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Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gverhessen)

Itt.H Swetter Blatt

Stärke

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Alles, was an Schaum jetzt hochspritzt in den Parlamenten, zeigt eben, bah es unter der Oberfläche g gcncinanbcr anbranbenbe

inungen u> rj endgült.g trotz aller Demokratie nicht entsch eben in offenen Versammlungen der Parlamente, sondern hinter verschlosse­ne r. Düren, wo Parieführer verhandeln und seilschpu The diese Ströme nicht den Aus­gleich gefunden haben in den aufs engste mit­einander verkoppelten Regierungsb.ldungen im Reich und in Preußen, werden auch ernsthafte Aufgaben nicht in Angriff genommen werden können.

Wohl liegen aus dem alten Landtag uner­ledigte Aufgaben genug vor man braucht nur an die scgenannte große Verwaltungsre- f v r in zu erinnern, an die Hohenzollern- Abfindung, an die Regelung der preußischen Finanzen im Rahmen der zu erwartenden Rrichsfinanzresorm Der Etat für 1925 ist na­türlich auch vorbereitet und verlangt dringend nach Parlamentär scher B Handlung. Aber nie­mand wird nad) den Erlebnissen der ersten Tage annehmen, daß der Landtag für solche Auf­gaben arbeitsfähig ist. Zunächst muh, wenn nicht eine Klärung, so doch eine zeitwellige Beruhi­gung eintreten. Dann erst wird die seit über einem halben Jahr ziemlich stillgestellte Gesetz- gebungsmaschine wieder ihren Gang beginnen können. Alles, was für die nächste Zeit zu er­warten ist, kann nur als ein repräsentatives Be­gleitspiel ang sehen werden zu den entscheidenden Kämpfen darüber, ob der Sinn der Dezember- Wahlen ebenso gefälscht werden faim, wie die Maiwahlen zum Reichstag. Der aufmerksame Beobachter wird aber aus solchen Erlebnissen seine Weigerungen darüber z ehen, ob der heut veifassungtmäß ge formale Parlamentär s nus in Deutschland wirklich die Mög ichkeit bietet, den pi Mischen Willen des Dolkes zum Ausdruck

in gemessenem Schritte eines Trauermarsch«! ver- Hingt das Werk. - Auch hier wieder blieb in der Wiedergabe mancher Wunsch offen, die Ge­sichtsbreite der slawischen Äarrtikne fehlte, von technischen Unklarheiten abgesehen.

Moderne und slawische Musil mochten den Künstlern nicht liegen, daß sie aber den Anfor­derungen an Beethovens großem 6-Dur-Trio nicht gewachten waren, gibt zu denken. Bei Beethoven ist der gesamte Aufbau der Form streng gegliedert. ein Adweichen, ein Richt­treffen des richtigen Tempos, läßt das ganze Gebäude Wanken. Das Scherzo war viel zu schnell genommen worden, die intimen Reize verflogen ohne Wirkung! das Thema des An­dante soll auch durch all die vielen Klangauf­lösungen und Klangbrechungen immer wieder durch klingen. hier verlor man den Faden, von technischen Unzulänglichkeiten ganz zu schweigen. Bei öffentlich wirkenden Künstlern doch Eie erste Voraussetzung, die Werke tech­nisch zu beherrschen. Ich glaube mich nicht zu täuschen, daß man hier in Gießen in häus­lichen Kreisen das 6-Dar-Trio schon mit mehr Liebe. Hingabe und Musikalltät zur Aufführung gebracht hat. Dem Gießener Konzeriverein ist es zu danken, daß er die Bekanntschaft mit den beiden fo interessanten Werken vermittelte: vielleicht bietet fich für später Gelegenheit, das eine oder das andere Werk mit anderen Kräften wieder im Programm erscheinen zu lassen.

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Strömungen von ungewöhnlicher b». llnb das Ringen dieser Siro-

Der Preußenlandtag.

Don Universitätsprofessor Dr. Kähler- Greifswald, M. d. L.

Wenn ein an die parlamentarischen Sitten der nachrevolutionären Zeit noch nicht gewöhnter Tribünenbefucher die ersten Sitzungen des Preuhenparlaments mitgemacht hat. dann hat er zweifellos den Eindruck eines Aarrenhauses ge­habt. Für den Außenstehenden sind solche Der- Handlungstage einfach unverständlich. Ein neuer sozialdemokratischer Präsi­dent. dem außer seinen eigenen Parteifreunden noch Demokraten und Zentrum ihre Stimmen ge­geben haben, ruft den sicherlich seine Worte wä­genden und alterfahrenen Parlamentarier D. Winkler, den Führer der deutschnationalen Fraktion, zur Ordnung, weil er Zweifel daran äußerte, ob der Abg. Braun der zur Zeit als Ministerpräsident des vorigen Landtags noch die Geschäfte des preußischen Staatsminifteriums leitet, mit der Abgabe seiner Erklärung zur Rheinlandfrage in der Landtagssitzung taktvoll gehandelt habe. Takt ist auch in der Politik ein Fingerspitzengefühl für das in einer gegebenen Lage Richtige und Zweckmäßige. Ob dieses ver­feinerte Gesiihl bei einem Abgeordneten vor­handen ist oder nicht, toirb man doch wohl noch im Landtage bezweifeln können, ohne deshalb die parlamentarische Sitte zu verletzen. Was lind Denn heute überhaupt parlamentarische Sitten? Derselbe Präsident aber läßt einen Zwischenruf eines kommunistischen Fl gels unge­rügt. welcher dem Zentrumsabgeordneten Wilder­mann zuruft: .Lügenpfaffe". Das verstößt also nicht gegen die parlamentarische Ordnung!

Die Wahl des Präsidenten ist für den preußischen Landtag zunächst nut eine vor­läufige, erst nach vier Wochen findet die end- gülttge Wahl auf vier Jahre statt. Aber trotzdem ist sie ein Akt von erheblicher politischer Bedeu­tung. Obwohl dieser Landtag wie alle seine Vor­gänger keine sozialdemokratische Mehrheit hat, wählen zwei bürgerliche Parteien wieder einen Iyzialdemokratischen Präsidenten. Uni) dieser Prä­sident hat nicht nur parlamentarische Rechte und Pflichten, sondern ist eine Art von Ersatz für den fehlenden preußischen Staatspräsidenten, er hat dessen repräsentative Stellung und er hat mit dem Präsidenten des Staatsrats und des Staatsmintsteriums gemeinschaftlich das Reckst, den ßanbtag aufzulösen. Die Ausübung dieses Rechtes ist noch nicht aktuell geworden und wird wohl auch in den nächsten vier Wochen nicht aktuell werden, aber sie liegt heute durch den Wlllen des Zentrums in der Hand der So­zialdemokratie Aber auch für den Augenblick ist diese Präsidentenwahl politisch bedeutsam. Das Zentrum bekundet damit seinen Willen, zu­nächst für die kommenden vier Wochen freie Hand zu behalten. Man meint viel,ach. diese Wahl bedeute bereits eine endgültige Bindung. Davon kann keine Rede sein: wer das Zentrum kennt, weiß, daß das Zentrum sich in parlamen­tarischen und politischen Fragen nie früher bindet als eine Minute vor Zwölf.

So ist es auch noch keine endgültige Ent­scheidung. daß die Zentrumsminister in dem Rumvfkabinett geblieben sind. Sie habm d e Auffassung der Dolkspariei über die Derfassungs- mc.b gleit des künstlich verlängerten Kabinetts desAbgeordneten" Braun abgelehnt. Damit ist aber gar nichts gejagt über ihre Stellung zu einer Reubildung der preußischen Regierung aus ps Mischen Gründen, wenn die Dinge im Reich sich geklärt haben werden. Dori aber liegt es ebenso wie in Preußen Alles noch unent­schieden.

Wiederaufnahme der parlamentarischen Ar­beit" was bedeutet das? Solange ein sehr erheblicher Teil des Landtiees der Ansicht ist, daß die zurze t amtierende Regierung nicht ver­fassungsmäßig ist. kann von einer Wieder­aufnahme der farlam ntiridjci Ara et nicht die Rede fein. Cs handelt sch bei den Sturmszenen im Landtag ja nicht etwa nur um Rachwirkungen des Wahlkampfes. Ratürlich s nd manche Abge­ordnete. namentlich Parlamentär sche Reulinge, noch etwas in den Formen und im Ton der Volksversammlungen befangen, ilnö natürlich ist damit zu rechnen, daß die kleine Gruppe der Rationalsozialisten unter Führung von Herrn V. u l l e, da sie die Rechte einer Fraktion nicht besitzt, auch weiterhin von dem parlamen­tarischen Rechte des Widerspruchs jedes einzelnen Abgeordneten gegen gew sse Vereinfachungen des parlamentarischen Betriebes Gebrauch machen wird, so wie Herr Wulle die Wiederwahl des Zentrumsabgeordneten Dr. P o r s ch um ganze dreiviertel Stunden hinauszögerte, indem er gegen die Wahl durch Zuruf W.derspruch erhob.

Aber wenn die D e u t s ch n a t i o n a l e Bolls Partei gcm.inschaftlich von dem auch in ruh-gen gönnen möglichen Recht der Ob ft r u 11 i o n Gebrauch machen, dann wird es kaum möglich fein, die Geseygebungsmaschine in Gang zu setzten. D.nn eine Wiederholung der Rotver- ordnungstragödie ist ausgeschlossen.

Aus der Provinz.

Landkreis Gießen.

y. ©taufenberg, 13. Jan. Heute morgen zwischen 7 und 8 Uhr wurde die mit Erntevor- raten angefüllte Feldscheuer des Gutspäch- ters Dörrs chuck (Ariedelhausen), die irn Felde in der Rähe der Tiefenbach steht, ein Raub der Flammen. Die Dreschmaschine, die sich in der Scheuer befand, verbrannte mit. Man Der- rtiutet Brand st iftung.

eu. Beuern, 13 Jan. Der älteste Gesang­verein unseres Ortes, der Gesangverein Polyhymnia feierte heute abend im größten Saale dahier, in ö?m neu erweiterten Sa lle der Germania", fein Wint röergnügen. das f.ch e nes guten Besuches erfreute. Rach der Eröffnungs­musik und einem Chorlied begrüßte der Vorsitzende Wilhelm Hermann jun. die Aiw.senden und wies mit markanten W rten auf die große Bedeutung des Männerg fa. ges hin. Der Abend wurde ausgefüllt von ernsten und heiteren Ge- sangsvorträgen. Im Mittelpunkt di.ser Darbie­tungen stand ein größeres dreiaktiges Schauspiel Die beiden Brüder", das gut gespielt wurde und deshalb auch großen Beifall fand. Ein Tänz­chen beschloß das Fest, wobei besonders auch die älteren Mitglieder und Ehrenmitglieder nicht zu kurz kamen Aus Anlaß seines 55jährigen Bestehens hält der Gesangverein Polyhym- nia kommende Pfingsten ein dreitägiges Gefangsfest ab. Seit einem Jahr steht der Verein unter Leitung des Dirigenten Heinrich S ch o m b e r. Die Vorbereitungen zum Gefangs­fest sind in vollem Gange. Zahlreiche Vereine haben ihr Erscheinen in Aussicht gestellt. Der Vertretertag am 18. d. M, dahier im Vereins­lokal. der wegen d.r schlechten Zugverbindungen gleich nach Mittag begannen muß, toi/ö sich schon mit endgültigen Beschlüssen befassen.

Burkhardsfelden 13. Jan. Aus dem kirchl.chen Jahresbericht unserer Gemeinde sei folgendes mitgeteilt: Es wurden in 1924 getauft 8 K nder, konfirmiert wurden 13 K nder. Getraut w-rden 4 Paare, kirchlich beerb'gt 8 G'meind gl ber. die m t einer Aus­nahme das 60. Leb.nsjahr bereits überschritten hatten. Z in hl. Ab mbmahl g'ngen 42o männl che und 501 we bliche P rfonen. außerdem fanden 34 Krankenkommun onen statt An freitoi ligen Ga­ben und Kollekten w.irden gefbenbet 423 Mark Von be onderen Veranstaltungen ist zu erwähnen ein M sf .onSvortrag. den Miss onar Spaich aus Frankfurt hielt. Im Sommer fand hier das Kirchengefangvereinsfest des Dekanats Gießen statt, das bei herrlichen Wetter im Freien abge­halten wurde und einen schönen Ve lauf namn. Am 17. Juli w rde unser Kirchturm d vi) Blitz­schlag schwer beschädigt, die Gemeind? ließ ihn alsbald schöner denn vordem wieder Herstellen. Im Herbst Helt der Superintendent für Ober- Hessen D. Petersen eine ordentl che Kirchen- v sitativn hier ab. Zu Beginn der Advenlszeit fand ein Konfirmanden-Elternabend statt. Am 4. Advent beging unsere Kle nkin erschule in der Kirche unter dem brennenden Christbaum ihre Weihnachtsfeier. Mit einem feierlichen S lvester- gottesdienst beim Licht der Weihnachtskerzen beschloß die Gemeinde das alte Jahr

v Grünberg. 12. Jan. In der heutigen Gemein deratssihung gibt der Vorsitzende

Werkes hinweg. Mit Ausnahme des Klaviers hörte ich weder vom Cello noch von der Geige ein wirkliches Plano, geschweige denn ein Pia° nissimo: ein Ritardando sch en es ebenfalls nicht zu geben. Die einzelnen, oft wechselnden Stimmungen kamen nicht voll zur Geltung, große Steigerungen wurden zur Unmöglichkeit: und dem Hörer wurde so der Weg zum Verständnis des Werkes verschlossen.

Tschaikowsky widmete sein Trio dem An­denken seines Moskauer Freundes und Gön­ners Rikolai Rubinstein. Der erste Satz. Pezzo elcglaco steht unter dem Eindruck des Ereig­nisses. Tas Cello beginnt mit einer Klage, be­antwortet von der Geige und dem Klavier. 3m Allegro ginsto (E-Dur) tritt das Gegenthema dazu: die Turchführung gestaltet immer wieder neu. und der Sah verllmgt in A-Moll. (Die Wiederkehr der beiden Themen wurde dem Hörer durch einen Sprung vorenthalten.) Im 2. Sah:Tema con Dariazioni" weiß Tschai­kowsky sein Thema immer wieder in neuem Lichte seiner Rassenbegabung zu zeigen, unab­hängig von der Tendenz des Werkes: Kantilene. scherzoso. Tempo di Valfe (Vers 7 und 8 IFugej fielen fort), fei es im Andante fleblle. in dem er so überaus zart zum Hörer spricht, sei es im Tempo di Marzurka. die Them en des Fi­nales klingen an das Variationsthema an: Alle­gro rifcluto e con fuoco (wieder mit erheblichen Strichen). Das Klagethema des ersten Satzes A-Moli erscheint, zur höchsten Kraft gesteigert,

spiimt sich fort das Cello teilt sich mit dem Klavier in das 1. Klavielthema aus beiden Themen heraus wächst eine leidenschaftliche Kan­tilene. die mehrfach verhallend und überaus innerlich erregt, die Tonart oft wechselnd immer wieder in neuem Lichte erscheint. Die Linie steigert fich, rhythmische Akzente ver­stärken sich - dreifaches f rte, dann Verebben der Bewegung in pianisfimo. Ein kurzes Fu­gato führt wieder zur Kantilene, wieder ver- llingend. eine absteigende Linie (pp). erst in der Geige, dann im Cello führt zum Anfangs­thema hin. Ein nochmaliges Herauswachfen in leidenschaftlicher Bewegtheit, ein Verklingen, wieder die Achtelbewegung auf dem C ver­hallend bis zum pppp. Die Geig, luyri mit einer aufwärisfchwebenden Linie zu einem lang­samen Sah (Sehr ruhig und ausdrucksvoll") voller Klangschönheit und Zartheit (H-Dur). Der Rhythmus erwacht, einLebhaft" in strenger Form führt diesen fast scherzoartig anzusprechen- den Satz, unterbrochen von einem Intermezzo in Cis-Moll, zu einem breitausladenden Schluß­teil in strahlendem C-Dur.

Dies die Grundzüge des oft an Brahms ge­mahnenden Werkes. Die Frage, ob es den Hö­rem zu einem Erlebnis geworden ist. kann man wohl im allgemeinen verneinen, denn die dar­bietenden Künstler (das westdeutsche Trio drei Damen) verleugneten ihre weibllche Eigen­art. Statt tiebeDotier und gewissenhatte Ein­fühlung gingen sie über die Feinheilen des

Mittwoch, 14, JaMlar 1925

schaftlicher Fehler. Run wird auf der BafiS bet Meistbegünstigung ein Handelsvertrag geschloffen, der diesen Fehler - nach Talleyrand bekanntlich schlimmer als ein Verbrechen ausdrücklich für weitere 5 Jahre mit Deutschlands Zustimmung g u t b e i b L So lange läuft nämlich der deutsch- englifche Handelsvertrag. 'Deutschland hat nicht die geringste Zusicherung erhalten, daß dieser Fehler im Lause der 5 Jahre verbessert wird. Es hätte ober sehr wohl auf dein Verbandlunaswege etwas erreichen lönnen, denn ab 10. Januar 1925 hat es laut Versailler Vertrag seine han­delspolitische Unabhängigkeit wieder erhalten und keine Veranlassung, sie für ein Butterbrot an England wegzugeben. England ist nämlich der stärkere Teil in diesem Beitrage angesichts seiner toicbcrgctoonncnen Kapitalkraft und wird daher mehr aus der Meistbegünstigung ziehen als Deutschland.

Zur Abrundung darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, daß die für Deutschland so wichtige Frage der 26prozentigen Ausfuhr- abgaöe im Vertrage richt berücksichtigt wurde. Anscheinend haben n dieser Sache die deutschen Vertreter kraft g w derstanden. denn die Bei­behaltung der Ausfuhrabgabe macht jo die Meist­begünstigung für Deutschland ganz illusorisch. Rkan begreift dann aber nicht, wieso überhaupt ein Vertrag abg schlossen wurde. In der jetzi­gen Form ist er n cht viel mehr als ein Blend­werk, in kolonialer Beziehung cm für Deutsch­land recht gefährliches Blendwerk. Insofern kann das britische Handelsministerium zufrieden fein, lieber den Aermelkanal w rd denn auch lakon sch gemeldetder britische Handelsminister freut sich".

vor Eintritt in die Tagesordnung dem Gemeinde- rat folgendes bekannt In dem .Grünberger Anzeiger" ist geschrieben, daß die Gemeind« Grünberg an der ButzbachLick- Grün­de r g e r Eisenbahn kein Interesse habe und daß die Bürgermeisterei keine Vertreter zu den meisten Versammlungen schicke. Der Vorsitzende weist diese Angriffe auf das schärfste zurück und weist noch, daß er an der Versammlung vom 5. Mai wegen wichtiger Besprechung in der Land­wirtschaftlichen Schule nich! tetlncbmen konnte und bei Bürgermeister Völler- Lich brieflich die nötigen Schritte mit der Bitte um Mitteilung des Ergebnisses getan habe Einer Einladung am 22 Roveniber nach Riederbessingen konnte eben­falls wegen des sehr schlechten Wetters und der herrschenden Dunkelheit auf dem Heimwege nicht nachgekommen werden. Sev Eisenbahn- Ausschuß wird in seiner Sitzung am 13 abends in dieser Eisenbahnfrage noch weitere Besprechung abhalten. - Der von dem Gemeinderat ent­worfene Anhang zum Ortsbaustatut bat vom Ministerium einige Aenderungen erfahren. Diesen wird zugestimmt. der Anhang soll aus der Bürgermeisterei 14 Tage aufgelegt werden. -- Außerdem wurden noch einige kleinere Ange, legenheiten erledigt.

ton. Weickartshain. 12. Januar. Am vergangenen Samstag hielt der hiesige Krie­gerverein seine Generalversammlung unter der Leitung des Vorsitzenden Kamerad August Thraum ab. Rachdem man dem verstorbenen Kameraden Stephan Hock die übliche Ehrung durch Erheben von den Sitzen erwiesen, wurde die Rechnungsablage für 1924 genehmigt und dem Rechner Ioh. Heinrich Becker V Entlastung erteilt. Der Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Rur Wilhelm Trüller tritt als Schriftführer aus. an dessen Stelle wurde Kamerad Ferdinand Schäfer gewählt. Die neu hinzutretenden Mitglieder Ludwig Wei­mer. Karl Leidner. Karl Zimmer und Heinrich Schnurr wurden vom Vorstand herz­lich willkommen geheißen und einstimmig aus­genommen. Die Anschaffung von Gedenk­münzen für die Kriegsteilnehmer von 1914 1918 soll aus der Vereinskasse bezahlt werden. Die Monatsbeiträge bleiben wie bisher. Als Fahnenträger wurde Wilh Decker, als Stellvertreter 3oh Melchior bestimmt. An die geschäftlichen Verhandlungen reihte sich ein gemütlicher Teil an. der gewürzt wurde durch Vorträge von verschiedenen Kameraden und ge­meinsame Gesänge

Kreis Friedberg

Zs Bad-Rauheim. 12 Jan Das Re chs- sinanzministerium hatte sich mit der A»sicht ge­tragen. eins der hier und in Friedberg be­stehenden Zollämter eingehen zu lassen. Es war aus diesem Anlaß an die Stabtoerirallungen beider Städte heran gegangen mit der Frage, ob sie den Reubau eines Zollamtes ausführen well­ten. Diejenige der beiden Rachbarstädte, die fich dazu bereit erklärte, sollte daS Zollamt behalten. Die hiesige S t a d t v e r o r d n e t e n v e rf a mm- I u n g hatte in geheimer Sitzung den Reu­bau eines Zollamtes beschlossen. Dieser Beschluß ist nun hinfällig, nachdem wie wir schon kurz mitgeteilt haben - das Retchsfinanzminifterlum entschieden hat. daß die Zollämter in Friedberg und Bad-Rauheim bestehen bleiben. Wenn beide Städte auch sehr nahe beieinander liegen, so sprechen doch viele Gründe dafür, daß jede von ihnen im Besitz der seitherigen Einrichtung bleibt Friedb rg als br geogravh sche und Der- kehrsrnittelpunkt des süd ichen Ob rh.ssens, Bad« Rauheim als Weltbadeort. Die Erledigung b^r Zollangelegenheiten in Friedberg würde mit mancherlei Schwierigkiten und Störungen ver­bunden sein, die den Interessen des Bades und her Kurgäste zuwiderlaufen. So ist die neue Ver­ordnung als eine gerechte Cntsche dring zu begrüßen. Was hätte aber das Reichs) inanz- minifterium getan, wenn auch die Stadt Friedberg einen Zollamtsneubau zugefagt hätte? - Der hiesige Sportverein veranstaltete gestern abend in der Turnhalle fein diesjähriges Winter- vergnügen Eine reichhaltige Vortragsfolge bot gute Unterhaltung. Besonderen Anklang fanden die vorzüglich gespielten Theaterstückchen. In einer sehr beifällig aufgenommenen Ansprache beleuchtete der 1. Vorsitzende View eg die Be­deutung des Sportes für unsere Jugend- und Volkserziehung. In hoher Blüte steht hier der Kegelsport, der mit jedem Jahre mehr aufkommt. Die Kegelbahnen sind jeden Abend beseht, das Bedürfnis nach weiteren Bahnen macht sich bereits geltend, so daß sich verschiedene Gasthausbesiher mit der Absicht tragen, ihren Betrieb durch eine Kegelbahn zu erweitern. Gestern trafen sich sieben der vielen hiesigen Kegelllubs auf der neuen Bahn desTiroler Hofes" zu einem Wettkegeln. Sieger wurde der Kegelklub ,T u r n e r l u st", der hier und außerhalb schon wiederholt Preise errungen hat. Mit 331 Holzzahl blieb er um 48 Holz vor dem xtoeübeften Kegelklub. Ein wertvoller Pokal war Der Siegerpreis.

Handelsverträge und Kolonien.

Von Dr. Paul L e u t to e i n.

Der kürzlich abgeschlossene deutsch-eng­lische Handelsvertrag ist auf b?r Basis der Meistbegünstigung in anscheinend sehr kor­rekter und beide Telle befriedigender Form ge­halten. Die Me stb günft gung b sagt, daß keinem anderen Staate von d n b.iben Par neun für die Dert-agsdauer güif.tg.'re Ha b Irie i gu gen gewährt werden dürfen. Heute im Ze.tal er der Meistbegünstigungspolttik hat das Wort tnfofein feinen S.nn verl ten. als bei allen Handels­verträgen die Meistbegünstigung gewährt toirb. d. h. alle Staaten gleich behandelt werden Somit ist der Meistbegünstigungsv rtrag eigentlich der Rormalvertrag geworden.

Hierin liegt auch nicht bet Fehler des Ver­trages, sondern in den sehr merkwürdigen Schlußbestimmungen, die Indien und die Ko­lonien betreffen. Artikel 31 nimmt ausdrück­lich Indien, die Dominien, die Kolonien und alle übrigen Besitzungen und Protektorate Englands vom Vertrage aus. Artikel 32 endlich schließt den Vertrag auch für die britischen Mandate, also die ehemaligen deutschen Kolonien, aus.

Der Ausschluß der Dornin.en der großen eng­lischen Selostv.rwaltungskolonien Kanada. Süd­afrika, Australien, Reuse.land mußte eriolgen, da diese Gebiete handelspolitisch voll! mmen selbständig sind. Mit ihnen muh jeder S aat. ja das Mutterland selbst, besondere Ver­träge abschließen. Man wird auch den Aus­schluß Indiens anges.chts b:r B beutung dieses riesigen, auf anderen VerMtn.ssen beruhenden Wir'.schaltsgebietes begreife', f n.-.en Wi.so aber die Kolonien unb gar die Mandate aus­geschlossen sind, ist nicht einzusehen. Eng and. das klaffische Land des kolonial n Freihandels und der offenen Tür, ist hier feinen Prinzipien voll­kommen untreu geworden. Die offene Tür ist hier im wahrsten Sinne des Wortes zu der Tür ge­worden, aus der der deutsche Kaufmann, wie Stresemann einmal sagte, herausgeworsen wird.

A n unveraniw.r llchsten ist s lbüv r'tändlich die Aofverrung der Maadat^g bute. Diese allen deutschen Kolonien sind uns entgegen allen hei­ligen Versicherungen auf dem Mandatswege weg­jongliert worden. Die Mandatare, einmal im Besitz der Kolonien, hatten nichts eiligeres zu tun. als die deutsche Bevölkerung ihres Besitzes zu berauben und aus- zuw eis en. Gerade England ist hierin mit bösem Beispiel vorangegangen. Die Folge war ein von den Mandataren wahrscheinlich nicht vorgesehener wirtschaftlicher Lähmungszustand, der in den letzten Friedensjahren so blühen­den deutschen Kolonien, von dem sie sich Heutes noch nicht erholt haben. Die Ausweisung der deutschen Bevölkerung und der Ausschluß des deutschen Handels war also ein grober Wirt-

Gießener Konzertverein.

Wrstdcntsches Trio.

Musik ist aus psychischer Erregung und Spannung geboren. W.r sie wiedergeben will, muß zu allererst diese U:schöpfungsspai7nung zu erleben suchen, um dann die Hörer in die Ge­fühlswelten des Werkes zu verleben. Ist dieser Kontakt gegeben, so vermag der Hörer auch dem Werke in seinem gesamten Verlause zu folgen. Gewinnt er keine persönliche Psychische Einstellung zu dem Werke, so ist er zunächst unbefriedigt und zugleich unklar darüber, ob er dem Werke an sich oder den wiebergebenden Künstlern die Schuld geben soll. Das zeigte sich gelegentlich der Aufführung des Trios von Kann (C-Moll, op. 58). Ein Werk, das in feiner Struktur vom Althergebrachten abweicht, als es teilweise nicht das gegebene Thema motrvisch aufarbeitet, sondern in der melodischen Linie jewellig den psychischen Impulsen nachgibt. »Sehr leidenschafllich bewegt", wechselt es zwischen dem Auf und Rieder der Gefühle, denen man mit einer Feinnervigkeit nachgehen muß, wie es das Hindemllh-Quartett in den modernen Werken so treffend gezeigt hat. Leidenschaftlich bewegte Achtel auf dem großen C (Cello) schwellen vom forte ab zum pianisfimo ganz verhalten Hingt am Klavier ein Thema an, die Violine bringt ein Gegenthema, Immer mehr steigernd zu einem t Höhepunkt (Fermate). Das Erregte der Achtel I