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Feuer am Nordpol.
Tdchnisch-polilijcher Nomon aus der Gegenwart.
Bon Karl-August von Lassert.
17. Sortierung. (Nachdruck verboten.)
Die Verproviantierung der Flugzeuge hatte Mortens übernommen.. Er ernannte einen fiom- ntnnbanfcn für jedes Fahrzeug, dem noch drei ®c» gleite r zu geteilt wurden. Alle Teilnehmer waren auf Manneswort und Handschlag zu unverbrüchlichem -Schweigen verpflichtet, worauf sie Ziel und Zweck der Unternehmung erfuhren.
Die Begeisterung der jungen Leute war groß. Endlich bot sich wieder eine Tat, die Gefahr, ober auch Ehre und Gewinn versprach, würdig deutscher Unternehmungslust.
Nagel benutzte die ihm in Berlin zur 23er» fugung stehende Zeit zum Einkauf verschiedener wissenschaftlicher Instrumente und zur Vervollständigung der Ausrüstung. schließlich entschloß er sich auch zu einem Besuch bei einem der Vorstands» Mitglieder der Geographischen Gesellschaft.
Der kleine Professor, eine Leuchte der Erd» künde, empfing ihn sehr zuvorkommend. Nagels Plan, ebenso wie Amundsen den Pol zu überfliegen, erregte fein höchstes Interesse. Besonders begeifert war er, als der junge Ingenieur erklärte, keinerlei Geldunterstützung seitens der Gesellschaft tu erbitten. Geld war knapp im verarmten Deutschland.
„Ich werde Ihnen einen detaillierten Fragebogen mitgeben", sagte er. „Die wissenschaftlichen Eintragungen bitte ich möglichst sorgfältig vorzu- nehmen. Bon besonderer Wichtigkeit sind Fragen der Wetterkundc, astronomische Beobachtungen und, wenn möglich, geologische Feststellungen. Daß viele photographische Ausnahmen aus der Höhe gemacht werden, ist wohl selbstverständlich."
Nogel versprach, alles nach Möglichkeit auszuführen.
„Gestalten Sie mir noch eine Frage", fuhr der Professor fort. „Besitzen Sie auf diesen Gebieten cud) genügende Vorkenntnisse?"
„Als Tiesbauinoenieur bin ich mit der Geologie ziemlich vertraut. Gerade hierin erhoffen wir 6c- fander, wichtige Ergebnisse. Herr «anders, einer der bekanntesten Nutengänger, wird an der Expedition teilnehmen. Er behauptet, in der Lage zu
I£rn. 00m (jwgjtug aus die geologischen Vertzatt- nrsse, auch der von Ei» und Dosier bedeckten Ge- biete feststellen zu können "
Die Stirn des Gelehrten verdüsterte sich.
„Glauben Sie etwa an die Erfolge der Wünschelrute, fomeit, nicht nur ziemlich unter der Erdoberfläche fließendes Wasser betrifft?"
„Ich selber war Zeuge der überraschenden Gefolge des Herrn Sanders bei Oclmutungen in großer Tiefe."
Der Professor schüttelte den Kopf.
„Immer wieder dieser Wahn, gegen den wir Männer der exakten Wissenschaft ankämpsen muffen!
In dieser Hinsicht werden wir von Ihrer Expe- bition wohl keine Resultate zu erwarten haben. Nun, immerhin! Wie steht es dann aber mit den meteorologischen und astronomischen Kenntniffcn?"
„Auch auf diesen Gebieten besitze ich einige Erfahrung", sagte Nagel. „Ich war ein Jahr lang Mitarbeiter des bekannten Wiener Ingenieurs Hanns Hörbiger —"
„Doch nicht des Erfinders der Welteislehre?" unterbrach der Gelehrte fragend.
„Oder der Kosmolechnik, wie sie jetzt neuer» dings genannt wird."
Die Falte auf der Stirn des Professors wtirde drohend.
„Auch eine betrübliche Erscheinung der jetzigen unbotmäßigen Zeit", sagte er bitter. „Da taucht irgendein unbekannter Ingenieur auf, der sich zu seiner Unterhaltung einmal mit Astronomie beschäftigt hat. Dieser Mann kommt aut die merkwürdige Idee, nid) nur die meteorologischen Phänomene, sondern auch die Bewegungen der Gestirne, ja sogar die Entstehung und Weiterentwicklung des Weltalls nach technischen Gesetzen erklären zu wollen .Er wirst alle Erfahrungen, alle geistreichen Schlüsse einer jahrhundertealten Wissenschaft über den Haufen und behauptet, daß die Gesetze einer überhitzten Dampfmaschine auch auf den Kosmos zuträfen. Er wirft Eisstücke in geschmolzene Mc» tallmassen und erklärt aus der dann folgenden Explosion nicht nur die Protuberanzen der Sonne, die wieder unser Wetter beeinflussen sollen, sondern sogar die Schöpfungsgeschichte der Erde und des ganzen Planetensystems einsd)ließlid) der Milchstraße. Fürwahr, ein verworrener und überhitzter Geist!"
„Sie vergessen, Herr Professor, daß die geistreichen Schlüsse der jahrhundertealten Wissenschaft
bshcr zu keiner emwandtreien Tffkorte des ae- samten Weltgeschehens führten. HeberaH klaffen Lücken, Widersprüche, Fehler. Nichts dergleichen bei
genialer Theorie. Freilich moges für jeden Mann der Wissenschaft nichts Schwerere-.' geben, als die Ideen eines sogenannten Outsiders anzunehmen."
Er wandte sich zum Gehen.
Der Gelehrte verschluckte die bitteren Berner kungen, die er noch auf der Zunge hatte. Seine angeborene Gutmütigkeit siegte.
„Reisen Sie mit Gott und kehren Sie gesund wieder", sagte er. „Wenn Sie auch noch nicht die richtigen Ansichten haben, so entschuldigt Ihre Jugend manches. Und auf die genaue Ausfüllung meiner Fragebogen, die ich Ihnen zusenden werde, darf ich doch rechnen ? Die wissenschaftlichen Grund lagen besitze Sie ja jedenfalls."
.Ich verspreche, mein möglichstes zu tun, Herr Professor."
„Na, dann also Ann» und Beinbruch", sagte der alte Herr- denn er war nicht nur ein etwas verknöcherter Gelehrter, sondern auch ein leidenschaftlicher Jäger.
4.
Am nächsten Morgen wurde Nagel von Martens aus Gotha angerufen.
,J3ft 'was Wichtiges passiert?" Nimm den -schnellzug mittags ein Uhr. Heute nacht müßt ihr abfahren, sonst ist alles verloren."
„Was ist geschehen?"
„Das kann ich telephonisch nicht sagen. Es droht Untersuchung des Werkes."
„Aber unsere Ausrüstung?"
„Vorräte und Instrumente sind da. Werden heute nacht verstaut. Die nötige Kleidung müßt ihr euch dort verschaffen."
„Die Pässe sind nod) nicht fertig."
„Versuche, sie zu bekommen, sonst fahre ohne sie ab. Ich erwarte dich also."
„Ich komme."
„Gut. Schluß!"
Ein Auto brachte den Ingenieur zur Sowjet- botfdjaft.
„Wollen Sie Geld?" fragte der Kalmücke.
„Nein. Aber möglichst sofort meine Pässe."
„Müssen Sie denn unter allen Umständen heute reisen?"
„Mil ober ohne Pässe, ich fahre!"
Dann mertv Ich ;U)wn einen pronfocAdXK Ausweis verschaffen. Die Passe schicken wir nach Kalmikowskaja."
schaben Sie vielen Dank!"
„Können wir Ihnen sonst noch helfen?"
.Ein Teil meiner hier bestellten Ausrüstung wird erst in zwei Tagen fertig sein."
„Die sollen Sie auch erhalten. Wir schicken einen Kuner. Weisen Eie die Geschäfte nur an. alles hier abzugeben."
Zehn Minuten später hatte Nagel seinen Aus weis erhalten und schüttelte dem Kalmücken bü Hanb.
5.
Abends traf der junge Ingenieur in Gotha ein. Martens holte ihn im Auto von der Bahn ab
,4)aft du die Pässe?" fragte er.
„Provisorische Ausweise Die Pässe und den Nest meiner bestellten Ausrüstung schickt uns die rulsilche Botschaft durch Kurier nad)."
„Woher nehmen die Sowjet- ein derartige» Interesse an unserem Unternehmen?"
„Cs muß der Einfluß Stratoffs fein.*
„Traust du ihm?"
Keineswegs. Aber ich will mit ihm arbeiten * „Es bleibt auch nichts anderes übrig."
„Was hat sich heute ereignet, daß wir fi überstürzt abfahren müssen?"
„Eine französische ftontroUtommiffion wollte meine Fabrik durch«uchen. Sie hatte einen Ausweis der thüringischen Regierung bei sich. Schon gab ich alles verloren, versuchte ober nod) ju parlamen- ticren und verlangte direkte Befehle der tieitfas- regierung. Der französische Motor bestand auf sofortiger Untersuchung imb wurde höchst unoer jdjämt. Unterdessen hatten sich aber die Arbeiter in großen Mengen versammelt und nahmen eine drohende Haltung an. Id) schlug dem Franzosen vor, er möge zur Verhinderung eines etwaigen Blutbades die Entsendung von Reichswehr veranlassen Erst nach langen Schwierigkeiten ließ er sich daraus ein. verlangte ober, daß feine Soldaten die Ausgänge der Fabrik besetzt hielten, damit kein Material entfernt werden könne. Es gelang mir bann, die Arbeiter zu beruhigen, bod) bleiben starke Trupps von ihnen nachts in den Werken, um keinem Fran zofen das Eindringen zu gestatten, bevor die Reichswehr da ist."
(Fortsetzung folgt)
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Die Direktion. f


