nr. 38 Drittes Blatt
Auf Besuch bei der Technischen Nothilfe.
Don Eduard Schreiber-Stoltz«.
Auf Veranlassung der Hessischen Regierung in Darmstadt wurde die TechnischeRot- Hilfe am 26. Januar 1925 mit 150 Wann auf der Grube Braunkohlenschwele» rei Wessel bei Darmstadt eingesetzt. Der Großeinsatz der Rothtlfe dauert nun 14 Lage an Die Technische Rochille hatte der Presse de« näheren Bereiche« Gelegenheit zur Besichtigung der Rotstandsarbeiten gegeben Am 26 Januar hatte die nahezu 700 Köpfe zählende Belegschaft der bei Darmstadt gele- genen Grube und Braunkohlenfchwe» lerei Messel Lohndifferenzen wegen plötzlich die Arbeit niedergelegt. Alle« Paktieren bliob verlorene Lrebe-nrüh". Damit geriet der ganze Betrieb, d h. Millionenwerte, in höchste Gefahr Da« „Herz" diese« Unternehmen« bilden die 24 Schwelöfen — alle« andere dient mehr oder weniger dazu, diese« „Herz" in Gang zu halten. Sehen diese Oefen. von denen ein jeder einen Wert von 84 000 Mark besitzt, zu Bruch, so ist das Werk vorläufig, d. h. auf nahezu zwei Jahre, produktionS- unfähig. die Arbeiterschaft liegt auf der Straße, die Volkswirtschaft büßt wertvollste Produktions- werte ein Die Oefen müssen aber zu Grunde gehen, werden sie nicht dauernd auf einer bestimmten Hihtemperatur gehalten. Diese Rot- ftanMarbeit im ureigensten Interesse zu leisten, war die Belegschaft leider nicht bereit und so blieb der hessischen Regierung nicht« andere« übrig, al« im Interesse der Sicherstellung grober volkswirtschaftlicher Werte und vor allem auch um der Arbeiterschaft selbst willen die schon oft geliehene Unterstützung der Technischen Rot- Hilfe anzurufen. . . .
Run find die freiwilligen Helfer — 150 an der Zahl — Ingenieure. technische Hoch- fchüler, Handwerker und Dergfchüler seit dem Tage de« Streifbegirme« — also 14 Tage im W^ke. Sie muhten rasch herbeteilen, sozusagen mit .Feuerwehrgeschwind'gkmt", wie Betriebsdirektor Rasche den Pressevertretern auseinandersetzte, denn der Steikbeginn war so gelegt worden, daß in den Kohlenbunkern gähnende Leere war. und damit mangels möglicher Koh- lenbeschickung ein beschleunigtes Erkalten der Schwelkolofle in Gefahr stand Mit berechtigtem Stoh erzählte un« der Leiter der Technischen Rothilfe de« dortigen Bereiche«. Reg.-Daumeister H i l« d o r f, wie es trotz der Rotwendigkeit eine« äußerst schnellen Einsetzen« der Rothelfer mustergültig gelang, den Verfall der Oefen rechtzeitig abzuwehren. llcberaH stand der rechte Mann am rechten Platz, ilnb daß die« möglich war — und bei mannigfaltigen ganz ander« gearteten Betrieben stet« möglich fein muh — ist die Frucht gewissenhafter DorbereitungSarbeiten, Erkundung der Werke. Werbung der Kräfte in den — „Frisdenszeiten" der Technischen Rothilfe.
Wir durchschreiten da« weite, imposante Gebäude de« zum StinneSkonzern gehörenden Betriebe«. UeberaH herrscht emsige Arbeit. Die Rothelser tragen einheitliche Kleidung, blaue« Zeug, da« ihnen für den Einsatz zur Verfügung gestalt wird. Einige Schuvobeamte patrouillieren im Interesse der Sicherheit der Freiwilligen. Doch muh gesagt werden, daß sich die Ausständigen einer Haltung gegenüber den Helfern befleißigen. die zu keinerlei Beanstandung Devan- lafsung gibt. Drunten im „Abraum" fördern die Blaublusigen — schwarz wie die Raben, aber emsig wie die Bienen — Braunkohle, bedienen die Baggermaschinen, al« ob'S ihnen alltägliche Arbeit wäre, und ununterbrochen sausen die ksohlebeladenen Loren — die Speise für die Schwelöfen enthaltend — dem Rachen des sogenannten Brechwerke« zu, die in verkleinertem Zustande schließlich al« Rahrung für die 24 Schwelöfen dient. Dieses Drechwerk ist ein äußerst komplizierter Apparat, und man muh sich wundern, mit welcher Geschicklichkeit die „Rovizen" des Schwelbetriebs ihn meistern.
An den Schwelöfen! Mit befriedigendem Lächeln konstatiert Direktor Rasche, daß an diesen „kostbaren Dingern" alleS in Ordnung ist — genau so wie in streiklosen Zeiten. Die Rot- Helfer müssen hier besonders schwer an die Ar- bett, dazu kommt der die Arbeit gerade nicht versüßende Duft von Ausdünstungen aller Art al« Folgeerscheinung des Produktionsprozesses. Wir treten an einen jungen, geschwärzten und bebrifTten Helfer heran, der sich als Angehöriger der Technischen Hochschule in Darmstadt entpuppte. .Ob ihm die Arbeit Svaß machte?" „Spaiß gerade nicht, aber zum Svah find wir ja auch nicht hier!" Dieser herrsiche Roihelfer- geist. diele Gesinnung des im bedingten Muh im Interesse allgemeiner Belange erfüllt sie alle, die man hier trifft Hab darum schreitet auch die Arbeit so munter fort! Es drängen sich Vergleich« auf: Dieter Geist, der hier lebendig, und jene Schmutzgesinnung von Auch-Deutschen im Kreise derer um Darmat.... Lernt von den Rothelfern l
Unter Mentor erklärt un«, daß selbstver- ftänNLC, die freiwilligen Helfer, wie daS bei allen Einsätzen der Rothilfe der Fall ist. ledig- lich das unumgänglich Rotwendige lei- ft en. nicht mehr und nicht weniger. Denn das Streikrecht der Arbeiter darf in dem zulässigen Rahmen nicht verletzt werden. Rothtlfe nimmt keine Parteisteslung. sie schützt lediglich die Gesamtbelange. Darum wird auch das gewonnene Teeröl nicht versandt, f ortbern nur auf gestapelt. Darum sind auch statt der etwa 702 Arbeiter des RormalbetriebeS nur 150 Rothelfer tätig.
.Wer arbeitet, muh auch elfen ..." — Die Verpflegung der .Helfer in der Rot" liegt bei der Schutzpolizei in besten Händen. Der Gulalch- tanonenbetrieb erinnert an Kriegszeiten: die Kost aber ist fo friedensmähig wie nur denkbar. Gern folgten die Vertreter der Presse der Aufforderung zur Kostprobe. Sie nahmen die Gewih- heit mit. daß für die tapferen, fleißigen Rot- Helfer In kulinarischer Beziehung bestens gesorgt ist. Zum Schluß taten wir einen Dftck in die Schlalräume Federbetten und Daunenkissen sind's freilich nicht, aber wohlgefüllte Strohsäcke, auf denen sich nach harter Arbeit genau so gut wie auf Seidenpfühlen ruhen läßt. DaS laut- vernehmliche Schnarchen der Rachtschicht beweist e« . . . .
Wie lange der Rot betrieb noch erforderlich sein wird, ist ungewiß. Aber sicher ist: Die frei-
Siebener Anzeiger sSenerai-Anzeiger für Gvethessen)
artnigen ^rifer werden ihre Pflicht tun bi« an« ®nbe. Und dennoch möchte die« Ende bald kommen und beide Teile - Arbeitgeber und . ~ wieder zusammen Ähren zu
friedlich em Schaffen im Interesse deutscher Wirt- schäft^ die sich den LuruS der Produkt Ion«ruhe wahrlich heute nicht gestatten kann.
Ium griechisch-türkischen Konflikt.
Zwischen Faszisten und Fafziften ist kein großer Unterschied. Ob sie sich nun in Rom be- tatigen, ob zur Abwechslung in Angora oder m Konstantinopel: Immer und überall gilt für sie die Losung: Gewalt geht vor Recht I Betrachtet man unter diesem Gesichtspunkte die jüngst erfolgte Ausweisung des ökumenischen Patriarchen aus Konstantinopel, die nach dem Wortlaut des Lausanner Friedens zwar formell zulässig, aber seinem Sinn nach vollkommen widersprechend war. so muh man zu der Ueberzeugung gelangen, dah kein Völkerbund der Welt, keine noch so vollkommene zwischenstaatliche Organisation tatsächlich in der Lage ist, derartige Ereignisse zu verhindern oder auch nur die Schuldtragenoen zur Verantwortung zu ziehen. CQIm muh gar nicht erst auf den italienisch-griechischen Zwischenfall — diese aufgelegte Völker» bundblamage — Hinweisen, um einzusehen, dah Paragraphen, und seien sie zahlreich wie der Sand am Meer, nicht ausreichen, um den aufge- häuften Konfliktstoff aus der Welt zu schaffen, den die Gesamtheit der Friedensverträge in so liberaler Weise Europa und Asien beschert hat.
Man muh sich eigentlich wundern, dah im Grunde nicht viel mehr geschieht. Wir Bewohner Mitteleuropa« und Westeuropa- schauen immer noch mit mitleidigem Lächeln auf einen richtigen Balkanbewohner hinab, und wenn gar von einem Asiaten die Rede ist, kennt unsere Ueberhebung kaum mehr die Grenzen. Das wenige, was wir auS dem Badecker über Helles- pont und die Hagia Sophia herau-gelesen, und wenn es hoch geht durch eine Schilderung Konstantinopels bei Claude Farr er e ober Loti ergänzt haben, genügt uns vollständig, um in allen Balkan fragen unser Urteil ein für allemal fertig und parat au« der Tasche zu ziehen. Man täte gut, sich ab und zu daran zu erinnern, dah der Weltkreig auf dem Balkan begonnen hat. und dah von Belgrad au« der Funke in das Pulverfaß geflogen ist, an dem Europas Eintracht zerschellen sollle. Hätte man in den Kabinetten von Wien und Berlin rechtzeitig über die Gefahren nachgedacht, die eine unvorsichtige Politik auf dem Balkan im Gefolge haben mußte, so wäre manches unterblieben, das letzten Endes zu der großen Katastrophe geführt hat.
Was man aber seinerzeit in Wien und Berlin übersehen zu können meinte, das übersieht man heute — au« anderen Gründen — In Paris, Rom und London. Die Ausweisung de« ökumenischen Patriarchen Konstantin durch die Angvra-Regierung ist nur ein Anfang. Die Türken wollen zunächst einmal unter s i ch fein —, und zwar nicht nur in Angora, wo sie niemand hindert, sondern Haupt» sächlich und in erster L'nie In Konstantino- pel. Die Tatsache, dah die türkische Regierung durch die Erhebung Angoras zur Hauptstadt die Vertreter der Groß- und der anderen Mächte einfach zwingt — und zwar sehr wider ihren Willen zwingt —. ihre Botschaften und Gesandtschaften vom Bosporus weg na<f)_ dem kaum den primitivsten Anforderungen genügenden Angora zu verlegen, wird durch das dem öfumeni- zschen Patriarchen und damit den griechischen Interessen in Konstantinovel angetane Unrecht aufs neue beleuchtet. Es ist keine bloße Marotte der Türken — wie man bisher an nahm —. daß sie die Vertreter der Machte aus Konstantinopel entfernen wollen. Es ist ein raffinierter und bis in die letzte Einzelh-it ausgeklügelter Schachzug. der ihnen ermöglichen soll. waS im Lausanner Vertrag nur unvollständig gelang: AuS Konstantinopel eine rein tür.kische Stadt z u machen. Die christlichen Minderheiten sollen aus Konstantinopel verschwinden, und. um dies leichter zu erreichen, muhten jene fremdländischen Organisationen zuerst beseitigt to'-rben. deren Stellung, ob nun politisch oder kirchlich, den Minderheiten Schutz gewahren formte. Rach d<m politischen Schntzbehörden kommen die konfessionellen an d'»e Re'be Sind btafe einmal beseitigt, so ist dos Schicktal der christlichen Minderheiten endaült'a erledigt.
Die Eifersucht der Großmächte bat bisher jeden entscheidenden Schritt in der Angelegenheit selbst verhindert. Da Griechenland zu schwach ist. um an eine Austragung mit Waffen auch nur denken zu können, ist sein Ruf nach einem Einschreiten der Großmächte fast wirkungslos verhallt und der Vorschlag, die ganze Anaeleaenbeit dem Haager Schiedsaerichtshof zu überweisen, wurde von der Türkei mit Holm surüdTaetoiefen.
Wan ist. wie es scheint, in Angora allzu gut über die englisch-französischen Gegensätze im nahen Osten unterrichtet und bat ohne viel Faren beschlossen, aus der Ausweisung eine -rein innere“ Fvaae zu machen und jed- fcvbem Einschreiten, das den Kern der Sache selbst berührt, vorsichtig aber entschieden aus dem Wege zu geben. Daran dürfte wohl auch der neuefte Versuch der Griechen, die Sache ausgerechnet beim Völkerbund anhängig zu machen, nichts ändern. Wenn einmal Gras über Ne ganze Angelegenheit gewachsen ist. werden lich die Männer von Anaora gewiß verhandlung-bereit und mit freundlichem Augenzwinkern mit den Vertretern der Großmächte an den grünen Tisch setzten und — wie in Gau* lannc — Wochen- und. wenn es fein muh. monatelang* Beratungen pflegen, was nun zu gelche- ben habe, ilnb da sich Frankreich und England bis dahin schwerlich auf eine gemeinsame Linie geeinigt haben dürften, wird wohl bei den künftigen Verhandlungen nicht allzu viel heraus- kommen.
Die Frage der Meerengen ist heute aktueller als ie zuvor. Rußland lauert, undurchdringlich. wie die Spinne hinter ihrem Retz, der Dinge, die da kommen sollen. Es gärt auf dem Balkan, Uebcrall in Süd- s<awien wie in Griechenland. in Besfarabien wie in Albanien. Europa -aber ist Weit. Urtb seine Macht reicht nicht
bi« hierher. Wo Ist der Völlerbund und wo find alle schönen Reden, die für das gute Geld der Steuerzahler bisher gehalten wurden? In Athen, dessen Pariser Gtnandter. Herr Pollti«. der begeisterte Mitverfasser. der glühendste Verteidiger des Genfer Protokoll- gewesen, schreien Regierung und Volk nach Krieg! Wie reimt llch da- zusammen?
Dnferentensllusporoerung.
Unter dieser Ueberf<f>rift lesen wir im .Zei- tung--D rlag" die nachstehenden beachtenswerten Ausführungen:
In der Inflationszeit sind zahlreiche wertvolle. aber noch viel mehr Zeitschriftenunternehmungen verfchwunden. die absolut keine Daseinsberechtigung hatten. Und nun schoßen die Reugründungen wieder wie Pilze aus der Erde. ES ist für den Fachmann nicht unintereffant. di« Rainen in allen nur möglichen Variationen zu studieren, die b’efc Zeitschriften prunkvoll zur Schau tragen. Vielfach find sie auch nut Wort- umbilbungnen bereits bestehender Unternehmen Man sollte annehmen. daß jede neugegrünbetc Zeitschrift wenigstens ein Programm aufweifen ober sich an irgendeine Interessengruppe wenden müsse, um dadurch ihre Daseinsberechtigung zu dokumentieren. DaS Beste an diesen Reuerfchei- nungen ist oft nur die äußere — Aufmachung. Die Umfchlagfeiten beuten kräftig an. baß daS Unternehmen wenigsten- in der Propaganda- abteilung einen tüchtigen Angestellten besitzt, der die Reugründung .fchmifsig" — daS neue Schlagwort unserer Zeit — .aufzieht", so dah fie dem — Laien leicht in die Augen springt. Der Kenner freilich stellt schnell fest, daß e« sich nur um einen Bettler im geliehenen Prunkgewande handelt. Der Fachmann Ist ober aus eigenen Erfahrungen überrascht, daß solche neuen Zeitschriften mit einer beträchtlichen Anzahl von Inseraten aufwarten können. Richts einfacher alS das. Zum Kundenfang dient der hochtönende Rame. die nervenkihelnde Aufmachung. Und dann werden Akquisiteure auf die p p. Geschäftswelt lo-gelafsen, die betreffs des Derbreitungs- gebiete« u. a. m. den Mund sehr voll nehmen. Merkwürdigerweise haben sie auch Glück. Während die alten, reellen Unternehmen auch heute noch um ihre Eristenz zu kämpfen haben, lassen sich selbst angesehene Geschäftsleute von solchen Eintagsfliegen düpieren, immer wieder düpieren.
Und das Verbreitungsgebiet dieser Unternehmungen?! Einige Exemplare gehen an Hotels. Friseure, ferner an die Inserenten. Damit ist aber auch Schluß. Vergeblich fragt sich angesichts dieser Tatsachen der Fachmann: Welchen Zweck haben diese Gründungen, die ebenso schnell wieder vom Markte verschwinden, wie sie gekommen sind?
Die sehr ernste Seite dieser Gründungen und ihrer Auswüchse ist die Auspowerung der Geschäftsleute durch Inseratenwerbung. Erst kürzlich wurden die Ladeninhaber von Stettin, Landsberg usw. durch die sogenannte Hansa- Filmgesellschaft in Dresden arg getäuscht, die vorgab, Aufnahmen für einen großzügig auf gemachten Städtefilm zu machen. Die Innen- und Außen aufnahm en kosteten je — 80 Mk.: die Hälfte diese« Betrages war sofort zu bezahlen, die Gegenleistung für diese Zahlung blieb jedocy aus. Es wurde durch Rachforschungen in Dresden einwandfrei festgestellt, dah der tatsächliche Besitzer dieser angeblichen Gesellschaft ein gewisser Freund fet. der in einem MietShause im dritten Stockwerk ein sehr bescheidenes Zimmer bewohnte, das auch gleichzeitig Bureau war. Der geschästs- kundige F. hatte sein Unternehmen weder handel-gerichtlich eintragen taffen, noch dasvewerbe angemeldet. Die „Herren Vertreter", zwei sehr junge Kaufleute, lebten in Hotels 1. Ranges einen guten Tag. Da die „Firma" keine Spesen In der notwendigen Höhe sandte, begnügten sich die „lebensfrohen" Akquisiteure damit, die erhaltenen Anzahlungen der heimgesuchten Geschäftsleute und — Stadtverwaltungen als Fundament für ihre vornehmen Lebensgewohnheiten zu benutzen.
Evangelischer Landeskirchenlag
♦ Darmstadt, 13. Febr.
Präsident Dr. Frhr. v. Hehl eröffnet um 9.20 Uhr die Sitzung und bittet, im Gebet der vom Dortmunder Grubenunglück Betroffenen zu gedenken.
Auf der Tagesordnung steht zunächst das neue GehaltSgesetz. Abg. Stroh berichtet als Sprecher des Finanzausschuffes. Er schlägt vor. die Pfarrgehälter den Gehältern der Studienräte gleichzustellen, statt des Wohnungs- geldzuschuffes wird freie Dienstwohnung gewährt.
Abg. D. I a u dt - Planig als Berichterstatter des GelehgebungsausschusseS schlägt die Annahme des Gehaltsgesetzes vor.
Das Haus stimmt dem Entwurf in erster Lesung zu.
Den Antrag Lehrvikariat begründet Abg. Georgi- Ermenrod. Er betont ein Lehr- vitariat in Stadt und Land als Ergänzung, nicht Ersah der Ausbildung im Predtgerfeminar. Er bittet die Kirchenregierung, eine Klärung der Frage anzuregen. Der Antrag wird einstimmig angenommen, ebenso der Antrag betr. Errichtung eines Kandldatenyeims.
ES folgt das neue Pfarrstellenbeset- zungsgesetz. Danach werden die Ramen der Bewerber dem Kirchenvvrstand mitgeteilt. Der Kirchenvorstand bekommt ein klar umschriebenes Mitwirkungsrecht. Die von der Kirchenregierung mitgeteilte Dewerberliste enthält nut Ramen geeigneter (bis zu 6) Bewerber. Kirchenregierung und Kirchenvorstand haben abwechselnd daS Borschtagsrecht. bamü die Kirchenregierung Gelegenheit hat. Wünsche mancher Geistlicher, denen es bisher nicht gelang, eine Stelle zu erlangen, zu erfüllen. Hoben sich weniger als sechs odeü niemand gemeldet, fo kann die Kirchenregierung geeignete Bewerber zur Meldung auffordern und chre Ramen auf die Dewerberliste fetzen. Die Vorlage wird nach längerer Aussprache einstimmig angenommen.
Aus dem Amtsvcrkünviaunqsblatt.
• DaS AmtSverkündigungSblatt 5t r. 12 vom 13 Februar enthält: Ausführung der LandeSfeuerlöschordnung: Abhaltung von Kreisfeuerwehrtagen: Wiesenrundgänge. Maul- und Klauenseuche in Heuchelheim: Gewährung öffentlicher Baußarlehen: Fvrtbildungsfchulunter- richt.
Samstag, 14. zedniar 1925
Turnen, Sport und Spiel.
Die Ziele brr Lvirlbewegunq in der D. T-
Heber die Ziele der Surnfoiotbctnequrg äußert sich der Spielau-tchuß der D. T folgen!». • maßen:
Träger der Turnfvielbewegunq ist und m ist bleiben der Wetlkampigedanta Er befriedigt Freude am Kampf und erzieht zum Wut und uir Tatkraft Die wertvollste Be r ebsar' sind t" c Smelreiben, denn erst bureb (ie werden große Massen der Turner und Turnerinneu. namentlich jugendlicher, ins Freie geführt zu getaner anregender Leibesübung. Durch die S nelreihen werden auch gesteigerte Leistungen erzielt.
Diesen Vorzügen ft eben unv'rk'nnb.ire Rachteile gegenüber, trenn der Wettkamvioeiz Überspannt wird. Immer muß darauf qead)*et werden, daß der tätige Gemeinschaftsgedanke der Deutschen Turnerschaft sich auch im Kamvfesei'er durch vornehme Gesinnung und anftänfriq' Solei- weife au-wirkt. Um die wertvollen Ziele der Svielbewegung zu erreichen, ist es auch nötig, die Zahl der Pflichtspiele auf ein erträgliche Maß zurückzutahren.
Die Deutsche Turnerschaft braucht den an sich gefunden und fruchtbaren Detrneb ber Sviel- reiben für alle Altersklassen und für beide Geschlechter, um die Svielbewegung lückenlos von Jugend auf zu entwickeln und zu verbreiten. Freundschaftsspiele sollen die Pllichtspiele ergänzen. Die Lehrweise der Kamvftviele ist vom Leichten zum Schwierigen zu vermitteln Wesentliche« Ziel de« Lehrwefens ist. Spielrichter au«- und weiterzubilden.
Die vaterländ schen und vo'kstümlichen Ziele der Deutschen Turnerschaft. die ihr daS Gepräge einer brüderlichen Gemeinschaft geben, sind auch die Ziele ihrer Turnfpielbewegung find eir fließender Jungbrunnen der Frische. Freude un' Gesundung. Der Grundsatz heißt nicht ..Wa? nützt mir meine bessere Leistung?" sondern er heißt: „Wie diene ich dem Ganzen?"
Tagung derÄemker für Leibesübungen der Deutschen Studentenschaft.
Im Anschluß an das Hnllenturn- und Sport» fest der Berliner Studentenschaft fand in Berlin eine Tagung der Aemter für Leibesübungen der Deutschen Studentenschaft statt. Zum erstenmal hatte der Leiter des Hauptamtes für Ccib( - Übungen der Deutschen Studentenschaft, cand. ing. Wortelmann- Hannover, die Vertreter d:r einzelnen Aemter für Leibesübungen an den deutschen Hochschulen zusammenberuf,m um in gemeinsamem Gedankenaustausch Richtlinien für ihre Tätigkeit festzulegen. An der Tagung nahmen auch die nichtstudentischen Mitglieder des Deutschen Hochschulamtes für Leibesübungen teil. Herr Wortelmann berichtete über die Stc!- Lung der Aemter für Leibesübungen an den einzelnen Hochschulen, die Aufgabengebiete der Kreisämter für Leibesübungen und die 'Tätigkeit de- Amtes für Leibesübungen der Deutschen Studentenschaft im Rahmen des Deutschen Hochschulamtes für Leibesübungen. In diesem ist das Amt für Leibesübungen der Deutschen S'udentenschaft in allen wesentlichen Aus'chn^en vertreten. Die Ausschreibungen von Meisterschaften geschehen vom Amt für Leibesübungen der Deutschen Studentenschaft im Einverstßn'nis mit dem Fachausschuß für Turnen und Sport des Dehofl. Zur Frage der Meisterschaften wurde beschlossen, daß in diesem Jahr noch die bereits ausgeschriebenen Spielmeisterschaften sowie dic in der Leichtathletik und im Schwimmen aus- getragen werden sollen. Dagegen sott das nächste Jahr von Meisterschaften frei bleiben, um sich vollkommen der Vorbereitung für das Akademische Olympia 1927 widmen zu können. ES wurde dann noch über die Stellung zu den Turn- und Sportverbänden des D. R. A gesprochen und betont, dah örtlich bereits vielfach mit diesen Verbänden zusammengearbeitet wird und daß eine solche Zusammenarbeit überall an- zustreben sei. Die nächste Tagung der Aemter für Leibesübungen foll im kommenden Sommer stattfinden und hauptfächlich dem Austausch der gemachten Erfahrungen dienen.
Scbvtz vor Ansfättbern.
Do. Der Deutsche Fußballbund hat auf seiner Sitzung in Hannover, wie jetzt nachträglich bekannt wird, auch noch einige wichtige Beschlüsse gefaßt, die wohl in erster Linie als Schntzbefttm- mungen vor dem Eindringen des Professionalismus nach Deutschlarrd gedacht sind. So wurde beschlossen, dah die Spiele ausländischer Vereine in Deutschland auf ein möglichst geringes Maß eingeschränkt werden sollen, und ferner, daß nach Deutschland zuziehende Ausländer zukünftig grundsätzlich zwei Jahre für erste Mannschaften zu sperren sind. Für untere Mannschaften und Gesellschaftsspiele können vom Gesamtvorstand des DFB. beschränkte Ausnahmeri zugelassen werden.
(tzeqen bas Jnqenb-^portabzeichen.
Ebenso wie kürzlich ber Württembergische Philologenverband lehnt auch der Banerilche Lehrerverein ein Turn- und Sportabzeichen für die Jugend ab. Er hat diese Stellungnahme dem Bayerischen Unterrichtsministerium mitgeteilt und begründet die ablehnende Haltung damit, dah durch ein solches Abzeichen bei der Jugend eine falsche Einstellung zu den Leibesübungen geweckt werde. Die gleiche Anschauung haben, wie erinnerlich, auch der Bayerische Turnerbund und der Deutsche Turnerbund vertreten.
Spielplan der frankfurter Theater.
Opernhaus. Sonntag. 15. Febr.. b Uhr: Die Hugenotten. Montag, 16., 61 Ubr: 2er Schatzgräber DienStag, 17.. 71 : übr: R.goletto. Mittwoch. 18., 61/« U^r: Figaros Hochzerr. Donnerstag. 19.. 6*/2 ilbr: Die Hugenotten Freitag. 20., 6Ve ilbr: Der Rosenkavalier. Samstag. 21., 7 ilbr: Der Evangelimann. Sonntag, 22., 6 ilbr- Lobengrin.
Schauspielhaus. Sonntag. 15. Februar, nachm. 3 ilbr: Wilhelm Teil: abends 8 ilbr: Sechs Personen suchen einen Autor. Montag. 16., Z1/« ühr: Iphigenie auf Tauris. Dienstag. 17., 7 Ühr: Troilus und Cressida. Mittwoch. 18., 7 ilbr: Wilhelm Dell. Donnerstag. 19.. 7 il.hr: Troilus und Erefsida. Freitag. 2C 7' ilpr: Dummelstudentien. Samstag. 21 , 7 Uta Ällchael Kramer. Sonntag, 22., 71 , Uhr: Der Kreidekreis.


