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ar. 62 Drittes Blatt

Das britische Kap-Nairo-Projekt.

QJon Professor P Frehe.

3n unserem deutschen Vaterlande dreht sich 6aS gesamte Interesse scheinbar nur noch um die Machtstellung der verschiedenen Parteien und ihrer Führer innerhalb des RahmenS unseres Staatswesens. Der Schmachtriede von Versailles vni) der innere Zusammenbruch durch die Revo­lution haben unS aus Jahre zurückgeworfen und imb haben unS zu einer schwierigen Wieder» enttoidlung unserer Kräfte gezwungen.

Dor all den inneren Reibungen und Zwistlg- teiten. vor all dem schweren Feindeshruck. der twrnirr noch durch Besatzung, durch Reparationen und durch viele- andere erdrückend aus unS lastet, finden wir kaum Zeit, um über die Grenz- ptähle hinaus in die Außenwelt zu schauen und die Begebenheiten dort zu versolgen.

Und doch entwickeln sich gerade heute dort draußen Dinge, die häufig genug auf unsere Kosten geschehen und daher dringend unser Inter­esse verlangen

Besonders systematisch arbeiten heute die Engländer und neben ihnen die Franzosen an der Ausdehnung und Sicherung ihrer mächtigen Kolonialgcbiete

Seit der Fertigstellung des Suezkanals war die Kontivlle dieser Wasserstraße und Aegyptens für England zur zwingenden Rotwendigkeit ge­worden, denn seither ging der gesamte britische Verkehr mit feiner Haupt Besitzung, dem Kaiser­reich Indien, sowie mit den britischen Gebieten in Oftasrika. im Indischen Ozean, in Ostasien biS hinunter noch Australien und Reuseeland hurch den Sueztanal.

Welch ungehrure Bedeutung diese Kontrolle bat, das wurde England besonders im Welt­kriege klar vor Augen geführt. Ihm lag daher auch sehr an der Erlangung des Palästina- Mandats.

In den siebziger Jahren hatte Aegypten tont er Ismail Pascha sein Gebiet ganz bedeutend erweitert, und 1874 reichten seine Grenzen im bilden bis zum Aequator. Aber die Verschwen- bungSsucht deS Khediven und die Korruption in allen Teilen der Rogierung waren so grob, bah Aegypten vor dem StaatSbankervtt stand. Diesen Zeitpunkt nahm England wahr, um von Ismail die in Händen der ägyptischen Regie­rung befindlichen Suezkanalaktien im Werte von 4 Millionen Pfund Sterling zu erwerben, wo­durch England Stimmenmehrheit in der Kanal- aesellschaft erhielt. Trotzdem konnte der Staats- bankervtt nicht verhindert werden. Die agypti- tischen Finanzen wurden einer englisch-franzö­sischen Finanzkvmmission unterstellt und Ismail wurde im Jahre 1879 abgesetzt. Sein ebenfalls unfähiger und verschwendungssüchtiger Sohn Tewfik Pascha wurde an Stelle Ismails zum Khediven ernannt. Er lieh sich alsbald von der unter dem Kriegsminister Arabi Pascha immer mächtiger werdenden nationalistischen Partei völ­lig leiten. Arabi entfernte schließlich kurzerhand alle Fremden aus der Regierung. Als darauf ein englisch-französisches Geschwader vor Aleran- brien erschien, brach dort im Juni 1882 ein Auf­stand aus, bei dem mehrere hundert Europäer getötet wurden.

Jetzt schritt England mit Waffengewalt ein. Alexandrien wurde beschossen und Truppen wur­den gelandet. Dom Suezkanal auS rückten britische Streitkräfte ins Ritdelta vor. Das ägyptische Heer unter Arabi Pascha wurde bei Del-el-Kebir geschlagen. Aegypten kam unter britische Schutz- h'-rrschift. AIS vritischer Generalresident wurde Lord Cromer dem Khediven zugeteilt. Dis zum Jahre 1907 hat dieser außerordentlich tüchtige Staatsmann die Verwaltung zum Segen des Landes mit großem Geschick geführt.

Fast zugleich m't den Vorgängen in Aegypten entflammte im Süden der gewaltige Aufstand unter dem Mahdi Mohammed Achmed. Im Ro- vember 1883 erlitten die Engländer Dort eine ver­nichtende Riederlage bei Sl-Obeid. Die Haupt­stadt Khartum tourDe von Den Mahdisten genom­men und der britische Gouverneur General Gvr- don touthe ermordet. Lange Jahre war dann der Sudan ein selbständiges Reich unter dem Mahdi. Rur die ägyptische Aequatorialprovinz unter dem deutschen Gouverneur Emin Pascha hielt tapfer aus und schlug alle Angriffe der Mahdisten ab. Die fogen-annteErrettung" Emins durch den Engländer Stanley war offenbar ein in London vorbereitetes Manöver, das nur den Zweck hatte, diesen unbequemen Deutschen zu entfernen und England für spätere Zeiten freie Hand zu geben. Im Feldzuge 1896 bis 1898 gelang es dann Lord Kitchener. Die Mahdisten völlig zu schlaaen und dm gesamten Sudan wieder unter englisch-ägyptische Verwaltung zu bringen. Der zugleich am oberen Ril bei Fischvda eingetrvffene französische Oberst Marchand wurde trotz aller französischen Proteste kurzerhand mit seinen Leuten nach Frankreich abgeschoben. England herrschte unumschränkt von den Aeguatorialseen und Britisch-Ostafrrka im Süden bis zum Mittel­meer im Rorden.

Don da? Kapkolonie her breitete Cecil Rhodes die britische Macht nach Rorden zu aus. Der Oranje-Freistaat und Transvaal wurden im Westen und Rorden durch die neue Kolonie Rho- desia umklammert und schließlich im Burenkriege erobert England arbeitete systematisch am Aus­bau eines britischen Großkolonial­reiches in Afrika mit dem Gedanken Der Verbindung vom Kap bis Kairo.

Der Weltkrieg hat die vorläufige Erfüllung dieses Planes gebracht. England wurde Man­datsmacht über Deutsch-Ostafrika, und somit ti>3r die Kette Rord-Süd zu einem gewaltigen Kolo­nialbesitz geschlossen. Bald wird auch Die Verbin­dung Der Sudan-Dahn mit Der vom KaplanD heraufführenden Rhodesiabahn hergestellt unD der Traum Englands einer britischen Kap-Kairo- Dervindung erfüllt sein. In diesem gewaltigen Besitz liegen nur an einzelnen Stellen Gebiete anderer Mächte, so im Süden Portugtesisch-Ost- afrtfa und im Rorden Die östlich des Sudan sich erstreckenden Gebiete Abessiniens. Französisch- Dschibouti und die italienischen Besitzungen. Das frühere Deutsch-Südwefl schließt sich im Süden an.

England bedarf zur weiteren Durchführung dieses riesigen Projektes eines ihm völlig loyal ergebenen, wenn auch im übrigen scheinbar selb­ständigen Aegyptens und last not least Der unum­schränkten Kontrolle des Suezkanals.

Daß England für Die wirtschaftliche unD staat- Nche Entwicklung Aegyptens Großes geleistet hat. muh rückhaltlos anerkannt werden. 3m Altertum als Kornkammer des Mittelmeeres berühmt war

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger siir Gderhessenj

Samstag, H. Mörz 1925

Aegypten unter der Herrschaft deS Islam, wie so viele andere Länder, ganz verkommen. Hierin ge­schah nach Beginn der britischen Herrschaft eine Wandlung von Grund auf.

Engländer erbauten die mächtigen Stau­anlagen deS RilS bei Assuan. Allerdings sink) dadurch die berühmten, altägyptischen Tempel auf Der nun überschwemmten Rilinsel Elephantine Dem Unter gange geweiht. Aber das jungauf­blühende Aegypten hat durch die großen Bewässe­rungsanlagen einen gewaltigen Aufschwung seiner Landwirtschaft erfahren. Di« Baumwollkultur in großem Umfange wurde eingeführt, und heute ist Aegypten eines der HauptproDuktionSländer für hochwertige Baumwolle. Großangelegte Hafen- und Bahn bauten Dienen Der Entwicklung deS Handels und Verkehrs. Ueberall haben sich Die Reformen der Engländer zum Degen des Landes geltend gemacht. Zu Beginn des Weltkrieges rangierte Aegypten unter den wirtschaftlich und finanziell am besten verwalteten Ländern der Welt.

In großzügiger Weise hat England das neue Königreich Aegypten geschaffen Allerdings hält es an dem Abkommen mit Frankreich vom Jahre 1904 fest und weist alle Einmischungen in seine ägyptischen Angelegenheiten scharf zurück. Hierzu ist es angesichts seiner gewaltigen Welt­interessieren, deren Schlüsselputrkt der Suezkanal ist. einfach gezwungen.

In England selbst wird der Kampf um die Lösung Der ägyptischen F: igen parteipolitisch ausgenutzt, und diese Zeitunaskvntroversen können leicht zu mißverständlichen Auffassungen bei unS führen.

Vergessen soll man aber nicht, daß in der Frage der starken Erhaltung vitalster Gebens» interessen DeS britischen Weltreiches sich schließlich alle Parteien deS britischen Mutterlandes und seiner Ueberfeegebiete einig sind.

Und wie steht eS bei uns? Wir haben es während der in den letzten Wochen überall statt- finbenben Kundgebungen zur Herausgabe unserer Kolonien tatsächlich erleben müssen, daß links­stehende Blätter ihre aktive Teilnahme daran verweigerten. Das ist außerordentlich zu be­dauern. denn in dem großen 3nDuftrieftaate Deutschland hängt besonders daS Wohlergehen unserer Arbeiterschaft vom Blühen und Gedeihen unseres Ueberseehändels ab.

Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, daß man einem hauptsächlich von Handel und Industrie lebenden°Millionen-Vvlk auf die Dauer seine in langjähriger, zäher Arbeit mustergültig ent­wickelten Koloniasttebiete vorenthält, Gebiete, di« eS für die Belebung seines Handels, für seine Auswanderung und besonders für die Produktion Überseeischer Rohprodukte dringend benötigt. So­gar Wilson hat unS das Recht auf unsere Kolo­nien nicht aberkannt. Aber seine 14 Punkte wur­den ja in Versailles bis zur völligen Unkenntlich- keit entstellt. Hurmen. so hieß eS kurzweg, wären zur Verwaltung eingeborener Gebiete nicht ge­eignet Man verteilte Mandate, und diese Man­date will man heute in dauernde Besihtitel ver­wandeln. Wo bleibt der Wilsvnsche Gedanke, die Kolonialgebiete nach Maßgabe der Einwohner­zahl und der Erfordernisse europäischer Völker zu verteilen?

Wenn sogar führende Kolonialzeitschriften deS Auslandes wie .Eolonial-Dudget" undD4- pöche-Tolvniale" die benxirvagenben Leistungen unserer Kolonisatoren loben, bann bedeutet das eine ernste Bestätigung unseres heiligen Rechtes auf den Besitz unserer ileberleegebtcte.

Wir müssen wieder unD wieder Dagegen protestieren, daß die durch Kolonialbesitz über­sättigten Engländer und Franzosen nun auch noch daS mühsam geschaffene Werk unterer Hände rauben, um ihre grvßirnperialistischen Kvlonial- pläne rücksichtslos durchzuführen.

gum Eisenbahnerstreik.

Heber die Sage deS Streiks ist von unS laufend berichtet worden An dieser Stelle ist eS deshalb nur notwendig einmal grundsätzliche Be­trachtungen zum Eisenbahnerstreik anzustellen.

Ohne Zweifel besteht die Tatsache, daß auf der Seite Der freien Gewerkschaften mit Dem Gedanken des General st reikS gespielt wird. Der Eisenbahnerstreik sollte für sie hierfür unter der Voraussetzung Den Auftakt bilden, daß die freien Gewerkschaften den Zeitpunkt für Öen Generalstreik für gekommen erachteten. Weiter ist festzustellen, daß unter Der Sisenbahnerschaft eine große Verbitterung herrscht. Die Löhne und hie Gehälter, soweit die unteren Reichs bahn beamten in Frage kommen, sind schlecht. Darüber kann kein Zweifel bestehen. Das ist an und für sich schon Grund genug, Verbitterung in die Reihen der Eisenbahnerschaft hineinzu- tragen. Hierzu kommt aber noch ein weiteres: Während die Löhne der Sifenbahnarbeiter und die Gehälter Der unteren Eisenbahnbeamten nie­drig sind, hat man bei der Bildung der Deut­schen Reichsbahngesellschaft die Bezüge her als Direktoren übernommenen ehemaligen leitenden Beamten um ein Vielfaches er­höht. Ein Ministerialdirektor. Der als Staats­beamter früher vielleicht 1500 Mark monatlich verdiente, bekommt jetzt als Direktor Der Reichs­bahngesellschaft ein Monatsgehalt Don mehreren tausend Mark. DaS muh selbstverständlich ver­bittern! 3m Felde hat es sich gezeigt, daß Die gesamte Trupp« gern Entbehrungen auf sich nahm, toenn von den Offizieren die gleiche Rot mitgetragen wurde. Während man aber hier auf der einen Seite sagt und zwar mit Recht. daß die Reichsbahngesellschaft in­folge ihrer Belastung mit Kriegskontributivnen "nicht die vollen wünschenswerten Löhne und Gehälter zahlen kann, hat man auf der anderen Seite die Bezüge für einen Wernen Kreis von Personen vervielfacht.

Wenn der ausländische Kontroll- ko mm isfar sich an dem deutschen Elend mit dem Stab seiner Kontrollbeamten mästen will. Dann ist das verwerflich, aber von ihm als Dem Ausländer kaum anders zu erwarten. Don der deutschen Leitung der Reichsbahn aber sollte man verlangen, dah sie mit der 3nternatttmafifie- rung der Reichsbahn-Gesellschaft nicht noch für sich ein Geschäft machen will. Dieser Eindruck muh durch die jetzige Gehaltsregelung bei Der Reichsbahn-Gesellschaft unbedingt erweckt werden. Don den Deutschen in der ßeitimg Der ReichS- bahng'sellschaft sollte man Kameradschaftsgesühl gegenüber Den deutschen EisenbahnbeDien steten fordern können. Hier kann auch Dem Reichstag ein Teil her Schuld nicht abgesprvchen werden.

Er hätte bei Verabschiedung des Reichseisenbahn- gesehes und DeS Reichsbahn-Personalgesetzes dafür Sorge tragen müssen, daß Derartige Dis­harmonien nicht aufkvmmen können Wir wün­schen nut, Daß die Leitung der Reichsbahngesell­schaft auS dem Streik die Lehre zieht. Es ist ühcrflüfTig, daß i B ein ehemaliger sozialistischer Gewcrkschistssekretär. durch die Revolution M.ni- steriald.rettor Jk. Dem Reichsverkehrs Ministerium geworden, jetzt al- Direktor der Reichsbahngesell­schaft hunderttausend und mehr Mck Im Jahre verdient.

Sitzung der Stadtverordneten.

G i e b e n, 13. März 1925.

Die heutige Stadtverordnetensitzung brachte einen Vorgang, der verdient, in der breiten Oesfenl licht eil eingehender beleuchtet zu werden. Seit 1. Januar d. I erscheint in Hessen eine sozialdemokratische kommunalpolt- tische Zeitschrift Dieser Reugründung gilt natürlich die warme Fürsorge Der sozialistischen Führerschaft. Wenn diese bei her Förderung her neuen Parteieinrichtung nur eigene, private Mittel oder Geld aus Der Parteikaffe springen lassen würde, ginge das die Oefsentlichleit nichts an. Die Sachlage ändert sich aber in dem Augen­blick, wo versucht wird, Mittel der All­gemeinheit. wenn auch auf indirektem Wege, vor triefen neuen sozialistischen Partei­wagen zu spannen- Dann hat die Gesamtheit her Bevölkerung ein ernstes und klares Wort mit­zusprechen. Dieser Versuch der sozialistischen Führerschaft kam heute auch in unterem Stadt- parlament an das Licht her Oesfentlichkeit, nach­dem er wifsenden Kreisen schon seit ein paar Monaten bekannt war. Die sozial Demo­kratische Stadtverordnetenfraktion hatte nämlich im Dezember v. 3. einen Antrag an die Stadt gerichtet, den wir im nachstehenDen Sitzungsbericht an Der Spitze toiehergeben. Der Antrag ist natürlich ganz allgemein ge­halten, offenbar nach dem Rezepte: Mit Speck fängt man Mäuse. DieMäuse" bissen aber nicht an. Man sagte sich sofort, daß dieser Antrag, In Dem Gründungsprogramm unD Der Fürsorge für Jene Zeitschrift wurzelnD, Den eigentlichen, hier nur aus taktischen Gründen verschleierten Zweck habe, einem Unter­nehmen, für Da8 die Parteigänger möglichst nicht in die eigene Tasche steigen wollen, mit andern Mitteln auf die Strümpfe zu helfen. Stadtv. Beckmann, als Wortführer Der Sozialdemo- fraten, sprach in beredten Worten von Der Rot- toenhigfelt, daß jeder Stadtverordnete eine kom- munalpolitifche Jniormatirns- unD Fortbilbungs- quelle zur Verfügung haben müsse. Darüber sind wir unh sicherlich auch das gesamte Stadt- Parlament mit ihm einer Meinung. Während die Sozialdemokratie aber Der Ansicht ist, daß diese Informal ionSkoften von her Stadt zu be­zahlen sind, können wir unS DiesemZug her neuen Zeit" nicht anschließen. fonhern find, ebenso wie die Mehrheit hes StahtparlamentS, nun einmal noch soaltmodisch", in her Ausübung hes Mandats nur ein Ehrenamt zu sehen, hem her Träger hes Wanhats nicht nur Zeit-, fonhern auch Gelhopfer harzubrinßen ge­willt sein muß, zumal in hem viel ärmeren Staate von Heute: haß hagegen z. B. bei hlenft- lichen Reisen im Auftrage unh Im Interesse her ©taht die tatsächlichen Reisekosten erstattet wer­den, ist na:ürlich eine Selbstverständlichkeit, die in herguten alten Zeit" ja auch schon befolgt wurde. Im übrigen glauben wir, daß d t e Mit­glieder un'eres <3 a't. arlamentS, die den Bezug her Zeitschri t nicht selvst zu bezahlen vermögen, wohl an den Fingern einer Hand aufgezählt werden können: für d iefe Mitglieder mag doch die Parteikdfse daS Abonnenent bezahlen I Schließlich noch einS: Warum kommt Denn die Linke erst jetzt mit einem solchen StaDtverorb- netenbilDungsantrag, warum hat sie früher nie etwas von die'er Sache ge agt? Die Ant­wort auf diese Frage ist eben nur in Der Tatsache zu erblicken, daß jetzt jene Zeitschrift heraus- kommt. Daß dieser Antrag Der sozialdemo­kratischen Fraktion abgelehnt wurde, ist au bil­ligen. Sehr bedauerlich und unverständlich ist nur, daß hie Demokrat Ische Fraktion, obwohl sie nach ben Worten ihres Sprechers grund­sätzlich her Au f.ssung zuneigi. tne hier ent­wickelt ist, in dieser grundsätzlichen An­gelegenheit versagte und mit den Sv- zialdemokra en unh Kommunisten zusammenging.

Dei her Vorlage über die Verteilung der Baudarlehen ist es gleichfalls nicht nach Wunsch der Soztaldemokoati« gegangen. Die Ursache ihrer Unzufriedenheit liegt in diesem Falle in Den Ausschüssen, die sehr viel Wasser in den sozialdemokratischen Wein gegossen haben sollen. Das Mißfallen der Linken über die Aus­schüsse führte schließlich foaar dazu, daß die Sozialdemokraten und zwei Kommunisten gegen die DaudarlehnSvorlage stimmten, als Der OberBürgermeister triefe durch einen ge­schickten Schachzug zu retten sich bemüht«. ® dieses Rettungswerk gelang, der große Daudarlehnsbetrag für die auf die städtische ilntcrftüQung hoffenden Baulustigen gestern also aufrecht erhalten wurde, ist neben Dan schnellen und geschickten Operieren Der Verwaltung nur den bürgerlichen Parteien zu danken. Der Sozial- demokratilchen Fraktion war der kühl abwägende Blick völlig verloren gegangen.

Titznnqsbericht.

Anwesend Oberbürgermeister Keller, die Beigeordneten Dr. Selb, Dr. Frey. Justizrat Dr. Rosenberg, Kommerzienrat K l i n g s p o r und 33 Stohtverordn et«.

Sin sozialdemokratischer Antrag.

Die sozialdemokratische Foaktion der Stadt- verordn eien - Derlamml ung hat beantragt,

.jedem Stadtverordneten die Kosten für DaS Abonnement einer kommunalpolitischen Zeitschrift von der Stadtverwaltung gegen Vor­legung der Quittung zurückzuvergüten."

3n der Begründung wird gesagt, eS sei not­wendig, daß jeder Stadtverordnete die Möglich- tcü habe, sich über Fragen Der Kommunalpolitik eingehend zu unterrichten. Diese Quelle des Wissens fei nur in einer kommunalpolitifchen Zeitschrift zu erblicken. D eie tounten die Kosten für den Br^ug einer solchen Zeitschrift aber nicht auS eigenen Mitteln bestreiten, und deshalb fei eS wünschenswert, daß di« Stadt Dtefe Kosten über­nehme. DaS Wissen, das nxm aus einer solchen Zeitschrift schöpfe, fomme ja auch her Stadt bei

Der Behandlung her Gießener Kommunalcrnae legen heilen wieder zugute. Wie der Bericht­erstatter deS Finanzausschusses betont, können sich die Stadtverwaltung unh der Finanzaus­schuß Der Ansicht Der Antragsteller nicht an- schließen. Wie Im Reiche und in Den Ländern die Abgeordneten die Kosten ihrer Information-- qurilen selbst zu bestreiten haben, so müsse DaS auch hier gehalten werden In Offenbach und Mainz seien solche Anträge genehmigt worden, in Worms habe man ein gleiches Ansinnen ab- gelehnt, In Darmstadt sei em solcher Wunsch gar nicht zur Sprache gekommen. Der Finanzausschuß beantragt In ilebereinftimmung mit der Stadt­verwaltung, den sozialdemokratischen Antrag ob­aulebnen. Don dem Sprecher der Sozialdemo­kratie wird nochmals auf die in Der Begründung des Antrags hervorgehobenen Gesichtspunkte hin- gewiesen und ferner betont, jeder Stadtverordnete 6>nne ja die Zeitschrift halten, die ihm genehm fei. Der Wortführer Der Demokr tten stimmt dem Grundgedanken des Finanzausschusses, daß jeder Stadtverordnete Derartige Kosten selbst tragen habe, an sich *u, er meint aber, angesichts Der Geringfügigkeit Der Summe könne man Dem Antrag Der sozialdemokratischen Fraktion zu- stimmen, damit auch diejenigen. Die eine solche Zeitschrift nicht bezahlen können, sie Doch erhielten. In der Abstimmung treten die Sozialdemokraten. Kommunisten und Demokraten für Den Antrag Der sozialdemokratischen Fraktion ein. Die Frak­tionen Der Rechten unh hie Verwaltung stimmen Dagegen; ha Die letzteren Die Mehrheit Dar­stellen. ist der sozialdemokratische Antrag, ent­sprechend Dem Vorschläge deS Finanzausschusses, abgelehnL

Anschaffungen für das Elektrizitätswerk.

Eine gatue Reih« von Vorlagen beschäftigt sich mit Abschaffungen für das Elektrizitätswerk bzw. mit Maßnahmen zur Erweiterung DeS elek­trischen Leitungsnetzes. Das Haus beschließt:

Für die Verlegung von Derteilungsleitungen in der Krofdorfer Straße, Ebelstrahe zwischen Liebig- und Wilhelmstraße. und in Den Eichaärten wird ein Ärehtt in Höhe von 8700 RM. be­willigt. Diese Straßen sind an daS Elektri- zitätSnetz noch nicht angeschlossen. die Anwohner wünschten aber die Versorgung mit Strom.

Der für Den Anschluß Der Druchstraße an das Kabelneh erforderliche Betrag von rund 5000 RM. wird genehmigt. Bei dieser Ge­legenheit wird von einigen Rednern gewünscht, daß man endlich auch an die Verbesserung Der Straßen Verhältnisse in Der Druchstraße heran- gehen solle Der Oberbürgermeister bemerkt dazu bei Der Beratung des Voranschlags werde mar sich eingehender mit dieser Angelegenheit be­fassen können.

Für die Lieferung her vom Elektrizitätswerk benötigten 1200 Kg Kupfer wird ein Strehit von rund 2400 Rm. gutgeheißen Die ßteferung wird der mindestfordernden Firma Felten it. Guilleaume, Carlswerk, übertragen.

Der für die Beschaffung von 300 Hol-masten erforderliche Kredit von rund 7200 Rm. wird bereitgestellt. Da- Elektrizitätswerk wird ermäch­tigt. dem MindestforDernden ben Zuschlag zu erteilen.

Für die Lieferung von 600 Roststäben wird ein Kredit von 4320 Rm. bewilligt Die Lieferung Der ©täbe wird her Firma A Eberhard u. Eo. in Köln übertragen.

Zu der Erweiterung deS Elektrizität-netzes in Heuchelheim «Errichtung einer neuen TronSfor- matorenflation) soll unser Elektrizitätswerk einen Kostenzuschuh von 2000 RM. übernehmen. Die Stromabnahme in Heuchelheim ist so wesentlich gestiegen, daß diese Reyerweiterung unumgäng- lich notwendig wurde. Zur Voraussetzung für den Ausbau der Anlage wird gemacht, daß hie Zementwarenfabrik Sack u. Jugbardt sich ver­pflichtet. ihren gesamten Strombedarf auf die Dauer einiger Jahre von dem Elektrizitätswerk unter Ausschluß Der Gigenerzeugung zu beziehen Es wird verlangt, daß Die Fassung .einige Jahre" durch eine ganz präzise Bestimmung ersetzt wird, damit unliebsame Weiterungen von vornherein ausgeschaltet wer dem Beigeordneter Dr. Selb lagt zu, beim Vertragsabschluß werde so ver­fahren werden, daß die Abnahme de- Stromes vom hiesigen Werk auf eine Reihe von Jahren gesichert fei. Die Vorlage wird genehmigt, die Lieferung des Transformator- wird ben Sie^ menS-Schuckert-Werken übertragen.

Für die Auswechselung von Hauptzählem und MchinstrumeTchen wirb ein Betrag von 1200 Mark zur Verfügung gestellt und die Lieferung den SiemenS-Schuckert-Werken übertragen.

Der für daS Rechnungsjahr 1924 im Vor­anschlag des Elektrizitätswerks (Unterhaltung Der Leitungsnetze und der Werkzeuge) Dorgefebenc Kredit wird um 10 000 Mt. erweitert.

Sin« Straßenbahn-Vorlage.

Die Lieferung der für die Kurve Reue Ka­serne Lärchenwälbchen erforderlichen Schienen wird derPhönir" A G. für Bergbau und Hüttenbetrieb in DuiSburg übertragen. Der Kredit in Höhe von rund 2250 Mk. wird bewilligt.

Ein demokratischer Redner bringt bei dieser Gelegenheit die Strahenbahnwünsche der Bahnhof st raße zur Sprache und fordert, daß dem Verlangen dieser Mitbürger entsprochen wird.

Dadewasser » Aufbereitungsanlage deS Schwimmbades im DolkSbab.

Zur zeitgemäßen ®eftaltung Der Schwimm- babanlage soll dort eine S n t ke i m u n g S a n- läge eingebaut werden. Damit stets völlig ein­wandfreies Wasser zur Benutzung vorhanden ist. Für die Verbesserung wird ein Kredit von 14 300 Mark zur Verfügung gestellt. Der Auftrag sollte, nach dem Antrag he-6 Finanzausschusses, Der Firma Damag-Meguin in Berlin erteilt werden, Pa sich jedoch auch ein hiesiger Lieferant ge-

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