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Samstag, H. Februar 1925

Giehener AnMger (General-Anzeiger für Gberhessen)

4r.58 Zweites Statt

Die Sicherheitsfrage

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Farbenkler, er subordiniert ihn dem Gesamtein­druck sein.s Bildes, das er aufftcllt, beite-ifall« koordiniert er ihn, aber immer nur auf der Ebene der Malerei des Bühnenbildes. Der Maler auf der Bühne übersieht die körperlichen Bor- aussehungen und Möglichkeiten des Materials, das er zu behandeln hat. Ein Haus, ein Raum, ein Möbel, vor allem der Darsteller, all das sind körperliche Werte, deren, physikalisch ge­sprochen, Massen irgendwie auseinander ab­gestimmt werden müssen. Ein Erlöser erstand hier in dem Architekten.

Der Raumkünstler saht das Problem von ganz anderer Seite an. Er gestaltet die Bühne dreidimensional. Er baut Treppen auf, Iaht Erhöhungen bis zur Rampe vorspringen oder weit zurückweichcn, schafft Höhenunterschiede, baut enge Winkel und weite Räume, je nachdem cs ihm notwendig und richtig erscheint. Bor allem aber eines ist dem Raumtünstler zu danken, die Grunddekoration. Gewiß, der eine oder

andere Bühnenpraktiker mag die Grunddekoration als Kniff schon lange benutzt haben: organisch auf künstlerischer Basis entwickelt hat sie erst der Raumkünstler: Aus der einheitlichen Grund­stimmung des Stückes heraus gilt eS einen fest­stehenden. in allen Bildern wiederkehrenden Grundstock (nicht einen Rahmen) der Dekoration zu schaffen, um den herum sich alles Beiwerk gliedert. Jedes Stück (abgesehen von manchen Produkten des thcatcrtötendcn Raturalismus) läßt sich sv auf irgendeine Grundformel auf­bauen. Abgesehen von den rein technischen ^Er­leichterungen bedeutet das einen starken künst­lerischen Gewinn: Durch Wegfall von Reben- sächlichkeiten. die daS Auge vom Wesentlichen, dem Schau-Spieler, ablenken. wird eine Der- cinhcitlichung und somit Vertiefung des Gesamt- eindruckcs erreicht. Die Bühne wird nicht mehr rum botanischen Garten oder kulturgeschichtlichen

Farbe und Raum, Erlebnis und Ausdruck, Re­quisit und Darsteller klingen im selben Grund­akkord mit und werden GesamterlebniS.

Doch das führt schon zu weit in die Bezirk« des Kapitels Regie, über das in Kürze Ein­gehendes gesagt werden soll.

richteter Dinge zurück.

Jetzt hat Polen wieder eine neue Möglichkeit entdeckt. Man höre und stau­ne I Die Freistadt Danzig hat eS gewagt, die polnische Republik auf das schwerste zu be­leidigen . Mm den verschiedenen polnischen Aemtern in Danzig eine direkte Pvstverbin- dung mit Polen zu ermöglichen und überdies die von Mebersec kommende Post direkt nach Polen weiterzuleiten, hat der englische Ober- kommissar Haking im Mai 1922 Polen die Einrichtung eines eigenen Post- dien st eS in Danzig gestattet. Dieser Postdienst darf sich jedoch lediglich inner­halb LeS polnischen Postgrundstückes abwickeln. Die Anlage irgendwelcher vosNechnisch?n Ein­richtungen außerhalb deS GeoüudeS war aus­drücklich abgelehnt worden. 3n einem weiteren Schreiben des BölkerbundkornmissarS vom 6. Januar 1923 wird dieser Punkt noch einmal ausdrücklich betont. Po en glaubt nun aber, diese Beschränkung nicht sonderlich ernst nehmen zu müssen. Als am 5. Januar das polnische Postamt eröffnet wurde, v.rsäumts man nicht, auch zugleich 22 knallrote Brief­kästen mit dem polnischen Adler an verschie­denen Stellen der Stadt anzubringen. Als einige dieser Briefkästen dann von unbekann- ten Händen schwarz und weih überstrichen wurden, war die Warschauer Regierung beleidigt. Mnd jetzt beginnt sie sogar trotz einer erfolgten Entschuldigung tes Danziger Senats und der Forderung teö, Danziger Böllerbundkommissars Mac Donnell.dte polnischen Briefkästen zu entfernen mit Gewalt zu drohen.

Die polnische Briefkastengeschichte ist zu dumm eingesädelt worden, als daß nicht alle Welt sofort sehen könnte, worum es sich hier handelt. Polen hall Danzig bereits für fturmreif. Danzig, derpolnische" Hafen, muh nach, Warschauer Auffassung möglichst bald an Polen kommen. So hätte man wenigstens das eine Meer, für die Besitz­ergreifung des anderen würde dann schon

k. A l l e n d o r f a. d. Lumda, 13. Febr. Am Sonntag veranstaltete der hiesige Zweigverein des Evangelischen Bundes einen Familienabend, der sehr gut besucht war. Pfarrer Becker aus Giehen

Danzig den polnischen Truppen nie einen ern­sten militärischen Widerstand entgegensetzen könnte. Ein Eingreifen Deutschlands ist un- möglich. Mnd auf den Böllerbundkommissar scheint man neuerdings in Warschauer Re­gierungskreisen kein groheS Gewicht mehr zu legen. Da man sich in Polen über alle oiese Dinge seit langem klar ist, sucht man jetzt krampfhaft nach einer Handhabe, um sagen toir eS ehrlich und deullich den Raub des Danziger Gebietes vorzubereiten. Danzig war bereits einmal in groher Gefahr. Das war im Jahre 1923, als General Zeli- gowski, derHeld von Wilna" sein Aben- im deutschen Danzig wiederholen wollte, gewählte Zeitpunkt erwies sich dann als ungünstig und ZeligowSki, der be- nach Danzig gefahren war, um das zusondieren", kehrte wieder unver-

die neue Londoner Konferenz vorbereitet wird, schon in Genf weiter getrieben. Dort ist am 5. Februar die ständige Militärkommifsion des Völkerbundes, ausgerechnet unter Vorsitz eineS brasilianischen Admirals. zusammen­getreten. Das sind Vorgänge von groher Wich­tigkeit für Deutschland. Die Kommission hat den Auftrag, gemäß dem Militäruntersuchungsplan des Völkerbundes vom 27. September 1921. die Anträge auSzuarbeiten. mit denen die Sicher­heitsgarantien im Sinne Frankreichs und die Sige der entmilitarisierten Zonen in Genf be- cdelt werden sollen. Dort tritt ja im März

Völkerbundsrat zusammen.

Wie erinnerlich, nimmt dieser Milltärunter- fuchungSplan des Völkerbundes ein. wie der Rame sagt, Militärkontrvllrecht in Anspruch, und zwar mit einem erstaunlichen Widerspruch in sich selbst brr einen Teilnehmer des Völkerbundes gegenüber den anderen. An­geblich soll da alles gleichberechtigt sein, und trotzdem will die Gruppe der Seger die Mili» tärkont rolle gegen die Besiegten fortsetzen. Was daS bedeutet, hat ein sehr begründeter und scharfer Protest Ungarns schon gezeigt, der gegen den Plan bereits in Kraft steht.

Für Deutschland hat das noch die weitere erschwerende Bedeutung, daß damit eben die An­gelegenheit der entmilitarisierten Zone verbunden wird. Praktisch bedeutet das in erster Linie die Rheinlandfrage. Und der Kern der ganzen Auseinandersetzung ist, dah für diese Militärkontrolle des Völkerbundes sogenannte ständige Elemente" der Kontrollle in Aussicht genommen werden.

Jene Kommission in Genf, die das für den Völkerbund vvrbereiten solll, steht ausschließlich unter den Gesichtspunkten der Militärs und besonders der französischen Mllitärs. Stän­dige Elemente der Kontrollle im Dienste des Völkerbundes, das heiht nichts anderes, als dah nach Beendigung des Ruhrkonfliktes und nach Aufhören ter Besahungsfristen im Rheinland eine Okkupation dieses Rheinlandes durch die Alliierten auf eine unabsehbare Zeit festgestellt fein würde. Es bedarf keines Wortes, dah eine solche Lösung für Deutschland schlechterdings un­annehmbar ist!

Die andere Seite, soweit sie den Wunsch hat, Deutschland zum Eintritt in den Völkerbund zu bewegen, mag sich diese Sache einmal daraufhin anfeben. In ter Richtung, in der die Kommission in Genf und ziemlich sicher auch der Völkerbunds, rat gehen werden, geht der Weg immer weiter ab von dem Ziele. Deutschland zum Eintritt in den Bund zu gewinnen. Das kann keine Partei in Deutschland fordern und riskieren, den Ein­

am 14. Februar. (Händlerpreise) Cs kostete das Pfund: Butter 190 bis Matte 30 bis 35. Käse 60 bis 65, Wirsing 20, Weißkraut 15, Rotkraut 20, gelbe Rüben 10. rote Rüben 15. Spinat 40, Unter-Kohlrabi 8, Grünkohl 20. Rosenkohl 60. Feldsalat 100, To­maten 150, Zwiebeln 15. Meerrettich 70 bis 100, Schwarzwurzeln 70, Kartoffeln 5. Aepsel 15 bis 20. Birnen 12 bis 15. Dörrobst 30, Honig 30 bis 40 Suppenhühner 120, Endivien 100; das Stück: Eier 13 bis 14. Blumenkohl 70 bis 200. Salat 50, Lauch 5 bis 20. Sellerie 30 bis 100 Pf.

gen Holzversteigerung im Staats­wald der Försterei TreiS a. d. Lda wurden folgende Preise erzielt: Sichenschnllt- holz 3. Kl. 77,59 Mk., Eichenschnittholz 4 Kl. 6130 Mk., Eichenstammholz 4. Kl. 40,12 Mk., Ei'chenstammholz 5. Kl. 32.86 Mk. Eichenstamm­holz 6. Kl. 25.19 Mk., Eichenderbstangen 1. Kl. 60 Mk.. Ficht enter bstangen 1 Kl. 28.27 Mk., Fichtenterbstangen 2. Kl. 25,40 Mk., reisstangen 1. Kl. 23,68 Mk. je Fstm., Eichen- Ruyscheiter 17,31 Mk., Duchenscheiter 13,66 Mk., Eichenscheiter 8.67 Mk., Kiefernscheiter 7,06 Mk., Duchentnüppel 10,12 Mk., Eichenknüppel 5.31 Mk., Kiefernknüppel 4,88 Mk., Duchenretsig 1,43 Mk, Cichenreisig 0,65 Mk., Buchenstocke 4.47 All, Eichenstöcke 3,32 Mk.. Kiefemstöcke 4, Mk.

von Bühnen-Bild und -Raum.

Von Chrhard Evers.

Es gibt kein Programm und keine Doktrin km Reiche des Theaters. Sein Reiz ist der Wechsel des Elements. Aber für die Beherrschung dieses Elements gelten immer die gleichen Gesetze. Darum ist hier eine Diktatur notwendig: eines bildenden Künstlers mit Thcaterinstinkt, eines Regisseurs mit bildnerischer Kraft."

So schrieb Oskar Fischel 1923 in seinem bei Ernst Wasmuth erschienenen Werke ..Das moderne Bühnenbild". Das Buch wurzelt wesentlich in Berlin; eine Unmenge Reinhardt- cher Dekorationen findet man wieder. Emil r I i f, Ernst Stern . Knina. Ludwig meiner. Hans Poelzig . Alfred Rolle r, Fritz Schumacher. Emil P i r ch a n . I. E. P i l l a r tz . Eesar Klein sind alles Ramen. tec in diesem Zusammenhang mit Berlin verknüpit sind, mit dem Deutschen Theater, mit bem Zir­kus. mit Jeßner Staatstheater. Im Abstand findet sich München mit einigen Inszenierungen, dazu Gera, Dresden. Darmstadt, Mainz; das sind so die Wesentlichsten.

Ratürlich ist vieles heute überholt. Rein­hardt, noch vor wenig Jahren ein Problem, ist heute eine Episode, und kaum mehr das. Doch bleibt es immer interessant genug, solch einen Querschnitt einer kurzen Spanne im Bild fest- gehalten zu sehen; festzustellen, wie der Maler, wie der Architekt, wie der Tänzer die Bühne behandell.

Der moderne Regisseur war die Reaktion auf den Maschinenmeister des Raturalismus. er bedeutete eine Abkehr von der toten Technik und eine Wendung zur lebendigen Kunst. Zunächst glaubte man an die Farbe. Aber sie allein brachte nicht die notwendige Lösung. Der Waler auf der Bühne benutzt den Schauspieler nur als

Sowjetruhland die Ukraine erhallen soll, wenn I eS an dem Feldzug gegen die rote Armee I tcilnimmt Aber trotz alledem verhehlt man cs sich m Polen nicht, dah diese Plane vor­läufig noch nicht zu verwirklichen sind. Dafür wachsen neuerdings die Gelüste nach der Ostsee ins Riesenhafte.

Die Warschauer Danzigpolitik ist bekannt genug, als dah es lohnen würde, an dieser Stelle noch einmal Einzelhellen zu wiederholen. Polen weih nur zu gut, dah

Don Meer zu Meer.

Bon unserem Warschauer R. S.-Mitarbeller.

R.S. Warschau im Februar.

ES entspringt schon dem Wesen oer pol­nischen Bolkspsyche, dah immer, wenn oer Winter seinem Ende entgegengeht, plötzlich das Heldenblut der Ahnen in den Adern der hundertprozentigen Polen zu rebellieren be­ginnt. Die Wünsche und Erwartungen, die man jetzt wieder in Polen hegt, sind nun zwar nicht gerade neuesten Datums. GS handelt sich um den allen Traum von der Groh- machtstcllung, von einem Polen von Meer zu Meer. 3n Warschau glaubte man sich diesem Ziele schon einmal nahe. Das war im Jahre 1920, als Polen mit Sow­jet r u h l a n d im Krieg lag und d i e Ukraine besetzt hatte. Pilsudski, der damals während ci.icr Inspektionsreise auch Kiew besuchte, sprach in einer Red' ganz offen seine Freude darüber au3, da') die pol­nische Republik auf dem besten Dege sei, in den Besitz der altenhistorischen Grenzen" zu kommen. Die weitere Entwicklung Oed polnisch-russischen Krieges vernichtete diese Hoffnungen. Das rote Heer drängte die pol­nischen Truppen zurück und so siel dasPolen von Meer zu Meer" wieder einmal ins Wasser. Rcues Ocl wurde jetzt ins Feuer geworfen, als man vor kurzem den vor 900 Jahren gekrönten polnischen König Boles­law Chrobry feierte. Diesem war eS näm­lich gelungen, vorübergehend die Slawen unter polnischer Herrschaft zu einigen unD daS berüchtigte Polenvon Meer zu Meer" zu gründen. Boleslaw Ehrobrys Werk brach dann zusammen. Der Gedanke aber an eine Großmacht Polen' aber spukt seit jener Zeit in den polnischen Köpfen weiter herum. Und jetzt glaubt man in Warschau die Zeit wieder einmal gekommen, um den alten Plan zu verwirklichen.

ES ist wahr, das Schwarze Meer ist von Polens überreichlich weitgesteckten Gren­zen dlxb noch ein ganzes Stück ent­fernt. Aber das schadet nichts. In Warschau ist man fest davon überzeugt, dah auch hier noch der Tag kommen wird, an dem die polnische Regierung ihre Hand recht weit nach Südwestruhland wird ausstrecken können. Einneuer Krieg mll Sowjetruhland könnte dazu einen Anlaß geben oder auch ein Umsturz in Rußland selbst. ES wird schon jetzt viel davon geschwatzt, daß Polen bei der angeblich geplanten Intervention gegen

Gießener Stadttheater.

LShar:Die lustige Witwe".

Rach einer einleitenden Generalprobe dcS Vorspiels wurde gestern abenb wirklich die »Lu­stige Witwe" gegeben.

Mit der musikalischen Leitung Kapellmeister Albert Mischels konnte man sich im ganzen einverstanden erklären; das Vorspiel zum zweiten Auszug lediglich hätte eine bessere Durcharbeitung im einzelnen und mehr Frische vertragen.

Als Gast aus dem Frankfurter Opernhaus fang Willy ThuniS ten Eamille de Rofillon. für den sich Valencienne (Else Simon) gewiß nicht wegen seiner stimmlichen Vorzüge inter­essierte. Ernst Dadekow als Gras Danllo und Meta Liebermann als Hanna Glawari waren von erprobter Tüchtigkeit. Joseph M Schreiber (Baron Zeta) entledigte sich seiner Aufgabe nach bestem Können. Besonders hervor­gehoben zu werden verdient die schauspielerische Leistung Karl Stadis als Kanzlist Rjegus.

Die Spielleitung (Ernst B a d e k o w) hatte wieder für viel Leben und flottes Tempo im Spiel gesorgt, vor allem aber muß die lebendige (in Plastik und Farbe gleich erfreuliche) Arbeit des Bühnenbildners (Karl Löffler) anerkannt wertem

Die »Lustige Witwe" hat ttotz ihres Alters auch heute noch viele Liebhaber. Der reiche Bei­fall nach ten Aktschlüssen bewies das von neuem.

tritt m einen solchen Bund zu vollziehen, wo tatsächlich Sieger und Besiegte wieder neben­einander stehen und wo tn einer anderen Form die bisherige Wirtschaft fortgesetzt wird. Um so verlogener, wenn man übet alles dieses dann die Soße deS Bundes der Völker zum Schutz ter Gerechtigkeit und Sicherheit gießt.

Der Reichskanzler hat in seiner Rete vom 30. Januar erklärt und das auch wiederholt, dah Deutschland zu einer Erörterung ter Ga­rantiefrage bereit fei. Die Rete hat im Ausland wenig Echo gefunden. Sehr begreiflich, well man das auf der anderen Seite gar nicht will. Keine Besprechung mit Deutschland, in ter dieleS gleichberechtigt fei und seine Lebensnotwendig­keiten vertreten könnte. Man will sich unter­einander einigen und Deutschland feinen Willen aufzwingen, und das Abstoßende und Widerwärtige ist. dah dafür eine Organisation wie der Völkerbund eingefangen werden soll, der unter allgemeinen Gedanken und schönen Hoffnungen inS Leben gerufen worden ist.

Daraus wird sich die deutsche Politll nicht einlaffen. Man halte sich in Deutschland diesen Zusammenhang vor Augen, an dem mit Milllär- kontrolle (die eben deshalb so endloS lange ver­schleppt wird). Räumung der Kölner Zone und deS Ruhrgebietes. Sicherheitsfrage. Rheinland- frage unzweifelhaft eine große außenpolitische Krisis heraufzieht. Es ist eine Zeit vorüber­gehender Ruhe jetzt, ganz bestimmt aber nicht eine Zeit, in der man sich in der Außenpolitik schlasen legen könnte. Im Gegenteil; gerate in diesen sehr wichtigen, zentral werdenden Fragen ist das jetzt die Stille vor dem Sturm!

Aus der Provinz.

Landkreis Gichcn.

fr Gr ohen-Linden . 14 Febr Seinen 7 0. Geburtstag kann am nächsten Montag in körperlicher und geistiger Rüstigkeit unter Alt­bürgermeister Leun feiern, ter als langjähriges Mitglied deS früheren Hessischen Landtags auch in weiteren Kreisen bekannt geworden ist. Schon mit 29 Jahren wurde er zum Bürgermeister ge­wählt und hat dieses Amt länger alt ein Men­schenalter bekleidet. Seine Tätigkeit fand ihren besonderen Ausdruck in einer bemerkenswerten räumlichen Ausdehnung und in einem reicheren inneren Ausbau der Gemeinte, insbesondere ihrer Wohlfahrtseinrichtungen. Die Entwicklung einer regen Bautätigkeit wurde durch die von ihm alS- bald eiwirkte .Haltestelle" an ter Main-Weser- bahn eingeleitet, und im Laufe der Zeit entstand unter seiner stets bereiten Mitwirkung ein um­sangreicher neuer Ortsteil nach dem Bahnhof hin. Manche Sorge früherer Zeit ersparte er dadurch seiner Gemeinde, daß er die Rieterlal- Tung eines Arztes und einer Apotheke ernwg lichte. Die tägliche Arbeit in HauS und Hof er­leichterte er durch die Anlage einer Wasserlei­tung. deren weithin sichtbares Wahrzeichen, das sogenannte .WasserhauS". mit seinen drei be­wohnten Stockwerken auf ter Höhe deS OrtS- einganges vorn Bahnhof her sofort jedem Frem­den auffällt. In sinnreicher Verbindung mit cir.cm neuen Gemeindebackhaus schuf er eine Gemeinte- Bateanstalt. Wenn jetzt in absehbarer Zeit unsere Landwirte die großen Verkehrsannehmlichkeiten ter Feldbereinigung genießen können, so darf man nicht vergessen, dah es eine Zeit gab. wo viele Aecker somitten drinnen" lagen, daß die Besitzer nur mit Schaden und Aerger für die An­lieger auf ihr Eigentum gelangen konnten, und daß sie ihre Ernte mühsam auf den nächsten Feldweg heraustragen mußten; diesem Hebel- stand suchte ter Jubilar unter Heberwindung mancher Schwierigkeit durch Anlage klein, rer Feldwege wirksam abzuhelfen. Kirche und Schule fanden an ihm einen wirksamen Förderer, wenn es ihm neben ter Wiederherstellung unserer alt- ehrwürdigen Kirche auch nicht vergönnt war. unsere Kinder, deren Zahl inzwischen von zwei auf sieten Klassen herangewachsen ist, in einem ten Anforderungen ter Zeit entsprechenden Reu­bau zusammenzuführen. Vor einigen Jahren er­nannte die Gemeinte ihren inzwischen vom Amte zurückgetretenen Bürgermeister zum Ehren­bürger, und gern wird mancher inner- und außerhalb der Gemarkung des nunmehr ©iebfrig- jährigen gedenken.

* Heuchelheim. 13. Febr. Hier ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festge­stellt worden. Die Gemarkung Heuchelheim ist Sperrbezirk.

f Treis a.d. L.. 13. Febr. Infolge bet Feldtereinigung. aus Mangel an Brennstoff und erst recht durch den kalten Winter 23/24 sind in unserer Gemeinde viele Obst bäume be­seitigt worden ober eingegangen, die zu ersehen jetzt höchste Zeit ist. Es werden des­halb jetzt viele neue Obstbaumanlagen gemacht, es fehlt aber vielfach an der rechten Geschicklich­keit zum Sehen der Bäume und der Auswahl der Obstsorten. Daher hat die Landwirtschasts- kammer auf Veranlassung der Bürgermeisterei die Abhaltung des bereits angekündigten Dor- trags durch Obstbauinspektor Wießner an­geordnet.

«T reisa. b. Lda., 13. Febr. Bei ter geftn-

Uußenpolitische Umschau.

Don Professor Dr. Otto H o e h s ch. M. d. R.

Aeutzerlich ist eine Zeit ter außenpolitischen Ruhe. In Deutschland ist man mit dem Kampf um bestimmte Handelsverträge und ter Vorbereitung für die eigentlichen handelspoliti­schen Auseinandersetzungen beschäftigt. Zwischen England und Frankreich gehen die Vor- berettungen auf die neue Zusammenkunft^ zwi­schen Ehamterlain und Herriot. den nächsten Versuch einer Einigung über die Schulden frage. Dahinter steht und damit verbunden ist immer wieder, sicherlich in den nächsten un"

Monaten nicht abreißend, die ganze Vicher- heitSfrage in ihrer vielgestaltigen Form.

Die Kämpfe um die Vorlage des Vertrages mit Spanien sind Vorspiele des Kampfe«, ter in den nächsten Wochen und Monaten immer stärker werden wird. Roch liegt de Linie nicht zur Genüge fest, auf der die deutsche Handels- Politik gehalten werten soll. Roch find Ent­scheidungen nicht gefallen, ob das notwendige Schutzbedürfnis unserer nationalen Produktion auch feine Berücksichtigung finden und sich durch- setzen wird. Roch ist nicht ttar. wie Deutschland die Meistbegünstigung in den verschiedenen Fällen intoenten und verstehen soll. Hnsere leitenden Grundsätze bleiben immer die gleichen Kein Handelsvertrag, der nicht die Lebensnotwendig- Hten ter deutschen Wirtschaft, des Binnen­marktes. der nationalen Produktion, also auch der Landwirtschaft, voll berücks'.ch igt Kmn Han- delSvertraa. in dem Deutschland nicht vollständig gleichber«ytigt mit den anderen Vertragspartnern behandelt ist. Man prüfe nach diesen Grund­sätzen, was bisher über ten deutsch^nglischen Handelsvertrag, die Regelung mit Frankreich, die Vorlage für Spanien usw. zur öffentlichen örörterung und zum Kampfe im Parlament gestellt ist!

bleibt ihrem eigensten Berus treu: Der Kunst, in diesem Falle dem Schauspiel, $u dienen.

Soweit ist unser Publikum un allgemeinen heute erzogen. Die Kämpfe, die sich jetzt im und um das Theater abspielen, führen noch etwas weiter voraus. Bisher gaU die Guckkasten­bühne als Schauplatz der für das Theater gemachten Stücke. Hnd alle Bühnendichter haben seit den Klafsllern für diese Guckkastenbühne (die durch die Bekanntschaft mit der italienischen Oper nach Deutschland kam) geschrieben. Hans Sachs in Deutschland. Shakespeare in England, Sophokles in Griechenland hatten offene Räume, in denen sie spielten. Sie wußten nichts von demGesetz ter vierten Wand". Ihre Zu­schauer umstanden von allen Seiten (die Rück­wand mit dem Hmfleiberaum ausgenommen) das Podium, auf dem gespielt wurde. Das große Schauspielhaus in Berlin ist zu solchen Auffüh­rungen geschaffen. (Hnvergehlich bleibt ein Dan­ton-Abend mit den Dollsszenen.) Die neue Büh­nenform will in Erinnerung an die alte, theater- cdjtc Schauspielkunst hieran wieder anknüpfen und mit dem alten Guckkastensystem aufräumen. Freilich fehlen noch sehr die Stücke, die auf das neue Theater zugeschnllten sind. Denn man kann nicht nur und immer wieder die Griechen. Shake­speare, Grabbe. Büchner, Kleist und den Faust geben. Aber einen Weg z u dem neuen Theater glaube ich zu sehen:

Den Tänzer-Regisseur. ES gibt.ihn schon, wenn auch vereinzelt. Ihm ist nicht Bild, nicht Plastik deS Raumes wesentlich; er kon­zentriert die Figuren feiner Meure in den Raum hinein. Di. Spannungslinten teS Stückes laufen parallel mit ten Dewegungslinien ter Dar­steller. Richt allein Proportionen deS Räum­lichen werden geschaffen, auch Rhythmus des Wimen schwingt in dem Raume ohne Dissonanz, zum botanischen warten ooer uuiurg.w^u.u^.. Hier ist die Yöchste^nteit der A^teuc^mog- Museum oder Weltpanorama erniedrigt, sondern ' llchketten erreicht: Stoffliches und Gedankliches,