Rt. 267 Zweites Blatt
Sreitag, \e. November 1925
Wietzener Anzeiger twenecal-Anzeiger für Gberyetzei!/
Ostpreußen in Gefahr.
Don Dr. Reinhold Z e n z - Königsberg.
Lieber die besondere Lage Ostpreußens ist im Reiche die erforderliche Kenntnis noch nicht verbreitet. Wirtschaftlich und geographisch von der Heimat abgetrennt, ein Ziel der polnischen Sehnsucht. ist es mannigfachen Gefahren ausgesetzt. Rach einer vor kurzem erschienenen Broschüre des früheren Konsuls in Königsberg hofft man in Dolen, zunächst durch die Ablenkung des Transitverkehrs die Provinz Ostpreußen zu verelenden und damit für den polnischen Ansturm reis zu machen.
Die Gefahren sind ernst. Es muh immer wieder darauf hingewiesen werden, daß das deutsche Memelland, dessen erschütterndes Dekennt- nis zum Deutschtum vor kurzem durch die Wahlen zum memellänbischen Landtage offenbar wurde, sowie das Soldauer Gebiet von der Provinz losgerissen wurde, ohne daß man die Bevölkerung um ihren Willen befragt hatte. Zudem trennt das willkürliche Machwerk des polnischen Korridors, der auö deutschem Lande herausgescknitten wurde, die Provinz nicht nur geographisch, sondern auch wirtschaftlich vom Mutterlande. Angesichts dieser Lage beginnt die polnische Propaganda, gegen die es kaum Abwehrmaßnahmen gißt, sich in Ostpreußen einzuschleichen und be- besonders auf die Masuren ernzuwirken, die zwar slawischen Stammes sind, aber in den Abstim- mungssiege vom Juli 1920 ihren festen Walen bekundet hatten, weiterhin dem deutschen Kulturkreise anzugehören. Das Gefährlichste der polnischen Propaganda ist, daß sie sich nicht auf Wort und Schrift beschränkt, sondern in klarer Erkenntnis der ostpreuhischen Wirtschaftsnot dazu übergeht, besonders in Masuren mit Hilfe neu gegründeter Danken Kredite zu gewähren.
Wenn Ostpreußen für das deutsche Reich weiterhin der Schutzwall bleiben fojl, dec es während des Weltkrieges war, so genügt es nicht, wenn der Provinz immer wieder in schönen Worten Dersprcxhungen gemacht werden. Das Reich und Preußen müssen endlich die besondere wirtschaftliche Lage Ostpreußens erkennen und ihm tatkräftige Hilfe werden lassen.
Polen hat es kaum mehr notwendig, den Transitverkehr von Ostpreußen abzulenken. Durch den Friedensschluß sind die lebhaften Handelsbezie- Hungen mit dem Osten fast vollkommen unterbrochen worden und das Fehlen von Handelsverträgen verhindert es, neue Beziehungen zu den Randstaaten anzuknüpfen. Während Königsberg z. B. vor dem Kriege bis 403 Waggons Tageszufuhren an rußischem Getreide und Hül- senfrüchtcn hatte, liefen nach Abschluß des russischen Handelsvertrages die ersten Bahnzufuhren nach dem Kriege ein. Es waren nicht mehr als 5 Waggons Linsen. Andererseits gelang es der ostpreußischen Züchtervereinigung, mehrere tausend 2- bis Zjähriger Pferde einer russischen Kommission zu Zuchtzwecken im Wolgagebiete zu verkaufen. Aber das sind Ernzelsälle, dre Ostpreußens Wirtschaftslage nicht bessern können. Hinzu kommt, daß der Königsberger Hafen jetzt in schwerster Konkurrenz mit dem entrrsfenen Danzig und Memel steht, die von Polen und "itauen als alleinige LImschlageplähe für das gesamte Hinterland benutzt werden. Dadurch ist der früher sehr wichtige Königsberger Holzhandel fast gänzlich zurückgegangen und die 5 Waggons Linsen erinnern daran, daß Königsberg früher Wellhandelsplah für Linsen sowie die dazugehörige Schälmühlenindustrie war, die heute voll- kommn still liegt. Llm dem ostpreußcschen Handel und der ostpreuhischen Industrie einiger» maßen zu helfen, ist vor allen Dingen eine weitherzige Bewilligung von Ausnahmetarifen für seinen Derkehr mit dem Mutterlande und dem Auslande dringend erforderlich. Sn dieselbe Linie gehört eine Revision der Grenzübergangs- tarife, eine Ausgestaltung der Hafenausnahmetarife und eine Verbesserung des Staffeltarifs, dessen Erhöhung der Rahfrachten gegenüber den Friedenstarifen sich für Ostpreußen besonders
unangenehm bemerkbar macht. Da die Derbin- dung durch den polnischen Korridor höchst unzulänglich ist, muß für den Ausbau der ostpreußi- schen Wasserstraßen und Häfen erhöhte Fürsorge getroffen werden. Es ist sehr erfreulich, daß das Reich und Preußen sich im vergangenen Frühjahr entschlossen haben, eigene Schiffe zu bauen, die den Derkehr zwischen Swinemünde und Pillau zu versehen haben, der bisher durch Verträge mit einer Stettiner Reederei geregelt war. Damit ist es aber nicht genug, der Königsberger Hafen mit den anschließenden Wasserwegen bedarf des Ausbaus, um das Hinterland zu erschließen, das teilweise kaum mit der Bahn zu erreichen ist. Es handelt sich hierbei nicht um fromme ostpreußische Wünsche, sondern um Lebensfragen einer Provinz, die nicht nur hn Staatsverbande, sondern auch im Wirtschafts- verbande des deutschen Reiches von ausschlaggebender Bedeutung ist.
Ostpreußen war von jeher Lleberschußgebiet an Agrarprodukten. Die ostpreußische Landwirtschaft ist in der Lage, mit ihrem Llebersckuß außer ihrer eigenen Bevölkerung noch 2 Millio
nen Menschen zu ernähren. Was dies bei unserer passiven Handelsbilanz und bei dem Verlust der Agrargebiete von Westpreußen, Schlesien und Posen bedeutet, braucht nicht besonders betont zu werden. Ostpreußen weist einen hochentwickelten Stand von Ackerbau und Viehzucht auf, trotz des ungünstigen Klimas, das einen weit größeren Bedarf an tierischen und menschlichen Arbeitskräften, an Maschinen, Geräten und Gebäudekapital bedingt. Trotz der ungünstigen Derkehrslage. die bei der ungemeinen Verteuerung der Eisenbahnfrachten die ostpreußische Landwirtschaft mit jährlich rund 15 Millionen Mark mehr belastet als die mitteldeutsche Landwirtschaft.
Kann man die Wichtigkeit Ostpreußens als landwirtschaftliches Produktionsgebiet nicht überschätzen, so kann man andererseits nicht darüber hinwegsehen, daß die ostpreußische Landwirtschaft sich heute in einer furchtbaren Krisis befindet. Die Ernte des Jahres 1923 mußte verschleudert werden, 1924 brachte eine Mißernte, wie man sie lange nicht mehr erlebt hatte. Der Landwirt, der sein Betriebskapital in der Snflation verloren hatte, muhte beim Staat und von privater Seite lausend Kredite aufnehmen und zwar kurzfristige Kredite, um überhaupt die einzelnen De- triebsvorgänge finanzieren zu können. Die Hoffnung, die Ernte des Jahres 1925 werde es ermöglichen, diese Kredite abzudecken, wurde enttäuscht, denn dieser Herbst brachte nicht mehr als eine knappe Mittelernte. Da zudem die Vieh- und Milchwirtschaft unter Maul- und Klauen
seuche leidet, ist der Landwirt nicht in der Lage, seine Schulden abzudecken und steht vor der furchtbarsten Krisis, wenn es ihm nicht gelingt, auf feine Wechselschulden vom Staat eine Atem» pause zu erhalten oder sie durch Realkredite zu konsolidieren. Es ist ferner dringend erforderlich, daß größere Kredite nach Ostpreußen gegeben werden und daß im Reiche, besonders bei vielen privaten Unternehmungen in Mitteldeutschland das Mißtrauen gegen die Anlage von Geldern in Ostpreußen schwindet. Wenn Polen propagandistisch Kredite dort gibt, so ist es geradezu unverständlich, wenn in Verkennung der besonderen nationalen Snteressen Ostpreußens der Provinz aus dem Reiche Kredite verweigert werden, weil die politische Lage nicht sicher genug sei-
Wie die ganze ostpreußische Wirtschaft, so leidet besonders die Landwirtschaft unter den hohen Frachten, die den Getreidebau geradezu unrentabel machen. Aus diesem Grunde ist die Getreideanbaufläche in Ostpreußen bereits stark zurückgegangen und der Getreideausfall beträgt der Vorkriegszeit gegenüber etwa 4,6 Millionen
Zentner. Diese Entwicklung darf unter keinen Umständen toäier gehen.
Cs muß noch eia kurzes Wort darüber gesagt werden, daß Ostpreußen auch kulturell nicht mehr in der Lage ist, seine Ausgabe als deutscher Vorposten zu erfüllen. Die Theater in Königsberg, Allenstein, Tilsit und dem westpreußischen Elbing, die berufen sind. Kulturarbeit zu leisten, werden aus staatlichen Mitteln völlig ungenügeno unterstützt und kämpfen um ihre Existenz. Roch bedrohlicher ist die Lage der Landesuniversität in Königsberg, die durch höchst beklagenswerte Einschränkungen daran gehindert wird, ihre kulturellen Aufgaben für ein so großes Wirkungsgebiet tzu lösen, wie es keine andere deutsche Universität besitzt.
Ardcutsches, kerndeutsches Land wurde durch die politische Konstricktion des polnischen Korridors von seinem Mutterlande losgerissen und damit sind die Ostpreußen zu Elsässern geworden, zu Elisassen, d. h. zu Leuten, die in der Fremde wohnen. Es war die versteckte Absicht des Versailler Willküraktes, das isolierte Ostpreußen polnischem Zugriff preisziigeben. Die Rechnung war ohne die Ostpreußen selbst gemacht, die mit ihrem Abstimmungssieg bewiesen haben, daß sie nie und nimmer polnischen Einflüsterungen Gehör schenken, daß sie niemals den preußischen Aar durch den polnischen weihen Adler verdrängen lassen werden. Aber große Gefahren birgt das ostpreußische Slisasfentum noch in sich. Und die größte Gefahr ist die, daß das enge Band mit dem Mutterlande sich lockert, wenn
DIE WAH LEN
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Jakob Schaffner.
Zum 50. Geburtstag des Dichters am 14.11.25. Don Dr. August v. Löwis of Menar.
Angesichts der heutzutage unter den deutschen Erzählern herrschenden Mode, den Leser in erotische. ferne Länder zu locken, ihn mit Menschen aus fremder, nicht immer verstandener Umwelt zufammenzuführen und phantastische Erlebnisse zu erfinden, ist es von doppeltem Wert, in das Schaffen eines Dichters sich zu versenken, der all des Aufwandes der andern nicht bedarf, um durch Spannung und blutvolle Schilderung zu fesseln. Jakob Schaffner, der nun auf fünfzig Zahre eines mühereichen und gesegneten Lebens zurückblicken darf, ist als Schweizer und Deutscher in seinen Wecken auch daran zu erkennen, daß er aus der Tiese des eigenen Volkstums die Kostbarkeiten hervorholt, mit denen er uns beschenkt. Ihm genügen als Schauplatz die Dörfer und Städte der Schweiz und Deutschlands, ihm genügen auch die Menschen, die wir alle kennen, um Charaktere, Schicksale, Leidenschaften und — wie oft und gerne! — Siege über das eigene Selbst mit jener meisterlichen Eindringlichkeit zu schildern, die den Leser packt und nicht mehr losläßt.
Und wo liegen die Geheimnisse seiner Ausdruckskraft, seiner Kunst des Gestaltens aus dem Unscheinbaren und Kleinen heraus?
Sicherlich einmal in der Problemstellung, die Schaffner bevorzugt, denn bei ihm geht es nie um etwas Geringes, Halbes, Schwächliches, sondern um die Zie.e starken Wollens, ungebrochener Gefühle, erdsester Ueberzeugungen. Sieg oder Riedertage stehen dann am Ende, oder aber ein Höheres — die Erkenntnis, die in der Bescheidung wurzelt und der Siege größter sein kann. Bei solcher Einstellung zum Problemhaften der Handlung kann ruhig die Alltagswelt, das kleine Dorf, das Berliner Hinterhaus den Rahmen abge'en, Schaffners andachtsvolle Durchdringung des Kleinen macht die Dinge groß und menschlich bedeutend. '
Dazu hilft ihm seine Kunst der Charakteri- fierung, das Vermögen lebens warmer Gestaltung der Personen zwar seiner Erfindung, die aber doch dem Le er nach wenigen Seiten bereits so bekann: erschie en, als fei er ihnen schon einmal begegnet. Auch in der Personenzahl übt der Dichter wohltuende Beschränkung auf die ihm aus eigenem Erleben vertraute Welt. Daß diese sich ihm weitet, daß neuerdings, wie im Vornan
„Das Wunderbare", auch die Schilderung vor- nehmer, hochgeste.lter Ge.ellschaftskreife ihm mit seltener Sicherheit ge.ingt, vermerkt man nut Freude.
Zu kraftvoller Unterftüßung gefeilt sich dann ein Drittes: des Dichters Meisterschaft in der Sprach- und Stilbeherrschung. Schaffner pflegt nicht nur das überkomme.e Sprachgut und überrascht dura) seine vielseitige, treffsichere und klangschöne Anwendung, sondern auch sprachschöpferisch in enger Anlehnung an die volkstümliche Redeweise seiner Heimat hat er eine glückliche, freigebige Hand. Dazu kommt der Bilderreichtum und die Origina ität seines Ausdrucks, die immer wieder aufs neue fesseln und von der heule so seltenen Meisterschaft im künstlerisch Zuchtvollen und Formalen Zeugnis oblegen. Schaffner ist Musikant und Maler und Bildhauer zugleich: Klang, Farbe und Form sind unlöslich in seiner Sprache verbunden.
Gleich seinem Landsmann Gottfried Keller fußt Schaffner häufig auf Selbstdurchlebte.n, das sich ihm dichterisch gestaltet. Von der engeren Heimat, dem Basler Land, geht er auö: im zweibändigen Werk „Johanneo"*) schildert er seine harte Zugend, die er nach dem Tode des Vaters und Ler Auswande.u i der Mu.ter nach Amerika in einer Erziehungsa.istalt verbrachte, deren alt- testamentarischer Geist ihm schwerste Prüfungen auferlegte. Dann tarn die Wand.rze.t als Schuster, die Walzzeit" („Konrad Pilater". zuerst 1910), die ihn durch die Rordschweiz, den Rhein hinunter, bis nach Antwerpen, nach Paris und ins Elsaß und zurück nach Basel führte. „Schon vierundzwanzig Sabre war ich alt, als ich mit meiner Handwerkerlaufbahn brach und mich der Dichtung zuwandte."
Seit längeren Zähren bereits lebte der Dichter in Berlin, und das mag bei ihm ebensowenig Zufall fein, wie es bei Gottfried Keller war: die ringende Menschenseele zu erfassen — wo fände sich reichere Möglichkeit dafür als in der Weltstadt? Lind wie Schaffner mit den Pro°i btemen sich beschäftigte, die in den Seelen der Personen aus einer kleinbürgerlichen Umtoelt, dem Berliner Hinterhaus, sich abspielen, das zeigt besonders der 1919 erschienene Roman „Weisheit der Liebe". Mit erstaunlicher Eindringlichkeit entwickelt hier der Dichter eine Handlung, die auS den einfachen, alltäglichen, ganz in jener nüchtern-
*) Sä-nliche hier genannten Werke sind in neuen Auslagen bei der Union Deutsche Derlags- gesellschaft in Stuttgart erschienen.
grauen Umtoelt wurzelnden Elementen aufgebaut ist. Schaffner, der stets mit der geringsten Zahl von Figuren auskommt (der „Sohannes" steht seiner ganzen Anlage nach auf einem besonderen Bla t), schöpft aus den Tiefen der menschlichen See e, nichts verbergend, nichts verschönernd, und entdeckt dort Eebie.e, Reichtümer, die ein anderer kaum zu ahnen vermag. Und wenn dann zum Beispiel der Dich.er in den „Kindern des Schicksals" (1920) nur drei Personen gegeneinander stellt und die junge, sehnsüchtige, zum Erwerb gelungene Witwe »wischen den ,ec i ch empfänglichen, geistigen Menschen und dem se bstcetouh.en, derbsinnlichen deutsch-amerikanischen Theatersänger wählen läßt, so empfindet man das nicht als eine der allzuvielen Liebesgeschichten, sondern als ein Bekenntnis des Dichters, als einen Hymnus auf den Sieg der Kräfte, die ineinander aufgehen müssen, damit ihr Schicksal sich erfülle.
Handlung und Chacakcerzeichnung bilden bei Schaffner stets eine unlösliche Einheit. Zeugnis da ür ist auch der bedeutende Roman „Der Dechant von ©ottesbü.e/i“. Ein unendlich liebevoll, mit kleinen menschlichen Schwächen gesehener katholischer Geistlicher steht hier im Mittelpunkt des Geschehens, und man muh es bewundern, wie der ga.cz protestantischer Umwelt angehörende Dichter es verstanden hat, eine so bis in ihr innerstes Leben hinein wahre Gestalt zu schaffen und den Geist ine.es Pfarrhauses so anschaulich zu schildern, daß man in feinen Räumen sofort heimisch wird. Linde, die Richte des Dechanten, ist die leidende Heldin der schönen Erzählung, und auö ihrer Mädchenhaftigkeit und Liebeskcait heraus entwickelt der Dichter die Handlung, die ein Kampf ist des Dechanten um die Seele der Richie, des Mädchens um ihren eigenen Wert, den sie durch freudige, bc» glückenwollende Hingabe an einen jungen Kriegshelden verloren glaubt. Das Ringen endet mit dem Tode des Mädchens, der eine Erlösung für die schamvolle Seele ist, der Dechant aber wird ein ganzer Mann Gottes, nachdem er in Gefahr stand, in weltlich-kunstgeschichtlichen Snteressen fein höchstes, frommes Streben zu verlieren.
Sm letzten in Buchform erschienenen Roman ..Das Wunderbare" ist die Handlung unruhvoller, bewegter, und der Schauplatz wechselt mehrfach. So zuckt hier auch das Seelische stärker auf und nieder als sonst bei Schaffner. Verschleiert Dämonisches in der Gestalt des großen Verführers mischt sich ein, und schweres Schicksal wuchtet auf den Hauptgestallen dieses vielleicht eine Wendung In des Dichters Schaffen an«4
man im Reich das Verständnis für Ostpreußens Röte und seine besonderen Belange nicht aufbringt.
Oberheffen.
X Wieseck, 11. Nov. Durch die Erneuerung unserer Kirche tonnte das Erntedankfest in unserer Gemeinde erst am letzten Sonntag gefeiert werden. Die verlorcngcgangene alte örtliche Sitte der vier Erntekränze, je einen mit Korn,Gerste Weizen, Hafer, wird nächstes Jahr wiedcrhergestellt fein; diesmal mußte der .Kranz mit Gerste leider noch fehlen. Mit einer sehr dankbaren Gemeinde füllte sich die Kirche bei der abendlichen L i t u r a i ° s ch e n Erntedankfeier, die im wesentlichen einem Plan von Mathilde Gerinn d folgte. Konfirmanden und Kinderkirche teilten sich mit Sprechern und Wechselgesang in den Abend: dabei zeigte die neugeschassene Sangeeempore vor der Orgel ihren Wert. Zu den Proben aus dem neu eingeführten Kindergesangbuch gab die Gesangsabteilung des Wartburgvereins zwei mehrstimmige Chöre. Einen Ehrenplatz auf dem vom Vormittag her reich geschmückten Altar erhielt bei der Feier ein von einer Konfirmandin in feierlicher Weise erhobenes Brot.
■ Rödgen, 11. Rov. Zu den Vereinen, die sich neben anderen Zielen die Förderung echter Volksblldung auf ihre Fahne geschrieben h.'.ben, gehört auch der hiesige Gesangverein „Concordia". Dieser veranstaltete am Sonntag nachmittag im Saalbau des Hch. Balser ein rvohlgelungenes Konzert, das trotz der 11 n- gunst der Witterung von hier und aus der Umgegend sehr gut besucht war. Das Programm bot eine Reihe köstlicher Proben von Kunstchören und Volksliedern, die von dem Leiter des Vereins, Chormeister K. Ricolai, sehr feinsinnig aufgefaßt und von den Sängern mustergültig vorgetragen wurden. Die da:.lb.iren Zuhörer geizten infolgedessen nicht mit ihrem Beifall, zwangen vielmehr den Chor zu einigen Zugaben. Das unter derselben Leitung stehende Doppel-Quartett des Sängerkranzes Großen-Buseck erntete für feine kunstsinnigen Darbietungen ebenfalls groben Beifall. Herr Schwarzlose, der mit wahre. Virtuosität sein Snftrument meisterte, hatte sich die Herzen der Zuhörer bald im Sturm erobert. Große Anerkennung verdient auch die verständnisvolle Begleitung des Herrn C o g e - Marburg. (Abends ging dann vor überfülltem Haufe das Schauspiel „Mag auch die Liebe weinen" in Szene. Die Vereinsleitung hatte mit der Wahl dieses Stückes insofern einen glücklichen Griff getan, als die Darsteller dieses für ländliche Verhältnisse schwierigen Werkes durch di: lebenswahre Wiedergabe der einzelnen Rollen einen durchschlagenden Erfolg erzielten.
* Großen-Linden, 12. Nov. Frau Katharina P i r r geb. Weigandt von hier begeht in diesem Jahre ihr 40 jähriges D ke n st j u b i l ä u m als Gemeindehebamme. Sie hat ihren Beruf während der langen Zeit stets zur Zufriedenheit ausgeführt. Frau Pirr ist noch sehr rüstig, so daß sie ihrem Berufe auch fernerhin gut nachgehen kann.
—Watzenborn-Steinberg. 12. Rov. Am kommenden Sonntag veranstaltet der hiesige Geflügel- und Kaninchenzuchtverein eine lokale Geflügel- und Kanin- chenzuchtausstellung.
f Grünberg, 12. Roo. Die Landwirtschaftliche Winterschule hat ihren Hn» lerrichtsbetrieb wieder ausgenommen. Die Schule ist in den Sälen des Rathauses untergebracht. An dem Unterricht nehmen in beiden Klassen 60 Schüler teil, und zwar in der oberen Klasse 36, in der unteren Klasse 24. Der Unterricht findet täglich von 8 bis 128/< Uhr vormittags und außerdem am Dienstag und Freitag von 2 biS 4 Uhr nachmittags statt. Fast alle Schüler kommen von auswärts. — Die Mäuseplage wird auch hier von den Landwirten sehr unangenehm empfunden. Man will zur Abwehr dem Versuch der Vergiftung nähertreten. Von kündigenden Romans. Und doch wird auch hier alles zu letzter Klarheit geführt, die Flammen werden gelöscht, und der Konflill löst sich in der neuen Fassung des Romans am Sterbebett der Mutter des Helden, der Geheimrätin Tribius, im Zeichen der tröstlichen Gewißheit: „Alle — scheiden wir als versöhnte Leute."
Ein bezeichnender Zug für Schaffners Verhältnis zu den Werken seiner Kunst ist fein unablässiges Bemühen, an ihnen zu feilen, ihre Handlung straffer zu fassen und die Profile noch klarer herauszuarbeiten: ein Bestreben, das sogar vor einschneidenden Acnderungen nicht zurückscheut. So erlebten Reuoearbeitungen die Romane „Das Wunderbare", „Der Dechant von Gottesbüren" und andere, und ebenso geht dev soeben erscheinende Roman „Die Glücksfischer" auf eine ältere Arbeit zurück. Schaffner weih auch hier wieder einmal schweizerische und norddeutsche We'en art und zugleich unterschiedliche Gefellschaftskla sen mit gewohnter Meisterschaft zu schildern. (Sin prachtvoll gesehener Baseler Rheinfischer und eine große Dame der Essener Schwerindustrie stehen im Mittelpunkt des Ereia- nisses, über die gleich feinem Herbstichleier Schaffners Humor sich breitet. Erstaunlich aber bleibt immer, was der Dichter aus der Gegenüberstellung seiner jeweiligen Romanfiguren an Lebensfülle und feinsinniger Charakterisierung herauszuholen vermag. So wird auch dieses neueste Buch die Zahl derjenigen vermehren, die an des Dichters besinnlicher Art des Er- zählens ihre Freude haben.
Wir Deutsche verdanken Sakob Schaffner aber noch mehr als wertvolle Romane und Erzählungen, die in Stil und Snhalt auf ziemlich einsamer Höhe inmitten unseres zeitgenössischen Schrifttums stehen. (5:';offner ist — darin etwa Thomas Mann vergleichbar — ein bewußt mitlebender und mitleidender Deutscher. Roch während des Krieges machte er sich unbeschadet feiner eidgenössischen Zugehörigkeit Gedanken um die deutsche Zukunft, und bald daraus erschienen Schriften, die mit den brennenden Problemen des Tages nach sozialer und politischer Richtuna hi» sich befaßten. Auch hier leuchten Schaffners Bodensestigkeit und Klarheit und sein unerschütterlicher Glaube an das Gute im Mensche» hell hervor. Es sind deutsche Schriften hn schönsten Sinne dieses Wortes, Dokumente eine- Kampfes in eines Dichters Seele, die man nicht missen möchte, zeigen sie ihn doch als ganz«» fühlenden Menschen und Mitbürger,


