ciierri
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Dienstag, 14. April (925
Rr. 8) dwettes Blatt
’6'
'S "
Leben, daß toir sie beruhigt
feit und froheS
zurückließen, um unsere Heimreise anzutreten.
ersten Flug in das südliche
Nach diesem
—e.
ist der Sieg, der die Welt das alte Apostelwort vom durch den Glauben ist der
-S> ?.o «-
»Unser Glaube überwunden hat",
2 r :
schlicht wie sie, groß in seinem Gottvertrauen, stark im Gebet. Die Tragik im Leben und Wirken dieses begnadeten Gottesmannes ist, daß seiiw Kinder und sein krankes Weib „nicht mitkönnen". Die Seele seines aus den Tod darniederlicgenden Weibes kann sich nicht mit der seinen im Gebet vereinen, er findet Widerstand, den sein Glaube nicht brechen faim. ilnb nun, als er seine Kinder ruft zu einer gemeinsamen Gebetskette um die kranke Mutter, gestehen auch sie, daß sie ihres Vaters Glauben nicht mehr haben, da sie draußen in der Fremde die Christen nicht so fanden, wie der Vater es sie gelehrt hatte, daß sie nur einen Christen fanden, der „von Jesu das Geheimnis der Vollkommenheit gelernt hatte und es in allen Dingen anstrebte", den Vater. Nun geht Sang allein ans Werk, seinem Christentum der Tat die Krone anfzu setzen, seinen Kindern den verlorenen Glauben an die Kraft des Gebets, an dos Wunder wiederzugeben. Gr will in der nahen Kirche beten, bis die Mutter Schlaf bekommt, bis
einem starken, geschlossenen Eindruck.
Wir schlafen zuviel.
sie gesund wird, aufsteht und wandelt. Aber das Ungeheure geht über seine Kraft, wohl schreitet sein Weib fast traumwandelnd ihm entgegen, als er nach langem Gebet von einer staunenden Menge begleitet, das Kirchlein verläßt, aber in seinen Armen sängt er eine Tote auf. -Urti) auch er selbst zerbricht an dem Uebermah seines Werkes.
Aus der Dehandlung rein abstrakter Probleme in langgedehnten Wechselreden erwachsen der Spielleitung trotz der starken dramatischen Wucht des Stückes doch große Schwierigkeiten, die Karl Dolck mit großer Umsicht und Sorgfalt zu meistern suchte. Am wenigsten gelang dies in der Zwiesprache am Dett der Kranken, die bei Frau Marcks in guten Händen lag. Nuth Kreuz dagegen muh noch mehr in ihre Nolle hineinwachsen. Klar und aufrecht, ohne pastorale Sentiments gab Carl Juhnke den Wunderpfarrer. Schlichter, unkomplizierter hätte ich mir den Elias (K. 3. Baum) denken können. Gut in die Rolle der Nahel hatte sich Erika Rohr hineingefunden, die in letzter Stunde für das indisponierte Fräulein Vachfeld eingesprungen war. Die alte Pfarrerswitwe Luise Jünglings. Karl D o l ck s Bischof, der weltgewandte, aufgeklärte Grohstadtpfarrer Mar Hoffmanns und der ringende Glaubenskämpfer Dratt Adolf T e l e k h s verdienen besonders bemerkt zu werden. 3m Schlußakt steigerte sich das Spiel zu
Gießener Stadttheater
Björnsou: lieber die Kraft.
Aus der Provinz.
Landkreis Gießen.
• Klein-Linde n. 14. April. Vergangenen Donnerstag fand unter dem Vorsitz von Pfarrer Ackermann die diesjährige Hauptversammlung der Vorstände des hiesigen Krankenpflegevereins und des Kinder- schulvereins statt. Nach Nechnungsablage der beiden Rechner wurden dieselben entlastet und Kaufmann Wilhelm 3ung VIII. und Rektor Boßler als Rechner wiedecgewählt. Von der hiesigen Gemeinde wurden für das 3ahr 1924 unseren beiden Wohlfahrtsanstalten je 100 Mk. zugcwandt. Für den dem Krankenpflegeverein zufallenden Betrag soll das Vorstandsmitglied, der hiesige praktische Arzt Dr. med. B o h l e r die Anschaffung weiterer, absolut notwendiger Kran- kenpflegeartikcl in die Wege leiten. Schwester Frieda Rösch hat in der Zeit vom 1. April 1924 bis 1. April 1925 1900 Krankenbesuche und 40 Nachtwachen ausgezeichnet. Die Kinderschule, der zur Zeit Schwester Lydia Altdörfer vorsteht, zählt 70 Kinder. Möchten unsere beiden segensreichen Anstalten, die dank der Vorsorge des Pfarrers Ackermann und durch die rege Mitarbeit hiesiger Frauen durch böse Zeiten hindurch gerettet wurden, weiter zum Segen unserer Gemeinde bestehen bleiben.
!•! Klein-Linden. 13. April. 3n einen Topf mit kochender Milch f iel das drei-
5(92.*
W
Ringen mit Gott
Quell, aus dem auch der Wunderpfarrer Sang seine Kraft schöpft, die göttliche Kraft des Wunders, zu heilen durch den Glauben. Dort droben im Nordland, in der erhabenen Einsamkeit von Fels und Wasser, in der düsteren Schönheit der nordischen Fjordlandschaft, im kargen Lande der Mitternachtssonne, dort droben stehen die Menschen ihrem Gott näher, sie suchen Gott, sie sehnen sich nach sichtbaren Zeichen seiner Macht, sie schauen aus nach der Verheißung des Wunders und glauben, als einer unter sie tritt, rauh und
• 2 2
~ 25-^13
„ o* E - ~
3=»a
dem die berühmtesten Männer sich darüber geäußert haben, hat doch noch niemand einwandfrei angegeben, wieviel Stunden wir schlafen müssen, um davon den größten Nutzen zu haben. Nun ist zweifellos diese Frage auch nicht allgemein zu beantworten, sondern der eine wird mehr, der andere weniger Schlaf brauchen, aber daß Diele Leute zuviel schlafen, ist nach der Ansicht des englischen Physiologen Vaughan Dryden eine unbezweifelbare Tatsache. Allzu viel Schlaf aber wirkt schädigend auf die Energie der Nerven ein und ist auch für die Blutgefäße des Gehirns ungünstig. Schlafsucht ist im allgemeinen ein Zeichen geistiger Schwäche. Weder Sancho Pansa noch der „dicke 3unge“ in Dickens' „Pickwickiern , die in der Literatur als die größten Schläfer festgehalten sind, zeichnen sich durch besondere Geistesfähigkeiten aus. Menschen, die an krankhafter Fettleibigkeit leiden, schlafen ungeheuer viel, können mitten im Gespräch plötzlich entluden und geraten dadurch in einen ganz stumpfen, hin- dämmernden Zustand Verschiedentlich ift Dort 2lerzten das übertriebene Schlafen als Ursache für frühzeitigen Verfall der Geisteskräfte erkannt worden. So sagt z. D. Hermann Weber in fernem 'I&erf über die »Verlängerung des Lebens , daß niemand mehr als 8 Stunden schlafen darf. Dagegen kommen geistig hervorragende Menschen vielfach mit sehr wenig Schlaf aus. Don fast allen Genies wird berichtet, daß sie ihren Schlaf auf ein Minimum beschränken konnten, wenn sie sich in einer Periode angestrengten Schaffens befanden. Von den großm Helden der Tat, wie Cäsar Friedrich den Großen oderNapoleon w fsen wir, daß sie sich mit 3 bis 4 Stunden Schlaf begnügten, und Napoleon hat sogar einmal gesagt, er erkenne die hußergewöhnliche Veranlagung eines Menschen an dem geringen Maß von Schlaf, träten er bedürfe. Kant, der ja allen physiolvgi-
-• £ r* 3 'S1 n a O'Ö'a-' rt -a
r-
bald weitergehen. Aber die Lokomotive hat einen Schaden. Das Gaslicht ist ausgegangen, wir müssen vielleicht uinsteigen. Also, anziehen! Leichter gesagt als getan. „Meine Schuhe sind weg." »Das können nicht meine Schuhe sein," „ich komme nicht in meine Schuhe hinein." Es stellt sich heraus, daß einigen Kindern die Füße angeschwollen sind. Aber unter Aechzen und Stöhnen Hemmen sie sich schließlich hinein. Und nun können wir doch in unserem Zug bleiben! Wie man's macht, ist's falsch! Aber solche Erwägungen helfen gar nichts Wir nähern uns Berlin und müssen die Gedanken beieinander haben! Allmählich tauen die Leinen Geister wieder auf. Und ein Kleines, was bis dahin kaum gesprochen hat, fragt mich mit großen Augen, wohin doch nur die Bäume alle und die Häuser fahren? Dann kommen die ersten Berliner Häuser. Nun schnell noch etwas Geographie auf die Frage, ob wir denn nun balo in Düsseldorf wären, und dann immer weiter hinein in die Reichs Hauptstadt mit den kleinen Göhren, die noch soviel lernen müssen. Sehr niedlich fragt in der schrecklichen Gegend von Charlottenburg eins von den Aufgeweckten bei der Ansicht eines alten Hauses mit kitschigen Stuckverzierungen und verrostetem Schmiedeeisen, das sind gewiß die schönen Häuser, wo die alten Deutschen geschnitzt haben. Und dann sind wir am Ziel. Hier werden wir von Freiwilligen des Roten Kreuzes in Empfang genommen. Nachdem wir uns schnell verständigt haben, setzt sich der kleine Zug in Bewegung, und ich bin sehr froh über die Unterstützung der jungen Leute, denn in den Unterführungen ist die Tücke des Objekts zu Hause. 3eht geht ganz sicher mindestens eins der kleinen Freß- kober auf und der 3nhall, Apfelsinen, Butterbrote, Erdnüsse, Zahnbürste, Schnürriemen, Spekulatius müssen plötzlich vom Boden zusammen- gcrafft werden. „Warum biste auch immer da- dran am rum am prackesieren", schilt eins das andere, doch wir können uns nicht lange auf» hallen. Wir steigen jetzt iir einem verdeckten Lastwagen, dann geht's zum Stettiner Bahnhof.
Nachdem man uns unsere vorbestellten Abteile angewiesen hat, gibt es für jedes Kind einen Becher heißen süßen Milchkakao, die geleerten Flaschen werden alle mit Kakao gefüllt und dann trennen wir uns von unseren Gönnern, deren Organisation tadellos zu funktionieren scheint, in angenehmer Erinnerung. Ein neuer Zug bietet neue Entdeckungsmöglichkeitrn, es ist sogar ein v-Zug. Und ein echter Barmer 3unge mit praktischen 3nstinkten hat sehr bald die Einrichtung des Klapptischchens am Fenster heraus. 3m Vollbewußtsein seiner Kraft schlägt er mit der Faust auf den Tisch mit den Worten: „Hie Töne Äaaten kloppen. Warte mein 3ungc, dein Gutsherr wird dich bessere Sachen lehren!" Noch einmal wenden wir alle Erfindungsgabe auf. um uns mit Singen und Ratspielen die letzten Reisestunden zu verkürzen, und dann sind wir an der Stelle angekommen. die ganz sicher hier oder da für das Kind aus der 3ndustriestadt in körperlicher und geistiger Beziehung ein Wendepunkt geworden ist.
GM kMMZ.
Rpfli'h 5V ” 2-°.*
• 2.X
■ 9
Der Schlaf gilt zwar feit altersher als der „große Erneuerer des Lebens", wie ihn Shakespeare genannt hat. aber die neuere Physiologie hat doch erwiesen, daß auch in diesem Falle der Segen der Natur sich in Unsegen verwandeln kann, wenn man ihn im Uebrrmah gerriefct. Trotz-
Kindertransporte.
Don Schwester Elsbeth Blank. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Köln, im März 1925.
Bei der großen Bedeutung der Erholungsreisen von Stadtkindern cur das Land und bei der Notwendigkeit. um unserer Volksgesundheit willen diese Reisen in diesem 3ahre noch mehr auszubauen, hoffen wir auf 3ntereffc für die solgenoen Schilderungen aus der Praxis solcher Kinderreisen von der Großstadt aufs nahrhafte und gesunde Land.
Der Krieg und feine Folgen hat aus unseren Kindern ein Geschlecht heranwachsen lassen, das unserer ganz besonderen Pflege und Beobachtung bedarf. Außerdem gilt es nicht nur, schädliche moralische Einflüsse wieder wettzumachen. auch Unterernährung und Wohnungsnot sind bis heute so wenig behoben, und von so schädigender Einwirkung auf den kindlichen Körper, daß in weiten Kreisen 3ntercffc und Verständnis für das Thema „ Kindertransporte" vorausgesetzt werden darf.
Viele Menschen verspüren schon bei der Vorstellung, mit Kindern reifen zu müssen, großes Unbehagen und Ungeduld. Aber jedes Vorurteil ist ein Beweis von Unkenntnis. — 3ch wurde im Sommer 1917 zum ersten Mal gefragt, ob ich einen Transport von Kindern mit zwei anderen Begleiterinnen nach Süddeutschland bringen wollte, eine mir sehr erwünschte Gelegenheit. den Blick zu erweitern und die eigene Kraft zu erproben Wir traten also unsere Reise mit einer Auswahl von Kindern an, bei denen eine gewisse Erziehung gewährleistet war. Trotzdem hatten wir scharf aufzupassen. Wenn man vier Türen gleichzeitig beobachten soll, freut man sich, wenn der Abend kommt, wo die Kleinen schlafen. Wenn vier Kinder auf dem Boden lagen, konnte man die anderen auf den Bänken: flcgencinanberlegen und wenn auch morgens der rinc oder andere beteuerte: „3ch hab die ganze Nacht kein Auge zugetan", man weiß es besser, man hat sie schlafen sehen, auch gelegentlich laut träumen Höven und froh gewacht und gewartet, ob keins Klagen hören ließ. Nie werde ich diese erste Reise vergessen. Als wir nach 26stün- biger Reise in einem eigens dazu hergerichteten Nebengebäude eines Schlosses des Prinzen von Hohenzollern-Sigmaringen angekommen und denkbar herzlich und gastlich ausgenommen waren, entfalteten unsere Kinder noch eine solche Tätig-
Deutschland kamen unzählige Reisen nach Norden und Osten, die ich jetzt alleine mit den Kindern oder als Transportleiterin, als Verantwortliche für die Kinder und noch einige Begleiterinnen machte. 3ch glaube, ich bin nie zurückgekehrt, ohne eine neue Erfahrung, was das nächste Mal noch mehr vorzubereiten, zu bessern oder energischer durchzuführen wäre. Umsicht, Tatkraft, SeDstbeherischung und Beharrlichkeit im Verkehr mit Beamten und Mitreisenden, das sind die Tugenden, die ich im Laufe der Zeit bei den anderen Begleitern besonders hoch einschätzen lernte. —
Von 1920 an handelte es sich um Unterbringung von Stadtkindern auf Gütern. Nachdem die pommerschen und vstpreuhischen Guts» bcsiher die Erfahrung gemacht hatten, daß die Kindei. die die Städte entsandten, sich dem dort herrschenden Geist widersetzten, und anmaßende Ansprüche erhoben, zogen sich manche mit ihrer »Gastfreundschaft enttäuscht zurück. Aus den Kin- Dein sprachen natürlich die Eltern. „Wenn du Marmelade kriegst, schreibst du, liebe Mutter, .loinrnc; wenn du s gut hast, liebe Mutter, Punkt". Ihatte eine Mutter ihrem Spröhling eingeschärft, und woher kamen wohl die Karten mit dem Vordruck: Wieviel Butter und Milch wird verwirtschaftet, wird der Achtstundentag innegehalten, wie ist der Lohn für Knechte und Mägde? Auch der Gedanke, sich prinzipiell an keiner im Osten Io vielfach gebräuchlichen, gemeinsamen Hausandacht zu beteiligen, entstammt keinem Kind, das. zu Ehrfurcht und Dankbarkeit erzogen, das elfte Mat das Elternhaus verläßt, um eine von Herzen und ost mit Opfern dargebrachte Gastfreundschaft zu genießen. Die Gutsbesitzer stellten jetzt die einzige Bedingung: Wir wollen Kinder von uns gleichgesinnten Eltern. Das war die Veranlassung für die deutschnationale Dolks- partei, um auch ihrerseits eine Ferienkinderaussendung zu organisieren. So habe ich auf meinen Reisen eine große Anzahl der deutschnationalen
jungen Mädchen kennengelernt. Hauptsächlich aus Handwerkerkreisen und dem gesamten stark bedrängten Mittelstand gingen sie hervor und man freute sich der Genugtuung, diese haben es besonders nötig. —
Ein Transport in den Osten verlief etwa so: Eine telephonische Anfrage, ob ich den Transport nach IX. übernehmen könnte? 3a. Um 4 Uhr nachmittags Hauptbahnhof. Möglichst zweckmäßig gekleidet, mit wenig Handgepäck komme ich an. Ein unübersehbarer Hausen von Erwachsenen. Väter. Mütter. Onkels. Tanten, Großmütter, selbst Urgroßmütter geben den Heinen Well- reisenden manchmal das Geleite, unzählige Heine Geschwlsterchen. die viel bester zu Hause blieben, und „die Helden des Tages".
3ch nehme meine Papiere, Fahrscheine und viele Ektrawünsche der Mütter in Empfang, beantworte tausend Fragen, „ob ich denn schon mal soweit gereift wäre", „ob ich wohl die Kiste von der Erna tragen könnte", „das Karlchen hätte extra neue Schuhe gekriegt" und „ob wir wohl über M.-Gladbach kämen", „da hätten sie nc Tante zu wohnen". 3ch ernenne mir meistens gleich einen von den größten 3ungen zum Familienvater, und dann gehts mit Paketen und Paketchen auf den Bahnsteig. Hier beseelt mich nur der eine Gedanke, wenn er doch bald käme, der Zug nämlich, denn sonst werden keine Worte von Ewigkeitswert gewechselt. „Krieg' aber kein Heimweh" wechselt ab mit „nu fang mir aber nicht an zu weinen." Fängt erst eins an, so wirkt das epidemisch, und ich kann nach der Abreise den Eltern nicht mehr den Trost mitgc&cn, daß nach 10 Minuten spätestens die letzten Tränen getrocknet sind. Der Zug braust heran, die vorbestellten Abteile sind gerade vorne und wir hatten sie doch hinten erwartet, alles eilt am Zuge entlang und alle Ermahnungen, in welcher Reihenfolge wir einsteigen wollten, sind längst vergessen. Statt meiner Kinder kämpfen lauter erregte Eltern um den Eingang und schimpfen. 3hre Unglückswürmer stehen im Hintergrund, die Hüte im Nacken und die Pakete auf der Schuller. Wenn cs nicht für mich so bitter ernst wäre, könnte ich mich total vergessen in dem Erstaunen über diese entfesselten Kräfte. Aber jetzt bedarf es einer energischen Führung. Die 2llten raus, die Kleinen rein. „Nun die Pakete, sei auch recht brav, tu, was dir Fräulein sagt, schreib auch mal", winken, der Zug setzt sich in Bewegung. Nur der halbwüchsige Bruder zeigt sich noch einmal auf dem Trittbrett, aber dann kommt auch er noch glücklich auf zwei Füßen an und ein tiefer Seufzer ist das regelmäßige Zeichen der Erleichterung, daß wir fotoeit sind.
Das Kennenlernen geht mindestens schneller als man denken mag. denn jetzt weisen sich die verschiedenen Anlagen ohne alle Berechnung mit aller Natürlichkeit aus. Es ist entzückend. wie sich die beiden 7jährigen Zwillingsbrüder sogleich über die gemeinsame Futterliste hermachen: sie wollen ja rwch garnicht essen, nur noch mal eben gucken, was Mutter mit verständnisvoller Ueberlegung für die weite Reise eingepackt hat. Man hat ja noch nie über so viele Herrlichkeiten mehr oder weniger alleine verfügen dürfen. Und jetzt ein Ci und ein Butterbrot, und dann einen Apfel und ein Schokolädchen essen dürfen, ganz, wie es einem paßt. Weniger sympathisch ist eine Zwölfjährige, wie sie den Kleinen ihre 5 Tafeln Schokolade aufmutzt» „eine von meinem Cousäng, eine von meiner Tante, die wohnt bei uns unten ein", usw. Es ergeht darauf das strenge Verbot, ungefragt Schokolade zu essen, und Wir haben uns damit fast immer vor unerwünschten Explosionen geschützt. Selbst die blasse Frieda, die das Eisenbahnfähren angeblich gar nicht vertragen kann, taut allmählich immer mehr auf. Ein paarmal tief Luft holen am offenen Fenster tut Wunder. Und alles, was es draußen zu sehen gibt, lenkt ab vom eigenen kleinen 3d) und macht das Reisen zur Freude. Wie bereit sind doch die kleinen Geister, zu bewundern und schön zu finden. Wir brauchen nur die kurze Fahrt durch den 3ndustriebezirk hinter uns zu haben, dann geraten sie in Entzücken über jedes Flüßchen, jedes Ochsengespann, das wir int Vorüberfahren sehen. Und nun gibts unzählige Fragen zu beantworten. Aber das Reisen macht glücklicherweise müde. Es ist ganz dunkel geworden. Sie haben sich alle zum Schlafen gelegt, und nun ist es ihnen einmal von Nutzen, daß man auch zu Hause oft gar so wenig Platz hat zum Ausstrecken mit 2 und 3 Geschwistern in einem Bett.
Früh um 5 Uhr hält der Zug auf der Strecke. Wir sind noch eine Stunde vor Berlin. Man ist frostig geworden: möchte es doch
18 WI MA igM '8L Ms h ml N
I.IsI * "51;
: -h
n 0-’ 2' fA
■n 5<2 rt S2 d
Fa:?6'" 6
Blutarmut, Bleichsucht
kennzeichnen sich durch blasses Aussehen, Schlaffheit, nervöse Verdauungsstörungen, Rückenschmerzen, Mangel an Energie, Kopfschmerzen
bereichert durch seinen Gehalt an Eisen und Lecithin das Blut, hebt den Appetit, kräftigt die Herren und schafft frisches, gesundes Aussehen
Preu V, FL Hk- X-, */• FL ML L7S
LCClterrlndragCes S*c*tei ML 2J0 Ze habe» in Apotheken and Drogerie»
G kl onus Chem. Industrie G.m.b H„ Frankfurt 4. M.
Verkanln,eilen in GleBen: Central-Drogerie, Echnlitraße; Germania-Drog., Frankfurter Str. 39
jährige Söhnchen des Arbeiters Gelitzer Das Kind befand sich im Nacfcharhaus. wo die Frau die gekochte Kuchenmilch auf die Erde gesetzt hatte. AlS die Frau hinauSging. fiel das Kind beim Spielen rückwärts in den Tops. Gesäß und Hinterleib waren schwer verbrüht Nach wenigen Stunden starb der Kleine unter entsetzlichen Qualen.
it Cid), 13. April. Am Oficrmorgen in der Frühe um 6 älhr versammelte sich nach alter Ordnung die hiesige Genteinde in der Stiftskirche zur Osierfeier. Dieser Frühgottesdienst r- hielt diesmal eine besonders feierliche Gestalt dadurch, daß Orgel, Violine (gespielt von Lehrer Fries- Schlitz) und Frauenchor unter Leitung von Frl. Marie 3 äg c r die Feier eröffneten und der neugegründete Posaunenchor unter Leitung von Stiftsdechant Lenz zum erstenmal in der Kirche auftrat Nach dem Gottesdienst lieh der Posaunenchor nochmals vom Stadtturin aus die Oslerlieder über die Stadt hin erschallen. Am Nachmittag des Ostersonntags begibt sich hier jung und alt hinaus zu der hinter deir Schloßgartcn liegenden „Osterwiese" zum fröhlichen Eierwerfen. Ein Gewitter machte bi et-mal leider diesem Ostervergnügen ein frühzeitiges Ende.
ri. Nieder-Befsingen. 13. April. Der Ostersonntag war diesmal für unser Dors ein denkwürdig großer lag, roeil die neuegroßcGlocke. die an Stelle der im Krieg abgclieferten angeschasst worden ist, ihre Weihe erhielt. Es war eine große Bereid;erung der Feier, daß der P o so u n e n c!> o r Bersrod sich hierfür zur Derfügung gestellt hatte. In fröhlichem Festzug unter Vorantrin des von zwei blumengeschinückten Schulmädchen begleiteten Orts- geistlichcn begab sich die Gemeinde mit Kirchcnvor- stand, Ortsvorstand und den Dereinen zum Gotteshaus. Aad) der von Posaunenchor, Kird;cnchor nnt Gemeindegesang umrahmten Glocken weibcpredigl und einem unter Mitwirkung der Schulkinder per richteten Chorgebet wurde die Glocke burd) Gebet und Spruch geweiht. Darauf ließ sie zum erstenmal ihre tiefe, tlangvolle Stimme ertönen, während die Gemeinde in stillem Gebet verharrte. Eine Dankes- liturgie schloß sich an. Auch in dem darauf folgenden Ostergotlesdienft wirkte der Gemischte Ehor unter Leitung von Lehrer Graulich und der Posaunen- chor Bersrod bei der festlichen Liturgie mit. Die neue, von der Firma Rinker in Sinn gegossene Glocke ist 9,82 Zentner schwer und trägt als Inschrift den altenBittrus: „Verleih uns Frieden gnädiglich"
Kreis Friedberg.
O Bad-Nauheim, 11. April. Zur Aufführung von Theaterstücken und großen Konzerten plant die Hessische Bade- und Kurverwaltung die Beschaffung einer Orgel, die noch vor Beginn der diesjährigen Theaterspielzeit ausgestellt werden soll. Die Kosten sind zum größten Telle durch Stiftungen von Kurgästen aufgebracht.
1*1 Bad-Nau heim, 12. April. Die Hess. Bad- und Kurverwaltung hat Automobrl- Gesellschafts-Fahrten mit Wagen der Reichspost zu Beginn der Saison eingelegt. Diese Fahrten sollen den Kurgästen Gelegenheit geben von hier aus alle wichtigen Plätze besuchen .zu können. So sind Nachmitta^touren nach bet Saalburg, Bad Homburg, nach der alten Reichs' stadt Wetzlar mit ihren Goethe-Erinnerungen nach Braunfels, Weilburg, Münzenberg, Lich, Schiffenberg, geplant. Die Tagesfahrten führen nach Heidelberg, Darmstadt, Wiesbaden, Bad Kreuznach, Niederwald bei Rüdesheim, Mainz,
schen Vorgängen besondere Aufmerksamkeit widmete und seine Beobachtungen am eigenen Körper machte, schlief selbst wenig, wenn auch von ihm für den Durchschnittsmenschen die Einteilung den 24stündigen Tages in 8 Stunden Arbeit 8 Stunden Erholung und 8 Stunden Schlaf verteilt wurde. Der englische Gelehrte geht sogar so well, daß er behauptet, daß wenig Schlaf das Leben verlängere, während allzu viel Schlaf die Spanne unseres Daseins abkürze. Er führt bc- deutende Männer an, die mit ganz geringen Schlafmengen auskamen und ein sehr hohes Alter erreichten.
Zuchterfolge in deutschen Zoologischen Gärten
3m Raubtierhause des Berliner Zoologischen Garten hat das neu angeschaffte Paar schwarze Panter bereits ein 3unges gebracht, das bei einer Hundeamme sehr gut gedeiht. Die Alte war zwar auch eine gute Mutter, aber man zieht die Ammenaufzucht doch vor, weil man so die Mütter schont und die 3ungen besser füttern und zahm erhalten kann. Nachdem jahrelang im Bärenzwinger des Frankfurter Zoologischen Gartens keine Nachzuchten zu verzeichnen waren, hat in diesem 3ahre die im Garten aufgezogene alte braune Bärin „Sonja" endlich wieder eimnal einen Wurf von 3 Stück Zungen gebracht. Die- selben kamen bereits am 6. 3gnuar 1925 zur Welt, sind jedoch erst jetzt zettwetfe für das Publikum sichtbar. Die jungen braunen Baren werden, wie dies bei allen hohlenbewohnenden Tieren der Fall ist, in sehr unentwickeltem Zu- stände nalt und blind ijnö ungefähr von der Größe einer starken Ratte geboren, so daß es m der Regel fast ein Vierteliahr dauert, bis die Tierchen unter ter sorgsamen Pflege ihrer Mu ter soweit rorgefchritten sind, daß sie Die Hohle zeitweise verl en und 5U fielen beginnen»


