicht worden. In einer Besprechung der Vor­teile, die Deutschland aus der Unterzeichnung des Garantievertrages erwachsen würden, weistEcho de Paris" namentlich darauf hin, dah das A b - rüftungsproblem vollständig in den hinter- §rund trete.Lre Rouvelle" glaubt zu wissen, dah le französische Regierung gegen eine allge­meine ftonserenz, wie sie von Berlin ge­wünscht wird, grunbiählid) keine Bedenken habe, vorausgesetzt, dag die deutsche Regierung vorerst mitteilen werde, ob und inwieweit sie die Anregungen als geeignete Verhandlungsgrundlage anssahl.

Ueberreichung am Dienstag?

Paris, 14. Juni. (Wolff.) DerPetit Pa- risien" berichtet, die französische Note betreffend den Sicherheitspakt fei bereits in den Hän­den des französischen Botschafters in Berlin und werde am Dienstag der Reichsregierung über­reicht. Die Veröffentlichung der Note er­folge 48 Stunden später mit allen anderen wesent­lichen Dokumenten der Verhandlung, nämlich dem deutschen Vorschlag, dem ersten französischen Noten- entwarf und den zwischen dem Quai d'Orsay und dem Foreign Office ausgelaufnen Noten.

Die französische Note umfasse fünf Schreib­maschinenseiten, bereu einzelne Absätze numeriert seien. Der Inhast laste Interesse daran erkennen, die Verhandlungen vor der Haupttagung des Völkerbundes gu einem Ergebnis zu führen, llebrigens erwarte Frankreich von Deutschland vor allem eine schriftliche präzise und vollkommene Ant­wort. DerPetit Parisien" fährt alsdann fort;

landet. Es habe sich ein Kampf im Osten von Tungschan abgespielt. Gestern seien diese Kampf­truppen in die Stadt eingedrungen. Gegenwärtig spielten sich Kämpfe vor der Universi­tät von Kwangtung, bei Tungschan und bei Sha- ineen ab. Vorsichtshalber seien die strategischen Punkte von Shamecn durch Sandsackbarrikaden ge­schützt. Doch erwarte man hier keinen Zusammen­stoß.

In S ch a n gl) a i sind 800 mandschurische Sol­daten eingetroffen. Die Lage ist ernst, da die ge­ringste Reibung zu fremdenfeindlichen Zusammen- stoßen führen kann.

Neue Slreikdrohunqen.

Die Gewerkschaft der chinesischen Seeleute in Hangkong hat in Erwägung ge­zogen, für die den indochinesischen und chinesischen Schiffahrtsgesellschaften gehörigen Dampfer vom 15. Juni an den Streik zu proklamieren. Sie drohen damit, den Generalstreik auszurufen.

In Peking zogen Vertreter aller Geschäfts­zweige vor das Regierungsgebäude und forderten, daß die Regierung bei den Verhandlungen über die Lage in Schanghai feste Haltung be­wahre. In Peking Herrscht Ruhe.

Die italienische Garantie habe Frank­reich in dem erste» Anlwortenlwurs vorgesehen. Man mußte sie in dem endgültigen Text angesichts der englischen Haltung beseitigen, was aber keines- wegs bedeute, daß nicht ein späteres Abkommen mit Rom ein neues Glied zu der Kette des Sicher­heitsabkommens fügen könne.

Deutscher Reichstag.

3n ter fortgesetzten allgemeinen Aussprache über ten Haushalt teS Reichsministers des In­nern bespricht

Abg. Koch- Weser (Dem.) zunächst die Plane einer Dersassungsreform. Ich bin, so führte er aus. der Meinung, dah die Weimarer Verfassung sich bewährt hat. Der Weimarer Ver­fassung haben wir es zu verdanken, wenn das Volk nicht in ten letzten Jahren untergegangen, die Wirtschaft aufrechterhalten und die Einheit des Volkes besser gewahrt worden ist, als es sonst in ten Zeiten der Rot unter ter Herrschaft der Fürsten ter Fall gewesen ist. Jetzt ist es not­wendig. die Verfassung nicht abzubauen, sondern auszubauen. Wir brauchen jetzt nicht eine Der- sasfungsresorm. fontem eine Verwaltungs- reform größten Stils. D i e bayerische Denkschrift wird von ter Rechten zwar sehr schmeichelhaft besprochen, der bayerische Löwe will aber nicht nur gestreichelt fein, er will Futter haben. Wir müssen minbeftenÄ wissen. au8 welchen Re c^kompetenzen dieses Futter zusammengesetzt sein soll. Will man mit der Dersassungsreform etwa die Dolkssouverän.tät ausheben? Wir müssen mindestens verlangen, dah uns in einer Denk­schrift gesagt wird, welche Dersassungsreform eigentlich erstrebt wird. Die Pläne teS Herrn v. K a r d o r f f auf Abschaffung des gleichen Gemeindetoahlrechts zeugen von einer merkwürdigen Ritterromantik und sind geradezu

utopisch. W.r tonne.» eine selche Verfassung,.' -r- fonn u.cht m tmachen. Der R.'dner w : >ct sich dann ter bayerischen Denkschrift zu dr unterstützt entsch:7en ihre Forderung, die sich gegen bur aufrat schm Zentral s iuä w n :t. 7er Re chsminister des Innern H3!t: in schf'.f'ker

sen. daß der LanteSau-nabmezustLnd tem dv auLnahmez.stand vora >g ht -Or test da l a >e- r'che 5f'ntirt''cnt ter '> r ni e

Dauerns ('uftlmmuni au' eiaf'? T' r' ncr» wendet werden dürse. Unter feinet Um­ständen darf unser Volk jetzt buch eine Reuausrollung der Flaggen- frage wieder in neue heftige Kämpfe g c ft ü r u werden. Wir verstehen und t (en die Empfindungen der Herren, teixn die schwarz- toeiß-roten Fahnrn he lig find als S y m b o l für ruhmreiche Tradition. Heilig sind uns aber auch die Kämpfe für Deutschlands Einheit und Freiheit, die unter ter schwarz-rot-goldenen Fahne nach ten glorreichen Befreiungskriegen von ter deutschen Jugend geführt wurden, g.zen den Widerstand ter deutschen-sten. He ll » sind unS die sch'.varz-rot-golden.n Farben, de i groß- deutschen Gedanken über die Reich, grenzen hinaus symbrl fieren.

Abg. Petzold (Wirtfch. Vgg.) hält cS für auSnahmezustand vorangsht, ober daß das bai)c- altionäre Absichten unt- rzuschleten. Eine Her­aufsetzung des Wahlalt erS sei eine unum­gängliche Rotwendigkrit. Der Streit um die Flaggenfrage habe leider sehr üble For­men angenommen und vergifte schon die Jugend. Es war ein Fehler, nach dem Kriege die Flagge zu wechseln, eS wäre aber auch eine Wieder­holung deS Fehlers, wenn jetzt schon wieder die schwarz-rot-goldene Flagge abgeschasst werden sollte. Wir sind dagegen, daß durch eine Volks­abstimmung über die Flaggenfrage neue Erre­gung ins Volk getragen wird. Em allgemeiner Volkstrauerlag für das Gedächtnis unserer Ge­fallenen findet unsere Billigung. Wir würden auch die Einführung eines nationalen Feier­tages begrüßen.

Abg. Leicht (bat). Dpt.) wendet fich grund­sätzlich gegen jede gewaltsame Verfassungsände­rung, die nicht aufbauend wirken könne, sondern nur zur Katastrophe führe. Gerade weil die gewaltsame Aenterung der Versassung so un­erwünscht sei, müsse man die Einsetzung eines Verfassungsausschusfes als notwendig und erwünscht bezeichnen. «Sehr rid)- tigl) Die Weimarer Verfassung könne nicht als unabänderlich bezeichnet werden. In ruhigeren Zeiten müsse die Weimarer Versassung o?hK- miert werden. Die Einsetzung eines Versassungs- avsschusses schaffe ein Sicherheitsventil für evll. entstehende Erregung. Es genüge nicht, die Länder mit Klammern zusammenzuhalten, viel­mehr müsse das Fundament des Reiches be­festigt werden, damit der Dau des Reiches feststehe. Die bayerische Denkschrift stelle nur ein Dokument dar. das zeigen solle, wie besorgt die bayerische Regierung um die Selbständig­keit Bayerns fei. Der Redner setzt sich dafür ein, daß ebenso wie es mit dem Antrag aus Abschaffung des Artikels 18 geschehen ist, auch der Antrag zurückgezogen werde, der sich mit der Flaggenfrage befaßt. Wenn die Flaggen­srage jetzt aufgetollt werde, würde man ein Aus- einanderprallen der verschiedenen Gegensätze er­leben, das in der gegenwärtigen schwierigen außenpolitischen Lage im Interesse des Reichs vermieten werden müsse. (Sehr richtig!) Die außenpolitische Lage müsse das deutsche Dolk zusammenschweihen: innere Gegensätze müßten heule zurücktreten im Interesse einer notwendi­gen Zusammenarbeit nach außen. (Beifall.)

Reichsinnenminister Schiele:

Aus ter Debatte hat sich eine gewisse Einheit des Zieles ergeben gegenüber dem Unerhör­ten, daS der Ration von außen geschehen könne. Es ist jetzt mehr denn je notwendig, daS Recht ter Selbstbehauptung und Selbsterhaltung ter eigenen Reichsverfassung und des Eigenlebens zu betonen. Wir werten in der nächsten Zeit zu Taten gezwungen fein. Darum müssen wir ten Glauben an die Ration mit heiligem Ernst empfinden und betätigen. Darum liegt mir heute nichts ferner als eine parteipolitisch zugespihte Polemik. Das ReichSinnenminislerium Hal in erster Linie die Ausgabe, der Wahrung der R ei ch S c i n h e i t. der Volkseinheit und der soziales» Einheit. Ich werde es als meine schönste Aufgabe betrachten, diese soziale Einheit gegen alle Spaltung-- uib San­der bestrcbungen zu hüten. Am allerwenigsten darf diese Einheit durch konfessionelle Frager gestört werten. Die Reichseinheit. das große Erbe Wilhelm l. und BiSmarcks, ist das kostbarste Gut, das wir aus tem Zusammenbruch gerettet haben.

DieseBetonung der Reichseinheit hindert uns nicht, im föderalistischen Sinne daS

Eigenleben der Länder zu sichern.

In ter jetzigen schweren Zeit steht im Vorder­grund nicht die Frage der Staatsreform, sondern des Staatswesens. Di ses Staats­wesen wollen wir gesund erhalten und verteidigen gegen alle Zudringlichkeiten von welchem Lager sie auch kommen mögen. Die Verfassung ist die Grunolage unseres Staates, aber sie ist kein ewige- Recht.

Ich verwahre mich gegen die Annahme, daß ich Experimentalpolitik mit ter Verfassung trei­ben tvolle. An der

bayerischen Denkschrift

können wir nicht achtlos Vorbeigehen, auch wenn wir nicht jetes Wort darin decken wollen. Wenn wir im Sinne dieser Vorschläge zu rmer Dezen-