Nr. 215 Erster Blatt <d
<75. Jahrgang
Montag, h. September 1925
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
vnick und Verlag: vrükl'sche Univerfitälr-Vuch- und Stcinörudcrei R. Lange in Liehen. 8chriftleitung und Geschäftsstelle: Zchnlstrahe 7.
Der Reichspräsident in Mecklenburg
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Der Aufschwung des Faschismus.
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Reichspräfikent von den Mitgliedern der gierung und den übrigen Anwesenden und mit dem Ministerpräsidenten Freiherrn Brandenstein, den Staatsministern und
wüsteten Heimatstätten durchquert hatten, ein Dergeltungsakt unsere Fahnen weiht.
schen Vertreters Rielsen, der sich um das deutsche Kinderwotfl besondere Verdienste erworben hatte, auf genommen. Der Parieivor- sihende Wels dankte den Rednern und forderte die Anwesenden auf, alle Kräfte gu sammeln, um den Kamps zur allgemeinen Verbrüderung siegreich durchzuführen.
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Herren seiner Begleitung zum Bahnhof, auch jetzt von den begeisterten Zurufen der Volkse menge begrüßt. Um 5.33 Uhr trat er die Rück- fahrt nach Berlin an.
Annahme von Anzeigen sürdielagernummertus zum Nachmittag vorher ohnejedeDerdindlichbeit.
Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite ortlichS, auswärts 10 Goldpsenrng; für Re- Klame-Anzeigen v 70mm Breite 35 Goldpfennig, Plahvorschrist20 .Ausschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: l)r Friedr Witt) Langes für den übrigen Teil: Ernst Blumschein Würden ?lnzeigenteil:.^ansBech, sämtlich in Gießen
beit liegt vor uns. Sie ist nur zu bewältigen, wenn uns alle über Meinungsverschiedenheiten hinweg das Gefühl der Zusammengehörigkeit und das gegenseitige Vertrauen beseelt. Ich hoffe, daß mein heutiger Besuch mit feinen mehrfa en Gelegenheiten der Aussprache mit den führenden Persönlichkeiten Ihres Landes dazu beiträgt, dieses Vertrauen zu vertiefen urtd den Willen zur treuen Mitarbeit für unser Vaterland zu stärken. In dieser Hoffnung grüße ich Sie, Herr Ministerpräsident, und Sie, meine Damen und Herren, herzlich!"
Hieran schloß sich ein zwangloses Beisammensein. Kurz nach 5 Uhr verabschiedete sich der
schäften die von den Kämpfen noch rauchenden Grenzen überschritten, nachdem sie ihre
Sleigen der (krwerLsloseriz ffer
Berlin, 12. Sept (TU.) 3n t-er Zeil vom 16. bis 31. August ist die Zahl der Hauptunter- stützungsempfärger in drr Erwerbslosenfürsorge von 210 000 au* 231 000, d. h. um rund 10«,o gestiegen. D e Zahl der männlichen Hauptunter- stühungsempfänger hat sich von 188 000 auf 209000 erhöht, die drr weiblichen hat sich kaum geändert.
Die Ministerkonferenz.
Lor Ucberreichung der Einladuuqs- note.
Aeichsaußenminister Dr. Stresemann hat seinen Urlaub beendet und die Leitung deS Auswärtigen Amtes wieder übernommen. Die ®in- ladungsnote dagegen ist bisher noch nicht in Berlin eingetroffen, nach allem, was aber au» Gens bekannt geworden ist, wird lie etwa am DienStag dem Reichsaußenminister überreicht werden. Erst dann wird es möglich sein, das Berhandlungstempo zu beschleunigen. Ansang der kommenden Woche wird auch der bereits angekündigte große Kabinettsrat unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten ftattfinben. Jene Meldungen können aber schon heute glatt dementiert werden, die von einer Zusammenkunft Stresemanns und DriandS zu einer Aussprache unter vier Augen zu berichten wissen, zumal der Reichs- lutzenminister in den letzten Wochen immer wieder betont hat, daß es für Deutschland wün- 'chenswert sei, wenn nicht er allein, sondern auch der Kanzler und namentlich der Innenminister Schiele an etwaigen Konferenzen mit der Gegenseite teilnehmen würden. An und für sich ist auch gar nicht zu erkennen, welchen Zweck eine persönliche Aussprache der beiden Außenminister haben sollte. Wie die Dinge sich in Gens weiter entwickelt haben, läßt sich leider Dorläufig nur aus der ausländischen Presse er- 'eben, die aber auch in der Hauptsache nur auf Mutmaßungen angewiesen ist. Soviel dürfte feft- lehen, daß Briand feine alten Ostpakt - Pläne wieder hervorgeholt und die Untertübung der Oststaaten gesunden hat. Chamberlain dagegen soll sich nach den aus London lommenben, anscheinend aus guten Informationen beruhenden Rachrichten aufs neue gegen die Erweiterung des Sicherheitspattes aus- aesprochen haben. Daß in Genf ein heftiges Ringen stattgefunden hat, geht unzweifelhaft aus ber fortgesetzten Hinauszögerung der Einladung hervor. Wer Steger geblieben ist. wird die deutsche Regierung binnen kurzem erfahren.
Erscheint täglich, äuget Sonnj und Feiertag». Beilagen: GtetzenetFamilienblitter Heimat im Bild.
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Rom. 12.। Sept. (Agenzi^ Stefant.) läßlich des Jahrestages der Ermordung ___
faschistischen Abgeordneten Gasalini richtete der Generalsekretär der Faschistischen Partei. Fari-
en RffiCk.
Parteitag der wirtschaftrpattei.
Köln. 14. Sept. (TU.) Die Wirtschaftspartei I ves deutschen Mittelstandes hieU in den Tagen | Dom 12. bis 14. September in Köln ihren Parteitag ab. Anwesend waren Vertreter der Partei cud dem ganzen Reich. Weiter hatten der Baye- rnsche Bauern- und Mittelstandsbund, die Deutsch- bannvveraner und die Kolonialdeutschen Ber- -» tretet entsandt. Der Vorsitzende des Parteitages, » 2eichstagsabgeordneter Drewitz, referierte über Vie Stellung der Partei zu den politischen Tages- I ragen. Eie habe sich für eine bürgerliche Legierung entschieden, um den vorherrschen- | Öen Einfluß der Sozialdemokratie zu brechen. I Auch Marx habe man einen Korb gegeben, weil | er vor der Wahl in einem Aufruf vor dem I s tlbstsrichtigen Mittelstand g e to a r nt I tibe. Für Luther sei man auch nicht mit voller j Begeisterung eingetreten. Man werde ihn u n - tr rstützen, solange <r die Wünsche des Mittel- Landes nicht vernachlässigt. Dann sprach Reichs- ! i igsabgeordneter Professe r Dr. Dredt über * öie Stellung der Wirtschafts Partei zu den Fragen I btr Außenpolitik. Er wandte sich vor alten Dingen Segen den Sicherheit-Pakt und den intritt Deutschlands in den Völkerbund. Zum Schluß wurde ein Ergebenheits- t legramm an den Reichspräsidenten und cm den Reichskanzler ein Protesttelegramm Segen die Preissenkungspolitik der egicrung gesandt.
Zeit bergeben wollen, zu des Vaterlandes Wohle. Sie haben damit uns allen ein Beispiel gegeben, höchster Hingabe für den Staat, für das wir voll Dankbarkeit tiefstes Verständnis haben. Rur wenn dieses Beispiel bei jedem einzelnen unserer Volksgenossen Rach- a h m u n g sindet, dann kann es gelingen, das geliebte deutsche Vaterland aus der Tiefe der Erniedrigung in langsamer, mühevoller Friedensarbeit wiederemporzuführen, beffren Zeiten entgegen. Gelingt dies — und e s muß gelingen —, dann wird in der Geschichte einst der Harne Hindenburg hell leuchten, auch als der des großen Führers und Wegbereiters im Ringen um Deutschlands Wiederausbau.
Wir Mecklenburger sind stets treue Deutsche gewesen und wollen es weiter sein. Wir sind stolz auf unsere Landsleute Blücher und M o l t k e und deren Arbeit für Deutschland. Anfang des vorigen Jahrhunderts war es unser Heimatland, das als erstes den Rheinbund verließ: vor und nach Gründung des Deutschen Kaiserreichs hat niemand treuer und zielbewutzter an dessen Aufbau mitgearbeitet, als Mecklenburg-Schwerins Regierung. So soll es auch in Zukunft bei uns sein. Deutschland über alles bleibt unsere Parole.
Aber wie aus dem Bahernlande, so tönt Ihnen auch hier aus Mecklenburg der Wunsch entgegen, daß dem berechtigten Eigenleben der deutschen Volks st ämme stets diejenige Bedeutung und Wertung zuteil werden möge, die ihr zukommt, im Interesse vollster Auswertung der deutschen Volkslraft zum Wohle des Ganzen.
Mecklenburg ist ein Agrarland, auf Ge- Ideih und Verderb verknüpft mit dem Ergehen der Landwirtschaft und damit auch des Handels, Gewerbes und Handwerks in Stadt und Land. Daß die Landwirtschaft, nach einiger Zeit der Scheinblüte, jetzt schwer um ihre Existenz ringt, daß heute bange Sorge umgeyt in fast jedem Mecklenburger Dauern-. Pächter- und Gutsbesitzer-Hause. ist Ihnen bekannt. Herr Reichspräsident. Wir wissen aber auch. daß. wie Sie volles Verständnis für die Gesamtnotlage der deutschen Wirtschaft haben. Sie auch der Mecklenburger Landwirte und Gelverbetreibenden Rot nicht übersehen werden
Deutschlands Rettung kann nur kommen, wenn alle Deutsche erkennen, daß eine große Schicksalsgemeinschaft. in der einer des andern Lust mitträgt, sie einigen muß. daß nur das Zurückstellen aller Gegensätze auf wirtschaftspolitischem und parteipolitischem Gebiete, soweit es das Gesamtinteresse fordert, uns wieder zu einem starken, lebensfähigen Deutschland, wie wir es kannten, wird gelangen lassen. Sie. Herr Reichspräsident, sind uns auf diesem Wege der Führer. Wir Mecklenburger folgen Ihnen vertrauensvoll.
Der Reichspräsident
erwiderte mit folgenden Worten:
.Herr Ministerpräsident! Ich weiß, Herr Ministerpräsident, mit welcher Treue und Ausdauer die Mecklenburger stets am Reich unb am Gedanken der deutschen Einheit gehangen haben, und mit Genugtuung vornehme ich auS Ihrem Munde das Gelöbnis, diese Treue auch dem jetzigen Deutschland zu halten. Ich betrachte es als ein gutes Zeichen, daß. wie unlängst im Baycrnlande, auch nun im Rorden des Reiches
das Bekenntnis zur Einigkeit Schicksalszusammengehörigleit Deutschen und zur Mitarbeit für gemeinsames Vaterland erneuert wird.
Meine Damen und Herren, schwere
Lie die Morgenblätter aus Sylt melden, Ix'l Reichskanzler Dr. Luther sämtliche Xeichsminister zu einem Ministerrat auf Montag, den 2t. September nach Berlin cmgelaben, nachdem er am Sonntag in Gegen- trart des Staatssekretärs Dr. von Schubert ten Bericht des Ministerialdirektors Dr. Gaus über die Londoner Iuristenbesprechung entgegen- aenommen hatte. Dr. GauS ist vom Reichskanzler Im Einvernehmen mit dem ReichSaußen- tninifter Dr. Stresemann beauftragt worden, alt* Grundlage für die Entschließungen des Mi- niftercatS einen ausführlichen juristischen De - nicht auszuarbeiten.
Französische Erfolge in Marokko.
Einsetzen der Neqenperiode.
Paris, 14. Sept (MTB. Funkspruch.) Rach einer Meldung ist die Uergha-Grenzc s e st in der Hand der Jraniofen. Cinjelnc Unternehmungen werden in den kommenden Tagen die Gegend Mischen Taunak und lufrant vom Feinde säubern. Nachdem der erste Teil des Offcn- sivplanes durchgcführt ist, wird das Kommando nunmehr in den übrigen Frontabschnitten zu einer großen Offensive übergehen. Die ganze Gegend südlich von Dschebel-bu-Jblan (Taza-Iront) wird durch die Besetzung der Felvkuppe von Ilja von den französischen Truppen beherrscht. 3in übrigen sind die Truppen mit dem Ausbau der eroberten Stellungen beschästigt, die die stabylen vor ihrem Rückzug vollkommen zerstört haben. Zwei Kanonen, ein 8- und ein 7,5-Zenti- meter-Geschüh, wurden erbeutet. 3m arofjen und ganzen besteht der direkte (Erfolg der französischen Offensive darin, daß das diesseits der Ucrgba stark ausgebautc Verteidigungssystem des Feindes eingenommen worden ist. Von der spanischen Front wird gemeldet, daß die Rifkabylen am Samstag 60 Tote und z-hlreiche Massen zurlick- gelasscn haben. Zwei spanische Vanzerkreuzer unternahmen eine Teiliandung. Die stabylen eröffneten ein heftiges Feuer, t>09 erwidert wurde, wobei sie schwere Verluste erlitten. Die Operationen werden durch heftige Regenfälle, die seit heute morgen eingesetzt haben, wesentlich erschwert. Die Risleute bieten hartnäckig widerstand. Die linke Flanke der sranzösischen Linie ist etwa 160 Kilometer vom Ausgangspunkt uorgebrungen. Marschall vetain wird die größten Anstrengungen machen müssen, um die Offensive in den nächsten Tagen zu forcieren, da die Flüsse nach höchstens zwei bis drei Wochen, mit Beginn der eigentlichen Regenzeit unpassierbar werden und dadurch die Operationen bis zum nächsten Frühjahr verschoben werden mühten.
(Eine Rede Tirards.
Mainz, 13. Sept (Havas.) Auf dem hiesigen Friedhof fand die Einweihung des Denkmals zum Andenken an die im Rheinland verstorbenen französischen Soldatetr statt. Der französische Oberkommissar im Rheinland, Tirard. hielt die Weiherede, in der er u. a sagte: Es sei mir gestattet, daran zu erinnern, daß bei ‘Beginn der Besetzung die interalliierte Rhelnlandkommifsion einmütig dem Wunsche Ausdruck gegeben hat, daß die Desehung nur als ein Mittel angesehen werde, damit djeDolker sichbesser kennen lernen(l) und auf dem Wege der Arbeit, der Ordnung und des Friedens sich in Zukunft c ncr besseren Menschheit zu sichern. Cs ist meine Pflicht, zu betonen, daß die Rheinarmee und ihre bedeutenden Führer stets sich von diesem letzten Willen der Kämpfer habe leiten lassen. In keinem Augenblick, selbst damals nicht, als unsere Mann-
Sozialdemokratischer Parteitag
Heidelberg. 13. Sept. (WTD.) Rach ener Kranzniederlegung am Grabe Eberts trat beute abend die deutsche Sozialdemokratische Partei zur Eröffnung ihres diesjährigen Reichs- Parteitages hier zusammen. In seiner Erössnungs. tibc streifte der Parteiführer Wels die letzten politischen Ereignisse, besonders die Zollvor- l ige. die Millionen deutschen Arbeitern das Irrot verteuern werde. Außenpolitisch habe die Sozialdemokratie den größten Triumph er- lebt, der je einer Partei beschielten war. indem die sozialistische Außenpolitik von den sozia» ütenfeindlichen Parteien als die einzig mögliche ult größtem Eifer durchgeführt toetje. Das Halde Ichr^Reichsregierung gegen die 6?'Jalbemofratie 6<be gezeigt, wie sehr die Sparer. Äleinrenter. Lohnempfänger und Republikaner zuschaden fom- nm, trenn sie ihre Stimmen den Parteien geben, d«ren treibende Kraft nur der eigene Profit sei. tot Interesse aller bieder Sch'-'>n *r—‘? ';-
Partei mit größtem Eifer das Ziel verfolgen, auch im Reich die politische Macht wieder zu erringen.
Zur ^Tagesordnung wurde ein Antrag angenommen, wonach gegen die gegenwärtige deutsche Justiz in einer besonderen Entschließung Stellung genommen werden soll. Für die österreichische Sozialdemokratie erklärte Dr Renner, daß sich die österreichische Sozialdemokratie mit der deutschen eins fühle und daß sie die völlige staatliche und politische Einheit mit den deutschen ‘Brühern erstrebe. Dcr Vertreter der polnischen Sozialdemokratie betonte, daß es vor allem notwendig sei, den Haß zwischen Deutschland und Polen zu b: kämpfen. Weitere Ansprachen hielten il a. Vertreter aus Belgien, der ruffi- schon Menschewisten, der georgischen, tschechischen und ungarischen Sozialdemokratie. M^t großem Beifall wurde die Rede des bäni-
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nacci, ein Schreiben an Mussolini, in dem er darauf hinweist, daß der Faschismus niemals so stark war wie heute. Gegenwärtig bestehen 9000 Faschistenverbände mit 700 000 Mitgliedern, 590 Frauenverbände mit 25 000 Mitgliedern, 16 Legionen der Vorhut mit • 90 000 Mitgliedern und 13 andere Legionen mit 70 000 Mitgliedern. Es heißt in dem Brief weiter: Täglich stoßen neue Männer und Jugendliche zu uns und bitten, in unserem Heere mitlämpfen zu dürfen. Reben dielen politischen OtreUlräftcn verfügen wir über 317 nationale Gewerkschaften mit 1800 000 Mitgliedern, ferner über einen aufblühenden Verband von Seeleuten, über 6317 Gemeindeverwaltungen. 63 Provinzialoerwaltungen und über den mächtigen Verband der faschistischen Eisenbahner mit 80 000 Mitgliedern, dank dem einer der wichtigsten öffentlichen Dienstzweige bewunderungswürdig arbeitet. Der Faschismus verfügt über ein mächtiges Heer, um sein Ziel, nämlich die Schaffung eines faschistifchen Staates, zu verwirklichen.
Die preußische Finanzen.
Berlin, 12. Sept. ($11.) Im Hauptaus- schuh des preußischen Landtages teilte bei der Beratung des Etats des Finanzministeriums Finanzminister Dr. Höpker-Aschoss mit, er habe wegen Gewährung einer einmaligen Beihilfe von 100 Mark an die Beamten mit dem Reiche verhandelt, dort aber eine glatte Ab- lehnung erfahren. Rach den neuesten Berech- mmgen muß man in Preußen mit einem Fehlbetrag von 221 Mi llionen Mark rech- nen. ‘Bei der Aus sühn ng der Personal- abbauverordnun f.ien die Beamten um 5.6 Proz. die Angestellten um 22.7 Pro/, und die Arbeiter um 14,4 Proz. vermindert worden. Es werde eine Ersparnis von 36 Millionen Mark erwartet. Die kurzfristigen Kredite an die Landwirtschaft müßten unbedingt surütf-
Reubryndenburg. 13. Sept. ($11.) Am Sonnabend fanden die Mannöver in Mecklenburg ihren Abschluß. Vormittags beobachtete Reichspräsident Hindenburg General v. S e e k t. Admiral Zenker und Reichswehr- minifter Dr. Gehler von einer Höhe aus die Truppenbewegungen. Der Reichspräsident, in Feldmarschallsuniform beobachtete eingehend die Truppen durch das Scherenfernrohr und stellte häufig Fragen an den neben ihm .stehenden Divisionskommandeur, General v. Tschichwitz. Rach Beendigung der Hebungen hörte der Reichspräsident die Kritik an und dankte anschließend dem Ches der Heeresleitung für die guten Leistungen der Truppen. Ferner sprach er den Offizieren der zweiten Division seine volle und uneingeschränkte Anerkennung aus. Aus einem Stoppelfeld waren Unterdessen die Truppen der zweiten Division aufmarschiert. um im Parademarsch an dem Reichspräsidenten vorbeizuziehen. Rach Beendigung des Vorbeimarsches wandte sich Hindenburg nochmals an den Divisionskommandeur und sprach ihm feine vollste Anerkennung aus. Am Abend sand in dem alten Städtchen Heu- branden bürg ein Zapfenstreich sämtlicher Musikkapellen der 2. Division statt.
Am Sonntag ist Reichspräsident v. Hindenburg auS dem Manövergelände bei Reu- Drandenburg in Schwerin eingetrvfsen.
und auf dem Bahnhof durch den Ministerpräsidenten Freiherr» v Brandenstein, den Staatsministern und dem Mecklenburg-Schwerin» schen Gesandten in Berlin, Dr. Tischbein, ferner durch den Standortältesten, Generalmajor von dem Hagen, empfangen worden. Beim Heraustreten aus dem Bahnhof erklangen brausende Hochrufe, und die Menge fang die Rationalhymne. Sodann begab sich der Reichspräsident von der Bevölkerung durch lebhaften Jubel begrüßt, nach seinem Absteigequartier im Ministerhaus in der Königs!raße. Längs des Weges bildeten die militärischen Vereine, Innungem, Schühenzünste, Turnerschaften, Gesangvereine, studentische Verbindungen von der Rostocker Universität, plattdeutsche Vereine in Mriklenburgi- schen Trachten und andere Vereinigungen Spalier. Hm 11.45 Hhr fuhr der Reichspräsident zum Besuch der Mecklenburg-Schwerinschen Regierung in das Staatsmini st erium. Auf dem Wege wurde er vor dem Rathaus durch den Oberbürgermeister von Schwerin, den Rat und die Stadtverordnetenversammlung begrüßt. Der Reichspräsident dankte dem Oberbürgermeister für den freundlichen Empfang und gab in herzlichen Worten seinen Wünschen für ein weiteres Gedeihen der Landeshauptstadt Schwerin Ausdruck. Darauf fetzte er seine Fahrt zum Staatsministerium fort, wo er den Staatsministern seinen Besuch abstattete.
Hm 12 Hhr fand im Archivsaal ein von der Mecklenburg-Schwerinschen Regierung gegebenes F r ü h st ü ck statt.
Rach dem Frühstück erfolgte eine Dampferfahrt auf dem Schweriner See. bei der die Wassersportvereine dem Reichspräsidenten eine Huldigung darbrachten.
Hm 3.30 sand im Regierungsgebäude ein Emvsang der Vertreter des Landtags, der Behörden und weitester Devölkerungskreise statt. Rach Beendigung der Vorstellung hielt
Ministerpräsibent Freiherr v. Brandenstein folgende Ansprache an den Herrn Reichspräse- öenten: ..Hochzuverehrender Herr Reichspräsident! Mit Stolz und Freude begrüße ich Sie heute im Barnen der Mecklenburg-Schweriner Staatsregierung in den Mauern der Landeshauptstadt. Sie hörten gestern und heute viele Mecklenburger — alte und junge. Minner und Frquen Ihnen entgegen jubeln. Daß Sie. Herr Feldmarschall, gerade in unser Heimatland fuhren. um die Reichswehr zu besichtigen, daS lieh manches alten Soldaten Herz höher schlagen, in Sonderheit bei denen, welche unter Ihrer Führung im Weltkriege ihre Pflicht taten. Ich denke dabei besonders an die Mecklenburger Landwehrmänner, die in den Masurenschlachten ihr Bestes hergaden. Sie haben gerne ihrem alten Führer wieder einmal ins Auge geschaut.
Heute erfüllt es uns aber mit besonderer Genugtuung, daß gerade Sie als oberster Hüter des Wohls des Vaterlands an der Spitze des Reiches stehen und als solcher unter uns weilen. Sie haben sich nicht gescheut, das schwere und verantwortungsvolle Amt des Reichspräsidenten zu Übernehmen, durchdrungen von dem Gefühle, daß Sie Ihr Bestes, in dieser schicksalsschweren
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