setzten geradezu größenwahnsinnigen Rüstungen weiterhin den Frieden im Osten wird stören dürfen.
Sicherheit und Räumung.
Wir glauben annehmen zu dürfen, daß die in Locarno abgeschlossenen Sicherheitsverträge nicht lediglich ein Stück Papier sind, daß sie vielmehr das Fundament des zukünftigen europäischen Friedens bilden. 3n der Pariser Presse allerdings werden andere An'chauuvgen vertreten. So hat man aus Anlaß der 2lbriiftungSbeSattc wieder das alte Schlagwort von der Sicherheit hervorgeholt, dos doch eigentlich nunmehr zum alten Gerümpel geworfen gehört. Die Franzosen sind aber nun einmal gewollt ängstlich, besonders bann, wenn jemand die Anregung zu machen wagt, auch Frankreich mühte das Schwert endlich wieder mit der Pflugschar vertauschen. Run dringt aber auch aus England eine Stimme zu uns Grüber, die direkt aus dem Forcign Office kommt und sich dahin äuhert. es sei noch zu früh, die logische Folgerung aus den Locarnv-Vcrträgen zu ziehen und nun auch an die Räumung der zweiten und dritten Zone heranzugehen. „3u früh" ist allerdings eine recht eigenartige Begründung für die Hinauszögerung der Räumung der beiden ander , n Zonen. Und will scheinen, als ob eine möglichst schnelle Freigabe des Rheinlandes der eigentliche Zweck der Locarno-Verträge ist. Irgendwelche Gründe, um seine Sicherheit besorgt zu sein, bestehen doch jetzt für Frankreich erst recht nicht mehr, wie auch schon vorher das Gespenst von der „deutschen Gefahr" angesichts unserer restlosen Entwaffnung geradezu grotesk wirkte. Wenn die Engländer jetzt eine Räumung für „zu früh" halten, dann wären wir ihnen für die Mitteilung sehr dankbar, an welchen Zeitpunkt f i e denn denken. Vielleicht erinnern sich die zuständigen Stellen in London einmal daran, bah Locarno für uns mit wesentlichen Opfern verbunden war, die wir nicht nur deswegen brachten, damit England und Frankreich Bewegungsfreiheit im Orient erhalten, sondern die wir unter der Voraussetzung auf uns nahmen, daß nun endlich als Gegenleistung für unsere Erfüllung des Versailler Vertrags sich auch die Entente bereit findet, ihre Virpflich- tung innezuhalten und das Rheinland frei» zugeben. ,
Zweierlei Gerechtigkeit am Rhein
Die Rückkehr zum vertragsmäßigen Z u st a n d gemäß dem Rheinlandabkommen in der Ausübung und Zuständigkeit der französischen Militärjustiz im besetzten Gebiet stellt eine der deutschen Mindestforderungen im Rahmen der „Rückwirkungen" des Vertrags von Locarno dar. Wie notwendig fie zu einer wirtlichen notwendigen Befriedung Europas ist, zeigt die erste sachliche Darstellung über „Französische M i l i t ä r j u st i z und Militärpolizei im besetzten Gebiet^ im neuesten Sonderheft der Süddeutschen Monatshefte. Nunmehr ist ein besonders krasier Fall bekannt geworden, der sich am 20. November 1925, also wenige Tage vor der lln- terzeichnuna des Vertrags von Locarno, vor dem Kriegsgericht Landau in nächtlicher Sitzung zugetragen Hot. Der zugrunde liegende Vorgang ist folgender: Ein gewisser Sokoli von Kaiserslautern war in betrunkenem Zustande mit einem anderen Deutschen in Streit geraten. Polizeioberwachtmeister i Schneider, der Sokoli zur Ruhe bringen wollte, , wurde von diesem tätlich angegriffen. Die Inter- ? alliierte Rheinlondkommission verbot die Einleitung eines Strafverfahrens gegen Sokoli wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt mit der Begründung, daß Sokoli im Dienste der Besatzungsbehörde stehe. Gleichzeitig wurde aber Polizeioberwacht- meister Schneider, der in Ausübung seines Dienstes gegenüber einem Deutschen pflichtmäßig vorgegangen war, zum Angeklagten gemacht und vor das Kriegsgericht gestellt unter der Beschuldigung, einen im Dienste der Franzosen stehenden Deutschen und damit mittelbar die französische Besatzungsbehörde selbst beleidigt zu haben. Obwohl der Verteidiger, ein französischer Rechtsanwalt, nachdrücklichst die Zuständigkeit des Kriegsgerichts in dieser rein innerdeutschen Angelegenheit bestritt, lautete das Urteil — und zwar unter ausdrücklicher Berufung auf den „Geist von Locarno" — auf 500 Mark Geldstrafe.
Aus dem Amtsverkündignn^sblutt.
* Das Amtsverkündigungsblatt Vr. 96 vom 11. Dezember enthält: Tttrfruf und Einziehung von R^n'-enbankscheinen. — Bildung einer Wassergenossenschaft in Rüddingshausen. — Urlaub des Vet.-Rates Dr. Martin in Grünberg. — Herbstversammlung der Fleischbeschauer. — Maul- und Klauenseuche in Lumda und Allertshausen. — Viehmarkt In Lich. — Miet»
Gießener Stadttheater.
Gastspiel der frankfurter Oper: Puceinis „TuSka".
Verdi hatte mit feinem späteren Werken „Falstaff" und.Othello" Elemente des modernen mus.kdramatlschen Stiles (Wagner) auf genommen, aber doch ein gewisses italienisches Gepräge in sich gewahrt, besonders in der melodischen Gestaltung. Äur die Wahl des Stosses führte säst immer wieder auf die Gebiete hin, die bisher dem Theater den Stoff liefert en; noch wagte man es nicht, das Leben, wie es war, in seines Tragik auf die Buhne zu stellen.
Der Wurf gelang erst Mascagni und Leon- cavallo in ihren kurzen, gedrängten, daher aber um so packenderen Werten. „Cavalleria" und „Bajazzo". Diese Art erschien ihrer Zeit unerhört neu und war dennoch völlig organisch aus dem BorauSgegangenen teils als Re.ckt.on, teils als Weiterbildung herausgewachsen.
Auf gleichen Pfaden hatte Puccini gesucht und bereits sechs Jahre vor Mascagni ein vertsiisches Werk geschrieben („La Ville"-. Gleich- fam in Den unerhört einschlagenden Werken seiner LandSleute die Bestätigung der eigenen Richtung für sich erblickend, wählte er Stoffe, die ihn persönlich-menschlich packten, fesselten („Ma- non" 1893. „La Boheme" 1897 ..Tosca" 1900). Und mit diesen Stoffen, die sich mit ihrer stark drängenden menschlichen Handlung in Gegensatz zu dem in epischer Breite sich hinziehenden Wag- nerschen Musikdrama stellten, war ihm auch der Erfolg in Deutschland gesichert. Und daß diele Porallelsttlentwicklung nicht spurlos an manchem deutschen Komponisten vorüberging, beweist die Zahl der Puccinismen im mobernen Opern
einigungsämter im Landkreis Gießen. — Kreisfürsorgerinnen. — Jnaaliden-Rente. — Tier- schutzkalender. — Schulferien. — D'.enststunden des KreisschulamtS. — Dienstnachrichten.
Vrundgebührentarife für elektrische Energie.
Bon
Oberingenieur A. Kurz.
Dio Elektrizitätswerke sind wichtige Enmahme- ouellen der kommunalen Vermattungen und der Staaten geworden. Die Höhe der Strompreise beeinflußt Handel, Gewerbe und Industrie häufig recht merkllch, und auch der chaushaltungsvorstand sieht, besonders in den Wintermonaten, dem Zählerableser mit Sorge und Mißtrauen entgegen. Die Frage, ob eine Ermäßigung der Strompreise Möglich sei, beschäftigt alle Stände lebhaft, und ruft Diskussionen hervor, die nicht immer von Sachkenntnis geleitet sind. Eine kurze Aufklärung wird daher wohl willkommen sein.
Voraussetzung für jede Ermäßigung von Strompreisen ist, daß die Einnahmen des liefernden Werkes und daraus folgend die Einnahmen der Stadt nicht zurückgehen dürfen, da sonst andere Einnahmequellen mobil gemacht werden müssen, und der Bürger das, was er auf der einen Seite spart, auf der anderen wieder zulegt. Es ist also notwendig, daß der Ausfall an Einnahmen, der durch die Ermäßigung hervorgerufen wird, durch Mehrverbrauch zu ersetzen ist — also der gute alle kauf- männische Grundsatz: „Großer Umsatz, kleiner N u tz e n!"
Die Erfahrung hat gelehrt, daß auch bei den Elektrizitätswerken jede Verbilligung der Tarife einen gewaltigen Aufschwung im Verbrauch 'ur Folge hatte, so daß die zunächst erwarteten Rückgänge der Einnahmen nicht eintraten, ja, im Gegenteil, Mehreinnahmen und, was auch nicht zu unterschätzen ist, eine bessere Wirtschaftlichkeit im Betriebe der Werke, erzielt wurden. Die Werke haben daher eine ganze Anzahl von Tarifen ersonnen, die einerseits den Verbrauch steigern, anderseits eine feste Grundlage für die Einnahmen des Werkes sichern sollen. Diese Tarife nennt man Grundgebührentarife. Sie sollen an einigen Beispielen erläutert werden.
Die Stadt Gießen erhebt vom Durchschnittsverbraucher für Lichtstrom 51 und für Kraftstrom 30 Pf. für die Kilowattstunde, wozu noch eine Gebühr für Zählermiete lammt. Dieser Varif hat den Vorteil, sich leicht abrechnen zu lassen und gute Einnahmen, besonders in den Wintermonaten, zu bringen. Er hat aber den großen Nachteil, daß er den Verbraucher zwingt, in jeder möglichen Weise zu sparen, da er teuer ist: er hat ferner den Nachteil, daß die Einnahmen in den Sommermonaten auf ein Minimum zusammcnschrurnpfen und daß die Belastung Des. Elektrizitätswerks zur Zeit des Hauptlichtverbrauchs sehr groß ist, während fie in den übrigen Tagesstunden nur durch Motoren ström gegeben wird, da bei dem hohen Strompreis kaum jemand in der Lage ist, elektrisch zu kochen oder zu bügeln, geschweige denn zu heizen.
Die Grundgebührentarife gehen von dem Gedanken aus, daß der Verbraucher nicht gezwungen werden darf, an allen Ecken und Enden zu sparen, sondern daß man ihm die Möglichkeit geben muß, durch erschwingliche Strompreise, besonders tagsüber, elektrische Energie in möglichst weitem Ausmaße zu verwenden, also nicht nur zum Beleuchten, sondern auch zum Kochen, Heizen, zum Antrieb des Staubsaugers, der Wasch- und Nähmaschine, des Haartrockners und des Lusters und sonstiger nützlicher Hilfsmittel, die die Industrie uns zu ganz annehmbaren Preisen anbietet. Der Grundgebiihrentarif gibt aber auch dem Elektrizitätswerk eine feste Einnahmequelle, mit der es rechnen kann, indem er einen monatlich zu entrichtenden Mindestpreis festlegt, der nach dem Anschlußwert der Anlage bemesicn wird. Ein Beispiel:
Die Stadt Pirmasens Hoile bisher einen Tarif, ähnlich dem Gießener, mit 50 Pf. für Licht und 30 Pf. für Kraft. Sie hat dann einen Erund- gebührentarif wie folgt eingeführt: Monatliche Grundgebühr für eine Zwei
zimmerwohnung 1,50 Mk.
Monatliche Grundgebühr für eine Dreizimmerwohnung 2,50 „
Monatliche Grundgebühr für eine Vierzimmerwohnung 3,50 „
Für jedes weitere Zimmer wird die Grundgebühr um 1 Mk. erhöht.
Als Zimmer werden im allgemeinen gerechnet: Wohnstuben, Wohnküchen, Schlaf-, Eß- und Herrenzimmer. Nicht als Zimmer gelten Ncbenröume, z. B. Flur, Stlofett, Boden- und Kellerräume, Mädchenlämmern, Waschküchen usw.
Außer der Grundgebühr erhebt Pirmasens eine Arbeitsgebuhr für die durch den Zähler gemessenen Kilowattstunden, und zwar 15 Pf. für die Kilowatt ft und e.
schassen: andererseits ist gerade im Lande des Verismo die Zahl der Ausführungen Wag- nerscher Werte kaum je so groß gewesen als in den leisten Jahren: ein Beweis für die innere organische Berechtigung der beiden Stilrichtungen.
Und letzten Endes entscheidet für den dauernden Wert eines Werkes doch nicht der gewählte Stoss, — denn dcr ist start G-cschmackswandlungen unterworfen —, sondern die geistige Formung, die ihm der Schaffende gab. Und die ist es, die sich in jedem Zeitalter neu auswirtt, und jedesmal irgendwelche innere Anklänge weckt und so das Werk wohl anders, aber in steter Beziehung zum Lebendigen erscheinen läßt.
So sehr auch der Streit um Puccini wogt, eins muh ihm fein stärkster Gegner lassen, er hatte Melodien voll starkem Ausdruck, und seine Musik quoll ursprünglich, lebenswahr, ohne artistisches Raffinement.
Der Stoff zur Oper „Tosca" hatte als Schauspiel seine Bühnenwirksamkeit bereits bewiesen: die Hauptrolle war von Sardou für Sarah Bernhardt gestaltet worden. Und eine primitiv w.rksarnere Handlung mit einer solchen auspeitschenden, erregenden Kraft konnte für die Bühne kaum gedacht werden: denn gerade erst dadurch wird ihre Dramatik zum höchsten gesteigert, daß sie zum Schluß Theater spielen will und harte bittere Tragik w.rd.
Es war im 3uni 1800 in Rom: die Reapoli- taner hatten die römische Republik gestürzt und den römischen Konsul Angelotti (aus dem Geschlecht Qlttahanti) in der Engelsburg e ngekerkert. Der Polizeiches Scarpia unterdrückt mit Grausamkeit jede republikanisch? Regung. — Angelotti ist aus der Engelsburg entflohen und sucht Schutz in der Kirche Sank Andrea della D.ckle. Seine Schwester hat ihm den Schlüssel für die Familien»
Es muß bemerkt werden, daß dieser Äilowatt- stunbenpreis sehr niedrig ift Trotzdem wird das Elekttizitütswerk auf seine Rechnung kommen, denn die Grundgebühren bilden seine feste, auf das ganze Jahr gleichmäßig verteilte Einnahme, während es an den Arbeitsgebühren nichts verliert, sondern gewinnt, allerdings pro Kilowattstunde nicht soviel wie früher.
Es sei ein Vergleich zwischen dem Gießener und dem Pirmasenser Tarif für einen Wintermonat und eine Fünfzimmerwohnung gezogen, bei einem Verbrauch von etwa 30 Kilowattstunden, der dem Novemberverbrauch entsprechen dürfte.
In Gießen wären zu zahlen:
30 Kilowattsttmden, je 51 Pf. 15,30 Mk. Zahlermiete 0,40 „
15,70 Mk.
In Pirmasens würde berechnet: Grundgebühr für eine Fünfzimmerwohnung 4,50 Mk.
30 Kilowattstunden, je 15 Pf. 4,50 „ Keine Zählermiete
9,— Mk.
In Gießen würden also 6,70 Mk. = ca. 75°/o mehr bezahlt als in Pirmasens. In Wirklichkeit ist die Sache nicht ganz so ungünstig, wie sie auf den ersten Anblick aussieht. Der Pirmasenser zahlt durch die Grundgebühr im Sommer für die Winter- monate mit, denn es ist sehr wohl anzunehmcn, daß er, z. B. im Juli ober August, wenn etwa noch Ferien in diese Zeit fallen, auch in Gießen keine 4,50 Mk. an Stromkosten zu bezahlen hätte.
Aber der Grundgebührentarif will ja die Lasten aus das ganze Jahr verteilen, und es dürfte jedem Haushaltungsvorstand recht angenehm sein, wenn er im November, Dezember, Januar und Februar, in welchen Monaten er ohnedies große Ausgaben für Heizung, Weihnachtsfest und sonstigen Winterbedarf hat, nicht auch für elektrischen Strom eine unheimlich große Rechnung bezahlen muß.
Aehnliche Tarife wie Pirmasens hoben auch, um einige zu nennen, die Städte Braunschweig, Freiburg i. B., Glogau, das märkische Elektrizitätswerk Berlin, Recklinghausen u. a. m.
Manche Werke bemessen die Grundgebühr nicht nach der Zahl der Zimmer, sondern nach dem Meßbereich des Zählers ober nach ber Zahl ber Lampen, bie installiert sind. Immer besteht jeboch neben ber festen Grundgebühr eine Arbeitsgebühr für hie gemessene Kilomattstunbe.
Manche Werke berechnen für Kleinwohnungen, etwa bis zu 3 Brennstellen, eine sehr niebrige Grunbgebühr, z. B. Freiburg i. B., von 0,50 Pf. pro Brennstelle monatlich, entsvrechenb einem Gesamtverbrauch von etwa 12 Kilowattstunben pro Brennstelle und Jahr. Mehrverbrauch wird mit 10 Pf. für die Kilowattstunde berechnet.
Auch dieser Tarif soll dazu anreizen, nicht nur die 12 Kilowattstunden pro Brennstelle, also bei drei Brennstellen 36 Kilowattstunden im Jahr, zu verbrauchen, sondern möglichst ein Vielfaches davon, denn je mehr der Wohmmgsinhaber verbraucht, desto günstiger ftelli sich der Preis für die Kilowatt- tunde. Auch der Inhaber einer Kleinwohnung oll die elektrische Energie nicht nur zum Beleuchten, andern vor allem zum Kochen seines Morgen- assfees, seines Mittagsbrotes und Abendessens, zum Bügeln und Nähen verwenden.
(Schluß folgt.)
Oberhessen.
Ungültige Dürgermeisterwahl.
• Gießen, 12. Dez. Der Provinzial- a u s s ch u ß verhandelte in seiner heutigen öffentlichen Sitzung u. a. über Berufungen gegen ba$ Urtrtl des Kreisausschusses des Krci'eZ Alsfeld in Sach m: Bürgcr ncifterwahl i n M e r- lau.
Bei dcr am 24. Mai 1925 inMerlau stattgehabten Bürgermeister-Wahl wurde Wilhelm Kochendörfer mit 197 Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Sein Gegenkandidat, der feit» herrige Bürgermeister Konr-d Schomder, erhielt 189 Stimmen. Die Wahlbeteiligung war eine sehr starke und betrug über 90 Prozent der Stimmberechtigtem Am 21. Mai erhoben Heinrich Meinhard und Ludwig Schlosser in Me.l.u geg.n das Wahlergebnis Einspruch, indem sie rügten, daß 2 formelle Gesetzvorschriften nicht beachtet worben seien, und daß ferner vor, währer.d und nach der Wahl durch Versprechungen, Drohungen und Trinkereirn das Wahlergebnis in unlauterer Weise beeinflußt inorben sei. 3n der mündlichen Verhandlung vor dem KreiS uöschuß in Alsfeld ergab die 'Beweisaufnahme, daß bereits einige Wochen vor und bei der Wahl Parteigänger der beiden Kandidaten versuchten, in den Wirtschaften zu Merlau und Mücke Wähler zu bewirten. Obwohl der Kreis Alsfeld die Art und Weise, wie der Wahlkamps geführt wurde, mißbilligte, konnte er sich nicht
kapelle b-er Attavanti am Postament des Mo- donnenbildes versteckt. Als er ein Geräusch hört, verbirgt er sich. Es ift der Meßner, der dem Maler Cavaradossi, der schon seit einiger Zeit hier an einem Bilde der Maria Magdalena arbeitet, die Pinsel bringt Als Modell hat dem Mater die Schwester Angelotcks ahnungslos, unbewußt, gedient, als sie am Altar betete. — Als Der Meßner sich entfernt, kommt Angelotti aus der Kapelle, und Cavarabossi erkennt ihn als den Konsul der ehemaligen Republik Rom' Doch die Sängerin Tosca nähert sich: Angelo^i verbirgt sich wieder, nachdem ihm sein Freund noch einen Korb mit Chwaren zugesteckt hat ToSca bittet Cavavadossi zu einem Zusammensein am Abend nach 6>er Oper. Als sie das Madonnenbild fleht, fällt ihr die Aehnlichkeit des Bildes mit der Schwester Angelottis auf; Eifersucht ertvacht in ihr, aber ihr Geliebter beruhigt sie wieder und bewegt sie zum Gehen. Er holt nun Angelotti wieder hervor; dieser will sich verkleiden und fliehen (die Schwester hat ihm Kleid. Schleier und Fächer unter dem Altar versteckt). Cavavadossi weist ihm sein Haus als Unterschlupf zu. Als ein Kanonenschuß fällt zum Zeichen dar Entdeckung von Angelottis Flucht, da hält es der Maler für seine Pflicht, ihn persönlich in seine Villa zu geleiten. Der Meßner verkündet den Sieg der Oesterreicher unter Melas, die auf feiten der Neapolitaner gegen Tlapolron kämpfen. Der Sieg soll vurch eine festliche Kantate, bet der auch Tosca mitwirken wird, gefeiert werden. In diesen Jubel tritt Scarpia: alles verstummt feine Häscher müssen die Kirche oblochen man findet den leert n Ehköro und den Fächer in ber Kapelle. Run schmiedet Scarpia gegen Eaoar - dossi, der ihm bei Toeca als Jtcbcnbuhler im Wege steht, einen teuflischen Plan. Das Wappen
dazu entschließen, die Wahl für ungültig zu erklären. well beide Parteien mit verwerflichen Mitteln versucht hatten, die WaUer zu beeinflussen, wobei zwar die Parteigänger Ko- chsndörsers eine größere Tätigkeit entfaltet hatten, als die Gegenpartei. Der Kreisaus- schuß wies hiernach die beiden Reklamationen als unbegründet zurück.
Die Reklamanten verfolgten gegen dieses Urteil Berufung an den Provmzialausschutz. Sie waren in der mündlichen Verhandlung durch Aecht-anwalt Hornberger - GieHen vertreten. Der neugewählle Bürgermeister Kochrndörfer war durch Rechtsanwalt' B e i l st e i«= Grünberg vertreten. Zur Verhaillllung waren etwa 15 bis 20 Zeugen erschienen. Es fand eine eingehende Beweisaufnahme statt, auf Grund deren festgestellt wurde, daß in drei Wirtschaften vor der Wahl und am Wahltag an die Wähler kostenlos Getränke und Speisen verabreicht wurden und diese Vorgänge jedenfalls geeignet waren, das Wahlergebnis in unlauterer Weise zu beeinflussen.
Der Provinzialausschutz gab der Berufung unter Aufhebung der Entscheidung des Kreisausschusses des Kreises Alsfeld statt und erklärte die am 2 4. Mai 1 925 inMer- Iau stattgehabte Bürgermeisterwahl für ungültig. Mit den im Verfahren entstandenen Gerichtäkosten wurde die Gemeinde Merlau belastet. Die Kosten ihrer crnwalllichen Vertretung haben die Reklamanten und Dürger- meisterlänbidat Kcxhrndörfer selbst zu tragen.
Landkreis Gictzen.
£ Wieseck, 14, Dez. Als bedeutungsvollstes Ereignis in der Geschichte und Entwicklung unserer Gemeinde wurde gestern die Aufnahme des regelmäßigen Auto-Omnibus-Der- kehrs zwischen Wieseck und Gießen vor- genommen, nachdem am Samstagnachmittag der zweite Wagen eingetroffen war. Leider wurde versäumt, für genügende Bekanntgabe zu sorgen, daß ab Sonntag morgen der fahrplanmäßige Dienst ausgenommen würde. Nur diesem Umstande war es zuzuschreiben, daß die erstem Wagen zwischen 5 und 7 Uhr morgens von den hierfür Interessierten nicht in dem Maße benutzt wurden, wie dies heute morgen bereits ber Fall mar. Von Wagen zu Wagen hob sich nun bie Zahl ber Fahrgäste, in ben ersten Nachn.ittagsst'.inben würbe ber zweite Wagen eingesetzt. Der Anbrang war aber berart, baß bei weitem nicht alle, bie mitfahren wollten, befördert werden konnten. Mit 60 und über 60 Person e n fuhren die einzelnen Wagen hier ab und waren teilweise.an ber Ansangsstation schon überfüllt. Selbsterverstänblich rief bie Ausnahme des Fahrdienstes eine lebhaft angeregte Stimmung in allen Bevölkerungskreisen hervor, auch die noch oor- bandenen wenigen Pessimisten werden wohl bald eine zustimmende Meinung haben — von einigen wenigem Unverbesserlichen abgesehen. In Gießen rief bas Erscheinen der Auto-Riesen begreifliches Interesse hervor, an den einzelnen Haltestellen waren die Wagen sofort vod großen Menschenmengen umlagert, die ihrer erstaunten Verwunderung einmal über die Ausmaße, zum andern über die gediegene Innenausstattung der Autos Ausdruck gaben. Von dem Umstand abgesehen, dah nicht alle, die mitfahren wollten, befördert werden konnten, wickelte sich ber Verkehr am ersten Tage glatt und reibungslos ab. Heute morgen setzte der Verkehr schon mit dem ersten Wagen stark ein, zwischen 7 und 8 Uhr waren dieselben schon wieder überfüllt. Die Feuerprobe ist bestanden, die nächsten Tage werben d>e Notwendigkeit der Schaffung dieses Verkehrsmittels beweisen, und die Zukunst wird und muß die Rentabilität des Unternehmens erbringen.
— Lollar, 13. Dez. Die Werksleitung der hiesigen Buder usscheu Eisenwerke hat gestern ihrer Belegschaft m'.tgrteilt, daß vom 15. Dezember (kommenden Dienstag) ab 5 Prozent der gesamten Arbeiter entlassen werben sollen. Diese Maßnahme mußte getroffen werben, da in der letzten Zeit Mangel an Arbeits- und Lieferungsauftragen bestand. Der noch verbleibende Teil der Belegschaft erhalt in feiner Arbeitszeit ebenfalls einschneidende Einschränkungen dergestalt, daß vom obengenannten Zeitpunkt an Feierschichten eintreten müssen. Seit einer Reihe von Wochen war bereits in der Kesselfabrikation der Ei'enwerte auf Samstag jeder Woche eine Feierschicht eingelegt worden. Dieses Spezialgebiet erhält von nun an drei Feierschichten. Glimpflicher kommt der Heiz- ^orperbau dabei weg, dessen Arbeiter für die Folgezeit nur an zwei Tagen nicht zur Arbeitsstätte brauchen. Außerdem ift das Werk in der Zeit vom 23. Dezember bis 4. Januar 1926 geschlossen.
— Mainzlar, 13. Dez. Beim Schlittschuhlaufen auf der Lumda brach dieser Tage ein neunjähriger Junge ein und formte nur mit Mühe von einem rasch herzugerufenen
der Attavanti auf dem Fächer, die Züge deS Bildes, alles Mittel, die Cifersücht ToscaS zu erregen; sie eilt fort, um Cavarabossi zu überraschen. Scarpia sendet ihr Häscher nach. Er ist ganz beglückt, sich seinen Wünschen bei Tosca genähert zu sehen und stimmt begeistert mit in das Tedeuni ein.
Scarpia im Palazzo Farnese In feinem 5immer; im unteren Stock hat das Siegesfest der Königin begonnen, bei dem Tosca mitwirken soll. Scarpia läßt sie für nach dem Feste zu sich bitten. Inzwischen hat ein Häscher die Verhaftung . Cavaradossis gemeldet, aber Angelotti ist noch nicht gefunden. Der Maler wird vor- gesührt, trotzig vxll er sich nicht dem Gewaltakt beugen und verweigert jede Auskunft. (Da- zwijchen tönt Toscos Stimme in der Siegeskantate.) Cavarabossi soll durch die Folter gc- xtoungen werden: noch gelingt es ihm, Tosca, die eben eingetreten ist, zum Schweigen zu ver- pflichten. Scarpia sucht nun ToSca auszuforschen, indes Cavarabossi gefoltert wird. Als die Schrecken der Falter immer größer werden, verrät Tosca den Versteck Angelottis (im Brunnenschacht). Gebrochen wird Cavarabossi aus der gclterfarmncr herausgeführt: da wird ein Sieg Napoleons gemeldet. Sofort erwacht Cavaradossis alte Kraft, er jubelt auf. Da läßt ihn Scarpia abführen zum Tode. — Gelassen setzt sich Scarpia zu Tisch. Tosca will ihren Geliebten loskaufen: aber Scarpia fordert sie selber als Kaufpreis. Ms er zudringlich wird, will sie sich aus dem Fenster stürzen. Da hört sie die Trommeln, die die ..Hochverräter zum letzten Wege rufen". Tosca r'vgt im Gebet. Scarpia verspricht ihr Cavara- drtlls Loben für eine küße Stunde. Da meldet der Häscher, das; Angelotti sich selber getötet habe. Slim ist die Reihe an Cavarabossi. Da
hierher e schuldn der Zus° Kasse ben ver zu ■ Zustim prozei treten gerer A: handelt ganz obt jummen. theken b zu den ; GinMif hat, fdn j)ärtf fii maBnafjrr wirb. Oh fällt ihn all ten 6| nen dem nmgsgejet Walen i Heiden zufolge, 1 den in Mtwock halten. ( und geb: stündigen mehr j ur. b'.wt - dienstes f( geben. Si Advenkze streckt, so)
ben-_; SS ÄU leist en! nute v°' ausgeba «rohen fti#., den. 3 beige»01 form!"} ve-n,fl 2e(t" Cf tfcinen i) Has 3“. unter in« hier ivoh Schlag biefet 5 „E chlac gewaltig natürlich Eichen i stunde । Wer 2 zählte. ! schritten wohnen! in Gieß sich last fammeit
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