Ausgabe 
14.9.1925
 
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Aus Natur und Technik.

Die Iugspitzbahn.

Don M a f Fischer.

mf.tnefl der gewaltigsten Ingen ieurwerkc öfter Zeiten geht seiner Vollendung entgegen Die Dahn auf die Zugspitze. Lange schon bat man daran gedacht, diesen höchsten deutschen Berggipfel 2964 Meter Über dem Meere auch denen zugänglich zu machen, denen daS Ersteigen unmöglich ist, um auch ihnen die Scrr- richketten der Bergwelt zu erschlichen. Wohl wird eS immer Leute geben, die in solchen Dahnen eine Verunstaltung der Ratur erblicken - aber mit diesem Einwand läht sich säst jeder technische Fortschritt bekämpfen. Und ergeben nicht gerade die sich durch Gebirgstäler schlängelnden ®ifcn- l ahnen. kühn geschwungene Drücken und andere Menschen werte oft gerade einen eigenen -Retz?

Auch auf die Zugspitze hat man zuerst eine Standbahn, eine Dahn auf Schienen geplant, eine Zahnradbahn natürlich, wie sie etwa auf bcn Rigi klimmt. Schon vor dem Kriege wären jedoch die Kosten dafür kaum aufzubringen ge­wesen, nun aber gehört der Dau einer solchen Dahn zu den Unmöglichkeiten. Man ist deshalb dabei, einen Plan der Firma Dleichert und Eo. in Leipzig auszuführen, nämlich den einer Seil­bahn. wie wir sie ja von den Bergwerken und Fabriken her kennen, bei der die Wagen nicht auf Schienen fahren, sondern auf Seilen, an denen sie hängen, und auch von Seilen gezogen werden. Dine solche Dahn sährt gewissermaßen durch die Luft und ist von den Geländeschwiertg- keilen fast unabhängig.

Und doch ist der Dau der Zugspiybabn eine gewaltige Leistung der Technikl Dom. Talbahnhof ObermooS. der 1224 Meter Über dem Meere liegt, hat die Dahn biS zu dem auf 2805 Meter ftöbc liegenden Dergbahnbof eine Höhe von 1581 Meter zu Überwinden und eine wagerechte Gnt- {ernung von 2975 Meter zurückzulegen. Die Ge- amtlänge der Dahn beträgt 3380 Meter. Die die beiden Wagen tragenden Drahtseile werden ebenso wie die Zug- und Hilssseile von nur 6 Stützen getragen, von denen die unterste 126 Meter vom Talbahnhos wagerecht entfernt ist. während die oberste dicht beim Dergbahnbof steht: nur 26 Meter Abstand hat sie von ihm. Die beiden mittleren Stützen stehen ebenfalls nahe beieinander, nämlich in einer Entfernung von 128 Meter. Die größten Spannweiten zei­gen das zweite Feld von oben mit 916 Meter und daS zweite von unten mit 1006 Meter wage- rechter Entfernung der Stützen.

Jedes der beiden 4,8 Zentimeter starken, durch schwere Gewichte gespannten Tragseile ist auS einem einzigen Stück gefertigt und wiegt 35 OOO Kilogramm. Diese Angaben lassen erken­nen. was es heiht, die Seile Über das unwegsame Gelände bis zum Bergbahnhof hinauszuziehenI Das Zugseil, daS die beiden Wagen (Kabinen) über eine Rolle auf dem Dergbahnhof verbin­det. ist ebenfalls auS einem Stück gefertigt und 2,8 Zentimeter stark. Da der Antrieb vom Tal- bahnhof auS erfolgen muh. sind die beiden Wa­gen noch durch ein 2,5 Zentimeter starkes Unter­feil verbunden, daS Übrigens schon zum Gewichts- ausgleich zweckmäßig ist. Zur Sicherheit ist noch ein 1,9 Zentimeter starke- HilfSzugfeil angeord­net, das aber für gewöhnlich stillsteht, da eS nur bei dem aller Voraussicht nach ganz ausge­schlossenen Versagen deS Zugseils in Tätigkeit treten soll.

Die beiden, einschließlich des Führers je 20 Fahrgäste fallenden, bequem ausgestatteten Wagen laufen auf dem Tragseil mit je 8 Rollen, an deren Rahmen sie pendelnd aufgehängt sind, so dah sie stetS senkrecht hängen. Fenster rings herum gewähren freien Ausblick über die wild zerllüftete Vergwelt. über die der vollbesetzte Wagen biS zu 120 Meter hoch hinwegschwebt. Der Detrieb vollzieht sich wie bei einer auf Schie­nen laufenden Drahtseilbergbahn: Wenn der eine Wagen bergauf fährt, fährt der andere bergab: in der Mitte begegnen sie sich: die Gewichte gleichen sich allo aus, wenn beide Wagen gleich stark besetzt sind. Infolgedessen genügen hundert Dferdekrästc. die ein Gleichstrommotor liefert, zur Bewegung der Wagen. Dieser Gleichstrommotor erhält seinen Strom von einem Gleichstromer- zeuger, der von einem mit 220 Volk Drehstrom gespeisten Motor getrieben wird: diese 220 Volt Drehstrom kommen über einen Spannungswandler

Haut und Gesundheit.

r Don SanitätSrat Dr.Bergmann, Berlin.

Unsere Haut ist in erster Reihe dazu be­stimmt, unserem Organismus als Hülle zu dienen. Sie bildet die Oberfläche unseres Leibes, die sich, soweit sie nicht von der Kleidung bedeckt ist, den Blicken der Umwelt unmittelbar darbtetet. und es ist daher verständlich, dah die Haut in der K o s - m e t i k oder der Lehre vom schönheillichen Aus­sehen der menschlichen Persönlichkeit und in der Schönheitspflege eine allbeherrschende Rolle spielt.

lieber dieser letzteren wird aber nur allzu oft vergessen, dah rmsere &aut_ unS keineswegs allein dazu gegeben ist, einem ästhetischen Zweck zu dienen und durch ihre Glätte sowie durch ihre Farbenfrische unserem Aeuheren einen gefälligen Eindruck zu sichern, sondern sie hat weit darüber hinaus auch lebenswichtige Funktionen zu erfül­len. die für unsere Gesundheit die sicherste Stütze hüben und ohne welche selbst die jugendfrische­sten Wangen, ,die wie Milch unb Purpur pran­gen", gar bald erblassen und verblühen mühten.

Die Aufgabe der Haut im Haushalt unseres Organismus ist eine vierfache. Einmal näm­lich verrichtet sie mittels der in ihr eingebetteten Dlutgefähe. die sich bei Kälte zusammenziehen, hingegen bei heihcr Auhenluft erweitern, die so ungemein notwendige Wärmeregulierung, welcher allein wir eS zu verdanken haben, daß unser Körper, mag um unS glutvolle Hitze oder bitterste Källe herrschen, in seinem Innern und im Dlute stets den ihm allein zuträglichen Tem­peraturgrad von etwa 37 Grad Telsius behält.

Wie sehr unser Leben und unsere Gesundheit von dieser wärmeregulierenden Tätigkeit der Haut abhängt, ist durch zahlreiche Tierversuche auher allen Zweifel gesetzt worden. Es wurden nämlich Pferde. Hunde und Schweine an ihrer Körpervberf lache mit undurchdringlichem Lack überzogen, und dieses Ueberfirnillen ihrer Haut hatte zur unmittelbaren Folge, dah sie erkrankten, abmagerten, und nach wenigen Tagen eingingen. Qtt8 Ursache ihreS Endes lieh sich - feststellen,

mit 8500 Volt aus dem Elektrizitätswerk Rcutte (Reutte). Wenn der Fernstrvm kurze Zeit aus­bleibt. so kann der Gleichstrom-Antriebsmowr auS einer Sammler datierte gespeist werten, die in den DetriebSpausen geladen wird: sollte der Fernstrvm längere Zell auSbleiben. so kann der Gleichstromerzeuger statt von feinem Drehstrom­motor von einem hundertpferdigen Oelmotor an- getrieben werden. Es ist also für alle Fälle vorgesorgt. Wenn eS vorkommt, dah der zu Tat gehende Wagen voll besetzt, der aufwärts gehende aber teer ist, so zieht der abwärtS ge­hende Wagen den aufwärts gehenden in die Höhe, ja eS werden sogar bis zu fünfzig Pferde­kräften frei. Damit man diese nicht durch Brem­sung vernichten muh, ist die Einrichtung so ge­troffen. dah man mit ihnen Elektrizität erzeugt, die enttoefcer als Gleichstrom m die Sammler geladen oder als Drehstrvm in das FernleitungS- neh zurückg^iefert werden kann.

Für das HüfSzugseil ist ein besonderer An- trieb vorhanden, der aber auch zum Bewegen des eigentlichen Zugseils benutzt werden, allo ein­greifen kann, wenn der eigenlliche Zugmotor ge­stört fein sollte. Auch sonst sind alle erdenklichen Sicherheitsmaßnahmen getroffen: Sollte je daS Zugseil reihen. waS aber nach menschlicher Vor­aussicht ausgeschlollen ist, so klemmt sich der Wa­gen am Tragseil fest. Die beiden Wagenführer stehen über die Selle mit den Bahnhöfen und unter sich m Fernsprechverbindung und können die Wagen durch Drücken eines Druckknopfes, durch ba8 sie den Antrieb stillfetzen, jederzeit sofort anhalten. Auch der Maschinist kann durch Drücken eineS KnopseS sofort jede Bewegung zum Aufhören bringen. Drei Bremsen stehen ihm zur Verfügung. Sollte er nicht aufpassen oder sich nicht an seinem Platz befinden, so bleiben die Wagen vor der Einfahrt in die Bahnhöfe stehen. Sonst macht ihn ein Klingelzeichen auf die An­näherung der Wagen aufmerFfam, und ein Schütz zwingt ihn, die Fahrgeschwindigkeit herabzusehen. Ausschalter am Ende der Fahrbahnen verhin­dern auch dann noch das Auffahren der Wagen, falls sie der Maschinist zu spät oder gar nicht anhalten sollte.

Mit 3.5 Meter Fahrgeschwindigkeit ina der Sekunde werden bald die ersten Fahrgäste auf die ZuSspihe hinaufschweben, so dah sie die ganze Strecke in 16 Minuten zurücklegen werden. Herr­liche Ausblicke werden sich ihnen eröffnen, ohne das) sie die Gefahren eines Fluges über die Ge- birgswelt zu wagen brauchen: 3n der Zugspitzen­bahn werden sie so sicher sein wie in Abrahams Schob. Dafür bürgt der Ruf der die Dahn er­bauenden Firma. Die Worte, die sie an den Schluß ihrer Beschreibung gesetzt hat, sind keine leere Reklame, sondern wie jedem Techniken bekannt ist der Ausdruck eines berechtigten Stolzes auf tatsächliche Leistungen: sie lauten:

Mit der Zugspitzbahn ist zweifellos eine Verkehrsanlage im Werden, die sich den in allen Landern der Erde zu Weltruf gelangten Dtei- chertschen Drahtseilbahnen würdig anreiht. Re­ben den vielen Hunderten von Fördermitteln, die Amerikas Erze. Afrikas Holz. Asiens Kohle und Australiens Goldschätze erschließen halfen, zu den vielen Tausenden von Anlagen, die jähr­lich Millionen Tonnen von Europas Boden­schätzen menschlicher Bewirtschaftung zugänglich machen, tritt nunmehr auch in größtem Matz stabe die Entwicklung der Drahtseiwahnen als Per- sonen-Schwebebahnen. Auch auf diesem Sonder­gebiet ist es der Firma Bleichert als zwingende Folge fünfzigjähriger rastloser Arbeit und Er­fahrung gelungen, der Technik neue Dege zu weisen."

Zwischen den Jupiterlampen.

Irgendwo vor der Stadt liegt das Atelier der R-R-Filmgesellschaft. Reges Leben herrscht in den weiten Räumen. 3m Maschinenraum knattert die Lichtmaschine mit ohrenbetäubendem Lärm. Kabel laufen durch das Haus und ver­zweigen sich zehn- und zwanzigfach, um die vielen großen und Reinen 3upiterlampen mit Strom zu versorgen.

Der Dekorateur läuft aufgeregt durch den Saal. Schreit einen Hamen. Der Rus wird auf­genommen. weitergegeben, bis der Gesuchte er­scheint. Tische werden aneinandergerückt, mit mili­

tärischem Blick gerichtet. Dann fliegt ein Tisch­tuch darüber. Zwanzig Hände stellen daS Ge­schirr auf die Tafel. Andere reichen zu. Eine Kiste voll Gläser ist im Augenblick verteilt.

Eine Stimme schreit: Blumen.

Schon eilen flinke Füße mit Korben voll bun­ten Zweigen und Blüten herein. 3m Augenblick wird der Tisch zum Garten . 3n wenig Minuten ist alles bereit.

Drüben im Rebenzimmer arbeitet der Friseur. ES riecht nach Puder. Theaterluft. Die Augen­brauen werden stark rot nachgezogcn, das Haar gepudert, meist auch das Gesicht. 3e nach der Rolle. Toiletten rauschen umeinander. Schmei­chelnder Zederkopfschmuck tanzt verlührerisch um die Schläfen schöner Frauen. Rackte Arme. Dekol- lett6. Die Herren im Frack.

Der Operateur Im weihen Mantel steht am Aufnahmeapparat. Stellt Entfernungen ein, wie eS der Amateurphotograph auch meist nicht tut! Vr behütet mit furchtbarer Eifersucht feinen 2ll?parat und durchbohrt jeden mit todbringendem Blick, der eS wagen wollte, in die Rahe feines gläsernen AugeS zu kommen.

Zwischen den Gruppen steht, läuft, spricht, scherzt, schimpft, instruiert, fragt, tobt, besänftigt der Regisseur Vr ist die Seele des Ganzen. Er gibt den künstlerischen 3mpuls, er lenkt die Gruppen, er dirigiert die Bewegungen, er kom­mandiert die Solisten, er gibt daS Stichwort, er schreit in das Tacken des Aufnahmeapparates hinein und übertönt das halblaute Gemurmel der spielenden Menge. Er hat jeden einzelnen in der Hand. Vr reimt sie alle. Er ist daS Uhr­werk deS gespielten StückeS.

3etzt sind die technischen Vorbereitungen been­det. Eine Stimme wie des Engels am jüngsten Tage brüllt:

Licht!!!----

Aufflammt der Saal Gin Knistern und Rauschen und Zischen. Hinter den Reflektoren zittert die heiße Lust. Alle Augen sind einen Augenblick lang geblendet. Puder und Schminke glänzen bläulichrvt auf. Die Farben schillern.

Der Regisseur hebt groß die Hände. Dann kommt sein Kommanda: Los!

Das Spiel beginnt. 3rgenbeinc Szene auS dem Film: Ort: Dorraum zum Speisesaal. Einige Gesten, halblaut gemurmelte Worte, eine Vor­stellung. Man schreitet Arm in Arm zur Tafel. Roch einmal zurück! Und nun läuft das Film­band hinter der Linse im leisen Ticken des Unter­brechers, die Aufnahme ist gemacht.

Rasch folgt noch eine zweite, kürzer in der Entfernung, großformatig im Ausmaß. Dann ist alles zu Ende. Die Vorarbeiten von Tagen, an denen hundert Hände tätig waren, haben ihre Ausgabe in wenig Sekunden erfüllt 3n einigen Tagen steht ein neues Bild, und die Aufnahme läuft weiter.

Es ist eine langwierige, dornige, oft schier unüberwindbar scheinende Arbeit, solch einen Film entstehen zu lassen. Die einzelnen zusammen- ?;eflebten Streifen, die, auf ein neues Band opiert, im Kino laufen, lassen in ihrer selbst­verständlichen glatten Folge nicht im entferntesten ahnen, welch tage- und wochenlange sauere Arbeit dahinter tätig war.

Und doch ist es schon, für den Film zu ar­beiten. Der Schauspieler auf der Bühne schafft immer nur einmal Vergänglichstes Hier wird Vergängliches erhalten und kann jederzeit auf unseren Befehl Wiedererstehen zu neuem Leben. Doch vergessen wir. wenn wir im Kino uns an dem herrlichen Film freuen, niemals, daß der unsichtbare Held des Stückes, und vor allen an­deren der erste, stets nur der Regisseur ist. Sein ist die Arbeit, fein die Mühe: fein sei auch der Erfolg, sein sei unser Lob. eS.

Dom Leuchtgas.

Das Leuchtgas ist mindestens feit dem großen englischen Chemiker Boyle bekannt, der am Ende des 17. Jahrhunderts lebte und diebrennbare Lust" durch Vergasung von Kohlen herstellte. Aber damas erkannte man die Tragweite dieser Er­findung noch nicht. Erst im Jahre 1786 wurde das merkwürdigerweife aus Knochen hergeftellle Leuchtgas zum erstenmal zur Beleuchtung verwen­det. und zwar in der Universität Würzburg. Die

dah unter dem Lacküberzuge sich die Blutgefäße ihrer Haut aufS äußerste erweitert hatten, schließ­lich gelähmt wurden und daher nicht mehr im Stande waren, die fortschreitende Abkühlung des Blutes im Korperinnern zu verhüten.

Eine weitere Obliegenheit der Haut besteht darin, äußere Krankheitskeime vom Eintritt in das 3nnerc unseres Organismus abzuhalten. Die Krankheitserreger vermögen uns bekanntlich von verschiedenen Eingangspforten her, besonders von der Mund- und Rasenhöhle aus, zu überfallen. Don der Haut aus jedoch vermögen sie in unser 3nnereS nicht einzudringen, so lange sie gänzlich unversehrt ist. Erst wenn sie an irgend einer Stelle, wenn auch in noch so geringem Umfange, verletzt ist, erst dann ge­lingt es den Erregern von Entzündung und Ei­terung, von Masern. Scharlach. Rose, Hundswut, Starrkrampf und anderen Krankheiten durch die in unserem Hautharnisch entstandene, wenn auch noch so Reine, ja oft kaum sichtbare Lücke bin- durchzuschlüpsen und die ihnen entsprechende Ent- zündungssorm hervorzurufen.

Das dritte Amt der Haut ist von einer Art. die von Laien schwerlich vermutet wird. Sie hat nämlich auch die Aufgabe, die ßungentätig- teit zu ergänzen und als Atmungsorgan zu dienen. Freilich verrichtet sie daS At- mungSgeschLll. ohne sich wie die Brust, in rhyth- mischem Wechsel zu heben und zu fünfen, sondern sie verbleibt vielmehr in anhaltender Ruhe, und dennoch atmet sie unablässig in ganz gleichem Sinne wie die Lungen: denn ganz ebenso wie diese nimmt sie aus der atmosphärischen Lust Sauerstoff in sich auf. um ihn dem Blute zuzu- führen und gleicher Matzen wird von ihr Kohlen­säure an die uns umgebende Lust abgeführt. Aber nicht bloh für die Luft, sondern auch für das Licht ist die Haut durchgängig, und sie ist daher nicht bloh im Stande, das Blut sauerstoff­reicher au machen, sondern sie vermag ihm auch die im Licht enthaltenen feinstofflichen Substanzen von chemischer Art zuzuleiten, und auf dieser letzteren Eigenschaft beruhen die oll so erstaun­lichen Heilwirkungen, welche die moderne Medizin nicht bkotz bei Hautleiden sondern auch bei dielen

inneren Krankheiten durch die planmäßige An­wendung von natürlichem Sonnenlicht oder mit­tels künstlicher Strahlen, besonders durch daS ultraviolette Licht der Höhensonne, zu erzielen vermag.

Endlich gehört es noch zu den Obliegenheiten der Haut, unser Blut von allen sich in ihm an- sammelnden schädlichen Stoffwechselresten und Ge­websschlacken zu befreien. Diese beständige Ent­giftung des Blutes vollzieht sich vorzugs­weise durch die Schweißdrüsen der Haut, welche nicht etwa bloh in den Augenblicken deS Schwit­zens in Aktion treten, sondern welche vielmehr durch unablässige Ausscheidungstätigkeit an der Reinigung unserer gesamten Säftemasse arbeiten.

Dem Unkundigen konnte es scheinen, als befinde sich die Haut im Gegensatz zu den unter ihr liegenden Gebilden, besonders zu den alle­zeit rasch beweglichen Muskeln und Rerven, in unveränderlichem Ruhezustände. Unsere kurze 'Betrachtung ihrer vierfachen Ausgabe im Orga­nismus hat uns jedoch gezeigt, daß sie nicht bloß die Schuhdecke unseres Körpers bildet, sondern dah sie auch ohne Unterlaß zu seinem Wohle arbeitet

Diese ihre Tätigkeit aber, die für unsere Gesundheit von so hoher Bedeutung ist. kann sich nur dann störungslos abwickeln, wenn der Haut eine rationelle Pflege zuteil wird, dazu gehört vor allem, daß ihr Lust und Licht nicht vorenthalten wird. Wir Menschen sind Geschöpfe, deren eigentliches Lebenselement die sauerstoff­reiche und lichtdurchflutete Luft ist. Ihr dürfen wir den Zugang zu unterer Haut ebenso wenig wie zu unseren Lungen verwehren, und darum darf unsere Kleidung, soweit sie unS nicht etwa zum Schuhe gegen Rässe zu dienen hat. nicht auS Leder, Gummi und anderen luftdichten Stoffen bestehen, sondern sie muh aus Wolle, Baumwolle, aus Leinen, 3ute. Hans oder Seide, kurz aus solchen Gewerbsarten hergestellt fein, die porös sind und die daher durch die Zwischen­räume ihrer Fasern einen ungehemmten Luft­wechsel gestalten

Aber damit nicht genug, können wir unserer Haut keine größere Wohltat erweisen. alS da-

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erste Stabt in Amerika, die Gasbeleuchtung halle, war Lincoln im Jahre 1801. Das Gas wurde aus Lignit, einer Braunkohlenabart, erzeugt. Die erste Ctraßenbeleuchtuna mit Leuchtgas in Deutschland wurde im Jahre 1811 von Lampadius in Freiberg in Sachsen eingerichtet. Nach im Jahre 1819 bc kämpfte dieKölnische Zeitung" mit sieben gcroidi tigen Gründen die Einführung des Gaslichts. Im Maikäferjadr 1847 wurden vielfach Maikäfer zu Gas veraroeitet.

Der anfangs langsamen Entwicklung folgte in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts der allgemeine Siegeslauf des Gases für die Beleuch­tung der größeren Städte, für große öffentliche Ge­bäude wie Theater, Konzertfäle und der gleichen und für die Wohnungen selbst. Im Jahre 1859 wurden in Deutschland rund 441 Millionen Kubikmeter Gas verbraucht, im Jahre 19CiD rund li Milliarde. Don da an macht sich der Wettbeweri' der Eelektrizität schon sehr geltend, dafür beginnt dann aber der Gasverbrauch zu Kochzwecken zu­zunehmen, bis auch hier die elektrifche Küche das Gas einstmals verdrängen wird.

Diele Jahrzehnte lang war der einfache Schlitz brennet die einzige Art der Gasverwertung zu Leuchtzwecken. Die älteren tiefer tnefer Zeilen werden sich noch alle an die offenen, flachen, fifch- fchlvanzähnlichen Flammen erinnern, die man so­wohl in den Straßenlaternen wie im Theater und in den Kontoren der Geschäftshäuser sah. Dann kam als Derbesserung der Argandbrenner, ein Rund- brennet mit Glaszylinder, der zwar mehr Helligkeit gab, aber dem glücklichen Besitzer diese Freude durch allzuhäufiges Springen der' Glaszylinder wesentlich beeinträchtigte. Diese beiden Arten der Gasbrenner hatten den großen Nachteil erhebliche' Wärmeentwicklung. Wer sich als junger Mann mit viel Liebe zur Kunst und schmalem Wechsel die Et zeugnisie unserer großen Dichter und Musiker voin Olymp" aus anzusehen pflegte, weiß noch gut, daß ein Shakespeare-Drama gut unb gern ein Dampf bad ersetzte. Der Grund liegt in folgendem: Die schweren Kohlenwasserstoffe des Gases zerfallen bei hoher Erwärmuna und scheiden Kohlenstoff (Nuß) aus; dieser verglüht daher auch das Leuchten

Für 100 Kerzenstärken brauchte der Schlitz­brenner 11 bis 2 Kubikmeter, ein Argandbrenner 0,8 bis 1 Kubikmeter Gas in der Stunde. Nimmt man dazu die Feuergefährlichkeit der offenen Flamme, die nicht zu vermeidende Rußbildung bei unvollkommener Derbrennung und die meist un­erwünschte Hitze, so war diese Art der Beleuchtung weder gut noch billig. Die Elektrizität schien im ersten Ansturm auf der ganzen Linie siegen zu sollen, da brachte Auer von Welsbach 1902 einen großen Umschwung. Er hatte entdeckt, daß die Oxyd der Edelmetalle Thorium und Cer beim Er­hitzen sehr hell leuchten. Er verwandte nun das Gas nur noch dazu, einen mit diesen Stoffen ge­tränkten Strumpf durch die Verbrennung des Gases zu erhitzen und so zum Glühen, also zum Leuchten zu bringen, unb wir sehen unser Glühlicht, wie es sich allen Anstürmen ber Elektrizität zum Trotz bis heute erhalten hat. Für 100 Kerzen Lichtstärke braucht stehenbes Licht nur noch 0,17 Kubikmeter, hängenbes sogar nur 0,09 Kubikmeter Gas in ber Stunde. Nehmen wir einen Gaspreis von 18 Pf. für einen Kubikmeter Gas und einen Strompreis von 36 Pf. für die Kilowattstunde an, Jo kosten alfo 100 Kerzen stündlich im stehenden Auerlicht 0,17 mal 18 3,06 Pfennig, tm hängenden 0,09 mal 18 1,62 Pfennig, in der Metallfadenglühlampe 3,6 Pf. unb in ber gasgefüUten elektrischen Glüh lampe etwa 1,8 Pf. Man sieht, baß auch die Tage bes Gasglühlichtes gezählt sinb; nur die Kasten ber Verlegung von Kabeln unb Leitungen verhindern ein zu schnelles Verdrängen des Gaslichtes. So hat in etwa 125 Jahren das Gas als Leuchtstoff feine Rolle begonnen unb ausgespielt, währenb seine Der- brängung für Koch- unb Heizzwecke burch bie Elek­trizität soeben erst beginnt.

durch, daß wir sie zeitweise bei gänzlich entklei­detem Körper von frischer Luft umspielen lassen. Dieses Cuftbab Fann im Zimmer oder im Freien genommen werden unb soll anfänglich nur einige Minuten dauern, um schließlich nach erlangter Abhäriuna, besonders in der warmen Jahreszeit auf eine halbe Stunde und darüber ausgedehnt zu werben.

Einen so tiefen und wohltuenden Einfluß die Luft auf unser Hautgewebe ausübt. so ist doch das wichtigste und ganz unentbehrliche Wit­tel zu seiner Pflege daS Wasser. Ohne häufig« Bäder oder zum mindesten ohne tägliche Waschungen kann die Haut ihre Lebensfrische auf die Dauer nicht bewahren. Mikroskopisch betrach­tet besteht nämlich chre äußerste Oberfläche aus einer Lage von Zellen, die von kurzlebiger Art sind, sich von der Haut von selbst ablösen und durch ein auS der tieferen Schicht des Hautge­webes rrachrückende Zelkenkage immer wieder er­seht werben.

Diese oberflächlichen Hautzellen sinb dazu bestimmt, die aus dem Mrperinnern mittels der Hautdrüsen abgeschiedenen Stoffe in sich aufzu­nehmen und erfüllen sich außerdem mit den zahlreichen auS der Außenwelt stammenden ver­unreinigten Substanzen aller Art. Durch die regetmähige Abstoßung und Erneuerung dieser oberflächlichen Zellenschicht vollbringt die Haut eine Art von ©efbftretniaung. Aber dieser natür­liche Vorgang muß durch Waschungen, am besten mit Seifen wasser, welches die Zellen erweicht und zum Aufquellen bringt, ergänzt und be­schleunigt werden, weil sich sonst die Poren der Haut verstopfen und. abgesehen von ihren übrigen Funktionen, gairz besonders ihre AusscheidungS< tätigfeit beeinträchtigt wird. Kein Wunder daher, wenn sie bei mangelnder Reinlichkeit nicht bloß verschmutzt, sondern wenn schädliche Auswurfstoffe im Körper zurückbleiben und teils auf der Hau! decke Pickel, Wimmerln. Flechten und andere unschön wirkenden Erscheinungen Hervorruf:n oder sogar Entzündungen von inneren Organen zur Folge haben.