Ausgabe 
13.11.1925
 
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Nr. 26Z Drittes Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhejsen)

Sreitag, (5. November (925

Wirtschaft.

Vorkehrungen zur Abdeckung von Rentenbank-Krediten. Bekannt­lich ist noch in diesem Jahr ein Drittel der von der Rentenbcmi gegebenen landwirtschaft­lichen Kredite abzudecken. Die in Betracht kom­mende Summe von etwas über 600 Mill. Mk. braucht aber noch nicht in bollem Umfange direkt von der Landwirtschaft aufgebracht zu werden, da das Institut noch auf gewisse Re­serven zurückgreifen kann. So kommen die an gröhere Banken kurzfristig ausgelichenen 60 Mill. Mt. am Fälligkeitstermin Ende Rovember in vollem Umfang zur Einzahlung. Man nimmt an, daß dem un Grobverkehr der Börse flüs­sigen Geldmarkt hieraus keinerlei Schwierigkeiten erwachsen.

L ahn-Kraftwerk, Cramberg (L a h n). Die zwischen dem Reich und Preußen notwenoigen Verträge, wie auch die anderen Verhandlungen für die Errichtung dieses Werkes sind nunmehr vollständig abgeschlossen, fo - das; mit dem Bau begonnen wird. Das Werl wird den Kraftbedarf des gesamten Gebietes unter­halb der Lahn decken und den übrigen Strom in Fernleitungen weiter abgeben.

R-o tlage der pfälzischen Winzer. Die Rotlage in den Winzerkreisen der Pfalz hat bedrohliche Formen angenommen. Infolge der Geldknapthel ist -ein Abstößen der Weine saft zur Unmöglichkeit geworden. Die Erregung in der Winzerbevölkerung ist um so stärker, nach­dem bekannt geworden ist, daß in einem Wein-- keller in der Mittelhardt etwa 31 Fuder Ober­länder Weine behördlich unter Siegel gelegt wurden. Die Angelegenheit hat ihren Ausgang davon genommen, dab dem Verbleib eines großen Quantums Weinzucker nachgeforscht wird. Da die Untersuchung über diese Weine noch schwebt, ist die Versiegelung vorerst noch als Sicherungs- mahnahme onzusprechen. Der Wein soll einer Württemberger Firma gehören und aus einer Oberhardter Weinhandlung stammen.

Bergbau A. - G., Präsident, Bo­chum. In der o. H.-V. wurde der bekannte Abschluß, der einen Verlust von 56 861 Am. ousweist, einstimmig genehmigt. Von der Ver­waltung wurde mitgeteilt, daß die Gesellschaft zur Zeit mit einem Ueberschutz arbeite. Im Hin­blick auf die Erhöhung der sozialen Belastungen sowie neue Lohnforderungen und erhöhte Syn-- dikatsumlaaen sei aber trotz der augenblicklich befriedigenden Lage eine endgültige Besserung nicht abzusehen. In der daran anschließen­den a. o. H.-V. wurde die Fusion mit der Lothringen Bergbau A.°G. (die Aktien der bei­den Unternehmen toerüen im Verhältnis von 1:1 umgetauscht) mit 5784 Stimmen gegen 353 Stimmen einer Oppositionsgruppe beschlossen. Die Opposition gab Protest zu Protokoll. Gegenüber den von einer Seite geäußerten Zweifeln über die wirtschaftliche Solidität des Lothringen-Kon- zerns betonte die Verwaltung, daß sich die Li­quidität der Lochringen Bergbau A.-G. infolge der Abstoßung von an sich überflüssigen Be­teiligungen erfreulich gehoben hätte.

Bestellung eines Staatskom­missars bei der Bergwerksgesell- schäft Georg von Giesche's Erben. Wie derAmtliche Preußische Pressedienst" erfährt, hat der Regierungspräsident in Breslau den Oberbergrat Dr. S ch ö m a n n vom Oberbergamt in Breslau zum Sraatskomm>"ar bei der Berg- werksge^ellschaft Georg von Giesche's Erben be­stellt. Die Regierung hat damit von dem Auf­sichtsrecht Gebrauch gemacht, das ihr auf Grund des für die Gesellschaft noch geltenden preußi­schen allgemeinen Landrechts zustand und das im übrigen in der Urkunde, durch die seinerzeit der Gesellschaft das Recht der juristischen Person verliehen wurde, vorgesehen ist.

Bayerische Elektrizitäts-Lie­ferungs-Gesellschaft A. -G., Bay­reuth. Rach einer Verlautbarung von Ver­waltungsseite hat sich der Stromabsah bei der Gesellschaft -gegenüber dem Vorjahr wesentlich gehoben. Da auch die Installationsabteilung gut beschäftigt ist, dürfte für das laufende Geschäfts­jahr mit einem Ueberschutz und entsprechender Gewinnverteilung zu rechnen fein.

Amerika-Anleihe des Frei­st a a t e s Oldenburg. Am Dienstag wurde tn Reuhork, wie gemeldet wird, die von der deutschen Regierung gebilligte 3 Mill. Dollar- Anleihe des Freistaates Oldenburg aufgelegt. Die Anleihe läuft von 120 Jahre. Der Aus­gabekurs beträgt 937/«- Der Zinsfuß bewegt sich je nach dem Fälligkeitstermin zwischen 6.4 bis 1 Prozent.

Berliner Börse.

(Eigenei Drahtberich! des.G:che e. A izergers".)

Berlin, 12.Rov. Die Nervosität der Börse beherrschte auch den Beginn des heu­tigen Verkehrs. Die Abschlüsse waren so gering, dah eine einheitliche Tendenzbildung nicht er folgen konnte und die Kursbewegung mehr von Zufälligkeiten abhing. Typisch für die Geschäfts- stille war die Tatsache, daß z. B. am Schiff­fahrtsmarkte nicht eine einzige amtliche Notierung zustande kam. Aus den übrigen Märk­ten mußten gleichfalls zahlreiche erste Kurse aus­gesetzt werden. Im allgemeinen erfuhr das Kursniveau gegenüber dem gestrigen Stande nut unwesentliche Veränderungen. Zu den wenigen Svezialwerten, denen die Spe­kulation stärkeres Interesse entgegenbrachte, ge­hörten ungarische ^Renten, ferner Pulver-Aktien mit Rücksicht auf die nunmehr erfolgten inter­nationalen Vereinbarungen des Sprengstoff-Kon- zernS und von Eleltrowerten Transradio, die reger umgeseht wurden. Die Mitteilungen über die Anleihe des Kali-Syndi!ales brachten nichts neues und blieben daher einflußlos. Demgegen­über verstimmten jedoch am Kassamarkte die wieder vorliegenden Abgaben und neuen Insolvenz-Berichte. Die Flüssigkeit des Geldmarktes hielt weiter an. Tägliches Geld war reichlich ungebeten und stellte sich auf 71/» bis 9 Prozent. Im Devisenver'ehr nannte man Paris gegen London mit 121.75 bis 122. Warschau ging dagegen gegen den Dollar weiter zurück, da die polnischen Anleiheverhandlungen auf unerwartete Schwierigkeiten gestoßen sein sollen. Die Reichsmark notierte gegen Mittag in Paris 6,02, Amsterdam 59,15V.. London 20,36.

Frankfurter Abendbörse.

Frankfurt a. M., 12. Rov. Die Schwie­rigkeiten der Berliner Dankfirma Lewinsky, Aeh- laff u. Co. in Berlin, die bereits an der Rach-

borse eine weitgehende Verstimmung veranlaßte, wirkte sich im Abendverkehr noch schärfer aus und hatte neue Kursrückgänge zur Folge. Das Geschäft behielt seinen lustlosen Charakter bei. Dagegen bewirkte die Rachricht über das Ab­kommen Mexikos bezüglich der Wiederaufnahme des Zinsendienstes der mexikanischen Ausland­anleihen in Höhe von 503 Millionen Dollar eine rege Nachfrage für mexikanische Werte, die in fester Haltung verkehrtem Für deutsche Anlcchen bestand keinerlei Interesse. bprozentige Reichs- anleihe gingen im freien Verkehr zu 0,210 bis 0,21212 und Schutzgcbictsanleihen zu 4,65 bis 4,7 um. Die Abendbörse schloß in schwacher Hal­tung. Deutsche Renten: 3> >prozentige Konsols 0,230. Ausländische Renten: 5prozentige Gold­mexikaner 43,75, variabel 43,50, bprozentige Sil- bermcxikancr 17,55, variabel 17,70, ..prozentige Irrigationsanleche 28,75, 5prozentigc Tehuan- lepec 17,75. Bankaktien: Commerzbank 93,75, Darmstädter Dank Medio 103.50, Deutsche Dank 103,50, Discontogcsellschaft Medio 101,62, Dresd­ner Dank 100, Mitteldeutsche Creditbank 89,50, Oestccreichische Kreditaktien 6,75. Montanaktien: Deutsch-Luxemburg 67,50, Rheinische Draunkohlen Medio 124,25, Rheinstcchl Medio 53,75, Rom- bacher Hütte Medio 21.50. Chemische Aktien: Badische Anilin 117,25, Höchster Farben Medio 117. Schiffahrtsaktien: Rordd. Lloyd 72,50. In- bustrieaftien: Daimler 23,50, Dyckerhoft u. Wid­mann 29,50, Elektrisch Licht und Kraft Medio 90,75, Eßlinger Maschinen 28, Inag 0,3, Karls­ruher Maschinen 24,25, Schuckert 63.

Börsenkurse.

Datum:

5®/> Tentsche SRctdiSautclbe 4% Deutsche NcichSanleihe . 3'/,"/« Deutsche Reich-anicihe 3°/n Deutsche RcichSanleihe . Deutsche Sparpramienanleihe 4% Preußische Kansals . . . 4U o Hessen

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Berliner Handelsgesellschaft Commerz- und Privat-Bank Darmst. und Nationalbank Deutsche Dank........

Deutsche DereinSbank .... DiSconto Commandit . . Metallbank..........

Mitteldeutsche Creditbank . . Oesterrcichische Crcditanslalt Weltbank Bochumer (Inh BuderuS Caro »-Luxemburg

irchener Bergwerke. . Harpener Bergbau......

Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln Laurabütte Qbcrbcdarf Pbönir Bergbau ..... Rueinitabl

-.Hubert Montan ...... Tcllus Bergbau.....

Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd

Cheramtlche Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . Pbtlivv Holzmann .....

Anglo-Cont -Guano .... Badische Anilin Chemische Mayer Alavtn . - lNoldswmidt ....

toricS eimcr Electron .... Höchster Farbwerke...... Holzvcrkoblung ........ NütaerSiverle Schcideanstalt

Allg. ElektrijitätS-Desellschast Bergmann ......

Mamkraftwerke ...... Cchulkcrt ........ EiemenS k Halske ....

Adlcrwerke Klcyer .....

Daimler Motoren. ...... Hcyligenstaedi .......

cguin Motorenwerke Mannbeim . fsrankfurtcr Armaturen Konservenfabrik Brann . Metallgcscll (haft Frankfurt. Pet. Union A.-ltz Schuhfabrik Her; Sichel Zellstost Waldhof . . . . Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Wagbäusel

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Frankfurter Getreidebörse.

(Eigener Drahtbericht desGießener Anzeiger-".) Frankfurt a. M., 12. Noo. Es wurden no­tiert: Weizen, Wetterauer 23 Bries, Roggen, inlän­

discher 17,25, Sommergerste für Brauzwecke 21,50 bis 23,50, Hafer, inländischer 18,50 bis 21, Mais, gelb 18,50 bis 18,75, Weizenmehl, inländisches, Spe­zial 0 38 bis 38.50, Roggenmehl 24,50 bis 24,75, Weizenkleie 9,75 bis 10, Roggenkleie 10 bis 10,25. Tendenz: Geschäftslos.

Frankfurter Schlachtviehmarlt.

(Eigener Drahtbericht desGietzener Anzeigers".)

Frankfurt a. M, 12. Nov. Auftrieb: 2 Färsen und Kuh?, 821 Kälber, 1293 Schafe, 755 Schweir.e. Es wurden bezahlt für 100 Pfd. Lebendgewicht: Kälber: Feinste Mastkälber 73 bis 80, mittlere Mast- und beste Saugkälber 62 bis 72, geringere Mast- und gute Saugkälber 51 b:S 61, geringe Saugkälber 45 bis.50. Schafe: Mast- lämmer und Masthammel 42 bis 46, geringere Masthämnvel und Schafe 33 bis 41. mäßig ge­nährte Härnrnel und Schafe (Merzschafe) 25 bis 32. Schweine: Vollfleischige von 80 bis 100 Kg. 87 biS 90, unter 80 Kg. 83 bis 86. von 100 bis 120 Kg., von 120 bis 150 Kg. und F.ftt- schweine über 150 Kg. 90 bis 92. unreine Saucn und geschnittene Eber 75 bis 85. Marktverlauf: Langsamer Handel, bei Schweinen Ueberst-and. Norddeutsche Mastkälber über Notiz gehandelt.

Berliner Produktenbörse.

Berlin, 12. Noo. Der Produktenmarkt war ziemlich unverändert und das Geschäft äußerst ruhig. Dom Ausland besteht Nachfrage nach deut­scher Ware. Mehl und Futterartikel weiter vernach­lässigt. Es notierten: Weizen, märkischer 223 bis 226, Weizen, Dezember 237 bis 238,5, März 239,5 bis 2-11, Mai 245; Roggen, märkischer 136 bis 139, Roggen, Dezember 154,5 bis 156, März 166,5 bis 168, Mai 172,5 bis 173; Gerste, märkische 184 bis 208; Futtergerste 148 bis 160; Hafer, märkischer 161 bis 170, Hafer, Dezember 175 bis 176, März 180; Weizenmehl 27 bis 31,25; Roggenmehl 20 bis 22,25; Weizenkleie 11,20 bis 11,30; Roggenkleie 9 bis 9,20; Diktoriaerbfen 23 bis 31,5; kleine Speiseerbsen 22 bis 24; Futtererbsen 18 bis 20; Peluschken 16 bis 18; Ackerbohnen 19 bis 22; Wicken 20 bis 25; Lupinen, blau 11,5 bis 12,5.

Hochfchulnachrichten.

][ Marburg, 12. Nov. Im diesmaligen Winterhalbjahr (teilt sich die Gesammtzahl der Studenten auf 1342, darunter 230 Frauen. Im letzten Sommer toaren es 2156 und im Winter 1803 immatrikulierte Studenten.

Oberhesfischer

BienenzüchterverLin.

t Hirzenhain. 11. Nov. Nach Beschluß des Vorstandes wurde eine zweite Aus- fchuhfitzung im Herbst für nötig be­funden. um eine engere Fühlung zwischen den Vorsitzenden der Zweigvereine imtereinander und dem Vorstand herbeizüführen und innere Vereins­angelegenheiten zu verhandeln. Der Vorsitzende, Lehrer Buß- Leihgestern begrüßte in der heu­tigen Ausschuß sihung die Anwesenden, die 24 Zweigvereine vertreten. Der neue Vereins­rechner, Oberoermessungssekretär Schäf er- Gietzen, gab einen eingehenden Ueberblick über den Stand der Kassenverhältnrsse des Verein«, die gut zsu nennen sind. Einige Zweigvereins­rechner sind noch mit der Ablieferung der Beiträge an den Hauptverein für 1925 rückständig. Es wurde beschlossen, dah mit Rücksicht auf die Haftpflicht, die jedes Iahr eine Menge beträchtlicher Schäden aufzuteeisen hat, die Beiträge im ersten Halbjahr in 2 Raten zu bezahlen sind. Abmeldungen von Mitgliedern werden nur bis zum 15. Dezember angenommen. Die neuen Dereinssatzungen werden der Frühjahrsausschußsihung zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Der Vorsitzende teilte mit, daß die Forderuirg eines Honigschutz- und Seuchengesetzes bis jetzt noch keine großen Erfolge gehabt habe. Wer Dienenseuchen, Faul- brut u. dgl. verheimlicht, lädt eine schwere Schuld auf sich. Zur Fütterung der Dienen darf nur ungebläuter Kristallzucker, aber kein Hutzucker verwandt werden, wenn man seine Dienen vor Schaden bewahren will. Die nächste gemein­same Wanderversammlung der bei­den Vereine, des Kasseler und des Oberhessi­schen, findet Ende Iuli oder Anfang August 1926 in Wetzlar statt. Der Leitfaden für Dienenzucht von Hensel ist neu erschienen und wird zur Anschaffung bestens empfohlen. Die Wanderredner des Dereins erhalten eine feste Vergütung und sind bei den Vorsitzenden zu be­stellen. Das Einheitsglas für Honig wird durch den Deutschen Imkerbund in Kürze herausgegeben werden. Als Zuschuß d>.r hessischen Regierung für 1925 sind vom Ministerium nur 90 Mk. gegen 600 Mk. in 1914 bete iligt teorden. Rach einem im Hotel Iungmaim eingenommenen einfachen Mittagessen und daran sch anschließen­der Desichtigung der Kirche und der Duderusschen Eisenwerke wurden die Verhandlungen fortgesetzt, teobxi der Radakteur derDiene" einen Vortrag über die Pflichten und Arbeiten des Vorsitzenden eines Ztee-g- vereins hielt. Er führte folgendes aus: 1. Kein Vortrag soll über eine halbe Stunde dauern und muh dann von der Versammlung besprochen werden. 2. Iede Versammlung soll möglichst auf einem Dienens!ande eröffnet werden mit Vor­führung praktischer Arbeiten. Darnach erfolgte erst die theoretische Dehandlung des einschlägigen Stoffes. Mit dem Wunsche, dah Imker uni) Immen gut überwintern, schloß der Vorsitzende nach 5 Uhr die Versammlung.

Buntes Allerlei.

Magnetische Granitklippen.

Die großartigen Granitklippen, die in der Nähe von Schierke im Harz emporragen, haben schon lange nicht nur durch ihre romantische Erscheinung die Aufmerksamkeit erregt, sondern auch durch ihre magnetischen Eigenschaften. Auch Goethe, der ja mehrfach seinen geologischen Studien im Harz ob­lag, hat dieses auffallende Verhalten der Magnet­nadel gegenüber beobachtet. Einzelne dieser Granit­klippen im Drockengebiet lenken nämlich eine ihm genäherte, leicht beweglich unterstützte Magnetnadel sehr beträchtlich ab, bisweilen sogar bis zur völligen Umkehrung der Nadel um 180 Grad. Dies ist vor allem bei Den am Bahnhof Schierke stehenden hoch- ften Felsen, den sog. Feuersteinklippen, der Fall, bann bei den südlich von Schierke auf dem Baren­berge gelegenen beiden Schnarcherklippen und eini­gen bet östlich vom Brocken sich anreihenben Hohne- rüpptn sowie dem Jsfenstein her Fall. Man hat

bann ähnliches in verschiedenen Teilen der Welt ge­sunden und als eine recht verbreitete Erscheinung erkannt, daß an hervvrstehrnden Festen eines Ge­steins, das meist eruptiver Natur ist, Magnetismus bemerkbar wird. Eine richtige Erklärung dieser Er­scheinung ist aber erst durch neuere Forschungen ge­wonnen worden. Man gab sich früher mit der An­nahme zufrieden, daß größere im Gestein steckende Magneterzmassen die Ursache der Ablenkung der Magnetnadel seien. Dem steht aber entgegen, daß der Harzer Granit recht arm an Magnetit ist. Führt man einen besseren nicht zu kleinen Taschenkompaß an den betreffenden Klippen ziemlich nahe vorüber, so wird ihre Einwirkung in rasch aufeinonber fol« aenden Ablenkungen ber Nabel ersichtlich. Aus dieser schnellen Veränderung des Ablenkungswinkels geht schon hervor, daß sich der Sitz des Magnetismus nicht im Innern der Gesteinsmasse, sondern in den äußeren Teilen befindet. Nun ist es F. Böckels ge­lungen, an Stücken vorher unmagnetischer Gesteine dadurch künstlich Magnetismus zu erzeugen, daß er starke elektrische Entladungen über ihre Oberfläche hin stattfinben ließ. Es ist also sehr wahrscheinlich, daß auch der an den Felsklippen hervortretende Ge­steinsmagnetismus durch ähnliche Einwirkungen, nämlich durch Blitzschläge, hervvrgerusen ist. Harzwanderer, die sich für diese Erscheinungen inter­essieren, finden Stellen sehr starker Ablenkung an der Nordseite der nördlichen Feuersteinklippe fünf Meter westlich der nach oben führenden Stufen, einen Meter über dem Erdboden, ferner an der Westseite der südlichen Feuersteinklippe 2,7 Meter südlich der Nordwestkante, 1,10 Meter hoch über dem Boden. An der Südseite des nördlichen Schnar­chers ist eine starke Ablenkungsstelle durch ein ein- gemeiheltes Kreuz gekennzeichnet, und seitlich von einem herausgebrochenen Felsstück am Fuße dieser Südwand sind zwei weitere Stellen durch schwarze Kreuze angegeben.

Büchertisch

Seestern: F u, der Gebieter der Welt. Preis 4 Mk. Verlag von Theodor Weicher in Leipzig. Das erwachende Sostdaritätsgefühl der asiatischen Volker gegenüber dem Anspruch, mit noch nicht 200 000 Europäern die Hunbertmillionenvölker dieses Kontinents politisch beherrschen zu wollen, ist die verhängnisvollste Fernwirkung des letzten Krie­ges. Mehrere englische Bücher, die schon den Ver­tust Indiens behandeln, zeigen, wie sehr sich England in Asien bereits in der Devensive fühlt. Eine ahn- liche Bewegung geht durch den afrikanischen Erdteil. Das Spiel wird hoffnungslos verloren fein, wenn ein Wille die Volker Asiens und Afrikas gegen Westeuropa einigt und die Liquidation seines Kolo­nialgebietes fordert. Aus dieser Situation der nn- mittelbarsten Gegenwart entwickelt ber Verfasser, ber sich aus seinem BucheSeestern 1906" einst einen Namen gemacht hat, bie Idee feines Buches. Kurz unb knapp bie schwüle Atmosphäre kennzeich­nend, führt die Handlung, in die eine' fesselnde Liebesgeschichte verwoben ist, von einer Spannung Sur andern eilend über die Schauplätze, auf denen ich die Katastrophe vorbereitet. In einer grandiosen, ich gegen den Schluß von Szene zu Szene steigern­den Handlung gestaltet das gedankenreiche Buch ein nahes Zukunftsproblem zu dramatischen Akten aus und läßt den Leser ahnen, um welche elementaren Kraftkomplere es sich bei dem politischen und wirt- schaftlichen Erwachen Asiens handelt, das sich vor unseren Augen zu vollziehen beginnt. 547

Luckner-Iahrbuch 1 926, heraus- gegeben von Hans Severin-Schroeöer, verlegt bet Koehler und Amelang in Leipzig.

Der blühende Eros, Roman von Hugo Gabriel Lindner. Ein getreuer Seelenspiegel der ringenden, mit dem Eros in seiner tausendfachen problematischen Gestalt kämpfenden Jugend. Ardhin- gello, Moritz Reiser, Wilhelm Meister sind die Vor­läufer, auf deren Linie sich LindnersBlühender Eros" bewegt. Der Bildungsroman ber Heranwach­senden, kämpfenden, prüfenden und zweifelnden und doch schließlich obsiegenden Jugend. Verlag Wilhelm Borngräber, Leipzig. 644

Goethe: Pakäophron und Neoterpe, ein Festspiel zur Feier des 24. Oktobers 1800. (Ver­lag von Richard Weißbach, Heidelberg.) Zur Ge­burtstagsfeier der Herzoginwitwe Amalia hatte Goethe ein FestspielPaläophron und Neoterpe" improvisiert, das den Gegensatz des Alters und der Jugend anschaulich geistreich zu versinnlichen wußte, und dessen Besonderheit darin bestanden hatte, daß die wenigen ber Hofgesellschaft zugehörenden Schau- spieker nach antikem Theaterbrauch Masken trugen. Den Goethelesern unserer Tage ist das kleine Stück wenig bekannt, obwohl es nicht nur seines künst­lerischen Wertes wegen gelesen und verstanden wer­den sollte. Denn in ihm stehen goldene Worte: die Mahnung zur aufbauenden, durch keine Verzweif­lung zu hemmenden Arbeit, die gerade jetzt als ein deutsches Lebensmotto immer von neuem wieder­holt werden müßten. Und als das Beijviel einer innerlich gefestigten gesellschaftlichen Kultur, weil fest in geistigem unb gemütlichem Grunde w»r ^l^d, mag bie Dichtung dem deutschen Leser von he"'e ebenfalls eine Mahnung sein. 181

Aus dem Amtsverküudi^ "

* Das Amtsverkündiaun^sblatt Rr. 83 vom 10. Rovember enthält: Fe'ifthurg der Schlacht- und Beschau e .e'. C ofaYadj- tungen. Maßregeln gegen die Einschleppung der Maul- und Klaue.i'euche. Maul- unb Klauenseuche in Rodheim und Ldndorf.

Nundsunk-DrOgramm

dcs RrrtnffnrHtr T'cnßrrs.

(Aus derRadio-Umschau".)

Samstag, 14. November.

3,30 bis 4 Uhr: D.e Stunde der Iugend. 4,30 bis 6 Uhr: Nachmfttagskonzert des Haus- orchestors: Die große Oper. 6 b'.s 6,30 U>r: Die Cefeftunbe (für die re'fere Iugend): AuS5)ie rote Koppel", eine T orgeschichte von Svend Fleuron. 6.30 bis 7 Uhr:Reuhorker D lder- bvgen I, Dortrag von Direktor Otto Dehrens- Derlin. 7 bis 7,30 Uhr: Stunde des Frank­furter Bundes für Volksbildung Vortrag von Demvnd-Wörner:Goethe. Zelter iml> M ndels- sohn". 7.30 Uhr: Uebertragung aus dem Frank­furter Opernhaus:Tosca", Oper in 3 Akten von G. Puccini.