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3m Landtag brachte die Fraktion der deutschen Dolkspartei folgende kleine Anfrage zur Erstreckung der Anmeldefrist auf Grund des § 16 des Aufwertungsgesetzes ein: Aach § 16 des Aufwertungsgesetzes findet die Aufwertung vonAnsprüchen auf Grund Dort» Halles der Rechte oder kraft Rückwirkung (dies in den Fällen von Zahlungen nach dem 14. 3uni 1922) nur statt, wenn der Gläubiger den Anspruch auf Aufwertung biS zum 1. 3anuar 1926 bei der Aufwertungsstelle anmeldet. 3n weiten Krei'en der Bevölkerung, insbesondere auf dem Lande, besteht noch vollkommene Lln - t e n n t n i s über die einschneidende Bedeutung dieser A u s s ch l u st f r i st, deren Versäumnis die Zerstörung der gesetzlichen Aufwertungsansprüche zur Folge hat. Lim weite Kreise der Aufwertungsgläubiger vor sonst unabwendbaren Schaden zu bewahreir, ist es notwendig, die kurz bemessene Frist zu verlängern. Wir fragen deshalb an: Ist die Regierung bereit, bei der Reichsre- gierung im Sinne einer Verlängerung der Frist des § 16 des Aufwertungsgesetzes bis zum 1. April 1926 unverzüglich vorstellig zu werden?
Der Leiter der RechtSabteilunq des Voller- bundssekretariats van Hamel ist vom Rat in geheimer Sitzung zum Oberkommissar des Vollerbundes in Danzig ernannt worden, van Hamel ist Holländer und als Deutschenfresser bekannt.
verwendet wurden. Acht Banditen wurden tötet, ein neunter schwer verletzt. Dieser gab Polizei alle Helfershelfer der Bande an, verhaftet wurde.
Ans Tlahrungssorgen in den Tod.
Die hessische Polizei hat dein Minister d. Brentano aus Anlaß seines 70. Geburtstages durch ihre Chefs, die Polizeidirektoren Usin- ger-Darmstadt, Dittmar-Offenbach, Vohmann-Mainz, Büchler-Gießen und Oechler-Darmstadt eine nach einem Entwurf der Technischen Lehranstalten in Offenbach hergestellte künstlerische Adresse in künstlerisch hervorragender Schrift auf einer Per- gamenteinlage, die sich in einer Mappe aus blauem Saffianleder befindet, überreichen lassen.
gewählt. Aach den Dezemberwahlen von 1924 wurde Löbe, der in seiner Amtsführung sich die Anerkennung aller Parteien erworben, zum zweiten Male zum Präsidenten des Reichstages ge- wählt.
Der Staatsgerichtshvs des Deutschen Reiches entschied in der Rechtssache des Deutschen Reiches gegen Preußen. Bayern, Sachsen, Baden und Hessen zur Frage der Wasservertehrsstratzen des Reiches, daß zwischen dem Reich und Preußen, Baden und Sachsen, Hessen und Bayern die Organisation der Wasserstrahenbehördrn nicht als Llebernahmebedingung im Sinne des Art. 171 der Reichsverfassung anzusrhen sei und daher nicht dem Spruch des Staatsgerichtshofes unterliege. Das Reich sei demnach berechtigt, seine verfassungsmäßige Liebergabe zur Unterhaltung der Wasserstraßen durch eigene Behörden durchzuführen, wenn aus der Reichsverfassung unmittelbar eine Pflicht dazu nicht her- gclellet werden könnte.
Aach einer halbamtlichen Mitteilung hat das Gesarntstaatsminifterium d:n Ausnahmezustand in Bayern aufgehoben. Für Versammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel gelten nuirmehr uneingeschränkt die Vorschriften der Reichsverfassung, welche den Polizeibehörden bei unmittelbarer Gefahr für die öffentliche Sicherheit die Möglichkeit zum Einschreiten, zu Verboten und Einschränkungen geben.
Derb rannt.
In Quirnheim (Pfalz) kam das zweieinhalbjährige Töchterchen des Landwirts Reuter beim Spielen in Abwesenheit der Eltern dem Ofen zu nahe, wobei seine Kleider Feuer fingen. Dav Kind stand sofort in Hellen Flammen und erlitt so schwere Verletzungen, daß es bald darauf starb.
Der Hund Im Schafstall.
In Schlüchtern drang ein großer, bisher nicht ermittelter Hund in einen Schafstall ein, zerriß mehrere Tiere und verletzte zahlreiche andere durch Bisse derart, daß sie abgschlachtet werden mußten.
Dlindenzählung in Deutschland.
Aach einer medizinischen Fachzeitschrift soll im kommenden 3ahrc eine Blindcnzählung in umfassender Art vorgenommm werden, und zwar in Verbindung mit der geplanten Gebrechlichenzählung. Durch die Augenärzte soll dabei die Llrsache der Erblindung, die Krankhritsdiagnosc, der Grad der Blindheit und die etwa mögliche Besserung feftgestcllt werden.
Eine russische Räuberbande überwältigt.
Eine in dem Gouvernement Orloff Kursk ihr Llnwesen treibende Räuberbande, dir erst kürzlich eine aus neun Personen bestehende Dauern- samilie ermordet hatte, ist jetzt von der Polizei unschädlich gemacht worden. Die Polizei umstellte das Haus eines Kirchendieners, in welchem die Bande übernachtete. Zwischen den Räubern und den Polizeibeamten entspann sich ein IVrstündiger Kampf, wobei auf beiden Seiten Handgranaten
Noch Keine Entscheidung im MossulKonfliKt.
Gens, 12. Drz. (WB.) Der heutige Sonntag hat die Frage der Beilegung des Mossul- konsilltes nicht vorwärts gebracht. Die Lage ist gekennzeichnet durch einen vollkommenen Stillstand, obwohl unter den Ratsmitgliedern zahlreiche Besprechungen stattfandcn, die mit dem Mofsulkonflikt in Verbindung gebracht werden, und obwohl das Dreierlomitee selbst ebenfalls getagt hat. Ein abschließender Bericht des Dreierkomitees liegt auch heute abend nicht vor. Der Stillstand scheint teilweise auf den Eindruck der Reise des türkischen Außen- ministers nach Paris zurückzuführen sein.
Der Minister ist vormittags in Paris ein» getroffen. Eine Begegnung mit Br.and hat nicht ftattgefunden . Ruchdy Bey kehrte nach einer langen Aussprache mit dem türkischen Botschafter Fechy Bey gestern abend wieder nach Genf zurück. Meldungen, die durch Havas bestätigt werden, besagen, daß die Türken durch Vermittlung Driands dem Dölkerbundssekretariat fvl- genoe Vorschläge zur Regelung der Mossul- frage unterbreiteten:
1. Abtretung des südwestlichen Zipfels des Euphrat an den 3rak,
2. Abstimmung im gesamten strittigen Gebiet.
Die Türken kamen des weiteren auf ihren bereits im September gemachten Vorschlag zurück, der darin besteht, daß England, Persien und der 3rak einerseits und die Türkei andererseits einen Handels- und S i ch e rh e i ts v e r t r a g schließen. England müsse das Gebiet, das es besetzen werde, entmilitarisieren, während die Türkei bereit sei, das gleiche für die unter seine Souveränität gestellten Provinzen zu tun. Wenn die französische Regierung diesem Sicherheitspakt beitreten könne, werve man das begrüßen. Chamberlain soll diesen Kompromißvorschlag abgelehnt haben.
gur ßage in Syrien.
London, 14. Dez. (WTB.-Funkspruch.) Neuler meldet au5 Beirut: Der neue französische Ober (ommiffar d e Jouven el erklärte, in ganz Syrien nut Ausnahme der Bezirke von Damaskus und Dschebel Drus, wo eine kleine Minderheit nicht
Aus Hessen.
Darmstadt, 13. Drz. Landtagsabgeordnter Kindt (Dntl.) hatte int Landtag eine Anfrage eingebracht, worin auf eine Anfrage des Gemeinderatsmitgliedes Mathes in Hirschhorn hingewicsen wurde, der beim ßanbeSamt für das Dildungswesen angefragt hatte, auf Grund welchen ministeriellen Erlasses es den Eltern verboten fei, ihre Kinder zu einem Sommerfest mit schwarz- weißroten Bändern oder Fähnchen ?u senden und auf Grund welchen Erlasses ich ein Lehrer strafbar mache, wenn er solche Kinder bei einem Sommers est dulde. Ministerialdirektor Ll r st a d t habe in seiner Antwort auf eine Mimst erialvervrdnung vom 26. August 1922 verwiesen, nach der das Mitführen von schwarz'veitzroten Fahnen an Iugrndtagen verboten sei. Auf Grund der gleichen Bestimmung sehe sich auch ein Lehrer der Bestrafung aus, toam er dies dulde. Die Ziffer 4 der Verordnung des Gesamtministeriums vom 26. August 1922 laute wörtlich: „DaS Tragen von Annchen jeder Art mit Ausnahme der Reichs- und LandoSfar- ben und der vom Deich oder einem Land verliehenen Kriegsau 2z.ichnungen ist Lehrpersonen im Dienste und Llnterricht untersagt." Abg. Kindt fragt an: Warum hat „Der Staatspräsident Hessisches LattdeLamt für das Dildungswefen, gez. i. V. Ll r st a d t“ dem Mitglied des Gemeinderates zu Hirschhorn a. A. Herrn 3oh. Lud. Mathes eine den Tatbestand unwahr darstellende Antwort gegeben ?
Die statistischen Erhebungen über die Anwendung der Verordnung über Straffreiheit vom 5. September d. 3- ergeben folgendes Bild: 1. amnestiert wurden 268 Personen, 2. Untersuchungen wurden niedergeschlagen gegen 52 Personen, 3. Straferlaß wurde zuteil 216 Persoren, Gefängnisstrafe wurde erlassen 117 Personen und Geldstrafen wurden erlaßen 98 Personen.
Die verfassungsgebende Versammlung in Pers ien hat einstimmig ein Ergänzungsgefeh zur Verfassung angenommen, das Riza Khan Pahlawi die Konigswürde zuerkennt. Aach diesem Ge'eh wird sein ältester Sohn Kronprinz und die Konigswürde bleibt in der neuen Dynastie erblich.
gegen Frankreich, sondern gegen Syrien Krieg führe, herrsche Ruhe. Bei seiner Ankunft in Aleppo habe eine große Kundgebung für die Trennung Aleppos von Damaskus fiaitgefun- den. Dies sei das Ergebnis des Bruderkrieges. Ein Bandenfiihrer, der im Tschagulavieriel von Damaskus operiert, hat an ein örtliches Blatt einen Bries gerichtet, in dem er sagt, er habe 40 Mann abgeordnet,um d e Jouvcnel den Kopf abzu- schlagen. Das sei Syriens Antwort auf seine Rede.
Neues von Abd el Krim.
Paris, 14. Dez. (Wolff.) Wie der „Petit Parisien" mitteilt, veröffentlicht die in Paris erscheinende russische Zeitung „Dni" eine Mitteilung, nach der fünf Bevollmächtigte Abd el Krims gegen Ende Aovembrr in strengstem Inkognito nach Moskau gekommen seien. Am 5. Dezember soll das offizielle Organ des Volkslommissariats für den Krieg, der „Rote Stern", einen Artikel Abd el Krims mit der Lleber'chrift „Linser Kampf für die Freiheit" veröffentlicht Habnr. Abd el Krim schlage darin vor, Europa möge auf die unnützen Abenteuer verzichten und Marokko räumen. Wenn fie es nicht räumten, so würden die Rifleute sich bis zur Befreiung aller arabischen Völker der LIfer st aalen des Mittelmeeres und derer, die in Kleinasien wohnen, schlagen. Das freie Marrokko und daS freie Arg ypten würden die beiden Stützpunkte dieses Kampfes fein. Eine andere Sensation weiß das Pariser Mittagsblatt „Paris Midi" zu berichten, Abd el Krim habe mit dem englischen Finanzmann Gardiner Londacre in London einen Vertrag abgeschlossen. Auf Grund dieses Vertrages werde gegen die Zahlung von 300 000 englischen Pfund Gardiner das Recht zugestanden, eine Staatsnotenbank im Rifgebiet zu errichten. Außerdem fei ihm, vorausgesetzt, baß eine reguläre Regierung des Aifgebiets die Genehmigung hierzu erteile, eine weitgehende Konzession auf einem Gebiet von 15 000 Quadratkilometer hinsichtlich der Ausbeutung der Gruben. Wälder, Eisenbahnen, Häfen, Telephon und Telegraphen ufw. übertragen worden. Der Vertrag fei für die Dauer von 99 3ahren abgeschlossen werden Für die Nachrichten muß den gern in Sensationen arbeitenden Pariser Vlattern die Verantwortung überlassen bleiben.
Die Westmächte und Rußland.
Tschitscherin bei Briand.
Paris, 14. Dez. (WTB.) Der russische Außen- tommisiar Tschitscherin, der von Wiesbaden in Paris eingetroffen ist, halte eine Unterredung mit dem Mimsterpräsiedentsn Briand, über die das „Journal" folgendes mitteilt: Alle zwischen den beiden Ländern schwebenden Fragen seien zur Sprache gekommen. Für Mittwoch sei eine neue Desprechüng vorgesehen. Tschitscherin und Ra - k o w s k i, Der russische Boisa;after in Paris, würden sich alsdcum nach M oskau begeben, um der Sowjetriegerung Bericht zu erstatten. Rakowski würde erst gegen Mitte Januar nach Paris zurück- fehren, dann werde die große Aussprache beginnen. Französischerseits würden zwei Punkte als wesentlich betrachtet: Zunächst eine gerechte Regelung der Rechte von Besitzern russischer Wertpapiere und der geschädigten französischen Interessen in Rußland.
Andererseits betrachte Frankreich den Wiedereintritt Rußlands in die europäische Politik als untrennbar vom aufrichtigen Willen nach Wiederaussöhnung. Dieter Wille müsse sich darin bekunden, daß Rußland die ■Umtriebe. die es unter dem Deckmantel der Dritten Internationale sortgeführt habe, auf • gebe. Das Vlatt erinnert an das Mißtrauen her Bolschewisten gegen den Völkerbund und die Abmachungen von Locarno. Es bemerkt, daß die großen Schwierigkeiten offensichtlich darin bestünden, die Politik neuer aufrichtiger Mitarbeit Rußlands mit der revolutionären Strömung Eow- jetrußlands in Einklang zu bringen. Die russische eg'.eruRng müsse beweisen, daß sie fähig sei, diese Politik zu realisieren. Davon hänge der Erfolg der Verhandlungen ab, von denen man bisher lediglich fagen könne, baß die Staatsmänner sie mit einem ernsten Meinungsaustausch eingeleitet hätten und von gutem Willen beseelt seien.
In einer Unterredung mit dem Vertreter des „Obseroer" erklärte Tschitscherin u. a.: Rußland hat wiederholt feine Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, seinen Gläubigern entgegenzukommen, um eine Regelung der Schuldenfrage zu vereinbaren.
Rußland wünscht die sofortige Regelung der TNeinungsverschiedenheiren mit England, was ich auch in Berlin dem Botschafter d'Abernon gegenüber zum Ausdruck gedacht habe. Eine solche praktische Lösung aller Streitfragen zwischen Ruß- land und den anderen Staaten würde die Förderung der allgemeinen Befriedung bedeuten, und es ist nicht einzusehen, warum Rußland zur Erreichung dieses Zwecke in den Völkerbund ein- treten soll. Rußland ist jedenfalls der Ansicht, daß der Völkerbund in seiner heutigen Zusammensetzung fein wirkliches F r i e d e n s i n st r u - ment ist. Es verwirft vor allem das Völkerbunds- maxime hinsichtlich der Ausübung von Zwang einzelner gegen einzelne Staaten. Im übrigen können die ständigen Aufforderungen gewisser Völker- bundsmitglieder an Rußland dieses zum Eintritt in den Bund um so weniger ermutigen, als sie gerade von den Landern ausgehen, die alle russischen Dor- schlüge zur Herbeiführung einer gegenseitigen Ein- vernehmens bisher abgelehnt haben und sich fortdauernd ün Besitz russischen Gebiets befinden.
Die Frage der A b r ü st u n g wird schwerlich praktisch gelöst werden können .Mange die • sogenannte Sicherhei t als ihve Borbebwgung genormt wird. In einer Moskauer Rede hat der vVrsitzend- deS Rates der Vollskommissare ein eindeutiges Angebot gemocht, daß Rußland unter der Voraussetzung der allgemeinen Ab - r ü st u n g nicht nut seine Streitkräfte auflösen, sondern auch feine Kriegsindustrie abschaffen will. Er hat ferner erklärt, baß Rußland bereit fei, kjedweden Versuch einer auch nur teilweisen Abrüstung seine vollste Unterstützung zu geben, und diese Erklärungen sind keine bloßen Phrasen gewesen. Dutzlarä» ist wirklich bereit zum Verzicht auf jeden Eroberungskrieg. Es hält fein Heer und feine Flotte mir zur Verteidigung aufrecht. Die Verträge von Locarno, sagte Tschitscherin schließlich: Wir betrachten diesen Pakt immer noch mit Mißtrauen. Qixamo ist vielleicht ein Anfang, aber was für ein Anf ang es ist, das kann erst die Zell offenbaren.
SĻs
Aus aller Wett.
Besuch der deutschen Universitäten.
Die 23 deutschen Universitäten hatten im Svmmerhalbjahr 1925 folgende D'suchszahlen aufzuweisen: Bersin rund 10 000, München 7068, Köln 4609. Leipzig 4400, Breslau 4238. Bonn 32C9, Freiburg i. D. 3020, Frankfurt a. M. 2635, Tübingen 2533, Münster 2531, Heidelberg 2516t Göttingen 2393, Halle 2301, Marburg 2156, Würzburg 2124, Hamburg 2075, Jena 2015, Königsberg i.Pr. 1643. Kiel 1601, Gießen 1338, Erlangen 1272, Greifswald 947, Rostock 331. Gegenüber dem Vorjahr haben sich in der Spitzengruppe Berlin und München an erster und zweiter Stelle gehalten, während Leipzig
Romain Rolland schwer erkrankt.
Der ..Montag Morgen" meldet aus Genf, daß der französische Dichter Romain Rolland schwer erkrantt ist. Sein Besinden gibt zu Besorgnissen Anlaß.
Skandalszenen in der Berliner StaatSoPer.
Bei der Generalprobe der StaatSoPer „Wozzeck" von Alban Berg in der StaatSoPer Unter den Linden kam es in dem dicht gefüllten Hause zu Skandalszenen. wie man sie bisher im staatlichen Opernh«use nicht erlebt Hai. Rach bem 3. Akt wurde das Beifallklatschen eines Teiles bet Zuhörer durch Zischen und Pfeifen eines anderen Teiles erwidert. Es kam zn heftigen Auseinandersetzungen, die in Tätlichkeiten auSzuarten drohten. Schließlich mußte der Haus- infpektor unter Berufung auf fein Hausrecht die Streitenden aus dem Theater hinaus- weisen.
Am gef.rigen Sonntag haben in Berlin 10 Personen, meist aus Gründen wirtschaftlicher N o t ihrem Leben ein Ende zu machen versucht.
Aus der Provinzialhauptstadt.
G i e ß en, den 14. Dezember 1925.
Bekämpfung der Tuberkulose.
Die Tuberkulosevoriräge, die auf Veranlassung der Bezirksfiirsorgestelle des Kreisamts Gießen mit finanzieller Unterstützung der Krankenkassen, der Londesversicherungsanstall und der betr. Gemeinden in einer Reihe von Landgemeinden von dem lellenden Arzt der Eleonorenheilstäüe Winter kästen, Dr. Sell,abgehalten werden, waren bis jetzt ein voller Erfolg in Hinsicht auf die Teilnahme der Bevölkerung. Sowohl die Nuchmittagsvariräge für Schulkinder als auch die Abendoortrage für Erwachsene brachten überall volle Säle, und man konnte auch dem Redner die Freude anmerken, so stattliche und so aufmerksame Hörerscharen vor sich zu haben. In meist musterhafter Weise und mit gespanntester Aufmerksamkeit folgten Kinder und Erwachsene den leicht verständlichen Ausführungen des Redners, und es dürfte den metjtenjo gegangen fein, daß sie am Schluffe erstaunt waren, wie viel Zell verstrichen war. So darf man gewiß auch in d e m Sinne von einem vollen Erfolg sprechen, daß der Zweck erreicht wurde, in unserem oßn der Tuberkulose so stark heimgesuchten Kreise das Licht reiner lauterer Wissenschaft in viele. Herzen dringen zu lasten.
Niemand zu gefallen, keinem zu Leide, behandelte der Redner als treuer, furchtloser Diener der Wahrhell, als begeisterter und begabter Dolkslehrer und warmer Dolksfreund die vielgestaltigen Fragen der Tuberkulosebekämpfung. Unter Vorführung einer großen Zahl vortrefflicher Lichtbilder zeigte Dr. Soft zunächst verschiedene Formen menschlicher, auch tierischer Tuberkulose und knüpfte überall an das an, was den Zuhörern, auch den Kindern, schon bekannt war. Es folgten Ausführungen über die furchtbaren Verheerungen, die die Tuberkulose besonders als Lungenschwindsucht unter den jungen Menschen anrichtet; bann kamen die Tatsachen über die Verursacher der Tuberkulose, die Tuberkelbazillen und die Wege, wie sie heute leider tagtäglich — aus Unwissenheit und Gleichgültigkeit — verbreitet werden und in den Körper eines jeden Menschen, besonders auch der Kinder eindringen. Daß man das verhüten kann, daß jedermann die äußersten Anstrengungen machen muß, um diese Massenansteckung zu verhüten, das wurde besonders eindringlich eingeprägt. Der wertvollste Teil aber kalß nach der Pause, die Belehrung darüber, daß die Tuberkelbazillen an sich gar nicht so gefährlich sind, daß vielmehr wir selbst es sind, die ihnen durch viele schädliche Gewohnheiten den Weg bereiten.
Der vollkrästtge und gesundhcitsgemäß lebende Mensch verfügt über viel natürliche Widerstands- krafte. Aber unser ganzes modernes Leben ist von einer solchen Menge festeingewurzelter Fehler und Schäden durchdrungen, daß man sich eigentlich wundern muß, daß nicht noch mehr Leben, Lebenskraft und Lebensfreude von dieser heimtückischen Volksseuche vernichtet werden. Rur Abkehr jedes einzelnen von dieser Auslieferung an den Feind, nur Umkehr aller Menschen, nur das Verschaffen gründlichen Wissens und zähes Erarbeiten größter Gewissenhaftigkeit kann durchgreifend Helsen. Das kostet nidjt einmal Geld, denn die Heil- krafte bietet die Natur. Doch das muß man selbst gehört, die Lichtbilder muß man selbst gesehen haben. Deshalb versäume nierremb bie in ber dritten Dezemberwoche zu erwartenden Vorträge. Jeder, der die Vorträge hört und fchon gehört hat, bewahre alles als wertvollen ©du- , nützlichsten Wissens; jeder lasse die Saat auf gebe.a und Früchte bringen zum Wohle der eigenen F>- .-ilic und bes ganzen Volkes. Jebsrmann im Kreise Gießen muß im Sinne bes Redners ein unermüdlicher Mitkämpfer werden gegen diese furchtbarste Geißel des Menschengeschlechts.
FabrylanänDsrungsn.
Vom 21. Dezember an treten auf den SIrecken Fulda—Gießen und Gedern — Lauter- b a ch (Nord) folgende Fahrplanänderungen in Kraft:
Strecke Gedern — Lauterbach (Nord) Personenzug 4133, werktags bis 31. 3. 1926, Gebern ab: 5.19 Uhr, Hartmannshain ab 5.47, Herbstein ab 6.31, Lauterl ach (Norb) an 7.00 Uhr vormittags. Vom 1. 4. 1926 ab verkehrt Bz. 4133 (W.) wieder in dem Plane, Gebern ab 4.49, Lauterbach (Norb) an 6.28 oorm., mit Kreuzung in Rixfeld mit Pz. 4138.
Strecke Fulda — Gießen: Der Personenzug 551 (W.) erhält vom 21. Dezember ab bis zum 31. 3. 1926 eine spätere Lage unb folgenben Fahrplan: Pz. 551 Lauterbach (Norb)—Fulba, werktags bis 31. 3. 1926, Lauterbach (Nord) ab 7.05, Fulda an 7.47 Uhr vormittags. Die Triebwaoenfahrt 570 (W.) verkehrt vom 21. Dezember 1925 bis 31. März 1926 in folgendem Fahrplan: Fulda ab: 6 38, Lauterbach (Nord) ab 7.29, Alfsfclb an 8.04 Uhr vormittags. Ferner wirb ber Versonenzug 562 zwischen Ehringshausen unb Reiskirchen vom 31. Dezember ob wie folnt geändert: Ehringshausen ab 3.06, Mücke ab: 3.32, Grünberg ab 3.42, Reiskirchen an 4.03 Uhr nachmittags.
Bornotizen.
— Tageskalen d-er für Montag. Deutscher Sprachverein 8'A> -Uhr. Geographisches Institut (Drandplatz 4) Vertrag. — .Freiwillige Gailsche 'Feuerwehr, 8>,> Mr M^natsversamnr- hmg bei Dippel. — LichtspieHaus Dahnhosstr.: „Die Blumenfrau vom Potsdamer Platz". — Astoria-Lichtspiele: „Die Insel der Versuchung".
Kleine politische Nachrichten.
Der Reichstagspräsident Löbe kann am 14 Dezember auf die Vollendung feines 50. Lebensjahres zurückblicken. Gr ist von Beruf Schriftsetzer. Im Jahre 1899 trat er in die Redaktion ber sozialdemokratische:! „Breslauer BollSwachl" ein. für welche er noch tätig ist. Er wurde als sozialdemokratischer Abgeordneter zum ersten Male 1920 zum Präsidenten des Reichstags
Wettervoraussage.
Heiter bis wolkig, westliche biS nördliche Winde, kälter, noch vereinzelt leichte Schneee- fälle.
Dos nördliche Fallgebiet ist in feiner bisherigen Richtung weiter abgezogen und hat sich dabei etwas abgeschwächt. ES dürfte sich mit einem im Süiosten liegenden Tiefdruckgebiet zu vereinigen suchen. Rach einer kurzen Zwischen- Hochlage wird unS ein heute über Island aufgetauchtes Fallgebiet neue Störungen bringen.
©eitrige Tagestemperaturen: Maximum 2,2 Grad Celsius, Minimum minus 2,1 Grad Celsius. Heurige Morgentemperatur: minus 1,5 Grab Celsius.
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Sic Weihnacht letzten Tagen teilung über fahrkarten an daß lediglich len trom 2l Eonntaa den tigkelt haben gen Fcchrlar " Wii bahnzug. befonderm Wintersports großen unb aber einige ien, bamit b amehnWeik teerten bürfer uftp. In die P in die erste un fonm-üge. Ei Eilzügm m ' täte mitgeroi ton Schnee j gun gen bet
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** Der gestrige silberne Sonntag brachte bei günstigerem Wetter als am Sonntag vorher unseren Geschäftsstraßen regen Verkehr. Nicht nur die hiesige Einwohnerschaft bewegte sich in recht ansehnlicher Menge durch die Straßen, schauend, prüfend unb auch fnufenb, fonbern auch von auswärts war ber Zustrom ber Interessenten etwas stärker als am Sonntag zuvor. In den Geschäften mar ber Betrieb im allgemeinen reger als um kupfernen Sonntag; in manchen Heben kam zeitweilig sogar so etwas wie Großbetrieb in Gang- Immerhin wird man diese Erscheinungen in ihrer Bedeutung nicht überschätzen dürfen, im allgemeinen wird es wohl so sein, daß das Weihnachtsgeschäft bis jetzt noch erheblich hinter den Erwartungen der 6jcschäftswelt zurückbleibt. Hoffentlich bringen diese Woche unb ber nächste Sonnlag hierin eine Wendung zum Besseren. — Das gestrige Vorkehrsbrid in unserer Stadt erhielt eine "besonders bemerkens» werte, auffällige Note durch das erstmalige Erscheinen der großen Wiesecker Autoomni» buffe. Diese Wagen, die nach jeder Richtung bin einen ausgezeichneten Eindruck machen, begegneten . bei ber häufigen Durchfuhrt durch unsere Strotzen y allenthalben größtem Interesse. Sie fanben i'.i.'d) i eine sehr lebhafte Inanspruchnahme seitens der
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