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67. Fortsetzung
dein Glück
Ich weift
blieb Gert der Büchse.
Der Äleint
»Ich will die Wahrheit wissen."
„Und wenn du sic hörst, wird sie nicht stören?"
„Freye. ich könnte wieder gehen, jetzt: der Dries traf ein. Und nun
streitet, ihn je erhalten zu haben, aber ich sah den Beweis für daS Gegenteil vor mir. Dor mir! Er hat mich belogen — er hätte sonst Theda nicht heiraten können Aber warum logst d u mit? Warum schwiegst auch du?"
(Schluß folgt.)
Die rote Kafchgar
Äonen von Fedor von Zobeltitz.
ein «infamer Bod. Llnwillkürlich stehen, und feine Hand griff nach Aber er belieft sie aus der Schulter.
- Paß auf
einen zweiten richtete ich an Hcllmut. Er be
tegungSloS in Momenten, die kluge lladttenf- lichkeit erfordern Hätten Hellmut und Alerc Mch 'feg? l>«rteidigen können angesichts dieses
Gert versuchte, ü^r den Sturm ün Herzen hinauszukvmmen. Doch es war nicht so leicht sich »u e.ner Klarheit des Denkens durchzu- kämpfen. Er fragte sich, was geschehen wäre, wenn die beiden ihre Schuld eingestanden hätten. ArchtS - es wäre alles ,o grblieben. wie es war denn er hatte ganz bestimmt keinen Sin- ®eflen die zweite Ehe Lhedas erhoben, selbst wenn er gesetzlich dazu berechtigt gewesen 'SL " bätte .das Tischtuch zerschnitten" zwischen sich und den beiden, weil er der Be- trrvgene nicht kein wollte. Er dachte nicht moralisch tn höherem Sinne, er war ein le cht» sinniger Mensch — nur etwas Pin verwerfliches lebte in ihm. immer noch ein Ertrag von einst, vielleicht der Rasse und der Erziehung, die inneres Fühlen auf Aeußerlichkciten überträgt, aber am Unbedingten festhält Anstand der Sc- sinnung. Unb auch Alere hatte ihn betrogen, die sein Weib werden wollte War ihre Liebe nicht gleichfalls Detrug? —
..Lumpenpad." sprach Gert in die Rächt bin- ein und beschloß, alles, was noch an Leidenschaft für das Weib in ihm sich regte. herauSzureiften — herauszureiften und mit Füßen zu treten. ..Lumpenpack!" schrie er in ausquellendem Ekel. Morgcngrau dämmerte durch die Fenster. Die Spatzen regten sich im wilden Wein des Wandspaliers draußen.
Er ging früh in den Wald, das Gewehr über der Schulter. Es sollte heute noch zur entscheidenden Aussprache mit Alere kommen. Vielleicht leugnete sie alles, was bann? 11 nb wie er so durch das raschelnde Herbstlaub schritt, kam ihm auch die Antwort auf diese Frage. Er wollte nach Kappietfch zu Freye — sie mußte ihn annehmen, er wollle bei ihr cinbringcn und sie zur Rede stellen. Sie über den Verbleib seines Driefes an sie befragen. Denn war der Dries an Hellmut eingetroffen, warum nicht auch der zur selben Stunde abgefanbte? Und hatte sie ihn erhalten, warum war sie nicht trium- phicrcnd nach Groft-Pvnar und der Wesenburg
. . . Doch Gert dachte nicht so. Er schlief in ,dieser Rächt feine Stunde Er wog die Tatsachen zueinander ab, ähnlich wie Alere. doch minder erklügelt. Er war betrogen worden, daS schien ihm seftzustehen. Und es stand auch feft, bah in diesem Detrug ein Ruhen für ihn lag. Er hatte ihm die Freiheit über sich selbst zurück- gegeben und ihn Alete gewinnen helfen. Aber gegen dieses Erkennen des Tatsächlichen bäumte sich sein Mannesstolz ES war alles in al km doch ein schändliches Spiel, weil eine feile Berechnung voranging Man hgtle eine Zwangslage geschaffen, um ihn in der Hand zu haben. Man hatte ihn matt gesetzt, um das lebendige Subjekt in ein tvteS Objekt zu verwandeln, Mensch. Wesen und PersönlichKit einen Degensland, eine Sache. Man war bei AuSspin- nung des Planes nur den eigensten Dorteilen gefolgt und hatte ihn rücksichtslos beiseite geschoben, der doch auch noch da war und von dem man nicht wissen konnte, ob die Trennung von Theda seinen Wünschen und Absichten ent- Iprach. Das erfuhr man erst nachträglich, als QUefc bat OH!erinnerte auS ihm herauszuholen verstand . . .
ES war ein Branden der Gedanken. Theda schied aus. Das kleine dumme Kerlchen hatte sicher keine Ahnung von dem Intrigenspiel, das ihre zweite Ehe eingeleitet hatte. Aber ebenso sicher war, daß Alere mit ihrem Bruder sich zu einer Ideengemeinschaft gefunden, die ihn zuvörderst vor eine vollendete Tatsache stellen sollte. Dann war sie ihm entgegengereift. Ratür- ltch, das lag in der geschaffenen Linie. Alcxe war die Vermittlerin — und sie fing ihn ein.
Mißtrauen durch hämmerte sein Herz. ES kam durchaus folgerichtig. Die .rote Kaschgar" hatte den Anstoß gegeben — und eS grimmte Gert, daß er den Karton mit den verräterischen Marlen nicht einfach an sich genommen unb als Beweisstück vor den Geschwistern auf den Tisch geworfen hatte! Aber man ist häufig über
gefahren und hatte verkündet Gert lebt noch, Gott sei Dank — hier der Beweis!"? —
Kräftiger schritt Gert aus. aeredter, bewußter dessen. waS er zu tun hatte. Klarheit wollte er haben. Klarheit unb Wahrheit! Freye war unfähig einer Lüge, auch einer (Verschleierung Unb hatte sein Brief sie getroffen, so konnte sie nicht geschwiegen haben — es war ganz unmöglich. Sie nicht! —
Am WaMaum führte der Weg ein« Diertel- Ostunbe lang an den Wielen vorüber- Da äste
da drüben halte schon die Stangen abgeworfen, unb man erlegt keinen Bod ohne Krone. Sr war nicht blutdürstig. Rein — er war auch nicht rachgierig. Der Gedanke der Rächt. Hellmut vor die Pistole zu fordern, war längst verflogen. Theda sollte ihren Mann behalten — mochten fic glücklich bleiben! Aber Aufklärung wollte er haben — unb bann den ungeheuren Ekel von sich abfchütteln — unb bann — ? Das wußte er nicht. Wieder in die Welt ziehen, wieder in die Fremde, wieder fort aus der Heimat? Er wußte eS nicht.
Der Wald wurde lichter, die Erika am Gra- bensaum trug schon verblichene Farben, um die wilden Brombeeren schnürte sich ein Spinnennetz weißer Fäden voll naßschillernder Tropfen. Friedlich dehnte unten int Tale das Herrnhuter- dorf sich auS. Ein großer gebedter Transport- wagen, mit vier dicken Gäulen bespannt, fuhr langsam die Strafte hinab. Unb da lag bas Haus auf der Höhe Gert schlug den kleinen Feldweg ein, den Freye zu wählen pflegte, wenn sie in den Wald ging. Er sah im Hofe der Villa übereinandergestellte Kisten. Küchengeräte, allerhand alteS Rlobilar. und sagte sich: Man rüstet schon zum Ausbruch, ich komme gerade noch zur rechten Zeit . . . Zwei Mägde schleppten eine Kommode aus dem Haufe.
„3ft das gnädige Fräulein daheim?" fragte Gert. ..Schwester Freye" konnte man doch nicht mehr sagen.
Da flirrte ein Fenster, unb Freye rief: ,3a, Gert — komm herein!"
©te war dl ast und schrnavvangtg .Ich fad dich schon In der Ferne", tagt« fit, .und ahnt« wohl, daß du au mir wolltest. Du mußt die llnorbnunfl entschuldig««, die bei mir herrsch! — es geht morgen fort.“
.So ganz ohne Lebewohl?“ fragte er.
Sie errötete .Ich hielt es für besser, stillschweigend zu verschwinden. Es ist auch di« Ansicht Austiens."
.Do ist er?“
.In Braunschweig. zu einer letzten Besorgung. Aber setz dich doch. Gert.“
3m Wohnstübchen war es noch leidlich be* haglich. Gert stellte das Gewehr in «ine Ede unb nahm in dem Lehnsessel am Fenster Platz
.Also weSbalb ich hier bin?“ begann er von neuem. »Ich wollte dich fragen, ob du nicht meinen Brief aus Kafchgar berommen hast *$>crt ünüßte so etwa Mitte Juni gewesen fern. Ei- War ein Brief, in dem ich dir kurz von meinen Grlebnillen berichtet« unb bir mitteilte, daß ich demnächst die Heimreife antreten würde."
Freye hatte sich steif in die Sofamitte gesetzt Sic sah Gert nicht an. sie sah starr geradeaus, und ihr Atem ging schwer
„Rirnm diese Frage zurück", entgegnete sie .Ich will sie nicht beantworten . . Unb mit einem kleinen Seufzer fuhr sie fast klagend fort: „®ert. warum kamst du noch zu mir? Ich hatte vor deinen Fragen Angst — und deshalb hoffte ich. wir würden un» nicht Wiedersehen Ist es nicht auch gleichgültig, ob ich den Brief erhielt oder nicht? Du bist ja jetzt glüdlich. was willst du noch!“
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